BENEE feat. Gus Dapperton - Superlonely

BENEE – Wenn Sound und Text differieren

Internetphänomene wie TikTok gab es auch schon mit SnapChat, Instagram, Facebook und MySpace. Alle Plattformen haben bzw. hatten zu ihrer Zeit einen regen Zulauf und sorgten für eine Veränderung unserer Art zu kommunizieren und uns zu präsentieren. Aktuell ist TikTok die am schnellsten wachsende Social Media Plattform und sorgt regelmäßig für neue Hypes. Gewinner dieser Hypes sind auch einzelne Musik-Acts, die bei angesagten Videos oder Challenges im Hintergrund laufen.

So auch bei der Neuseeländerin BENEE, die mit ihrem Song Superlonely gerade für einen Lip-Sync-Hype sorgt und die dazugehörige Karaoke-Dance Challenge mehr als vier Millionen Videos zählt. Von Elton John als nächster weltweiter Hit betitelt und von Jennifer Lopez und Familie viral bekannter gemacht ist Superlonely ein bittersüßer Popsong, der vom Sound nicht abwegiger klingen könnte – hört man sich einmal die Lyrics genauer an. Diesen Unterschied macht sich die 20-jährige Sängerin ganz bewusst zu Nutzen und passt damit perfekt in den Sound der Generation Z – der durch Acts wie Halsey und Billie Eilish gerade äußerst erfolgreich ist und das Genre Bedroom Pop hervorgebracht hat. Dabei klingt Superloney unglaublich locker, abgeklärt und spielt mit funkigen Gitarren und verspielt, geloopten Soundelementen.

Vom People Magazine bereits als Kiwi Queen betitelt holte sich Stella Rose Bennett – wie BENEE bürgerlich heißt – Unterstützung vom US-Amerikanischen Singer/Songwriter und ebenfalls dem Bedroom Pop zugerechneten Musiker Gus Dapperton. Herausgekommen ist eine großartige Popnummer, die sich in unseren Kopf bohrt um darin die nächsten Wochen für einen Dauerohrwurm zu sorgen.

Major Lazer feat. Marcus Mumford - Lay Your Head On Me

Major Lazer feat. Marcus Mumford – Dance trifft auf Folk

Es ist eine Kombination, die sich keiner hätte vorstellen können. Sind Major Lazer mit ihren Dance-Anthems Watch Out For ThisLean On und Cold Water für drei der prägendsten Partyhits der 2010er Jahre bekannt – hat es das jamaikanisch/US-Amerikanische Trio um den Produzenten Diplo mit einem Mix aus Reggae, Dancehall und House geschafft, weltweit an die Spitze der Charts zu kommen. Nun stehen sie vor der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums Lazerism und haben seit Mai 2019 bereits drei Singles daraus veröffentlicht. Ihre neuste Veröffentlichung Lay Your Head On Me sorgt dann allerdings doch für eine Überraschung – denn als Gastsänger ist kein Geringerer, als der Mumford & Sons-Frontmann Marcus Mumford mit von der Partie. Dieser hatte sich mit seiner Folk-Band innerhalb der letzten zehn Jahre zu einer der erfolg- und einflussreichsten britischen Bands entwickelt und gewann 2013 zwei Grammys für Best Album (Babel) und Best Music Film (Big Easy Express). Zuletzt hatte Marcus Mumford allerdings angekündigt – während die Band eine Pause einlegt – verstärkt mit anderen Songwritern und Musikern zusammenzuarbeiten. Herausgekommen ist als Erstes die völlig heruntergefahrene Interpretation des Gerry & The Pacemaker-Klassikers You’ll Never Walk Alone. Gleichzeitig haben nun Major Lazer mit ihrer neuesten Singleauskopplung Lay Your Head On Me und Marcus Mumfords rauchigem Gesang einen wahren Genre-Hybriden geschaffen. Denn sowohl Major Lazer, als auch Marcus Mumford bleiben darauf ihren musikalischen Wurzeln treu und könnten auf Lay Your Head On Me auch unabhängig voneinander existieren. Mumfords ruhiger Gesang und die verspielten Beats Major Lazers lassen den Song leicht und unbeschwert klingen und dürften für einen enormen Push an Aufmerksamkeit sorgen. Auf Lay Your Head On Me verrät weder Marcus Mumford seine Wurzeln, noch tun es Major Lazer und klingen dabei frisch und überraschend.

Like Elephants - Coastal Drive

Like Elephants – Wenn The Cure auf Rock trifft

Mit ihren Singles Video Game (2018) und Askja (2019) haben die Österreicher von Like Elephants in den vergangenen zwei Jahren für staunende Reaktionen gesorgt. Ist ihr Sound doch von Gitarren, Synthies und dadurch einer gehörigen Portion 80er Jahre-Vibe geprägt, haben sich Like Elephants aber gleichzeitig weiterentwickelt und genießen das Ausprobieren von verschiedensten Musikelementen. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Coastal Drive nehmen sich Like Elephants die ganz großen der 80er-Jahre-New-Wave-Zeit vor und erinnern auf ihrem neuen Song stark an Bands wie The Cure. Durch einen pulsierenden Beat, einem temperamentvollen Bass und der Stimme von Frontsänger Viktor Koch wird Coastal Drive zu einer großartigen New-Wave Hymne, die gleichzeitig große Stücke des Genres Dream-Pop beinhaltet. Coastal Drive ist die Hymne, wie wir jetzt brauchen, um für eine Nacht all das wegzutanzen, was uns tagsüber den Kopf zerbricht und ist damit nichts Geringeres, als die Flucht aus dem Alltag – auch wenn es nur für etwas mehr als vier Minuten ist.

Kalthauser - Erlöse Mich

Kalthauser – Pop, der erstarren lässt

Wenn wir die Top-100 der Singlecharts mit dem Finger hoch- und runterswipen und uns die Musikhitlisten der großen Streamingdienste ansehen, finden wir viel Musik, die unterhält und für gute Laune sorgt. Gleichzeitig ist die Halbwertzeit eines Songs heute nur noch auf einige Wochen begrenzt und lässt es so nur schwer zu, sich wirklich mit dem Künstler und seiner Idee von Musik auseinanderzusetzen. Bei dem Chemnitzer Quartett Kalthauser funktioniert alles ein wenig anders. Mit einem Debütalbum als allererste Veröffentlichung wagen sie den Schritt – ohne durch eine EP ein vorheriges Abtasten eine Hörerschaft zu generieren – und zeigen damit, wie wichtig ihnen ist, ehrliche Musik zu machen und den Fokus auf eben Diese zu legen. Mit ihrem zweiten Song Erlöse Mich setzen Kalthauser dann auch gleich ein schweres Thema um, dass allerdings ein wichtiger Teil ihrer Musik ist. Denn hier thematisiert Frontsänger Benjamin Panikattacken und was sie nicht nur in einem auslösen, sondern auch hinterlassen. Denn nicht zuletzt der Aufbau von Panikattacken ist es, der die Spirale vorantreibt und einen Menschen in immer kleinere Räume drängt, aus die es nur noch mit professioneller Hilfe herauszukommen möglich ist. Erlöse Mich ist dabei als waschechter Popsong nicht etwa klischeebehaftet, sondern nutzt diese starken Elemente des Genres, um die Worte und Bilder des Musikvideos eindrücklich in den Vordergrund zu stellen. Dabei klingt Erlöse Mich groß und gewaltig, zeigt allerdings auch eine Zerrissenheit auf, die dem Song dadurch Tiefe verleiht. Kalthauser veröffentlichen am 8. Mai ihr Debütalbum Kalthauser und sind Ende März für zwei Termine in Brandenburg an der Havel und Berlin zu sehen.

Duke Dumon - Therapy

Duke Dumont – Vom Batik-Shirt bis zur Jeansjacke – Der Sound der 90er

Duke Dumont hatte schon immer ein gewisses Faible für den 90er-Jahre-Sound. Hört man in seine großen Hits Need You (100%)I Got You und Won’t Look Back rein, schimmern immer wieder klar die Einflüsse des Eurodance-Genre heraus. Doch das, was Adam George Dyment nun veröffentlicht hat, übertrifft nochmal alles bisher dagewesene. Denn mit Therapy greift er nicht mehr nur den Sound der 90er-Jahre auf, sondern IST der Sound der 90er. Wäre er mit Therapy nicht schon 20 Jahre zu spät, würde man glatt behaupten, er habe die 90er mitgeprägt. Mit satten Housebeats und einem intensiven Gesangspart spricht Therapy die Raver der 90er Jahre an und bittet sie auf die Tanzfläche. So hart und schnell wie Therapy auch klingen mag, ist der Song gleichzeitig unglaublich intensiv und exzessiv und trifft damit genau den Vibe, den viele Dance- und Housesongs in den 90er Jahren hatten.

Route 94 feat. Eda Eren - Fever

Route 94 – Ein moderner Danceklassiker

Es ist schon ein paar Jahre her, da hatte der britische DJ und Produzent Route 94 – alias Rowan Tyler Jones – mit Jess Glynne und My Love einen satten Nummer-1 Hit in Großbritannien und stieg auch in Deutschland bis auf Platz 6. Erstaunlich war dies vor allem, da Route 94 2014 gerade erst 20 Jahre alt war. Veröffentlichte Route 94 bis zu seinem großen Durchbruch mehrere Singles und EP’s, kam nach seinem großen Erfolg mit der EP Misunderstood nur noch eine einzige Veröffentlichung zustande. Nun – nach fünf Jahren der Stille –  hat Route 94 mit Fever wieder einen neuen Song veröffentlicht und weicht damit vom poppigen Sound der 2014er Hitsingle ab. Mit Fever und der Unterstützung von Eda Eren ist Route 94 noch tiefer ins Deep-House Genre getaucht und sorgt dafür, dass wir die Hände in die Luft werfen und die ganze Nacht durchtanzen wollen. Fever klingt fast so, als wolle uns Eren mit ihrem Gesang hypnotisieren und tänzelt dabei gekonnt mit den Beats in unserem Kopf herum. Fever ist der perfekte Song, um im Club nachts um 4 Uhr gespielt zu werden – wenn der Körper langsam in eine Art Trancezustand vor Müdigkeit kommt und wir dennoch weiter tanzen wollen.

SYML - Take Me Apart

SYML – Vom unendlichen Repertoire eines Musikers

2019 markiert ein Jahr der kreativen Hochphase bei dem US-Amerikanischen Musiker und Produzenten SYML. War es nicht schon bedeutend genug, dass Anfang des Jahres sein selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlicht wurde, folgte mit Symmetry vor sechs Wochen bereits eine erste neue Single, die nicht mehr auf dem Album enthalten war. Nun hat Brian Fennell mit Take Me Apart einen weiteren neuen Song veröffentlicht, der sich nahtlos in die kinematographische Kultur seiner Diskografie einfügt. Dabei verfolgt SYML die Linie, sich in keinem festen Genre zu bewegen, sondern springt viel mehr von Song zu Song in den Genre umher. Mal rockig und kratzig, mal soulig oder sogar so leise, dass man während des Songs meint, das Studio knarzen zu hören. Mit Take Me Apart hat sich SYML nun der Liebe zu Horror- und Mysteryfilmen hingegeben. Beginnt der Song mit einem melancholisch, mystischen Klavierspiel, setzt Fennells Gesang kurze Zeit später ruhig und geheimnisvoll ein. Hierbei startet unwillkürlich eine Retrospektive vor dem inneren Auge und lässt gleichzeitig eine Art Zeitraffer entstehen. Schließlich trifft der Höhepunkt des mystischen Moments bei knapp 2:45 Uhr ein und verliert sich in einer großen Soundwolke aus Geigen, Bassbeats und verworrenen Gesangsparts, nur, um schließlich wieder vom melancholischen Klavierspiel eingangs abgeschlossen zu werden. SYML ist in seiner Kreativität nicht zu stoppen und zeigt seine Leidenschaft der musikalischen Untermalung von Momenten auf Take Me Apart einmal mehr eindrucksvoll.

Post Malone - Circles

Post Malone – Auf dem Weg die Welt zu erobern

Er ist momentan einer der angesagtesten Musikacts, die die USA zu beiten haben. Der 24-Jährige Austin Richard Post, der unter seinem Künstlernamen Post Malone mit Stoney (2016) und Beerbongs & Bentleys (2018) bereits zwei äußerst erfolgreiche Alben veröffentlicht hat, ist ein wahrer Genrespringer. Ob mit Rap, R&B, Trap oder Pop – immer wieder klingt der, aus der 150.000 Einwohner großen Stadt Syracuse, im Nordosten der USA, kommende Sänger anders und völlig neu. Mit seinem dritten Album Hollywood’s Bleeding, mit dem er direkt nach erscheinen auf Platz 1 der globalen Albumcharts landete und binnen einer Woche 650.000 Einheiten verkaufte, hat er mittlerweile über 1,5 Millionen Platten verkauft und die Single Circles veröffentlicht. Diese ist eine satte Popnummer und überrascht mit einem verträumt, schwelgerischen Elektropop-Beat. Auf Circles geht es um die Trennung von seiner Freundin, bei der beide immer wieder zusammenfinden und nicht von einander lassen können. Mit sommerlich warmen Sound ist Circles ein – fast schon bittersüßer – Herzschmerzsong, der allerdings ein wenig zu catchy ist, um sich in der Trauer zu verlieren. Mit Sounds wie diesen lässt sich Post Malone nicht aufhalten und wird in den kommenden Monaten sicherlich auch bei uns in Deutschland ankommen.

Jarryd James - Let It Go

Jarryd James – Verruchter Neo-Soul mit Tanzfaktor

Für den Australier Jarryd James lief 2015 so ziemlich alles rund. Startete er mit seiner Debütsingle Do You Remember so richtig durch und landete auf Platz 2, schaffte es sein, kurze Zeit später veröffentlichtes Album Thirty One, inklusive der Folgesingle Give Me Something, ebenfalls bis auf Platz 2 der australischen Albumcharts. Und wäre das für einen Newcomer nicht schon erfolgreich genug, gewann er schließlich auch noch einen ARIA Award für Do You Remember als Best Pop Release. Schließlich wurde es einige Jahre still um den Sänger und Produzenten, der seinem Stil mit Alternative-R&B ein ganz neues Genre verlieh. Nun ist der Brisbaner wieder da und präsentiert uns eine Neo-Soul-Ballade, die an FKA Twigs erinnert und eine gehörige Ladung R&B im Blut hat. Dabei folgen heftige Bassbeats dem, fast schon, zittrigen Gesang des Sängers. Let It Go ist sexy, frisch, leise und modern und lässt uns auf eine intime Art den Beat des Songs fühlen, den wir uns sonst nur in verruchten Filmen vorstellen.

Caribou - Home

Caribou – Aus der 5 jährigen Pause zurück

Wenn man als Musiker fünf Jahre lang keine neue Musik veröffentlicht hat, scheint es eine Art Weckruf zu geben, bei dem sich alle auf das Eigentliche konzentrieren und neue Musik veröffentlichen. So haben Thees Uhlmann, MIA. und nun auch Caribou nach knapp fünf Jahren der Abstinenz endlich wieder neues Material veröffentlicht. Dabei hat es der kanadische Musiker und Produzent Dan Snaith in den letzten Jahren gar nicht so abstinent gehandhabt. Denn, hat er unter seinem Pseudonym Caribou zwar tatsächlich 2015 das letzte Mal Musik veröffentlicht und mit dem Album Our Love 2014 alle begeistert, brachte Snaith in der Zwischenzeit unter dem Namen Daphni zwei Alben raus und ist über dies hinaus sogar noch unter dem Pseudonym Manitoba bekannt. Nun widmet sich Snaith also wieder dem Projekt Caribou und erfreut damit unzählige Fans. Mit seinem Mix aus Dreampop, Elektro und Folk kommt der Musiker dem – seit den 90er Jahren bekannten – Genre Intellegent Dance Music (IDM) ziemlich nahe. Denn mit einer gehörigen Portion vertrackteter Soundelemente – allen voran muss das Sample des Gloria Barnes Klassikers Home, aus dem Jahr 1971, genannt werden – klingt Home nach einer Vintage-Soulballade, die ans erste Küssen und als Teenager durch den Regen rennen, erinnert. Dabei hatte Snaith – da ihm die Strophe so sehr gefiel – bereits seit einiger Zeit vor, aus Banres‘ Song etwas zu machen. Nun können wir hören, was der Soundmaster daraus gemacht hat und fühlen uns in die Zeit zurück versetzt, in der wir nach der Schule die Straßen unsicher gemacht hatten und erst mit dem Einschalten der Straßenlaternen zu Hause sein mussten.