Chet Faker - Low

Chet Faker – Ist zurück!

Es waren verheissungsvolle fünf Jahre Anfang der 2010er für das Projekt Chet Faker gewesen. Hatte der Australier Nick Murphy von 2011 bis 2016 ausschließlich Songs unter dem Namen Chet Faker veröffentlicht, legte er diesen Namen 2016 schließlich ab und veröffentlichte seitdem ausschließlich unter seinem Geburtsnamen weitere Musik. Bekannt geworden ist Faker/Murphy international vor allem durch die Zusammenarbeit mit Flume auf dem Song Drop The Game (2013). Was folgte, waren die äußerst angesehenen Songs Talk Is Cheap, 1998, Bend, Gold und The Trouble With Us zusammen mit Marcus Marr. Als Faker veröffentlicht Murphy mit Built On Glass 2013 nur ein Album, ehe sich das Projekt in eine Pause begeben musste. Damit war vorerst auch Schluss mit dem Mix aus Elektro, Pop und Soul, den Faker so perfektionierte. Als Nick Murphy folgten mit Run Fast Sleep Naked (2019) und Music For Silence (2020) zwei Alben innerhalb kürzester Zeit. In diesen Zeitraum fielen auch die Songveröffentlichungen Fear Less (2016), Your Time (2017) oder Sanity (2019). Unter seinem Geburtsnamen folgte ein Musikstil, der sich nicht all zu sehr von dem des Chet Fakers unterschied. Auch hier waren es große Beats, und eingängige Melodie, die den Sound prägten. Allerdings hatte sich die Art des Gesangs verändert. So klingt er hier offener und zeigt deutlich extrovertiertere Züge in seiner neuen Musik. Während einige Medien das Ende von Chet Faker 2016 so auslegten, als hätte Murphy das Projekt für immer an den Nagel gehängt, erfolgte nun Ende September wieder ein Lebenszeichen.

Chet Faker aka Nick Murphy
Chet Faker aka Nick Murphy

Denn mit der Reaktivierung der sozialen Kanäle von Chet Faker kündigte sich an, dass hierauf etwas geschehen werde. Am 1. Oktober war es dann soweit und veröffentlichte Murphy als Chet Faker, mit Low den ersten neuen Song des Projektes seit 2016. Dabei kommentierte Murphy das wiederaufleben des Chet Faker als eine Frage der Zeit. In einem Interview mit dem britischen Magazin NME klang das ganze 2016 dann so: Als ich Chet Faker startete, war es mehr als eine Art Projekt gedacht. Nun habe ich fast ein halbes Jahrzehnt damit verbracht, für dieses Projekt Musik zu machen und ich bin an einem Punkt angekommen, an dem sich das ganze eher anfühlt, als wäre es mein Leben. Daher möchte ich das Projekt nicht als beendet gesehen haben, sondern die Wandlung eher als eine Art Fortschritt. Es ist nicht etwas so, dass das, was ich getan habe nun beendet ist, es ist mehr so, dass das, was ich heute mache mehr von meinem Leben widerspiegelt und es eine Art Erweiterung meines musikalischen Horizontes bedeutet. Nun war es für Murphy an der Zeit, den Blick wieder auf das Projekt zu richten und mit Low ein Lebenszeichen als Chet Faker auszusenden. Low erinnert dabei ein wenig an Massive Attacks Teardrop, ein wenig an Western und gleichzeitig schleicht er sich so elegant in unseren Kopf, dass wir uns dessen gar nicht so schnell bewusst werden können. Chet Faker ist mit seinem einzigartigen Mix der verschiedenen Stile zurück und verzaubert uns erneut mit seinem neuen Song, als wäre er nie weggewesen.

Nick Murphy – Geht nach vorne

Selten ist es so spannend, einen Künstler bei seiner Entwicklung zu beobachten, wie man es bei Nick Murphy kann. Mit seinem Alter Ego Chet Faker abgeschlossen, veröffentlicht der Australier seit knapp zweieinhalb Jahren nur noch Songs unter seinem Geburtsnamen. Dabei können wir die Entwicklung vom psychedelisch, chaotischen Fear Less über den Elektrosoul-Song Your Time bis zum, nun veröffentlichten, Song Sanity hören, der wiederum ungewöhnlich poppig und fröhlich klingt. Hierbei nutzt der Sänger und Produzent Synthies und weitere Soundelemente der 80er und frühen 90er Jahre. Sanity ist dabei die Vorabsingle aus Murphys Debütalbum, welches unter seinem richtigen Namen und mit dem Titel Run Fast Sleep Naked Ende April erscheinen wird. Somit öffnet sich Murphy immer weiter und lässt in uns das Gefühl von Freude und Unbedarftheit wachsen, welches es sonst in der Form eher weniger von Murphy zu hören gab.

Nick Murphy – Elektrosoul mit viel Druck

Nick Murphy – Your Time

Bereits die erste Single Fear Less hatte gezeigt, dass die Veränderung, die sich auch im Namen widerspiegeln, 2016 an Bedeutung gewinnen sollte. So wurde aus Chet Faker – Nick Murphy und aus dem Ambient-Elektro ein experimenteller Alternativesound mit einer elektronischen Produktion. Mit seinem, vor kurzem veröffentlichten, Song Your Time geht der Australier nun noch einen Schritt weiter und bricht mit einem Elektro-Soul aus, der hier und da schwer wabernde Beats vor sich her treibt. Murphy, der Mitte Mai mit Missing Link eine erste EP unter seinem Geburtsnamen veröffentlicht hat, zeigt, dass der stetige Fluss an Inspiration bei ihm wohl nicht so schnell zu versiegen mag. Dass er selbst diesen Wandel lebt, zeigt er mit Kommentaren in Interviews und Facebook-Post wie „This is for you. A bridge between what’s out and what’s coming“ mit dem er Your Time Anfang Mai ankündigte. Es kommt einem experimentellen Pendel gleich, gibt es auf den ersten neuen Songs auch immer wieder Referenz-Sequenzen zu Murphys Alter Ego Chet Faker, ist sein Sound am Ende jedoch wieder frisch und anders.

Nick Murphy - Fear Less

Nick Murphy – wird aus Chet Faker und experimentell

Chet Faker gilt seit jeher als Sonderling der australischen Musiklandschaft. Hatte der, aus Melbourne kommende, Nicholas James Murphy alias Nick Murphy, der hinter dem Künstlernamen Chet Faker steckte, doch von Anfang an mit seinen ruhigen Elektrosongs für einen Hype gesorgt. Daraus entstanden sind Kollaborationen mit Flume, Marcus Marr und Banks. Sein 2014 veröffentlichtes Debütalbum Built On Glass heimste dann nicht nur Platz eins der australischen Albumcharts ein, sondern brachte ihm auch unzählige positive Kritiken der Musikzeitschriften weltweit ein. Nun hat sich Chet Faker dazu entschieden, sein Alter Ego einzupacken und so veröffentlicht Nick Murphy gerade unter seinem Realnamen die erste Single für sein zweites und zugleich erstes Album unter seinem echten Namen. Beginnt Fear Less noch mit ruhigen Glockentönen und ganz leise einsetzenden Sounds, kippt der Song nach ca. 90 Sekunden und entwickelt sich zur musikalischen Untermalung einer Dystopie. Mit drückenden Beats, lang gezogenen Refrain, sowie bedrohlich gesungenen Texten schafft Murphy ein Kunstwerk von einem Song und erinnert damit an Bands wie Radiohead. Fear Less präsentiert Murphy experimentell, einsam und gleichzeitig unglaublich bedrohlich.

Marcus Marr feat. Chet Faker - The Trouble With Us

Marcus Marr feat. Chet Faker – Das ungleiche Duo

Was haben Alternative und Disco gemein? Nichts, so meint man. Doch hört man sich den Song The Trouble With Us des britischen DJ’s Marcus Marr an, fragt man sich, wie man je so denken konnte. Was Marr hier produziert hat, ist mehr als nur ein großer Clubhit. Als Einfluss nennt er Prince und David Bowie und genau so vielfältig klingt auch sein musikalisches Können. So beherrscht er verschiedene Instrumente, produziert und ist darüber hinaus noch Songwriter. Mit dem Australier, Chet Faker, hat sich Marr allerdings eine Alternative/Elektrogröße ins Boot geholt, die gleichermaßen bei den Kritikern als auch von den Fans dieses Genres geschätzt und geliebt wird. So sind beispielsweise Faker’s Kollaborationen mit dem Wunderkind Flume schon fast legendär.Nun da Flume zu Gunsten Marr’s weichen musste könnte auch der musikalische Unterschied nicht offensichtlicher sein. Was allerdings dem Song The Trouble With Us nicht schaden soll. Ist er doch in bester French House Manier produziert und zeigt mit Faker’s ungewöhnlich funky klingender Stimme, dass frischer Wind immer wieder wichtig ist. So geht es mit The Trouble With Us direkt auf die Tanzfläche – vorher aber bitte noch die Schlaghosen rauskramen!