Pierce Brothers – Zwillinge erobern die Welt im Sturm

Folk ist auch nach der X-ten Neuauflage immer noch eine Musikrichtung, die Wärme in einem erzeugt. So ist es auch immer wieder möglich, dass alle paar Jahre einmal eine Band nach ganz oben katapultiert wird. Zählen Mumford & Sons zu eine der letzten Bands, stehen nun in der Pipeline zwei Brüder aus Australien, die mit ihrem Folk die Herzen erobern. Die Pierce Brothers sind dabei nicht nur wirklich Brüder, sondern darüber hinaus auch noch Zwillinge. Mit ihrem ehrlichen und warmen Sound haben sie in den letzten Jahren stetig den Weg nach oben bestritten und stehen nun, als Support von Tash Sultana, weltweit auf den Bühnen und erfreuen sich großer Beliebtheit. Kommt am 26. Oktober ihr langerwartetes Debütalbum Atlas Shoulders auf den Markt, begeistern sie uns aktuellen mit ihrer Single Back End Roads auf eine ganz entspannte Art. Dabei fühlt sich Back End Roads nach dem nach Hause kommen an. Mit seinen treibenden Gitarren, sorgsam eingesetzten Banjo und den Stimmen von Pat und Jack Pierce, nehmen sie uns mit auf einen Roadtrip, an dessen Ende wir gerne gemeinsam mit den Jungs zu dem Ort zurückkehren, den wir zu Hause nennen.

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Bastien – Auf dem Sprung

Rumänien ist nicht unbedingt ein Land auf der Liste, auf der man populäre Popmusik aufführen würde. Doch haben uns bereits Künstler und Bands wie O-Zone (Dragostea din tei), Edward Maya (Stereo Love) oder auch Alexandra Stan (Mr. Saxobeat) in den letzten Jahren immer wieder einmal gezeigt, dass auch große Popnummern aus Rumänien kommen können. Nun gibt es mit dem 22-jährigen Sänger Bastien den nächsten Künstler, der es auch hierzulande schaffen könnte, in die Charts zu steigen. Hat der, in Bukarest lebende, Sänger seine Flügel doch deutlich weiter ausgestreckt, als es die meisten anderen vor ihm taten. Steht er bei einem Plattenlabel in Paris unter Vertrag und nimmt seine Songs in einem Aufnahmestudio in Berlin auf, hat er nicht zuletzt auch durch das Reisen einen deutlich größeren Eindruck von Popmusik vorzuweisen. Denn Bastien hat bereits im Frühjahr 2018 auf der Single Higher des Berliner Produzenten-Duos Frank & Friedrich mitgewirkt und zeigt nun mit seiner Single Stay With Me, dass er es auch alleine kann. Mit einem Mix aus R&B, Pop und elektronischen Klängen, sowie einem souligen Gesang lässt Bastien eine Beziehungsentscheidung aus seinem Leben in den Song einfließen. Dabei klingt er vertraut, ruhig und doch irgendwie tanzbar. Stay With Me ist der Ohrwurm, den es braucht, um richtig durchstarten zu können – und das gelingt dem Newcomer ausgesprochen gut.

Haiku Hands – Let the party started!

Mit ganz viel Bass zerlegen gerade drei Australierinnen die Tanzflächen weltweit. Das australische Frauen-Trio Haiku Hands – um die Schwestern Claire und Mie Nakazawa und Beatrice Lewis – haben in den letzten Monaten mit pumpenden Dancefloor Hits wie Not About You und Jupiter die Clubs aufgemischt. Ihr ansteckend fröhlicher Sound liegt irgendwo zwischen The Ting Ting It’s Not My Name und Hits Me Like A Rock der Brasilianerinnen von CSS. Dabei mischen sie Indie, Hip-Hop und leicht orientalisch klingenden Sounds mit einem hochexplosiven Dancebeat. Dies können wir ab sofort auch auf ihrer neuesten Single Squat hören, die zusammen mit dem Produzentenkollektiv True Vibenation – das sich für den deutlich afrikanisch angehauchten Sound des Songs verantwortlich zeichnet – aufgenommen wurde und dabei Rap und Hip-Hop Elemente mit derben Dancebeats verbindet. Squat hat damit das Zeug dazu, der nächste große Hit für die kommende Clubsaison zu werden.

Christine And The Queens – Konzertkritik

Sie kam, sah, siegte. Nicht anders ist zu beschreiben, was Héloïse Letissier alias Christine And The Queens am gestrigen Abend bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert in der Berliner Columbiahalle abgeliefert hat. Einen Abend mit vielen Eindrücken, vielen Interaktionen und noch mehr Songs trieben den Siegeszug der französischen Sängerin weiter an – und noch viel mehr, wäre da nicht der Support-Act. Aber alles der Reihe nach.

 

Bereits im Vorfeld des Berliner Konzertes gab es Lobeshymnen und Vorfreude auf allen Kanälen, sei es im Radio, in den Feuilletons oder auf den Fanseiten der Sängerin zu hören und lesen. Und so war es auch kein Wunder, dass das einzige Deutschlandkonzert und eines der wenigen europäischen Konzerte überhaupt – außerhalb Frankreichs und Großbritanniens – in Windeseile ausverkauft war.

Lauren Auder @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Als Support Act stand Lauren Auder auf der Bühne, bei dem sich verschiedene Quellen noch nicht einmal sicher sind, wo er lebt, und wo er geboren wurde. Heisst es auf der Internetseite seiner Booking-Agentur Primary Talent International, er sei in Großbritannien geboren und in Frankreich aufgewachsen, meldet das Musikmagazin Pitchfork genau das Gegenteil. Hierbei zeigt sich der Widerspruch, den Auder auch am gestrigen Abend auf der Bühne präsentierte. Mit einem Sound, irgendwo zwischen Wave und Gothik orientiert, gab Auder seine Stimme in einer trägen und desinteressierten Art zum Besten und wirkte damit nicht, wie es eigentlich ein Support-Act machen sollte – die Masse anheizen, um den Hauptact danach zu feiern. Ist seine Bariton-Stimme unverkennbar und hat einen hohen Wiedererkennungswert, schaffte es Auder nicht, eine Verbindung mit dem Publikum aufzubauen. Was verwundert, hat der 19-Jährige Sänger doch Ende April in einem Interview gesagt I’m starting to get to where I’m able to make a true connection to the public, which has been kind of crazy. Von dieser Verbindung kann am gestrigen Abend keine Rede gewesen sein. Und so wurde die Ankündigung, dass sein letztes Lied kommen würde, fast schon freudig vom Publikum mit Jubel quittiert.

Nach 15 minütiger Umbauphase trat schließlich Letissier auf die Bühne und verwandelte diese in die Bretter, die die Welt bedeuten. So war die gesamte Show einem Bühnenensemble gleich, welches immer wieder in Trainingssessions zu den Songs performte. Mal abstrakt mit einem sogenannten Shadowing – hierbei kopiert eine Person die Bewegung der Hauptperson. Mal in Form einer Slow-Motion Performance oder wiederum auch ganz klar in Rivalenkämpfen der Bühnentänzer. Dies verlieh der Show eine Dynamik, die das Konzert zu einem Musical werden ließ. Hierbei konfrontierte Letissier das Publikum immer wieder mit Konversationen, die in den nächsten Song übergingen. So trat Letissier beispielsweise zwischen den Tänzern hervor, die gerade einen Freeze-Mode hatten (die Tänzer stehen wie eingefroren da und lassen sich durch Witze oder Bewegungen anderer nicht aus der Fassung bringen), um diese aus der Starre zu bringen um schließlich mit dem Satz Maybe I’m too tilted einen ihrer großen Hits Tilted/Christine überzugehen.

Es sind aber auch die einfachen Dinge, die Letissier so wunderbar beherrscht. So gab es neben Konfettiregen auch eine Art Sanduhr zu dem Lied The Walker bei dem langsam Sand von der Decke aus drei verschiedenen Kübeln auf die Bühne fiel. Schließlich tauchte sie, nach einem schnellen Abgang, mitten im Publikum wieder auf, um ihre Zugabe zu spielen.
Ob bei Doesn’t Matter oder Saint Claude – Letissier geht mit ihrer Sexualität offen um und zeigt sich bei den Performances zu diesen beiden Songs mit offener Bluse bis hin zum – bis auf den BH – freien Oberkörper.

In dem 110 Minuten langen Konzert verpackte das Energiebündel sagenhafte 19 Songs (hier gehts zur Setlist) aus den beiden Alben Chaleur humaine und Chris, sowie aus der EP Intranquillité. Dabei sprach Letissier auch immer wieder davon, wie wichtig es ihr sei, einen sicheren Platz für alle Arten von Liebe zu schaffen und, dass dieses Konzert ein sicherere Platz ist. Ihre Leidenschaft zur Bühne zieht sich durch ihr gesamtes Leben und so war die Show auch als solches nicht nur das Konzert einer französischen Popsängerin, sondern vielmehr ein Gefühl, eine Geschichte, Dramatik, Erotik, Cleverness und einfordernd und überzeugte in einem Maße, welches das Publikum vor Begeisterung wegbließ. Letissier – als Christine And The Queens auf der Bühne – wird zu Recht als Next Generation Leader (Time Magazine) betitelt und trägt damit einen großen Teil dazu bei, dass in politisch schwierigen Zeiten, die Stimmen für Liberalität, Humanität und Gleichberechtigung lauter sind, als die der Gegner.

Christine And The Queens @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Kiesza & Chris Malinchak – Zwei, die wissen was sie tun

Man möchte fast sagen, dass es eine ungewöhnliche Zusammenarbeit war – wäre da nicht bereits die Single Mother, die den New Yorker DJ Chris Malinchak und die kanadische Sängerin Kiesza Anfang des Jahres veröffentlichten. Dabei entstand eine berufliche Freundschaft, bei der es nicht nur bei einem Song bleiben sollte. Nun haben die beiden gestern Abend ihr Versprechen eingelöst und mit Weird Kid die zweite Zusammenarbeit veröffentlicht. Hier zeigt sich Kiesza mit einer glasklaren Stimme und passt wunderbar zum Tropical-House Sound Malinchaks. Darüber hinaus gibt der Song durch den hallenden Gesang Kieszas eine gewisse Melancholie preis, die zu den letzten warmen Sonnenstrahlen des verabschiedenden Sommers passt. Weird Kid ist eine angenehme Popnummer, die einen nicht fordert aber dafür deutlich im Kopf festsetzen wird.

Maribou State – Locker und sommerlich zum Ohrwurm

Gerade erst ihr zweites Studioalbum Kingdoms in Colour veröffentlicht, heizt uns das britische Duo Maribou States um Chris Davids und Liam Ivory aktuell mit ihrem Track Nervous Tics ordentlich den Oktober ein. Passend zu den sommerlichen Temperaturen vor der Tür haben Maribou States damit einen Soundtrack für den nicht enden wollenden Sommer 2018 beigesteuert. Dabei bedienten sie sich an einem Instrument aus China, welches bereits vor über 2000 Jahre (!!!) in China zur Erzeugung von Musik genutzt wurde. Das Guzheng ist eine Zither, die durch ihr Wölbbrett und die veränderbaren Stege, immer wieder andere Töne erzeugen kann. Hinzu kommt die sanfte Stimme der Londoner Sängerin Holly Walker, mit der das Produzenten-Duo bereits in der Vergangenheit zusammenarbeitete. Auf Nervous Tics geht es um den aktuellen Zeitgeist und der Flut an Informationen durch die Medien und unsere Smartphones, die zu nervösen Ticks führen und uns das Gefühl geben, etwas verpassen zu können. Dabei haben Maribou State einen so leichten Song produziert, der hier und da eine sehnsuchtsvolle Melancholie ausdrückt aber immer noch so chillig ist, dass er zu den letzten warmen Sonnenstunden dieses Jahres passt.

Human Touch – Klebrige 80er Jahre Melancholie

Der Name Human Touch hat eine lange Geschichte. Ist er doch als Albumtitel von Bruce Springsteens neuntem Studioalbum bereits seit Anfang der 90er Jahre ein geflügeltes Wort. Nun hat sich die kalifornische Sängerin Natalia Rogovin diesem zu eigen gemacht und tritt unter dem Alter Ego Human Touch mit der Single Promise Not To Fall bereits den ganzen Sommer über in allen Streaming-Diensten ins Rampenlicht. Vor drei Wochen nun, hat Human Touch ihr gleichnamiges Debütalbum Promise Not To Fall veröffentlicht und hat uns mit ihrem klebrig, dunklen 80er Jahre Ballon an Sound eingesogen. Dabei sticht vor allem die Single Promise Not To Fall hervor, die bereits eine berühmte Platzierung in der Netflix-Erfolgsserie 13 Reasons Why – Toto Mädchen Lügen Nicht erhalten hat. Hier trifft eine starke, mystische Frauenstimme auf Synthies und tiefe Bässe mit dunklem Sound. Ein Song für den Herbst, für die dunkle Jahreszeit und für melancholische Stunden.

 

RY X – Neue Single, neues Album, neue Tour

Die dunkle Jahreszeit kommt zurück und mit ihr auch neue Musik des Ausnahmekünstlers RY X. Vor wenigen Stunden erst veröffentlicht, geht sein neuer Song Untold schon jetzt durch die Blogs und sorgt für Begeisterung. Denn hat die Stimme hinter so großartigen Songs wie Berlin, Bad Love, Sweat, Beacon und Only damit auch gleichzeitig ein neues Album und eine neue Tour angekündigt. Mit Untold setzt RY X seine zerbrechliche Stimme einmal mehr so zurückhaltend ein und spart an Opulenz – nur, um Gefühle entstehen zu lassen und eine Intimität zu erzeugen, die nur er beherrscht. Jedes einzelne seiner Lieder ist an Lagerfeueratmosphäre nicht zu übertreffen und ist eine Bereicherung in jeder Plattensammlung. RY X schafft es, auf digitalen Songs ein Knistern zu erzeugen und den Hörer ganz zu sich selbst zu bringen.

Yaeji – Das New Yorker Genie legt nach

Warum den Wochenstart mit den typischen I don’t like Mondays… Gefühl beginnen, wenn uns die New Yorker Künstlerin Yaeji mit einem neuen Song das Wochenende – gefühlt – verlängern könnte?! Mit Raingurl hatte sie bereits im letzten Winter die Clubs beherrscht und eine jede Homeparty zum ausrasten gebracht. Dass ihre Musik diese Reaktionen hervorruft, liegt daran, dass Yaeji im New Yorker Stadtteil Brooklyn ihre eigenen Partys veranstaltet, die in leerstehenden Lagerhallen stattfinden und so ganz genau weiß, wann welcher Beat gesetzt werden muss. Mit One More schenkt uns Yaeji einen weiteren Song, bei dem wir das Gefühl dieser – mittlerweile – legendären Partys nun auch weltweit nachempfinden können. Mit einem Hybrid aus englischer und koreanischer Sprache und reduzierten aber auf dem Punkt bringenden Beats ist One More eine Mischung aus Lounge-Musik und Elektrosound einer feierträchtigen Nacht. Yaeji hatte bereits im Mai für ausverkaufte Clubs rund um den Globus gesorgt und wird mit One More die Nachfrage mit Sicherheit weiter steigern können.

Soak – Bereit für Album 2

Vor fast genau vier Jahren hatte die damals 17 jährige Britin Bridie Monds-Watson – alias Soak – ihre Debütsingle B A noBody veröffentlicht. Konnte sie damit viele Kritikerherzen erobern, folgte im Frühling 2015 ihr Debütalbum Before We Forgot How to Dream. Nun ist die mittlerweile 22 jährige Sängerin mit der ersten Single ihres kommenden, zweiten Albums zurück und zeigt uns, dass sie weiterhin für tiefgründiges und emotionales Songwriting steht. Behandelt sie doch auf Everybody Loves You den Widerspruch von Akzeptanz und Verleugnung der ihr als Teil des Erwachsenwerdens begegneten und das Gefühl, dass Freundlichkeit als Zuneigung angesehen wird und man sich als junger Mensch dadurch immer wieder unglücklich verliebt. Das macht Soak einmal mehr so sanft und fast schon scheu, dass man sich zu ihr setzen möchte, um einfach nur da zu sein.