Nathan Ball – Mit Call It Love auf dem Weg zum Debütalbum?

Mittlerweile hat Nathan Ball bereits einige Songs veröffentlicht, die Ihr auch hier auf SOML finden könnt. Neben Echo und Right Place kommen noch die EP’s – wie Beispielsweise die Acoustic EP – eine Zusammenstellung aus vier Songs, die Ball in einem Akustik-Set eingespielt hat – hinzu. Auch konnte man Ball letztes Jahr auf der Flux FM Bühne zur Fête de la Musique in Neukölln live sehen. Doch fehlt immer noch ein Album mit all seinen Songs. Einem kleinen Stück näher kommt er diesem mit der neuen Single Call It Love, die er vor zwei Tagen veröffentlichte. Dabei klingt Ball gewohnt tief und dunkel, hat allerdings auch einen größeren Sound für die neue Single gewählt. Überlässt Ball seinen Fans gerne die Interpretation seiner Songs, gab er zum Entstehungsprozess bisher nur an, dass er den Song zusammen mit seinem Gitarristen und Produzenten Max in seinem Schlafzimmer geschrieben und aufgenommen habe. Er sei seinen Fans langsam allerdings ein Album schuldig fügt er nun gerne hinzu. Ball klingt auf Call It Love größer, ohne einen großen Sound zu kreieren. Mit sanften Gitarren und Balls schwebender Stimme ist Call It Love erneut ein imposantes Zeichen für Balls konsequenten Weg, das Tempo seiner Musik zu bestimmen.

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Fil Bo Riva – Wenn der Lebenslauf den Ton angibt

Es ist eine spannende Biografie. Als Kind einer Deutschen und eines Italieners in Rom geboren und aufgewachsen trieb es Filippo Bonamici – alias Fil Bo Riva – quer durch Europa. So stehen Länder wie Irland, Spanien und Deutschland auf seine Liste. Nach Berlin kam er schließlich durch eine erfolgreich bestandene Aufnahmeprüfung an der UDK für den Studiengang Produktdesign. Vom Freigeist der Stadt inspiriert versuchte sich der Musiker, der bereits mit zehn anfing Gitarre zu spielen, daran, selbst professionell Musik zu machen. Dies gelang ihm so gut, dass er binnen kürzester Zeit durch Europa tourte und als Support von Matt Corby oder den Milky Chance gebucht wurde. Mit dem Produzenten der Mighty Oaks – Robert Stephenson – arbeitete Riva schließlich an seiner Musik. Diese vereint die unterschiedlichsten Einflüsse Europas und zeigt dies besonders auf der ersten Single Go Rilla. Hier zeugt die Stimmung von den Weiten einer italienischen Küstenstraße, die es mit offenem Verdeck zu befahren gilt. Hinzu kommen Klänge von Indie und Folk und besticht der Song gesanglich durch eine soulige Klangfarbe. Riva selbst beschreibt seine Musik als europäischen Folk und Indie-Pop und trifft damit genau ins Schwarze. Go Rilla ist eine Ode an die Unbeschwertheit und dem Lebensgefühl des Vogelfrei im Sinne des ungebunden seins. Am 22. März 2019 erscheint mit Beautiful Sadness Rivas Debütalbum und wird von einer Tour durch die DACH-Region begleitet. Mit Go Rilla öffnen sich allerdings mit Sicherheit auch noch mehr Türen – weit über den deutschsprachigen Raum hinaus

Mighty Oaks – Die alte Wertschätzung

Jahre sind vergangen, seitdem das Berliner Trio Mighty Oaks noch als Newcomer galten. Heute sind sie gestandene Größen und schafften es mit ihren beiden Alben Howl (2014) und Dreamer (2017) in die Top-10 und Top-20 der deutschen Albumcharts. Dabei gab es direkt zu Beginn ihrer Karriere Songs, die nur einem kleinen Publikum zuteil wurden, da die physischen Tonträger damals nur limitiert vorhanden waren. Nun, acht Jahre nach der ersten Veröffentlichung, bringen Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders mit Driftwood Seat EP abermals die Songs Rainier, So Low, So High, Driftwood Seat und Like An Eagle raus. Damit schenken Sie ihren Fans eine EP mit den 4 Songs, mit denen das Abenteuer Mighty Oaks vor knapp 9 Jahren begonnen hatte. Als erste Auskopplung können wir nun Like An Eagle hören und uns vom warmen, Folk-Sound des Trios treiben lassen. Die allgegenwärtige Melancholie der Songs ist gleichzeitig so inspirierend, wie beruhigend. Mighty Oaks zeigen mit der Wiederveröffentlichung ihrer ersten Songs, dass sie keine Trittbrettfahrer des Hypes um Folkmusik waren, sondern vielmehr Begründer dieses.

The Blaze – Gewaltiges Glück, gewaltiger Schmerz

Die Bildsprache, der Sound, die Geschichten – das alles im Zusammenspiel präsentieren die beiden Cousins Jonathan und Guillaume Alric mit ihrer Band The Blaze. Dabei lassen sie Eindrücke und Gefühle entstehen, die von Wärme, Zuneigung, Trauer, Herzlichkeit, Aggression und Liebe handeln. Ihre kräftige Bildsprache erzählt kleine Kurzgeschichten, wie die in Territory. Hier geht es um einen Migranten, der aus Frankreich in seine Heimat – Algerien – zurückkehrt. Bei Virile erzählen die beiden Pariser die Geschichte einer männlichen Freundschaft, die durch Gemeinsamkeiten und Lebensfreude mehr als nur zwei Freunde darstellt. Auf Queen wiederum, dreht sich alles um die innige Freundschaft unter zwei jungen Frauen, die in einem Trailerpark leben und mit einer stets aggressiven Grundstimmung ihre Freundschaft bemessen. Das Gefühl – mit der besten Freundin – die Welt zu erobern, stärker als der Rest Dieser zu sein oder sich auch ganz einfach beweisen zu müssen, ist für den Ein oder Anderen sicherlich nicht unbekannt. Auf Queen wird jedoch die Zerbrechlichkeit dieser Beziehung deutlich und die Bedeutung derer in eindrucksvolle Bilder gepackt. Dabei klingt die Musik von The Blaze emotional, nostalgisch, ist aber immer auch tanzbar – und damit das Ziel der Band erreicht. Mit tiefem, gepitchten Gesang, treibenden French-House-Beats und einer Popanleihe verknüpfen The Blaze verschiedene Elemente zu einem hypnotisierenden Dancesound und erreichen uns damit auf verschiedenen Ebenen. Ihr Debütalbum Dancehall ist bereits im September erschienen und wird im kommenden März mit Konzerten in München (05. März 2019) und Berlin (18. März 2019) auch live zu erleben sein.

Sarah P. – Das geheimnisvolle Hauchen

Sarah P. ist umtriebig. Absolvierte die griechische Sängerin bis 2010 in Athen ein Schauspielstudium, traf sie im selben Jahr den Produzenten RΠЯ, der mit ihr und zwei weiteren Mitgliedern die Band Keep Shelly In Athens gründete. Vier Jahre tourten sie um die Welt und spielten unter anderem auf dem Coachella und The Great Escape Festival. Dabei veröffentlichte die Band 2011 mit Late Night Later Night CS eine sogenannte Split EP, auf der sich drei Songs der Athener wiederfanden und drei Songs eines, bis dato, noch recht unbekannten Produzentenduos – Disclosure. Wo die britischen Brüder heute stehen, wissen wir alle. Schließlich 2014 von der Band losgesagt, zog es Sarah P. nach Berlin. Von hier aus arbeitete sie konsequent an neuer Musik und  veröffentlichte mit der Free EP 2015 erstmals als Solokünstlerin Musik. Ihr Debütalbum Who I Am folgte 2017. Nun steht mit Maenads eine weitere EP an, die am kommenden Freitag erscheint. Darauf enthalten ist die Dream-Pop Single Mneme, die verträumt, geheimnisvoll und sogar etwas verrucht klingt. Sarah P. selbst beschreibt den Song als ein Schlaflied, inspiriert von unbeschwerten Zeiten und einem gebrochenen Herzen, das an die Vergangenheit erinnert und die Dinge in die richtige Perspektive bringt. Genau dieses Gefühl transportiert Mneme angenehm und entspannt und klingt dabei stark in einer sanften Umgebung.

Clueso – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt 2018)

Er kam, sah, siegte! Nicht anders ist zu beschreiben, was der Thüringer Musiker Clueso am vergangenen Dienstag in Huxley’s Neue Welt ablieferte. Clueso hat Erfahrung, ist in die Popwelt hinein gewachsen und hat alle Phasen eines Musikers durchlaufen. Vom Newcomer-Dasein, über die ersten Hypes, bis zu Zweifeln und einer Neuausrichtung – die ihm abermals einen Erfolgsschub bescherte – verpackt der 38-jährige Sänger all seine Erfahrungen und Emotionen immer wieder in Songs und erreicht damit ein Publikum zwischen Jung und Alt. Mit seinem aktuellen Album Handgepäck I schaffte es Clueso zum dritten Mal hintereinander die Pole-Position der deutschen Albumcharts zu erreichen und überraschte gleichzeitig mit einem Sound, der von akustischer Musik und Zurückhaltung geprägt ist. Sind doch alle Songs auf Handgepäck I im Laufe der vergangenen sieben Jahre entstanden, als der Sänger auf Reisen war. Davon beeinflusst, klingt Handgepäck I nach Weite, vorbeiziehenden Landschaften und einer entspannten Grundhaltung, die selbst Cluesos entspannte Art nochmal steigern lässt.

An diesem kalten Novemberabend rief er nun schließlich seine Fans auf, in die Konzerthalle am Neuköllner Hermannplatz zu kommen. War die Halle zum bersten voll und ausverkauft, folgten diesem Aufruf anscheinend viele seiner Fans. Pünktlich wie ein Maurer betrat der Sänger um 20:30 Uhr – ohne Vorband – die Bühne und begann mit den ersten Songs Morgen Ist Der Winter VorbeiEs Ist Schon Spät und Neue Luft. Dabei knisterte es still in der Halle und klangen die Gitarrensaiten voluminös und warm. Hiernach begrüßte er das Berliner Publikum und ließ sympathisch von der Stange, dass er ja doch immer etwas aufgeregt sei, das Publikum hier ihn aber so herzlich empfangen habe, dass dieses Gefühl schon fast verflogen sei.

Songs seiner Idole

Mit Vier Jahreszeiten An Einem Tag kündigte Clueso im weiteren Verlauf sein erstes Cover an diesem Abend an. Hat es der – im Original von der Australischen Band Crowded House geschriebene – Song tatsächlich in übersetzter Version auf das Album und sogar zur Singleauskopplung geschafft, kommentierte der Sänger, dass Englisch nicht so sein Ding sei und er diesen Song aber so sehr mochte, dass er ihn übersetzte und neu interpretiert habe. Dabei blieb der Sänger sehr nahe am Original und erhielt die traurig, emotionale Stimmung des der englischen Version. Mit Du Und Ich folgte anschließend eine poppigere Nummer, die ebenfalls als Singleauskopplung im vergangenen Sommer durch die Radios hallte und die gedämpfte Stimmung im Publikum wieder mit Energie füllte.

Mit den folgenden Songs läutete Clueso schließlich eine Strecke von älteren Songs ein, die auf die akustische Tour angepasst wurden. Da fielen mit Keinen Zentimeter und der Udo Lindenberg Kollaborationssingle Cello spätestens hier alle Hemmungen mitzusingen und hörte man bei den einschlägigen Textzeilen das Publikum um sich herum mal ruhig, mal frenetisch mitsingen. Mit den Worten, dass das Berliner Publikum immer etwas anders sei, quittierte er die Aussage mit dem Zusatz, dass es den Sänger mit einer ruhigen und offenen Haltung aufgenommen habe und er sich pudelwohl fühlte. Nach Cello kam der Sänger allerdings nicht drumherum, vom Hamburger Panikrocker Udo Lindenberg zu reden und teilte Anekdoten wie, dass Lindenberg rauchend in der Lobby eines Hotels darauf hingewiesen wurde, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei und es noch nicht einmal einen Aschenbecher gäbe, mit den Worten Ja… früher stand hier mal einer. Diese Erinnerungen zauberten Clueso, während er sie erzählte, eine kindliche Begeisterung ins Gesicht und man mochte fast eine Art Heimeligkeit durch das Geschichten erzählen zu vernehmen.

Mit Chicago folgte schließlich einer seiner stärksten Songs und erzeugte dabei mit der Tragik, die der Text ausdrückt eine Gänsehautstimmung unter dem Publikum, die eine Mischung aus Empathie und Willenskraft ausstrahlte. Im Anschlus folgte mit Es Brennt Wie Feuer eine deutsche Interpretation des Bruce Springsteen Songs I’m On Fire. Dabei outete sich Clueso als großer Springsteen Fan und sorgte zur Mitte des Songs für einen – fast schon ekstatischen – Moment als er in den Refrain des Kings Of Leon Hits Sex On Fire überging und auf der Bühne kurzzeitig durch flirrende Gitarren das Gefühl, ein Rockkonzert zu besuchen, aufflammte.

Clueso mit Baguette aber ohne Annett Louisan

Fanpost war schließlich der älteste Song seiner Diskografie an diesem Abend – wurde dieser doch auf dem 2005er Album Gute Musik veröffentlicht. Mit Freidrehen und Gewinner drehte Clueso schließlich noch einmal voll auf und animierte das Publikum mitzusingen, bevor mit Paris eine kleine Chansonnummer folgte. Hierbei erinnerte Paris an Songs aus Annett Louisans Repertoire und würde sicherlich auch eine wunderbare Kollaboration mit ihr ergeben. Mit einer kurzen Verabschiedung kam die Band und Clueso nach knapp einer Minute wieder auf die Bühne um mit dem Mash-Up Achterbahn und Zusammen – eine Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier – nochmal richtig durchzustarten. Im Anschluss mit einer Jam-Session über Berlin, Zugehörigkeit, Toleranz und Umwelt rappend, zeigte Clueso, dass er immer noch die Skills des Freestyles beherrscht und beendete schließlich das Konzert mit dem melancholisch, schönen Barfuß.

Nach 18 Songs, 2 Stunden und 10 Minuten voller Power, einem unglaublichen Unterhaltungswert und Musik aus den Genres Hip-Hop, Rock, Pop und Chanson, verabschiedete sich Clueso schließlich endgültig von der Bühne und bedankte sich für die Herzlichkeit und das mal totenstille Lauschen, mal begeisterte Abgehen.
Hatte Clueso in den letzten vier Jahren insgesamt sechs Konzerte in der Hauptstadt gegeben, überraschte und begeisterte die Stimmung der Fans, die keine Ermüdungserscheinungen – den Musiker zu sehen – zeigten. Ebenso legte Clueso eine Energie an den Tag, die in Anbetracht der Anzahl an Berliner Konzerten zusätzlich begeisterte. Clueso ist ein Profi durch und durch. Er weiss, worauf es ankommt und wie er ein Publikum mitziehen kann. Dies schafft er allerdings so sympathisch und unterschwellig, dass man das Gefühl bekommt, einen Freund auf der Bühne zu haben.

AVEC – Mit warmer Stimme gegen die Stille

Im September hatte die Österreicherin AVEC – mit Heaven/Hell ihr zweites Studioalbum veröffentlicht. Nun kam sie am vergangenen Donnerstag zu einem Konzert in den Berliner Club Gretchen und präsentierte uns das Album in einer warmen und knisternd stillen Atmosphäre.

Als Support traten, die ebenfalls aus Österreich kommenden, We Love Silence auf. Mit ihrer Mischung aus selig, ruhigen Arrangements, Cello, sanften Synthies und Lukas Staudingers weicher Stimme, wurde das, über die letzten Jahre zum Trio angewachsene, Gespann zum perfekten Support-Act für die 23-jährige Sängerin. Hierbei schafften es We Love Silence eine Mischung aus Pop, klassischen Elementen und modernen elektronischen Einflüssen zu verarbeiten.

Schließlich kam AVEC mit ihren drei Jungs auf die Bühne und spielte mit ihrer Akustikgitarre sofort los. Gleich in den ersten Songs gab uns die Sängerin mit Love eine ihrer aktuellen Singles zum Besten und begeisterte mit Natürlichkeit und einer charmanten Art. Anfangs noch mit Jacke bekleidet, präsentierte sie sich im Laufe der Show mit einem schwarzen Oberteil, das ihre Tattoos an den Armen wie Marienkäferflecke hervorstechen ließ. Mit so wunderbaren Songs wie Over Now BreatheYours und Alone stimmte AVEC den Abend fast gänzlich in eine heimelige Atmosphäre. Immer wieder auch zum Publikum sprechend, bedankte sich AVEC für die Aufmerksamkeit, die hier so hoch war, dass selbst in den hintersten Reihen nicht gesprochen wurde. Die daraus entstandene Stille, ließ selbst die Sängerin staunen und so scherzte sie, dass man dann ja auch jeden Fehler hören würde. Natürlich gab es aber keine Fehler, die es zu hören möglich gewesen wäre. Bei Under Water und Close kam es dann zu einem schönen Sternenhimmel, der durch die überdimensionale Discokugel des Gretchens, die Decke zum Leuchten brachte. Schließlich kamen auch noch Ida Leidl mit ihrem Cello und Lukas Staudinger von We Love Silence auf die Bühne, um AVEC zu begleiten. Dabei begeisterte AVEC mit einer Stimme, die so warm, wie das Knistern eines Kaminfeuers war.

AVEC zeigte an diesem Donnerstagabend sehr viel von sich. Sinnlich, bestimmt, fragil, verletzlich und stark waren die vorherrschenden Emotionen, die hier auf der Bühne zum Vorschein kamen. Und immer mit dabei – ein Soundteppich, der vom Träumen und Sehnsucht geprägt war. Mit einer mal verführerisch tiefen, mal drängend klaren Stimme ließ uns AVEC an ihren Emotionen teilhaben und hatte damit den Abend im Gretchen in einen Moment der Geborgenheit verwandelt.

Eine so sympathische, bodenständige, wie starke Künstlerin live auf der Bühne zu sehen gehört auf jede Liste eines Konzertgängers und kann im Falle der österreichischen Sängerin nur wärmstens empfohlen werden.

Alex The Astronaut – Konzertkritik

Ein Konzert, wie eine Show á la Alleinunterhalter. Am letzten Freitag war die australische Newcomerin Alex The Astronaut im Berliner Lido zu sehen. Damit unterstützte sie den gebürtigen Kanadier, doch mittlerweile zum Wahlberliner gewordenen Sänger, Sam Vance-Law. Dass Alexandra Lynn – wie Alex The Astronaut bürgerlich heißt – schon so einige Shows absolviert hat, konnte man in jeder Sekunde ihrer Bühnenperformance erkennen. Noch dazu, mit einer bemerkenswerten Gelassenheit und ur-sympathischen Art. Denn während Alex ihre Lieder sang, trumpfte sie immer wieder auch mit kleinen Anekdoten und Erinnerungen auf, die dem Publikum den jeweiligen Song näher brachte. Mit insgesamt neun Songs begeisterte sie dann auch alle und kam ihr Support so eines eigenständigen Konzertes gleich.

Mit dabei waren neben ihren Singles Waste Of Time und Not Worth Hiding auch Songs, wie What Sydney Looks Like in JuneCaught und Already Home. Bei Rockstar City ließ sie uns dann von der Erfahrung teilhaben, wie es war, jahrelang nur im kleinen Kreise zu spielen und plötzlich diesen Gig im ältesten Rock Club New Yorks – dem The Bitter End – zu haben. So war sie unglaublich beeindruckt auf der Bühne zu stehen, auf der auch schon Bob Dylan, Chuck Berry, Janis Joplin, Nina Simone oder Patti Smith spielten. Ihr persönlicher Funfact dabei war, dass nur rund 15 Leute anwesend waren und dies auch noch über kostenlose Tickets geschah, da ein Großteil hiervon zu Alex‘ Freunden zählten. Ist die Australierin doch eher bescheiden, wird der Club wahrscheinlich deutlich voller gewesen sein, als sie es zu präsentieren vermochte.

Mit Happy Song trumpfte Alex schließlich auf und sorgte für einen Unterhaltungsfaktor, der einer abendlichen Entertainmentshow gleich kam. Hatte sie doch das Publikum in zwei Lager geteilt und der linken und rechten Hälfte jeweils die markanten Refrain-Verse zugeordnet, um diese schließlich über viereinhalb Minuten vollends auszuspielen. Hierbei machte das Publikum so wunderbar mit, dass man sich kurzzeitig als Gemeinschaft an eine Klassenaufführung erinnert fühlte.

Alex The Astronaut @Lido Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

An diesem Abend konnte man eindrucksvoll sehen, was für eine Bühnenpräsenz Alex hat und die so wunderbar frisch und neugierig ist, dass man ihrem Konzert nur verfallen konnte. Jetzt dürfen wir uns aber sicher sein, dass – wenn sie das nächste Mal in Berlin spielt – ein Debütalbum im Gepäck sein wird.

 

 

KLAN – Zwei Brüder, eine Entscheidung

KLAN gibt es bereits seit Ende der 80er Jahre. Und doch haben sie erst jetzt, am 12. Oktober, ihr Debütalbum Wann Hast Du Zeit veröffentlicht. Ihr fragt Euch, was eine Band bitte von 1988 bis 2018 an Zeit benötigt, um ihr Debütalbum fertigzustellen?! Das Aufwachsen! Denn KLAN besteht aus den beiden Leipziger Brüdern Michael und Stefan Heinrich. Nach Jahren des brüderlichen Zusammenlebens im Elternhaus folgte der Weg in bürgerliche Jobs. Blieb Stefan in Leipzig um Medienpädagogik zu studieren, zog es Michael nach Berlin für ein Medizinstudium. Doch damit nicht glücklich werdend, folgte Stefan seinem Bruder einige Zeit später nach Berlin und beide entschlossen, ihre Berufe vorerst ruhen zu lassen, um sich der Musik zu widmen. Denn die hatten sie bereits seit der Jugend für sich entdeckt. Somit stand im Jahr 2016 der Eintrag in das Grundbuch deutscher Bandfindungen an und KLAN kam zur Welt. Nun haben sie mit der aktuellen Single Mama das Thema der Findung und Abnabelung behandelt und, wie sie mit den Erwartungshaltungen der Familie umgegangen sind. Dabei klingen sie so angenehm ruhig besonnen und singen reflektieren die Befürchtungen der Eltern, vom Weg abzukommen, sollten sie ihre Jobs für die Musik an den Nagel hängen. KLAN klingen frisch und doch irgendwie nach einem gewohnten Begleiter. Auf alle Fälle sind sie damit eine der heißesten Anwärter auf einen nächsten, großen Hit.

Bastien – Auf dem Sprung

Rumänien ist nicht unbedingt ein Land auf der Liste, auf der man populäre Popmusik aufführen würde. Doch haben uns bereits Künstler und Bands wie O-Zone (Dragostea din tei), Edward Maya (Stereo Love) oder auch Alexandra Stan (Mr. Saxobeat) in den letzten Jahren immer wieder einmal gezeigt, dass auch große Popnummern aus Rumänien kommen können. Nun gibt es mit dem 22-jährigen Sänger Bastien den nächsten Künstler, der es auch hierzulande schaffen könnte, in die Charts zu steigen. Hat der, in Bukarest lebende, Sänger seine Flügel doch deutlich weiter ausgestreckt, als es die meisten anderen vor ihm taten. Steht er bei einem Plattenlabel in Paris unter Vertrag und nimmt seine Songs in einem Aufnahmestudio in Berlin auf, hat er nicht zuletzt auch durch das Reisen einen deutlich größeren Eindruck von Popmusik vorzuweisen. Denn Bastien hat bereits im Frühjahr 2018 auf der Single Higher des Berliner Produzenten-Duos Frank & Friedrich mitgewirkt und zeigt nun mit seiner Single Stay With Me, dass er es auch alleine kann. Mit einem Mix aus R&B, Pop und elektronischen Klängen, sowie einem souligen Gesang lässt Bastien eine Beziehungsentscheidung aus seinem Leben in den Song einfließen. Dabei klingt er vertraut, ruhig und doch irgendwie tanzbar. Stay With Me ist der Ohrwurm, den es braucht, um richtig durchstarten zu können – und das gelingt dem Newcomer ausgesprochen gut.