Lea Porcelain – Konzertkritik

Lea Porcelain @Auster Club Berlin

Lea Porcelain @Auster Club Berlin

Es war ein Abend, der erstaunte. Nicht nur, dass das Duo Lea Porcelain im Berliner Auster Club auf die Bühne trat und man erst dann in den Genuß des Konzertes kam, wenn man rechtzeitig vor Ort war – gab es die Karten doch nur an der Tür des Clubs – zeigte sich auch in der Auswahl des Support-Acts, dass das aus Frankfurt am Main kommenden und mittlerweile zwischen Berlin und London pendelnden Duos kein gewöhnlicher Act ist. Mit dem brasilianischen Poeten und Dadaisten Ricardo Domeneck, der bereits seit einigen Jahren in Berlin lebt, begann der Abend mit einer drohenden, poetischen Performance. Dabei wirkten die Worte ermahnend, sein kühler Ausdruck fast schon vernichtend und die akustische Untermalung verwirrend. Die kurzzeitige Assoziation mit Baz Luhrmanns Everybody’s Free (To Wear Sunscreen) wurde immer wieder durch die harten Worte zerrissen und konnte dennoch nicht ganz bei Seite gelegt werden. Nach knapp zehn Minuten beendete Domeneck seinen Auftritt mit einem kurzen Thank You, um wenig später Lea Porcelain, auf der Bühne zu viert, anzukündigen.

Ricardo Domeneck @Auster Club Berlin

Ricardo Domeneck @Auster Club Berlin

In den letzten 12 Monaten immer wieder in den Musikmagazinen Deutschlands und sogar Großbritanniens gelobt und verheißungsvoll einer großen Zukunft bescheinigt, trat an diesem Sonntagabend die Band auf die Bühne und schien, aus unterschiedlichen Richtungen, Nervosität, Spielwut, kindliche Freude und erwachsene Gleichgültigkeit auszusenden. Mit dem alles überragenden Out Is In begann die Band schließlich ihr erstes Konzert in 2017 und lieferte nicht weniger, als den grandiosen Industriel Sound ab, den man aus den Lautsprechern zu Hause schon seit Monaten hört. Allerdings reicht selbst Industriel nicht aus, um die Vielfalt von Lea Porcelains Sound zu beschreiben. Kommen doch elektronische Elemente vor, sowie die Songs melancholisch und dunkel klingen und fast schon eine Art rohe Gewalt ausdrücken. Mit Warsaw Street gingen sie in den nächsten, großen Song über, der perfekt als Untermalung einer langen Nacht dient, in der man sich verliert. Treibend, laut und betäubend schwillt die Gitarre an und kreist wabernd um die Ohren. Dabei singt Frontsänger Markus Nikolaus mit verzerrt, hallender Stimme in seiner ganz eigenen Welt.

Es folgten einige, noch unbekannte, Titel, die sicherlich ihren Weg auf das, für 2017 angekündigte, Album finden werden. Was mit Out Is In und Warsaw Street begann, sollte nun mit Bones und Similar Familiar beendet werden. So flackerten Stroboskope im Nebel auf und wurde die Bühne zu einem Ort, den viele als Untergrund beschreiben würden. Lea Porcelain sind weit weg von Pop, sie biedern sich auch nicht an. Ihre Auftritte sind ausgewählt, rar und speziell und zeigen eine Band, die, wenn das Glück und das richtige Management mitspielt, international deutlich bekannter werden könnte.

Lea Porcelain @Auster Club Berlin

Lea Porcelain @Auster Club Berlin

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