Schiller - Der Goldene Engel

Schiller – Der Soundtrack einer Stadt

Es ist der Winter des Christopher von Deylen. Erst Ende Oktober hat von Deylen unter seinem bürgerlichen Namen mit Colors sein erstes Album veröffentlicht und ist damit direkt auf Platz 1 der deutschen Albumcharts eingestiegen. Zählt man die Veröffentlichungen seine Projektes Schiller mit dazu, hat der rastlose Ex-Berliner damit insgesamt sieben Alben auf Platz 1 bringen können. Bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung von Colors konnte dann auch schon das nächste Album des Produzenten vorbestellt werden. Dieses wird am 12. Februar erscheinen und Summer In Berlin heißen. Nachdem von Deylen vor Jahren seine festen Zelte in Berlin-Friedrichshain abgebaut hat und durch die Welt reiste, hat er der großen Stadt nun endgültig den Rücken gekehrt. In den Norden Deutschlands gezogen, bedeutet dies aber nicht, dass er Berlin nichts mehr abgewinnen kann. Und so ist sein kommendes Album vielleicht ja als Abschiedsode an die Stadt gedacht, die ihn über viele Jahre inspiriert hat. Dabei hat von Deylen mit Summer In Berlin den Atemzug der Stadt in Musik umgesetzt.

Schiller - Summer In Berlin
Schiller – Summer In Berlin

Gleich in der ersten Singleveröffentlichung Der Goldene Engel hören wir altbekannte Klänge, die an das Debütalbum Zeitgeist erinnern lassen. Mit großen Synthies und frischen Basslines gibt Schiller einen Puls der Stadt wieder, der sich an der Hektik der Straße, dem unerschöpflichen Nachtleben und den – fast schon mystisch wirkenden – Heimwegen durch die leeren Straßen der Stadt, an dem orientiert, was für die meisten ihrer Bewohner unbeachtet links liegen gelassen wird. Im Gegensatz zu Colors, ist auf der neuen Single der treibende Beat zurückgekehrt, für den das Projekt Schiller so bekannt ist. Sicherlich hinkt der Vergleich zu Colors etwas – ist die Veröffentlichung unter von Deylens Realnamen gerade auch deshalb gewollt abgegrenzt worden, weil dieser Musik eine andere organische Entstehung zuteil wurde. Der Goldene Engel ist hierbei der Beginn einer Abschiedshommage an eine Stadt, die von Deylen immer viel zugetraut und gleichzeitig auch zugemutet hat. Stetig im Wandel der Veränderung ist von Deylen mit dem neuesten Album unter seinem Projektnamen Schiller bereit, ein Kapitel abzuschießen und dabei die Tür offenzuhalten, sich davon inspirieren zu lassen.

Christopher von Deylen - Heaven Can Wait

Christopher von Deylen – Der Sound eines Reisenden

Christopher van Deylen dürfte vielen unbekannt erscheinen, doch begleitet uns seine Musik seit mehr als zwanzig Jahren. Denn einst als Duo angefangen, steht von Deylen seit 17 Jahren alleine hinter dem Musikprojekt Schiller. Dahinter verbirgt sich eine Diskografie der Erfolge. Hat von Deylen unter dem Projekt Schiller bereits zehn Alben und sieben Live-Alben veröffentlicht, kamen früher noch große Singleveröffentlichungen, wie Das Glockenspiel, Dream Of You und Leben… I Feel You (beide mit Heppner), Die Nacht… Du bist nicht allein (feat. Thomas D), You (feat. Colbie Caillat), Sonne (feat. Unheilig), Morgenstund (mit Nena) oder Avalanche (mit SCHWARZ) hinzu. Heute ist es das Album an sich, welches als ein Gesamtwerk gesehen werden soll. Damals wie heute steht für von Deylen im Vordergrund, dass seine Musik den Hörer mit in eine andere Welt nimmt. Mit organischen Arrangements lässt er damit viele Emotionen entstehen. Die Verkaufszahlen geben ihm recht. Kein anderer Künstler ist in diesem Genre – dem Ambient – so erfolgreich, wie von Deylen. Mit sechs Nummer-1 Alben – von denen allein die letzten vier jeweils die Charts anführten – und weiteren vier Top-10 Titeln ist er ein fester Bestandteil der deutschen Musikszene und vereint viele namhaften Kollaborationen auf seinen Alben. Für sein neuestes Projekt wagt sich der Musiker und Produzent nun aus dem Schatten des Schiller-Universums raus und veröffentlicht am kommenden Freitag erstmals unter seinem eigenen Namen die Platte Colors.

Christopher von Deylen - Color
Christopher von Deylen – Color

Von Deylen selbst beschreibt das Album als Mischung aus Minimal Piano und elektronischen Sounds und soll dazu animieren, sich einmal in eine andere Welt zu träumen. Auf Colors verbindet der Musiker einmal mehr die treibenden Klangmuster seines Projektes Schiller und arbeitet damit den Sound eines Reisenden heraus. Hat von Deylen bereits vor einigen Jahren seinen festen Wohnsitz in Berlin aufgegeben, kann man ihn heute als glücklich heimatlos bezeichnen. Immer wieder wird seine Musik aus den Eindrücken auf Reisen geprägt und sucht von Deylen diese Momente direkt. Ob durch Südostasien, auf dem Forschungsschiff Polarstern durch die Arktis oder der US-Amerikanischen Mojave-Wüste reisend, findet von Deylen immer den passenden Sound. Mit seiner neuen Platte Colors erhalten wir nun erneut die Möglichkeit, Teil dieser Reise zu werden. Mit der Single Heaven Can Wait begeistert der Produzent mit großen, hallenden Synthiebrettern und einer euphorischen Soundproduktion. Immer auch präsent, ist das Piano, welches zur Rast einlädt, ehe der elektronische Beat wieder zum weiterziehen animiert. Von Deylens Heaven Can Wait ist der Soundtrack in unseren Köpfen, wenn wir in fernen Ländern aus der Scheibe des Busses oder der Bahn gucken und den vorbeiziehenden Eindrücken volle Aufmerksamkeit gewähren. Kaum ein Moment ist zeitloser als dieses Gefühl und bringt uns in eine emotional Verfassung, die intensiver nicht sein kann.