Declan J Donovan - Perfectly Imperfect

Declan J Donovan – Der Weg zu sich selbst

Er ist einer dieser stillen Helden im Musikbusiness. Mit Songs, wie Better und Homesick hatte der Brite, der aus dem südosten Englands kommt 2018 und 2019 zwei so wunderbare, wie einfühlsame Songs veröffentlicht, dass man ihn zu sich auf die Bank bitten wollte, um mit ihm über die Sorgen und Nöte zu sprechen. Seine einfühlsame Stimme, der samfte Singer/Songwriter-Sound und die aufflammend, euphorischen Momente in seinen Songs lässt Donovan zu diesem stillen Helden seiner Fans werden. Der Überraschungshit Pieces sollte seinen Song 2018 schließlich in Deutschland zum Radio-Hit werden lassen und damit ein weitaus größeres Publikum ansprechen, als er es in seinem Heimatland bisher geschafft hat. Momentan befindet sich der Brite in Berlin um an seinen Songs zu arbeiten und lernt dabei nicht nur den Berliner Sommer kennen, sondern gleichzeitig auch sich selbst. Steht die Stadt für Offenheit, Toleranz und hat gleichzeitig eine ordentlich Is-mir-doch-egal-Attitüde findet sich der junge Singer/Songwriter gerade hier so wohl, wie selten zuvor. Das zeigt auch seine neueste Single Perfectly Imperfect, die sich mit der eigenen Unzulänglichkeit auseinandersetzt. Hierbei geht es nicht um das Baden im Mitleid oder einer Hingabe an sein Schicksal, sondern wird vielmehr die Tatsache, dass man nicht perfekt sein muss, dafür genutzt, stärker zu werden.

Declan J Donovan

Declan J Donovan

Sich selbst zu sagen, dass nicht alles perfekt sein muss und dennoch gut so ist. Begleitet von einem Piano singt sich Donovan durch eine Liebeserklärung, die schmerzvoller zugleich nicht sein könnte. Dabei sucht der Sänger Zuversicht zu sich selbst und wächst gerade Tag für Tag an seinen Aufgaben, Herausforderungen und persönlichsten Hindernissen. Hat Donovan einen Plattenvertrag bei Polydor in Deutschland unterschrieben, arbeitet er in Berlin zur Zeit an seinem Debütalbum. Mit einem emotionalen Leitweg und ganz viel Gefühl singt sich der Singer/Songwriter nun mit einer neuesten Single noch tiefer in die Herzen der Fans und spricht gleichzeitig über ein Thema, womit viele Menschen und Jugendlich immer wieder ins Hadern kommen. Sanft, gefühlvoll und dennoch voller Kraft lässt uns Declan J Donovan an seinen Gefühlen teilhaben und reisst uns einen Moment raus, aus dem hektischen Alltag. Perfectly Imperfect ist hoch emotional und reinigt gleichzeitig unsere Seele mit einem warmen Gefühl, das uns Donovan in knapp dreieinhalb Minuten so ruhig und authentisch präsentiert, dass wir nicht anders können, als uns auf der Bank an einem ruhigen Ort zu wünschen, er würde sich daneben setzen und ein paar Zeilen singen.

Birdy - Open Your Heart

Birdy – Die große Rückkehr zum Klavier

Eine Stimme und ein Klavier reichten 2011 aus, um das immense Talent einer britischen Sängerin in die Welt zu tragen. Mit Coversongs von Phoenix, The XX, Bon Iver oder Cherry Ghost hatte sie eine emotionale Power in die Songs gebracht, die in den Originalen immer nur situativ erlebbar waren. Auch wenn die Originale heute allesamt zu den großen Klassikern zählen, hat vor allem Birdys Interpretation mit dem Klavier dafür gesorgt, die ganz großen Gefühle aufkommen zu lassen. Auch heute, neun Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums Birdy, haben die Songs nichts an ihrer Wirkung verloren. Bemerkenswert an Birdy war die großartige Auswahl an herausragenden Künstlern, deren Songs die damals 14-jährige Sängerin coverte und damit einen erstaunlichen Musikgeschmack bewies. 2013 folgte mit Fire Within ihr zweites Album, ehe 2016 mit Beautiful Lies ihr bislang letztes Album erschien. Mit Songs, wie Not About Angels (2014), Keeping Your Head Up oder der Zusammenarbeit mit Sigma auf Find Me (beide 2016) konnte sie schließlich immer wieder aufs Neue begeistern. Nach fünf Jahren als absoluter Überflieger brauchte die damals gerade 20 gewordene Britin 2016 eine Pause und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seitdem schreibt sie an neuen Songs und hat weit mehr Songskizzen angefertigt, als auf ein Album passen würden. Da der Britin die Songs allerdings wichtig sind, fand sie einen Weg, so viele, wie möglich, zu veröffentlichen. So kommt – bevor 2021 ein neues Album von der Sängerin erscheinen wird – Anfang November die EP Piano Sketches auf den Markt, von der nun eine erste Single ausgekoppelt wurde.

Birdy - Piano Sketches

Birdy – Piano Sketches

Nachdem sich Birdy auf dem zweiten und dritten Album vielen neuen Elementen öffnete und auch mal schneller und poppiger klang, findet sie auf Open Your Heart wieder zurück zu ihrem Klaviersound der Anfangszeit. Hierbei wird – gleich beim Ertönen des ersten Klavieranschlages – klar, dass die Sängerin diese große Gabe, Gefühle so natürlich und direkt zu transportieren, immer noch besitzt und so authentisch und sanft klingt, wie auf ihren Coverversionen vor fast zehn Jahren. Birdy selbst sagt über die Musik ihrer neuen EP – Ich habe eine Menge Musik geschrieben, auf die ich so stolz bin, die aber womöglich normalerweise nicht das Licht der Welt erblicken würde – ich werde diese reduzierten Tracks über die kommenden Monate vor dem Album veröffentlichen. Zusammen geschrieben und aufgenommen hat sie den Song in Los Angeles mit Rick Nowles – der unter anderem an The Power Of Good-Bye für Madonna, White Flag für Dido oder Loud Places für Jamie XX mitgeschrieben hat. Hier ist es Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den Bogaerdes – wie Birdy bürgerlich heisst – Wunsch, diese Songs einer breiten Masse zugänglich zu machen. Mit der EP Piano Sketches kommt sie ihrem eigenen Wunsch nach und präsentiert uns eine erwachsene Sängerin, die mit ihrer klaren Stimme, zehn Jahren nach ihrem großen Durchbruch noch immer direkt ins Herz geht.

Elderbrook - Why Do We Shake In The Cold?

Elderbrook – Fünf Jahre Warten haben ein Ende

Kaum ein anderer britischer Künstler hat in den vergangenen fünf Jahren im Melancholic-Electronic-Bereich für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, wie der Londoner Alexander Kotz. Unter seinem Künstlernamen Elderbrook hat er 2015 zusammen mit Andhim auf How Many Times zusammengearbeitet. 2017 folgte eine Kollaboration auf der Durchbruchs-Single Cola vom britischen Produzenten-Duo CamelPhat und letztes Jahr schließlich mit dem Song Something About You eine Zusammenarbeit mit Rudimental. Daneben hat Elderbrook allerdings auch immer wieder eigene Songs veröffentlicht, die sich durch tiefgründige Texte, melancholische Sounds und tiefe elektronische Beats auszeichneten. Nun hat der Brite sein Debütalbum Why Do We Shake in the Cold? fertig und veröffentlicht dieses am 18. September. Darauf enthalten sind neben der Kollaboration mit Rudimental auch die bereits veröffentlichten Songs My House und der das äußerst starke Numb. Vor wenigen Tagen hat Elderbrook mit Why Do We Shake in the Cold? eine weitere Single ausgekoppelt und überzeugt abermals mit großen elektronischen Beats.

Why Do We Shake In The Cold?

Why Do We Shake In The Cold?

Hier treffen tiefe House-Bässe auf den fragilen Gesang Elderbrooks und werden durch ein sphärisches Soundgerüst eingerahmt. Dabei passt Why Do We Shake in the Cold? so wunderbar in den Kontext eines Open Air Festivals, dass wir uns vor dem inneren Auge vor der Bühne tanzen sehen, den Sand zwischen den Zehen spüren und kurz vor dem Drop die Hände in die Höhe recken. Diese Gefühle sind ganz bewusst vom Briten gewollte. So soll sein Debütalbum die Menschen zusammenbringen und ihnen Geborgenheit vermitteln. In einem Statement von Warner Music sagt der Produzent dann auch über seine Musik, dass das gesamte Konzept von Why Wo We Shake In The Cold ist, darüber nachzudenken, wie Menschen miteinander interagieren. Rein wissenschaftlich betrachtet zittern wir in der Kälte natürlich, um durch die Reibung unseren Körper aufzuwärmen. Was ich mir jedoch vorstelle ist, dass Menschen vielleicht deshalb zittern, um anderen zu zeigen, dass sie sie brauchen. Diese mächtige Sehnsucht nach Nähe zieht sich durch das gesamte Album und zeigt die Tiefe des Künstlers und seiner Gefühle. Why Wo We Shake In The Cold kommt am Feitag in einer Woche raus und zeigt jetzt schon mit seiner Leadsingle, dass hier kaum etwas schief gehen kann.

Billie Eilish - My Future

Billie Eilish – Wundersame Verwandlung ins Positive

Vor kurzem noch, hatte die Süddeutsche Zeitung die US-Amerikanische Sängerin als zweitwichtigste Teenagerin unserer Zeit gekürt. Nur an Greta Thunberg kam sie nicht vorbei. Dabei hat Billie Eilish in den vergangenen zwei Jahren mit Songs, wie Everything I Wanted alles erreicht, was man erreichen kann. Mit fünf Grammy Awards, einem BRIT Award, einem JUNO Award, zwei MTV Europe Music Awards und drei MTV Video Music Awards, sowie der Krönung – mit No Time To Die einen James Bond-Titelsong singen zu dürfen – hat Eilish in zwei Jahren das geschafft, worauf andere Acts ein ganzes Leben lang hin arbeiten. Nun hat Eilish mit My Future einen ersten neuen Song veröffentlicht, der bisher weder auf einem Album, noch auf einer EP enthalten ist. Dabei zeigt sich Eilish auf My Future zunächst gewohnt dunkel und wirkt nur durch ihre Stimme und eine melancholisch, zurückhaltende Orgelbegleitung. Bis schließlich ein Twist kommt und Eilish in einem poppig, funkigen Beat aufgeht.

Billie Eilish

Billie Eilish

Entstanden ist der Song zu Beginn der Lockdown-Phase in den USA und lässt Eilish zu sich selbst finden. Zusammen mit ihrem Bruder Finneas hat sich Eilish darangesetzt, diese aufkommenden Gefühle einzufangen und sagt in einem Post zur Veröffentlichung des Songs Es ist ein Lied, das für mich wirklich sehr persönlich und besonders ist. Als wir es geschrieben haben, hat es genau meine Stimmung eingefangen – hoffnungsvoll, aufgeregt und voll mit einer verrückten Menge an Selbstreflexion und Selbstwachstum. In letzter Zeit hat es aber auch im Kontext dessen, was jetzt in der Welt passiert, eine neue Bedeutung erhalten. Ich hoffe, Ihr alle könnt in My Future einen Sinn für Euch finden. Diese neue Stimmung fängt ihr Bruder wunderbar ein und erinnert nicht nur musikalisch, sondern auch durch das animierte Musikvideo an die letzte Veröffentlichung No Song Without You des britischen Duos HONNE. My Future ist weniger rebellisch und deutlich gesetzter, als das meiste von dem, was wir bisher von der jungen Musikerin gehört haben und bleibt gleichzeitig auch immer ein typischer Billie Eilish Song.

Julia Stone - Break

Julia Stone – Ein Hauch von Weltmusik

In den letzten Monaten war Julia Stone so umtriebig, wie zuletzt vor acht Jahren. Denn genau so lange ist es her, dass die australische Sängerin mit ihrem Soloalbum By The Horns Musik als Solokünstlerin veröffentlichte. Dabei war es damals der Zeitraum, in dem sich Fans des erfolgreichen Geschwister-Duos Angus & Julia Stone ernsthaft Sorgen darum machen mussten, jemals wieder Musik des Duos zu hören. Heute wissen, wir, dass das Duo einfach Abstand zueinander brauchte, um sich mit eigener Musik freizuspielen. Zu Beginn dieses Jahres trat Stone schließlich – nachdem sie mit ihrem Bruder und den beiden Alben Angus & Julia Stone (2014) und Snow (2017) wieder als Duo in Erscheinung trat – abermals als Solokünstlerin ins Rampenlicht und war auf der Single Breathe It In des US-Amerikaners Garrett Kato zu hören. Als die verheerendsten Waldbrände der australischen Geschichte – die von September 2019 bis März 2020 andauerten – über eine Milliarde Säugetiere, wie Kängurus, Koalas, Krokodile und Pferde tötete, rief Stone die Initiative Songs For Australia ins Leben. Hier veröffentlichte die Sängerin zusammen mit anderen Künstlern ein Compilation-Album, auf dem große australische Songs neu interpretiert wurden.

Julia Stone - Photo by Brooke Ashley Barone

Julia Stone – Photo by Brooke Ashley Barone

Dabei hatte Stone selbst mit der ergreifenden Version des Midnight Oil Klassikers Beds Are Burning für Furore gesorgt – ist er nicht nur hervorragend geworden, sondern zählt er mit dem dazugehörigen Musikvideo auch gleichzeitig zu einem der packendsten Songs des Jahres. Was folgte war ein weiterer Song Stones für den Soundtrack des Science-Fiction-Films Only. Nun hat Stone mit dem Song Break tatsächlich ein wenig mit so vielem gebrochen, dass man sich fast schon verwundert fragt, ob dieser Song denn tatsächlich von der Sängerin kommen kann. Denn entgegen ihres zumeist auf Folk basierenden Sounds, hat die Australierin mit Break einen frohen, frischen Weltsound veröffentlicht, der an Sängerinnen, wie Jain erinnert. Produziert wurde der Song von der mehrmaligen Grammy-Gewinnerin und US-Amerikanischen Musiktausendsasserin St. Vincent. Break ist Pop pur und zeigt textlich gleichzeitig auch, wie sehr sich die Chemie in einem selbst verändert, wenn man auf einem Menschen trifft, bei dem die Gefühle plötzlich verrücktspielen – wie Stone ihn selbst beschreibt. Mit einem großartigen Musikvideo ist Julia Stone mit ihrer ersten neuen Single eines – hoffentlich bald erscheinenden – neuen Soloalbums zurück und begeistert gleich zu Beginn mit einer großartigen Produktion.

Sarah Walk - Another Me

Sarah Walk – Aus der Enge befreien

Es ist ein emotionaler Teil ihres Lebens, den die US-Amerikanische Singer/Songwriterin Sarah Walk mit Unravel veröffentlicht. Dreht sich in dem Song doch alles um die Absicht, selbst in der Hand zu haben, wie mit einem umgegangen wird. Mit Songzeilen, wie Nothing’s hurt me more than men that grew up with no consequences, why is it my job to fix this mess? You’re always ready to defend, you hear my concern as anger, and no-one wants an angry woman. [Nichts verletzt mich mehr, als zu sehen, dass es Männer gibt, die ohne Konsequenzen für ihr Handeln aufgewachsen sind. Warum ist es meine Aufgabe, dieses Chaos zu beheben? Du verteidigst dein Handeln immer sofort, hörst meine Besorgnis und Wut und weisst, niemand will eine wütende Frau erleben.].

Sarah Walk Credits: Voe Ray

Sarah Walk Credits: Voe Ray

Hier hat die Singer/Songwriterin mit Produzenten Leo Abrahams – der Alben für Regina Spektor, Brian Eno, Belle And Sebastian oder Pulp produziert hat – ein Album geschaffen, welches sich um das Thema der Emanzipation dreht. Dabei geht es nicht direkt um Bewegungen, wie #metoo, sondern viel mehr um die alltäglichen Momente, in denen sie als Frau so behandelt wurde, wie sie es keinem wünscht. Es geht darum, nein sagen zu können, sich Raum zu verschaffen, selbst aufzublühen und dies auf lange Sicht zu verteidigen. Mit Unravel hat Walk diese Gefühle sehr gut in Musik umgesetzt und zwischen feinen Momenten und einem aufbrausenden Mittelteil die Emanzipation herausgearbeitet, welche die Sängerin aus eigener Erfahrung beisteuern konnte. Unravel ist dabei die zweite Singleauskopplung aus ihrem neuen Album Another Me, welches am 28. August veröffentlichen wird. Walk selbst beschreibt die Songs auf dem Album als eine selbstreflektive Reise durch eine Zeit voller persönlicher Umbrüche. Marginalisierung, Überleben, Tod, Frauenfeindlichkeit und Verletzlichkeit, die auf der Suche nach sich selbst helfen, prägen und stärken. Mit diesen geballten Emotionen, die gleichzeitig so ruhig und stark von Walk präsentiert werden, dürfte ihr neues Album viele Möglichkeiten für uns bieten, zuzuhören.

Hollow Coves - Evermore

Hollow Coves – Wenn der Moment die Musik schreibt

Es ist eine Liebeserklärung an all die wundervollen Gefühle, die man entwickelt, wenn man auf eine Person trifft, die in uns das Herz zum Pochen bringt. Oder diese Gefühle, die unsere Brust vor Stolz und Liebe fast bersten lassen. Ein Moment, der von so viel Herzlichkeit getragen wird, dass man fast schon eine Träne die Wange runterrollen fühlt. Das australische Duo Hollow Coves zieht uns immer wieder mit Songs, wie CoastlineWhen We Were YoungBorderlines oder Anew in diesen Strudel aus Emotionen und starken Gefühlen. Nun haben Ryan Henderson und Matt Carins mit Evermore eine erste Single nach ihrem gefeierten Debütalbum Moments – das im Oktober 2019 erschien – veröffentlicht und schlagen direkt wieder in unser Herz ein. Als Idee hinter dem Song hatten die beiden Jungs den Moment, jemanden zu finden, mit dem man den Rest seines Lebens zusammen verbringen möchte. Dabei zeigt vor allem das dazugehörige Musikvideo, wie dies aussehen kann. Modern und für das Smartphone gerecht im Hochformat gefilmt, begleiten wir ein Paar von ihrer ersten Begegnung, ihren Reisen, unvergessliche Momente und Ausschnitte, die Zuneigung, Wärme und Liebe transportieren. Musikalisch bleiben Henderson und Carins dabei bei ihrem sanften Folksound und singen zu leichten Gitarren. Dass dieser Song nicht nur für den Hörer etwas ganz besonderes sein soll, zeigt die Geschichte hinter dem Track. Wurde Evermore doch geschrieben, um den Moment hervorzuheben, bei dem Carins Schwester auf ihrer Hochzeit auf den Traualtar zuläuft. Dieser Moment, an dem alle Beteiligten nur eines im Kopf haben, dieses Gefühl für immer in Erinnerung halten zu können. Evermore könnte dafür nicht besser passen und erreicht genau diese Wärme, welche die Band beabsichtigt hat. Ob Evermore auch gleichzeitig der Vorbote für ein neues Album sein könnte, dürfte – nachdem das Debütalbum gerade einmal 8 Monate alt ist – eher unwahrscheinlich sein. Doch auch über einzelne Veröffentlichungen freuen wir uns immer wieder und kommen bei Evermore sofort wieder ins Schwelgen.

Julianna Barwick feat. Jónsi - In Light

Julianna Barwick feat. Jónsi – Wie ein Papierschiff im reißenden Bergbach

Die Magie geht weiter. So könnte man diesen Beitrag nach dem gestrigen von Markéta Irglová und Emiliana Torrini mit ihrem Song Quintessence betiteln. Denn auch heute präsentiert SOML eine Kollaboration von zwei so großartigen Musizierenden, dass man schon jetzt förmlich ins Schwärmen kommt. Auf In Light treffen sich keine Geringeren, als die amerikanische Musikerin Julianna Barwick und der isländische Kopf der Band Sigur Rós – Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi. Barwick ist über die vergangenen zehn Jahre durch ihren Sound immer bekannter geworden. Dieser setzt sich aus losen Gesangsfetzen und einer Musikkomposition zusammen, die durch den Einsatz einer Loop-Station umrahmt wird. Dabei nutzt Barwick die Loop-Station so gekonnt, dass sich fast schon eine Art musikalischer Sturm entfaltet und im Surroundsound erst so richtig aufgeht. Nach ihren Alben The Magic Place (2011), Nepenthe (2013) und Will (2016) steht nun für den 10. Juli ihr viertes Studioalbum Healing Is A Miracle an. Inspiriert vom Heilungsprozess, in den der Mensch sich selbst versetzen kann, kommt es auf den Songs zu großen cineastischen Momenten voller Gefühl und lebendigen Bildern. Auf ihrer neuen Single In Light wird Barwick von Jónsi begleitet, der gerade selbst vor der Veröffentlichung eines neuen Soloalbums steht und mit seinem zarten, introvertierten und zerbrechlichen Gesang für eine Stimmung sorgt, die immer wieder aufs Neue berührt.

Auf Healing Is A Miracle arbeitete Barwick mit dem Produzenten und Jónsis Lebenspartner Alex Somers zusammen, der ihr für dieses Album Monitorboxen schenkte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Ambient-Musikerin all ihre Songs ausschließlich mit Kopfhörern aufgezeichnet. Mit der neuen Erfahrung, ihre Musik auf Lautsprechern – und damit den Raum füllend – zu hören, kam es bei der Sängerin zu einem ganz neuen Erlebnis ihrer Musik. Hinzu kommt, dass für Barwick ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen ist, mit Jónsi zusammen einen Song einzuspielen. Herausgekommen ist ein sechsminütiger Track, in dem sich nicht nur die verschiedenen Einflüsse der beiden Musizierenden widerspiegelt, sondern auch das einzigartige Gefühl, welches die Beiden immer wieder so wunderbar transportieren können. Mit langsamen Perkussions, wiederholenden Gesangsfetzen und einem aufbauenden, allumfassenden Sound, ist In Light so warm, groß und zugleich klein, dass man sich ergriffen und gleichermaßen bestärkt fühlt. Als würde ein Papierschiff in den reißenden Fluten eines Bergbachs die Oberhand behalten, fließt In Light förmlich durch enge Passagen voller Geröll um anschließend sanft durch weite, ruhige Bachläufe zu gleiten. Mit ihrem, am 10. Juli erscheinenden, neuem Album werden wir hoffentlich noch weitere solcher großartigen Songs hören.

Markéta Irglová feat. Emiliana Torrini & Aukai - Quintessence

Markéta Irglová feat. Emiliana Torrini & Aukai – Ein Lied von einer Kurzgeschichte voller Gefühle

Es gibt nicht viele Künstlerinnen und Künstler, die eine Magie ausstrahlen, die alles und jeden mit sich zieht. Markéta Irglová ist so eine Künstlerin. Sie ist nicht nur eine begnadete Pianistin, sondern besitzt auch eine Aura, die von Unabhängigkeit, Sanftmütigkeit und Reinheit geprägt ist. Von Glen Hansard – dem irischen Frontsänger von The Frames – 2001 in Tschechien entdeckt, baute er die damals 13-jährige Musikerin immer weiter auf und nahm sie mit nach Irland. Als Irglová 18 Jahre alt war, veröffentlichten sie zusammen mit Hansard unter dem Bandnamen The Swell Season das gleichnamige Debütalbum. Nur ein Jahr später folgte mit dem Film Once ein packendes Drama darüber, wie die beiden Musizierenden sich versuchen über Wasser zu halten. Diese Zusammenarbeit mündete schließlich in eine Oscar-Prämierung für den besten Titelsong eines Films. Es folgte mit Strict Joy 2009 noch eine weitere Veröffentlichung unter dem Bandnamen The Swell Seasons, ehe Irglová 2011 nach New York zog und nur ein Jahr später nach Island. Seit ihrer Entdeckung durch Hansard hat die Musikerin – die man durchaus als Autodidaktin bezeichnen kann – viel gelernt. Neben den Sprachen Englisch und Isländisch – die sie jeweils fließend beherrscht – kam auch das Spielen unterschiedlichster Instrumente hinzu. In Island angekommen, ist sie mittlerweile verheiratet, hat drei Kinder und macht weiterhin Musik, die sich an Künstlern, wie Sigur Rós und Emiliana Torrini orientiert.

Mit Letzterer hat Irglová nun einen gemeinsamen Song aufgenommen der sich mit einem mächtigen Gefühl von Hilflosigkeit und Besinnung zu unserer Natur beschäftigt. Torrini ist bereits vor einigen Jahren eine gute Freundin Irglovás geworden und besitzt eine ganz ähnliche Magie, wie Irglová. Mit ihrer sanften Stimme, dem organischen Sound in ihrer Musik und dem unglaublich warmen Gefühl ihrer Lieder, war für Irglová klar, dass nur Torrini als Hauptstimme des Songs Quintessence in Frage kommen kann. Hier begleitet Irglová die isländische Sängerin ausschließlich im Chorus und möchte damit ein Gefühl von Verbündung in den Song bringen. Markus Sieber – der als Aukai für eine Ambient-Soundstimmung steht und bereits mehrfach als Fusion aus Gustavo Santaollala und Ludovica Einaudi betitelt wurde – steuert schließlich die Atmosphäre bei. Herausgekommen ist ein fast zehnminütiger Song, der sich mit einer leisen Gewalt in unser Herz arbeitet. Durch ihn können wir heraushören, was Irglová in den vergangenen Monaten – als die Menschheit durch die größte Gesundheitskrise der Neuzeit gegangen ist – durch den Kopf ging. Von Angst und Panik, bis hin zu Erinnerungen an ihre Kindheit – bei der sie sich vor der Pandemie das letzte Mal so ruhig und machtlos gefühlt hat – lässt uns die Sängerin an einem Stück Musik teilhaben, welches weitaus mehr ist, als nur ein Lied. Irglová schafft es tiefe Gefühle zu wecken, gibt ihnen einen Raum sich zu entfalten, ehe sie gleichermaßen angemessen den Rückzug antritt. Quintessence ist eine Kurzgeschichte unseres eigenen Gefühls und zeigt eindrucksvoll, warum von Irglová und Torrini so eine Magie ausgeht.

Freyr - I'm Sorry (EP)

Freyr – Deine Geschichten in seiner Musik

Es beginnt mit einem simplen Hi, wenn man auf auf die Seite des isländisch/schwedischen Sängers Freyr Flodgren geht. Ein Hi und einem tiefen, sympathischen Gesicht mit stahlblauen Augen. Unter diesem Hi fängt Flodgren an, seine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die sich von seinem sechsten Lebensjahr an mit Musik beschäftigt. Vom Erlernen des ersten Musikinstrumentes – einer Flöte, über den Besuch der Umeå Music Classes, die als Schulform den normalen Schulbetrieb plus einem ausgeprägten musikalischen Gewicht besitzt. Hier lernen die Schülern vom Songwriting über das Spielen von Instrumenten, bis hin zum Vernetzung mit anderen Musikern alles, um sich kreativ komplett ausleben zu können. Flodgren lebte, bis zu seinem 16. Geburtstag, mit seinen Eltern in Umeå – einer Stadt im Norden Schwedens, in der es im Sommer nur dreieinhalb Stunden der Dämmerung verfällt und im Winter nur viereinhalb Stunden Sonnenlicht gibt.

Als sich seine Eltern entschieden, nach London zu ziehen, blieb Flodgren. Die Eltern vermieteten ihr Haus an ihren Sohn und weitere Studenten, aus dem schließlich ein Kollektiv entstand. Im Kopf einen Schritt weiterzugehen und das Elternhaus – mit all seinen Erinnerungen – nun mit anderen, jungen Menschen zu teilen, bedeutet auch viele der ganz persönlichen Erinnerungen mit Neuen vermischen zu sehen. Oftmals geht damit eine melancholisch, motivierende Stimmung einher, die sich nun in Flodgrens Debüt-EP I’m Sorry wiederfindet. So beschreibt Flodgren seine sanfte, warme und melancholische Musik mit den Worten Ich habe eine Leidenschaft für Musik die atmet – die unabhängig vom Genre ist – und bevorzuge akustische Musik, die von erfahrenen Musikern auf echten Instrumenten gespielt wird. Ich mag es, wenn meine Musik den Hörer nachhaltig beeinflusst und nicht nur ein Ohrwurm ist. Entweder indem man ein Gefühl für die Harmonien hervorruft, eine Atmosphäre mit den Texten schafft oder versucht, dem Publikum eine Reflexion über die Dinge zu vermitteln, die im Leben wichtig sind. Ich schreibe Musik für andere. Über seine Debüt-EP sagte er noch Musik soll einfach, unterhaltsam und zugänglich sein. Es geht nicht darum, einen Charakter zu spielen. Es geht darum, einfach nur man selbst zu sein und sich über seine Gefühle bewusst zu werden. Das versuche ich zu tun. Das gelingt dem Musiker so wunderbar, dass mit den ersten Harmonien der EP ein Gefühl, von Intimität, Gefühl und Wärme aufkommt, die einem sofort in eine Art sicheren Raum einschließt, aus dem Emotionen ungeniert erwachen können.

Es sind die verschiedenen Instrumente – im Zusammenspiel mit Flodgrens Stimme (die an Künstler, wie José González oder Ben Howard erinnert) – die den einzelnen Songs Over My HeadI’m SorryNeighbour Boy, Ride The Stream und I’m Here diese ganz besondere Stimmung verleihen. Irgendwo zwischen einer verletzten Seele – die selbst schon das dunkelste Licht gesehen hat – bis zu einem friedlich, harmonischen Lagerfeuer Moment, besitzt die EP eine großartige Weite an Emotionen und erzeugt ganz von selbst Geschichten, die unser ganz persönliches Leben bereits geschrieben hat und wir nun daraus erzählen können. Zurück auf Freyr Flodgrens Homepage – der seine Musik einfach unter dem Namen Freyr veröffentlicht – schauen uns diese blauen Augen und das warme Gesicht eindringlich an und bedeuten mit einem simplen Hi so viel mehr, als nur das Oberflächliche. Freyr macht Musik, die berührt und beruhigt und eine enorme Wärme schafft. Seine Debüt-EP I’m Sorry erscheint am 3. Juli.