Phoenix – Zurück in die Zukunft

Phoenix – J-Boy

Wie Phoenix aus der Asche heißt es nun schon seit Jahren immer wieder, wenn die gleichnamige französische Indie-Band ein Album veröffentlicht. Dabei bedeutet diese Redewendung, dass jemand eine Niederlage erlebt haben muss, um sich danach wieder aufzuraffen. Doch bei Phoenix aus Versailles sucht man diese Niederlage vergebens. Seit der Bandgründung 1999 ging es nur in eine Richtung für das Quartett – nämlich nach oben. Mit jedem Album aufs Neue erreichten sie höhere Chartplatzierungen, wurden in mehr Ländern bekannt und dehnten die Touren weiter aus. Dabei veränderte sich auch ihre Musik stets. Mit Indie-Pop gestartet, produzierten sie mit den Jahren immer öfter mit Synthies und New Wave Sounds. Der Höhepunkt war das 2013 veröffentlichte Album Bankrupt! mit dem quitschend lauten Entertainment. Hier wurde es selbst der Gruppe ein paar Jahre später zu viel und so produzierten sie das sechste Album Ti Amo, das am 9. Juni erscheint. Mit der ersten Single J-Boy kommen sie direkt mit Marty McFly aus den 80ern zu uns. Da klingt J-Boy nach schwoofigem Synthie-Pop, der etwas zurückgenommen wurde und an eine Teenager-Abschlußparty á lá La Boum erinnert. Dass J-Boy nicht so nach vorne geht, wie noch die Leadsingles der vergangenen beiden Alben, verzeiht man schnell – wird man durch den neuen Song doch regelrecht von Hornbrillen, dunkelgrünen Pullundern und braunen Schlaghosen umgarnt und lehnt sich an den kitschig flirrenden Klangteppich an. Somit kann also keine Rede von Phönix aus der Asche sein – und wenn, dann allerhöchstens, weil es vier Jahre dauern musste, bis die feschen Franzosen wieder neue Musik veröffentlichten.

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