Clueso – Sommervibe im Handgepäck

Einer der erfolgreichsten Musiker Deutschlands geht neue Wege. Mit zwei Nummer-1-Alben im Gepäck steuert der Erfurter Sänger nun mit seinem neuen Album die dritte Pole Position an. Dabei macht er sich Lieder zu nutzen, die über die letzten Jahre auf Tour entstanden sind, allerdings niemals auf eine Platte gepresst wurden. Sie sind zu den unterschiedlichsten Zeiten mit den unterschiedlichsten Problemen entstanden und erzählen den dem Gefühl eines Rastlosen. So wird das – Ende August erscheinende – Album Handgepäck I heißen und der Nummerierung zufolge wohl die Erwartungen auf eine Serie erhöhen. Die erste Singleauskopplung daraus hört auf Du Und Ich und steht dem Sound eines Jack Johnson oder Jason Mraz in nichts nach. Hier gibt sich Clueso lässig, freigeistig und produziert mit seiner Gitarre einen Sound, der Entspannung pur bedeutet. Da singt Clueso vom nach Hause kommen und dem Gefühl, sich daran zu erinnern, wo man herkommt. Du Und Ich klingt dabei, als würde der 38-Jährige gerade erwachsen werden und mit der Sturm und Drang Zeit abschließen. Die erste Single aus dem kommenden, achten Studioalbum überrascht, klingt erfrischend und zeigt Clueso in einer wiederentdeckten Gelassenheit, die vor ein paar Jahren kaum vorstellbar war.

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Sam Fender – Der letzte Rock-Gott

Rock ist tot, so heißt es seit einigen Jahren immer wieder. Überschwemmen doch Hip-Hop und EDM die Charts und lassen kaum Raum für diese so aufrichtige Musikrichtung. Doch einer, der gerade erst am Anfang seiner Karriere steht, hat sich nicht beirren lassen und setzt alles auf eine Karte. Mit Start Again hatte der britische Musiker im Herbst 2017 bereits die Musikbranche aufhorchen lassen. Ist das Zusammenspiel aus Gitarre, Drums und der markanten Stimme Fenders doch eine Art Fels. Entgegen aller Umstände bleibt Fender da und festigt mit jedem neuen Song seinen Position mehr. Nun ist mit Play God eine neue Single herausgekommen, die mit einem Gitarrenspiel auffährt, das an die Red Hot Chili Peppers und große Nummern der 80er und 90er erinnert. Dabei möchte Fender nicht einfach nur als Musiker wahrgenommen werden, sondern hat auch etwas zu sagen. Auf Play God thematisiert er was mit der immer größer werdende Ich-bezogene Gesellschaftsstruktur gerade den Zeitgeist prägt und lässt dabei offen, um wen es bei ihm geht. Somit bleibt dem Hörer viel Raum, um selbst eine Geschichte entstehen zu lassen. Sam Fender hat das Potential, der letzten gleichzeitig nächste große Rock-Gott zu werden – sein Fels muss nur wachsen.

Lily Allen – Von der Rotzgöre zum Kritikerliebling

Für Lily Allen waren die letzten Jahre alles andere als leicht. Hatte sie fünf Jahre lang mit einen Stalker zu kämpfen, der sogar, während sie schlief, in ihr Schlafzimmer einstieg, kamen auch noch die beiden Geburten ihrer Kinder hinzu. Darüber hinaus wurde ihr 2014 veröffentlichtes Album Sheezus von allen Seiten kritisiert. Sicherlich nicht die beste Ausgangssituation, um neue Musik zu produzieren. Und doch waren gerade diese Erfahrungen die Quelle ihres nun veröffentlichten Albums No Shame, welches letzte Woche veröffentlicht wurde. Ist es bei vielen Künstlern wohl eine Phrase, trifft die Beschreibung, dass es wohl ihr persönlichstes Album sei, bei No Shame voll und ganz zu. Hier singt sie über Drogenprobleme, den Stalker und andere Tiefschläge aus ihrem Leben. Auf der nun veröffentlichten Single Lost My Mind verarbeitet Allen die gescheiterte Beziehung und anschließende Scheidung von ihrem Ehemann Sam Cooper. Mit einem Gefühl, das man von Allen sonst nur selten zu hören bekommt, singt sie sich durch den absichtlich naiv klingen Song und zeigt damit, dass auch sie in der Situation war, sich so wohl zu fühlen und den Uns-kann-nichts-trennen-Gedanken zu pflegen. Mit dabei sind Vocoder und tropische Klänge. Wobei der Vocoder so zurückhaltend eingesetzt wurde, dass man ihn nur hier und da heraushören kann. Lost My Mind ist eine ungewöhnlich erwachsene Single einer Künstlerin, die eigentlich nicht erwachsen sein möchte und gerade dieser Widerspruch macht sie auf dem Song so authentisch.

Portugal. The Man – Lebe den Moment

Da ist dieser neue Song, von der Newcomer Band aus dem letzten Jahr… STOP. Auch wenn man das Gefühl hat, dass Portugal. The Man mit dem 2017er-Hit Feel It Still erst richtig als neue Band groß rausgekommen waren, gibt es die sie bereits seit 14 Jahren. Ihr aktuelles Album Woodstock ist dabei bereits ihr achtes Album und die Single Live In The Moment bereits Ende 2017 veröffentlicht. Doch irgendwas hat den Song über ein halbes Jahr lang auf Pause gesetzt. Denn erst jetzt scheint die Stadionnummer so richtig zu zünden und die Aufmerksamkeit zu bekommen, die der Song verdient. Mit eingängigem Refrain und großen Rockgesten lässt sich Live In The Moment wunderbar zum stärken verwenden. Ob es Kraft tanken, nach einem harten Arbeitstag ist oder die fiesen Mitschüler aus der Paralellklasse einen gemobbt haben – Live In the Moment passt wunderbar, um wieder aufzubauen und Stärke zu empfinden. Dabei zeigen Portugal. The Man, wie abwechslungsreich sie sind und auch nach 14 Jahren Bandgeschichte immer noch unglaublich frisch klingen können.

The Best Of 2018 Vol.: 04

01. Passenger – Hell Or High Water

02. Lenny Kravitz – Low

03. Disclosure feat. Fatoumata Diawara – Ultimatum

04. HONNE – Sometimes

05. Maggie Rogers – Fallingwater

06. Snow Patrol – Life On Earth

07. Dennis Lloyd – Nevermind

08. Christine And The Queen feat. Dâm-Funk – Damn dis-moi

09. Blaudzun – islands_

10. Sonia Stein – Muse

11. Celine Dion – Ashes

12. Parcels – Tieduprightnow

13. Leo Kalyan – Get Your Love

14. Jungle – Happy Man

15. Harrison Brome – Looking At You

16. Gorillaz feat. George Benson – Humility

17. Gavin James – Always

18. Foster The People – Sit Next To Me

19. Florence + The Machine – Hunger

20. Das Paradies – Discoscooter

21. Cesár Samson – Nobody But You

The Best Of 2018 Vol.: 03

01. She & Him – She Gives Her Love To Me

02. Ryan O’Shaughnessy – Together

03. Madsen – Rückenwind

04. Sennek – A Matter Of Time

05. Kovacs – Black Spider

06. Tom Grennan – Sober

07. Vance Joy – We’re Going Home

08. Snow Patrol – Don’t Give In

09. Deadmau5 – Jaded (Original Mix)

10. Paul Kalkbrenner – Part Eight

11. Ben Khan – 2000 Angels

12. Felix Räuber – Wall

13. Sam Fender – Start Again

14. Shallou – You And Me

15. HONNE – Day 1

16. Florence + The Machine – Sky Full Of Song

17. Au/Ra feat. CamelPhat – Panic Room

18. Calvin Harris feat. Dua Lipa – One Kiss

19. Aurora – Queendom

20. Kara Marni – Curve

Noga Erez – Brutal direkt

Heftige Beats, harte Worte und einen durchdrehenden Beat, das alles verbirgt sich hinter der neuen Single Bad Habits der israelischen Sängerin Nora Erez. Erst letztes Jahr hatte Erez ihr Debütalbum Off The Radar veröffentlicht, welches ihr gerade durch die gleichnamige Single viel positive Kritik einbrachte. Bad Habits zeigt reflektierend das Gefühl, welches dieser Tage viel zu oft im Vordergrund steht und uns unsere gute Erziehung verlieren lässt – schlechte Manieren. Denn aktuell scheint es immer mehr so, dass die Gesellschaft ihre schlechten Manieren zeigt und stolz darauf ist, diese auszuleben, so Erez. Daraus entstanden ist Bad Habits – eine kleine brutal, direkte Abrechnung mit reichlich Schimpfwörtern und einer extrem aggressiven Art, die Erez einmal mehr als Alleinstellungsmerkmal für sich reklamieren kann. Ob sie es auch mit dieser Single in die Radios schaffen wird, dürfte – durch die hohe Schlagzahl an Schimpfwörtern – am Ende doch eine all zu interessante Frage sein.

Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Lange Stille endet

Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Und in der Tat ist es bereits sechs Jahre her, dass Orlando Tobias Edward Higginbottom alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs sein Debütalbum Trouble veröffentlichte. Bereits damals seit Jahren auf Tour gab er unaufhörlich ein Konzert nach dem anderen und steigerte so seine Popularität enorm. Zurecht betitelte TEED damals das Album Trouble – ohne zu ahnen, was sich die kommende Jahre bei ihm einstellen würde. Denn bereits für die Arbeiten am zweiten Album setzte eine massive, kreative Blockade ein. Zeitgleich mit der Unzufriedenheit über die vertraglichen Schwierigkeiten zwischen ihm und den großen Plattenlabels, entschied er sich, erst wieder Musik zu machen, wenn sie auch ihm wieder Spaß machen würde. So zog er in das sonst so Einfluss nehmende London, nur um festzustellen, dass diese Stadt für ihn nichts bereit hielt. Darauf weiter nach Los Angeles gezogen, kamen TEED langsam aber allmählich erste Skizzen in den Kopf. Und so klingt seine erste Single seit vier Jahren dann auch anders, als das, was man bisher von ihm gewohnt war. Ruhig beginnend, ist Leave A Light On erst Ballade, um sich innerhalb der kommenden 4:18 Minuten zu einem wabernden, voluminösen und intensiven Pop-Song zu entwickeln, der einen Hauch von Weltraum versprüht und die 80er Jahre zurückholt. Hier bricht TEED aus der dunklen Vergangenheit der Blockade aus, spielt und singt sich frei und kommt imposanter zurück als wir es uns erhoffen konnten.

Jain – Verdreht uns den Kopf

Mit ihrem Debütalbum Zanaka hatte die französische Sängerin Jain 2015 für eine absolute Begeisterungswelle gesorgt. Verkaufte sich das Album in Frankreich über 300.000 Mal, erhielt sie dafür Dreifach-Platin. Dabei begeisterte Zanaka mit so vielfältigen Songs, wie ComeMakeba und Dynabeat. Nun ist Jain mit der neuen Single Alright zurück, die gleichzeitig auch ein baldiges, zweites Album ankündigt. Dabei präsentiert Jain einmal mehr ihre Mischung aus Afrobeats und französischem Pop, der uns so den Kopf verdreht und in die Beine geht, dass man einfach nur mitgehen kann. Darüber hinaus klingt Alright wunderbar positiv und lässt die Lust nach Jain steigen. Die 26-jährige Sängerin, die mit Makeba sogar für einen Grammy nominiert war und als Best French Act den European Border Brechers Award gewann, geht damit weiter unaufhaltsamen ihren Weg des Erfolgs.

Haevn – Kino trifft Sommer

Das niederländische Duo Haevn hat bereits einige Veröffentlichungen hinter sich, ehe vor zwei Wochen endlich ihr langerwartete Debütalbum Eyes Closed das Licht der Welt erblickte. Darauf enthalten sind alle bisher veröffentlichten Singles Where the Heart IsBright LightsFinding Out MoreFortitude und die aktuelle Single Back In The Water. Damit ist das Album voller cineastischer Songs, die einem Soundtrack entstammen könnten. Nicht von ungefähr kommt diese Assoziation – besteht das Duo doch aus einem Singer/Songwriter und einem Filmmusikkomponisten. Mit Back In The Water veröffentlichen Haevn nun allerdings eine Remix Version des irischen Produzenten und Remixers Mark McCabe offiziell. McCabe war bereits 2016 als Remixer des Gavin James‘ Songs Nervous beteiligt und bringt mit seiner Version des Haevn-Songs nun etwas Summer-Feeling in die Produktion. Dabei klingt Back In The Water immer noch nach Haevn, hat aber zusätzlich die Leichtigkeit der aktuellen EDM-Trends im Gepäck.