White Lies – Nummer 5 strahlt in Überlänge

Sie sind wieder da! Das britische Trio White Lies, um Frontsänger Harry McVeigh hat vor 24 Stunden seine Leadsingle zum bevorstehenden, fünften Studioalbum veröffentlicht. Kommt das Album – schlicht Five benannt – erst am 1. Februar 2019 raus, haben sie mit dem Song Time To Give gleich eine siebeneinhalb minütigen Single veröffentlicht, die es in sich hat. Beginnt der Song noch recht melodisch mit Synthies und McVeighs großartiger Stimme, sammeln sich immer mehr Instrumente an und bilden ein wahres Bauwerk aus Synthies, Gitarren, hallendem Gesang, bis hin zu fast schon psychedelischen Einlagen. Time To Give klingt dabei wie eine Reminiszenz der eigenen vier Vorgängeralben. So kommt die Dunkelheit von To Lose My Life… zum Vorschein, wie auch die Größe von Rituals und Weite Big TVs bis hin zu den poppigeren Synthiesounds von Friends. Wenn man sich diese Mischung anguckt, verwundert es nicht, dass Time To Give siebeneinhalb Minuten lang ist und überrascht dennoch als ein Stück Musik, welches die Herzen der White Lies-Liebhaber in Wallung bringen wird und mit wunderbarem Gitarrensound überzeugt.

Advertisements

Tom Odell & Alice Merton – Das warten auf einen ungemütlichen Herbst

Alice Merton hat gerade erst letzte Woche mit ihrer neuen Leadsingle Why So Serious die Vorfreude auf ihr bald erscheinendes, Debütalbum eingeläutet. Nun steht sie mit einem weiteren Song im Rampenlicht. Dieses Mal allerdings mit dem britischen Pop-Sänger Tom Odell. Dieser hat mit Jubilee Road sein drittes Studioalbum angekündigt und zusammen mit Merton die Single Half As Good As You veröffentlicht. Diese, als Promosingle angedachte, Veröffentlichung passt zum aufkommenden Herbst. Auch wenn dieses Jahr die Temperaturen bis weit in den September einfach nicht runtergehen wollen, sind die Nächte bereits frisch bis kalt. Mischt sich hier noch etwas Regen dazu, gibt Half As Good As You den perfekten Soundtrack dazu ab. Mit einem einfachen Klavier leitet der Brite hier zu einer wunderbar warmen Ballade ein und lässt dann durch Mertons klare Stimme ein Gewitter entstehen, bei dem sich beide Künstler fantastisch ergänzen. Half As Good As You passt in die Jahreszeit und bringt einen dazu die Decke bis zum Hals zu ziehen und mit einem Tee im Warmen zu sitzend, das ungemütliche Wetter vor den Fenstern zu genießen.

William Fitzsimmons – Wenn das Gefühl die Zäsur setzt

Er ist dafür bekannt, große Balladen und zurückgezogene Songs zu produzieren. Sein neues Album Mission Bell hat für William Fitzsimmons allerdings nochmals an Bedeutung gewonnen. Denn es setzt eine Zäsur in Fitzsimmons Leben. Wobei der Anstoß für diese Zäsur aus einem ganz privaten Grund geschah. Denn 2017 ging Fitzsimmons langjährige Beziehung in die Brüche. Davon aufgewühlt, suchte Fitzsimmons, wie bereits auf The Sparrow and the Crow (2008) den Weg der Verarbeitung in seinen Texten und der Musik. Für das mittlerweile siebte Album Mission Bell hat sich der aus Pittsburgh kommende Musiker der Akustik hingegeben und das Album ohne einen großen, produktionstechnischen Apparat eingespielt. Herausgekommen sind Songs, wie Second Hand Smoke und Angela. Letzterer Song zeigt beeindruckend, wie es Fitzsimmons schafft, mit seiner sanften Stimme und der unaufgeregten Nutzung von Instrumenten, eine Wolke von gebrochener Geborgenheit zu erzeugen. Mit Blick auf das Gefühl, welches man unmittelbar nach einer Trennung spürt, hat es Fitzsimmons geschafft, das man sich als Hörer – und mit einem positiven Grundgefühl – in diesen Moment hineinfühlt und die Sehnsucht nach Liebe spürt, die Angela auslöst.

Hozier – Mit voller Kraft voraus!

Für den irischen Sänger Hozier hatte sich vor fünf Jahren schlagartig alles verändert. Sein damaliger Durchbruch mit dem düsteren Song Take Me To Church hatte gleichermaßen begeistert wie ergriffen. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ein halbes Jahrzehnt bereits und auch wenn Hozier nie wirklich weg war, war er doch eine Zeit lang zumindest nicht mehr im Rampenlicht. Dies hat sich nun geändert, denn der – südlich von Dublin geborene – Sänger hat letzte Woche mit Nina Cried Power nicht nur eine Single, sondern gleich eine ganze EP veröffentlicht. Dabei wurde die gleichnamige Leadsingle von keiner geringeren, als Marvis Staples unterstützt – und damit einer der größten Soullegenden der USA. Dabei klingt Nina Cried Power nach einem Post-Sturm Song. Abermals treibt Hozier seine Stimme zu neuer Höchstform und lässt damit seine ganz eigene Art von Protest-Song entstehen. Denn dieses Gefühl wollte der Sänger auf Nina Cried Power übertragen und hat dabei nichts geringeres, als all seine Energie gebündelt und eine Macht von einen Song veröffentlicht.

Bloodhype – Großer Gitarrensound mit Referenz

Sie wohnen in Berlin und haben nach Jahren des Roadielebens und anderen freigeistigen Tätigkeiten nun zusammengefunden, um Musik zu machen. Als die Berliner Indierockband Bloodhype vor einigen Monaten mit dem Song Wolves an die Oberfläche trat, wurden viele hellhörig. Denn ihr Mix aus Rock, Alternative und Indie holt in Zeiten mangelnder Präsenz dieser Genres viele Musikliebhaber des Gitarrensounds ab. Dabei kommt der Sound dem, der Bands wie AFI und Thirty Seconds To Mars sehr nahe und begeistern mit großen Hymnen und intensivem Gesang. Die aktuelle Single Romeos setzt dabei aktuell die Messlatte des eigenen Anspruches nochmals höher. Beginnend mit einer Synthiewolke von Sound, welches an die Titelmelodie von Stranger Things erinnert, wird Romeo mit Schlagzeug, Gitarren und Elmar Weylands intensiver Stimme zu einem wahren Brett und erinnert nicht nur an die oben genannten Bands, sondern lehnt sich mit einem epischen Gefühl auch an die White Lies oder Editors an. Bloodhype setzen damit den neuen deutschen Rocksound fort, der auch schon Giant Rooks und Razz haben erfolgreich werden lassen. Dabei ist Bloodhype, trotz der erst kurzen Lebensdauer, keine Band, die sich hinter den großen internationalen Bands verstecken muss und sollte. Und mit Romeos haben sie allemal das Zeug auch auf das internationale Parkett zu treten.

Alice Merton – Warum eigentlich immer so ernst?

Ich könnte jetzt vom großen Erfolg der Debütsingle No Roots sprechen. Davon, dass sie weltweite Erfolge damit gefeiert hat. Doch das würde Alice Merton nur auf diesen Song reduzieren. Sie selbst hat nun die beste Antwort auf die Frage geliefert; was ihr nächster großer Hit wird: Why So Serious? So heißt ihre neue Single, die gleichzeitig die Ankündigung ihres Debütalbums MINT für Mitte Januar 2019 im Gepäck hat. Dabei ist Why So Serious eine wunderbare Popnummer, die sich im Video für allerlei alberner Momente hergibt. Alice Merton lässt hierbei gar keinen Zweifel daran, dass auch diese Single ein Erfolg wird. Doch allen Fragen, über die Erwartungshaltung an sie, zum Trotz, macht Merton einfach das, was sie selbst für gut befindet und genießt einfach ihre Zeit als erfolgreiche Sängerin. Und mit einer Nummer wie Why So Serious wird dieser noch eine ganze Weile andauern.

Svavar Knutur – Imposanter Schmerz

Dieser Song bricht förmlich heraus. Beginnt The Hurting vom isländischen Singer/Songwriter Svavar Knutur mit einem einfachen Gitarrenspiel und Knuturs roher Stimme – die irgendwo zwischen brechender Höhe und dunkler Tiefe liegt – erwächst aus dieser Ruhe von Sekunde zu Sekunde ein sattes Rockbrett, dass sich schließlich im Refrain entlädt und herausbricht – nur, um anschließend wieder mit der Stille von vorne zu beginnen und schließlich auszubrechen. The Hurting ist ein imposantes Stück Singer/Songwriter/Rock, welches sich durch das Gefühl, das in Knuturs Stimme liegt und ständig aufflammt, erst vollends entfaltet. Nach mehreren Produktionen zusammen mit der tschechischen Sängerin Markéta Irglová ist der Isländer nun mit der kräftigen Single The Hurting zurück und gibt eine brachiale Sensibilität preis, die uns lange beschäftigen wird.

Alt-J feat. Kontra K – Eine ungleiche Überraschung

Sie sind die britischen Kritikerlieblinge – modern, elektronisch, experimentell und trotzdem immer melodisch. Er ist aktuell einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands und hat seine drei letzten Alben jeweils auf Platz 1 der deutschen Albumcharts platzieren können. Nun ist für das Remixalbum Reduxer, der britischen Band Alt-J, eine Zusammenarbeit entstanden, die so auch nur selten zu finden ist. Hierbei hat Kontra K den Alt-J Song In Cold Blood überarbeitet und neuinterpretiert. Dabei fügte Kontra K sogar deutsche Songtexte hinzu und sorgt so, auf dem kommenden Alben Alt-J’s für eine wahre Überraschung und das, obwohl In Cold Blood die bekanntesten Singles des dritten Studioalbums Relaxer ist. Dabei haben sich die Band und der Rapper wohl letztes Jahr auf dem Hurricane Festival kennengelernt und fanden es so spannend, dass sie etwas zusammen umsetzen mussten. So ist auch die Neuinterpretation der Relaxer-Songs entstanden und konnte Alt-J damit sogar ein komplettes Album füllen. Die Zusammenarbeit mit Kontra K stellt sich hierbei als befruchtend, frische Art und Weise dar, einen vormalig indielastigen Song, mit Rap zu versehen und damit ein neues Musikgenre, das man dann wohl Indierap nenne würde, zu kreieren. Hervorragend frisch und deutlich verändert ist diese Version von In Cold Blood eine Neuauflage, die sich sehen lassen kann.

Yates – In Berlin gewinnt man an Kompliziertheit

Als Kind hatten wir wohl alle dieses Gefühl, alles machen zu können, ohne darüber nachzudenken, wohin uns dies bringt. So wollten wir Piloten, Tierärzte, Astronauten oder Fussballer werden. Benjamin Jacob Yates aus Australien ging es da nicht anders. Nur wollte er gerne sein Heimatland bei den Olympischen Spielen vertreten. Am Ende ist daraus zwar nichts geworden, doch hat er tatsächlich an den Junioren-Triathlon-Weltmeisterschaften im Jahr 2005 teilgenommen. Anschließend führte ihn dies bis nach Europa, wo er immer wieder Deutschland besuchte. Irgendwann – die sportlichen Ambitionen beiseite gelegt – zog es ihn dauerhaft nach Berlin. Die Musik, mit der er während seiner ersten Besuche in Deutschland in Berührung kam, prägten ihn so sehr, dass ihn in Australien nichts mehr hielt und er der Musik wegen, Berlin wählte. Hier hat ihm die Stadt gefressen und wieder ausgespuckt. Dabei hat er sich über die letzten Jahre ein Netzwerk aufgebaut, um an seiner Musik zu arbeiten. Mit der nun veröffentlichten Single Under A Bridge zeigt Yates, wie er sich als Künstler schlicht nennt, dass er Singer/Songwriting mit dancelastiger Popmusik mischt und daraus einen hypnotisierenden Sound entstehen lässt. Dabei klingt Under A Bridge so berauschend, dass man sich mit Loafers bewaffnet, in eine Kreuzberger Kellerbar beamen möchte, um auf den Tischen zu tanzen.

Maggie Rogers – Pfiffige Kehrtwende

Nanu – möchte man sagen, wenn man den Song Give A Little hört und erfährt, dass er von Maggie Rogers sein soll. Wirkt der Song doch auf den ersten Blick ungewöhnlich einfach. Hört man ihn sich allerdings ein zweites, drittes und viertes Mal an, hört man all diese kleinen Nuancen heraus, die den Song geradezu freigeistig klingen lassen. Da kommt ein tropischer Synthiesound gleich nachdem endloses Händeklatschen den Song weiterträgt und dabei mit der Gitarre und Rogers Gesang in eine verträumte Umgebung abdriften lässt. Mit dem Produzenten Greg Kerstin hat sich Rogers hier einen stark Pop affinen Produzenten gesucht, der in den letzten Jahren Songs für Chvrches, Sia, Years & Years, der Lady Gaga produziert hat. Dabei hat sich Rogers wohl ganz bewusst für diesen Sound entschieden. Gab es doch mit der im Mai veröffentlichten Single Fallingwater eine Art Zäsur in ihrer bisherigen Karriere. So war der rasante Aufstieg von Rogers in den letzten zwei Jahren nicht immer auch gesund, weshalb sich die US-Amerikanische Sängerin eine Zeit lang zurückzog. Nun, nach ihrem Seelenstrip Fallingwater ist sie mit Give A Little zurück und zeigt sich frech, frisch und pfiffig – und somit mit den Attributen, durch die wir sie und ihre Musik so sehr ins Herz geschlossen haben.