Meduza feat. Goodboy – Italien kann es noch!

Meduza steht vor einer schwierigen Aufgabe. Ende der 90er Jahre waren Acts wie Ann Lee, Eiffel 65 und Gigi D’Agostino das Maß aller Dinge und belegten die Spitzenpositionen der Charts weltweit. In den 2000ern und 2010ern war dies weitaus schwieriger für die Südeuropäer. Hatten doch die Briten und Schweden zunehmend Einfluss auf die Charts genommen. So gab es Mitte der 2010er einen rasanten Anstieg an EDM-Acts von den britischen Inseln. Nun wollen wieder ein paar Italiener das Zepter in die Hand nehmen und haben mit dem Song Piece Of Your Heart gleich einen wahren Überhit abgeliefert. Dabei ist der Song gerade einmal die Debütsingle des italienischen Trios Meduza, welche seit ungefähr einem halben Jahr durch die Clubs weltweit geistert. Doch seit schließlich Star-DJ Tiësto den Song in seiner Radio-Show Tiësto’s Club Life spielte, schafft es der Song immer mehr Menschen zu erreichen und wird zunehmend auch im Radio gespielt. Dabei folgt Piece Of Your Heart einem klassischen Schema und bildet durch eine klare Bassline, eine tiefe Gesangsstimme von Goodboys und dem dunklen Housebeat einen satten Clubhit, der die Partys rund um den Globus anheizen wird. Als Debütsingle gleich so einen starken Song zu veröffentlichen, lässt die Zukunft des Trios geradezu hervorragend aussehen! Doch bis es dazu kommt, tanzen wir auch an einem Sonntag zu Piece Of Your Heart!

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Fettes Brot – Nichtig? Richtig? Auf jeden Fall wichtig!

Mit 27 Jahren Bandgeschichte sind die Hamburger von Fettes Brot mittlerweile zum deutschen Kulturgut avanciert. Mit ihrer Mischung aus extrem Pop-affinen Sounds, bissigen Texten und schrägen Videos haben sie sich einen Platz im kollektiven Gedächtnis erobert. Nun sind sie mit einer neuen Single zurück und vereinen abermals genau diese Mischung zu einem Ohrwurm mit Aufhorch-Moment. Denn auf Du driftest nach rechts sprechen Doktor Renz, König Boris und Björn Beton einmal mehr an, was nicht oft genug ausgesprochen werden kann. Hier geht es um eine Liebe zwischen schwarz/weiss und bunt, zwischen Tag und Nacht, zwischen Krieg und Frieden. Nicht immer miteinander vereinbar sind die Unterschiede zu gravierend, als dass sie nebeneinander her laufen könnten. Dabei klingt Du driftest nach rechts nach einer Disco-Ballade – wie die Jungs sie selbst beschreiben. Und genau das ist der Schlüssel zum Erfolg der Band. Ob mit Schwule Mädchen (gegen Homophobie und Frauenfeindlichkeit), An Tagen wie diesen (über Massenflucht und Anschläge), Lass die Finger von Emanuela (Drogenkonsum) oder Bettina, zieh dir bitte etwas an (dem allgegenwärtigen Alltags-Sexismus‘), all diese Songs vereinen gesellschaftskritische Themen mit Ohrwurmsounds für das Radio. Damit schafft es das Trio immer wieder aufs Neue kritische Themen ins Mainstreamradio zu bringen und das, ganz ohne den Zeigefinger immer wieder zu erheben. Das und ganz sicher noch vieles mehr können wir auf dem neunten Album Lovestory der Hamburger erwarten, welchen Anfang April erscheinen wird.

Two Year Vacation – Tanzen bis zum Umfallen

Die Schweden wieder – möchte man mit einem freudigen Lächeln meinen. Denn mit den Göteborger Jungs von Two Year Vacation gibt es wieder einmal eine Newcomerband die mehr als nur erfolgversprechend ist. Nach zwei EPs stehen sie nun bei einem Hamburger Indielabel Clouds Hill unter Vertrag und arbeiten an ihrem Debütalbum. Dabei möchten die vier Jungs um Frontsänger Anton Tuvesson doch mit ihrer Musik nur für eine unbeschwerte Zeit sorgen. Mit Frontmann Tuvesson – der mit seiner Stimme große Ähnlichkeiten zu Kakkmaddafakka Sänger Axel Vindenes aufweist – leisten sich die Jungs eine durchweg positive Grundstimmung und konzentrieren sich voll und ganz auf die Musik. Mit dem sympathischen Musikvideo zur aktuellen Single I Forgot Your Name (But I Like You) rufen die Jungs den Sommer aus, indem sie einen Wettertristesse-am-Strand-Clip abgedreht haben und mit der fröhlich, lockeren Indiehymne für gute Stimmung sorgen. Mit einer ordentlichen Portion Synthies beschreiben sie sich selbst mit den Worten Two Year Vacation sind deine täglichen Ferien. Ihre Musik ist eine faszinierende Mischung aus Rock, karibischem Kraut und Disco, die uns mit Freude zum Tanzen bringen wird. Dass diese Beschreibung den Nagel auf den Kopf trifft, könnt Ihr bei ihrer neuen Single I Forgot Your Name (But I Like You) hören.

LPX – MS von MR machts solo

Hinter der kryptischen Abkürzung LPX und MS MR wird für den ein oder anderen Musikfan schnell die Lösung auf der Hand gelegen haben. Für alle Anderen ist LPX das Alter Ego der amerikanischen Musikerin Lizzy Plapinger, die seit 2011 Teil der – aktuell in einer Pause befindlichen – Band MS MR ist und mit dem Song Hurricane auch in Deutschland einen Hit notieren konnte. Darüber hinaus fungiert sie auch als Mitbegründerin des Plattenlabels Neon Gold Records, welches sie 2008 ins Leben gerufen hat. Nun kommt ein drittes Standbein hinzu, denn macht Plapinger seit 2018 auch vermehrt mit Soloveröffentlichungen unter eben der Abkürzung LPX von sich reden. Mit der nun veröffentlichten Single Give Up The Ghost zeigt sie uns eindrucksvoll, wie der Sound ihrer Band MS MR ohne den deutlichen Anteil an elektronischer Musik klingt und holt gleichzeitig alle Fans von großartigen Indiehymnen ab. Plapinger selbst beschreibt dabei Give Up The Ghost mit den Worten, dass es um die Aktion, Bestätigung und Reflexion des Loslassens und des Vorwärtskommens geht. Denn etwas Frisches beginnt aus einem verbrannten Ende. Dabei steht sie vor der Zielgeraden ihrer zweiten EP Junk of the Heart welche im März erscheinen wird. Hier klingt sie mit den ersten beiden veröffentlichten Songs Might Not Make it Home und Give Up the Ghost wieder deutlich größer und legt damit den kratzigen Rockgörensound der Debüt-EP Bolt in the Blue ab. Mit Give Up The Ghost vereint Lizzy Plapinger/LPX die Musik von MS MR und ihrer eigenen Debüt-LP und formt daraus spannende neue Musik die frisch und nach einem Statement klingt.

Excort – Zurück in die 70er!

Zugegeben – wenn man bei Google die Schlagwörter Escort und Josephine eingibt, bekommt man alles – sogar unmoralische Angebote – nur sehr schwer etwas über die Single des New Yorker Trios Eugene Cho, JKriv, und Adeline angezeigt. Dabei hat die 2006 gegründete Band mit Josephine einen ganz hervorragenden Discotrack veröffentlicht. Ganz im Zeichen der großen Josephine Baker haben sich die Partygaranten an einen satten 70er Jahre Sound gewagt, der selbst für Escort noch einen oben drauf setzt. Mit Adeline als Sängerin steht auch die Stimme ganz im Zeichen der großen Studio-54-Hymnen. Heute spielt sich die elektronische Musik vornehmlich in dunklen Clubs ab – fernab der Masse. Das wollten Escort bewusst mit ihrer Musik ändern und haben sich deshalb am populären Sound der Disco orientiert. Sind Escorts bisher veröffentlichten Alben Escort (2011) und Animal Nature (2015) bereits ein paar Jahre draußen, gibt es nun seit Ende letzten Jahres mit Slide und eben Josephine ein neues Lebenszeichen. Mit Josephine haben Escort der großen Josephine Baker ein Denkmal gesetzt, um das selbst Baker noch herumtanzen würde, wenn sie könnte.

Zulu – Mit einem Mix aus Indie und Elektro nach oben

Da legen sich aber drei Jungs ins Zeug. Kennen wir von den Bandmitgliedern der Würzburger Band Zulu nur die Vornamen Max, Basti und Jannis und haben sie sich erst Weihnachten 2016 – und damit gerade einmal vor zwei Jahren-  gegründet scheint der Band Gemächlichkeit allerdings fremd zu sein. Denn haben Zulu doch nur 15 Monate nach ihrer Gründung mit Analogue Heart bereits ein Debütalbum auf den Markt gebracht, welches aus verspielten Elementen, Indie und einem aus Elektro basierendem Sound besteht. Hierbei sind die Singles Digital Brain und Neukölln ganz vorne mit dabei. Nun hat das Trio mit Science eine weitere Single aus ihrem Debütalbum veröffentlicht, welche ein astreiner Indiehit werden könnte. Hierbei baut sich Science mit einer an Roosevelt Songs erinnernden Hookline zu einem wahren Ohrwurm auf. Dabei ist Science von einer Leichtigkeit geprägt, die fast schon Desinteresse ausdrücken könnte, wenn nicht gleichzeitig eine gewisse Verschmitztheit rauszuhören wäre. Aktuell hat die noch junge Band erst 1.500 Follower bei Facebook und knapp 700 bei Instagram, doch mit einem kleinen Push und der richtigen Platzierung dürfte für Zulu die Zukunft vielversprechend aussehen.

Walking On Cars – Mit Synthies kommt der neue Sound

Sie sind für ihre Hymnen bekannt. Mit ihrem ersten Album Everything This Way und den daraus veröffentlichten sechs Singles wie Speeding Cars, Always Be With You oder Catch Me If You Can hatten Walking On Cars ein grandioses Debütalbum veröffentlicht. War es doch gespickt mit großartigen Rockhymnen, die für das Stadion gemacht schienen. Der Erfolg, der im Anschluss folgte, bestätigte dies schließlich. Dass dieser Erfolg nicht von großen Plattenbossen kam, zeigt die Geschichte der Band. Denn hier kann man sehen, dass sie ihre Musik bereits vor ihrem Plattenvertrag mit auffällig guten Musikvideos veröffentlichte und die Songs selbst in einer Detailtreue in ihrer Heimat Irland produzierten. So konnte man, bereits bevor sie zu Virgin EMI kamen, die meisten Songs in Form von Musikvideos im Netz finden. Dieses Jahr kommen Walking On Cars mit dem zweiten Album Colours zurück und haben mit Monster Ende letzten Jahres bereits eine erste Single veröffentlicht. Nun folgt mit Coldest Water die zweite Auskopplung und überrascht mit einem Sound, der deutlich elektronischer ist. Hier schafft es die Band um Frontsänger Patrick Sheehy Alternative, Pop und Elektropop so zusammenzubringen, dass daraus eine frische aber doch auch neue Farbe der Band zum Vorschein kommt. Mit Coldest Water zeigen Walking On Cars eine angenehm neue Seite, ohne ihren Fans der ersten Stunde zu viel zuzumuten.

Cosby – Bekannter Song in neuem Gewand

Cosby sind gern gesehene Gäste auf SOML. Hier konnten Ihr bereits im Herbst 2014 von einer ihrer ersten Songs Boon & Bane lesen. Natürlich habe ich Cosby auch in den Folgejahren mit Songs, wie Yeah und Get Up immer wieder mit dabei gehabt. Dabei stellte Get Up die Weichen für Album Nummer zwei, welches als Milestone vor nunmehr einem Jahr veröffentlicht wurde. Die gleichnamige Single begeisterte dann auch mit einem warmen und wichtigen Musikvideo. Dass das Potential des Albums und der Single allerdings noch lange nicht ausgeschöpft waren, zeigt die nun veröffentlichte Remix-Version des Kölner DJs und Produzenten Michael Müller – alias Charming Horses. Denn dieser hat sich die Single Milestone noch einmal vorgenommen und einen Deep-House Track daraus gebastelt, der in einer Reihe mit Robin Schulz und Felix Jaehn ugenannt werden kann. Denn hier klingt Milestone nochmal eine ganze Spur größer und schafft den ohnehin angesagten Indiesound der Band noch einmal zu steigern. Milestone im Charming Horses Remix ist damit ein strahlender Stern am aktuellen Elektro- und Indiehimmel

Cassia – Lasst uns wie die Irren tanzen!

…denn die neue Single Small Spaces der – aus Macclesfield, nahe Manchester kommenden – Indie-Hoffnung Cassia lässt nichts anderes zu. Mit einem Mix aus Afro- und Skaklängen, welche die Band selbst als Calypso Afro-Rock bezeichnet, sowie einer an Beatenberg und Vampire Weekend erinnernden Leichtigkeit schaffen es Rob Ellis, Lou Cotterill und Jake Leff, die sich hinter Cassia verbergen, sich in die Herzen aller Indieliebhaber zu spielen. Auf ihrer neuesten Single liefern sich die Jungs ein wahres Feuerwerk an Gesangswechseln und sind daher alle drei auf Small Spaces zu hören. Mit der Unterstützung von BBC Introducing haben sie es binnen kürzester Zeit geschafft, sich auf der britischen Insel eine Fangemeinde von über 30.000 Menschen zu erarbeiten. Sie selbst beschreiben sich gerne mit den Worten Wir sind eine Band die sommerliche Musik in Manchester macht – so einfach kann es manchmal sein. Dabei drehen sich die Themen nicht immer nur um Sonnenschein. So singen sie beispielsweise auf der aktuellen Single über die Tristesse der Routine und den Wunsch aus der eigenen Realität auszubrechen. Das sind dann schon deutlich erwachsenere Themen, als es die leichte Musik vermuten ließe. Mit einem Album im Gepäck, kommen Cassia im Frühling auf Tour und machen auch in Deutschland für ein paar Konzerte Halt. Bis dahin genießen wir das sommerliche Small Spaces und tanzen mit unseren Beinen drauf los.

The Slow Show – Ein komplettes Leben in einer Stimme

Mit den beiden Alben White Water (2015) und Dream Darling (2016) legten die Briten von The Slow Show innerhalb von wenigen Monaten zwei so atemberaubende Alben vor, wie es so nur wenige andere Bands geschafft haben. Rob Goodwins Stimme war es vor vier Jahren, die für Begeisterungsstürme sorgte – hat sie mit der Tiefe und ihrem enormen Bass eine Wirkung, wie ein alter Geschichtenerzähler. Dabei setzt Goodwin seine Stimme so passend in die Arrangements der Band ein, dass es schließlich in den meisten The Slow Show Songs – wie Ordinary Lives oder Bloodline – zu einem wahren Ausbruch kommt. Einem Ausbruch der Instrumentierung, des Arrangements, der Emotionen, Goodwins Stimme und einem Gefühl, das unendliches Leid mit Aufbruch und Mut verbindet. Nun sind The Slow Show nach drei Jahren der Stille mit einem ersten neuen Song zurück und rufen damit alte Gefühle hervor. Denn auf Sharp Scratch greifen Rob Goodwin, Fred Kindt, Joel Byrne-McCullough, James Longden und Chris Hough zu den gewohnt opulenten Arrangements und zeichnen ein warmes Bett aus Instrumenten welches in unseren Köpfen Bilder erzeugt, die getrieben von Erinnerungen sind und abermals vor Emotionen zu explodieren scheinen. Dabei klingt Goodwins Stimme anfangs noch erzählerisch zu den Instrumenten, die schließlich wie ein mahnendes Gewitter ausbrechen um kurz darauf in sich zusammenzufallen und schließlich in einem versöhnenden Traum zu münden, den Goodwin mit seiner starken Stimme auffängt. The Slow Show singen nicht einfach nur Geschichten, sie machen sie durch ihre Musik erlebbar und lassen uns mitfühlen. Auch erleben können wir die Jungs bei einem ihrer vier Konzerte in Berlin, Amsterdam, Antwerpen oder London Mitte April. Doch die Konzerthäuser sind klein, also müsst Ihr schnell sein!