Jon Bryant - Bad Happens

Jon Bryant – Sanfte Untermalung eines Roadtrips

Mit seiner Single Paradise aus dem Sommer 2018 hatte sich der kanadische Sänger Jon Bryant mit einem fast schon hypnotisierenden Song zurückgemeldet und sein viertes Studioalbum Cult Classic für 2019 angekündigt. Nun, ist Bryant bereits wieder ins Studio zurückgekehrt und zeigt mit seiner neuen Single Bad Happens, wie sanft ein Trennungssong klingen kann. Dabei singt sich Bryant durch all die schlechten Angewohnheiten, die man in einer Beziehung entwickelt. Er selbst übt sich darin, mit der einhergehenden Verbitterung umzugehen. Dass ihm dies scheinbar gut zu gelingen scheint, können wir nun auf Bad Happens hören. Klingt der Song nicht ganz nach einem typischen Break-Up-Song, wird vielmehr klar, dass sich Bryant hier auf eine Art Roadtrip begibt, um aus dem emotionalen Loch rauszukommen. So wird mit Perkussions, Gitarren und einem eingängigen Refrain das Weiterkommen angetrieben, welches Bryant zu diesem entspannten Trennungssong kamen ließ. Mit einer Mini-EP von nur zwei Liedern veröffentlicht Bryant neben Bad Happens auch den Song Headphones und wird Anfang April in Hamburg (07.04.), Berlin (08.04.) und München (09.04.) für Konzerte vorbeikommen.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – Vom überflüssigen Ballast lösen – Ein Interview

Es war ein milder aber verregneter Donnerstag im Februar, an dem ich Felix und Hugh von Gengahr im Berliner Maze Club zum Interview traf. Zwei Menschen aus einer Band, die momentan als eine der Wenigen gilt, die den britischen Indie hoch halten. Im Maze Club – bekannt für seinen rauen Kellercharme – sprachen wir über den Einfluss, den Bombay Bicycle Club Frontmann Jack Steadman hatte, über das Jonglieren mit Erwartungen und Druck und über den frischen Mix der verschiedensten Genreeinflüsse, die Sanctuary enthält.

 

 

 

SOML:
Als ich Euch das erste Mal sah, standet Ihr auf der Mainstage des Melt! Festivals Mitte Juli 2015 – ungefähr vier Wochen nach der Veröffentlichung eures Debütalbums A Dream Outside. Vor Euch standen vielleicht 100 Leute und es hat regelrecht geschüttet vor Regen. Könnt ihr euch noch daran erinnern, we es sich anfühlte, in solch einer frühen Phase der Band, auf einer derart großen Bühne zu stehen

Hugh:
Absolut, das war eine abgefahrene Erfahrung. Das war bis dato die größte Bühne, auf der wir gespielt hatten und gleichzeitig war es das Festival mit den wenigsten Leuten, vor denen wir gespielt hatten. Doch es war ein reinstes Wasserspiel. Zu diesem Zeitpunkt fegte ein Unwetter über das Festivalgelände und alle versteckten sich in ihren Zelten und unter Imbissständen. Obendrein wurde das Konzert auch noch gefilmt und auf ARTE Concert übertragen, was eigentlich ganz gut war, wäre da nicht dieses Unwetter gewesen. Aber uns hat das nichts anhaben können. Wir lieben es weiterhin Musik zu machen und es war sonst auch ein wunderschönes Festival mit einer atemberaubenden Kulisse. Wir würden uns freuen, irgendwann zurückzukommen und einen richtigen Auftritt hinzulegen – solange es nicht wie aus Eimern regnet.

Felix:
Das ist perfekt zusammengefasst, es war wirklich so. Es war eine Erfahrung, auf die wir uns alle im Vorfeld gefreut hatten und am Ende ziemlich enttäuschend war. Aber leider ist die Realität manchmal einfach nicht ganz so, wie man es sich vorgestellt hat. Und das alles nur, durch widrige Wetterbedingungen.

 

 

SOML:
Ihr habt angefangen professionell Musik zumachen, das war 2014/2015, als Indie Musik eigentlich komplett am Boden lag. Speziell in Großbritannien war dies so. Doch dann beschrieb der The Clash Magazine Journalist euch als Retter der britischen Gitarrenmusik. Woher habt ihr damals eure Inspiration gezogen Gitarrenmusik zu machen?

Felix:
Der Einfluss von Gitarrenmusik begann bei uns recht früh. Wir hatten in unserer Kindheit recht ähnliche Bedingungen, wenn es um unsere Eltern geht. Denn die waren allesamt Kinder der Hochzeit britischer Gitarrenmusik. Von den Stones bis zu den Beatles. Deren Begeisterung hat uns angesteckt. Denn irgendwie wachsen wir alle in einer solchen Umgebung auf und hören als erstes das, was die Eltern hören. Bei uns kam dann noch Musik von John Martin, James Taylor und Joni Mitchell hinzu. Hier steckt das Herz unserer Musik drin und kommt der Einfluss her. Und schließlich wuchs unsere Musik auch durch unser erwachsen und Teenager werden weiter. Wir begannen Nirvana und ähnliche Bands zu hören, bei denen die Gitarre nicht einfach nur eine Begleitung darstellte, sondern vielmehr zum Hauptakteur des Songs wurde. Es gibt also verschiedene Einflüsse, die bei unserer Musik mitspielen. Wir studierten regelrecht Bands wie The Smashing Pumpkins, bei denen recht klar zu erkennen ist, dass die Gitarre ein Hauptteil der Songs ausmacht. Was wiederum bei einem Großteil der Musik aus den 60er und 70er Jahren nicht so offensichtlich ist. 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Ihr seid aber nicht nur im Indie zu Hause, sondern habt mit einem Mix aus Psychedelic Rock, Indie und atmosphärischen Gesangsparts angefangen. Wenn wir uns euer neues Album Sanctuary anhören, finden wir zwar immer noch Indie und dem atmosphärischen Gesang aber auch große Unterschiede zwischen den Songs. Everything And More hat immer noch genau dieses psychedelic Rock Gefühl, während AnimeIcarus und Atlas Please deutlich beeinflusster vom Pop erscheinen. Heavenly Maybe und Soaking In Formula gehen sogar einen großen Schritt in Richtung Disco. Was hat euch dazu gebracht, einen so diversen Sound einzuspielen?

Hugh:
Ich denke, dass wir schon immer diese Aspekte der verschiedenen Genres in unserer Musik vereint haben – auch schon in unseren ersten beiden Alben – allerdings nie so produziert, dass sie deutlich wurden. Mit dem jüngsten Album Sanctuary haben wir uns bemüht, die Richtung unserer früheren Songs beizubehalten und sie dennoch auf den neuen Songs weiter voranzutreiben. Wir haben versucht, unser Album so vielfältig wie möglich zu gestalten, ohne zu verwirrt zu sein – hoffen wir zumindest. (lacht)

Felix:
Vieles davon kommt auch durch die Art und Weise zustande, wie diese Aufnahmen entstanden sind. Auf unseren ersten beiden Alben sind wir ins Studio gegangen, haben das Schlagzeug aufgestellt und den Klang des Raumes genutzt, in dem wir aufgenommen haben. Ungeachtet des Genres der Songs gibt es immer einen roten Faden, der den Sound dann doch ziemlich ähnlich klingen lässt. Zumindest die Art und Weise, wie wir diese Aufnahmen gemacht haben, hat viel Zeit in Anspruch genommen, denn die Songs sind in den verschiedenen Schlafzimmern von allen Beteiligten geschrieben und aufgenommen worden. Daher gab es also, auf der gesamten Platte, keinen linearen Produktionssound. Jedes Lied darf also ein bisschen mehr für sich sein, als er es vielleicht gewesen wäre, wenn wir ihn auf traditionellere Weise aufgenommen hätten.

 

 

SOML:
Auch dein Songwriting hat sich während deiner Bandpräsenz weiterentwickelt. Wie fühlt es sich heute im Vergleich zur Früher an, Musik zu schreiben und was bedeutet es für dich?

Felix:
Natürlich willst du immer das Gefühl haben, dass du besser wirst. Was ich auf jeden Fall fühle, ist, dass es immer etwas zu lernen gibt. Immer wenn du ein Album machst, kommst du am Ende etwas weiser heraus – auch mit ein paar neuen Tricks natürlich. Der gesamte Prozess, in einer Band zu sein, ist ein Prozess des Wachstums und der Evolution. Wir versuchen immer, das zu verbessern, was wir zuvor getan haben, und versuchen, ein Album zu machen, auf das wir wirklich, wirklich stolz sein können.

Hugh:
Wir können nicht einfach dasselbe zweimal tun. Wir versuchen es zu vermeiden, doch es könnte trotzdem etwas Ähnliches herauskommen. Wir versuchen immer, an jedes Album anders heranzugehen.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Einige Songs sind überraschend direkt und andere eher vage gehalten. Ihr als Band, aber auch jeder einzelne Bandkollege habt in der Vergangenheit einige Herausforderungen erlebt. Wie wirken sich persönliche oder von außen einprasselnde Erfahrungen auf eure Songs aus?

Hugh:
Persönliche Erfahrungen oder Eindrücke von außen – insbesondere stark emotional aufgeladene, finden ihren Weg in unsere Kompositionen. Ob das nun durch Texte oder nur über den Ton und Stimmungen bestimmter Noten oder Akkordproduktionen ist. Ich denke, wir hatten alle unsere Höhen und Tiefen und sie alle helfen der Kreativität.

Felix:
Ich denke, wir alle wissen, dass ich diese Emotionen nutzen und versuche, daraus etwas Positives zu kreieren. Einige der besten Musikstücke sind auch gleichzeitig die Herzzerreißendsten. Und ich denke, dafür gibt es einen Grund. Die Art und Weise, wie ein Zuhörer sich verbinden und in Beziehung zu einem Song setzen kann, ist etwas sehr Mächtiges. Bei unterschiedlichen Musikstilen und natürlich mit wirklich großen Popsongs existiert diese Verbindung irgendwie nicht und dennoch funktioniert sie trotzdem noch aus irgendeinem Grund. Aber der wirkliche Höhepunkt eines großartigen Songwritings ist, wenn man Songs hat, die auf beiden Ebenen funktionieren: die sich musikalisch und emotional verbinden. Und dann wirst Du zum Gewinner.

SOML:
Felix, in einem Interview hast du gesagt, dass du eine Zeit lang alle Songs, die du geschrieben hattest, auf ein Soloalbum packen wolltest. Warum hast du dich entschieden, dies nicht zu tun und stattdessen eine neue Gengahr-Platte daraus zu machen?

Felix:
Es war nicht so, dass ich alle Songs auf eine Soloplatte bringen wollte. Aber als wir mit der Arbeit an Where Wildness Grows fertig waren, schrieb ich bereits eine Menge Sachen auf, die mir durch den Kopf gingen, denn ich wollte schreiben und weiterarbeiten. Und wir als Band waren zu diesem Zeitpunkt alle ein bisschen müde und ich konnte mir gut vorstellen, dass einige Bandmitglieder nicht unbedingt Teil dieser nächsten Platte sein wollten oder hatten erst einmal genug. Umso überraschter war ich im positiven Sinne, dass ich in diesem Punkt falsch lag. Einige von uns brauchten länger, um wieder an Bord zu kommen und ihren Fokus voll auf die Band zu setzen als andere. Aber am Ende sind wir alle irgendwie wieder dort angekommen. 

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Euer Plattenlabel Liberator Music ist die Heimat vieler Independent-Bands und Künstler wie Totally Enormous Extinct Dinosaurs und RY X. Aber auch großer Acts wie Kylie Minogue, CHVRCHES und alt-j. Wie positioniert ihr euch in dieser Umgebung? Und in die Zukunft gedacht – gebt ihr euch eine Chance, vielleicht mit einem dieser Acts etwas gemeinsam zu machen?

Hugh:
Ja, sag niemals nie. Kylie Minogue kann immer ein paar Back-Vocals auf unseren Tracks machen, wenn sie ihre Freuden zeigt. Wir sind seit Anfang an Liberate Music gesigned. Sie waren unser australisches Label, bevor wir in Großbritannien einen Plattenvertrag unterschrieben. Schließlich haben wir mit ihnen die Entscheidung getroffen, eine weltweite Vermarktung unserer Musik zu versuchen. Aus heutiger Sicht, sind wir sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Sie sind einfach großartig und unterstützen uns in allen Bereichen tatkräftig. In Australien ist es ein riesiges Label und machen riesige Fortschritte auch im Rest der Welt als Label bekannter zu werden. Es ist daher wirklich aufregend, ein Teil ihrer größeren Pläne und Projekte zu sein.

Felix:
Ja, und ihre neuen Horizonte. Wir sind das Zentrum dieser neuen Horizonts. (lacht)

 

 

SOML:
Ihr habt kürzlich mit Jack Steadman von Bombay Bicycle Clubs zusammengearbeitet. Er produzierte auch Sanctuary.
Wie kam es zu dem Kontakt?

Felix:
Jack ist mittlerweile ein alter Freund von uns. Hugh und ich gingen beide auf das Sixth-Form Collage – was in Deutschland dem Gymnasium gleich kommt. Hier trafen wir Ed, den Bassisten im Bombay Bicycle Club, denn wir waren mit ihm in der selben Musikklasse. Der Klasse für Music Technology, um genau zu sein. Jack haben wir schließlich auf einer Privatparty getroffen. Da waren wir um die 17 oder 18 Jahre alt und hatten uns damals zunächst noch nicht so oft gesehen, um ehrlich zu sein. Dann trafen wir uns im Laufe der Jahre auf einigen Festivals immer wieder und sprachen irgendwann darüber, einmal einen Song zusammen aufzunehmen. Wir wollten damals, dass der Song etwas anders wird, als das, was wir bisher gemacht hatten. Daher suchten wir Jemanden, der unserer Musik etwas gibt, das wir selbst vielleicht nicht hatten beitragen können. Die fiel die Auswahl auf Jack. Er ist nicht nur ein großartiger Produzent, ich denke, einen anderen Songwriter im Raum zu haben, hilft jedem, sich ein bisschen auszuprobieren. Und gleichzeitig möchte man sicherstellen, dass man sein Bestes gibt. Es gibt dir nicht die Möglichkeit, dich auf deinen Lorbeeren auszuruhen und es schafft eine wirklich positiv aufgeladene Atmosphäre, wenn du jemanden hast, den du respektierst – nicht nur als Produzent – sondern eben auch als Songwriter. Nachdem wir diesen Song zusammen gemacht hatten, kam die Frage über die Aufnahme eines kompletten Albums wie von selbst auf. Und zum Glück waren alle begeistert und neugierig darauf. Und hier sind wir jetzt.

Hugh:
Ja, es ist eine schöne Kombination aus Alt und Neu mit Jack, weil wir diese Vertrautheit haben. Aber, wie Felix sagte, hatten wir nie wirklich einen richtigen Produzenten mit im Studio, als wir an den ersten beiden Platten arbeiteten. Das war eine schöne Kombination.

 

 

SOML:

Als Jemand, der Bombay Bicycle Club wirklich gerne hört, erkenne ich in vielen Songs die Stimmung von Jacks musikalischer Note wieder. War diese Wendung in eurer Musik geplant und was war anders, im Vergleich zu den vorherigen Platten, durch die Zusammenarbeit mit Jack?

Felix:
Jack hat sehr unterschiedliche Spielmuster. Er hat seine Rolle in unserer Band sehr effizient gestaltet. Er ist sehr gut darin, den richtigen Ort zu finden, um sich zu positionieren. Ich denke, er hatte nie das Gefühl, sich in einen der Songs gegen unseren Willen einzumischen. Aber es ist auch sehr klug, wenn es darum geht, die Arrangements zusammenzustellen und sie zu verbessern. Ich bin mir sicher, dass unsere Musik durch Jack viel mehr von diesem verzögerten Sound erhalten hat – diese kleinen Macken, die er im Sound von Bombay Bicycle Club benutzt. Ich denke, wir haben gelernt uns selbst als sehr effektive Werkzeuge zu sehen, um einige unserer Arrangements zu verbessern.

Hugh:
Ja, den Mist einfach rauszuschneiden. Einfach die vielen unnötigen Teile in unseren Arrangements zu entfernen, die nicht zum Gesamteindruck beitragen.

Felix:
Ich würde sagen, dass es wahrscheinlich die größte Stärke ist, die er hat. Wenn wir uns eine aussuchen müssten, wäre es wahrscheinlich sein Gespür für die Arrangements. Er hat ein sehr gutes Ohr für das, was da drin sein sollte und was nicht notwendig ist.

Gengahr - live@Maze Club Berlin

Gengahr – live@Maze Club Berlin

SOML:
Ihr habt das Musikvideo von Heavenly Maybe in Berlin gedreht. Wie kam es dazu und was für eine Beziehung habt ihr zu Berlin?

Hugh:
Wir lieben Berlin. Wir haben im Laufe der Jahre viele Male hier gespielt und einige unserer Urlaube in der Stadt verbracht. Uns war es wichtig, das Video definitiv nicht in Großbritannien zu drehen. Irgendwo in Europa sollte es sein. Und da wir eine ziemlich starke Verbindung zu Berlin haben, dachten wir, dass wir hierher kommen müssten. Wir haben hier Freunde, die uns beim Dreh des Videos helfen würden. Also machte es wirklich Sinn. Heavenly Maybe geht wirklich schon in die Richtung eines Disco-Songs, es machte also total Sinn, das Musikvideo daher auch in einem Club zu filmen. In Heavenly Maybe geht es darum zu Feiern, um nicht an deine Probleme zu denken oder sie zu unterdrücken. Und ich denke, viele Leute kommen nach Berlin, um das zu tun. Wir dachten also, das wäre das Richtige, dieses Gefühl in Berlin zu erzählen.

 

 

SOML:
Viele Bands haben Druck, dadurch, dass sie sich hohe Ziele setzen oder mit hohen Erwartungen konfrontiert werden – und scheitern daran. Wie geht ihr mit solchen Erwartungen um? Sei es auf die Entstehung eurer Songs bezogen, eurem Erfolg oder euren ganz persönlichen Erwartungen und Zielen?

Felix:
Es ist immer eine herausfordernde Situation, sich selbst zu finden. Ich denke, jeder wird das wahrscheinlich sehr ähnlich fühlen. Ob du ein Ed Sheeran bist oder ob du in einer Band – wie wir es sind – bist, die ihr drittes Album veröffentlicht haben und immer noch unermüdlich dafür arbeiten und so viel wie möglich touren, während wir den Rest unseres Tages damit verbringen, alles unter einen Hut zu bekommen. Du willst immer das Gefühl haben, dass du dich vorwärts bewegst. Natürlich haben auch wir ganz persönliche Erwartungen. Wir fordern viel von uns. Aber ich denke, es ist oft wichtig, zurückzutreten und das Gesamtbild zu betrachten. Du solltest dich immer wieder fragen; würde mein jüngeres Ich glücklich sein, damit, wo ich jetzt bin? Ich bin der Meinung, dass wir diese Frage – glücklicherweise – fast immer mit Ja beantworten können. Wir haben also einen ziemlich guten Job gemacht. Ich denke, es schadet aber auch nicht, auf mehr zu hoffen und sich auch mehr zu wünschen.

Hugh:
Ja, es ist schwierig mit den Erwartungen. Auch für mich persönlich. Ich denke, dass es in allen Lebensbereichen aber auch immer sehr nützlich ist, die Erwartungen mal runterzuschrauben. Denn es kann sehr starken psychischen Druck erzeugen, wenn man sich sich zu hohe Erwartungen setzt. Aber es geht auch darum, ein Gleichgewicht zu finden und Fortschritte zu machen und die Ziele, die man sich setzt, auf verschiedenen Wegen zu erreichen aber ohne sich Einzelheiten zu verlieren.

Felix:
Mach Dich nicht fertig!

Hugh:
Auch Mitgefühl für sich selbst zu haben ist wichtig.

Felix:
Aber dennoch auch das harte Arbeiten. (lacht)

 

 

 

 

Interview: Marten Zube

Låpsley - Womxn

Låpsley – Von der Stille zum Popsong

Sie wirkt, wie ausgetauscht. Hatte Låpsley Ende November letzten Jahres mit ihrer EP These Elements noch die ganz intime und verletzliche Seite gezeigt und ließ uns Teil haben – an den vergangenen drei Jahren, in denen die 23-jährige Sängerin so einige persönliche Höhen und Tiefen durchlaufen hatte – zeigte sie bereits auf ihrer Clubtour Ende Januar, dass sie gestärkt aus dieser Situation herausgegangen ist. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Womxn, die Låpsley erstmals auf ihrem Berliner Konzert am 27. Januar spielte, präsentiert sie ihre neugefundenen Weiblichkeit. Dabei beschrieb Låpsley auf dem Konzert ihren Werdegang dorthin als schwer aber ausflussreich. Daraus hervorgegangen ist sie als gewachsene Frau, die mit Niederschlägen gelernt hat umzugehen und eine alte Liebe davongejagt hat. Musikalisch würde man fast behaupten, sie betrete Neuland, wenn da nicht der alles überragende Discohit Operator gewesen wäre. Mit Womxn hat sich Låpsley dennoch für eine unglaublich eingängige und poppige Note entschieden und wirkt losgelöst und glücklich. Mit der Veröffentlichung von Womxn kam schließlich auch die Mitteilung, dass Låpsleys zweites Album Through Water am 20. März erscheinen und zehn Tracks umfassen wird. Womxn ist locker und stimmt uns wunderbar auf den nahenden Frühling ein und mit Låpsleys neuem Album dürfen wir gespannt sein, in welche Richtung das Album gehen wird.

Giant Rooks - Watershed

Giant Rooks – Sound im Wandel

Die Giant Rooks haben über die letzten Jahre eine beachtliche Größe erreicht. Ganz aus sich heraus gewachsen, haben die fünf aus Nordrhein-Westfalen kommenden Musiker es geschafft, binnen nur zwei Jahren – seit ihrer Gründung 2014 – zur Vorband von The Temper Trap oder Kraftklub zu werden und verkaufen mittlerweile sogar die Berliner Columbiahalle aus. Dabei war es sicher hilfreich, dass am 1. Dezember 2019 eine Tatort Folge mit gleich drei Songs der Band über 9 Millionen TV-Zuschauer fand und somit bei einer nicht zu unterschätzende Zuschauerzahl Interesse weckte. Doch auch fernab dieser Zuspiele sind die Giant Rooks ein absoluter Garant für großartigen Indie aus Deutschland und spielen sich live in alle Herzen. Denn ihre Aufrichtigkeit und Direktheit kommt an. So wirken sie dem Publikum immer nah, zeigen Spielwut und genießen jedes Konzert sichtlich. Nach den drei EP’s The Times Are Bursting the Lines (2015), New Estate (2017) und Wild Stare (2019) wird es Zeit für ein Debütalbum – und dieser Weg wird gerade geebnet. Denn, dass die Band nicht stehen bleibt, zeigten sie im Herbst 2019 mit der Veröffentlichung des Songs King Thinking – der erstmals einen anderen Ton anschlug. Jetzt sind sie mit Watershed zurück und überzeugen mit einem – schon ziemlich passenden – Stadionsound, der sich deutlich größer anhört, als ihre bisherigen Songs. Mit einem Klavierspiel, treibenden Beats und mehrstimmigen Gesang begeistern Giant Rooks vollends und ist dabei das Kratzige in der Stimme des Frontsängers Frederik Rabe zugunsten einer wärmeren Stimmlage gewichen. Watershed neigt dazu, ein neues Kapitel der Giant Rooks einzuläuten und dürfte gleichzeitig große Hoffnungen auf ein baldiges Debütalbum schüren. Gleichzeitig füllt die kommende Europatour, die im April und Mai 30 Städte anlaufen wird, den Namen Rookery der nicht passender für das Debütalbum sein könnte.

Das Ding Ausm Sumpf - Genau Du

Das Ding Ausm Sumpf – Monsterrap auf Dancebeats

Kein bisschen bescheidener könnte man es beschreiben, was der Münchener Musiker Stefan Mühlbauer da unter dem Pseudonym Das Ding Ausm Sumpf raushaut. Mit einer Mischung aus Rap und derben elektronischen Beats erinnert Das Ding Ausm Sumpf auf seiner aktuellen Single Genau Du stark an Deichkind. Neben diesen Elementen kommt aber auch eine Portion Balkanbeats hinzu und erinnert der Song hier und da sogar ein klein wenig an den Sound, den Fettes Brot auf ihrem Überhit Schwule Mädchen hatten. Das Ding Ausm Sumpf behandelt dabei Themen, die bewusst provozierend sind und anecken – denn dem Druck der Leistungsgesellschaft erteilt der Musiker einen fetten Mittelfinger. Mit kränk wird der Münchener am 6. März sein Debütalbum veröffentlichen und gleichzeitig auf eine ausgedehnte Konzerttour gehen, die sagenhafte 38 Städte ansteuert.

Noah Gundersen - Lose You

Noah Gundersen – Ein neuer Mensch

Als der amerikanische Sänger/Songwriter vor fast genau vier Jahren im Berliner Privatclub die Bühne betrat, war es wie ein weisses Blatt Papier. Sowohl der Name, als auch seine Songs waren gänzlich unbekannt und die Überraschung umso größer, als das Konzert seinen Lauf nahm. Damals noch mit langen Haaren singend, hat sich Gundersen im Verlauf der Zeit deutlich gewandelt. So steht er heute mit kurzen, blond gefärbten Haaren und sichtbaren Tattoos vor dem Publikum und singt so wunderbare Songs, wie seine neueste Veröffentlichung Lose You. Diese kommt von Gundersens viertem Album Lover und zeigt den Sänger angekommen. Angekommen in einer Welt, die für den Musiker so viel bereithält und die Inspiration für neue Songs gibt. Auf der dazugehörigen Tour spielte Gundersen innerhalb von zwei Monaten 40 Shows und war danach völlig energielos – so beschreibt Gundersen in einem Post die Tage nach dem Tourfinale. Mit der nun ausgekoppelten Single Lose You hat Gundersen gestern auch ein passendes Musikvideo veröffentlicht. Dieses untermalt die gewaltige Wärme, die der Song durch seine zurückhaltende Art besitzt, die im Verlaufe des Songs als Emotion ausbricht und zu einem satten Liebessong voller Energie wird. Gundersen klingt mit seinen 30 Jahren unglaublich reif und transportiert eine Phase der Liebe, die von Freude, Vertrauen, Verläss

lichkeit und einem Kampf erzählt, der eine Beziehung retten soll. Lose You ist ein so wunderbarer Song, dass man sich fast wünscht, von Gundersen gerettet zu werden.

Mumford & Sons - Blind Leading The Blind

Mumford & Sons – Lang gehegtes Geheimnis gelüftet

Mit Delta veröffentlichten Mumford & Sons 2018 ihr viertes Studioalbum und entfernten sich immer mehr vom Folksound der Anfangszeit. Nun haben die Londoner Jungs mit Blind Leading The Blind einen neuen Song veröffentlicht, den der Ein oder Andere auch schon auf den letzten Konzerten der Band gehört haben könnte. Denn Blind Leading The Blind schlummert bereits seit vier Jahren in der Schublade der Band. Einst für Delta geschrieben, reichte es letztlich nicht, um auf die Platte zu kommen. Doch verworfen haben ihn Marcus Mumford und der Rest der Band nie. So arbeiteten sie in den vergangenen Jahren immer wieder mal an dem Song und sind nun glücklich, ihn fertig zu haben und zu veröffentlichen. Auf Blind Leading The Blind erhält nun auch das Banjo wieder eine größere Bedeutung und zieht sich prominent durch den gesamten Song. Dabei kommen aber auch die neuen Sounds, die den Stadionsound auf Delta und dem 2015er Wilder Minds prägten, vor und sorgen für einen Energie, die für Mumford & Sons so typisch ist. Blind Leading The Blind ist das perfekte Bindeglied zwischen den von Folk geprägten Alben Sigh No More und Babel und dem Alternative- und Elektro-Rock Alben Wilder Mind und Delta und füllt eine Lücke, bei der wir vorher nicht wussten, dass es sie gibt, sie aber nun unsere Mumford & Sons Diskografie vervollständigt.

AVEC - Home

AVEC – Wenn ein Mensch dich komplettiert

Vor etwas mehr als einem Jahr konnten wir uns selbst von der großartigen österreichischen Sängerin AVEC überzeugen und im Gretchen in Berlin ihren Songs lauschen. Denn dabei passte das Wort lauschen wie selten ein anderes zu ihrem Konzert aus viel Gefühl, Herzlichkeit und Authentizität. Dabei spielte sie nicht einfach nur Songs ihrer beiden Alben Heaven/Hell (2018) und What If We Never Forget (2016), sondern hauchte ihnen regelrechtes Leben ein – wie mit dem Song Love. Nun hat die Österreicherin mit Home erneut einen Song veröffentlicht, der sich so sehr aus den Gefühlen der Sängerin speist und uns gleichzeitig so vertraut vorkommt. So singt sie darüber, wie es ist nach Hause zu kommen. Allerdings meint AVEC damit nicht etwa die vier Wände und das Dach über dem Kopf, sondern viel mehr den Partner, den liebsten und engsten Menschen neben sich. Dieses Gefühl – wohl eines der Stärksten, das wir fühlen – von Vertraut- und Geborgenheit, vom Auffangen und Aufbauen. All diese Gedanken und Gefühle halten allerdings nur so lange, wie wir sie auch ertragen können. Denn dann kommt der Twist. AVEC hat dafür ein wunderbares Musikvideo gewählt, welches dieses Gefühl und die Umkehr dessen, was es bedeutet, sich bei jemanden zu Hause zu fühlen, sehr emotional transportiert.

AnnenMayKantereit – Mit der Vergangenheit abschließen

Sie haben in den letzten Jahren einen unglaublichen Siegeszug im deutschsprachigen Raum erlebt. Mit ihren ersten beiden Alben Alles nix Konkretes und Schlagschatten schafften sie es auf den ersten und zweiten Platz der Albumcharts und verkauften mehr als 500.000 Alben. Ihre Songs Oft GefragtPocahontas und Marie sind bleibende Hymnen der Generation Z geworden und verblüffen auch die Generation davor immer wieder aufs Neue. Nach dem großen Tourerfolg der mittlerweile fünf Kölner Jungs gibt es nun mit Ozean eine erste neue Single, die alle Fans, die auf den Konzerten der Band waren, bereits im Frühjahr hören konnten. Mit einem Livemitschnitt des Frankfurter Konzerts zeigt Henning May und die Band einmal mehr, dass sie live absolut begeistern können und lassen Ozean brüchig und sentimental klingen. Mal drückt May mit seiner Stimme etwas mehr Bedeutung in die Worte, mal lässt er das Publikum leise die Textzeilen singen. Die Mischung aus Wohnzimmerkonzert in großen Hallen und dem Einbeziehen von weit mehr als 10.000 Menschen macht es aus, dass AnnenMayKantereit wie die Jungs von Nebenan wirken und man ihnen all den verdienten Erfolg nur zu sehr gönnt. Ob Ozean ein erster Vorbote für ein baldiges drittes Studioalbum sein wird, ist momentan wohl noch ein Geheimnis der Band. So genießen wir den unverhofften Song und freuen uns über all das, was bald kommt.

Krezip - How Would You Feel

Krezip – Wenn sie uns rufen

Krezip sind zurück! Diese Nachricht schlug Ende Januar ein wie eine Bombe – eine der erfolgreichsten niederländischen Bands veröffentlichte, nach 10 Jahren Trennung, mit Lost Without You wieder eine Single. Hierbei galt die Single nicht nur als Comeback, sondern gleichzeitig auch als großes Dankeschön an die jahrelange Treue der Fans. Immerhin war die Band nun genauso lange getrennt, wie es sie als Band gab. Schließlich folgte Ende April die Auszeichnung mit einer Goldenen Schallplatte und bestätigte damit die Nachfrage der Fans. Nach der Ankündigung nicht nur auf dem Pinkpop Festival zu spielen, sondern am 25. Oktober 2019 gleich noch ein Konzert im Amsterdamer Ziggo Dome zu spielen, gingen die Karten innerhalb von weniger Stunden komplett weg. So, dass die Band mit dem 24. und 26. Oktober zwei Zusatzkonzerte ankündigte. Ist der 26. Oktober mittlerweile ebenfalls ausverkauft, gibt es für den 24. Oktober noch Karten zu kaufen. Doch auch diese werden in den kommenden Wochen äußerst nachgefragt sein, denn heute haben Krezip – als weitere Überraschung – eine zweite – komplett neue – Single veröffentlicht. Mit How Would You Feel haben Krezip einen Song veröffentlicht, der das Gefühl der Band nicht besser vermitteln könnte. Hier trifft Wärme auf eine euphorische Stimmung, die nach Aufbruch klingt. Dabei singt sich Jacqueline Govaert durch Textzeilen, wie Ooh ooh ooh There’s so much going on. And everything is always moving on. How would you feel. If I come home now. Cause I need you now love. Oh I need you now. And on and on I miss you. Und klingt zufriedener denn je. Die Band – selbst überwältigt von all dem Zuspruch – fügte der Veröffentlichung dann auch die Worte Liebe Leute, zwischen all den schönen neuen Abenteuern, die wir gemeinsam erleben dürfen, gab es plötzlich Inspiration für ein weiteres neues Lied! Damit zeigen sie ganz direkt, wie sehr sie mit den Fans verflochten sind und die äußeren Eindrücke auf sie wirken. Nun, nach der zweiten neuen Single, werden die Vermutungen, dass es doch in absehbarer Zeit ein neues Album geben könnte, nochmals verstärkt. Mit How Would You Feel zeigen Krezip einmal mehr, warum sie uns allen so gefehlt haben.