Sia - Hey Boy

Sia – Kehrt zu ihren Ursprüngen zurück

Zusammen mit dem französischen Star-DJ David Guetta hatte die australische Sängerin Sia Anfang der 2010er Jahre ihren internationalen Durchbruch gefeiert. Mit Songs, wie Titanium, She Wolf (Falling In Pieces), Wild One Two, Bang My Head oder Flames schaffte es die eigenwillige Sängerin an die Spitze der Charts weltweit. Dabei geht fast unter, dass die Singer/Songwriterin auch mit Acts, wie Kendrick Lamar, Sean Paul, The Weeknd, Flo Rida, Giorgio Moroder oder Zayn zusammengearbeitet hat. Zumeist eint alle Songs ein elektropoppiger Beat, der durch seine Eingängigkeit direkt ins Ohr geht. Dass dieser Weg eine lange Vorgeschichte hat, zeigt sich erst, wenn man sich die Diskografie der Sängerin anschaut. Denn bereits vor 23 Jahren veröffentlichte Sia Kate Isobelle Furler – wie Sia vollständig heißt – mit OnlySee (1997) – ihr Debütalbum. Nach einem 2-Step orientierten zweiten Album Healing Is Difficult (2001) folgte mit Colour The Small One (2004) nicht nur das dritte Album, sondern auch ein Wechsel der Musikrichtung – hin zu Folk und Jazz, gepaart mit elektronischen Elementen. Auf diesem Album war auch die Single Breathe Me zu finden, die als musikalische Untermalung des Serienfinales der erfolgreichen HBO-Serie Six Feet Under für einen enormen Bekanntheitsschub sorgte und der Sängerin weltweite Chartplatzierungen einbrachte.

Sia
Sia

Mit dem Song Clap Your Hands – aus dem fünften Album We Are Born – kam schließlich eine unerwartet poppige Dance-Rock-Nummer raus, die nach vorne ging und für guter Laune sorgte. Nun knüpft Sia genau an diesen Sound an und hat mit Hey Boy einen Song veröffentlicht, der quietschiger und fröhlicher nicht klingen könnte. Mit gerade einmal zweieinhalb Minuten ist Hey Boy die dritte Singleauskopplung aus dem Soundtrack, des Films Music, der höchstwahrscheinlich Mitte Februar 2021 veröffentlicht wird. Hierbei ist Sia Furler nicht nur die Sängerin des Original Soundtracks, sondern gleichzeitig auch die Autorin und Regisseurin des kommenden Films mit Kate Hudson und Maddie Ziegler. Letztere hatte bereits durch die Tanzperformances in Sias Musikvideos zu Chandelier und Elastic Heart für Staunen gesorgt. Hey Boy ist eine großartige Popnummer, die mit Schalk und Spaß überzeugt und Sia nach langer Zeit nun erstmals wieder zurück zum catchigen Pop bringt, der sie einst einen Schritt weiter in Richtung Erfolg gebracht hat.

Harry Styles - Golden

Harry Styles – Mit aller Macht dem Alltag entfliehen

Selten zeigte sich ein Freigeist in den letzten Jahren stärker, als beim britischen Musiker Harry Styles. Mit seinem aktuellen Album Fine Line, das sich bisher über 3,6 Millionen Mal verkaufte, zeigt der britische Musiker nach seinem Debütalbum Harry Styles (2017) bereits ein zweites Mal, dass man sich nicht sicher sein kann, was man von dem Musiker zu erwarten hat. Denn mit Einflüssen aus Funk, Pop, Britpop, Indie, Soul und Folk, sowie Rock sind seine Songs so vielseitig wie individuell. Mit Lights Up, Adore You, Falling und Watermelon Sugar hat Styles bisher bereits vier Singles aus dem aktuellen Album veröffentlicht. Nun kommt mit Golden die fünfte Single dazu und lässt uns ein noch größeres Fernweh empfinden, als wir es eh bereits in diesem Jahr besitzen. Auch wenn das Musikvideo dieses Gefühl aufgreift, braucht der Song selbst die Bilder von fernen Ländern und ausgelassenen Momenten gar nicht zwingend. Mit schnellen Gitarren und einer unglaublich euphorischen Bridge kommen ab Sekunde eins Bilder in unseren Kopf, die uns aus unserem Alltag und dem runtergefahrenen Lebensgefühl des Jahres 2020 reißen und eine Flucht aus eben diesem Alltag bedeuten.

Harry Styles
Harry Styles

Hier entfesselt sich ein Lebensgefühl, das von der Lust auf Entdeckungen, Abenteuer und pure Freude lebt und in uns den Wunsch auf mehr wachsen lässt. Styles hat es geschafft vom Boyband-Mitglied zum angesehenen Musiker zu werden, der sich individuell, authentisch und eigen zeigt. Gleichzeitig gibt Golden – als ersten Track auf Fine Line – die Richtung des Albums vor und vermittelt ein ungemein sommerliches Gefühl. Im dazugehörigen Musikvideo sehen wir schließlich Styles auf den Straßen Italiens tanzen und den Moment genießen. Dabei kommt es immer wieder zu losen Momenten, bei denen die Italiener, den britischen Musiker erkennen und ihm ein Grinsen entlocken. Harry Styles hat ein Album veröffentlicht, das ein Lebensgefühl vermittelt, welches wir alle brauchen, um unsere Batterien wieder aufzutanken und bleibt dabei durch seinen Musikmix so offen, dass sich Menschen verschiedenster Altersgruppen und Musikgeschmäcker plötzlich treffen. So munkelt das Billboard Magazine auch schon, dass sich Styles gute Chancen auf gleich mehrere Nominierungen für die Grammy Awards ausrechnen kann. Mit Golden beweist er einmal mehr, dass er allemal das Zeug dazu hat.

Freyr - You Want Love

Freyr – Ein Song, der das Bergpanorama absucht

Es ist ein Song, wie für die Untermalung eines Panoramas gemacht. Da hören wir, wie die sanften Gitarrensaiten ihre Töne vibrierend verbreiten und lauschen entspannt zu Freyr Flodgrens warmer Stimme. Hier kommt unweigerlich ein Bild vor Augen, das von Einsamkeit, Wärme und Ferne geprägt ist. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt sich in einem Interview Flodgrens, der hier sagt, dass er den Song während eines Aufenthaltes in Vancouver aufgenommen und das Panorama der hohen Berge genossen hat. Mit You Want Love schauen wir also auf ein Bild, in dem sich unzählige Details verstecken. Beeindruckt von den schieren Ausmaßen der Berge, finden wir mal eine Straße, in der aus der Ferne immer wieder Scheinwerfer – wie kleine Glühwürmchen – entlang des Hanges ziehen, mal sind es Wolken, die sich im Berg verhangen zu haben scheinen und jeden Moment einen Schneeschauer auslösen könnten. Die Augen ziehen mit wenigen Bewegungen ihre Kreise auf einer Fläche, die so groß scheint, dass man sich vor Ort darin verlieren würde.

Freyr Flodgren
Freyr Flodgren

Freyr schafft es in seinem neuen Song, genau dieses Gefühl von Neugier, Faszination, Ruhe und Wärme zu verbinden und sorgt für eine Atmosphäre, die sich an uns anzuschmiegen scheint. Hier finden wir Geborgenheit und Gemütlichkeit und hören einen der wohl passendsten Songs für die aktuelle Jahreszeit – in der man sich Abends gerne in eine Decke einkuschelt, die Kerzen anmacht und draußen, auf der anderen Seite des Fensters, das raue Wetter vorbeiziehen sieht. You Want Love ist ein Song, um sich darin zu verlieren und strahlt mit einer Wärme, die von innen heraus kommt. Mit You Want Love veröffentlicht de Schwede mit isländischen Wurzeln – nach Avalon – den zweiten Song aus seinem, für Mai 2021 angekündigten Album, welches uns bereits jetzt das Herz höher schlagen lässt. Freyrs Musik ist ein Schatz, der so pur und authentisch ist, dass man sich ihm und seiner Stimme nur ergeben kann.

Beatsteaks - Glory Box

Beatsteaks – Darf man diesen ewigen Überhit covern?!

Es ist ein Song, der das Wort Geschichte nicht besser beschreiben könnte. Denn während wir heute die Interpretation der Beatsteaks hören, hat Glory Box von Portishead bereits einen jahrzehntelangen Weg hinter sich, der bei dem britischen Duo nicht etwa aufhört, sondern bis in das Jahr 1969 zurückgeht. Stammt das Original des Songs von der belgischen Band Wallace Collection, war es in den BeNeLux-Staaten ein riesiger Erfolg. Doch obwohl der Song auf Englisch gesungen wurde, blieb ein Erfolg in den englischsprachigen Ländern weitestgehend aus. Ende der 80er Jahre nahm sich der Oscar- und Grammy-Award-Gewinner Isaac Hayes – der sich für den Theme-Song des Films Shaft verantwortlich zeichnet – die Melodieabfolge vor und veröffentlichte mit Ike’s Rap 2 eine Version des Songs, den wir bis heute kennen und lieben. Auf dem 1994er Debütalbum Dummy, des – aus Bristol in Großbritannien kommenden – Duos Portishead, befand sich ein Song, der für die Folgejahre richtungsweisend sein sollte. Denn mit Glory Box schaffte die Band nicht nur in Großbritannien ihren Durchbruch, sondern verbreitete den britischen Sound des Trip-Hops auch weltweit. Gleichzeitig hauchte die Frontsängerin Beth Gibbons dem Song eine Atmosphäre von Mystik, Distanz und Lethargie ein, wie wir es faszinierender nie wieder zu hören bekamen. 2001 stieß schließlich das, ebenfalls aus Großbritannien kommende, Duo I Monster auf die Liste der Interpretationen der Melodiefolge von Wallace Collection hinzu und veröffentlichte ihren Song Daydream In Blue.

Beatselfie Credit Beatsteaks
Beatselfie Credit Beatsteaks

Doch auch wenn es immer wieder Bands und Künstler gab, die diese ganz markante Melodie und das Gefühl des Songs versuchten zu kopieren, blieb Portisheads Version bis heute unerreicht. Nun haben die Beatsteaks aus Berlin die zweite Single aus ihrer, am 11. Dezember erscheinenden EP In The Presence Of herausgebracht und somit ihre Version des Portishead Songs veröffentlicht. Dabei zeigen die Beatsteaks, nach der Coverversion von Monotonie, erneut, wie hoch sie die Interpretinnen schätzen, deren Songs sie covern. Denn auch auf Glory Box behalten die Beatsteaks diese mystisch, bedrohliche Atmosphäre von Gibbons bei. Was der Band allerdings nicht gelingt und auch nicht gewollt zu sein scheint, ist die Fragiliät, die Gibbons auf Glory Box in ihre Stimme legt. Die Beatsteaks brechen behutsam aus dem lethargischen Korsett des Portishead-Songs aus und lassen mit überwältigenden Gitarrensoli und berstenden Drums eine Wand von Sound entstehen, ehe im nächsten Moment wieder alles in sich zusammenfällt und zum Gefühl des Bristoler Duos zurückkehrt. Sind mit Monotonie und Glory Box nun bereits zwei Songs der kommenden EP bekannt, halten die Beatsteak die vier noch ausstehenden Songs weiterhin streng geheim – umso größer wird die Überraschung mit jedem weiteren Release und dürfte vor der EP-Veröffentlichung bestimmt noch ein Song zur Vorabveröffentlichung drin sein.

L'aupaire feat. Martin Rott - Bubbles

L’aupaire – Musikalisch neu aufstellen

Mit Rollercoaster Girl gelang dem Gießener Musiker L’aupaire 2014 ein sensationeller Erfolg. Mit einer Mischung aus rauer und gefühlvoller Stimme und treibenden Sounds wurde er schnell vom Geheimtipp zum gefragten Act in Radioshows, auf Festivals und auf der Konzertbühne. Das dazugehörige Album Flowers landete schließlich 2016 auf Platz 51 der deutschen Albumcharts. Mit den darauf enthalten Songs wurde die Nachfrage nach dem – mittlerweile in Berlin lebenden – Musiker schließlich so groß, dass er die Reißleine ziehen musste und sich eine Auszeit nahm. Der Druck und das ständige Touren führten bei Robert Laupert zu einem Überdenken seiner Arbeit. Nach einigen Monaten ohne jegliche Gedanken an die Musik schlossen sich plötzlich Türen und öffneten sich woanders, wie der Musiker dem Gießener Anzeiger in einem Interview erzählte. Dabei kam wieder neuer Elan auf und plötzlich sprudelten die Ideen für neue Songs. Hier schloß sich auch die Tür bei dem Plattenlabel Virgin Records – bei dem L’aupaire noch sein Debütalbum veröffentlichte – und öffnete sich eine andere bei Vertigo Music. Mit Reframing folgte im August 2019 L’aupaires zweites Album für das es auch eine kleine Deutschlandtour geben sollte. Doch nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung des neuen Albums teilte L’aupaire über seine sozialen Kanäle mit, dass er auf unbestimmte Zeit keine Konzerte mehr geben kann. Dies zahnt in den Reaktionen seines Körpers, der ihm genug Zeichen gesendet habe, diesen Schritt zu gehen – so der Musiker. Wer die Songs L’aupaires kennt, wird wissen, dass alle gemein einer Intimität und Gefühlswelt entstammen, die nicht auf Hektik, hartem Abliefern und Dauer-Druck-empfinden fußen, sondern durchzogen sind, von weichen, emotionalen Gefühlen und Erlebnissen.

L'aupaire
L’aupaire

Während sich L’aupaire über die vergangenen zwölf Monate somit immer wieder freischwamm und durch Erlebnisse – wie die Geburt seines zweiten Kindes oder die Eindrücke eines Roadtrips mit seiner jungen Familie – neue Kraft fand, entstand daraus auch wieder neue Musik. Die dabei veröffentlichten Songs bilden die Vielfältigkeit des Musikers ab, wie wir es bisher kaum zu hören bekamen. Ob mit dem körperlichen Flamenco, dass von den unzähligen ersten Malen handelt, die man im Leben erlebt, oder dem unglaublich warmen Ocean Girl bei dem wir ganz persönliche Einblicke in L’Aupairs Familienleben bekommen und bei dem er über die Verantwortung für seine kleinen Kinder singt und ebenso darüber, diese Verantwortung auch wieder abgeben zu können, um sie auf ihren eigenen Weg zu schicken. Nun hat L’aupaire mit Bubbles die dritte Singles dieses Jahres veröffentlicht und einen gänzlich neuen Sound eingeschlagen. Gänzlich neu ist dabei, dass die Erstversion der Veröffentlichung ein grooviger Dancesong ist, der mit 80er-Jahre Synthies aufwartet und von Martin Rott – der bereits mit Wallis Bird, Alexa Faser, Max Giesinger und Stephanie Neigel zusammenarbeitete – einen neuen Mix erhielt. Rott hat dabei gerade erst Ende August seine Debüt-EP Circles veröffentlicht und aus L’aupaires Folk- und Blues-Sound eine tanzbare, lebensbejahende Dancepopnummer gemacht. Hierbei kommt ein Retrogefühl auf, welches uns Bilder in den Kopf setzt, wie man in den 80er-Jahren, zusammen mit seinen Freunden, zum nächsten Kiosk gegangen ist, um sich für ein paar Pfennige Süßigkeiten und Kaugummis kaufen zu können. Mit Bubbles gibt uns L’aupaire einen Eindruck von der Vielfalt, die noch in ihm schlummert und macht gleichzeitig Lust auf die kommenden Veröffentlichungen. Alles braucht seine Zeit – auch für Künstler gilt dies, um ganz bei sich selbst zu bleiben.

girl in red - two queens in a king sized bed

Girl In Red – Besinnliche Töne

Im Winter 2018/2019 schallte es durch alle Indie-Radios – My girl, my girl, my girl. You will be my girl. Dabei hatte die Norwegerin Marie Ulven – alias girl in red – mit Songs, wie we fell in love in october, i’ll die anyway oder midnight love und ihrer – im September 2019 veröffentlichten – Single-Compilation Beginnings, eine Zusammenstellung aus ihren beiden bisher erschienenen EPs Chapter 1 und Chapter 2 rausgebracht, die viel dazu beitrug, die Bedroom-Produzentin auch auf die internationale Bühne zu heben. Mit ihren 21 Jahren hat sich girl in red mittlerweile zu einer beliebten Indie/Dreampop-Musikerin gemausert, die mit ihren zumeist intimen Songs zudem auch immer direkt und klar ist. Nun hat uns girl in red mit ihrer neuen Single two queens in a king sized bed aber gerade komplett überrascht. Denn während ihre bisherigen Songs auch eine gewisse Pragmatik widerspiegeln, spielt sie auf ihrem neuen Song plötzlich mit Traditionen. Da kommen Glocken und heimelige Töne auf und lassen die Worte Christmas und Mistletoe ertönen. Und plötzlich hat uns girl in red – ohne, dass wir es vermutet haben – einen satten Popsong geliefert, der so zuckersüß und weihnachtlich ist, dass wir glatt schon die roten Mützen aufsetzen möchten.

girl in red - two queens in a king sized bed (Video)
girl in red – two queens in a king sized bed (Video)

Sie selbst hat den Song aus dem Moment geschrieben, in dem sie mit einer sehr engen Person am Weihnachtsmorgen im Bett lag, ihre Haut sich wärmend berührten und sie diesen Moment für immer festhalten wollte. Hier tauchen wir musikalisch in eine Szene ein, in der man aus dem Schlafzimmerfenster die Schneeflocken rieseln sieht. Gleichzeitig baut sich das Bild einer Blockhütte in den Wäldern mit ganz viel weihnachtlicher Stimmung auf und lässt den Song fast schon klassisch klingen. Doch auch wenn girl in red mit two queens in a king sized bed äußerst poppige Pfade einschlägt, bleibt sie textlich auch immer bei sich und singt über zwei Frauen und einem trotzigen There’s no mistletoe above our heads. But i’ll kiss you anyway. On christmas day. Yea i’ll kiss you anyway. In christmas day. Bereits im Frühjahr kündigte girl in red mit World In Red ihre Debütalbum für Oktober 2020 an und bekräftigte noch im Mai in einem NME-Interview [Die Corona-Pandemie] kann World In Red nicht aufhalten, Baby! Bisher müssen wir leider feststellen, dass es doch dazu gekommen sein muss und hoffen mit girl in red darauf, dass wir schnellstmöglich das Debütalbum der norwegischen Sängerin zu hören bekommen.

Tones And I - Fly Away

Tones And I – Der universelle Sound

Mit Dance Monkey hatte die australische Sängerin und Songwriterin Tones And I einen Überraschungshit veröffentlicht, der auch heute noch – anderthalb Jahre nach seiner Veröffentlichung – in den Charts weltweit vertreten ist. Dabei hat es Dance Monkey nicht nur in sagenhaften 38 Ländern auf Platz 1 der länderspezifischen Charts geschafft, sondern gleichzeitig auch noch einen Rekord nach dem anderen gebrochen. Allein in ihrem Heimatland Australien stand der Song sagenhafte 24 Wochen auf Platz 1 der Singlecharts und löste sogar den dortigen Allzeitrekordhalter White Christmas von Bing Crosby ab – der immerhin 77 Jahren lang keine ernstzunehmende Konkurrenz hatte. Gleichzeitig schnellten die Verkaufs- und Streamingzahlen überall in die Höhe und verkaufte sich Dance Monkey bis heute über 11 Millionen mal. In Deutschland stand Dance Monkey 10 Wochen auf Platz ein, war satte 34 Wochen in den Top-10 und ist aktuell – in Woche 66 – immer noch nicht aus den Charts wegzudenken. Und obwohl Dance Monkey noch immer rege im Radio gespielt und gekauft wird, hat die Australierin Toni Watson mit Fly Away nun einen weiteren neuen Song veröffentlicht. Was auffällt ist, dass der Sound von Tones And I universell und gerade deshalb so langlebig und erfolgreich ist. Denn einmal mehr wird auf Fly Away die unverwechselbare Stimme der 27-jährigen Sängerin von einem positiven und euphorischen Elektropop-Sound begleitet.

Tones And I
Tones And I

Neben dem unglaublich eingängigen Sound ist es auch die Message, die einmal mehr inklusiv ist und versucht, alle zu erreichen. Hier geht es der Sängerin um die eigenen Träume, die jeder hat. Das Musikvideo zu ihrem neuen Song zeigt dann auch Menschen aller Hautfarben, Herkünfte und Orientierungen. Dabei möchte Tones And I den Menschen zeigen, was im Leben glücklich macht und was die Menschen zu glauben scheinen, was sie glücklich macht. Hier hat sich die Australierin ihren Großvater als Beispiel genommen, der in seinem hohen Alter über vieles aus seinem Leben glücklich ist. Dabei zeigt sich, dass mit dem heutigen Jagen nach Likes auf den sozialen Kanälen, dem Präsentieren materieller Werte, wie Klamotten und Consumer Electronics und der eigene Schein nicht zu dem Gefühl des glücklich seins beitragen, wie eine innige Freundschaft, einen vertrauten Menschen zu sehen oder sich zu verlieben. Diese Messages sind es, mit denen Tones And I die Menschen überall auf der Welt erreicht. Und das nicht nur über ihre Musik, sondern eben auch über die Geschichte hinter den Songs. Fly Away könnte dabei nach ihrer erfolgreichen Debüt-EP The Kids Are Coming (2019) der erste Vorbote für ein kommendes Debütalbum sein. Musikalisch schafft es Tones And I damit einmal mehr, einen Ohrwurm zu erzeugen und für gute Laune zu sorgen.

The Best Of 2020 Vol. 16

The Best Of 2020 Vol.: 16

01. Billie Eilish – Therefore I Am (zum Artikel)

02. Nora En Pure feat. Tim Morrison – Come Away (zum Artikel)

03. Julia Stone – Dance (zum Artikel)

04. Jeremias – hdl (zum Artikel)

05. Clueso – Aber Ohne Dich (zum Artikel)

06. Anna Of The North – Believe (zum Artikel)

07. Axel Flóvent – Tonight (zum Artikel)

08. Chet Faker – Low (zum Artikel)

09. Emma McGrath – Mad About You (zum Artikel)

10. Kristofer Åström – In The Daylight (zum Artikel)

11. Hot Chip feat. Jarvis Cocker – Straight To The Morning (zum Artikel)

12. Lastlings & RÜFÜS DU SOL – No Time (RÜFÜS DU SOL Remix) (zum Artikel)

13. Lea Porcelain – Choirs To Heaven (zum Artikel)

14. NEØV – Burnt My Fingers (zum Artikel)

15. Lui Hill – Creatures (zum Artikel)

16. Monolink – Sinner

17. Simen Mitlid – While Heaven Is On Fire

18. Sukie – Sober (zum Artikel)

19. Tia Gostelow feat. Holy Holy – Always (zum Artikel)

20. Sean Christopher – In Circles (zum Artikel)

21. John Summit & Guz – Thin Line (zum Artikel)

lùisa - Deep Sea State Of Mine

lùisa – Flutende Erwartungen

Wir sind die Gesellschaft des Optimierens. Der Satz sitzt. Egal, wohin wir gucken, überall werden uns Aufforderungen, das beste aus uns herauszuholen, uns zu verändern, uns anzupassen und gleichzeitig unsere Individualität herauszuarbeiten gefordert. Nur – um in der Gesellschaft anzukommen und ein vermeintlich erfolgreiches Leben zu führen. Der daraus entstehende Druck wird dabei immer öfter zum psychischen Problem und endet nicht selten auch in einer körperlichen Erkrankung. Dabei zieht sich dieser Druck durch alle Generation. Ob die Generation Z – die sich in der digitalen Welt versucht zu behaupten oder Generation Y – die mit einem ständigen Druck, mehr erreichen zu müssen durchs Leben gehen. Die Schlagzahl an Aufgaben, Herausforderungen, Erwartungen und Momenten des vermeintlichen Scheiterns fluten uns hierbei regelrecht. Die Hamburger Sängerin lùisa hat dafür eine musikalische Antwort geschrieben und mit Deep Sea State of Mind einen starken Song veröffentlicht, der Größe und Verletzlichkeit ausstrahlt.

lùisa
lùisa

Dabei sagt sie über den Song, Man sagt uns, wir sollen uns optimieren und konstanten Output liefern. Manchmal fühlt sich alles zu viel an, zu hell, zu laut, wir verlieren die Verbindung zu dem, was wirklich wichtig ist. Dann sucht unser Geist tiefergehende Antworten, und wir brauchen den Raum, in dem wir die eigene Verletzlichkeit und Traurigkeit nicht als Schwäche sehen, sondern als unsere menschliche Tiefe. Mit dieser menschlichen Tiefe als reinigende Kraft schaffen wir einen Katalysator für den Druck, dem wir ausgesetzt sind. In Deep Sea State of Mind singt lùisa mit einer kräftigen Stimme über einen wabernden Beat, der sich schwer und träge im Raum verteilt. lùisa wechselt dabei einige Male ihre präsente Stimme und klingt mitunter, als würde sie brechen. Nach den beiden Alben One Youth Ago (2012) und Never Own (2015) kündigt die Wahlhamburgerin für das Frühjahr 2021 ihr drittes Studioalbum an, für das noch kein Name oder genaueres Veröffentlichungsdatum feststeht. Deep Sea State of Mind ist der beste Vorbote, den die 28-jährige Sängerin veröffentlichen kann und lässt uns in einen Traum von einen Song eintauchen.

Nathan Ball - All Comes Back To You

Nathan Ball – Wo gehör ich hin?

Es erstaunt fast ein wenig, dass wir von Nathan Ball neues Material zu hören bekommen, welches keinen elektronischen Beat unterlegt hat. Mit den letzten beiden Kollaboration auf Faithless‘ This Feeling und Icarus‘ Meet Me There hat sich der, aus Südwestengland kommende, Singer/Songwriter auf ungewohntes Terrain begeben. Weg war sein ruhiger Folksound und gaben plötzlich Dancebeats den Ton an. Dabei kennen wir Ball durch seine Songs Call It Love, Right Place und Echo eher aus dem Folk-Bereich. Nun hat der Brite mit seinem neuen Song All Comes Back To You einem Gefühl Bilder verliehen und zeigt uns eindrucksvoll seine Momentaufnahme des ersten Lockdowns. Geschrieben in seiner Heimat Cornwall, hat der Song die Einsamkeit und Verlorenheit als Ursprung. Denn während sich im Lockdown Paare und Familien gegenseitig stützen können, hatte man es als Single äußerst schwer.

Nathan Ball
Nathan Ball

Die daraus resultierende Einsamkeit baute sich in Ball immer mehr zu einem verloren fühlen auf. Dabei ist All Comes Back To You eine reduzierte Ballade, die sich ganz auf die Gitarre und den Gesang Balls konzentriert. Hier kommt eine Stimmung auf, die sich von dem Wunsch eine Neupositionierung speist. Das Gefühl des verloren seins ist dabei allgegenwärtig und gibt uns ein Gefühl von Trauer, Abschiedsgedanken und rohen Gefühlsausbrücken. Und es zeugt von einem Sänger, der seine durcheinander geratenen Gefühle aufgrund der ganzen Geschehnisse um ihn herum nicht mehr einordnen kann. Im Stile des zweiten Ben Howard Albums I Forget Where We Were ist Nathan Balls neue Single noch reduzierter und spricht eine musikalisch ästhetische Sprache, die sich über die sanften Nuances in Balls Stimme zu transportieren wissen.