Mountain Bird - Tears Won't Get My Anywhere

Mountain Bird – Fusion aus Kraft und Furcht

Es ist ein zutiefst persönlicher Song, den der Schwedische Musiker Adam Öhman unter seinem Pseudonym Mountain Bird veröffentlicht hat. Denn in den vergangenen Jahren hat sich bei dem Musiker eine soziale Angst aufgebaut, die ihn in ein Leben der Isolation führten. Hinzu kommen Depressionen, die ihn zusätzlich belasten. Mit dieser Bürde schreibt der in Stockholm lebende Sänger Songs, die sich so sehr mit seinen Erfahrungen füllen, dass man als Zuhörer eine extreme Betroffenheit erfährt. Denn mit seiner aktuellen Single Tears Won’t Get Me Anywhere hat Mountain Bird nicht nur eine zutiefst berührende Kampf-Hymne gechrieben, sondern gleichzeitig auch noch einen durch Breakbeats geformten Fusionsound veröffentlicht. Mit schnellen Beats und der langsamen Gesangsstimme – die stark an Antony Hegarty erinnert – ist Tears Won’t Get Me Anywhere ein so intensiver Song, dass man sich der Geschichte dahinter bereitwillig hingibt. Gleichzeitig bedeutet Tears Won’t Get Me Anywhere auch eine Art Befreiungsschlag, denn hiermit versucht sich der Sänger freizumachen, von dem eigenen Druck, der ihn bis zu den Momenten brachte, an denen er kurz davor war, zu zerbrechen und in seiner Isolationen vor sich hin weinte. Tears Won’t Get Me Anywhere ist ein spannender, aufwühlender und unglaublich berührender Song, der mit seinem Fusionsound absolut faszinierend klingt.

Shallou feat. Daya - Older

Shallou – Steigert sich mit Kollaboration

Es ist eine traurige Grundstimmung, die uns Shallou auf seiner neuen Single Older eingangs präsentiert. Nur von einem Klavier begleitet singt sich der Featuring-Act Daya durch den Anfang des Songs und blüht schließlich zum Refrain auf, wie eine Blühte, die sich nach einer frischen Nacht, für die ersten Sonnenstrahlen des Tages, bereithält und die Blühte öffnet. Dabei setzt ein epischer Elektrosound ein, der an große Balladen erinnert. Gleichzeitig geht Dayas Gesang in eine, vom Vocoder, künstlich bearbeitete Stimme über, die dem Song hierbei eine gewisse Distanz verleiht. Mit Older veröffentlicht Shallou, nach Fading im Dezember, bereits die zweite Single innerhalb von nur sechs Wochen und lässt damit einmal mehr die Frage nach einem Album aufkommen. Denn mit der Marketingstrategie, die sich hier gerade wahrnehmen lässt, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis der US-Amerikaner sein Debütalbum veröffentlicht. Gleichzeitig hat Shallou aber auch zwei EP’s in kürzester Zeit veröffentlicht und lässt damit, zumindest auf eine neue EP hoffen, obgleich der Wunsch nach einem Debütalbum deutlich überwiegt.

Eminem - Darkness

Eminem – Die brutale Realität

Vor genau 20 Jahren veröffentlichte Eminem mit Stan einen Song, der die fanatische Liebe eines Fans beschreibt. Im Verlauf des Songs verändert sich jedoch die einstige Verehrung zu blanker Aggression, denn obwohl Stanley – kurz Stan – seinem Idol unzählige Briefe schreibt, folgt nie eine Antwort. Fanatismus ist kein Phänomen, welches es nur in den USA gibt, doch gleichwohl ist es hier äußerst ausgeprägt. Denn 20 Jahre nach Stan ist Eminem nun mit dem Song Darkness zurück, der das Massaker von Las Vegas 2017 zum Thema macht. Dabei teilt sich der Song in zwei Positionen auf. Die ersten knapp 4 Minuten singt und rappt Eminem aus dem Blickpunkt des Attentäter mit all seiner kruden Sichtweise. Im zweiten Teil des Songs kommen die Beobachtungen der Öffentlichkeit zum tragen und zeigen mit unzähligen Breaking News Schnipseln, wie die Medien darauf reagieren. Gleichzeitig ruft Eminem aktiv auf, dass die Menschen ihre Stimme erheben und für eine Veränderung der Waffengesetze stimmen sollen. Mit der Frage When Will This End? stellt Eminem den Betrachter des Musikvideos die Aufgabe zu reagieren und beantwortet die Frage schließlich mit dem Satz When Enough People Care. Dass Eminem dieses Thema so konfrontativ angeht, und damit riskiert in den USA in Ungnade zu fallen, scheint dem Rapper nicht zu interessieren. Mit Darkness hat sich Eminem gleichzeitig eine der bekanntesten Textzeilen der Musikgeschichte ausgesucht und untermalt den kompletten Song immer wieder mit Hello Darkness, My Old Friend aus dem Simon & Garfunkel Song The Sound Of Silence. Eminem schafft es immer wieder sowohl das Rap- und Hip-Hop-Lager zu erreichten, als auch den großen Mainstream mitzunehmen und hat sich so in den vergangenen 25 Jahren – seit seines Debütalbums Infinite – eine beachtliche Fangemeinde und Diskografie aufgebaut. Diese nutzt er nun, um die US-Bevölkerung aufzurütteln. Gleichzeitig ist heute mit Music to Be Murdered By sein elftes Studioalbum erschienen und wird dem Titel zufolge noch weitere, politisch untersetzte, Songs beinhalten.

Meadows - Empty Windows

Meadows – Sanft, wie eine Gutenachtgeschichte

Am Anfang steht ein warmes Gitarrenspiel. Schließlich kommt eine ebenso warme Stimme hinzu, welche die Worte so beruhigend singt, dass man in jedem Wort das warme Feuer eines Kamins knistern hören kann. Hinter einem so imposanten Song verbirgt sich der Künstler Meadows, der bürgerlich Christoffer Wadensten heißt und aus der schwedischen Provinz kommt. Ob der Provinz scheint es gleichzeitig so reichhaltig an Eindrücken, die Emotionen auslösen, zu sein, dass Meadows hiermit besonders auffällt. Mit seiner tiefen Stimme, die an den wunderbaren Ben Hamilton erinnert, singt sich Meadows durch so wunderschöne Textzeilen, wie I know you never lie but this whole you and I. Who thought that this would fly? I turn my eyes down low and I see the stars below. I know I have to go. And break through the glass of empty windows. Hierbei ist es fast so, als würde er uns eine Gutenachtgeschichte erzählen, während uns – von der Wärme des Kamins – die Schläfrigkeit überkommt. Geprägt vom Lyriker Frank O’Hara, der die wunderbare Fähigkeit hatte, Gefühlszustände – die in Notfällen aufkommen – einzufangen, hat sich Meadows durch das neue Album The Emergency Album gearbeitet. Herausgekommen ist mit den ersten Veröffentlichungen Emergency Song und Empty Windows eine sympathisch heimelige Stimmung, die sich so vertraut und geborgen anfühlt, dass wir uns gar nicht die Frage stellen, dass dieser Musiker noch größtenteils unbekannt ist. Meadows schafft es mit seinen Songs eine Wärme um uns herum zu legen, die sich förmlich an uns anzuschmiegen scheint. Für alle, die diese Kaminfeuerakustik auch einmal live sehen wollen, gibt es ab Mitte Mai auf 13 Konzerte in Deutschland Gelegenheit dazu. Für alle anderen gibt es ab dem 27. März das Album The Emergency Album zu kaufen.

Filv & Edmofo – Französische Eleganz trifft auf osteuropäischen Beats

Erstmals wurde der Song Clandestina bereits 2016 vom marokkanisch-französischen Musiker Youssef Akdim i Bakalianass – alias Lartiste – veröffentlicht und war auf seinem Album Clandestino zu finden. Damals nur ein moderater Erfolg, hat sich nun das russische DJ Duo Filv & Edmofo diesen Song noch einmal vorgenommen und ihn mit der Stimme der französischen Sängerin Emma Peters versehen. Dabei greifen die Jungs den ursprünglichen Gedanken des Songs wunderbar wieder auf und thematisieren auch auf der neuen Version den Verlust eines Freundes durch die Droge Kokain. Mit funkelndem Sound, Westerngitarren und modernen Housebeats – gepaart mit ganz viel Nostalgie, wie knisternden Schallplattengeräuschen und einem melancholischen Grundtenor – ist Clandestina eine orientalische Housenummer, deren Hitpotential, durch die unterschiedlichen Elemente, enorm hoch ist. Clandestina ist der perfekte Hybrid zwischen Winterhit und Sommerstimmung und wird uns wohl die kommenden Monate noch weiter begleiten.

2raumwohnung - Das ist nicht das Ende Baby

2raumwohnung – 20 Jahre da, 20 Jahre Sound

Sie gehen mit den Jahren, was 2000 mit dem Song zu einer Zigarettenwerbung begann, entwickelte sich über die Jahre zur riesigen Spielwiese der beiden Bandmitglieder Tommi Eckart und Inga Humpe. Mit ihrem Debütalbum Kommt Zusammen schossen sie ein Feuerwerk an Songs raus, die so sympathisch und direkt waren, dass man sich nur in ihre Lieder verlieben konnte. Mit 2 von Millionen von Sternen folgte schließlich sogar ein zweites Mal eine Untermalung eines Werbeclips. Mit ihren Nachfolgealben wurde das Berliner Duo im weiteren Bandverlauf immer elektronischer – ohne dabei seine Identität zu verlieren – und landete schließlich mit 36 Grad einen absoluten Radiohit der sich mit Platz 22 der Singlecharts gleichzeitig als ihr größte Erfolg, als eigener Release, erwies. Nun wird die Band im Jahr 2020 20 Jahre alt und veröffentlicht hierfür tatsächlich erstmalig eine Best-Of Album. Dieses kommt am 28. Februar in die Läden und heißt passenderweise 20 Jahre. Hierauf finden sich auch neue Songs. Einer davon ist die heute veröffentlichte Single Das Ist Nicht Das Ende Baby. Dieser Song läutete gleichzeitig eine Rückkehr in die Anfangsjahre der Band ein. Denn Das Ist Nicht Das Ende Baby klingt so sehr nach dem Deutschpop der frühen 2000er, dass man seine alte Liebe zur sympathisch, verspielten Band neu entfacht fühlt. Mit leichten Synhtie- und Dancesounds und einer wunderbar hohen Stimme Humpes geht der Refrain so unglaublich schnell ins Ohr, dass man sich in allen Momenten dabei erwischt, den Song zu Summen oder mit den Beinen den Takt nachzugehen. 2raumwohnung sind nach ihrem 2017er Album Nacht und Tag, welches bereits eine Verschmelzung des elektronischen Sounds mit dem Popsound ihrer Diskografie besaß, wieder vollends zurück und begeistern mit direktem, verspielten Deutschpop, der weiß, was er machen muss, um sich in seine Songs zu verlieben.

Robbie Williams - The Christmas Present

Robbie Williams – Wünscht frohe Weihnachten

Er hat es wieder einmal geschafft. Großbritanniens Superstar Robbie Williams hat es 18 Jahre nach seinem fulminanten Ausflug in die Swing-Ära mit seinem Album Swing When You’re Winning und dem 2013er Swing-Album Swings Both Ways wieder in klassischere Gefilde getrieben. Denn dieses Jahr überraschte uns der Popstar mit einem Weihnachtsalbum, das einmal mehr zeigt, was Williams für ein grandioser Musiker ist, der immer dann, wenn er seine Vielseitigkeit zeigt, besonders glänzt. Auf The Christmas Present interpretiert Williams große Weihnachtsklassiker in traditionellem Stil und gibt ihnen durchbläuen markante Stimme eine gewisse Erhabenheit, die wunderbar in die besinnliche Zeit passt. Gleichwohl er auch weiterhin mit einer gewissen verschmitzten Art singt und dadurch immer auch unterhaltsam bleibt. Besonders gut kann man dies auf den großen Klassikern Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow! und Winter Wonderland hören.

Damit wünsche ich Euch allen frohe Weihnachten und ein paar besinnliche Tage mit Euren engsten Menschen.

Icarus feat. Rae Morris - Dreams Of You

Icarus – Mit Melodic House zum Höhepunkt

Hat man den Song einmal gehört, wird man das Bild von ekstatisch feiernden Festivalbesuchern auf einem Feld, welche die Augen schließen, die Hände spirituell in die Höhe strecken und dabei tanzen nicht mehr los. Bei Icarus ist dieses Gefühl Alltag. Denn mit ihrem Melodic-House schaffen sie es immer wieder wahre Hymnen zu produzieren. Hatten sie 2016 mit Home und der Stimme der norwegischen Sängerin Aurora bereits einen grandiosen Song veröffentlicht, folgten in der Zeit danach mehrere EPs wie die 2019er EP This Must Be The Place. Nun haben die beiden Brüder Ian & Tom Griffiths aus Bristol neues Material veröffentlicht, welches wieder einmal mit Gastsängern begeistert. Auf Dreams Of You haben sich die beiden Produzenten die britische Art-Pop Sängerin Rae Morris dazugeholt und einen wunderbaren Housetrack produziert, der nach einem langen Intro zu einem intimen, energiegeladenen Powersong wird. Gerade diese Mischung ist es, die Icarus ausmacht und sie ein ums andere Mal frisch inszeniert. Denn das Zusammenspiel aus schnellen Beats und einem verstohlen, balladesken Gesang sorgen immer wieder dafür, dass sich die Songs ins Ohr brennen und den Körper zum Feiern anregen. Ob in der U-Bahn, auf der Straße oder zu Hause – mit euphorischer Freude am Song tanzen wir uns durch knapp fünf Minuten und vergessen fast, wo wir gerade sind.

R+ feat. Dido - My Boy

R+ & Dido – Geschwister der melancholischen Dancemusik

Zu allererst die Aufklärung – hinter R+ verbirgt sich der Bruder der britischen Sängerin Dido – Rolle Armstrong. Dieser hat mit Dido in den letzten zwanzig Jahren bereits einige Songs zusammen produziert. Darüber hinaus ist Rollo Armstrong Produzent und ein Drittel der britischen Dance-Urgesteine von Faithless und quillt das Duo Rollo und Dido Armstrong somit regelrecht über, vor musikalischer Erfahrung und Expertise. Sowohl auf One Step Too Far (2002), als auch auf Feelin‘ Good (2010) hatte Dido mit Faithless zusammengearbeitet. Nun steht die nächste Kollaboration mit ihrem Bruder in den Regalen und hört auf den Namen My Boy. Dabei ist der Song eine melancholisch tanzbare Dancenummer, die mit gewohnt hauchend klarer Stimme Didos überzeugt. Doch My Boy ist nicht der einzige Song, den die beiden zusammen aufgenommen haben. Vielmehr hat Rollo Armstrong unter den Pseudonym R+ Das Album The Last Summer veröffentlicht. Hierbei steht das R für Rollos Vornamen und das + für seine Schwester Dido und trägt sich durch den Wechsel von instrumentalen Song, experimentellen Songs und Gesangseinlagen Didos. Dass The Last Summer so wenig Aufmerksamkeit erfährt, verwundert ein wenig – sind doch die beiden Künstler nicht weniger als zwei der bedeutendsten britischen Musiker der vergangenen 30 Jahre. The Last Summer kann als klarer Anspieltipp mit vielen ruhigen Elektrosongs überzeugen und hat nicht nur mit My Boy tanzbares zu bieten.

Declan J Donovan - Homesick

Declan J Donovan – Wann zündet die Rakete?

Vor fast genau zwei Jahren konntet Ihr hier auf SOML eine Songreview über den britischen Newcomer Declan J Donovan und seine Single Better lesen. In der Zwischenzeit ist mit Pieces ein veritabler Radiohit hinzugekommen. Doch so richtig zünden wollte die Rakete mit Donovan bisher noch nicht. Dabei macht der junge Sänger aus Essex immer noch die ersten Schritte. Mit gerade einmal 3.500 likes auf Facebook bekommt man eine Ahnung davon, was da alles noch kommen mag. Bei der nun veröffentlichten Single Homesick taucht Donovan in eine Welt der Vielfalt ein und springt zwischen leisem Akustikfolk und euphorischem Chorgesang und klingt so, nach Aufbruch und Stärke. Mit Donovans zarter Stimme – die oftmals im Kontrast zu seiner amüsanten Art sich auf Facebook zu präsentieren steht – und einem Video, welches der Brite in seiner Heimatstadt gedreht hat, rundet Donovan das Gefühl eines Sehnsuchts-Songs ab und lässt den Homesick einfach laufen. Nun ist es nur eine Frage der Zeit, bis Homesick auch von unseren Radiosendern entdeckt wird und wir den sympathischen Briten öfter hören werden.

Pieces