WestBam feat. AfterLife 3000 - White Boy

WestBam feat. AfterLife 3000 – Vorwärts in die Vergangenheit

WestBam ist einer der Veteranen der Berliner Technoszene und hat den Berliner Techno weit über Europa hinaus in die Welt getragen. Dabei hat der gebürtige Münsteraner seit jeher Musik gemacht. Sei es als 13-Jähriger in der Münsteraner Punk-Szene, als 14-Jähriger in der Band Anormal Null oder als 16-Jähriger in der Band Kriegsschauplatz. 1983 startete Maximilian Lenz – wie WestBam bürgerlich heißt – seine DJ-Karriere und sollte in Folge für die kommenden 30 Jahre stilprägend und einer der Vorreiter des Berliner Technos werden. Schnell machte seine Art, Musik mit Hilfe von Platten zu mischen und neue Songs entstehen zu lassen, von sich Reden und wurde immer erfolgreicher. Als ersten Höhepunkt, kann man das Jahr 1988 bezeichnen, in dem WestBam vom Goethe Institut als Resident DJ nach Seoul zu den Olympischen Sommerspielen geschickt wurde. Nur ein Jahr später erschien WestBams erstes Album und trieb den kommerziellen Erfolg damit maßgeblich voran. Sein absoluter Höhepunkt sollte die Veröffentlichung des Songs Sonic Empire 1997 werden, bei dem WestBam zusammen mit Klaus Jankuhn das Duo Members Of Mayday bildete. Es folgten so gut wie alle Loveparade Hymnen und damit zwischen 1997 bis 2008 jedes Jahr aufs Neue ein Sommerhit für WestBam. Doch auch abseits der größten Techno-Parade der Welt wurden die Songs Hard Times, BeatBoxRocker, Oldschool Baby, Recognize und Right On zu Kulthits und sind Zeugen einer endlosen scheinenden Partywelt Berlins. Doch nicht nur als Teil von Members Of Mayday machte der Wahlberliner von sich Reden, sondern folgten auch Veröffentlichungen als Westfalia Bambaataa (aus dem sein heutiger Künstlername abgeleitet ist) und Mr. X & Mr. Y (New World Order 1999) Nachdem WestBam 2013 erstmals seit acht Jahren mit Götterstraße wieder ein Album veröffentlichte und bis in die Top-20 stieg, folgte 2019 sein bisher letztes Album The Risky Sets!!!.

WestBam feat. AfterLife 3000 - White Boy (Video)
WestBam feat. AfterLife 3000 – White Boy (Video)

Nun ist WestBam mit dem Song White Boy zurück, bei dem er mit dem finnischen Sänger Nuutti Kataja – alias AfterLife 3000 – zusammengearbeitet hat. Hier haben sie auf dreieinhalb Minuten eine Zeitreise eingeläutet, die von den frühen 90er-Jahre Sounds WestBams, bis zu den großen Hits des Künstlers geprägt sind. Auf White Boy gibt es aber auch großartige Referenzen an Pioniere, wie Karl Hyde und Rick Smith von Underwold, die selbst mit ihrer Musik seit den 80ern stilprägend waren und mit Born Slippy ihren größten Erfolg feiern konnten. WestBam hat mit seinem neuen Song einen rauen Technohit geschaffen, der sich trotz der aggressiven Stimme von AfterLife 3000 wunderbar nostalgisch in der modernen Soundwelt zurechtfindet und damit die Vergangenheit gekonnt mit dem Jetzt verbindet. War die Arbeit zwischen dem Berliner DJ und Produzenten und dem finnischen Indie-Rocker, der zur Zeit in Berlin lebt, so vielversprechend, haben sich beide nun an ein komplettes Album gemacht. Dieses wird, neben dem nun veröffentlichten White Boy, auch die Single Sky Is The Limit enthalten, bei dem WestBam mit Jon Marsh von der Band The Beloved zusammengearbeitet hat. Marsh hatte mit Sweet Harmony 1993 einen internationalen Hit, der selbst heute noch rauf und runter gespielt wird. WestBams zwölftes Album, das Famous Last Songs Vol. 1 heißen und am 21. Mai erscheinen wird, zeigt mit den ersten beiden Songs wie stilsicher und frisch WestBam auch nach über 40 Jahren der musikalischen Laufbahn noch ist.

Chilly Gonzales - A Very Chilly Christmas

Chilly Gonzales feat. Feist – Ein Multitalent lässt sich auf Weihnachten ein

Jason Charles Beck ist ein wahrer Tausendsassa. Nicht nur, dass Beck unter dem Namen Chilly Gonzales und aus Kanada kommend, unzählige Alben veröffentlicht hat, hat der Musiker – der in Montreal Jazz-Piano studierte – dort auch 1990 seine erste Band Son gegründet. Schnell stellten sich erste Erfolge ein und ergatterte die Band bei Warner Music Canada einen Plattendeal. Doch wurde Gonzales schnell klar, dass er sich nicht als Hamster im Laufrad eines Musikbusiness sehen wollte, dass nur auf den kommerziellen Erfolg aus ist. Schließlich floh Gonzales nach Europa, wo er einige Jahre in Paris lebte, ehe er sich in Berlin niederließ. Hier wurde er schnell zu einem festen Teil der Berliner Musikszene und Mitbegründer der Band Puppetmastaz. Zeitgleich fing der Kanadier mit ungarischen Wurzeln an, Songs zu produzieren. Hier schaffte es der Musiker mit seiner Berlin-Tetralogie Gonzales Über Alles (1999), The Entertainist (2000), Presidential Suite (2002), and Z (2003) Kritiker in ganz Europa zu begeistern.

Chilly Gonzales
Chilly Gonzales

Als Produzent für, die ebenfalls in Berlin lebende, Peaches und Jane Birkin schaffte er es zunehmend, sich auch als Produzent einen Namen zu machen, doch erst die Produktion des Albums The Reminder (2007) von der kanadischen Indie-Ikone Leslie Feist brachte ihm den internationalen Durchbruch ein. So wurde seine Produktion mit vier Grammy-Nominierungen honoriert und mit fünf Juno-Awards ausgezeichnet. Seine Diskografie ist so vielfältig, wie umfangreich, doch ein Genre hatte Gonzales bisher noch nicht bedient – Weihnachten. Diesen Punkt hat der Musiker 2020 schließlich auch abgehakt und Mitte November mit A Very Chilly Christmas sein erstes Weihnachtsalbum veröffentlicht. Darauf enthalten sind viele seiner langjährigen Weggefährten. Während Gonzales hier so klassische Titel, wie Oh Tannenbaum, Silent Night oder Auld Lang Mynor neu interpretiert, ist mit The Banister Bough auch ein neuer Song dabei. Mit einem Mix aus Jazz, Pop und Klassik und seinen Best-Buddies Leslie Feist und Jarvis Cocker hat, der mittlerweile in Köln lebende Musiker, Gonzales ein Weihnachtsalbum veröffentlicht, das so entspannt, wie unterhaltsam klingt und uns durch eine beschwingte Weihnachtszeit bringt.

Lasst uns froh und munter sein

The Lumineers – Mit Silent Night unterstützend in den heiligen Abend

The Lumineers aus Denver, im US-Bundesstaat Colorado, sind eine der erfolgreichsten Folkbands unserer Zeit. Mit Ho Hey hatten sie 2012 ihren großen Durchbruch. Ihr kurz zuvor veröffentlichtes Debütalbum The Lumineers verkaufte sich in der Folge über 4,5 Mio. Mal. 2016 folgte mit Cleopatra das zweite Album und mit Ophelia eine weitere Hitsingle. Ihr bisher letztes Album III erschien im vergangenen Jahr. Die mittlerweile auf Wesley Schultz und Jeremiah Fraites zusammengeschrumpfte Band lebt nun in Denver (Schultz) und Italien (Fraites) und bekommt somit auf zwei Kontinenten mit, was sich dieses Jahr alles verändert hat. Dabei ist für die Musiker sehr präsent, dass sie keine Livekonzerte spielen konnten. Doch noch viel wichtiger ist ihnen, auf die Situation der Konzerthallen aufmerksam zu machen. Denn diese waren die ersten, die in der Pandemie die Türen schließen mussten und werden die letzten sein, die sie auch wieder öffnen dürfen. Dass an diesen Türen hunderte Jobs und die Existenz der Betreiber hängen, rückte nach dem schweren Frühling wieder viel zu schnell in den Hintergrund.

Nun haben The Lumineers dazu aufgerufen, zu spenden und den Konzert- und Clubbetreibern so unter die Arme zu greifen. Hier hat sich das Duo dem Aufruf der NIVA – National Independent Venue Associations angeschlossen, die mit einem Emergency Relief Fund um das Überleben der Häuser kämpft. Doch auch in Deutschland gibt es mit der Berliner Clubcommission oder United We Stream Aktionen, die für den Erhalt der Clubs und Konzerthäuser kämpfen. Letztere Aktion ist im Frühjahr in Berlin entstanden und mittlerweile in 104 Städten weltweit aktiv. The Lumineers haben für ihren Aufruf das Weihnachtslied Silent Night neu aufgenommen und damit eine heimelige Stimmung für zu Hause geschaffen. Pünktlich zu Heiligabend können wir so zu folkigen Weihnachtsliedern schunkeln und nebenbei mit ein paar Euro auch dem Club bei uns um die Ecke helfen. Bleibt gesund, unterstützt weiter die Menschen um Euch herum und habt ein friedliches Weihnachtsfest mit Euren engsten Menschen. Frohe Weihnachten wünsche ich Euch allen da draußen.

Schiller - Der Goldene Engel

Schiller – Der Soundtrack einer Stadt

Es ist der Winter des Christopher von Deylen. Erst Ende Oktober hat von Deylen unter seinem bürgerlichen Namen mit Colors sein erstes Album veröffentlicht und ist damit direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts eingestiegen. Zählt man die Veröffentlichungen seine Projektes Schiller mit dazu, hat der rastlose Ex-Berliner damit insgesamt sieben Alben auf Platz 1 bringen können. Bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung von Colors konnte dann auch schon das nächste Album des Produzenten vorbestellt werden. Dieses wird am 12. Februar erscheinen und Summer In Berlin heißen. Nachdem von Deylen vor Jahren seine festen Zelte in Berlin-Friedrichshain abgebaut hat und durch die Welt reiste, hat er der großen Stadt nun endgültig den Rücken gekehrt. In den Norden Deutschlands gezogen, bedeutet dies aber nicht, dass er Berlin nichts mehr abgewinnen kann. Und so ist sein kommendes Album vielleicht ja als Abschiedsode an die Stadt gedacht, die ihn über viele Jahre inspiriert hat. Dabei hat von Deylen mit Summer In Berlin den Atemzug der Stadt in Musik umgesetzt.

Schiller - Summer In Berlin
Schiller – Summer In Berlin

Gleich in der ersten Singleveröffentlichung Der Goldene Engel hören wir altbekannte Klänge, die an das Debütalbum Zeitgeist erinnern lassen. Mit großen Synthies und frischen Basslines gibt Schiller einen Puls der Stadt wieder, der sich an der Hektik der Straße, dem unerschöpflichen Nachtleben und den – fast schon mystisch wirkenden – Heimwegen durch die leeren Straßen der Stadt, an dem orientiert, was für die meisten ihrer Bewohner unbeachtet links liegen gelassen wird. Im Gegensatz zu Colors, ist auf der neuen Single der treibende Beat zurückgekehrt, für den das Projekt Schiller so bekannt ist. Sicherlich hinkt der Vergleich zu Colors etwas – ist die Veröffentlichung unter von Deylens Realnamen gerade auch deshalb gewollt abgegrenzt worden, weil dieser Musik eine andere organische Entstehung zuteil wurde. Der Goldene Engel ist hierbei der Beginn einer Abschiedshommage an eine Stadt, die von Deylen immer viel zugetraut und gleichzeitig auch zugemutet hat. Stetig im Wandel der Veränderung ist von Deylen mit dem neuesten Album unter seinem Projektnamen Schiller bereit, ein Kapitel abzuschießen und dabei die Tür offenzuhalten, sich davon inspirieren zu lassen.

JEREMIAS - mio

JEREMIAS – 80er Ballade über die Angst des Versagens

Für die Jungs von Jeremias war 2020 ein Jahr der Extreme, hatten Sie noch im Februar ihre bisher größte Tour in Berlin abgeschlossen, folgte mitten in der Pandemie die Veröffentlichung ihrer EP alma mit den Songs schon okay und keine liebe. Anfang November folgte dann ein eindringlicher Post über ihre sozialen Kanäle, in dem sie über ihre Gefühle und aktuelle Situation bezüglich der Pandemie sprachen. Wenige Tage später folgte mir hdl ein neuer Song, der so viele Parallelen zwischen einer Pandemie und einer zerbrechenden Beziehung aufweist, dass man den Eindruck bekommen kann, Jeremias würden hier kein Beziehungsende thematisieren. Nun haben die Jungs um Frontsänger Jeremias Heimbach mit mio ihren neuesten Song veröffentlicht und geben dem Gefühl von Träumereien einen eigenen Track. Hierbei schreibt die Band zur Veröffentlichung, dass der Track unsere Philosophie beschreibt, unseren Antrieb und unsere Gefühlswelt und bildet den zentralen Kern unserer Passion.

JEREMIAS
JEREMIAS

Dabei fällt auf, dass der Songtext eine ganz andere Sprache spricht und ein Gefühl dafür gibt, wie beispielsweise die Jungs bereits früh ihren eigenen Weg gehen wollten, doch immer wieder damit konfrontiert waren, nicht ernstgenommen zu werden. So flüchten sich Jeremias in den Schreibprozess, um sich vom Druck und der Sicht anderer Menschen abzulenken und verlieren sich hier auch schon mal in einem Tunnelblick. Doch, dass auch fernab der Ansichten anderer ein Druck entstehen kann, der die Jungs damit kämpfen lässt, nicht dem Fluchtreflex zu folgen, sondern den Schritt nach vorne zu gehen, zeigen sie auf mio einmal mehr. Denn hier sind die funkigen Gitarren in den Hintergrund geraten und wird ein 80er-Jahre Beat aus Synthies und Bässen in den Vordergrund gestellt. Ganz, als wäre der Song aus einer Stranger Things Episode gekommen, erzeugen Jeremias so ein Gefühl von Nostalgie, die sich entspannt und nachdenklich anfühlt. Mit mio und hdl lassen Jeremias nun auf eine neue EP hoffen, die durchaus in 2021 erscheinen könnte.

Bear's Den - Christmas, Hopefully

Bear’s Den – Andere Weihnachten, ähnliche Wünsche

In ihrem Post sprechen die Briten von Bear’s Den davon, wie sie sich auf das kommende Weihnachtsfest freuen. Sie sprechen aber auch von einem harten Jahr. Davon, dass für viele Menschen da draußen nichts mehr so ist, wie noch 2019. Als Live-Band bedeutet dieses Jahr aber auch eine Zäsur zu setzen und sich neu zu finden. Wurden mit dem ersten Lockdown im Frühjahr alle Bars und Kneipen geschlossen, blieben auch die Clubs und Konzerthäuser nicht davon verschont – selbst Festivals mussten abgesagt werden. Hat es viele Künstler*innen getroffen, waren auch Bear’s Den mit der Situation konfrontiert, dass die Pandemie nicht nur ihr Privatleben beeinflusste, sondern auch die Ausübung ihres Berufs drastisch eingeschränkt hat. Wie bereits viele andere Künstler*innen, haben sich Bear’s Den einen Weg gesucht, um mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben und boten 360°Konzerte an. Was bleibt, ist aber das Gefühl, mit angezogener Handbremse zu performen – fehlt doch das direkte Feedback der Fans. Jetzt, zur Weihnachtszeit, ist auch bei Kevin Jones und Andrew Davie das Gefühl von Heimeligkeit und der Wunsch nach Nähe eingekehrt.

Bear's Den
Bear’s Den

Auch wenn diese Weihnachten anders verlaufen werden, als die Familienfeste, die wir sonst all die Jahre über gewohnt waren, zu feiern, so ist der Wunsch nach Nähe zu den uns wichtigen Menschen, wie der Familie, bei jedem gleich. Nun hat sich die Band an ein paar neue Songs gemacht und mit Christmas, Hopefully eine 3-Track EP veröffentlicht, welche nicht nur die gleichnamige Weihnachtssingle beinhaltet, sondern mit Berlin Part II auch die Fortsetzung des großartigen Songs Berlin bereithält. Als dritter Song ist Favorite Patient enhalten und bietet allen Bear’s Den Fans einen Sound, der passender nicht hätte sein können. Auf Christmas, Hopefully wird Davies Stimme vom Klavier und seichten Drums begleitet, die einem das Gefühl von Behaglichkeit vermitteln. Auf der Suche nach der verlorengegangen Nähe zu den Menschen, die uns lieb sind und auf die Momente, die uns so viel bedeuten, haben die Londoner eine EP der warmen Gefühle veröffentlicht. Gleichzeitig gehen die gesamten Einnahmen der Veröffentlichung – die es mit Schal und Hoodie auch in einer limitierten Deluxe Version gibt – an den National Health Service (das staatliche Gesundheitssystem Großbritanniens), dem sich die Band von Anfang an sehr dankbar zeigte. Bear’s Den lassen die Weihnachtszeit ruhig ausklingen und geben uns einen Begleiter mit durch die letzte Periode dieses Jahres, der sich um uns legt und wärmende Nähe aufbaut.

Beatsteaks - In The Presence Of

Beatsteaks – In The Presence Of

Sie ist draußen! Die neue EP In The Presence Of von den Beatsteaks. In den vergangenen Wochen spielte die Promotiontrommel bereits verrückt und veröffentlichten die Jungs mit Monotonie – als ersten Song aus der EP – einen wunderbar entspannten Reggae-Track. Im Original von Annette Humpe und der Band Ideal 1982 veröffentlicht, ist es den Beatsteaks wichtig, Songs von starken Frauen neu zu interpretieren. Mit Glory Box folgte nur zwei Wochen später eine Version des Bristoler Duos Portishead, die sich stark an dem Original orientiert und das mysteriöse Gefühl der ursprünglichen Version beibehält. Vor einer Woche überraschten uns die Beatsteaks schließlich mit der dritten Singleauskopplung aus der EP – denn hier hatten sie keinen Geringeren, als Hildegard Knefs Song Von Nun An Ging’s Bergab veröffentlicht. Süffisant und mit Schalk im Nacken singt sich Gitarrist Peter Baumann durch den Song und baut so eine perfekte Brücke zwischen dem Original und ihrer neuen Version. Bis heute haben es die Beatsteaks geschafft, die weiteren drei Songs der EP geheim zu halten.

Beatsteaks - In The Presence Of
Beatsteaks – In The Presence Of

Nun ist In The Presence Of seit Mitternacht überall zu haben und zeigt, dass sich die Band um Frontsänger Arnim Teutoburg-Weiß mit The Velvet Underground, L7 und Lesley Gore drei weitere Urgesteine der Musikgeschichte ausgesucht haben. Mit dem von Lou Reed geschriebenen Song After Hours, den seine Band The Velvet Underground 1969 veröffentlichte, zollen die Beatsteaks der Schlagzeugerin Maureen Tucker Tribut, die diesen Track damals sang, da Reed selbst sagte, dass der Song zu unschuldig und pur sei, um von ihm vertont zu werden. Auf Shitlist haben sich die Beatsteaks die – dem riot grrrl zugeordnete – Band L7 gegriffen und einen Song ausgesucht, welcher den Sound der Beatsteaks noch am nähesten kommt. Mit You Don’t Own Me gingen die Jungs schließlich am weitesten zurück in der Musikgeschichte und gaben dem von Lesley Gore gesungenem Song aus dem Jahr 1964 einen neuen Drive. In The Presence Of ist eine Songkollektion aus 60 Jahren voller starker Frauen und starker Bedeutungen. So interpretiert, wie es die Beatsteaks auf der neuen EP machen, lassen die Songs eine neue Präsenz entstehen und teilen die Beatsteaks deren wichtige Bedeutung erneut einem großen Publikum mit.

RAZZ - 1969 -Conrad

Razz – Auf dem Weg zum dritten Album

Letztes Jahr haben die Emsländer von Razz mit Bloc Party die Open-Air-Bühnen Deutschlands bespielt – nun stehen die Zeichen gut, dass wir uns bald auf Album Nummer 3 freuen dürfen. Dabei haben sich Razz in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Liveband gespielt. Mit energiegeladenen Bühnenperformances und einem ursympathischen Auftreten bekommen sie immer auch die letzte Reihe zum Tanzen. Nach ihrem Debütalbum With Your Hands We’ll Conquer – mit dem sie auf Anhieb in die Charts kamen – und den Singles Youth & Enjoyment und Turning Shadows wurden sie in den Feuilletons landauf, landab gefeiert – und das, als gerade einmal, im Schnitt, 15-Jährige. 2017 folgte dann mit Nocturnal das zweite Album, das den Erfolg des Debüts noch übertreffen konnte. Mit dabei war nicht nur die Single Let It In, Let It Out, sondern mit Another Heart/ Another Mind auch die Kollaboration mit den Giant Rooks – die ebenfalls zur gleichen Zeit ihren Aufstieg erlebten. Spannend dabei ist, dass die beiden Bands unterschiedliche Wege genommen haben, ihre Musik zu veröffentlichen.

RAZZ - Credit- Martha Friedel
RAZZ – Credit- Martha Friedel

Während die Giant Rooks immer wieder einzelne Songs streuen und EP’s und Alben veröffentlichen, arbeiten Razz im Kontext der Albumproduktion zumeist relativ stringent. So arbeiteten Razz bisher an einem Album und veröffentlichen ersten Songs als Leadsingle daraus, wenn eine bevorstehende Albumveröffentlichung naht. Nun sind Razz vor einiger Zeit nach Berlin gezogen und haben sich im Umfeld der Hauptstadt musikalisch deutlich weiterentwickelt. War ihr Klang auf den bisherigen Veröffentlichungen von schnellen Gitarrenriffs geprägt, die immer auch den Klang einer Teenagerband hatten, klingen die Jungs um Frontsänger Niklas Keiser auf ihrer neuen Single 1969 – Conrad nun nach einem größeren Ganzen. Hier spielen die Synthies und Gitarren mit dem Bass ein Wechselspiel und lassen Keisers Stimme so großartig neu klingen, dass man nicht drum herum kommt, sich irgendwie an eine Stimme der Vergangenheit zu erinnern. Razz haben mit 1969 – Conrad eine grandiose neue Single veröffentlicht, die groß, frisch und reif klingt und Lust auf mehr macht.

Beatsteaks - Glory Box

Beatsteaks – Wagen sich an die ganz Große

In den vergangenen Wochen haben die Beatsteaks mit den beiden Coverversionen Monotonie von Ideal und Glory Box von Portishead, zwei so dermaßen unterschiedliche Songs veröffentlicht, dass sich daraus bisher keine musikalische Linie, bezüglich der Genreherkunft ihrer Auswahl erkennen lässt. Sind es auf Monotonie Reggaeklänge, die sich durch den Song ziehen, bleiben die Beatsteaks bei Glory Box sehr nah am Original der britischen Band Portishead aus Bristol. Nun haben die Beatsteaks – eine Woche vor der Veröffentlichung ihrer Cover-EP In The Presence Of – einen dritten Song released und wagen sich hierbei an keine geringere Größe, als Hildegard Knef. Dabei war und ist die Knef bis heute eine der größten deutschen Gesichter und Stimmen und hat in unzähligen Filmen in Europa und den USA mitgewirkt. Auch musikalisch war die Sängerin seit den 1950er Jahren erfolgreich und hat unter anderem die Lieder Die Moritat von Mackie Messer aus Bertolt Brechts legendärem Theaterstück Die Dreigroschenoper eingesungen. Vielen ist sie heute vor allem durch ihren berührenden Song Für Dich soll’s rote Rosen regnen bekannt.

Beatsteaks Pressefoto Credit Erik Weiss
Beatsteaks Pressefoto Credit Erik Weiss

Für das neue Cover, bei dem die Berliner Songs von großartigen Frauen in der Musik neu interpretieren, haben sich die Beatsteaks den Hildegard Knef-Song Von nun an ging’s bergab gegriffen und eine wunderbare Gitarrensause daraus gemacht. Doch hier singt nicht etwa der Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß, sondern hat sich Gitarrist Peter Baumann die Ehre gegeben und sich mit einer klaren und – passend zum Song – süffisanten Gesangsstimme an den Song gewagt. Immer wieder bricht er dabei im Song mit den Elementen und springt zwischen harten Gitarrenriffs und stillen aber drängenden Gesangsparts hin und her. Auch heute steht – wie in den vergangenen Wochen – nicht fest, welche weiteren Songs auf der EP sein werden. Nur soviel – drei Songs sind veröffentlicht, drei weitere beinhaltet die EP. In sieben Tagen wissen wir mehr und können uns auf eine Cover-EP freuen, die sich durch großartige Songs von starken Frauen arbeitet.

Dope Lemon - Kids Fallin' In Love

Dope Lemon – Im Moment des Verliebtseins verlieren

Wann setzt er eigentlich ein – dieser Moment, an dem wir merken, dass wir auf dem besten Wege sind, uns Hals über Kopf zu verlieben?! Diese Frage kann Angus Stone höchstwahrscheinlich nicht beantworten, doch hat er mit seiner neuesten Singleauskopplung Kids Fallin‘ In Love unter seinem Alter-Ego Dope Lemon gerade einen neuen Song veröffentlicht. Dabei überrascht die Geschwindigkeit des Releases doch etwas – ist Stone doch bereits mit seiner Schwester auffällig unstetig im Veröffentlichen von neuer Musik. Nun kommt mit Kids Fallin‘ In Love nach Everyday Is A Holiday bereits die zweite neue Single als Dope Lemon auf den Markt und weist damit – nur ein Jahr nach der Veröffentlichung des zweiten Dope Lemon-Albums Smooth Big Cat und der Single Hey You – auf ein baldiges drittes Studioalbum hin. Kids Fallin‘ In Love besingt dabei die Momente, in denen wir uns Verlieben und damit den aufregendsten Moment erleben. Mit einem unglaublich relaxten Sound lässt uns Stone dabei am Australischen Sommer teilhaben und die Gedanken an ein schwieriges Jahr komplett vergessen.

Dope Lemon Credit: Daniel Mayne
Dope Lemon Credit: Daniel Mayne

Hier möchten wir einfach mit auf den Pick-Up springen und dem lockeren, optimistischen Sound Stones ein klein wenig länger zuhören. Angus selbst sagt zu dem Song – das hier ist ein kleines Liebeslied darüber, an diesen magischen Ort zurückzukehren, an den man sich versetzt fühlt, wenn man dieses warme Glühen in seinem Herzen spürt, das ein ganz besonderer Mensch ausgelöst hat, als diese Person irgendwie in dein Leben gestolpert ist. Es geht darum, sich der Liebe hinzugeben, sich zu verlieben und um all die guten Dinge, die einem widerfahren, wenn sich einem diese Tür erneut öffnet. Viel Spaß, Freunde. So tiefenentspannt, wie Angus Stone, ist kaum ein zweiter Musiker aktuell. Und so lässt uns Stone mit Kids Fallin‘ In Love einen Moment lang die Freiheit und Unbeschwertheit fühlen, nach der wir uns gerade so sehr sehnen. Mit der Veröffentlichung von Kids Fallin‘ In Love hat Stone nun auch erste Live-Termine für 2021 angekündigt, die ihn – sollte es bis dahin wieder möglich sein – im Juni 2021 für zwei Konzerte nach Düsseldorf und Berlin bringen.