Charlotte Cardin - Meaningless

Charlotte Cardin – Ist der Sturm unserer Lautsprecher

In den YouTube-Kommentaren können wir Sätze, wie Sie ist eine Legende, Sie hat es verdient, richtig bekannt zu werden oder Sie sollte den nächsten James Bond Song singen lesen – all das, obwohl die Musikerin und Model erst 26 Jahre alt ist. Von ihrer Stimme und dem ganz besonderen Gefühl, den die kanadische Sängerin Charlotte Cardin in ihre Songs packt, konnten wir uns bereits auf Fous N’importe Où überzeugen. Damals hatte sie zusammen mit dem kanadischen Produzenten CRi eine eigene Interpretation des – im Original 2001 von Daniel Bélanger veröffentlichten – Songs rausgebracht. Nachdem sie mit Big Boy 2016 ihre Debüt-EP veröffentlichte, folgte nur ein Jahr später mit Main Girl die zweite EP. Dabei ist ihr Wechsel zwischen Jazz, Elektro und Pop bemerkenswert und lässt sie, je nach Genre komplett anders wirken. Nachdem sie mit Passive Agressive im vergangenen Herbst eine erste neue Single veröffentlichte, folgte im Januar mit Daddy eine zweite Single. Nun hat Cardin mit Meaningless einen weiteren Song veröffentlicht und damit auch die Info, dass wir uns im April auf ihr lang erwartetes Debütalbum Phoenix freuen können, auf dem alle drei Songs zu finden sind. Dieses hat Cardin in den vergangenen zwei Jahren abgeschottet aufgenommen und dabei in sich selbst reingeguckt. Denn seitdem die Kanadierin mit 15 das erste Mal auch als Model tätig war, bereits mehrmals auf dem Cover des Modemagazins ELLE stand und für CHANEL als Markenbotschafterin tätig ist, versteckt sie ihre eigene Identität, um in der Öffentlichkeit so zu wirken, wie man es von ihr erwartet.

Charlotte Cardin - Phoenix
Charlotte Cardin – Phoenix

Dies wollte und musste die – aus Montreal kommende – Sängerin ändern, entstand dadurch doch bei ihr eine zunehmende Leere. Auf Meaningless singt Cardin darüber, sich von den Erwartungen der Aussenwelt zu befreien und wieder zu sich selbst zurückzufinden. Sich nicht zu verkaufen, sich nicht selbst zu verlieren und einfach sich selbst zu vertrauen. Herausgekommen ist ein Song, der so unterschiedlich ist, dass wir hier regelrecht erkennen können, welche Zerrissenheit in ihr herrschte. Da beginnt es gleich in den ersten Sekunden mit einem ruhigen Einstieg aus Cardins Gesang und einer Gitarre, ehe plötzlich ein drückender Aufschrei den Moment zerreisst und in einem treibenden Elektrosound übergeht – niemals erdrückend aber immer bedrückend. Hier kommt man unweigerlich zu dem Moment, bei dem man sich nicht sicher ist, ob der Aufschrei sich trägt, ehe mit dem Einsetzen des Elektrobeats ein WOW aufkommt und alle vorherigen Gedanken förmlich wegfegt. Charlotte Cardin hat mit Meaningless eine sehr starke Single veröffentlicht, die wunderbar die Vielfalt ihrer Stimme zeigt, durch die Produktion aber das Augenmerk auf das Gefühl der Sängerin lenkt.

Chilly Gonzales - A Very Chilly Christmas

Chilly Gonzales feat. Feist – Ein Multitalent lässt sich auf Weihnachten ein

Jason Charles Beck ist ein wahrer Tausendsassa. Nicht nur, dass Beck unter dem Namen Chilly Gonzales und aus Kanada kommend, unzählige Alben veröffentlicht hat, hat der Musiker – der in Montreal Jazz-Piano studierte – dort auch 1990 seine erste Band Son gegründet. Schnell stellten sich erste Erfolge ein und ergatterte die Band bei Warner Music Canada einen Plattendeal. Doch wurde Gonzales schnell klar, dass er sich nicht als Hamster im Laufrad eines Musikbusiness sehen wollte, dass nur auf den kommerziellen Erfolg aus ist. Schließlich floh Gonzales nach Europa, wo er einige Jahre in Paris lebte, ehe er sich in Berlin niederließ. Hier wurde er schnell zu einem festen Teil der Berliner Musikszene und Mitbegründer der Band Puppetmastaz. Zeitgleich fing der Kanadier mit ungarischen Wurzeln an, Songs zu produzieren. Hier schaffte es der Musiker mit seiner Berlin-Tetralogie Gonzales Über Alles (1999), The Entertainist (2000), Presidential Suite (2002), and Z (2003) Kritiker in ganz Europa zu begeistern.

Chilly Gonzales
Chilly Gonzales

Als Produzent für, die ebenfalls in Berlin lebende, Peaches und Jane Birkin schaffte er es zunehmend, sich auch als Produzent einen Namen zu machen, doch erst die Produktion des Albums The Reminder (2007) von der kanadischen Indie-Ikone Leslie Feist brachte ihm den internationalen Durchbruch ein. So wurde seine Produktion mit vier Grammy-Nominierungen honoriert und mit fünf Juno-Awards ausgezeichnet. Seine Diskografie ist so vielfältig, wie umfangreich, doch ein Genre hatte Gonzales bisher noch nicht bedient – Weihnachten. Diesen Punkt hat der Musiker 2020 schließlich auch abgehakt und Mitte November mit A Very Chilly Christmas sein erstes Weihnachtsalbum veröffentlicht. Darauf enthalten sind viele seiner langjährigen Weggefährten. Während Gonzales hier so klassische Titel, wie Oh Tannenbaum, Silent Night oder Auld Lang Mynor neu interpretiert, ist mit The Banister Bough auch ein neuer Song dabei. Mit einem Mix aus Jazz, Pop und Klassik und seinen Best-Buddies Leslie Feist und Jarvis Cocker hat, der mittlerweile in Köln lebende Musiker, Gonzales ein Weihnachtsalbum veröffentlicht, das so entspannt, wie unterhaltsam klingt und uns durch eine beschwingte Weihnachtszeit bringt.

SG Lewis feat. Rhye - Time

SG Lewis feat. Rhye – Let the music play!

Es ist ein frischer Wind, den uns SG Lewis mit seinen Songs jedes Mal aufs Neue präsentiert. Ob mit seinem hypnotisierenden Chemicals, bei dem er über eine hedonistische Nacht in London mit vielen neuen Eindrücken singt. Dem rauen Impact, welches er zusammen mit Robyn und Channel Tres eingespielt hat oder Feed The Fire, bei dem Samuel George Lewis die soulige Stimme von Lucky Daye über seine funkigen Dancebeats gelegt hat – jeder einzelne Song spricht eine positive Sprache, die nur eines kennt – das Tanzen. Auch als Produzent und Featuring-Act ist SG Lewis dieses Jahr aktiv gewesen und ist auf Alunas Debütalbum Renaissance und der Single Warrior vertreten. Bevor am 19. Februar 2021 mit Times SG Lewis Debütalbum erscheint, haut der 26-jährige Produzent, der aktuell in Los Angeles lebt mit Time die Leadsingle raus und begeistert einmal mehr mit einem Mix aus French-House und souligen Gesangselementen. Unterstützt wird Lewis hierbei vom kanadischen Sänger Rhye, mit dem er zusammen in seinem kalifornischen Studio Time produzierte.

SG Lewis & Rhye
SG Lewis & Rhye

Time ist ein Song, der thematisch und klanglich im Mittelpunkt des Albums steht. Rhye hat eine der einzigartigsten und markantesten Stimmen da draußen und ich bin schon so lange ein Fan. Wir haben das Lied in Rhyes Studio geschrieben, nachdem wir den Sonnenuntergang im Topanga Canyon gesehen hatten, eine Erinnerung, die dieses Lied für mich noch spezieller macht so Lewis über Time. Diese Stimmung, die bei einem im Körper entsteht – wenn man sich einen atemberaubenden Sonnenuntergang anschaut – hört man Time an und wird durch sommerlich, leichte Vibes förmlich in Schwingung versetzt. Startet Times mit einem Klavier-Loop, wird ein Sample des 2018 verstorbenen US-Soul- und R&B-Sängers Dennis Edward, der von Totally Enormous Extinct Dinosaurs produziert wurde, als Instrumentales Bett eingesetzt. TEED und SG Lewis kennen sich gut, haben sie doch mit Again bereits 2018 einen Song zusammen veröffentlicht. So ist abermals ein absoluter Discohit entstanden, der uns mittlerweile darüber staunen lässt, wie treffsicher alle SG Lewis-Songs zu einem Hit werden. Time ist daher ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk und lässt uns durch die freie Zeit an den Feiertagen tanzen.

M-22 feat. Lorne - Think About Us

M-22 feat. Lorne – Urbaner Elektrosoul

Zwei Worte können so viel beinhalten. Die Beschreibung eines urbanen Elektrosouls umfasst dabei so viel, dass wir und eine voluminöse Klangwucht vorstellen können. Doch auch ein Kürzel, wie M-22 kann viel beinhalten. Beispielsweise den großartigen Sommertrack Good To Be Loved, der 2015 für die ersten warmen Sommertage des Jahres als musikalische Untermalung diente. Zwei Jahre später hatten sie mit First Time zusammen mit der dänischen Sängerin Medina ihren ersten Charthit in Großbritannien verbuchen können. M-22 bestehen hierbei aus dem Briten Matt James und dem deutschen Produzenten Frank Sanders, die sich bei einer Zusammenarbeit in Kanada kennenlernten und bei denen die Chemie sofort stimmte. Fand dieses Treffen an einem 22. März statt, war der Name des Produzenten-Duos somit schnell gefunden. Seitdem remixen und produzieren die beiden Musik und haben erst vor kurzem mit EMI einen Plattenvertrag abgeschlossen, der zuvor von überwältigenden Wochen beherrscht wurde – haben sich doch gleich mehrere Majorlabels um das Duo bemüht.

M-22 feat. Lorne - Think About Us (Video)
M-22 feat. Lorne – Think About Us (Video)

Nun haben M-22 mit Think About Us ihren ersten Song bei EMI veröffentlicht und sich dafür Lorne mit ins Boot geholt. Dieser hatte dieses Jahr bereits mit Armand van Heldens Give Me Your Loving einen großartigen Song abgeliefert. Nun singt sich Lorne über derbe Housebeats zu einem neuen Höhepunkt und erinnert Think About Us dabei an den Sound von Flume, Hayden James oder Jarryd James. Produziert wurde das quietschbunte Musikvideo vom norwegischen Director-Duo HochR, die bereits Videos für Peter Bjorn and John, Elliot Moss und nun auch M-22 produzierten. Think About Us imitiert mit seinen Beats förmlich unseren Herzschlag und sorgt dafür, dass unser Puls hochfährt. Mit einem großartigen Groove und einem präsenten Housesound lassen James und Sanders einen wahren Banger auf uns los und werden wohl in Zukunft öfter mit heißen Clubtracks um die Ecke kommen. Schaut man sich die Entwicklung von Good To Be Loved über First Time bis zum neuen Song Think About Us an, zeigt sich, dass M-22 ein Händchen für große Sounds haben und uns jeder Zeit mit auf die Tanzfläche reißen wollen.

Alanis Morissette - Happy Xmas (War Is Over)

Alanis Morissette – Es weihnachtet sehr

Dieses Jahr ist alles anders. Dieser Satz hallt nach – auch wenn die Pandemie irgendwann überwunden sein wird, werden wir den Satz mit 2020 und eben dieser Pandemie in Verbindung bringen. Nun ist das, was viele für unmöglich hielten, eingetreten und steht das Weihnachtsfest für viele auf der Kippe. Nicht nur, dass es keine Weihnachtsmärkte in den Städten oder Firmen-Weihnachtsfeiern geben wird – steht gar die Feier mit der engen Familie an den Feiertagen auf dem Spiel. Doch auf eines ist Verlass – auf den alljährlichen Einzug der Weihnachtssongs, in die deutschen Singlecharts. Dieses Jahr gibt es dabei so viel Auswahl, wie noch nie und das nicht etwa nur von den üblichen Verdächtigen, wie Mariah Carey, Wham oder Chris Rea, sondern veröffentlichen aktuell auch immer mehr Künstler*innen Weihnachtssongs, von denen man es nicht erwartete hätte. An den kommenden Adventssonntagen werdet ihr daher immer wieder einen Weihnachtssong präsentiert bekommen, der euch die Vorweihnachtsstimmung versüßen soll.

Alanis Morissette - Happy Xmas (Video)
Alanis Morissette – Happy Xmas (Video)

Heute haben wir dabei die kanadische Sängerin Alanis Morissette dabei, die erst Ende Juli dieses Jahres mit Such Pretty Forks in the Road ihr neuntes Studioalbum veröffentlicht hat. Nun hat sich die dreifache Mutter John Lennons Weihnachtsklassiker Happy Xmas (War Is Over) vorgenommen, den er 1971 zusammen mit Yoko Ono aufgenommen hat. Dabei hält sich Morissette sehr nahe am Original und fügt nur hier und da einen moderneren Klang hinzu. Im dazugehörigen Musikvideo sehen wir Morissette so persönlich, wie noch nie. Zeigt sie doch ihre Familie, wie sie im Bett zusammensitzen und setzt dabei eine Referenz an John Lennons und Yoko Onos Bed-ins for Peace Anitkriegs-Protest. Alanis Morissettes ganz eigener Gesangsstil und ihre unverwechselbare Stimme lassen mit Happy Xmas (War Is Over) eine heimelige Weihnachtsstimmung aufkommen und mit den Zeilen A very merry Christmas and a happy new year. Let’s hope it’s a good one without any fear die Hoffnung auf ein deutlich lebendigeres 2021 aufleben. Hier zeigt sich, dass der Song selbst nach fast 50 Jahren so universell ist, dass er auch im Jahr 2020, wie kein anderer in den letzten Monat des Jahres 2020 passt.

Freyr - Avalon

Freyr – Musik, ganz unabhängig von Genres

Es ist ein treibender Takt, der gleich zu Beginn des neuen Songs von Freyr Flodgren einsetzt. Ein Takt, der sich vertraut anfühlt, der nicht in Hektik ausbricht und doch so viele Schichten aufweist. Avalon ist der Soundtrack einer Nacht, in der wir durch die dunklen, verlassenen Straßen einer Großstadt ziehen. Gleichzeit gibt es irgendwo auf dem Land einen Menschen, der entlang der leeren Landstraßen am Wegesrand für einen Moment verweilt und die kalte, feuchte Luft des Herbstes einatmet. Im Kopf – immer dieser Takt, der uns runterholt, einen Moment inne halten und sich auf uns selbst konzentrieren lässt. In diesen Momenten sehen wir das gebrochene Herz in uns, das – vor Liebe – berstende Herz, die Freude und die Wehmut, die Einsamkeit, sowie die Geborgenheit. Es ist ein Song, der die tiefsten Gefühle in uns weckt und sich dafür noch nicht einmal anstrengen muss. Freyr hat diesen Song aus den Eindrücken eines einjährigen Aufenthaltes in Vancouver geschrieben. Doch nicht nur die Tempel in der kanadischen Stadt waren die Inspiration zu Avalon. Textlich verarbeitet Freyr hier die Erlebnisse einer Reise an die Mittelmeerküste Südfrankreichs.

Freyr
Freyr

Mit Eindrücken und Emotionen dieser beiden Orte und dem tiefen Gefühl, das Freyr in sich trägt, hat der isländisch/schwedische Singer/Songwriter einen Song geschrieben, der sich tief in unsere Seele vorarbeitet. Aus reinen Gefühlen hört man Avalon heraus, dass die Emotionen gelebt wurden. Freyr selbst hat dabei bereits eine bewegte Zeit hinter sich – wie Ihr im Beitrag zu Neighbour Boy erfahren konntet. Während erst im Sommer dieses Jahres seine EP Sorry erschienen ist, kündigte der Musiker mit Avalon nun eine Veröffentlichungsreihe an, die – laut eines Posts auf seiner WordPress-Seite – in einer neuen EP münden sollte. Doch nur wenige Tage später veröffentlichte Freyr auf Facebook die Info, dass es ein Album geben wird. Mit der gesammelten Hoffnung auf einen Longplayer in dieser Stimmung, steht Freyr bereits jetzt auf einer Stufe mit Ben Howard, Damien Rice und José González und dürfte damit unsere Sehnsucht nach seinem tiefen Sound in Form eines Albums stillen.

Hayden Calnin - Mountain Steeps

Hayden Calnin – Musik, wie von der Natur aufgefangen

Man möchte meinen, dass Hayden Calnin aus den windigen Bergen Schottlands oder den endlos weiten Wäldern Kanadas kommt. So rau und gleichzeitig ruhig und heimelig klingen seine Lieder. Es ist Musik, zum runterfahren, tief durchatmen und innehalten. Dabei kommt der Sänger, Songwriter und Produzent von genau der entgegengesetzten Seite der Erde. Hayden Calnin ist Australier und lebte bis vor ein paar Jahren im Großstadtdschungel Melbournes. Hier wurde er mit seiner Musik irgendwann so begehrt, dass er anfing, für andere zu Arbeiten. So entstanden nicht nur Kollaborationen, sondern komponierte und produzierte Calnin für andere Künstler und stand ebenso als Multiinstrumentalist bei anderen Bands mit auf der Bühne. Vor zwei Jahren zog der Musiker schließlich von Melbourne aufs Land und an die Küste des beschaulichen 600-Seelen-Örtchen Shoreham. Hier, wo die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur selbst im Winter nicht unter 14°C sinkt, ist der Strand nur einen Steinwurf entfernt und lässt sich, von Calnins Haus aus, sogar direkt durch das Fenster beobachten. So hat sich der Sänger über die vergangenen zwei Jahre stetig runtergefahren und eine neu aufflammende Liebe zur Musik erfahren. Während er in den letzten Jahren in Melbourne eine zunehmende Kreativblockade entwickelte, schwamm sich der Musiker in Shoreham förmlich frei davon und ließ sich vom Meer treiben.

Hayden Calnin

Hayden Calnin

Dabei ist bereits im vergangenen Jahr die EP A Life You Would Choose am neuen Ort entstanden. War dies bereits seine sechste EP, folgt nun am 4. September mit Soon Forever seine neueste EP. Zwischendurch veröffentlichte Calnin mit Cut Love Part 1 und Cut Love Part 2 (beide 2016) zwei Alben, die aufeinander aufbauten. Auf Soon Forever finden sich neben dem heute vorgestellten Mountain Steep auch die beiden Songs We Can Take Our Time und As I Exit Part I & II, sowie die großartige Kollaboration Unfortunate Love bei dem er mit Harrison Storm zusammenarbeitete. Mountain Steep ist dabei ein Song für die Flut und die Ebbe. Während der Song mit einem ruhigen Intro beginnt, baut sich er sich von Sekunde zu Sekunde weiter auf, bis wir das Gefühl haben – am Strand stehend – einem Orkan entgegenzublicken, eher er – so schnell, wie er gekommen war – wieder verschwindet und uns in der gleichen Ruhe zurücklässt, die wir eingangs fühlten. Man hört die Natur förmlich auf allen vier Songs seiner neuen EP so prägend heraus, dass man sich nicht verwehen kann, dem Musiker eben in diese rauen, naturbelassenen Orte Kanadas und Schottlands zu verorten. Mit Soon Forever hat Hayden Calnin eine wunderbare EP für den nahenden Herbst auf der Nordhalbkugel geschaffen und lässt uns den nahenden Stürmen etwas heimeliges abgewinnen.

Bob Moses & ZHU - Desire

Bob Moses & ZHU – Wenn die Sehnsucht zerstörerisch wird

Es sind zwei Acts, die sich nicht besser hätten zusammenfinden können. Zum einen haben wir die beiden US-Amerikaner Jimmy Vallance und Tom Howie aus Brooklyn, New York City – die das Elektro-Duo Bob Moses bilden und mittlerweile von Vancouver in Kanada aus Musik machen. Zum anderen ist es der aus San Francisco kommende House-Produzente ZHU, der mit seinem 2014er Hit Faded nicht nur auf Anhieb in 14 Ländern in die Charts kam und damit mit seiner Debütsingle äußerst erfolgreich war – sondern gleich auch eine Grammy-Nominierung als Best Dance Recording einsammeln konnte. Durch Kollaborationen, wie mit AlunaGeorge, Skrillex, Tame Impala oder Sofi Tukker hielt sich Steven Zhu – wie ZHU bürgerlich heisst – immer wieder in den Clubcharts und konnte von starken Airplays profitieren. Bob Moses hingegen wählten den Weg über die Bühne und erreichten, seit ihrer Gründung 2012 einen Status auf Festivals, den es sich hart zu erspielen gilt. Denn egal, ob auf dem Coachella Festival, dem Lollapalooza Festival, dem Bonnaroo Music Festival oder dem MELT! Festival – wo Bob Moses spielen, wird es vor der Bühne eng.

Bob Moses & ZHU
Bob Moses & ZHU

Nun haben sich die beiden Acts für den Song Desire zusammengetan und dunkle Version des Clubs gezeichnet. Ist Desire durch und durch für den Club produziert und überzeugt mit dumpfen Basslines und dem Gesang von Bob Moses wird er gleichzeitig auch zur dunklen Warnung an den Club. Denn hier wollen Bob Moses und ZHU auf die zerstörerische Kraft aufmerksam machen, die Sehnsüchte mit sich bringen können. Dabei kann getrost auf die vielen Sehnsüchte der Partygänger Bezug genommen werden, sich bei Clubnächten manchmal vielleicht auch zu viele davon erfüllen und schließlich nicht mehr davon loskommen. Bob Moses sagen dazu – mit diesem Track versuchen wir deshalb selbstbewusst zu sein, indem wir auf unsere Sehnsüchte schauen und damit abrechnen. Doch auch ohne Message ist Desire eine satte Clubnummer, die an dunklen Ecken in den Clubs mit dem starken Beat erst richtig zur Geltung kommt. Desire ist dabei die erste Veröffentlichung aus Bob Moses neuem, gleichnamigen Konzeptalbum, welches die Jungs am 28. August veröffentlichen werden.

The Coronas - Light Me Up

The Coronas – Wenn ein Jahr die Veränderung bringt

Es ist eine verrückte Zeit für die irische Band The Coronas. Noch im Mai 2019 hatten sie mit Find The Water die erste Single ihres kommenden, sechsten Albums True Love Waits veröffentlicht. Dann gab die Band mitten in der Vorweihnachtszeit plötzlich die Trennung von Gitarristen Dave McPhillips bekannt – der sich auf eigenen Wunsch aus der Band zurückzog. Was zur Folge hatte, dass sich die Band neu strukturieren musste – wer übernimmt den Part McPhillips und wie wird sich das auf die Band auswirken? Im Januar veröffentlichte die – nun zu einem Trio zusammengeschrumpfte – Band mit Haunted schließlich die zweite Single. Plötzlich, nur sechs Wochen später, folgte der nächste Schock. Denn auch in Irland hatte die Pandemie so große Auswirkungen, dass die Band ihre Promotion-Tour für das kommende Album absagen musste – immerhin eine der größten in der Geschichte der Band, mit Gigs in den USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz. Selbst ein eigenes Festival wurde für das Release-Wochenende unter dem Namen Nowhere We’d Rather Be angekündigt und sollte Acts, wie Tom Walker, Gabrielle Aplin, Hudson Taylor und natürlich The Coronas auf der Bühne performen sehen. Auch hier musste die Band den Fans leider mitteilen, dass das Festival nicht stattfinden wird und The Coronas nun ihr neues Studioalbum ohne große Promotion am kommenden Freitag veröffentlichen wird.

The Coronas

The Coronas

Doch The Coronas werden nicht müde – so hat die Band schließlich doch noch eine kreative Lösung für eine Promo-Tour gefunden und fährt ab kommenden Donnerstag bis einschließlich Montag mit einem Eiscremewagen durch das Land mit Stops in Cork, Limerick, Waterford, Galway, Kilkenny und Dublin. Dabei gibt es nicht nur Eiscreme, sondern auch das neue Album zu kaufen. Mit dieser Ankündigung haben der Sänger Danny O’Reilly, Drummer Conor Egan und Bassist Graham Knox gleichzeitig eine neue Version ihrer neuesten Single Light Me Up – veröffentlicht, welche die Band zusammen mit Cian, vom irischen Newcomer-Trio True Tides eingespielt hat. Dabei dürfte den irischen Konzertgängern das Trio True Tides – bestehend aus drei Brüdern – durch die Dubliner Konzerte von The Coronas bekannt sein, spielte die Band doch hier als Support. Mit dem emotionalen Light Me Up haben The Coronas nochmals und kurz vor dem Release des Albums eine Single veröffentlicht, die sich an die ganz großen Momente anschmiegt und einmal mehr zeigt, wie eindrucksvoll die Musik der Dubliner Band ist. Wird das Album True Love Waits an diesem Freitag in Irland veröffentlicht, müssen wir international noch eine Woche warten, bis es auch in anderen Ländern verfügbar sein wird. Bis dahin freuen wir uns über großartigen Rocksound, der schon fast zum Stadionrock gezählt werden kann.

Alanis Morissette - Reckoning

Alanis Morissette – Den Dämonen entgegentreten

Alanis Morissette hat uns in den vergangenen Monaten bereits mit den drei Singleveröffentlichungen Reasons I DrinkSmiling und Diagnosis einen ersten Vorgeschmack darauf gegeben, wonach sich das neue und mittlerweile neunte Studioalbum Such Pretty Forks In The Road anhören wird. Dabei ist die Sängerin in den vergangenen acht Jahren – seitdem ihr letztes Studioalbum Havoc & Bright Lights 2012 erschienen ist – durch so einige Aufs und Abs gegangen. Angefangen von der Alkoholsucht, welche die Kanadierin auf Reasons I Drink thematisiert, über Smiling in dem sie den Druck – den sie als Mutter in ihrem Alltag verspürt – behandelt, bis hin zu Diagnosis, bei dem sie über die Stigmatisierung von psychischen Krankheiten, wie Depressionen singt, sind alle Songs von einem starken persönlichen Bild Morissettes geprägt. Viele davon speisen sich aus der eigenen Erfahrung der Sängerin.

Alanis Morissette

Alanis Morissette

Während es nach der Albumverschiebung vom 1. Mai auf den 31. Juli nun nur noch zwei Wochen sind, bis wir das neue Album der Sängerin in den Händen halten können, veröffentlicht Morissette mit Reckoning nochmals eine Single, die sich – im Gegensatz zu den vorherigen Singles, die sich trotz der ernsten Themen deutlich freundlicher anhörten –  durch einen dunklen, monumentalen Sound auszeichnet. Hier wird der behutsame Einsatz von Klavier, Schlagzeug und Streichern zum Orchester der Melancholie und lassen Reckoning opulent und dramatisch klingen. Mit insgesamt elf Songs und Titeln, wie Sandbox LovePedestalNemesis oder Ablaze zeichnet Morissette ein immer größeres Bild ihrer kommenden Platte und scheint sich fast schon in einer Art Rundumschlag einer musikalischen Biografie zu befinden. Zuletzt hatte die Pandemie der Sängerin einen Strich durch die Rechnung mit den Konzerten zum 25-jährigen Jubiläum ihres Erfolgsalbums Jagged Little Pill gemacht. Hier hatte die Kanadierin erst Ende Juni eine Special Edition mit den Liveaufnahmen aus dem Londoner O2 Shepherd’s Bush Empire veröffentlicht. Nun können die Fans mit Such Pretty Forks In The Road erstmals seit acht Jahren wieder einen Morissette-Longplayer in den Händen halten und dürfte Reckoning die Freude darauf nochmals gesteigert haben.