Jono McCleery - Call Me

Jono McCleery – Ein Fells in der Brandung

Seine Songs bilden das Fundament für ein losgelöstes Wesen. Wurde der 37-jährige Singer/Songwriter Jono McCleery in London geboren, ist er zwar Teil der dortigen Musikszene, doch erzählt sein Schaffen eine Sprache, die vielmehr mit der rauen Landschaft der südenglischen Ländereien verbunden ist, als es die Millionenmetropole kann. In der Londoner Musikszene aufgewachsen, ist der introvertierte Musiker als Teil des dortigen Projektes One Taste Collective immer weiter in den Vordergrund gerückt. Hier hat McCleery dafür gesorgt, dass er londonweit zum Namen wurde. Unterstützt das Projekt One Taste Collective Bands bei ihren ersten Schritten, verhalf es unter Anderem Little Dragon und Jamie Woon zum Durchbruch. McCleery hat dabei in den vergangenen Jahren die Alben Darkest Light (2008), There Is (2011), Pagodes (2015) und Seeds Of A Dandelion (2018) veröffentlicht. Mit Here I Am And There Are You kommt am 20. November McCleerys fünftes Album auf den Markt und konzentriert sich wieder auf die warmen Sounds des Musikers. Mit der nun veröffentlichten Single Call Me zeigt der Brite, wie es sich anfühlt, getrennt zu sein. Dabei steht nicht im Vordergrund, ob durch eine räumliche Distanz getrennt, oder durch eine endende Beziehung. Vielmehr packt uns McCleery mit seiner unglaublich warmen Stimme und reisst uns mit, auf eine Tour durch den schönen Schmerz der Einsamkeit.

Jono McCleery
Jono McCleery

Dass dieser Schmerz nicht immer negativ sein muss und durchaus produktive und euphorische Momente hervorbringen kann, sehen wir im dazugehörigen Musikvideo. Hier sehen wir einen Mann, der sich, bedingt durch die Einsamkeit, in eine Welt flüchtet, in der er mit einer imaginären Freundin all die mitreissenden Momente erlebt, die er so vermisst. Dabei wirkt die Szenerie manchmal abstrakt, manchmal überzeichnet und wiederum einige Male einfach nur tief verbunden. Call Me begleitet die Bilder dabei mit einem sanften Gitarren- und Schlagzeugspiel, welches durch die kräftige Stimme McCleerys eine Wehmütigkeit entstehen lässt. War McCleery bereits mit Bonobo, Fink, Little Dragon und Jamie Woon zusammen auf Tour, sind seine Einflüsse vor allem durch die Musik von Fink und Bonobo geprägt. Das warme Timbre von Finian Paul Greenall – alias Fink – zusammen mit der introvertierten Weite von Bonobos treibenden Sound, lassen Jono McCleery in einem tiefen und berührenden Soundkostüm aufgehen, in das seine Stimme wie maßgeschneidert passt. Call Me ist damit der musikalische Ruf des Herbstes geworden, uns einen warmen und geborgenen Augenblick zu verschaffen.

SIND - Warum Fragst Du

SIND – Vielleicht ist es anders als Du denkst

Die Frage nach dem Wie geht es Dir? ist eine oft gestellte Frage und entfaltet dabei immer öfter die Ausmaße der englischen Floskel How Are You?. Mittlerweile hat man sich dabei schon daran gewöhnt, eine ebenso belanglose Floskel zurückzuantworten. Doch ab und zu erleben wir diesen Moment, in dem wir uns fragen, wie die Person diese Frage gemeint hat. Und wenn diese Frage dann auch noch von einer ehemaligen Liebschaft kommt, verwirrt sie mitunter nochmal zusätzlich. Denn bei der ein oder anderen Person wird es diesen Moment schon einmal gegeben haben, in der man sich plötzlich dabei erwischt, der ehemaligen Liebschaft – allein durch die Frage Wie geht es Dir? – wieder Gefühle entgegenzubringen. Oder ist das alles nur ein Wirrwarr aus Interpretationen?! SIND haben auf ihrer neuen Single Warum Fragst Du genau dieses Thema aufgegriffen und beschließen damit den Weg hin zu ihrem neuen Album Vielleicht Ist Es Anders Als Du Denkst, das heute erschienen ist. Darauf gibt es eine deutliche Veränderung zu hören – im Sound, in der Besetzung. SIND haben ihren Sound voluminöser werden lassen, haben mehr Farbe in ihre Songs gebracht und bringen auch auf der nun veröffentlichten Single die Mischung aus wunderbaren Melodien und aggressiven Vocals zusammen.

SIND - Vielleicht Ist Es Anders Als Du Denkst
SIND – Vielleicht Ist Es Anders Als Du Denkst

Ob auf Welt Verändern, Batallion d’Amour oder dem neuen Song Warum Fragst Du – SIND klingen nach freundschaftlicher Band und singen so herzzerreissend direkt, dass wir uns bestens vorstellen können, mit ihnen auf gestapelten Plattenbauelementen am Rande der Stadt, mit Blick auf das Maisfeld zu sitzen und die rauen Alltags-Eindrücke hinauszuschreien. SIND sind dabei der Motivator, um uns die Seele aus dem Leib schreien zu lassen und dabei mit einem guten Freund anzustoßen. Mit dem passenden Musikvideo zu Warum Fragst Du haben SIND einer Ausgangssituation vier verschiedene Enden gegeben und steigern damit die Spannung des Videos. Für SIND muss das Jahr 2020 eine enorme Veränderungen gewesen sein, nicht nur in der Band, sondern auch durch die äusseren Umstände, die einen normalen Prozess eines Albumreleases nicht möglich machten. Dass sich die Arbeit gelohnt hat und wir für das Warten belohnt werden, können wir seit heute auf Vielleicht Ist Es Anders Als Du Denkst hören.

Simen Mitlid - Birds; or, Stories from Charlie B’s Travels, From Grønland to the Sun, and back again

Simen Mitlid – Leiser Folk

Von kaum greifbaren Songs, über verstörend schöne Autotune-Balladen, bis hin zu ganz leisen Folkschätzen gibt es auf dem neuen Album des norwegischen Singer/Songwriters Simen Mitlid ganz viel von seinem wunderbaren Dreampop-, Indie- und Folk-Sound zu hören. Die aktuelle Single Grateful Dead ist dabei nur der neueste Beweis für diese introvertierte Version eines Rockstars. Hier klingt alles danach, dass sich ein großer Künstler so zurückhaltend und klein verkauft, dass man für einen kurzen Moment argwöhnisch aufschauen möchte – doch gleich im nächsten Atemzug wieder von der weichen Stimme Mitlids zurückgeholt wird und sich im wabernden Sound verliert. Mal klingt er auf seinem nunmehr dritten Studioalbum Birds; or, Stories from Charlie B’s Travels, From Grønland to the Sun, and back again nach José González (Bird), mal fühlt man sich an Kanye Wests beginnende Autotune-Phase erinnert (While Heaven Is on Fire) und wiederum ein anderes Mal, wie bei der aktuellen Single Grateful Dead an eine langsame Version der Songs vom Shout Out Louds Album Work.

Simen Mitlid
Simen Mitlid

Mitlid selbst sagt über das Album, dass der Titel eine Anspielung auf Abenteuerromane ist. Die Rahmenhandlung ist also in etwa, dass ich in Oslo herumlaufe – und beobachte. Aus diesen Beobachtungen wurden mehrere kleine Geschichten über die verschiedenen Reisen, die Vögel, die Astronauten, die Archäologen (die auch herauszufinden versuchen, warum Menschen gereist sind), die Auswanderer aus Grönland (sowohl aus dem Land als auch aus dem Viertel in Oslo, wo ich mein Aufnahmestudio habe), die Charlie B (eine erfundene Figur, welche die ultimative Reise von Grönland zur Sonne unternimmt), die meine Familie, die mein Verstand, meinen Körper und die Erde (wenn sie sich um die Sonne dreht) während ihres Lebens unternehmen. Man kann sich diese einzelnen Geschichten bildlich vorstellen, hört man sich die einzelnen Songs an. Auf Bird wird diese Geschichte so greifbar, dass wir für einen kurzen Moment von der Baumkrone auf den regen Trubel der Straßen schauen. Mitlid hat mit seinem Album Birds; or, Stories from Charlie B’s Travels, From Grønland to the Sun, and back again, das am 30. Oktober erscheinen wird, eine naturnahe Soundkulisse für die Introspektive geschaffen und nebenbei wohl einen der längsten Albumtitel seit Chumbawambas The Boy Bands Have Won… (2008) veröffentlicht. Hier könnt Ihr schon jetzt in zwei seiner bisher veröffentlichten Songs aus dem neuen Album reinhören.

Kristofer Åström - Hard Times

Kristofer Åström – Der Wunsch eines unbeachteten Jungen nach Anerkennung

Es gibt Gesichter, die schaut man sich an und kann so unglaublich viel darin lesen. Doch nicht etwa durch ein extrovertiertes Auftreten oder die Falten, die von einem bewegten Leben sprechen. Hier sind es die Augen und die Mimik, die eine Geschichte erzählen, der man gerne und andächtig zuhört. Der Schwede Kristofer Åström hat so ein Gesicht – das vieles sagt. Dabei trifft es sich gut, dass auch seine Stimme eine unglaubliche Tiefe vermittelt. Mit einer Mischung aus dem epischen Gefühl einer Highschoolband, wie Lifehouse oder dem erwachsenen Timbre eines Fink vermischen sich bei Åström die Gefühle. Dabei schwebt immer eine Bedächtigkeit, sowie Erhabenheit mit in seiner Musik. Auf der aktuellen Single In The Daylight erzählt uns der Sänger von einem 16-jährigen Schuljungen, der nicht der angesagte Junge der Schule war, sondern vielmehr Abseits stand. Gleichzeitig aber den Wunsch hegte, von dem angesagtesten Mädchen wahrgenommen zu werden. So entsteht im Verlaufe des Songs ein Zwiegespräch über all die Eventualitäten, die eintreten könnten, wenn er sich nur trauen würde, dieses Mädchen anzusprechen. Gleichzeitig wächst die Angst, sich zu öffnen und angreifbar zu machen. In The Daylight erzählt von dem Moment, an dem ein zurückgezogener Junge auf dem Schulhof alleine am Zaun steht und auf das Mädchen guckt, dass umringt von all ihren Freundinnen und beobachtet von den coolen Jungs, den Moment genießt, während der Junge das Gefühl von Einsamkeit erfährt.

Kristofer Åström Photo by Ellika Henrikson
Kristofer Åström Photo by Ellika Henrikson

Dabei trifft Åström die Atmosphäre so gut mit seinem Klavier, der zurückhaltenden Gitarre und dem gleichmäßigen Drums, dass man auch ohne diese bildliche Vorstellung in einen Gemütszustand der Ruhe und des Überlegten kommt. Dann setzt der Gesang kurz aus und man hört dem wunderschönen wiederholenden Klavierspiel zu, welches gleichzeitig von einer gewissen Heiterkeit umgeben ist. In The Daylight ist die aktuellste Single aus Åströms neuen und zehnten Studioalbum Hard Times, welches am 6. November erscheinen wird. Und obwohl Åström selbst behauptet nicht nostalgisch zu sein oder zu sehr in der Vergangenheit zu leben, sehen andere Menschen in meinen Songs diese Art von Referenzen. Ich denke darüber nicht all zu viel nach. Ich bin einfach nur ein Songwriter, der seine Songs schreibt. Es kommt nicht von ungefähr, diese Assoziation aufzubauen, hört man sich Åströms Musik an. Auf Hard Times treffen wir auf eine Menge dieser Gefühle, die sich nicht abschütteln lassen und uns immer wieder in die Position des Betrachtenden bringen und Erinnerungen aufleben lassen. Mit In The Daylight zeigt uns der Schwede so sanft und warm, wie schön Erinnerungen sein können, die uns einst so sehr das Herz gebrochen haben aber heute für die intensivsten und emotionalsten Erinnerungen sorgen.

BRONSON feat. Gallant - Know Me (Cassian Remix)

BRONSON – Remix der Superlative

Bereits im Sommer war es der Song DAWN der für viel Aufmerksamkeit sorgte. Dabei war es eine doppelte Aufmerksamkeit. Zum einen war es der Sound selbst, der mit tiefen, dunklen Beats eine neue Soundkulisse erschuf, die sich klar an Housemusik-Clubs orientierte. Zum anderen waren es die Interpreten selbst, die für viel Gesprächsstoff sorgten. Hier war der umtriebige Produzent und Musiker Totally Enormous Extinct Dinosaurs enthalten und wurde durch das Trio von BRONSON perfekt in den sphärischen Sound integriert. BRONSON selbst besteht aus den beiden US-Produzenten von ODESZA – Harrison Mills und Clayton Knight – und dem Australier Thomas George Stell – alias Golden Features. Kam ihr schlicht BRONSON betiteltes Debütalbum Anfang August auf den Markt, arbeiteten sie nun an einer Remix-Version ausgewählter Songs ihres Albums. Darauf enthalten ist auch der Song Know Me, bei dem BRONSON mit dem US-Amerikanischen Sänger Gallant zusammengearbeitet haben. Ist Gallant eher im modernen R&B zu finden, wie auf Bourbon zu hören, hat er dennoch auch mit Künstlern aus dem elektronischen Bereich, wie bei Holding On mit SG Lewis und ZHU zusammengearbeitet. Hier ist es vor allem seine warme und klare Stimme, die auf einem elektronischen Soundbett stark zur Geltung kommt.

BRONSON - BRONSON Remixes N°.1
BRONSON – BRONSON Remixes N°.1

Auf Know Me verschwimmen die Beats dabei so organisch mit den Vocals von Gallant, dass wir uns in eine Art Trance versetzt fühlen. Nun haben BRONSON für das, am 16. Oktober veröffentlichte Remixalbum BRONSON Remixes N°.1 den australischen Produzenten Cassian mit ins Boot geholt, der dem Song Know Me nochmals einen deutlich tieferen und voluminöseren Sound verpasst hat. Dabei hört man Cassians Sound fast schon als Signature-Sound deutlich heraus – kennt man diesen doch bereits vom RÜFÜS DU SOL-Debütalbum Atlas, an dem er mitproduziert hat. Mittlerweile lebt Cassian Stewart-Kasimba in Los Angeles und ist eines der ersten Signings auf RÜFÜS DU SOLs eigenem Plattenlabel Rose Avenue. Auf Know Me vereinen sich die Produzenten von ODESZA mit Golden Feature, holen sich als Gastsänger Gallant dazu und lassen das ganze nochmals von Cassian remixen. Eine höhere Dichte an renommierten DJs, Produzenten und Musiker bekommt man nur sehr selten zu sehen und so beflügelt es auch den Song, der mit seinen dunklen und tiefen Housebeats vollends überzeugt.

Møme & Ricky Ducati - They Said

Møme feat. Ricky Ducati – Klebrig süße 80s-Ballade

Vor etwas mehr als drei Monaten veröffentlichte der französische DJ und Produzent Møme mit dem US-amerikanischen Sänger Ricky Ducati den 80s-Discohit Got It Made, der so sehr an die Disco-Hochzeit erinnert, wie man es zuletzt durch The Weeknds Blinding Lights hören konnte. Fast ein wenig an die großen Hits der Scissor Sisters erinnernd, stampften die Beats zu einer Falsettstimme Ducatis. Bereits im Sommer kündigten die beiden ein gemeinsames Album an, das vielversprechend werden sollte. Nun haben Møme und Ducati mit They Said einen weiteren Song veröffentlicht, der auf dem kommenden Album Flashback FM enthalten sein wird. Musikalisch gehen die beiden auf They Said noch einen Schritt weiter in die 80er Jahre und arbeiten sich durch eine schnelle, klebrig-süße Synthieballade, die durch Ducatis Gesang so herzzerreissend niedlich klingt, dass man sich auf eine Abschlussparty einer US-amerikanischen Highschool versetzt fühlt. Mit vielen Slow-Motion-Szenen und einem Aussenseiter, der sich in das schönste Mädchen aller Abschlussklassen verliebt hat, kennen wir diese Szenen nur zu gut aus unzähligen Serien und Filmen.

Møme & Ricky Ducati
Møme & Ricky Ducati

Wichtig bei allen Szenen – ist die passende Musik, die im Bestfall nicht zu theatralisch und kitschig klingt. In Perfektion präsentiert wurde dies in der finalen Episode der Netflix-Serie 13 Reasons Why, die mit dem Song The Night We Met von Lord Huron die finale Episode der zweiten Staffel beendet wurde. Es ist davon auszugehen, dass Møme und Ducati nicht beabsichtigt haben, mit ihrer neuen Single einen solchen Moment zu kreieren, doch passt auch hier der seichte Beat mit dem nostalgisch, emotionalen Sound so perfekt zu einem melancholisch, befreienden Moment eines solchen Kalibers. Gleichzeitig atmet They Said eine luftig, sommerliche Brise ein, die an unbeschwerte Momente erinnert. Mit der passenden Melancholie in Ducatis Stimme bleibt They Said dennoch treibend und tanzbar und lässt sich wunderbar als Soundtrack eines Roadtrips nutzen. Bisher ist das Album Flashback FM nur relativ vage für das Frühjahr 2021 angekündigt, doch gilt es schon jetzt als eines der spannendsten Veröffentlichungen des Jahres zu werden.

Bosse - Der Letzte Tanz

Bosse – Wann war Dein letzter Tanz?!

Der Sympathiebolzen schlechthin ist zurück! Bosse hat mit Der letzte Tanz eine neue Single veröffentlicht und zeigt uns einmal mehr, warum wir den sympathischen Musiker so lieben. Bosse spricht nicht lange um den heissen Brei herum und folgt seinem Gefühl. Die damit verbundene Direktheit erreicht die Fans einmal mehr und lässt die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit dem Sänger nicht abreissen. Nun fordert Bosse uns in seinem neuen Song auf, so zu tanzen, als wäre es der letzter Tanz. Dabei treffen die Zeilen auf verschiedenen Ebenen. Sicherlich – die offenbarste Situation beschreibt das Ende einer Beziehung. Doch im Jahr 2020 trifft uns der Satz tanz, als wäre es der letzte Tanz gerade auch deshalb, weil wir eben nicht, wie sonst, auf Konzerten, Festivals oder im Club zu unserer Lieblingsmusik tanzen können. Doch was Axel Bosse zum Ausdruck bringen möchte ist vielmehr der Moment, an dem man sich noch nicht ganz bewusst ist, dass man etwas zum letzten Mal tut oder wiederum so verfährt, sich sogar im Klaren zu sein, diesen bewussten Schritt zu gehen.

Bosse
Bosse

So kennen einige bestimmt den Moment, eine schwitzige Clubnacht gehabt zu haben und zu wissen, dass der Club nach dieser Nacht für immer schließt. Das wäre hier allerdings die entfernteste Interpretation des Songs. Vielmehr geht es Bosse aber wohl um die Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich verabschieden. Ob es eine Trennung oder der Wegzug ist. Die so frei gewordenen Emotionen zelebriert Bosse in Der letzte Tanz einmal mehr so wunderbar euphorisch, dass aus der eigentlichen Trauer ein hymnisch, ekstatischer Song wird. Hatte Bosse 2018 mit Alles Ist Jetzt sein letztes Studioalbum veröffentlicht, folgten letzten Jahr mit Kein Geld Der Welt (zusammen mit Chefboss) und Ich Warte Auf Dich (mit Capital Bra und Prinz Pi) zwei Singles ausserhalb der Reihe. Nun könnte Der Letzte Tanz darauf hindeuten, dass von Bosse womöglich eine neue Platte in Arbeit ist. Während wir auf diese Ankündigung noch warten müssen, tanzen wir einfach den letzten Tanz immer und immer wieder.

The Best Of 2020 Vol. 14

The Best Of 2020 Vol.: 14

01. Roosevelt – Echoes (zum Artikel)

02. Aluna – Envious (zum Artikel)

03. SG Lewis feat. Robyn & Channel Tres – Impact (zum Artikel)

04. Amy MacDonald – The Hudson (zum Artikel)

05. Blu DeTiger – In My Head

06. Romy – Lifetime (zum Artikel)

07. London Grammar – Californian Soil (zum Artikel)

08. Bicep – Apricots (zum Artikel)

09. Polo & Pan – Feel Good (zum Artikel)

10. Hugo Barriol – Stay

11. James Vincent McMorrow with Kenny Beats – I Should Go (zum Artikel)

12. Jono McCleery – Call Me (zum Artikel)

13. Freyr – Avalon (zum Artikel)

14. SYML – I Wanted To Leave (zum Artikel)

15. Novaa – The Futurist (zum Artikel)

16. Mallrat – Rockstar (zum Artikel)

17. The Japanese House feat. Justin Vernon – Dionne (zum Artikel)

18. Maxïmo Park – Child Of The Flatlands

19. Spoon And The Forkestra – Pirates (zum Artikel)

20. Jónsi feat. Robyn – Salt Licorice (zum Artikel)

Middle Kids - R U 4 Me?

Middle Kids – Der Indiesound der Stunde

Bereits mit ihrer letztjährigen EP New Songs For Old Problems und dem darauf enthaltenen Song Real Thing haben die drei Australier von Middle Kids gezeigt, wie frisch sich Indie auch in dem zu Ende gehenden 2010er Jahrzehnt noch anhören kann. Nun kommen Hannah Joy, Tim Fritz und Harry Day mit einer neuen Single zurück und stecken uns mit einer satten Ladung Indierock an, den man so nur aus den frühen 2000ern aus Großbritannien kannte. Mit R U 4 Me? trumpft das Trio mit schnellen Gitarren, energievollen Drums und einem Refrain auf, der sich an die Hochzeit der Indiewelle um Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Orson oder Peter, Björn & John anlehnt. Dabei kam der Band die Idee zu dem neuen Song in der Universität, an dessem schwarzen Brett Joy den Schriftzug Sei schön, es ist nicht so schwer entdeckt hatte. So besingt die Band den Wunsch, sich in eine Community einzugliedern und Anerkennung zu erlangen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass wir uns womöglich anbiedern und uns selbst fremd werden.

Middle Kids
Middle Kids

Auf knapp 2:50 Minuten haben die Middle Kids eine Energie verarbeitet, die wie geschaffen für die Indietanzflächen rund um den Globus sind. Mit einem Sound bei dem man sich nicht mehr auf den Stühlen halten kann, senden uns die Australier eine klare Botschaft, was wir womöglich 2021 von ihnen erwarten dürfen. Ist es der Band aus Sydney aktuell nicht möglich irgendwelche Konzerte zu spielen und durch die Welt zu reisen, wird es am 22. Oktober ein Live-Streaming-Event geben, in dem die Band aus der ehemaligen Zug-Lackiererei Eveleigh Paint Shop im stillgelegten Teil des Sydneyer Bahnhofs Eveleigh ein Konzert gibt. Zu finden sind die Karten auf der Middle Kids Homepage und markiert den ersten und wohl einzigen Auftritt der Band in diesem Jahr. Mit R U 4 Me? haben Middle Kids den ersten neuen Song seit ihrer letzten EP aus dem Mai 2019 veröffentlicht und lassen die Herzen der Fans höher schlagen, die nun alle Hoffnung in ein neues Album setzen.

Kevin Morby - Sundowner

Kevin Morby – Auf den Spuren von Into The Wild

Es klingt alles so laid-back, was wir auf Kevin Morbys neuer Platte Sundowner zu hören bekommen. Da kommt das Gefühl auf, mit Emile Hirsch zusammen vor dem Bus aus dem Film Into The Wild zu sitzen und das ruhige Panorama der vor einem liegenden Steppe zu beobachten. Bei einem knisternden Lagerfeuer – das auch tagsüber vor sich hin brennt, um über die kühlen Tage zu kommen – gibt uns der US-Amerikanische Musiker, der in Texas geboren wurde und zwischenzeitlich in New York City lebte, ehe er sich in Los Angeles niederließ und schließlich vor drei Jahren zurück nach Kansas City zog, einen Ausschnitt aus seinem Leben. Dabei spielt der Tod auch immer eine Rolle, hat Morby doch in der Vergangenheit gleich mehrere Weggefährten und Freunde verloren. Sundowner erzeugt hierbei eine wunderbar warme und akustische Stimmung, die sich am Rock und Folk des Mittleren Westens orientiert. An den Songs für das Album arbeitet Morby bereits seit knapp drei Jahren und somit länger, als für die meisten Songs seines fünften Studioalbums Oh My God, das letztes Jahr erschien.

Kevin Morby
Kevin Morby

Nun ist am vergangenen Freitag die komplette Platte erschienen und begeistert mit einem organisch, knisternden Sound. Es ist der typische Aussteiger-Sound, dem Morby hier eine besondere Atmosphäre verleiht. Dabei sind die Songs des Singer/Songwriters nahe am Vibe von Künstlern, wie Angus & Julia Stone, lassen sich viel Zeit und geben den einzelnen Songs viel Raum, um sich zu entfalten. Oftmals erinnert Morbys Stimme an alte Bekannte, auf dessen Namen wir einfach nicht kommen wollen, bleibt sich aber immer auch treu und verfolgt die Erzähllinie seiner Geschichten, die sich um die Orte drehen, an denen er gelebt hat. Mit einer Ode an den Mittleren Westen und seine Heimatstadt Kansas City, in der er aufwuchs, hört man der gesamten Platte eine verschrobene Melancholie an, die sich zwischen den Gefühlen von Sehnsucht und Heimkehr bewegen. Sundowner ist ein Album, das für den Herbst und die Momente, wenn man sich unter einer warme Decke verkriecht, gemacht ist und mit ganz viel Wärme zu überzeugen weiß.