The Naked And Famous - Bury Us

The Naked And Famous – Zurück zu alter Stärke

Nach ihrem Ausflug in die Dancepop-Welt mit ihrer Single Sunseeker haben die Neuseeländer von The Naked And Famous nun mit Bury Us eine erste offizielle Single aus ihrem – im Mai erscheinendem – vierten Album veröffentlicht. Dieses wird Recover heißen und der Name wohl bedacht gewählt worden sein. Denn mit ihrem dritten Album Simple Forms verpassten sie nicht nur in ihrem Heimatland die Top-10 der Albumcharts, sondern verloren in allen Musikmärkten, in denen sie vormals erfolgreich waren, an Platzierungen oder generellen Einstiegen in die Albumcharts. Hier klingt das Wort Recover gleich viel gewichtiger. Heißt es doch sinngemäß, dass sich das einstige Quintett selbst retten und regenerieren möchte. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Bury Us scheint ihnen dieses auch vollends gelungen zu sein. Denn hier klingen The Naked And Famous wieder wie auf ihrem Debütalbum und gehen mit ordentlich Dampf durch die etwas mehr als drei Minuten. Gleichzeitig durchlebte die Band in den letzten Jahren ein wahres Erdbeben. Denn aus dem Quintett von vor 4 Jahren ist nun mit Alisa Xayalith und Thom Powers ein Duo geworden, welches Gastmusiker für ihre Liveauftritte verpflichtet. Für The Naked And Famous beginnt mit Recover ein komplett neues Kapitel, welches spannend ist und gleichzeitig musikalisch alles umhaut.

Blanks - Sweaters

Blanks – Schärft sein Profil spielerisch

Letztes Jahr hatte der junge Influencer, Instagram- und Youtubestar Blanks mit gleich zwei Songs für ein erstes Aufhorchen gesorgt. Denn sowohl Don’t Stop als auch Let’s Get Lost waren zwei satte Ausrufezeichen in die Richtung des Pop-Olymps. Sein Markenzeichen: verspielte Sounds mit enormen Ohrwurmcharakter. Dabei kommt hinzu, dass Simon de Wit – wie Blanks bürgerlich heißt – eine unglaublich markante Stimme hat und hier und da an die verrückten Songs von Mika erinnert. Während Mika sich momentan mit einem Abflauen seines Erfolges beschäftigen muss, zeigen die Zeichen für Blanks genau in die entgegengesetzte Richtung. Nun hat der Niederländer mit Sweaters einen neuen Song veröffentlicht und tritt dabei in die Fußstapfen so großer Hits wie von den Bag Raiders,  Empire Of The Sun oder vor allem Gipsy & The Cat. Denn mit einem sommerlich leichten Sound und Blanks markant, hoher Stimme wird Sweaters schnell zu einem lockeren Sommerhit, der sich so sehr in den Kopf setzt, dass man ihn mindestens bis zum kommenden Sommer nicht mehr rausbekommt. Dass Blanks auch mit dem dazugehörigen Musikvideo zu überzeugen weiss, liegt an seinem Youtube-Kanal, der mehr als eine Million Follower hat – denn hierfür produzierte der 22-jährige Musiker schon mehr als 70 Videos. Blanks hat alles, was man braucht, um einen Hit zu landen – nun fehlen nur noch die Radiostationen, die Sweaters in ihre Playlists aufnehmen müssen.

Blossoms – Ein Song, wie ein alter Freund

Schaut man sich das Musikvideo an, bekommt man das Gefühl eine Videokassette des New York Urlaubs 1987 anzusehen. Mit ganz viel  Nostalgie, Schlaghosen, schlechter Bildqualität und wunderbarem Refrain präsentieren sich die Briten von Blossoms auf ihrem neuesten Song The Keeper so wunderbaren, dass man sich an die großen Pophymnen der 80er Jahre zurückerinnert fühlt. Hier trifft neuer, herzlicher Indiepop auf sein altes Ich und lässt Vergleiche mit den Singles Getaway und Blown Rose kauf zu. Denn mit The Keeper sind Blossoms zwar irgendwie glatter geworden, haben aber trotzdem ihre Identität nicht verloren und klingen nach wie vor so sehr nach Indie, dass man schmerzlich daran zurückerinnert wird, dass Indie und Rock in den 2010ern einen langsamen Tod starben. Umso erfreulicher ist es, dass Blossoms mit Foolish Loving Spaces nun am 31. Januar endlich ihr drittes Studioalbum veröffentlichen werden. Laut Frontsänger Tom Ogdens ist The Keeper eine fundamentale Liebeserklärung an die Liebe und konnte von den Jungs einzig und allein in New York umgesetzt werden.Mit dieser euphorischen Liebe zur Musik und zu sich selbst lassen Blossoms The Keeper zu einem zeitlos wundervollen Stück der Musikgeschichte werden.

Shallou feat. Daya - Older

Shallou – Steigert sich mit Kollaboration

Es ist eine traurige Grundstimmung, die uns Shallou auf seiner neuen Single Older eingangs präsentiert. Nur von einem Klavier begleitet singt sich der Featuring-Act Daya durch den Anfang des Songs und blüht schließlich zum Refrain auf, wie eine Blühte, die sich nach einer frischen Nacht, für die ersten Sonnenstrahlen des Tages, bereithält und die Blühte öffnet. Dabei setzt ein epischer Elektrosound ein, der an große Balladen erinnert. Gleichzeitig geht Dayas Gesang in eine, vom Vocoder, künstlich bearbeitete Stimme über, die dem Song hierbei eine gewisse Distanz verleiht. Mit Older veröffentlicht Shallou, nach Fading im Dezember, bereits die zweite Single innerhalb von nur sechs Wochen und lässt damit einmal mehr die Frage nach einem Album aufkommen. Denn mit der Marketingstrategie, die sich hier gerade wahrnehmen lässt, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis der US-Amerikaner sein Debütalbum veröffentlicht. Gleichzeitig hat Shallou aber auch zwei EP’s in kürzester Zeit veröffentlicht und lässt damit, zumindest auf eine neue EP hoffen, obgleich der Wunsch nach einem Debütalbum deutlich überwiegt.

Eminem - Darkness

Eminem – Die brutale Realität

Vor genau 20 Jahren veröffentlichte Eminem mit Stan einen Song, der die fanatische Liebe eines Fans beschreibt. Im Verlauf des Songs verändert sich jedoch die einstige Verehrung zu blanker Aggression, denn obwohl Stanley – kurz Stan – seinem Idol unzählige Briefe schreibt, folgt nie eine Antwort. Fanatismus ist kein Phänomen, welches es nur in den USA gibt, doch gleichwohl ist es hier äußerst ausgeprägt. Denn 20 Jahre nach Stan ist Eminem nun mit dem Song Darkness zurück, der das Massaker von Las Vegas 2017 zum Thema macht. Dabei teilt sich der Song in zwei Positionen auf. Die ersten knapp 4 Minuten singt und rappt Eminem aus dem Blickpunkt des Attentäter mit all seiner kruden Sichtweise. Im zweiten Teil des Songs kommen die Beobachtungen der Öffentlichkeit zum tragen und zeigen mit unzähligen Breaking News Schnipseln, wie die Medien darauf reagieren. Gleichzeitig ruft Eminem aktiv auf, dass die Menschen ihre Stimme erheben und für eine Veränderung der Waffengesetze stimmen sollen. Mit der Frage When Will This End? stellt Eminem den Betrachter des Musikvideos die Aufgabe zu reagieren und beantwortet die Frage schließlich mit dem Satz When Enough People Care. Dass Eminem dieses Thema so konfrontativ angeht, und damit riskiert in den USA in Ungnade zu fallen, scheint dem Rapper nicht zu interessieren. Mit Darkness hat sich Eminem gleichzeitig eine der bekanntesten Textzeilen der Musikgeschichte ausgesucht und untermalt den kompletten Song immer wieder mit Hello Darkness, My Old Friend aus dem Simon & Garfunkel Song The Sound Of Silence. Eminem schafft es immer wieder sowohl das Rap- und Hip-Hop-Lager zu erreichten, als auch den großen Mainstream mitzunehmen und hat sich so in den vergangenen 25 Jahren – seit seines Debütalbums Infinite – eine beachtliche Fangemeinde und Diskografie aufgebaut. Diese nutzt er nun, um die US-Bevölkerung aufzurütteln. Gleichzeitig ist heute mit Music to Be Murdered By sein elftes Studioalbum erschienen und wird dem Titel zufolge noch weitere, politisch untersetzte, Songs beinhalten.

Agnes Obel - Broken Sleep

Agnes Obel – Ein Theaterstück von Musik

Schon 1995 besangen Faithless mit Insomnia die Schlaflosigkeit, die sie umtrieb. Damals wie heute ist Schlaflosigkeit ein Thema – vor allem bei Künstlern. Der Drang kreativ zu sein und seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, ist oftmals der Ursprung dieser Insomnie. Auch die dänische Sängerin Agnes Obel hatte damit zu kämpfen. Während sich Obel genau in Mitten ihrer Schlaflosigkeit aufgemacht hat, diese zu erforschen, wurde ihr bewusst, wie sehr sich Tod und Schlaf in unserer Gesellschaft ähneln. Dabei hat sich Obel von diesem Thema so sehr inspirieren lassen, dass sie ihm einen eigenen Song auf ihrem kommenden Album Myopia gewidmet hat. Broken Sleep ist hierbei so wunderbar unaufgeregt und mystisch, dass man sich in eine Fabelwelt voller beeindruckender gestallten wiederfindet. Mit einer Dramatik im Gesang lässt uns Obel teilhaben an einer Fabelwelt, die gespickt ist, von schlaflosen Wandlern, mystischen Tieren und beeindruckenden Farben. Wer Obels Songs hört, wird dies schnell erleben. Zeugt ihre Musik doch von warmen, gesättigten Farben, die an Ausdruck nichts verlieren und stets das innerste Verlangen nach Geborgenheit ansprechen. Myopia wird am 21. Februar erscheinen und Obel anschliessend auf Tour gehen.

Meadows - Empty Windows

Meadows – Sanft, wie eine Gutenachtgeschichte

Am Anfang steht ein warmes Gitarrenspiel. Schließlich kommt eine ebenso warme Stimme hinzu, welche die Worte so beruhigend singt, dass man in jedem Wort das warme Feuer eines Kamins knistern hören kann. Hinter einem so imposanten Song verbirgt sich der Künstler Meadows, der bürgerlich Christoffer Wadensten heißt und aus der schwedischen Provinz kommt. Ob der Provinz scheint es gleichzeitig so reichhaltig an Eindrücken, die Emotionen auslösen, zu sein, dass Meadows hiermit besonders auffällt. Mit seiner tiefen Stimme, die an den wunderbaren Ben Hamilton erinnert, singt sich Meadows durch so wunderschöne Textzeilen, wie I know you never lie but this whole you and I. Who thought that this would fly? I turn my eyes down low and I see the stars below. I know I have to go. And break through the glass of empty windows. Hierbei ist es fast so, als würde er uns eine Gutenachtgeschichte erzählen, während uns – von der Wärme des Kamins – die Schläfrigkeit überkommt. Geprägt vom Lyriker Frank O’Hara, der die wunderbare Fähigkeit hatte, Gefühlszustände – die in Notfällen aufkommen – einzufangen, hat sich Meadows durch das neue Album The Emergency Album gearbeitet. Herausgekommen ist mit den ersten Veröffentlichungen Emergency Song und Empty Windows eine sympathisch heimelige Stimmung, die sich so vertraut und geborgen anfühlt, dass wir uns gar nicht die Frage stellen, dass dieser Musiker noch größtenteils unbekannt ist. Meadows schafft es mit seinen Songs eine Wärme um uns herum zu legen, die sich förmlich an uns anzuschmiegen scheint. Für alle, die diese Kaminfeuerakustik auch einmal live sehen wollen, gibt es ab Mitte Mai auf 13 Konzerte in Deutschland Gelegenheit dazu. Für alle anderen gibt es ab dem 27. März das Album The Emergency Album zu kaufen.

Blaue Blume - Vanilla

Blaue Blume – Die Eiszeit gibt es nicht

Eine blaue Blume wirkt kalt, faszinierend und sonderbar zugleich. Dass sich das Dänische Quartett um Frontsänger Jonas Smith so genant hat, zeugt von dem Ort, in dem alle Bandmitglieder aufgewachsen sind. Nahe der Deutsch-Dänische Grenze haben Blaue Blume stehts auch den Austausch mit der deutschen Sprache gehabt. Mit ihrem 2016er Debütalbum sorgten sie zuerst in der Alternative-Szene Dänemarks und schließlich auch über die Landesgrenzen hinaus für aufsehen. Ist ihr Sound doch geprägt von einer großen Weite, die sich schickt uns ins Träumen geraten zu lassen. Mit Songs, die sich stilistisch in die New Romantic Zeit der britischen Inseln einordnen, haben Blaue Blume nun mit Bell Of Wool ihr zweites Album veröffentlicht. Mit Someday und Vanilla gibt es bereits zwei Singleauskopplungen aus diesem Album bereits und speziell Vanilla zeugt von einer Tiefe, welche die Band in ihre Musik steckt, die wir erst nach mehrmaligem Hören vollends greifen können. Dabei klingt Vanilla verträumt, positiv und melancholisch. Es ist ein Song zum darin verlieren. Oder auch der perfekte Soundtrack für eine Zugfahrt durch die kalte Jahreszeit, bei der die Landschaft mit leeren Feldern, grauen Dörfern und leuchtenden Großstädten an einem vorbeiziehen und wir unsere Gedanken voll auf uns selbst richten. Mit einem dramatischen Finale setzt Vanilla schlussendlich zum Endspurt an und lässt uns nach 3 Minuten und 19 Sekunden auf Repeat drücken. Nur, um uns tiefer in unseren Gedanken zu verlieren. Wer die Jungs einmal live sehen will, hat am 11. März im Berliner Badehaus und am 12. März im Hamburger Hafenklang Gelegenheit dazu.

SYML – Intim und verletzlich

Mal sind sie groß, mal poltern sie, mal sind sie rau und schnell. Dieses Mal hat sich SYML allerdings vollkommen zurückgezogen und mit Flags einen Song über die Krankheit Krebs geschrieben. Er selbst sieht seine produzierte Musik als eine Art Therapie. In allen Songs verarbeitet Brian Fennell Momente, die er einmal erlebt hat oder sich mit ihnen auf der ein oder anderen Art und Weise auseinandersetzen musste. Dabei besingt er den Krebs aus der Sicht des Körpers – mit seinen Schmerzen, seinen unansehnlichen Momenten und harten Nebenwirkungen. Mit Songzeilen, wie I’m hurt, I’m hurt you didn’t know. But there’s no pretty way to tell you so. I’m tired, so tired I’m letting go. I’ve been burning flags to let you know. Time is up time has flown, time has flown trifft uns SYML direkt und so klar, das man sich seiner bedrückenden Thematik nicht entziehen kann. Flags liegt vom Gefühle her irgendwo zwischen den Augenblicken eines erschöpften Mannes, eines Mannes – der sich gerade von einer geliebten Person verabschieden musste oder auch eines Mannes dem das bedrückende Gefühl des Verabschiedens allgegenwärtig ist. SYML verzaubert, berührt und begeistert mit all seinen älteren Songs genauso, wie mit Flags.

Filv & Edmofo – Französische Eleganz trifft auf osteuropäischen Beats

Erstmals wurde der Song Clandestina bereits 2016 vom marokkanisch-französischen Musiker Youssef Akdim i Bakalianass – alias Lartiste – veröffentlicht und war auf seinem Album Clandestino zu finden. Damals nur ein moderater Erfolg, hat sich nun das russische DJ Duo Filv & Edmofo diesen Song noch einmal vorgenommen und ihn mit der Stimme der französischen Sängerin Emma Peters versehen. Dabei greifen die Jungs den ursprünglichen Gedanken des Songs wunderbar wieder auf und thematisieren auch auf der neuen Version den Verlust eines Freundes durch die Droge Kokain. Mit funkelndem Sound, Westerngitarren und modernen Housebeats – gepaart mit ganz viel Nostalgie, wie knisternden Schallplattengeräuschen und einem melancholischen Grundtenor – ist Clandestina eine orientalische Housenummer, deren Hitpotential, durch die unterschiedlichen Elemente, enorm hoch ist. Clandestina ist der perfekte Hybrid zwischen Winterhit und Sommerstimmung und wird uns wohl die kommenden Monate noch weiter begleiten.