FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me

FKA Twigs, Headie One & Fred Again… – Nicht greifbares Meisterwerk

Was FKA Twigs anfasst, ist in der Regel wahre Kunst. Ob mit den Songs Two Weeks und Video Girl von ihrer Debütplatte LP1, mit Good To Love als musikalische Untermalung für einen Werbespot von Calvin Klein oder der Kollaboration mit TY DOLLA $IGN, Kanye West und Diplo auf Ego Death – der Anspruch steht bei der britischen Sängerin Tahliah Debrett Barnett immer ganz oben. Hierbei ist es das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente das ganz besondere an FKA Twigs. Zum einen sorgt ihre sensible Stimme – die immer fragil, feminin und sanft klingt – für eine warme Note, ehe der Beat einsetzt, der sich futuristisch, kalt und oftmals kaum greifbar zeigt. Diese Mischung fasziniert und irritiert gleichzeitig und macht die Magie der Sängerin aus. Doch nicht nur als Sängerin ist FKA Twigs bekannt, sonder seit ihrer Jugend auch als Tänzerin. Seit einiger Zeit kann sich Twigs nun auch Produzentin, Schauspielerin und Regisseurin nennen. Auf ihrer neuen Single Don’t Judge Me vereint sie dabei gleich mehrere ihrer Talente. Während der britische Produzent Fred Again.. zusammen mit dem Londoner Newcomer, Songwriter und Rapper Headie One die Lyrics geschrieben und am Sound gearbeitet hat, kümmerte sich Twigs um die Visuals und fügte ihren Gesang, sowie einige Beats hinzu.

FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me (Photo by Creativedisc.com)
FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. – Don’t Judge Me (Photo by Creativedisc.com)

Dabei hat vor allem das Musikvideo Kurzfilm-Qualität und begeistert mit einem verstörenden Kampf gegen das Unsichtbare. Dieses Unsichtbare möchten FKA Twigs und Headie One als den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft verstanden sehen. Denn Anhand des Aussehens einer Person können wir nicht beurteilen, ob diese Person über Farbe, Geschlecht, Religion oder der Identität des Geschlechts diskriminiert. Die Unterdrücker in der Gesellschaft, die uns umgeben, bleiben meistens unsichtbar, bis ihr Missbrauch gegen andere aufgedeckt wird. Dies ist einer der Gründe, warum Diskriminierung seit Generationen so schwer zu bekämpfen ist. Gegen wen muss das Opfer kämpfen, wenn es den Täter nicht identifizieren kann? sagte Headie One über den Text des Songs. Don’t Judge Me ist mehr, als nur ein R&B/Elektropop-Song, wieder einmal hat FKA Twigs, nun zusammen mit Headie One und Fred Again.., einen Avantgard-Popsong veröffentlicht, der beklemmend, faszinierend und eindringlich ist und ebnet den Weg für FKA Twigs drittes Studioalbum, das noch dieses Jahr erscheinen könnte.

The Knocks feat. Foster The People - All About You

The Knocks feat. Foster The People – Ein Song für die Nacht

Es klopft nachts immer wieder an ihrer Tür. Der Nachbar beschwert sich, dass die Musik zu laut sei. Einige Jahre später sollte dieser wiederkehrende Moment der Namensgeber für das New Yorker Elektro-Duo sein. Denn heute kennen wir die, 2010 gegründete, Band unter dem Namen The Knocks. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichten The Knocks mit 55 (2016) und New York Narcotic (2018) zwei Alben, fünf EPs und über 40 Singles. Auf diesen 40 Tracks vereinen The Knocks Künstler, wie St. Lucia, X Ambassadors, Alex Newell, Wyclef Jean, Carly Rae Jepsen, Crystal Fighters oder Foster The People. Mit Letzteren haben sie sich nun erneut zusammengetan und nach ihrer 2018er Kollaboration Ride Or Die – die sich mit so markanten Textzeilen wie I know I’m getting older but that don’t mean it’s over oder I know we’re getting sober, but that’s not on my mind! in unser Gedächtnis bohrte – einen Song eingespielt. War der Sound der beiden Acts auf Ride Or Die noch äußerst verspielt, kommen sie auf All About You nun größer und schwelgender zurück.

The Knocks feat. Foster The People - All About You (Video)
The Knocks feat. Foster The People – All About You (Video)

Mit einem verträumten Elektrosound sorgen The Knocks hier dafür, dass wir einen der besten Songs für einen einsamen Spaziergang durch die Großstadt zu hören bekommen. Während Mark Foster von Foster The People völlig unaufgeregt singt, schieben The Knocks ein Sample des 1972 veröffentlichten Songs Like A Ship…(Without A Sail) von Pastor T.L. Barrett and the Youth for Christ Choir unter seinen Gesang. Herausgekommen ist ein Song, der wie Schlafwandeln klingt. Samtige Elektropop-Beats verbinden sich mit dem Kinderchor des Samples und lassen uns einsam durch die Straßen der Stadt streunen. Immer etwas Melancholie mit dabei, ist All About You gleichzeitig erfrischend clean strukturiert und lässt uns dabei eine warme Freude fühlen. Mit spacigen Parts wird All About You zum Begleiter durch die frühlingshafte Nacht der aktuellen Februartage und lässt uns sehnsüchtig auf den tatsächlichen Frühling hoffen. All About You ist die zweite Singleauskopplung aus The Knocks drittem Studioalbum, das noch keinen Namen und kein Veröffentlichungsdatum hat.

Charlotte Cardin - Meaningless

Charlotte Cardin – Ist der Sturm unserer Lautsprecher

In den YouTube-Kommentaren können wir Sätze, wie Sie ist eine Legende, Sie hat es verdient, richtig bekannt zu werden oder Sie sollte den nächsten James Bond Song singen lesen – all das, obwohl die Musikerin und Model erst 26 Jahre alt ist. Von ihrer Stimme und dem ganz besonderen Gefühl, den die kanadische Sängerin Charlotte Cardin in ihre Songs packt, konnten wir uns bereits auf Fous N’importe Où überzeugen. Damals hatte sie zusammen mit dem kanadischen Produzenten CRi eine eigene Interpretation des – im Original 2001 von Daniel Bélanger veröffentlichten – Songs rausgebracht. Nachdem sie mit Big Boy 2016 ihre Debüt-EP veröffentlichte, folgte nur ein Jahr später mit Main Girl die zweite EP. Dabei ist ihr Wechsel zwischen Jazz, Elektro und Pop bemerkenswert und lässt sie, je nach Genre komplett anders wirken. Nachdem sie mit Passive Agressive im vergangenen Herbst eine erste neue Single veröffentlichte, folgte im Januar mit Daddy eine zweite Single. Nun hat Cardin mit Meaningless einen weiteren Song veröffentlicht und damit auch die Info, dass wir uns im April auf ihr lang erwartetes Debütalbum Phoenix freuen können, auf dem alle drei Songs zu finden sind. Dieses hat Cardin in den vergangenen zwei Jahren abgeschottet aufgenommen und dabei in sich selbst reingeguckt. Denn seitdem die Kanadierin mit 15 das erste Mal auch als Model tätig war, bereits mehrmals auf dem Cover des Modemagazins ELLE stand und für CHANEL als Markenbotschafterin tätig ist, versteckt sie ihre eigene Identität, um in der Öffentlichkeit so zu wirken, wie man es von ihr erwartet.

Charlotte Cardin - Phoenix
Charlotte Cardin – Phoenix

Dies wollte und musste die – aus Montreal kommende – Sängerin ändern, entstand dadurch doch bei ihr eine zunehmende Leere. Auf Meaningless singt Cardin darüber, sich von den Erwartungen der Aussenwelt zu befreien und wieder zu sich selbst zurückzufinden. Sich nicht zu verkaufen, sich nicht selbst zu verlieren und einfach sich selbst zu vertrauen. Herausgekommen ist ein Song, der so unterschiedlich ist, dass wir hier regelrecht erkennen können, welche Zerrissenheit in ihr herrschte. Da beginnt es gleich in den ersten Sekunden mit einem ruhigen Einstieg aus Cardins Gesang und einer Gitarre, ehe plötzlich ein drückender Aufschrei den Moment zerreisst und in einem treibenden Elektrosound übergeht – niemals erdrückend aber immer bedrückend. Hier kommt man unweigerlich zu dem Moment, bei dem man sich nicht sicher ist, ob der Aufschrei sich trägt, ehe mit dem Einsetzen des Elektrobeats ein WOW aufkommt und alle vorherigen Gedanken förmlich wegfegt. Charlotte Cardin hat mit Meaningless eine sehr starke Single veröffentlicht, die wunderbar die Vielfalt ihrer Stimme zeigt, durch die Produktion aber das Augenmerk auf das Gefühl der Sängerin lenkt.

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks - Fireworks

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks – Die Disco geht weiter

Noch immer hallt und schallt der Song Hypnotized aus allen Boxen und Playlisten. Dass dieser Song nun bereits seit über einem halben Jahr nicht mehr aus den Streaming- und Downloadcharts wegzudenken ist, hat einen einfachen Grund. Denn mit Hypnotized hat der Dresdner Produzent Purple Disco Machine einen Disco-Klassiker erschaffen, der sich modern anhört, allerdings ausreichend Referenzen an die große Zeit des Disco-Sounds in den 70er und 80 Jahren beinhaltet. Damit so perfekt von der Zeit losgelöst, kann man sich einfach nicht an der Kollaboration mit Sophie And The Giants satthören. Dabei folgte doch bereits Ende November 2020 mit Exotica eine weitere neue Single. Diese ging jedoch im Fahrtwind des großen Hypnotized völlig unter und dürfte daher nur den eingefleischten Fans als Folgesingle bekannt sein. Nun hat sich Tino Piontek mit gleich zwei weiteren Acts zusammengetan und die neue Single Fireworks veröffentlicht. Hierauf finden wir neben Purple Disco Machine auch den Londoner Newcomer Moss Kena – der mit einer Mischung aus Singer/Songwriter, Soul und Hip-Hop seit gut drei Jahren von sich Reden macht.

Purple Disco Machine
Purple Disco Machine

Arbeitet Moss Kena doch vor allem mit seiner hohen Stimme und springt galant zwischen den verschiedenen Genres umher. Mit The Knocks tauchen zusätzlich noch zwei alte Bekannte auf, die bereits 2018 mit Sofi Tukker zusammen an Best Friend gearbeitet haben. Hier hatte das New Yorker House-Duo bereits viel Beachtung erhalten. Nun haben sich diese drei Acts auf Fireworks zusammengetan und eine orhwurmträchtige Nu-Disco-Bombe geschrieben, die mit Tropical-Beats, Xylophonklängen, choralem Kindergesang und ganz viel guter Laune um die Ecke kommt, die uns direkt umhaut. Mit Fireworks schreibt Purple Disco Machine seine ganz eigene Geschichte weiter und begeistert uns mit richtig viel Discosound. Nach Hypnotized und Exotica ist Fireworks die dritte Singleauskopplung aus seinem – für Sommer 2021 angekündigten – neuen Album. Dieses würde auf das 2017er Soulmatic folgen und dürfte nicht weniger, als die erneute randvoll gefüllte Ladung Disco enthalten.

Freyr - Nicotine Bunker

Freyr – Erfrischend klar

Bisher kennen wir den schwedisch/isländischen Musiker Freyr durch melancholisch, introvertierte Folkballaden, die sich so intim anhören, dass wir uns wünschten, mit ihm einen Abend verbringen und seinen Geschichten lauschen zu können. Doch schon mit der letzten Veröffentlichung American Poster zeigte sich der Singer/Songwriter mit einem helleren Sound und ließ einen Aufbruch erkennen. Nun ist der Musiker mit einer weiteren Single zurück und lässt diese Helligkeit weiter wachsen. Auf Nicotine Bunker singt der Singer/Songwriter von neuen Eindrücken und der Herausforderung, sich zu finden und gleichzeitig offen für Neues zu sein. So nimmt er das Beispiel einer Kommune, in der Tarotkarten gelegt werden, viel geraucht wird und sich alle glückselig übereinander freuen. Auch wenn Freyr selbst Nichtraucher ist und nicht all zu viel mit dem Tarotkartenlegen zu tun hat, kam er mit der Offenheit der Kommune, ihn willkommen zu heißen, in Berührung. Dieses natürliche Vertrauen in den Menschen hat den Musiker tief beeindruckt. Gleichzeitig kündigt Freyr mit Nicotine Bunker auch sein gleichnamiges Debütalbum an, das am 28. Mai erscheinen wird.

Freyr
Freyr

Darauf enthalten, sind neben American Poster auch Avalon, You Want Love und vier weitere Songs. Freyr selbst hat erst heute auf Twitter geschrieben, dass sich seine neun bisher veröffentlichten Songs schon wie ein Album anfühlen. Daher war der Schritt hin, zu seinem Debüt, nur noch ein Katzensprung. Mit der Mischung aus Folk, Singer/Songwriter und einfließenden Elementen des Pop hat Freyr eine starke Richtung in seiner Diskografie vorgegeben. Doch mit nicht einem einzigen Song, der enttäuscht, können wir sicher sein, dass uns sein Debütalbum vom ersten bis zum letzten Track packen, berühren, aufbauen und beruhigen wird. Erstmals hat Freyr mit der Single Nicotine Bunker auch ein offizielles Musikvideo veröffentlicht, das ihn bei einem Pärchen in einem Wohnmobil zeigt, welches ihn am Straßenrand aufgegriffen hat. Mit Nicotine Bunker hat Freyr einmal mehr den gelassenen, warmen Sound seiner Musik und Stimme eingefangen, um ihn uns zu präsentieren.

Blanks - What You Do To Me

Blanks – Last uns die gute Laune feiern

Blanks ist ein absoluter Sonnenschein. Nicht etwa im verniedlichenden Sinne, sondern ganz so, wie es klingt. Denn mit seinen Songs sorgt der 23-jährige Niederländer ausnahmslos für gute Laune. Ob auf Don’t Stop, Let’s Get Lost oder Sweaters – Simon de Wit macht alles mit so viel Spaß, dass schon beim Zusehen bei uns gute Laune aufkommt. Angefangen hat der Youtuber bereits vor acht Jahren. Heute zählt er mehr als 1,25 Million Follower zu seinem Kosmos und wird immer professioneller in der Produktion seiner Songs. Waren es Anfangs noch Coverversionen, die über den Kanal Music By Blanks veröffentlicht wurden und als lustige Unterhaltung konzipiert waren, kommt Blanks heute durchaus breit gefächerter und profilierter rüber. Seiner Lust und dem Spaß, den er versprüht, tut dies aber keinen Abbruch. Nun hat der Niederländer mit What You Do To Me einen riesigen Discosong veröffentlicht, der mit einem großen Synthiebett aufwartet und mit schmissigen, wie eingängigen Lyrics seinen ganzen Zauber entfaltet.

Blanks
Blanks

Blanks wollte dieses mal etwas ganz besonderes schaffen: Ich wollte einen Song schreiben, der sich wie nach einer Explosion von Serotonin anfühlt. ‘What You Do To Me’ fühlt sich genau danach an. Große Synthies, schnelle Drums und ein nostalgischer Vibe. Ich liebe den Song, ich hoffe, ihr auch! Dass bei diesem Hit Serotonin – auch als Glückshormon bekannt – freigesetzt wird, kann nicht bestreiten bestritten werden. Darüber hinaus lässt uns Blanks aber springen, tanzen, die warmen Sonnenstrahlen vor der Tür genießen und macht vor allem Lust auf die Zeit außerhalb der eigenen vier Wände. Mit Freunden auf Abstand an der frischen Luft sein, einen Moment lang die aktuelle Situation beiseite schieben und vor überbordenden Spaß alles vergessen – das schafft Blanks mit What You Do To Me. Aber auch mit seinen anderen Songs, die allesamt den Vibe der 80er Jahre versprühen und uns gedanklich die Nacht der Nächte feiern lässt, wird es nie langweilig.

José González - El Invento

José González – Musik, losgelöst von der Sprache

Mit AVEC hatten wir gestern bereits eine Sängerin, die mit ihren Songs so sehr berührt, dass man sich jedes Mal aufs Neue in ihre Musik verliebt. Dem Schweden José González kann man diese Fähigkeit getrost auch zuschreiben. Seitdem der Musiker mit argentinischen Wurzeln im Herbst 2003 seine Version des The Knife Songs Heartbeats als Teil seines Debütalbums veröffentlicht hat, ist er aus dem melancholischen Folk nicht mehr wegzudenken. Dabei hat der, in Göteborg lebende, Musiker in den vergangenen 18 Jahren – seit Veröffentlichung seines Debütalbums Veneer – mit In Our Nature (2007) und Vestiges & Claws (2015) erst zwei weitere Alben veröffentlicht. Auf seinem nun veröffentlichten Song El Invento singt der 42-Jährige erstmals auf Spanisch, was er seiner vierjährigen Tochter zu verdanken hat. Angefangen, an dem Song zu arbeiten, hat der Musiker bereits 2017, war jedoch nie ganz glücklich mit dem Ergebnis. Songs auf Spanisch zu schreiben und zu veröffentlichen – ist schon seit langer Zeit ein Wunsch des Schweden, doch funktionierte es nie so, dass es mit seinem Gefühl übereinstimmte. Nun hat ihm seine Tochter dabei geholfen, was wir auch wunderbar im dazugehörigen Musikvideo sehen können.

José González Credit Hannele Fernstrom
José González Credit Hannele Fernstrom

Hier können wir nicht nur die spanischen Lyrics nachlesen, sondern auch eine englische Übersetzung finden. Dabei wird klar, wie sehr die Geburt seiner Tochter den Musiker verändert hat. Den Blick auf das eigene Leben, die Bedeutung des einzelnen Charakters und den wirklich wichtigen Dingen im Leben. So singt er Zeilen, wie eine einzelne neugierige Seele, so komplex in ihrer Ruhe und in ihrem Sturm und zeigt sich dankbar über die Eindrücke, die ihm diese junge Seele jeden Tag gibt. Auch hier gibt es wieder ein Zusammenspiel aus der Gitarre und González mehrstimmigen Gesang, mit dem er so berühmt geworden ist. Dabei führt dieser mehrstimmige Gesang dazu, dass sich der Ausdruck und die Emotionen besser transportieren lassen. So klingt González nie gebrochen, nie traurig, sondern vielmehr nach einer Ruhe, die wir so nur von dem Schweden kennen. El Invento ist dabei die erste Singleauskopplung auf dem Berliner Label City Slang, bei dem González frisch einen Vertrag unterschrieben hat. Ist er hier bereits mit seiner Band Junip unter Vertrag, finden sich auch Bands und Künstler*innen, wie Roosevelt, Noga Erez, Arcade Fire oder Caribou im Portfolio. Aktuell gibt es noch keine Information, über ein neues Album von González, doch könnte El Invento das erste Anzeichen dafür sein.

AVEC - I Don't Pray

AVEC – Ein Song mit besonderer Stärke

Immer wieder bin ich fasziniert von der österreichischen Musikerin AVEC, die mit ihren Songs so unglaublich viele Emotionen vereint und dabei zwischen Sehnsucht, Melancholie und Stärke wandelt. Auf ihrem neuen Song I Don’t Pray spielt aber vor allem die Geschichte hinter dem Track eine wichtige Rolle. Denn hier geht es um den Verlust eines wichtigen Menschen. Für AVEC wohl der wichtigste Mensch überhaupt, im Bezug auf ihre musikalische Karriere. Es war ihr Onkel, der sie Mitte der 2010er dazu motivierte, stark zu sein und am Traum des Musik machens festzuhalten – als erste Person überhaupt in ihrem Umfeld, wie die Sängerin in einem Behind The Scenes Video sagt. Doch 2020 sollte sich diese Beziehung dann nochmals deutlich verstärken, hatte sie doch erfahren, dass er unheilbar erkrankt sei. So fing AVEC an, den Song I Don’t Pray zu schreiben, der sich um das Fortgehen ihre Onkels dreht. Packend dabei ist der Prozess des Songs, der sich sowohl mit Fragen vor dem Ableben, als auch mit den Gefühlen nach dem Tod beschäftigt. So singt AVEC im ersten Teil des Songs darüber, dass sie nicht weiss, wie sie damit umgehen soll, dass er nicht mehr da sein wird, nur, um etwas später mit der Tatsache des Ablebens zu arbeiten und sich zu sagen, dass es nun ok ist, dass er nicht mehr bei ihr sei.

AVEC Photo by Martin Morscher
AVEC Photo by Martin Morscher

Ebenso gilt dieser Twist dem Refrain, in dem sie singt No I don’t pray. But tonight I do, this time I do. Im Verlaufe des Songs wandelt sich die leise Ballade in eine kraftvolle Hymne der Heilung. Hier hören wir die Gefühle im Wandel, so klar und roh, wie man sie nur über den Verlust eines wichtigen Menschen finden kann. Mit einer warmen und emotionalen Stimme singt AVEC die Gefühle heraus und wird durch einen anschwellenden Sound unterstützt, der die Gewichtung wunderbar aufbaut. I Don’t Pray ist ein Gewitter an Gefühlen und Gedanken, welches die Sängerin im persönlichsten Song ihrer bisherigen Karriere mit uns teilt. Erst nicht zur Veröffentlichung gedacht, hat AVEC mit dem Abstand eines Jahres nun eine neue Sicht auf diese ganz persönliche Erfahrung erlangt und möchte ihren Onkel mit I Don’t Pray für die ganzen Erinnerungen, den Zuspruch und den festen Glauben an die Sängerin ehren und ihm danken. Mit I Don’t Pray hat AVEC einen Song geschrieben, der einmal mehr warm, emotional, stark und gleichzeitig so besonders durch die Erfahrung ist, dass man selbst fünf Minuten nach dem Song noch immer Gänsehaut hat und das Gefühl in ihrer Stimme nachhallt.

AronChupa & Little Sis Nora - Trombone

AronChupa & Little Sis Nora – Holt die Tanzschuhe raus!

Der schwedische Produzent AronChupa und Little Sis Nora sind zurück! 2014 hatten sie mit ihrer Mischung aus House und Electro Swing auf der Debütsingle I’m An Albatraoz einen so durchschlagenden Erfolg, dass sie in ganz Europa durch die Decke gingen. Während der Song es in 21 Ländern weltweit in die Top 10 schaffte – davon fünf Mal bis an die Spitze der Charts – gehört das dazugehörige Musikvideo mit über 1,2 Milliarden Views zu den am meisten angesehenen Musikvideos aller Zeiten auf YouTube. Dabei startete Aron Michael Ekberg – wie AronChupa bürgerlich heißt – erst zwei Jahre zuvor mit der Band Albatraoz seine musikalische Laufbahn. Sein Solodebüt I’m An Ablatraoz war gleichzeitig aber auch ein Familienprojekt – ist die Sängerin des Songs doch Ekbergs jüngere Schwester Nora Ekberg. Sind die meisten der bisher veröffentlichten zwölf Songs in Zusammenarbeit mit seiner Schwester entstanden, arbeitete der Schwede darüber hinaus auch schon mit Cazzette, The High und J & The People zusammen.

AronChupa & Little Sis Nora - Trombone (Video)
AronChupa & Little Sis Nora – Trombone (Video)

Nun hat AronChupa mit Trombone eine neue Single veröffentlicht, die abermals mit Little Sis Nora entstanden ist. Dabei setzt AronChupa alles auf die Electro-Swing Karte und veröffentlicht eine satte Club-Nummer, die nur eines von uns möchte – uns zum Tanzen einladen. Hier reiht sich der Produzent in die Riege der großen Hits von Acts wie Yolanda Be Cool & DCUP, Caro Emerald, Caravan Palace oder Parov Stelar ein. Dabei nimmt Trombone gleich zu Beginn so viel Fahrt auf, dass man kaum mit dem Atmen hinterherkommt. Mit schnellen Schritten, vielen Trompeten und einem mitreissenden Musikvideo lässt Trombone keinen Zweifel daran, dass es uns dazu auffordert, viel Spaß damit zu haben. Bisher hat AronChupa noch kein Album veröffentlicht, ist aber bei Sony Music unter Vertrag. Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis wir von dem Produzenten ein erstes Album vorgestellt bekommen werden. Trombone wäre auf jeden Fall die beste Werbung, die man dafür machen könnte.

Ben Böhmer & Panama - Weightless

Ben Böhmer & Panama – In neue Sphären treiben

Es braucht keine 20 Sekunden, da entstehen in unserem Kopf Bilder von fernen Landschaften – von Urwald bewachsenen Bergen, malerischen Inseln und menschenleeren Weiten. Keine Überfrachtung, keine leuchtenden Lichter von Zivilisation und doch irgendwie urban. So klingt der neueste Song des deutschen Produzenten Ben Böhmer aus Göttingen. Mit seinem Deep House hat es der Göttinger binnen kürzester Zeit von nur sechs Jahren zum renommierten Houselabel Anjunadeep geschafft. Dabei ist die Musik des 26-jährigen Produzenten sphärisch und euphorisch zugleich. 2019 veröffentlichte Böhmer mit Breathing sein Debütalbum, welches er nur ein Jahr später als Remix-Album erneut rausbrachte. Mit Live From Printworks London hatte er im vergangenem Jahr sogar ein erstes Live-Album veröffentlicht. Vor wenigen Wochen kam mit Run Away eine erste neue Single Böhmers raus, die zusammen mit Felix Raphael und Tinlicker produziert wurde. Nun folgt bereits die zweite Single und hat den umtriebigen Panama mit dabei. Auf Weightless passt alles so wunderbar zusammen, dass man sich regelrecht verlieren kann. Schließt man die Augen, fühlt sich der Körper an, wie in einem endlosen Fall, bei dem wir uns immer wieder im Kreis drehen und das prickelnde Gefühl des freien Falls genießen.

Ben Böhmer & Panama - Weightless (Video)
Ben Böhmer & Panama – Weightless (Video)

Böhmer, der in jungen Jahren Klavier und Trompete zu spielen gelernt hat, arbeitet sich durch wunderbare Harmonien aus schwebenden Synthies und tiefen Bässen, die sich nach dem Moment unseres Lebens anfühlen. Durch Panamas warme Vocals entsteht gleichzeitig eine melancholische Stimmung, die uns an die ganzen verpassten Gelegenheiten erinnert, die wir in den vergangenen zwölf Monaten mit unseren Freunden hätten haben können. Weightless liegt schwer auf dem Herzen, lässt unsere Gedanken fliegen und Gefühle aufkommen, die von Zerrissenheit, Wärme, Melancholie und Zufriedenheit getrieben sind. Gleichzeitig bringt uns der Song aber auch zum tanzen. Mit geschlossenen Augen, die Arme in die Luft gestreckt sehen wir uns dann plötzlich wieder in den fernen Landschaften, die eingangs bereits die perfekten Bilder geliefert haben. Böhmer ist damit auf dem besten Weg, sich in die vorderste Reihe der Deep House Produzenten in Deutschland zu arbeiten.