Purity Ring – Konzertkritik

Ebenso wie die gestern vorgestellten MS MR waren Purity Ring Anfang 2012 aus dem Nichts aufgetaucht und verzückten Alle.  Mit ihrem Mix aus schweren Elektrobeats und der sanften Stimme von Megan James hatten sie es binnen kürzester Zeit zu Kritikerlieblingen geschafft. Vorgestern war es dann Zeit ihr neues Album ‚Another Eternity‘ im Berliner Postbahnhof am Ostbahnhof vorzustellen. Und die Halle bebte.

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Vom Hindernis der Vorband

Begleitet wurden Purity Ring von dem Duo Born Gold, das in erfrischend, komischer Art das Publikum zum tanzen brachte. Was auf den ersten Blick nicht etwa an der Musik oder der Performance lag, sondern eher am resignierenden Publikum. War doch der Sound eher schlecht. So hörte man in den ersten Reihen die Gitarre, die Perkussions und den Gesang nicht durch den Verstärker sondern in ihrem akustischen Klang, der dann hohl auf die Boxen übertragen wurde. Dazu kommt, dass Cecil Frena beim Performen so herumsprang, dass er mal keine Puste mehr für den zu singenden Text hatte oder ihm in seinen herumspringenden Bewegungen das Kabel vom Mikrofon abfiel. Man vermutete bei Born Gold fast, dass irgend ein Freund Purity Rings die Erlaubnis bekam, einmal als Support spielen zu dürfen, ohne aber jemals vorher einen Auftritt gehabt zu haben – würden hier nicht bereits vier veröffentlichte Alben in seinem Heimatland Kanada dagegenstehen. So konnte man sich nur seiner eigenen Musikbeschreibung der Experimentellen Musik ergeben und es hinnehmen wie es war um dazu zu tanzen.

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Nach einer 30 minütigen Umbauphase kamen dann endlich Megan James und Corin Roddick, alias Purity Ring, auf die Bühne und legten ohne ein Wort zu sagen, mit ‚Push Pull‘ los. Mit einsetzen des Sounds leuchteten an allen Ecken und Enden LED’s auf und ergaben eine Lichtsinfonie der besonderen Art. Überhaupt war Sinfonie das ganze Konzert über eine Wort, dass einem immer wieder in den Sinn kam. Spielte doch Roddick die Drums auf einer Art Laternenorgel, die bei jeder Berührung sowohl den gewünschten Ton als auch visuelle Effekte wiedergab. Hinzu kamen 20 bis 30 Lichtschleier die pulsierend zum Beat, der Bühne eine unerwartete Tiefe gaben. Diese Tiefe hatte allerdings auch Megan mit ihrer Stimme erzeugt und sang mal kräftig oder auch leise und zurückgehaltend ihre Texte.

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Eine Lichtsinfonie folgt der Nächsten.

Die Person Megan James war hierbei auf der Bühne fast schon ein Projekt. War sie doch in einem futuristischen, weißen Anzug mit Schulterflügeln auf die Bühne gekommen und hatte eine Windmaschine zur Effektunterstützung dabei. So ging es durch Songs wie ‚Stranger Than Earth‘, Repetition‘,‘ Obedear‘ und ‚Lofticries‘ ehe James das erste mal zum Publikum sprach und sich für den warmen Empfang bedankte. Wirkte sie davor noch eher unnahbar, war sie danach sympathisch, ja fast schon süß. Hatte sie doch eine weiche, warme Stimme und so gar keine Probleme, mit dem Publikum auf eine natürliche Art zu sprechen. Dies gelingt dann doch nicht jeder Band – man denke nur an so viele anheizende Reden.

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Und so folgte mit ‚Heartsigh‘, ‚Sea Castle‘ ‚Belispeak‘ ‚Fineshrine‘ und ‚Begin Again‘ ein wahrer Mix aus den beiden bisher veröffentlichten Alben. Hierbei fiel einmal mehr auf, wie satt und ausgereift die Show war. Passte doch jeder einzelne Effekt der Lichter und die Bewegung von James auf der Bühne so perfekt zusammen, dass es schon fast berauschend wirkte – doch niemals einstudiert oder gar totgeplant. Weiteres Highlight hier war das Lichtklavier, dass James mit Spiegelhandschuhen bediente und bei Berührungen einen Klang abgab sowie Licht in die Menge reflektierten.

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Wer ist Ben?

Mit ‚Dust Hymn‘ und ‚Flood On The Floor‘ folgten zwei Balladen voller Bass eher sie nochmals mit dem Publikum ins Gespräch kam und uns wissen lies, dass sie hier in Berlin nur einen Freund, mit dem Namen Ben kenne. Diese hat sich an diesem Abend allerdings nicht zu erkennen gegeben. Und so folgten mit dem Hinweis, dass sie keine Zugabe spielen würden, die letzten beiden Songs ‚Stillness In Woe‘ und ‚Bodyache‘ ehe sie von der Bühne verschwanden.

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Futurepop existiert!

Was bieb war ein überwältigtes Publikum, das dieses Konzert noch verarbeiten musste. War es doch so reich an Musik, an Effekten, an Gefühlen und an Reizen. Auch wenn dieses Genre schon einige Jahre als Beschreibung herum kursiert, haben es Purity Ring geschafft, es so passend wie keine andere Band auf sich zu beziehen. Das Genre des Futurpop.

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