Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks - Fireworks

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks – Die Disco geht weiter

Noch immer hallt und schallt der Song Hypnotized aus allen Boxen und Playlisten. Dass dieser Song nun bereits seit über einem halben Jahr nicht mehr aus den Streaming- und Downloadcharts wegzudenken ist, hat einen einfachen Grund. Denn mit Hypnotized hat der Dresdner Produzent Purple Disco Machine einen Disco-Klassiker erschaffen, der sich modern anhört, allerdings ausreichend Referenzen an die große Zeit des Disco-Sounds in den 70er und 80 Jahren beinhaltet. Damit so perfekt von der Zeit losgelöst, kann man sich einfach nicht an der Kollaboration mit Sophie And The Giants satthören. Dabei folgte doch bereits Ende November 2020 mit Exotica eine weitere neue Single. Diese ging jedoch im Fahrtwind des großen Hypnotized völlig unter und dürfte daher nur den eingefleischten Fans als Folgesingle bekannt sein. Nun hat sich Tino Piontek mit gleich zwei weiteren Acts zusammengetan und die neue Single Fireworks veröffentlicht. Hierauf finden wir neben Purple Disco Machine auch den Londoner Newcomer Moss Kena – der mit einer Mischung aus Singer/Songwriter, Soul und Hip-Hop seit gut drei Jahren von sich Reden macht.

Purple Disco Machine
Purple Disco Machine

Arbeitet Moss Kena doch vor allem mit seiner hohen Stimme und springt galant zwischen den verschiedenen Genres umher. Mit The Knocks tauchen zusätzlich noch zwei alte Bekannte auf, die bereits 2018 mit Sofi Tukker zusammen an Best Friend gearbeitet haben. Hier hatte das New Yorker House-Duo bereits viel Beachtung erhalten. Nun haben sich diese drei Acts auf Fireworks zusammengetan und eine orhwurmträchtige Nu-Disco-Bombe geschrieben, die mit Tropical-Beats, Xylophonklängen, choralem Kindergesang und ganz viel guter Laune um die Ecke kommt, die uns direkt umhaut. Mit Fireworks schreibt Purple Disco Machine seine ganz eigene Geschichte weiter und begeistert uns mit richtig viel Discosound. Nach Hypnotized und Exotica ist Fireworks die dritte Singleauskopplung aus seinem – für Sommer 2021 angekündigten – neuen Album. Dieses würde auf das 2017er Soulmatic folgen und dürfte nicht weniger, als die erneute randvoll gefüllte Ladung Disco enthalten.

Gorgon City feat. DRAMA - You've Done Enough

Gorgon City feat. DRAMA – Die Zweite ist härter

Vor knapp einem Jahr konnten wir die beiden Acts bereits zusammen auf einem Track hören. Da war auf der einen Seite das britische Duo Gorgon City und auf der anderen das Chicagoer Duo DRAMA, das sich für den Dancetrack Nobody zusammenfand und verträumten Deep-House produzierte. Nun sind sie abermals zusammengekommen und veröffentlichen mit You’ve Done Enough einen Track, der deutlich dunkler und härter klingt, als es ihre erste Zusammenarbeit tat. Denn hier überwiegt der bekannte britische House, der aus einer Mischung aus hallenden Deep-Housebeats, schnellen Taktfolgen und tanzbaren Lyrics besteht, bei denen man sich einfach treiben lassen möchte. Hinzu kommt, dass sich DRAMA-Sängerin Via Rose dieses Mal stimmlich deutlich weiter raus wagt und sich durch einen, mal gepressten, mal glasklaren Gesang eine Präsenz erarbeitet, die wir bisher nicht von dem Duo – das sich vornehmlich im Soul, R&B und Dance aufhält – gewohnt waren.

Gorgon City & DRAMA
Gorgon City & DRAMA

Auf You’ve Done Enough kommt so ein massiver Deep-Housesound zum tragen, der durch DRAMAs Gesang eine weitere Gewichtung erhält und sich somit nicht mehr nur für den Mainstream hergibt. Gorgon City haben dabei wieder einmal das beste Händchen bewiesen, für eine ihrer Produktionen die perfekte Stimme auszuwählen. Überhaupt haben Gorgon City in den vergangenen zwei Jahren eine hohe Anzahl an Songs veröffentlicht, die mit namhaften Kollaborationen aufwarten konnten. Mit dabei waren unter Anderem Künstler, wie MK, Kaskade, Roméo, AlunaGeorge oder Sofi Tukker. Mit letzteren hatten sie auf ihrer Kollaboration zu House Arrest sogar einen wahren Pandemie-Hit gelandet, der millionenfache Streaming-Abrufe generierte. Mit You’ve Done Enough laden uns Gorgon City und DRAMA wieder einmal dazu ein, zu Hause laut aufzudrehen und die Party unserer Zeit zu feiern. Alleine, Augen geschlossen und sich vorstellend, dass man sich in Mitten von dutzenden Tanzenden befindet, wird der Song zur wahren Freude und lässt uns darauf hoffen, endlich auch wieder über ein neues Album spekulieren zu können.

Julia Stone feat. Matt Berninger - All We Have

Julia Stones feat. Matt Berninger – Völlig entsagt

Julia Stone hatte es in der Vergangenheit nicht immer leicht. Mit ihren ersten beiden Alben The Memory Machine (2010) und By The Horns (2014) versuchte sich die Australierin von ihrem Geschwistergespann zu lösen und sich als eigenständige Musikerin zu etablieren – wurde sie oftmals doch nur als die eine Hälfte von Angus & Julia Stone angekündigt. Hinzu kam, dass sich Rezensenten bei ihren früheren Alben auf die Stimme der Sängerin fokussierten und sie als zu mädchenhaft kritisierten. Spätestens mit der ersten Singleauskopplung Break aus ihrem dritten Studioalbums Sixty Summers, das am 19. Februar erscheinen wird, zeigte Stone eine Facette, welche die härtesten Kritiker erstaunt zurücklässt. Denn mit einem offenen Sound, der in Richtung Weltmusik geht, zog uns Stone ab Sekunde Null in ihren Bann und fegte uns gleichzeitig mit einem berauschenden Musikvideo weg. Es folgten die Singles Unreal und Dance bei dem vor allem der letztgenannte Song warm von Vertrauen und Zuneigung erzählt und mit Susan Sarandon und Danny Glover zwei Hollywood-Stars im Musikvideo vereint.

Julia Stone feat. Matt Berninger - All We Have (music video)
Julia Stone feat. Matt Berninger – All We Have (music video)

Nun hat Julia Stone mit We All Have die vierte Single veröffentlicht und erzählt von der Liebe, die wir alle so sehr benötigen. Dabei meint die Australierin nicht die Liebe zu jemand anderen, sondern die Liebe, die wir in uns tragen und die uns ausmacht. Wie schon bei den letzten Songveröffentlichungen kommt auch die neue Single nicht ohne eine Überraschung aus. Hier entschied sich die Folksängerin dafür, die einzige Kollaboration auf ihrem neuen Album zu veröffentlichen und hat sich mit Matt Berninger von The National gleich einen der renommiertesten Musiker unserer Zeit geangelt. Dabei überraschen The National aktuell durch eine rege Beteiligung an Songs und Platten anderer Künstler, wie die Zusammenarbeit von Aaron Dessner auf Ben Howards neuem Album  Collections From The Whiteout zeigt. We All Have hat eine wunderbar gemütliche Atmosphäre, die durch Stones Gesang davonzuschweben scheint und durch Berningers tiefe, brummende Stimme eingefangen und am Boden gehalten wird.

Glasvegas - Dying To Live

Glasvegas – Das roughe Leben einer Glasgower Band

Im vergangenen Sommer überraschte uns das Schottische Trio Glasvegas – nach sieben Jahren der Stille – plötzlich mit neuer Musik. So kam Mitte August 2020 mit Keep Me A Space die erste Single seit ihrem dritten Studioalbum Later…When the TV Turns to Static (2013) raus. Nachdem die Band um Frontsänger James Allan Anfang Dezember mit My Body Is A Glasshouse (A Thousand Stones Ago) eine zweite Single veröffentlichte, folgt nun mit Dying To Live die dritte Auskopplung, bevor im April mit Godspeed das vierte Album der Band erscheinen wird. Dabei behandelt Dying To Live die Abhängigkeit von Drogen und hier ganz besonders von Heroin. Allan, der alle Texte selber geschrieben hat, beschreibt hier – ohne, dass er Heroin jemals angefasst hat – wie es sich anfühlen muss. Denn für ihn gab es eine Zeit, in der er verwirrt und auf der Suche nach einem ganz bestimmten Gefühl war. So hatte er sich vorgestellt, ob wohl Heroin diese Gefühle wecken würde. Dem wiederstehend, schrieb der Schotte die Lyrics zu dem Song und setzte ein raues Gitarrenspiel drunter. Dabei erinnert Dying To Live anfangs sogar ein wenig an die Riffs der Arctic Monkeys. Hierbei klingt Allans Stimme aggressiv und in den Bridges sogar arrogant – nur, um dem Song die Atmosphäre von etwas Bedrückendem zu verleihen. Zwischenzeitlich kommen auch psychedelische Parts hinzu, die dem Drängen von Glasvegas nur gerecht werden. Dying To Live ist eine große Rocknummer, die den Sound der Band neuerlich sehr stark und frisch präsentiert.

Ben Howard - What A Day

Ben Howard – Die Stille bricht auf

Er ist bekannt für seine zurückhaltenden Songs. Die irgendwo zwischen unnahbar und zutiefst berührenden Songs, spielen sich bisher auf den drei Alben Every Kingdom (2011), I Forget Where We Were (2014) und Noonday Dream (2018) ab. Dabei sind es vor allem die letzten beiden Longplayer, die den Sänger mitunter nicht greifbar werden lassen. Denn hier sorgt ein Mix aus Folk, Ambient und Psychedelic dafür, dass sich das weite Publikum die Songs nur schwer erschließen kann. Nun hat der Brite mit What A Day einen ersten neuen Song aus seinem kommenden, vierten Studioalbum veröffentlicht, das am 26. März erscheinen und Collections From The Whiteout heissen wird. Darin handeln die zehn Songs von unterschiedlichen Geschichten und stellen somit eine Art Geschichtsband dar – wie Howard zur Ankündigung hinzufügt. Gleichzeitig überrascht er auf What A Day mit einem fröhlichen, bis humorvollen Tenor und grenzt sich damit stark von seinen früheren Veröffentlichungen ab. Hier kommen auch erstmalig andere Musiker zum Zuge – hat sich Howard doch auf Collections From The Whiteout nicht nur musikalisch geöffnet, sondern auch bezüglich der Personalien seines neuen Albums.

Ben Howard - Collections From The Whiteout
Ben Howard – Collections From The Whiteout

Mit dabei ist Bassist und Gitarrist Aaron Dessner von The National, der nicht zuletzt als Produzent durch die beiden Folkalbem Folklore und Evermore von Taylor Swirft im vergangenen Jahr zwei der meistverkauften Alben des Jahres produziert hat. Mit What A Day legt sich Howards neuer Song durch einen folkig, luftigen Sound wie eine leichte Decke über uns und lässt das schelmische Katz und Mausspiel beginnen. Mit wenigen verspielten Loops kommt der Track schnell in Fahrt und gibt ein Tempo vor, das zusammen mit Howards markanter Stimme verspielt und neckisch klingt. Hier treffen leichte Synthies und Gitarren, sowie ein Klavierspiel aufeinander und sorgen für einen Moment der Unbekümmertheit. Gleichzeitig zur Songveröffentlichung gibt es auch ein passendes Musikvideo, welches in absurder Weise zeigt, worauf wir uns bei Howards neue Musik einstellen können. Ben Howard hat einen Song veröffentlicht, der die Fassade des sonst so zurückhaltenden Musikers einreisst und Platz für einen neuen Teil seiner Persönlichkeit macht.

William Fitzsimmons - Down With Another One

William Fitzsimmons – Wo kommt der Beat her?

Mitte der 2010er noch, war William Fitzsimmons Musik und seine Songs, wie Ghosts Of Penn Hills (2015) oder Hear Your Heart (2016) nur durch seine Stimme und eine Gitarre geprägt. Doch mit dem letzten Album Mission Bell aus dem Jahr 2018 betrat Fitzsimmons ein Feld aus deutlich offenerem Sound. Da war das betroffene Angela, das sich mit sphärischer Gitarre und sanften Drums so verträumt und berührend zeigte und Fitzsimmons Erlebnisse aus seinem Privatleben und seiner vergangenen Beziehung verarbeitete. Auf Wait For Me schwang schließlich sogar ein Hauch von Freude mit. Dass sich Fitzsimmons hauptsächlich in den Abgründen und dunklen Teilen unserer Seele aufhält, ist kein Zufall. Er selbst sagt; ich persönlich denke, dass meine Jobbeschreibung am Anfang, aus irgendeinem Grund war: schreibe über die Sachen, die weh tun. So fühle ich mich dazu verpflichtet. Es mag ein wenig egoistisch klingen aber so ist es gar nicht gemeint – es ist das, was ich tue und ich tue dies verdammt gut. Also schreibe ich ‚traurige Lieder‘. Will mich jemand in diese Kategorie einordnen?! Kann er gerne machen. Aber wenn du dich nur ein wenig stärker mit meiner Musik auseinandersetzen würdest, würdest du eine Menge mehr finden als nur das.

William Fitzsimmons - Photo Credit Erin Brown 2020
William Fitzsimmons – Photo Credit Erin Brown 2020

Auf Down With Another One besingt Fitzsimmons eine Person, die sich damit abgefunden hat, unfähig zu sein, jemals eine vertrauensvolle und erfüllte Liebe zu finden. Und so klingt Down With Another One plötzlich auch schroffer als all das, was wir von dem US-Amerikaner aus Pittsburgh bisher gewohnt sind. Auffallend hierbei ist der träge Sound von Gitarren, Drums und Synthies, die eine morbide Atmosphäre verleihen und Fitzsimmons klaren Folksound fast zu übertönen zu scheinen. Down With Another One ist die erste Singleauskopplung aus dem kommenden, achten Studioalbum, das Ready The Astronaut heißen wird und diesen Sommer scheinen soll. Mit Down With Another One überrascht der Singer/Songwriter durch einen neuen, gewagteren Sound, verliert aber kein bisschen an Tiefe und Emotionalität.

Black Coffee & Diplo feat. Elderbrook - Never Gonna Forget

Black Coffee & Diplo feat. Elderbrook – Wie drei Dance Produzenten so verträumt klingen können

Allesamt sind sie in der elektronischen Musik zu Hause. Mal ist es mehr Soul und R&B, mal sind es fette Beats oder wiederum auch nur der ruhige chillige House-Sound, welche die drei Produzenten und DJs voneinander unterscheiden. Als Hauptact des Songs Never Gonna Forget zeichnet sich der Südafrikanische Produzent Black Coffee verantwortlich, der erst vor wenigen Wochen mit seinem Song Ready For You und der Zusammenarbeit mit der britischen Soulsängerin Celeste durch die Decke ging. Bei der Entstehung des neuen Songs Never Gonna Forget erzählt sich die Entstehungsgeschichte allerdings anders. Denn hier war es der US-Amerikanische Star-Produzent Diplo und der britische Newcomer Elderbrook, die diesen Song zusammen geschrieben hatten. War Diplo allerdings schon seit längerem von Black Coffees Arbeit begeistert, wollte er unbedingt mit ihm zusammenarbeiten. So schickte er dem Südafrikaner den Song und ließ Black Coffee die Freiheit den Sound darunterzulegen. Schließlich fügte Diplo noch einige seiner Nuancen hinzu. So kam ein äußerst entspannter EDM-Song heraus, der sich, wie zuvor schon Ready For You in einer ungemein ruhigen Atmosphäre präsentiert.

Black Coffee, Elderbrook, Diplo
Black Coffee, Elderbrook, Diplo

Dabei haben Black Coffee und Diplo den Gesang des britischen Produzenten und Sängers Elderbrook so wunderbar herausgearbeitet, dass man von den einzelnen Lyrics förmlich eingesogen wird. Elderbrook, der erst letzten Herbst mit Why Do We Shake In The Cold? sein Debütalbum veröffentlichte, zeigt dabei einmal mehr eine Anpassung seiner Stimme an die verschiedenen Tempi im Song. Damit ist mit Never Gonna Forget ein so wunderschön verträumter Housetrack erschienen, der drei absolute Superstars zusammenbringt, die Awards, wie den Grammy oder BET-Award, gewonnen haben oder dafür nominiert wurden. Never Gonna Forget ist hierbei bereits die siebte Singleauskopplung aus dem, am 5. Februar erscheinenden Album Subconsciously, welches neben Celeste, Diplo und Elderbrook auch Kollaborationen mit Pharrell Williams, RY X, David Guetta, Usher oder Cassie enthält. Alle Songs eint der unaufgeregt, entspannte House-Sound, der deutlicher zur Stimmung einer Strandbar passt, als auf die Tanzflächen der großen Clubs. Black Coffee berührt, lädt zum Träumen ein und hat ein wahnsinniges Gespür für die richtigen Stimmen.

Birdy

Birdy – Tiefe Gefühle in einer Stimme

Bereits im vergangenen September begeisterte die britische Sängerin Birdy mit neuer Musik. Damals war es der Song Open Your Heart und die EP Piano Sketches, mit der die Sängerin nach vier langen Jahren der Stille wieder ein Lebenszeichen von sich gab. Dabei erfreute die Fans, dass ihr Sound wieder zurück zu den Pianoballaden des Debütalbums gingen. Gleichzeitig nutzte Birdy aber auch die EP, um so viele Songs, wie möglich, aus ihren vergangenen fünf Jahren abseits der Öffentlichkeit zu veröffentlichen. Denn bereits da stand fest, dass ihr viertes Album im Frühjahr 2021 erscheinen sollte. Nun hat die 24-Jährige mit Surrender nicht nur die erste Single aus ihrem kommenden Album veröffentlicht, sondern mit Young Heart auch ihr neues Album für den 30. April angekündigt. Hier bringt Birdy all die Eindrücke zusammen, die sie während ihres Aufenthaltes in Nashville und Los Angeles erlebte. Es war die Zeit, die sie brauchte, um Abstand von all dem Trubel um ihre Person, ihre Musik und ihre Erfolge zu bekommen. Dabei ist Surrender zu einer Kur geworden, die sich mit all ihrer emotionalen Kraft in uns breitmacht.

Birdy - Surrender
Birdy – Surrender

Hier hören wir Birdys glasklare Stimme so bedächtig und langsam singen, dass jeder einzelne Ton wie eine akzentuierte Tastenauswahl auf einem Klavier erscheint. Hinzu kommt dann auch noch, dass Birdy wieder zurück zu ihrem großartigen Klavier gefunden und alle anderen Beiwerke konsequent weggelassen hat. So sagt Birdy über ihr neues Album, dass es keine Dekoration gibt. Dieses Album fühlt sich einfach sehr persönlich an. Ich bin in den vergangenen fünf Jahren sehr gewachsen und habe neue Dinge erlebt, die mein Verständnis der Welt geprägt haben, zugleich aber auch, wer ich als Künstlerin bin. Dieses Album bedeutet mir viel – ich will es beschützen. Gleichzeitig kapituliert Birdy vor ihrer eigenen Vergangenheit, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Surrender ist eine faszinierende Pianoballade, in der wir uns gerne verlieren und unseren Emotionen freien Lauf lassen. Denn eines schafft Birdy mit ihren Balladen immer wieder – die Hörerenden nicht in Trauer zurückzulassen, sondern vielmehr ihnen eine Stärke an die Hand zu geben, neuen Mut zu fassen.

Ro Bergman - Animal

Ro Bergman – Nordischer Sound aus der Mitte Europas

Seine Musik passt viel besser in den Skandinavischen Norden Europas, wo kalte, dunkle Winter oder aber auch lange Sommertage den Sound der dünn besiedelten Gebiete wiedergibt. Hier bekommen wir wechselwirkend die Wärme, Einsamkeit, Ruhe, Reinheit, Melancholie oder Natürlichkeit zu spüren. All diese typisch nordischen Merkmale spüren wir in jeder Sekunde, wenn wir uns durch Ro Bergmans Songs, wie Clouds oder All We Are hören. Mit seiner 2019er Debüt-EP New Horizon verpackte er diesen Sound dann in eine 5-Track-EP, die auch mal etwas rauer und von Gitarren getrieben daherkam. Nun hat Bergman mit Animal einen neuen Song veröffentlicht, der den positiven Aspekt eines Perfektionisten wunderbar präsentiert. Denn während sich Bergman auf Animal locker und leicht hauchend in Fahrt singt, kommen zu der Gitarre, langsam auch ein Klavierspiel und weitere orchestrale Arrangements hinzu. Für wenige Momente gleitet Bergman hier in eine Kopfstimme ab, ehe er mit gedrückt intensiver Stimme die Zeilen I was a lion a rat and a thief. I was a killerwhale diving too deep. I see people laughing – I envy their tears singt.

Ro Bergman
Ro Bergman

Schließlich bricht der Song in ein großes Orchesterfeuerwerk aus, um nur wenig später mit einer einsamen Trompete dem Finale entgegenzutreten. Auf Animal kommt der sehnlichste Wunsch zu Tage, der Natur wieder ihren Abstand von der Menschheit zu geben. Mit imposanten Bildern, die das Kalkkögelmassiv südlich von Innsbruck zeigen, hat der Österreicher mit Tänzern der Wiener Staatsoper eine atemberaubende Performance aus menschlicher, non-verbaler Interaktion unter dem Eindruck der Naturgewalten um sie herum geschaffen und mit der emotionalen Gewalt seines Songs untermauert. Ro Bergman schafft es einmal mehr, sich von modernen Strömungen in der Musikszene fernzuhalten und seine ganz eigene Handschrift zu präsentieren. Diese Handschrift setzt starke Akzente, die mit leichter Feder immer wieder in gewaltigen emotionalen Ausbrüchen enden. Animal ist mit seinem Alternative-Pop, Folk und leichten Rockanleihen die erste Single aus seiner – für dieses Frühjahr angekündigte – zweite EP Hi Lo.

Møme feat. Ricky Ducati

Møme feat. Ricky Ducati – Der imaginäre Radiosender

Flashback FM – das ist der imaginäre Radiosender, den der französische Produzent Jérémy Souillart – alias Møme – zusammen mit dem kanadischen Sänger Ricky Ducati ins Leben gerufen hat. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen Piratensender, sondern vielmehr um die kommende Platte des, aus Nizza kommenden, Musikers. Wie schon auf Got It Made, They Said und Moves arbeitet Møme auch auf der neuesten Veröffentlichung I Know wieder mit Ducati zusammen. Hier erleben wir erneut eine Reise zurück in die große Zeit der Schulterpolster und Dauerwellen. Die 80er Jahre stehen aktuell, wie kein anderes Jahrzehnt, im Fokus der Musikszene. Die Tatsache, dass Blinding Lights von The Weeknd die erfolgreichste Single 2020 war und mit so starken Referenzen an die 80er Jahre arbeitet, verdeutlicht diesen Trend. Dabei bedient sich Møme am IDM – der Intelligent Dance Music – die sich seit den 90er Jahren von Großbritannien aus verbreitet hat.

Møme feat. Ricky - Flashback FM
Møme feat. Ricky – Flashback FM

Mit wabernden Synthies, Drums und der markant weichen Stimme Ducatis lässt sich I Know auf Szenen einer Dystopie á là Dark City oder Blade ein und wird zum Soundtrack einer dunklen Realität. Gleichzeitig zeigt der Song aber auch Hoffnung auf und wird durch das 3D-Video eine Verbindung dargestellt, die sich über eine Entfernung ergibt. Wie so viele Menschen aktuell, haben auch Møme und Ducati ihre komplette Produktion über, aus der Distanz zueinander gearbeitet. Der eine in Frankreich, der andere in seiner Wahlheimat Los Angeles. Es stellt sich raus, dass Møme und Ducati gemeinsam ein Album produzieren, das trotz der klaren und ausgeprägten Referenz an die 80er Jahre auch zeitlos erscheint und mit den besten Einflüssen aus French- und Tropical House verbindet. Damit steht nun auch das Veröffentlichungsdatum ihrer gemeinsamen Platte Flashback FM fest und wird für den 12. Februar angegeben. Møme und Ducati schaffen es, uns mit ihrer Musik zum tanzen, in nostalgische Stimmung und in Partylaune gleichzeitig zu bringen und lassen auf ein Album mit satten 15 Songs hoffen, dass wir genau das auch zu ihrem Album tun werden.