Bear's Den - Christmas, Hopefully

Bear’s Den – Andere Weihnachten, ähnliche Wünsche

In ihrem Post sprechen die Briten von Bear’s Den davon, wie sie sich auf das kommende Weihnachtsfest freuen. Sie sprechen aber auch von einem harten Jahr. Davon, dass für viele Menschen da draußen nichts mehr so ist, wie noch 2019. Als Live-Band bedeutet dieses Jahr aber auch eine Zäsur zu setzen und sich neu zu finden. Wurden mit dem ersten Lockdown im Frühjahr alle Bars und Kneipen geschlossen, blieben auch die Clubs und Konzerthäuser nicht davon verschont – selbst Festivals mussten abgesagt werden. Hat es viele Künstler*innen getroffen, waren auch Bear’s Den mit der Situation konfrontiert, dass die Pandemie nicht nur ihr Privatleben beeinflusste, sondern auch die Ausübung ihres Berufs drastisch eingeschränkt hat. Wie bereits viele andere Künstler*innen, haben sich Bear’s Den einen Weg gesucht, um mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben und boten 360°Konzerte an. Was bleibt, ist aber das Gefühl, mit angezogener Handbremse zu performen – fehlt doch das direkte Feedback der Fans. Jetzt, zur Weihnachtszeit, ist auch bei Kevin Jones und Andrew Davie das Gefühl von Heimeligkeit und der Wunsch nach Nähe eingekehrt.

Bear's Den
Bear’s Den

Auch wenn diese Weihnachten anders verlaufen werden, als die Familienfeste, die wir sonst all die Jahre über gewohnt waren, zu feiern, so ist der Wunsch nach Nähe zu den uns wichtigen Menschen, wie der Familie, bei jedem gleich. Nun hat sich die Band an ein paar neue Songs gemacht und mit Christmas, Hopefully eine 3-Track EP veröffentlicht, welche nicht nur die gleichnamige Weihnachtssingle beinhaltet, sondern mit Berlin Part II auch die Fortsetzung des großartigen Songs Berlin bereithält. Als dritter Song ist Favorite Patient enhalten und bietet allen Bear’s Den Fans einen Sound, der passender nicht hätte sein können. Auf Christmas, Hopefully wird Davies Stimme vom Klavier und seichten Drums begleitet, die einem das Gefühl von Behaglichkeit vermitteln. Auf der Suche nach der verlorengegangen Nähe zu den Menschen, die uns lieb sind und auf die Momente, die uns so viel bedeuten, haben die Londoner eine EP der warmen Gefühle veröffentlicht. Gleichzeitig gehen die gesamten Einnahmen der Veröffentlichung – die es mit Schal und Hoodie auch in einer limitierten Deluxe Version gibt – an den National Health Service (das staatliche Gesundheitssystem Großbritanniens), dem sich die Band von Anfang an sehr dankbar zeigte. Bear’s Den lassen die Weihnachtszeit ruhig ausklingen und geben uns einen Begleiter mit durch die letzte Periode dieses Jahres, der sich um uns legt und wärmende Nähe aufbaut.

Bear's Den - Only Son Of The Falling Snow

Bear’s Den – Der wunderbare Klang des Winters

Es ist wie ein nach Hause kommen. Bereits mit Berlin hatten Bear’s Den im Winter 2016 einen Song veröffentlicht, der fernab der regulären Alben für ein so vertrautes und warmes Gefühl sorgte und obendrein eine ganz besondere Nacht der Band im kalten Berliner Winter beschrieb. Dabei ist es mit dem neuen Song Only Son Of The Falling Snow genau diese Stimmung, die Andrew Davie und Kevin Jones einzufangen versuchten. So stellten sie sich vor, dass Jemand, nach sehr langer Zeit, das erste Mal wieder in seine Vergangenheit schaut. Hinein, in das Haus mit der ersten Wohnung, auf den Schulhof oder der vertrauten Familienumgebung. Doch zeigt die Zeit auch, wie es weiterging und genau dieses Wandeln entspricht so oft dem Gefühl des Winters. Bear’s Den veröffentlichen damit am 6. Dezember die gleichnamige EP Only Son Of The Falling Snow und bringen uns so, über die Ohren wärmend, durch den Winter.

Bear's Den - So That You Might Hear Me

Bear’s Den – Berührend hoch 3

Nun ist es endlich soweit, nach drei Jahren ist heute das dritte Studioalbum So That You Might Hear Me von Bear’s Den erschienen. Damit präsentieren sich die Briten nach dem monumentalen Red Earth & Pouring Rain abwechslungsreicher denn je. Mit dem elektronischen Fuel On The Fire, den ruhigen Folksongs Laurel Wreath und Blankets Of Sorrow oder dem epischen Fossils haben sich Bear’s Den deutlich breiter aufgestellt, als noch auf Islands und Red Earth & Pouring Rain. Bei der aktuellen Single Crow haben Andrew Davie und Kevin Jones dann auch eine stripped-down Ballade auf dem Album, die so zurückhaltend ist, dass man sich voll und ganz darin verlieren kann. Für das Musikvideo haben die Jungs dann auch ihre Fans in den Städten São Paulo, Nashville, London und Brüssel zu einem First-Listening eingeladen und wurde mit den Fans ein Video erstellt, bei dem es darum ging familiäre Beziehungen zu präsentieren. Zusammengekommen, sind die verschiedensten Menschen mit ihren Liebsten oder auch Menschen, die nur ein Foto bei sich trugen, auf dem eine verstorbene Liebe gezeigt wird. Musikalisch geht Crow dabei in die einfühlsame Richtung und lässt viel Raum für Gefühle. Dabei zeichnet sich Crow durch das Zusammenspiel all dieser Einflüsse episch und monumental aus. Mit großem Pathos und einer gleichzeitigen Sensibilität lädt Crow unverkennbar ein, das neue Album zu hören und sich im Bear’s-Den-Sound zu verlieren – denn das schaffen die Briten wieder einmal hervorragend mit ihren neuen Songs.

Bear’s Den – Eine Band für die Ewigkeit

Es gibt Bands, die begleiten uns ein Leben lang nur nebenbei und nehmen wir deren Musik als angenehm berieselnd war. Und es gibt Bands, die eine große Auswirkung auf uns haben. Deren Musik wir mit Erinnerungen, Gefühlen, einem Geruch oder einer bestimmten Entscheidung verbinden. Bear’s Den gehört zu der letzteren Kategorie von Bands. Durch ihre großen Songs bieten sie Raum dafür, selber Gefühle und Emotionen mit ihren Songs zu verknüpfen oder gar mit der Band selbst Erlebnisse zu generieren. Schaut man sich das Veröffentlichungsdatum ihres letzten Albums Red Earth & Pouring Rain an, welches im Sommer 2016 erschien, ist man fast sprachlos, wie schnell drei Jahre vorbeiziehen können. Mit Auftritten im Berliner Huxley’s 2016, auf dem Lollapalooza 2017 und zum Reeperbahn Festival in der Elbphilharmonie 2018 blieb allerdings auch gar keine Zeit zu denken, die Band habe eine Pause eingelegt. Nun steht für Ende April mit So That You Might Hear Me ihr drittes Album an und zeigt mit der ersten Singleauskopplung Fuel On The Fire, dass die Reise kontinuierlich weitergeht. Was sich bereits auf Red Earth & Pouring Rain ankündigte, wird nun konsequent weitergeführt und so klingen Bear’s Den nicht mehr nur nach Folk. Fuel On The Fire besitzt – ähnlich wie der gleichnamige Titelsong des zweiten Albums – ein elektronisches Soundbett und besticht durch Andrew Davie intensive Stimme. Ab der Mitte des Songs kommen dann noch epische Synthies hinzu, die nach der ganz großen Bühne rufen. Dabei hat es das britische Duo in den knapp vier Minuten geschafft einen emotionalen und intensiven Song, sowie eine Stadionhymne zu produzieren, bleiben dabei immer auf dem höchsten Niveau und enttäuschen bisher nicht ein Mal.

Bear’s Den – Ein Geschenk an Berlin

Bear's Den - Berlin

Bear’s Den – Berlin

Mit ihrem zweiten Album Red Earth & Pouring Rain haben es Bear’s Den geschafft, zur gefeierten Band zu werden. So sind ihre Konzerte weltweit ausverkauft und findet man ausnahmslos lobende Konzertkritiken im Netz. Der sanfte Folk des Debütalbums Island wurde auf dem zweiten Album durch einen episch arrangierten Sound verstärkt. Nun haben Bear’s Den einen Song veröffentlicht, der als Dank an Berlin gemeint ist. Denn so heißt er dann auch – Berlin. Dabei klingt Berlin ergreifend, verletzlich und voll von Liebe. Hier singt Andrew Davie von Erinnerungen an eine Begegnung in einer kalten Winternacht in Berlin. Da wird vom kalten Wind, sich berührenden Händen gesprochen und ein warmes Gefühl in der Brust beschrieben. Bear’s Den selbst haben den Song auf ihrer Facebook-Seite mit den Worten angekündigt, dass Berlin seit jeher ein ganz besonderer Ort für die Band ist. So entstand dieser Songs als Art Liebesbrief an die Stadt und als Dankeschön an alle Fans. Wer auf einem der Berliner Konzerte war, wird wissen, dass die Magie, die Bear’s Den live auslösen, dem Gefühl dieses Songs sehr nahe kommt. Berlin ist Verlangen, Sehnsucht, Trauer und Liebe zugleich und transportiert eine unglaubliche Wärme und ist somit perfekt für die besinnlichste Zeit des Jahres.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt Berlin)

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin
Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Sie retten den Folk und Alternative Rock. So hatte es kürzlich eine britische Zeitung vor dem Release des zweiten Bear’s Den Albums Red Earth & Pouring Rain betitelt. Und tatsächlich sind Bear’s Den eine Band, die genau das macht, ohne diese Aussage für sich selbst zu beanspruchen. Dass die, auf ein Duo geschrumpfte, Band eher zurückhaltend ist, bekam man an diesem Abend im Berliner Huxley’s Neue Welt zu spüren. Inszenierten sie sich doch groß und blieben dennoch bescheiden und unglaublich sympathisch. Doch krempeln wir den Abend mal von vorne auf.

Matthew And The Atlas @Huxley's Neue Welt Berlin
Matthew And The Atlas @Huxley’s Neue Welt Berlin

Matthew And The Atlas

Der Konzertabend begann pünktlich mit Schlag 20 Uhr, als die ebenfalls aus London kommende Band Matthew And The Atlas auftraten. Ist ihre Musik im Folk und Country angesiedelt, passte diese Beschreibung allerdings nicht immer zu jedem Song. Vielmehr ließen Matthew And The Atlas ein Lagerfeuer entfachen. Mit knisternd, wärmenden Licht und einer berührenden Stimme. Mit den Songs Temple, Graveyard Parade, Old Master und On A Midnight Street schafften sie es schnell, mit dem Publikum eins zu werden. Spätestens mit dem melancholischen Elijah wurden auch die letzten Herzen des Huxley’s erwärmt und sorgten für so manch rollende Träne. Emma Gatrill am Pedal Steel bedankt sich dann auch mit den Worten, dass es die Band unglaublich schön fand, wie still das Publikum während der Song war.

Hasta La Vista Baby

Dieser Ausspruch sollte nicht nur zu einem der meist genutzten Filmzitate der 80er Jahre avancieren, sondern Bear’s Den in die Höhle des Löwen schicken. So hatte sich das Duo als Intro den Film-Score des Terminators ausgesucht und ließ im Vorfeld das Huxley’s mit Duftstäbchen belüften. Nach einem kurzen ‚I’ll Be Back-Flashback‘ bei beim Ein oder Anderen im Saal, kamen die Jungs schließlich auf die Bühne und eröffneten das Konzert mit einem sehr starken Red Earth & Pouring Rain. In unfassbaren 30 Sekunden schafften Bear’s Den es, die Weite des Albums, die Melancholie und Verletzbarkeit zu transportieren und den Raum in eine Blase zu packen, aus der man erst nach 110 Minuten wieder entlassen werden sollte. Es war ein Moment der Reflektion, den die Band erzeugte, wenn sie sich zwischen den Songs immer wieder ungläubig anguckten und selbst überrascht über die Resonanz des Publikums waren. Denn was ihnen entgegen schrie, war das pure Glück und die Freude, diese Band live zu sehen. Dabei zu sein, wenn eine Band die Stimmung erzeugt, die man sonst nur alleine zu Hause oder über Kopfhörer unterwegs erlebte.

1.600 Gäste auf dem Badminton-Spielfeld

Weiter ging es mit dem epischen Emeralds, ehe sie, für den Anfang des Songs, Elysium zur Ruhe kamen. Doch mit Banjo und Trommeln bewaffnet folgte das Publikum dem Song wohl wissend zur Mitte und damit zu dem Moment an dem die Trompete durch den Saal hallte. Überraschend war dann auch die Nutzung von Synthies, die vor allem bei Songs wie Broken Parable und dem bereits gehörten Emeralds auffielen und diese gewisse Weite erzeugte, die der Band so gut steht. Nach einer kleinen Anekdote, dass die Band auf Tour immer Badminton spielt und die Hallen, in denen sie auftreten in ein Spielfeld verwandelt, folgten mit Greenwoods Bethlehem und Stubborn Beast zwei sehr unterschiedliche Songs. Der eine groß, mystisch und mit satten Klang und der andere akustisch und nach Lagerfeuerstimmung klingend. Worauf mit Isaac ein ebenso akustischer wie roher Sound folgte. War ein Banjo immer wieder mit dabei, fragte Kevin Jones – an der Gitarre und am Bass – rhetorisch, was denn besser wäre als ein Banjo. Das Publikum quittierte ihm die Frage mit der richtigen Antwort – zwei Banjos. Und so stöpselten die Beiden und ihre vier Tourmitglieder alle Instrumente ab und spielten den Song Sophie kurzerhand akustisch und mit zwei Banjos.

Das Gefühl von Glück

Es kam immer wieder auf, dieser Moment, des Glücks. Bear’s Den ließen einem bewusst werden, welche Menschen Wärme spenden, welche Momente in der Vergangenheit die stärksten Gefühle erzeugt haben – einfach, in welchen Moment man sich selbst groß, stark und voller Freude fühlte. Und sie zeigten auch, dass all diese Gefühle immer durch eine andere Person ausgelöst wurden. So sind die Texte der Briten voll von Aussagen rund um Liebe, Vertrauen, Sehnsucht und Hingabe. So passte es auch, dass mit Love Can’t Stand Alone wieder eine Ballade folgte, die mit sphärischen Bässen durch den Saal waberte. Mit Roses On A Breeze steigerte sich der Sound dann langsam wieder und wurde mit Andrew Davies warmer Stimme als Mantel umhüllt. Diese gefühlvolle Art hielt auch bei Fortress an, um dann schleichend von When You Break gebrochen zu werden. Rastete die Band doch in der letzten Minute dieses Song so sehr aus, dass mit Blitzlicht und intensiven Schlagzeug, Gitarren und Bass ein Moment der Ekstase entstand, um dann ganz scharf abzufallen und den Song mit den Zeilen „And I have seen all that you’ve seen, and I have been where you’ve been, no, our hands will never be clean, at least we can hold each other“ zu beenden.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin
Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Mit der Stärke eines einzelnen Songs

Mit Auld Wives folgte ihr wohl stärkster Song und zugleich auch ein Song, der als Referenz für die Band in den nächsten Jahren nachhallen wird. Bear’s Den schaffen es, dass Auld Wives eins zu eins klingt, wie man ihn vom Album kennt. Da steht ein starker Bass mit einem präsenten Schlagzeug genauso im Vordergrund wie die Synthies und Davies emotionale Stimme. So wünschte man sich, dass der Song für die nächsten zehn Minuten laufen würde um ja keinen Moment dieser Kraft zu verpassen. Doch irgendwann war auch dieser Song vorbei und Jones kündigte mit Above The Clouds Of Pompeii den letzten Song des Abends an. Zwischen – fast freundschaftlich klingenden – Buh-Rufen begann die Band das Intro zu spielen. Im Publikum setze, wie bei einem Startknopf, das Mitsingen ein. So wurde die Textzeile „Don’t cry, hold your head up high, she would want you to, she would want you to“ zur Hymne und durch den Chor von 1.600 so kräftig, dass sich die Band wieder anschaute und nicht glaubte, was ihnen passierte.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin
Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Ein Ende vom Ende

Kündigten Bear’s Den mit The Clouds Of Pompeii ihren eigentlich letzten Song an und verschwanden danach von der Bühne, verriet der Roadie, durch das Stimmen der Gitarren, dass es wohl doch noch mehr zu hören gab. Und so kamen die Jungs keine Minute später wieder auf die Bühne um mit Napolean nochmals ruhig zu werden. Mit Drew The Vines folgte dann noch eine schnellere Nummer ehe das passierte, was typisch für Bear’s Den war und gleichzeitig auch ein Moment war, den man so nur noch sehr selten auf Konzerten erleben kann. Hatte die Band Sophie schon akustisch gespielt, kamen sie nun für Gabriel in die Mitte des Saals und sangen inmitten aller Fans. Um sie herum setzte sich das Publikum hin, so, dass auch die, die weiter hinten standen, alles sehen konnten. Mit dieser Geste, sowohl von der Band, als auch vom Publikum zeigte sich einmal mehr, dass Teilen, so viel mehr wert ist. Im Anschluß verriet Andrew Davie, dass Berlin die einzige Stadt weltweit sei, die diese Geste zeige und sie dafür sehr dankbar seien. Wer bereits im Kesselhaus dabei war, kann das nur bestätigen, nahm doch beim Auftritt im Oktober 2015 das Publikum auch dort Platz und öffnete so die Sicht für alle.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin
Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Zum Abschluss spielten sie den Song, mit dem alles begann. Agape war 2012 plötzlich in aller Munde und geisterte mit zunehmenden Erfolg von Mumford & Sons durch diverse Blogs. An diesem Abend sollte Agape nochmal dafür stehen, das Publikum in ein großes Klassentreffen mit glücklichen Gesichtern zu verwandeln. So kam auch der 1.600 Mann starke Chor noch einmal hinzu und sang die Zeilen „I don’t want to know who I am without you“ bis der letzte Ton verstummte.

Dass diese Band, die mittlerweile zwei Alben veröffentlicht hat, die besten Musikkritiken der letzten Jahre in diesem Genre einheimsen konnte und in ausverkauften Häusern spielt, immer noch verwundert und überwältigt ist, wie sie das Publikum aufnimmt, zeigt, wie bodenständig und nah sie am Publikum sind. Da stehen diese beiden Musiker auf der Bühne und wissen wohl selber nicht, wie sehr sie ihr Genre retten.

Bear's Den - Auld Wives

Bear’s Den – Das zweite Album naht

Mit ihrem Debütalbum Islands haben sich die Londoner von Bear’s Den in die Herzen der Folk- und Alternativefans gespielt. Waren doch Songs wie Agape, Above The Clouds Of Pompeii und Elysium so wunderbar verletzlich. Nun kommt am 22. Juli ihr zweite Album Red Earth & Pouring Rain auf den Markt. Als erste Single haben Bear’s Den Auld Wives veröffentlicht, der sich nach Wehmut, Stärke, Zerbrechlichkeit, Aufbruch und aufrichtige Liebe anhört. Sie sind ruhiger geworden, haben aber dennoch einen satteren Sound als es die ersten Singles ihres Debüts hatten. Es klingt stimmiger und voller und lässt Auld Wives so noch mächtiger klingen. Lässt man sich auf Auld Wives ein, nimmt es einen mit in die Welt der reinen Gefühle. Stärke muss nicht etwa brachial daherkommen. Bear’s Den zeigen, dass dies auch auf ruhige Art funktioniert.

Bear's Den

Bear’s Den – Konzertkritik

Die neuen Folkhelden sind geboren. Bear’s Den hatten am vergangenen Sonntag bewiesen, wie leise eine Band in das Bewusstsein der Hörer eindringen kann. An diesem Herbstabend passte alles, so luden die Londoner in das Berliner Kesselhaus ein, das, durch seine einzigartige Lage – in der Berliner Kulturbrauerei – eine ganz besondere Atmosphäre erzeugte. Wurde Lisa Mitchell als Support leider verpasst, kamen nach knapp einer Dreiviertel Stunde Andrew Davie, Kevin Jones und Joey Haynes auf die Bühne und legten gleich mit Elysium los. Mit einer Gitarre begleitet, sang Andrew Davie so einfühlsam, dass man sich direkt geborgen fühlte. Langsam steigernd setzte schließlich das Schlagzeug ein und ließ bis zum opulenten Knall eine Stille im Raum entstehen, die es so den Abend über noch des Öfteren geben sollte. Mit einsetzen der Trompete, weitete sich das Kesselhaus zu einer Arena, die den Klang nicht für sich behalten konnte. Hörten sich Bear’s Den doch, gleich mit ihrem Opener an, als würde ihnen die große Weite gerade so passen. Mit Mother und Don’t Let The Sun Steal You Away folgten zwei weitere, ruhige Folkballaden, die mit dem Banjo und Chorgesang für Lagerfeuerstimmung sorgten.

Er geht auf das Publikum zu

Nach drei Liedern folgte dann auch das erste Gespräch mit der Menge, indem er darüber sprach, wie sehr es die Band beeindruckt habe, dass das Berliner Konzert restlos ausverkauft sei. Hält man dagegen, dass Bear’s Den hierzulande eigentlich noch so gut wie unbekannt sind und das Debütalbum nur unter Liebhabern des Folks eine gewisse Bekanntheit hat, war dies schon beachtlich. Andrew Davie wurde dann auch nicht müde, immer wieder zu betonen, wie sehr er diese Stadt liebe und, dass es für die Band immer wieder eine Freude wäre, nach Berlin zu kommen. Ist dieser Satz aus den Mündern so vieler Bands zu hören, klingt er bei Bear’s Den dann doch so, dass man ihn ernsthaft glauben mochte. Lassen sich diese drei vollbärtigen und mit Flanellhemden bekleideten, gestandenen Männer doch nicht gerade als Beispiel für Oberflächlichkeit verwenden. Mit Magdalena, Think Of England und Red Earth And Pouring Rain lieferten sie dann auch gleich drei weitere große Songs ab, die sich alle melancholisch klingend, hinüber in eine epische Gesamtkomposition verwandeln. Hier wurden Trompeten, Banjos, Schlagzeug und Bass so opulent eingesetzt, dass Davie’s Gesang darin zu verschmelzen vermochte und dadurch eine einzige Traumwelt entstehen ließ.

Bear's Den
Bear’s Den

Und plötzlich hört man irgendwo eine Nadel fallen

Bei der nun folgenden Performance von Sophie entschieden sich die drei, gänzlich auf Verstärker und Mikrofon zu verzichten. So spielten sie Sophie schließlich komplett akustisch und ließen das Publikum staunend in Richtung Bühne schauen. War doch das Kesselhaus so leise, dass man die Lüftung an den Decken ziehen hören konnte. Hier gab es ein Publikum, dass wusste, wann es Zeit ist ruhig zu sein und wann nicht. Und so hörte man tatsächlich bis in die letzte Reihe des Saales, was Davie vorne sang. Mit Isaac öffneten sie schließlich den Teil der Band, der sie nahe und gefühlvoll zeigte. War Isaac doch der ruhigste Song bis dato und wirkte, als würde man ihn von einer alten Liebe ins Ohr geflüstert bekommen. So lagen Töne der Resignation dicht neben denen der Hoffnung und Angst. Mit dem darauffolgenden The Love We Stole tauchten Bear’s Den dann auch wieder auf und ließen das Publikum in die Höhe greifen. Nach Aufbruch hörte es sich an. Und man begann die Vermutung zu hegen, dass das komplette Konzert eine Geschichte in chronologischer Reihenfolge werden sollte. Läutete er doch die Größe der nachfolgenden Songs ein. When You Break, tanzte da noch etwas aus der Reihe, war er doch deutlich elektronischer mit Bass und E-Gitarre und ließ die Band abdriften, in eine Welt die Coldplay vorher nur zu gehören schien. So gab es sphärische Längen die in einem intensiven Schlagzeug und Trompetenklang übergingen und dabei eine Weite transportierte die so nur bei der Band um Chris Martin zu hören war.

Bear's Den
Bear’s Den

Wenn das Herz bricht

Es folgte der wohl stärkste Song des Abends und auch der stärkste der Band. Sahara war eine epische Komposition die mit Trauer gefüllt, nicht nur Gänsehaut sondern auch Tränen forderte. Steckte in diesem Song doch so viel Emotion, so viel Pathos und wurde dieses Gefühl durch die Gitarre und der so entstandenen Weite ins unermessliche verstärkt, dass im Saal eine Stimmung entstand, die von Ergriffenheit und Reflektion zugleich gefüllt war. So brach es einem das Herz und war dennoch glücklich diesen Moment erlebt zu haben. Mit Above The Clouds Of Pompeii leitete die Band dann auch das letzte Lied ein. Hier wurde Davie dann nicht müde immer wieder zu betonen, dass dies der letzte, der allerletzte Song sein würde – schließlich habe man ja erst ein Album veröffentlicht. Doch sprach er diese Aussagen mit einem grinsenden Unterton aus und erwartete wohl kaum, dass das Publikum ihm das abnehmen würde. So zählte er ein und begann zu singen. Doch nicht nur er setzte hier ein. Viele aus dem Publikum folgten ihm – jeder für sich, ganz leise, doch trotzdem zusammen. Aus allen Richtungen kam diese Vertrautheit, als würde man sich schon ewig kennen. Schließlich verhallte Above The Clouds Of Pompeii mit dem Abgang der Band. Lange Minuten vergingen und einige im Publikum ließen sich zu den Garderoben treiben, als das wohl schönste passierte, was an diesem Abend hätte von der Band kommen können. Es war nicht etwa der Umstand, dass die Band eine Zugabe spielte, obwohl sie es vorher so vehement ausschlossen. Es war der Umstand, dass sie sich für den Song ‚Bad Blood‘ direkt in die Menge stellte, in den Mittelpunkt des Saals und diesen Song akustisch spielten. Das Publikum huldigte dies mit einem großartigen Kniefall und hockte sich um die Band herum hin. So entwickelte sich aus dem Moment heraus eine Zusammenkunft, die auf beiderseitiger Anerkennung basierte. Man konnte das Gefühl bekommen, bei einem Wohnzimmerkonzert gelandet zu sein.

Bear's Den
Bear’s Den

Zu ewigen Dank verpflichtet

Hatten sie sich hiernach wieder zur Bühne zurückgearbeitet, sprach Davie nochmals an, wie wunderbar die Band Berlin finde und, was wohl eher spaßig gemeint war, dass sie sich bereits nach Wohnungen umgesehen hätten. Berlin gibt viel und deshalb seien sie besonders überwältigt hier spielen zu können. Was folgte waren ein hymnisches ‚Gabriel‘ und der Opener des Debütalbums IslandAgape. Agape schloß den Abend ab, wie der Epilog eines großartigen Buches – mit choralem Gesang, Gitarrenbegleitung und bedächtiger Stille. Und plötzlich waren sie weg. Angekündigt und doch unerwartet entließen Bear’s Den das Publikum in die herbstliche Sonntagnacht und gaben der Menge eine Stimmung mit auf den Weg, die wirkte, als hätte man einen jahrelang nicht gesehenen Freund wieder getroffen und festgestellt, dass man sich eigentlich ganz schön vermisst hatte.

Bear's Den - Above The Clouds Of Pompeii

Bear’s Den – Sie veröffentlichen ihr Album

In den letzten Monaten wurde bereits viel über Bears Den geschrieben. Und so fand der ein oder andere Song seinen Weg auch in diesen Blog. Nun kommt die dritte Singleauskopplung raus und das kurz vor dem Album. Und so überzeugt Above The Clouds Of Pompeii auch hier wieder mit seinem Singe/Songwriter/Folk Mix und lässt uns fühlen, als würden wir einem guten Freund zuhören. So wird das Album wohl seine Fans finden und nicht nur fernab des Mainstreams Bekanntheit erlangen.

Bear's Den - Elysium

Bear’s Den – Stehen vor ihrem ersten Albumrelease

Wenn es eine Band schafft, innerhalb der ersten zwei Jahre ihrer Bandgeschichte die Londoner O2-World auszuverkaufen, muss wohl alles richtig gemacht haben. Doch erschreckt das derart rasante Tempo von Bear’s Den dann doch so ziemlich alle. Nun haben sie mit dem Song Elysium den letzten Anstoß gegeben, sich auf das Album zu freuen. Ist die Nummer doch eine epische Folkballade mit einer Dramaturgiekurve wie sie nicht hätte besser sein können. Und so lässt sich Folk auch ganz einfach groß machen.