Sea Girls - Closer

Sea Girls – Und plötzlich gehts ganz schnell

Ob die Jungs von Sea Girls gedacht hätten, dass es so schnell geht?! Daraufhin gearbeitet haben sie zumindest. 2015 gegründet, hat das britische Quartett mit Henry Camamile als Frontsänger in den letzten vier Jahren große Schritte gemacht, die schließlich 2018 und Anfang dieses Jahres ihren vorläufigen Höhepunkt – einen Plattenvertrag zu unterschreiben – markierten. Waren sie bereits im letzten Jahr auf den Listen der großen Radiostationen als Act To Watch vertreten, folgte im Mai die große Verkündung, dass Sea Girls einen weltweiten Plattenvertrag mit Polydor unterschrieben haben. Mit der aktuellen Single Closer, welche die Londoner Jungs am vergangenen Freitag veröffentlichten zeigen sie dann auch recht flott, was man von ihnen erwarten kann. Denn hier treffen schnelle Gitarrenriffs auf die klare aber auch drängende Stimme Camamiles und bilden mit einem eingängigen Refrain einen wunderbaren Rock-Ohrwurm. Sea Girls haben das Zeug, sich eine riesige Fangemeinde aufzubauen, denn solche Musik aus Großbritannien zu hören, gab es das letzte Mal Mitte der 2000er und endete Anfang der 2010er mit den Worte Rock ist tot. Durch Sea Girls müsste man nun sagen Rock ist tot, lang lebe der Rock!

Werbeanzeigen
Girl In Red - I'll Die Anyway

Girl In Red – Auf dem Weg zu Chapter 2

Bereits Anfang Januar hatte Girl In Red mit der Single We Fell In Love In October eine wunderbare Liebeshymne für all diejenigen veröffentlicht, die es schwer und herausfordernd finden, sich zu verlieben. Nun hat Marie Ulven mit I’ll Die Anyway einen weiteren unmissverständlich direkten Song veröffentlicht, der zeigt, wie sich eine 20-Jährige in der heutigen Zeit fühlt und womit sie sich auseinandersetzt. Ulven selbst hinterfragt momentan alles, was mit ihr zu tun hat und kommt immer wieder zu dem Schluss, dass sie bisher nur weiss, dass so nichts weiss. Diese Orientierungslosigkeit hat Ulven wunderbar in einen Dreampop-Song verwandelt, der mit einem schnellen Gitarrenspiel anfängt, nur, um sich mit Einsetzen des Gesangs in eine verträumte Welt zu verlieren. Mit der Textzeile I reach for me but I’m not there. It’s so lonely but who cares. It’s fine, it’s ok. But I’ll die anyway zeigt die Norwegerin gleichzeitig, wie direkt ihr Songwriting ist. Girl In Red ist keine Blaupause eines Teenagerlebens, sondern zeigt vielmehr die Vielschichtigkeit einer heutigen jungen Erwachsenen und gleichzeitig, wie wunderbar sich dies in Musik umsetzen lässt. Nachdem die EP Chapter 1 Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde, folgt nun am 6. September Chapter 2.

Fever Ray - I'm Not Done (Still Not Done Mix)

Fever Ray – Bekanntes neu arrangiert

Fever Ray ist die Außerirdische unter den schwedischen Künstlern. Mit ihrem experimentellen Elektropop und den bahnbrechend, verstörenden Liveauftritten entwickelte sich schnell ein Kult um die Musikerin. Dabei ist Karin Dreijer – wie Fever Ray bürgerlich heisst – noch weitaus stärker mit der schwedischen Musikszene verflochten, als es auf den ersten Blick scheint. Denn als Teil von The Knife hatte sich Dreijer bereits Mitte der 2000er für die Überhits Pass This On und Heartbeats verantwortlich gezeichnet. Diese sind musikgeschichtliche Meilensteine geworden und haben viele Künstler inspiriert, Musik zu machen. Darüberhinaus hat Dreijer den Gesangspart auf einem ebenso bedeutenden Song der früheren Popkultur übernommen und an What Else Is There? vom norwegischen Elektro-Duo Röyksopp mitgewirkt. Nun hat Dreijer als Fever Ray einen Song, der vormals auf ihrem Debütalbum Fever Ray war, neu veröffentlicht, jedoch in eine andere Richtung arrangiert. Denn bereits 2009 enthielt das Album den Song I’m Not Done welcher in den Folgejahren fast untergegangen wäre, hätte ihn Fever Ray für die 2018er Shows nicht neu arrangiert. Seitdem begeistert der Song die Menge bei jedem Auftritt und arbeitet Fever Ray kontinuierlich an dem Elektrobeat und treibenden Sounds des Stückes. Nun hat die Schwedin diese Version als I’m Not Done (Still Not Done Mix) veröffentlicht und damit den Wunsch der Fans erhört. Herausgekommen ist ein Song, der mit Bass, Synthies und einem hedonistischen Vibe eine völlig neue Energie versprüht und zu Recht bei den Auftritten für absolute Ekstase sorgt.

Snow Patrol - Time Won’t Go Slowly

Snow Patrol – Wie die Zeit vergeht

Am 10. Dezember 1994 trat in der Dundee University Students‘ Association (DUSA) der Dundee Universität in Schottland ein Trio auf die Bühne, welches unter dem Namen Shrug an diesem Abend für absolute Begeisterung sorgen sollte. Später stand im DUSA Newsletter, dass diese Band eine Band sei, die es im Auge zu behalten gilt. Zwei Jahre später benannte sich die Band zu Polar Bear um – nur, um diesen Namen abermals knapp ein Jahr später in Snow Patrol zu ändern. Der Rest ist eigentlich eine moderne Geschichte. Als Snow Patrol schafften sie es bereits mit ihrem ersten Album Songs For Polarbears in die Top-100 der irischen Albumcharts. Zwei Alben später wiederum gelang es ihnen, ihr Album Final Straw auf Platz 3 der britischen, Platz 91 der amerikanischen, Platz 49 der niederländischen und Platz 1 der irischen Charts zu bringen. In letzterem Land sollte seit dem jedes weitere Album auf Platz 1 landen. Der weltweite Durchbruch folgte schließlich durch die Platzierung ihrer Ballade Chasing Cars in der finalen Folge der zweiten Staffel von Grey’s Anatomy. Danach schafften es alle Alben weltweit in die Charts und übertrafen sich immer wieder mit neuen Höchstplatzierungen. Nun, 25 Jahre später, hat die Band sieben Meteor Ireland Music Awards gewonnen, war sechs Mal für den Brit Award nominiert und hat über 16 Millionen Platten verkauft. Zeit also, für einen Rückblick. Diesen begehen Snow Patrol im 25. Jahr des Bestehens mit einer Best-Of Platte, die später in diesem Jahr veröffentlicht wird. Vorab gibt es nun mit Time Won’t Go Slowly einen ersten Vorgeschmack darauf – in Form einer neuen Single. Diese handelt davon, wie schnell die Zeit vergeht und die Band selbst an schönen Momenten festhalten möchte. So ist Time Won’t Go Slowly eine langsame Sommerballade, die sich leicht jazzig anfühlt und durch kleine Spielereien im Sound ein schelmiges Grinsen hervorruft. Mehr zu dem 25-jährigen Jubiläum der Band folgt in den kommenden Wochen auf den Social-Media-Kanälen der Band – also haltet Ausschau.

Matt Corby & Tash Sultana - Talk It Out

Matt Corby & Tash Sultana – Zwei Genies treffen aufeinander

Es ist eine Kollaboration, die so viel Energie bündelt, dass man fast die Brust bersten fühlt, vor so viel Passion. Dass die beiden australischen Künstler Matt Corby und Tash Sultana jedoch einmal auf einem Song vereint sein würden, hat gute zwei Jahre gedauert. Denn genau so lange spielten die befreundeten Musiker bereits mit dem Gedanken einer Zusammenarbeit. Matt Corby hatte bereits mit seinem 2011er Brother einen absoluten Superhit veröffentlicht, der sich nicht nur sagenhafte 420.000 Mal in Australien verkaufte, sondern auch in Europa zu einer satten Indiehymne wurde. Tash Sultana wiederum hatte in den vergangenen vier Jahren einen Aufstieg hingelegt, der nicht vergleichbar ist. Mit nur einem Album und einer einzigartigen Soundstruktur gelang es Sultana Menschen auf der ganzen Welt zu begeistern und von einer ausverkauften Tour zur Anderen zu reisen. Nun haben Corby und Sultana mit dem Song Talk It Out eine Kollaboration veröffentlicht, die beide Künstler so zeigen, wie sie selbst sind. Würde man bei anderen Kollaborationen denken, dass das zu keinem guten Ergebnis führen würde, ist genau diese Eigenständigkeit der beiden Künstler das große Plus des Songs. Mit Sultanas markantem Gitarrenspiel und Corbys falsettartiger Stimme nehmen sich beide Künstler gegenseitig ab und schaffen damit eine wunderbar inspirierende Atmosphäre. Talk It Out ist treibend, entspannt und lässt uns einen Laid-Back-Moment haben, den wir nur durch Corby und Sultana bekommen können.

Billie Marten - Feeding Seahorses by Hand

Billie Marten – Ein Album, wie ein Streicheln

Bereits 2015 und 2017 hatte die britische Sängerin Billie Marten mit ihren Songs Bird und Live gezeigt, dass sie im introvertierten Musikspektrum zu Hause ist. So kommen Martens Songs gänzlich unaufgeregt rüber und klingen so warm, wie berührend. Nun ist Marten, drei Jahre nach ihrem Debüt Writing of Blues and Yellows, mit ihrem neuen Album Feeding Seahorses by Hand zurück und zeigt einmal mehr, warum wir dieser hauchenden Stimme so verfallen sind. Dabei sticht bei YouTube gerade ein – als Single noch unveröffentlichter – Song so richtig heraus. She Dances ist ein Kammerspiel der akustischen Popmusik. Dabei hören wir ihre zögerliche Stimme, leise begleitet von Gitarren und Percussions. Da wird man, wenn man She Dances hört wahlweise an die Fensterscheibe einer wohlig warmen Berghütte verortet, als auch eine romantisch, ironische Liebesgeschichte – in London spielend – perfekt passen würde. Mit She Dances behandelt sich die junge Sängerin fast schon selbst – wurden bei Marten 2018 doch Winterdepressionen diagnostiziert, welche alle Jahre wieder zur dunklen Jahreszeit einsetzen. Diese Erkrankung ist gleichzeitig auch Nährboden vieler ihrer Songs und knüpft genau an diesen Punkten an, um sich so selbst zu therapieren.

The Asteroids Galaxy Tour - Dynamite

The Asteroids Galaxy Tour – Explosiv, wie Dynamit

Mit Around The Bend hatte das Dänische Psychedelic Popduo The Asteroids Galaxy Tour – alias Sängerin Mette Lindberg und Produzent Lars Iversen – 2008 einen satten Indiehit gelandet. Dabei wurden sie weltweit in den Clubs gespielt und begeisterten mit einem euphorisch, fröhlichen Popsound, der mal schräg war und mal einfach nur Partystimmung verbreitete. Nun, elf Jahre nach Around The Bend, veröffentlichen The Asteroids Galaxy Tour mit Dynamite bereits ihren fünften Song aus einem Album, welches nach fünf Jahren Pause, noch dieses Jahr erscheinen soll. Dabei ist Dynamite eine energiegeladene Pophymne, die mit Trompeten und 70er-Jahre-Funk aufwartet und so einen satten Ohrwurm in The Asteroids Galaxy Tour-Manier kreiert. So kündigten The Asteroids Galaxy Tour den Song letzte Woche dann auch mit dem kurzen Kommentar Die Trompeten sind zurück! an. Wann genau das vierte Album veröffentlicht wird, steht noch nicht fest. Doch nach fünf ausgekoppelten Songs, dürfte es sich nicht mehr all zu lange hinziehen. Wir sind gespannt und bleiben am Ball.

Editors - Frankenstein

Editors – Ein Song für die Freaks

Die Editors sind bekannt dafür, ihrer Musik einen neuen Schwung zu geben und mit Genres zu spielen – So werden die Fans immer wieder aufs Neue auf die Probe gestellt und gefordert. Nun haben die Editors um Frontsänger Tom Smith mit Frankenstein ein ganz neues Niveau erreicht. Gab es im Frühjahr bereits mit der The Blanck Mass Sessions einen ersten Vorgeschmack auf den Ausflug, den die britischen Jungs hier ins elektronische Genre machten, haben sie dabei ausgewählte Tracks ihres letzten Albums Violence unter der Regie des Produzenten Leo Abrahams neu aufgenommen und deutlich tanzbarer gemacht. Nun geht mit der Veröffentlichung des Songs Frankenstein gerade einen Raunen durch die Lande – ist der Song doch elektronisch aufgeheizt, hedonistisch und es­ka­pis­tisch. Deshalb geht es bei Frankenstein auch darum, auszubrechen – den Freak in einem rauszulassen – sei es nur für eine Nacht. Produziert von Jacknife Lee, der sich auch für das Durchbruchsalbum der Editors An End Has A Start (2007) verantwortlich zeichnet, haben die Editors ein schräges Musikvideo veröffentlicht, welches von einer Fanbesessenheit erzählt, die beängstigend weit geht. Die Editors haben damit einmal mehr überrascht und gleichzeitig überzeugt und lassen den Frankenstein in uns tanzen.

Amber Run - Affection

Amber Run – Das Leiden der jungen Briten

Man möchte sagen, dass es schön ist, wieder etwas von Amber Run zu hören. War ihr letzter Song Fickle Game doch schon wieder zwei Jahre alt. Doch dieser Schein trügt. Haben die drei Briten aus Nottingham doch nie aufgehört weiterhin Musik zu schreibe. So folgten nach ihrem zweiten Album For a Moment, I Was Lost nicht nur zwei EPs, sondern Ende 2018 mit Carousel auch das erste Anzeichen eines neuen Albums. Nun sind Frontsänger Joshua Keogh, Bassist Tom Sperring und Keyboarder Henry Wyeth mit einer weiteren Single aus dem am 27. September erscheinenden Album Philophobia. Schon 2015 hatten Amber Run mit ihrem Song Spark gezeigt, wie groß und gefühlvoll ihre Musik sein kann. Nun wiederholen sie dieses Gefühl mit Affection abermals und haben dabei nichts von ihrer Ehrfurcht eingebüsst. Mit verspieltem Intro geht es durch eine verträumte Popballade, die sich im Verlauf zu einen langsam ziehenden Gewitter entwickelt. Nur, um schließlich in sich zusammenzufallen und ein Gefühl von Verlust entstehen zu lassen. Dabei hat sich die Band darauf besonnen, den Hörer – entgegen der langjährigen Abwehrhaltung des Trios – enger an die sich zu binden und eine Beziehung zu ihren Fans aufzubauen. Mit solch eindrucksvollen Songs wird dies fast wie von selbst gehen.

Michael Kiwanuka & Tom Misch - Money

Michael Kiwanuka & Tom Misch – Plötzlich groovy

Michael Kiwanuka ist bisher eher durch seine soulige Stimme bekannt, die sich mal falsettartig hoch, mal dunkel und tief zeigt. Dabei nutzt Kiwanuka die Schreibweise des Indie und Folks und hat auf seinen beiden bisher veröffentlichten Alben stets abgeliefert. Nun hat sich Kiwanuka mit Tom Misch allerdings einen zweiten Singer/Songwriter geschnappt und zusammen den Song Money eingespielt. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Denn rausgekommen ist ein Sound, der – geprägt von den 70er und 80er Jahren, in dem Disco eines der populärsten Genres war – Kiwanuka erfrischend selbstironisch zeigt und einen flotten Gute-Laune-Beat besitzt. Misch ist dabei für die Gitarre und den – ebenfalls – falsettartigen Gesang des Refrains zuständig. Beide ergänzen sich hierbei so wunderbar, dass man sich fast schon an dieses Duo gewöhnen könnte. Kam Kiwanukas letztes Album vor fast genau drei Jahren raus, wird mit Money die Gerüchteküche über ein baldiges, neues Album einmal mehr ordentlich angeheizt.