girl in red - Midnight Love

girl in red – Die Selbstreflexion eines Bad Guys

Ich bin immer davon ausgegangen, nie ein Arschloch zu sein, bis ich es plötzlich war. Mit diesen Worten beschreibt Marie Ulven alias girl in red den Moment, an dem sie realisierte, wie sehr sie einen Menschen klein hat fühlen lassen, nur um sich selber wohlzufühlen. Der Moment dieser Selbstreflexion setzte ein, als Ulven bei einer engen Freundin feststellte, wie deren Bekannter sie behandelte und immer nur dann kontaktierte, wenn er Nähe brauchte. Dass dadurch der Wunsch der Freundin nach mehr – als nur ein Rummachen – immer größer wurde und sie gleichzeitig durch jede Ablehnung verletzt wird, ließ Ulven an eine ganz ähnliche Beziehung zwischen ihr und einer Frau denken. Auf ihrem neuen Song Midnight Love schreibt Ulven dann auch aus dem Blickwinkel dieser Frau und versucht sich so ein Bild von ihrem Handeln zu verschaffen. Dabei klingt Ulven einmal mehr verträumt und zeichnet sich durch den Bedroom-Pop aus, der zuletzt auch durch Billie Eilish so populär gemacht wurde. Erstmals arbeitet Ulven mit einem Klavier und drückt ein Gefühl von Liebe, Verletzbarkeit und Aufopferung aus, das den direkten klingenden Sound von girl in red ausmacht. War Ulven dieses Jahr bereits auf dem Cover der Gay Times und wurde vom NME Magazin zum Best New Act In The World gekürt, hat die Norwegerin mit Midnight Love wieder einmal ein heißes Eisen im Feuer und baut weltweit einen immer größer werdenden Fankreis auf.

Girl In Red - I'll Die Anyway

Girl In Red – Auf dem Weg zu Chapter 2

Bereits Anfang Januar hatte Girl In Red mit der Single We Fell In Love In October eine wunderbare Liebeshymne für all diejenigen veröffentlicht, die es schwer und herausfordernd finden, sich zu verlieben. Nun hat Marie Ulven mit I’ll Die Anyway einen weiteren unmissverständlich direkten Song veröffentlicht, der zeigt, wie sich eine 20-Jährige in der heutigen Zeit fühlt und womit sie sich auseinandersetzt. Ulven selbst hinterfragt momentan alles, was mit ihr zu tun hat und kommt immer wieder zu dem Schluss, dass sie bisher nur weiss, dass so nichts weiss. Diese Orientierungslosigkeit hat Ulven wunderbar in einen Dreampop-Song verwandelt, der mit einem schnellen Gitarrenspiel anfängt, nur, um sich mit Einsetzen des Gesangs in eine verträumte Welt zu verlieren. Mit der Textzeile I reach for me but I’m not there. It’s so lonely but who cares. It’s fine, it’s ok. But I’ll die anyway zeigt die Norwegerin gleichzeitig, wie direkt ihr Songwriting ist. Girl In Red ist keine Blaupause eines Teenagerlebens, sondern zeigt vielmehr die Vielschichtigkeit einer heutigen jungen Erwachsenen und gleichzeitig, wie wunderbar sich dies in Musik umsetzen lässt. Nachdem die EP Chapter 1 Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde, folgt nun am 6. September Chapter 2.

Girl In Red – Indie-Schlafzimmer-Sound

So direkt und offen, wie die norwegische Sängerin Marie Ulven alias Girl In Red ist, ist wohl selten eine Künstlerin gewesen. Denn trifft man auf die junge Musikerin, wird man regelrecht weggefegt – hat sie doch eine Ausstrahlung, die so stark ist, dass man sich fasziniert irgendwo festhalten möchte, um nicht weggeblasen zu werden. Sie schreibt und produziert fast ausschließlich in ihrem Schlafzimmer und hatte – bei nur 10 Live-Auftritten überhaupt – einen Gig in Frankreich als Support der amerikanischen Sängerin Clairo. Dabei so fasziniert von der Sängerin spricht Ulven in Interviews wie ein Fan von dem Erlebnis, welches sie vollkommen überwältigte – sei sie doch selbst ein riesiger Fan Clairos. Dabei ist die bisher veröffentlichte Musik der 19 Jahre jungen Sängerin so intim, euphorisch und mitreissen und besingt Themen, die Ulven selbst beschäftigen. Sie selbst hat in den letzten Jahren zu sich gefunden und besingt diesen Werdegang in einzelnen Kapiteln auf ihren Liedern. Mit der EP Chapter 1 hatte Ulven bereits zu Beginn des Jahres 2018 ihre erste Veröffentlichung notieren können. Nun arbeitet sie an einer zweiten EP und veröffentlicht mit We Fell In Love In October eine herzzerreißende Indie-Dreampopnummer, auf der sie über die Erlebnisse ihrer ersten Liebe zum selben Geschlecht singt. Einnehmend mit den Textzeilen My girl, my girl, my girl. You will be my girl. ist We Fell In Love In October ein absoluter Ohrwurm, der sich nicht hinter großen Stars verstecken muss. Dass Girl in Red zum Erfolg werden könnte, liegt nicht nur an den fantastischen Songs, sondern auch an der Eigensinnigkeit der Sängerin und, wie sie all dies präsentiert.