Tash Sultana - Greed

Tash Sultana – Wenn sich das Umfeld verändert

Tash Sultana ist umtriebig. Hat Sultana ein Projekt abgeschlossen, wird ein Neues begonnen. Dabei sind die EP Notion (2018) und das Debütalbum Flow State (2018) als solche Projekte auf so viel Gehör gestoßen, dass Sultana die Preise und Nominierungen förmlich zuflogen. Mit einer ausgedehnten Welttournee und ausverkauften Hallen rund um die Welt, konnte es Sultana auf eine beachtliche Anzahl an Menschen bringen, die – auch lange bevor Sultana einen Plattenvertrag hatte – Sultana bereits live sehen konnten. Nach der Veröffentlichung des Debütalbums folgten 2019 weitere Auskopplungen – sowohl als Solosongs (Can’t Buy Happiness) sowie Kollaborationen mit Milky Chance (Daydreaming) und Matt Corby (Talk It Out). Dabei war Sultana vor allem mit Can’t Buy Happiness wieder zurück im Element, weite und große Musikmomente zu transportieren. Durch Sultanas markantes Gitarrenspiel und dem Verlieren in einer Musik, die so intim und sinnlich klingt, schafft es Sultana immer wieder aufs Neue zu begeistern. Nachdem Sultanas Coverversion des 2012er Shawn James Originalsongs Through the Valley für das PlayStation Videospiel The Last of Us Part II veröffentlicht wurde, folgte während der Lockdownphase im Frühjahr die Single Pretty Lady. Zeitgleich verkündete Sultana die Nachricht, dass aller Voraussicht nach im Herbst ein zweites Album veröffentlicht wird.

Nun hat Sultana mit Greed eine weitere Single veröffentlicht und dabei abermals mit Matt Corby zusammengearbeitet. Während die beiden mit dem Musikproduzenten Dann Hume zusammen am Song schrieben, zeichnet sich Sultana komplett alleine für die Produktion verantwortlich. Bereits zu Pretty Lady hatte Sultana die Musik erstmal zusammen mit einer Band eingespielt und setzt dies auch auf Greed fort. Dabei singt Sultana auf dem neuen Song darüber, wie sehr sich das Umfeld – seitdem Sultana erfolgreich ist – verändert hat. Einst von Mitschülern für das Gitarrenspiel gedisst, möchten diese heute auf der Gästeliste stehen. Menschen, die Sultana vorher fremd waren, drängen sich in das Leben. Gute Freunde wiederum werden immer leiser und verschwinden aus dem Leben. Mit dem gewohnt entspannten Sound aus Gitarre und Loop-Station – in Verbindung mit einem hallenden Gesang – lässt Sultana dem Sound wieder viel Raum um sich zu entfalten. Mit Greed dürfen wir einmal mehr auf ein weiteres Album voller emotionaler und doch entspannter Songs hoffen, die den unverwechselbaren Sound Tash Sultanas ausmachen.

Hollow Coves - Evermore

Hollow Coves – Wenn der Moment die Musik schreibt

Es ist eine Liebeserklärung an all die wundervollen Gefühle, die man entwickelt, wenn man auf eine Person trifft, die in uns das Herz zum Pochen bringt. Oder diese Gefühle, die unsere Brust vor Stolz und Liebe fast bersten lassen. Ein Moment, der von so viel Herzlichkeit getragen wird, dass man fast schon eine Träne die Wange runterrollen fühlt. Das australische Duo Hollow Coves zieht uns immer wieder mit Songs, wie CoastlineWhen We Were YoungBorderlines oder Anew in diesen Strudel aus Emotionen und starken Gefühlen. Nun haben Ryan Henderson und Matt Carins mit Evermore eine erste Single nach ihrem gefeierten Debütalbum Moments – das im Oktober 2019 erschien – veröffentlicht und schlagen direkt wieder in unser Herz ein. Als Idee hinter dem Song hatten die beiden Jungs den Moment, jemanden zu finden, mit dem man den Rest seines Lebens zusammen verbringen möchte. Dabei zeigt vor allem das dazugehörige Musikvideo, wie dies aussehen kann. Modern und für das Smartphone gerecht im Hochformat gefilmt, begleiten wir ein Paar von ihrer ersten Begegnung, ihren Reisen, unvergessliche Momente und Ausschnitte, die Zuneigung, Wärme und Liebe transportieren. Musikalisch bleiben Henderson und Carins dabei bei ihrem sanften Folksound und singen zu leichten Gitarren. Dass dieser Song nicht nur für den Hörer etwas ganz besonderes sein soll, zeigt die Geschichte hinter dem Track. Wurde Evermore doch geschrieben, um den Moment hervorzuheben, bei dem Carins Schwester auf ihrer Hochzeit auf den Traualtar zuläuft. Dieser Moment, an dem alle Beteiligten nur eines im Kopf haben, dieses Gefühl für immer in Erinnerung halten zu können. Evermore könnte dafür nicht besser passen und erreicht genau diese Wärme, welche die Band beabsichtigt hat. Ob Evermore auch gleichzeitig der Vorbote für ein neues Album sein könnte, dürfte – nachdem das Debütalbum gerade einmal 8 Monate alt ist – eher unwahrscheinlich sein. Doch auch über einzelne Veröffentlichungen freuen wir uns immer wieder und kommen bei Evermore sofort wieder ins Schwelgen.

Jónsi - Swill

Jónsi – Progressiv, futuristischer Sound

Mit seiner ersten Singleauskopplung Exhale hat Jónsi uns im April überrascht und gleichzeitig auf einen neuen Sound vorbereitet. Denn hier präsentierte uns der isländische Künstler eine moderne und frische Hymne, die hier und da in den Pop zu rutschen schien. Nun hat der Musiker – nach seiner Kollaboration mit Julianna Barwick auf In Light – eine zweite Single seines kommenden Soloalbums Shiver veröffentlicht und setzt abermals auf einen ungewöhnlichen Sound. Mit einem progressiven Anfangsbeat singt sich Jónsi auf Swill mit Hilfe von Autotune-Elementen durch einen auffällig hellen Song. Dabei ist auch der Hintergrund des Songs eher auf eine lockere Art zu sehen. Hat sich Jónsi doch auf Swill damit auseinandergesetzt, wie es ist, wenn man einen Abend zu viel getrunken hat, etwas Dummes tut und sich damit zum Narren macht. Mit dem futuristischen Sound des britischen Produzenten A. G. Cook – der sich unter anderem für die letzten beiden Alben und letzten beiden Mixtapes von Charli XCX verantwortlich zeichnet – hat Jónsi es geschafft, dem Song eine freundliche Stimmung zu verleihen. Damit einhergehend, hat der Sigur Rós-Sänger nun auch das Veröffentlichungsdatum seines zweiten Soloalbums angekündigt. Shiver wird am 2. Oktober erscheinen und damit zehn Jahre nach seinem Solodebüt Go veröffentlicht. Die Songs des Albums sind hauptsächlich während der vergangenen zehn Jahre entstanden, wenngleich auch Songs auf dem Album enthalten sein werden, die bereits vor 15 Jahren – und damit in der Hochzeit seiner Band Sigur Rós – entstanden sind. Während der Musiker in den vergangenen zehn Jahren zwei Alben mit seiner isländischen Band veröffentlicht hat, kamen in den vergangenen Jahren auch immer häufiger Nebenprojekte dazu. So hat der Musiker zusammen mit dem Schweden Carl Michael von Hausswolff das Projekt Dark Morph gestartet und zwei Alben veröffentlicht. Gleichzeitig tritt Jónsi aber auch immer öfter als Visual Artist auf und hatte in Los Angeles bereits Ausstellungen mit seinen Installationen. Das alles gibt dem Musiker die Möglichkeit, Inspirationen zu sammeln, die er in seiner Musik verarbeitet. Auf Swill hört man diese Einflüsse wunderbar heraus und lässt der Track auf ein Album hoffen, bei dem man mit Acts, wie Robyn und Liz Fraser zusätzliche aufhorchen kann.

Julianna Barwick feat. Jónsi - In Light

Julianna Barwick feat. Jónsi – Wie ein Papierschiff im reißenden Bergbach

Die Magie geht weiter. So könnte man diesen Beitrag nach dem gestrigen von Markéta Irglová und Emiliana Torrini mit ihrem Song Quintessence betiteln. Denn auch heute präsentiert SOML eine Kollaboration von zwei so großartigen Musizierenden, dass man schon jetzt förmlich ins Schwärmen kommt. Auf In Light treffen sich keine Geringeren, als die amerikanische Musikerin Julianna Barwick und der isländische Kopf der Band Sigur Rós – Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi. Barwick ist über die vergangenen zehn Jahre durch ihren Sound immer bekannter geworden. Dieser setzt sich aus losen Gesangsfetzen und einer Musikkomposition zusammen, die durch den Einsatz einer Loop-Station umrahmt wird. Dabei nutzt Barwick die Loop-Station so gekonnt, dass sich fast schon eine Art musikalischer Sturm entfaltet und im Surroundsound erst so richtig aufgeht. Nach ihren Alben The Magic Place (2011), Nepenthe (2013) und Will (2016) steht nun für den 10. Juli ihr viertes Studioalbum Healing Is A Miracle an. Inspiriert vom Heilungsprozess, in den der Mensch sich selbst versetzen kann, kommt es auf den Songs zu großen cineastischen Momenten voller Gefühl und lebendigen Bildern. Auf ihrer neuen Single In Light wird Barwick von Jónsi begleitet, der gerade selbst vor der Veröffentlichung eines neuen Soloalbums steht und mit seinem zarten, introvertierten und zerbrechlichen Gesang für eine Stimmung sorgt, die immer wieder aufs Neue berührt.

Auf Healing Is A Miracle arbeitete Barwick mit dem Produzenten und Jónsis Lebenspartner Alex Somers zusammen, der ihr für dieses Album Monitorboxen schenkte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Ambient-Musikerin all ihre Songs ausschließlich mit Kopfhörern aufgezeichnet. Mit der neuen Erfahrung, ihre Musik auf Lautsprechern – und damit den Raum füllend – zu hören, kam es bei der Sängerin zu einem ganz neuen Erlebnis ihrer Musik. Hinzu kommt, dass für Barwick ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen ist, mit Jónsi zusammen einen Song einzuspielen. Herausgekommen ist ein sechsminütiger Track, in dem sich nicht nur die verschiedenen Einflüsse der beiden Musizierenden widerspiegelt, sondern auch das einzigartige Gefühl, welches die Beiden immer wieder so wunderbar transportieren können. Mit langsamen Perkussions, wiederholenden Gesangsfetzen und einem aufbauenden, allumfassenden Sound, ist In Light so warm, groß und zugleich klein, dass man sich ergriffen und gleichermaßen bestärkt fühlt. Als würde ein Papierschiff in den reißenden Fluten eines Bergbachs die Oberhand behalten, fließt In Light förmlich durch enge Passagen voller Geröll um anschließend sanft durch weite, ruhige Bachläufe zu gleiten. Mit ihrem, am 10. Juli erscheinenden, neuem Album werden wir hoffentlich noch weitere solcher großartigen Songs hören.

Melanie C - Blame It On Me

Melanie C – Zurück zur EDM-Stärke

Es ist eine Musikkarriere die so besonders, wie einzigartig ist – Melanie C ist in ihrem 26. Jahr als Musikerin. Begonnen 1994 als Teil der Spice Girls und damit der erfolgreichsten Girlgroup der Welt, hat Melanie Chisholm zusammen mit Victoria Beckham, Emma Bunton, Geri Halliwell und Melanie Brown innerhalb von nur 4 Jahren ihrer Kernzeit als Band über 85 Millionen Tonträger verkauft. Als es schließlich 2000 zur Auflösung der Band kam, hatte Chisholm bereits mit der Zusammenarbeit auf Bryan Adams‘ Single When You’re Gone den Weg für eine Solokarriere geebnet. Was folgte, waren Singles, wie Never Be The Same Again (mit Lisa ‚Left Eye‘ Lopes), I Turn To You oder First Day Of My Life. Mittlerweile hat Melanie C sieben Alben veröffentlicht und über 20 Millionen Tonträger als Solokünstlerin verkauft, konnte jedoch zuletzt nicht mehr an den Erfolg ihrer ersten Alben anknüpfen. Mit ihrer neuen Single Blame It On Me begibt sich die Sängerin nun allerdings zurück zu ihrer Anfangsphase und stößt mit einem modernen Elektrobeat Erinnerungen an I Turn To You wach. Auch oder gerade wegen des dazugehörigen Musikvideo, wird klar, dass die Britin auf frühere Zeiten anspielt. Denn hier sehen wir eine Mitarbeiterin an einem Bürotisch sitzen und auf einem Apple iMac der Generation 4 aus dem Jahr 2002 – der sogenannten Tischlampe – ein Spiel spielen, das stark an die berühmte Videospielreihe Mortal Kombat aus den 90er Jahre erinnert. Einer der Charaktere ist Melanie C, die ihren Gegner besiegt. Blame It On Me bildet dabei die Fortsetzung ihrer, im März veröffentlichten Leadsingle Who I Am, die Melanie C als wichtigen Baustein ihrer musikalischen Laufbahn sieht. Denn hier zeigt sie einen Einblick in die vergangenen Jahre oder sogar Jahrzehnte und den damit verbundenen Entscheidungen. Mal sind sie zu Gunsten der Sängerin, mal dagegen entschieden und bedeuteten immer auch einschneidende Veränderungen. Diese kann man auch in Chisholms Diskografie sehr gut erkennen. Auf Blame It On Me singt die Britin darüber, dass ihre Liebe zur Dancemusik auch immer etwas Toxisches beinhaltet und somit zu gleichermaßen gefährlich, als auch förderlich sein kann. Mit Blame It On Me ist Melanie C im großartigen EDM-Popzirkus zurück und spielt sich damit hoffentlich wieder in die vordersten Reihen – das Potential hat ihre neue Single auf alle Fälle.

San Cisco - On The Line

San Cisco – Mit frischer Musik dem Lockdown ade sagen

Die australische Band San Cisco ist äußerst umtriebig. Scheint es doch, als würde die Band ununterbrochen neue Musik veröffentlichen. Doch, auch wenn seit ihrem Debütalbum San Cisco (2012) mit Gracetown (2015) und The Water (2017) erst zwei weitere Alben folgten, hat die – mittlerweile zum Trio zusammengeschrumpfte – Band auch durch ihre EPs Golden Revolver (2011), Awkward (2012) und Flaws (2020) für einen ständigen Output gesorgt. Dabei zeigen die Singles aus den Alben von Gracetown (Run), The Water (SloMo) und der letzten EP Flaws (Reasons) die volle Bandbreite der Band. Ob mit Indie-Beats voller Synthies oder treibenden Folksongs – San Cisco sorgen dafür, dass wir mitsingen und -tanzen können. Nun haben Scarlett Stevens (Schlagzeug), Joshua Biondilla (Gitarre) und Leadsinger Jordi Davieson mit On The Line die erste Single des kommenden, vierten Studioalbums veröffentlicht. Dabei zeigt sich einmal mehr, wie sich das Trio förmlich die Gesangsparts untereinander aufteilt und dadurch eine fast schon lockere Konversation entstehen lässt. Gleichzeitig besingen San Cisco auf On The Line die Tücken einer Liebe und den daraus entstehenden Aufs und Abs. So sagt Davieson über die neue Single: Wo ziehst Du die Grenzen? Wann ziehst Du den Stecker? Woher weisst Du, ob es den Aufwand wert ist? Hebst Du die Scherben auf und fängst was Neues an? Oder hältst Du durch für eine weitere Runde Romantik? Das Spiel der Liebe ist nie leicht zu spielen. Dabei könnte der Sound nicht weiter weg vom Songtext sein. Mit Sätzen, wie too broken too fix. But you don’t wanna give up on this … Could you love me. One more time? und dem lockeren, frischen Sound haben sich San Cisco ein regelrechtes Markenzeichen geschaffen – ist doch der Großteil ihrer Songs so aufgebaut. Mit lockeren Gitarren, den lässigen Gesangsparts der Drei und dem unglaublich eingängigen Refrain bohren sich die Australier in den Kopf und drehen dabei lustig ihre Runden, bis wir dem Song gänzlich verfallen sind. In ihrem dazugehörigen Musikvideo trafen die Drei das erste Mal, nach Monaten des Brot backens oder endlosen daddelns – und dem von der Pandemie bedingten Social Distancing – wieder aufeinander und waren sichtlich erfreut, wieder zusammen zu musizieren. On The Line ist der perfekte Song, um sich das erste Mal wieder mit Freunden – wie im Video zu sehen mit 1,50 Meter Abstand – zu treffen und gemeinsam den Frühling und Sommer zu genießen. Hat die Band eine baldige Veröffentlichung des neuen Albums angekündigt, sollen sich auch alle vier Songs der – im Frühjahr veröffentlichten – EP Flaws auf dem neuen Album wiederfinden.

Myd - Together We Stand

Myd – Schräg, weird, bizarre

Es sind drei Worte, die den französischen Produzenten Myd – alias Quentin Lepoutre – in verschiedenen Sprachen wohl am besten beschreiben. Denn ob auf Deutsch, Englisch oder Französisch – alle drei Worte drücken den gleichen Eindruck aus, den man bekommt, wenn man sich zum ersten Mal das Musikvideo seines neuen Songs We Stand Together anguckt. Dabei ist Myd bereits seit einigen Jahren bekannt dafür, mit Schnauzer, 80er-Jahre-Pornobrille und verrückten Auftritten zu brillieren. Vor 10 Jahren als Teil der französischen Band Club Cheval ins Rampenlicht gerückt, veröffentlichten sie ihr Debütalbum Discipline 2016 auf dem Bromance Records Label. Als dieses schließlich aufgelöst wurde, machte sich Myd mit Remixen und als Produzent einen immer größeren Namen und produzierte unter anderem für Theophilus London, Brodinski und Slim Thug. Remixe steuerte er zu Songs von Yelle und Two Door Cinema Club bei. Während all dieser Jobs schaffte es der Musiker zusätzlich, in den 2010er Jahren satte fünf EPs zu veröffentlichen. Nun ist es an der Zeit für ein Debütalbum, welches Myd auch gleich mit der neuen Single Together We Stand ankündigt. Dabei passt der Titel nur zufällig zu der aktuellen Zeit – ist er doch deutlich vor der Pandemie entstanden. Mit Together We Stand veröffentlicht Myd einen French House Track, der nicht besser zum Ed Banger Label passen könnte. Denn unter diesem Label befinden sich neben Myd auch die Größen, wie Justice, Cassius, Mr. Oizo, Riton und bis zu seinem Ableben auch DJ Mehdi. Dazwischen sieht Myd wie der nerdige Praktikant unter den Stars aus – macht aber mit seiner Musik so viel Dampf, dass man nicht anders kann, als dazu zu tanzen. Nicht ohne ein verschmitztes Lächeln beschreibt Myd We Stand Together dann auch als den Track, zu dem alle auf der Tanzfläche tanzen und überhaupt, Mädchen sind wunderschön. Doch da er das Gefühl hatte, dies nicht so plakativ sagen zu können, ohne damit äußerst plump rüberzukommen, hat er sich die Metapher ausgesucht, eine Gesellschaft zu beschreiben. We Stand Together zeigt, wie dies zu verstehen ist und begeistert mit einem satten, sommerlichen Housebeat, der von einem amüsanten Musikvideo begleitet wird und an großartige Künstler, wie Dirty Vegas, Modjo oder Dax Riders erinnert.

Regard & RAYE - Secrets

Regard & RAYE – Hymnischer Sommerhit

Sie haben etwas ganz großes und einzigartiges geschaffen – mit diesen Worten haben DJ Regard und die britische Singer/Songwriterin Rachel Agatha Keen – alias RAYE – ihre Zusammenarbeit auf der neuen Veröffentlichung Secret kommentiert. Dabei ist Regard in den Charts mit seinem Hit Ride It weiterhin äußerst erfolgreich und hat in 24 Ländern eine Platzierung in den Top-10 der Singlecharts erreicht. Dass dieses Sample des 2008er Jay-Sean-Hits für den Kosovaren Dardan Aliu – der sich hinter Regard verbirgt – zum Erfolg wurde, hat der DJ einer kontinuierlichen Steigerung seiner Musik zu verdanken – denn immerhin veröffentlicht Regard bereits seit 2008 Songs. Zusammen mit der Sängerin RAYE hat er nun einen Song der Britin neu produziert und eine ganz eigene Version veröffentlicht, die ursprünglich als langsame R&B-Songs gedacht war. Dabei spielt RAYEs Background eine große Rolle. Denn besuchte die Londonerin die BRIT School of Music – und damit die selbe Schule, von der auch Adele, Amy Winehouse, Ella Eyre, FKA Twigs, Freya Ridings, Imogen Heap, Katie Melua oder Leona Lewis abgingen – brach sie das Studium ab, weil es sie – trotz der vielen erlernten Dinge – zu sehr einengte. 2014 veröffentlicht RAYE mit Welcome to the Winter schließlich ihre Debüt-EP und machte damit Years & Years-Frontsänger Olly Alexander auf sich aufmerksam, der sie bei dem Plattenlabel – bei der Alexanders Band unter Vertrag steht – empfahl. Seitdem ist sie bei Polydor unter Vertrag und hat einen immensen Einfluss auf die Musik der vergangenen vier Jahre genommen. Denn obwohl die Sängerin mit eigenen Veröffentlichungen, wie Decline (2017), Love Me Again (feat. Jess Glynne, 2019) oder Tequila (mit Jax Jones und Martin Solveig, 2020) oder durch Kollaborationen mit Jonas Blue (By Your Side, 2016), Jax Jones (You Don’t Know Me, 2016) und David Guetta (Stay (Don’t Go Away), 2019) immer erfolgreicher wurde, sind es vor allem Songs –  die sie in ihrer Funktion als Songwriterin geschrieben hat – für die sie bekannt ist. Denn neben den selbst veröffentlichten Songs, hat sie Songs für alle großen Stars, wie Blonde, Matoma, SG Lewis, Charli XCX, Jax Jones, Little Mix, Rita Ora, John Legend, Major Lazer, Ellie Goulding, David Guetta oder Beyoncé, geschrieben. Da ist es nicht verwunderlich, dass DJ Regard dann auch über das Multitalent schreibt, dass jeder einmal mit ihr zusammengearbeitet haben sollte. Auf Secrets hat Regard einen ganz ähnlichen Aufbau genutzt, wie es sein Hit Ride It schon besaß und überzeugt mit House, der sich durch melancholisch, hymnische Gesangparts zu einem großartigen hochsommerlichen Hit entwickelt. Mit 80er Jahre Synthies und einem klassischen Drop, funktioniert Secrets darüberhinaus auch im Club und könnte zu einem der ersten Hits werden, zu dem wir – bei der Rückkehr der Parties in die europäischen Clubs – tanzen werden.

Kodaline - Sometimes

Mit dem starken Song All I Want hatte die Dubliner Band Kodaline 2012 plötzlich alle Augen auf sich gerichtet. Denn hier war nicht nur der Song mit seinen emotionalen Ebenen stark, sondern auch das dazugehörige Musikvideo – vielmehr, beide Musikvideos. Denn hier hatte das irische Quartett eine herzerwärmende Geschichte erschaffen, die zwei Kurzfilmen gleicht. Nach der großartigen Resonanz auf ihre Musik, folgte ein Jahr später mit In A Perfect World das Debütalbum der Band, sowie Platz 1 der irischen und Platz 3 der britischen Charts. Nach den Alben Coming Up For Air (2015) und Politics Of Living (2018) – die sich ebenfalls auf Platz 1 der irischen Charts positionieren konnten – haben die Jungs um Frontsänger Steve Garrigan nun mit Sometimes bereits die zweite Single, aus ihrem vierten Studioalbum One Day at a Time veröffentlicht – welches am kommenden Freitag erscheint. Entstanden ist der Song während einer Asientour im Hotelzimmer Garrigans – wie er schreibt. Dabei hatte der Sänger mit Angstzuständen zu kämpfen und schrieb den Song, um etwas Positives daraus zu ziehen und sich vor Augen zu halten, dass es immer wieder mal schwierige Zeiten gibt, die es zu überstehen gilt, man aber immer auch etwas Positives daraus ziehen kann. Sometimes kommt dabei äußerst folkig rüber und zeigt uns Kodaline wieder beim Sound des ersten Albums angekommen. Nicht viel mehr, als eine Gitarre und Schlagzeug unterstützen Garrigan, ehe zum Refrain kurzzeitig ein Chor aufflammt und den Song eine aufbauende Dynamik verleiht. Dabei hallen die Songzeilen All of my friends don’t understand. Maybe I’m crazy. Maybe I’m blind. Maybe we all get lost sometimes. Sometimes hallt auch noch nach, wenn der Song schon längst verstummt ist und erzählt von einem Aussenseiter, der in einer großen Band singt und gleichzeitig einsam ist, obwohl ständig Menschen um ihn herum sind. Während die Irish Times dem Album nur zwei von fünf möglichen Sternen vergibt und das Album als technisch fast schon perfekt, vom Gefühl allerdings vorhersehbar und einfallslos beschreibt, werden die bisher veröffentlichten Songs von den Fans äußerst positiv aufgenommen. Bleibt abzuwarten, ob es Kodaline ein weiteres mal schaffen, den Thron der irischen Albumcharts zu besteigen. Sometimes überzeugt auf jeden Fall bereits jetzt.

Two Door Cinema Club - Tiptoes

Two Door Cinema Club – Ein wenig Nostalgie

Vor knapp einem Jahr erst veröffentlichte das Nordirische Trio Two Door Cinema Club mit False Alarm ihr viertes Studioalbum und näherte sich wieder mehr dem Sound der frühen Jahre an. Mit dem dritten Album Gameshow (2016) schien schließlich doch einiges an Glas zerbrochen zu sein zwischen den Fans und er Band. Dabei ging es mit dem Debütalbum Tourist History (2010) erst steil bergauf und sorgte für absolute Gassenhauer, wie Something Good Can WorkI Can Talk und Undercover Martyn und mündete in top Platzierungen mit ihrem zweiten Album Beacon (2012). Ihr letztjähriges Album False Alarm erreichte mit Platz 28 nicht nur die schlechteste Chartplatzierung bisher, sondern konnte auch keine einzige Singleauskopplung in den Charts platzieren. Nun haben Frontsänger Alex Trimble, Gitarrist Kevin Baird und Bassist Sam Halliday allerdings in der Mottenkiste gekramt und mit der EP Lost Songs (Found) am gestrigen Freitag eine Platte voll mit Raritäten veröffentlicht. Mit dabei ist nicht nur eine Demoversion eines ihrer größten Hits Something Good Can Work, sondern auch der Song Tiptoes, den das Trio nun als Singleauskopplung veröffentlicht hat. Weitere B-Seiten aus der Zeit des Debütalbums wurden bisher entweder überhaupt noch nicht live gespielt, oder nur einmal auf einem Konzert in York. Tiptoes beginnt dabei mit einem ungewöhnlich harten Elektrobeat, der sich jedoch schnell in den typischen Gitarrensounds der Band auflöst und sofort zeigt, warum man sich einst so in die Musik der Band verliebt hatte. Dabei sollte Tiptoes eigentlich sogar auf dem Debütalbum landen, kam jedoch – aus Zeitmangel – nicht über eine Demoversion hinaus. Dabei hört man Tiptoes den charakteristischen Sound zum Ausrasten auf einem Konzert oder Festival an und fragt sich ungläubig, warum der Song es nie auf ein Album geschafft hat. Nun haben Two Door Cinema Club dem Song die Ehre erwiesen und uns eine EP geschenkt, die voll von Liedern ist, die aus der frühen Zeit der Nordirischen Band stammt. Tiptoes ruft uns unterdessen wieder auf die Tanzfläche und lässt uns ausflippen, als wäre es 2010.