Middle Kids - Stacking Chairs

Middle Kids – Feiern ihr zweites Album

Zwei Wochen sind es noch, bis das zweite Album Today‘ We’re The Greatest am 19. März das Licht der Welt erblickt. Dabei haben sich die Australier von Middle Kids über die vergangenen Monate mit Songs, wie R U 4 Me und Questions weiter profiliert und richtig Lust auf den neuen Longplayer gemacht. Denn was bei der aus Sydney kommenden Band besonders faszinierend ist, ist die enorme Energie, die Mischung aus großartigen Rocksounds und die melancholisch wirkenden Momenten mitten in den Songs. Nun haben Middle Kids mit Stacking Chairs ihre dritte Single vor dem Albumrelease rausgebracht und dabei einen der persönlichsten Song ihrer Karriere veröffentlicht. Denn hier hat Frontsängerin und Songwriterin Hannah Joy über die Beziehung zu ihrem Mann und Bandkollegen Tim Fitz geschrieben. Inspiriert durch die Schwangerschaft während des Schreibprozesses zu Stacking Chairs hat Joy einmal zurückgeblickt und eine kleine Retrospektive eingefangen. Denn hier singt sie von ihrer gemeinsamen Kindheit auf Papa Neuguinea, Erinnerungen, die hochkamen, bis hin zu ihrer Hochzeit.

Middle Kids - Today We're The Greatest
Middle Kids – Today We’re The Greatest

So geht es im Songtext um das nie wieder loslassen, Hand in Hand gehen und vom Auffangen, wenn man kurz davor ist durchzudrehen. Stacking Chairs ist ein romantischer Liebessong, der sich nicht schmalzig, sondern voller Kraft anfühlt und Joys Stimme wieder wunderbar präsentiert. Mal kräftig, mal sehnsüchtig, mal sanft singt Joy so vielseitig und gefühlvoll, dass man sich beim Tanzen während des Songs in genau diesem verlieren kann. Mit Stacking Chairs – dem Stühle stapeln – haben sich Middle Kids darüber hinaus eine Metapher fürs angekommen sein, ausgesucht, die so viel Emotionen verbinden. Friedvoll erleben wir hier den Moment, nach einer großen Party, an dem viele Menschen fröhlich und sorglos zusammen einen großen Moment feierten, nachts um 3 Uhr die Stühle zusammengestapelt werden und damit der Moment besiegelt wird. So ist Stacking Chairs der universelle Song für das starke Gefühl danach. Ob nach der Geburt des eigenen Kindes, dem Abiball, der ersten Homeparty oder der Hochzeit – verbunden mit vielen Erinnerungen haben Middle Kids den passenden Song dazu geschrieben und damit die perfekte Werbung für ihr kommendes Album abgeliefert.

RAZZ - Like You

RAZZ – Schneller aber ohne Druck

Mit 1969 – Conrad hatten die Jungs von RAZZ Anfang Dezember einen ersten neuen Song seit ihrem zweiten Album Nocturnal (2017) veröffentlicht. Damit einher ging eine dreijährige Pause von neuer Musik. Doch untätig waren Sänger Niklas Keiser, Bassist Lukas Bruns, Drummer Steffen Pott und Gitarrist Christian Knippen keineswegs. So spielten sie unzählige Shows und traten unter anderem als Support Act des Berliner Open-Air-Konzertes von Bloc Partys Silent Alarm Tour 2019 auf. Zwischenzeitlich fragten sich die Jungs, wie es nach zwei erfolgreichen Alben mit dem Sound der Band weitergehen soll und probierten sich ein wenig aus. Herausgekommen ist – neben 1969 – Conrad – nun ein zweiter Song, der gleichzeitig als Teaser einer neuen EP genutzt wird. Denn mit Like You veröffentlichten RAZZ auch weitere Infos über die neue EP. Diese wird Might Delete Later heißen und am 18. Juni erscheinen. Mit Like You haben sich RAZZ dem Moment hingegeben, der auch sie im letzten Jahr in ihre Wohnungen zwang.

RAZZ - Might Delete Later
RAZZ – Might Delete Later

Ohne Kontakte zu anderen und spiegelt sich die Außenwelt meist nur auf kleinen Bildschirmen wider – geht es in Like You um die entstandene Ruhe und dem inneren Trieb zu widerstehen unbedingt so sein zu wollen, wie die Anderen. So sagt Niklas Keiser über den Song Man fühlt sich schnell einsam, manchmal sogar weniger wertvoll, wenn man sein Leben nur nach Zahlen, Likes und Followern ausrichtet. Der äußere Druck wird immer da sein, dagegen kann man nichts machen. Aber den Druck von innen kann man sich selbst nehmen. Mit einem ausufernden Sound aus Gitarren, Klavier und Schlagzeug klingen RAZZ nun rabiater und schneller, als wir es von ihnen gewohnt sind. Was sich also bereits auf 1969 – Conrad andeutete, wird nun mit Like You fortgesetzt und besticht durch einen kräftigen Rocksound mit Refrains, die hängen bleiben. Dass die Band während der Aufnahmen mitunter nur zu zweit im Studio sein durfte und sich Soundschnipsel übers Netz zuschicken mussten, hört man den neuen Songs in keiner Sekunde an und so können wir uns auf eine EP freuen, die durch einen frischen Sound die Weiterentwicklung der Band präsentiert.

Tom Odell - numb

Tom Odell – Er ist zurück, aber anders

Es waren ein paar Jahres des kontinuierlichen Erfolgs, die der britische Singer/Songwriter hinter sich hat. Begonnen mit seinem Überhit Another Love aus dem Jahr 2012, über das Debütalbum Long Way Down, bis hin zu den folgenden Alben Wrong Crowd (2016) und Jubilee Road (2018) wurde Odell mit Preisen überhäuft und hat Gold- und Platinauszeichnungen erhalten. Doch wenn man von einem Höhepunkt zum anderen springt, kann irgendwann eine Art Suchtgefühl nach immer neuen, höheren Zielen einsetzen. So geschehen bei Odell. Wie im Rausch folgte er dem Ablauf, Songs zu schreiben, aufzunehmen, Veröffentlichungsprozess mit Promo-Terminen und einer anschließenden Tour zu folgen, nur, um direkt im Anschluss sofort wieder von vorne zu beginnen. Dass das nicht gut gehen kann, musste Odell nach seiner 2019er Tour zum Album Jubilee Road feststellen. Damals wurde die chronische innere Unruhe, mit der ich schon einige Jahre lang zu kämpfen gehabt hatte, größer so Odell. Ich würde sagen, dass es eine Zeit gab, in der ich mich von allem abgekoppelt gefühlt habe. Ich hatte das Gefühl festzustecken, als wäre ich im Begriff, den Sinn für Leichtigkeit zu verlieren. Dies inspirierte Odell zu dem Text seiner seinen Single.

Tom Odell Photo: Netti
Tom Odell Photo: Netti

Denn nachdem der Sänger vor drei Jahren sein letztes Album veröffentlichte und vor anderthalb Jahren den letzten Auftritt hatte, zog sich der Musiker von L.A. wieder zurück nach Großbritannien, wo er ins elterliche Haus zurückkehrte. Hier ging es darum, wieder zu sich selbst zu finden und die Leere akzeptieren zu lernen. Denn die hatte dem Musiker eine Schreibblockade und den Druck eingebracht, der seine Kreativität hemmte. Zurückgekommen ist Odell nun mit der neuen Single numb, die sich dunkler gibt und wenig mit dem klaren, Herzbrecher-Sound seiner früheren Aufnahmen zu tun hat. Mit einem Klavierspiel, dass sich hypnotisch in unseren Kopf arbeitet und fetten Synthies, die sich verworren um die klaren Töne des Klaviers legen ist numb verstörend roh und Odell unglaublich ehrlich. Hier sehen wir einen Sänger, der sein Erlebtes in Songs verarbeitet und weisst damit auf ein Album, das eine Wende in der Musik des Briten darstellen wird. Bisher steht weder ein Name für Odells viertes Studioalbum fest, noch ein genauer Veröffentlichungstermin. Nur soviel, es soll noch dieses Jahr erscheinen.

The Best Of 2021 Vol.: 02

The Best Of 2021 Vol.: 02

Ab sofort könnt Ihr die Playlisten auch bei Spotify finden und so alle Songs in einer Playlist anhören. Folgt mir daher auf Spotify und verpasst keine Playlist mehr:

01. Klee – Danke Nein (zum Artikel)

 

02. Big Scary – Stay (zum Artikel)

 

03. The Knocks feat. Foster The People – All About You (zum Artikel)

 

04. Charlotte Cardin – Meaningless (zum Artikel)

 

05. Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks – Fireworks (zum Artikel)

 

06. Blanks – What You Do To Me (zum Artikel)

 

07. José González – El Invento (zum Artikel)

 

08. Alex Somers – Sooner (zum Artikel)

 

09. Birdy – Loneliness (zum Artikel)

 

10. Provinz – Hymne Gegen Euch (zum Artikel)

 

11. Dayglow – Close To You (zum Artikel)

 

12. Balthazar – On A Roll (zum Artikel)

 

13. No King. No Crown. – Shelter (zum Artikel)

 

14. Fickle Friends – IRL (zum Artikel)

 

15. Tash Sultana – Sweet Dandy (zum Artikel)

 

16. Passenger – Sword From The Stone (zum Artikel)

 

17. SUPER-Hi & Neeka – Following The Sun (zum Artikel)

 

18. FKA Twigs & Headie One feat. Fred Again.. – Don’t Judge Me (zum Artikel)

 

19. AVEC – I Don’t Pray (zum Artikel)

 

20. AronChupa & Little Sis Nora – Trombone (zum Artikel)

 

21. Ben Böhmer & Panama – Weightless (zum Artikel)

 

22. Satin Jackets & Tailor – Relapse (zum Artikel)

 

23. Franky Wah feat. AETHO – Should Have Seen It Coming (zum Artikel)

 

24. Gorgon City feat. DRAMA – You’ve Done Enough (zum Artikel)

 

25. SYML – Stay Close (zum Artikel)

 

26. Jon Batiste – I Need You (zum Artikel)

 

27. The Fratellis – Action Replay (zum Artikel)

 

28. Kings Of Leon – 100,000 People

 

29. Tones And I – Flay Away (zum Artikel)

 

Klee - Danke Nein

Klee – Die Pophelden sind zurück

Es waren zwei Jahrzehnte, die für die Kölner Band Klee nicht unterschiedlicher hätten sein können. Nachdem die Band um die Jahrtausendwende zu einem Trio geschrumpft war, setzte mit großartigen Songs, wie Erinner Dich, Tausendfach und Gold eine Welle des Erfolgs ein, die nicht zuletzt auf die Geschichte der Band zurückzuführen war und vor allem mit dem Song Erinner Dich und dem Album Unverwundbar (2003) eine große Geschichte trug. In Folge der, von vielen als NNDW (Neue Neue Deutschen Welle) bezeichneten, Erfolge von Bands, wie Juli, Silbermond, Wir Sind Helden und Quarks fanden sich Klee plötzlich in einem Genre wieder, das eine wahre Blütezeit erlebte. Mit ihren Alben Jelängerjelieber (2004), Zwischen Himmel Und Erde (2006) und Berge Versetzen (2008) kletterten sie in den deutschen Albumcharts zu immer neuen Höhepunkten. Nur, um mit dem Album Aus Lauter Liebe (2011) schließlich mit Platz 6 erstmals in die Top-10 zu gelangen. Kurz zuvor war mit Tom Deininger bereits der Gitarrist der Band ausgestiegen. Doch plötzlich wurde es ruhig um das nun aus Suzie Kerstgens und Sten Servaes bestehende Duo. Als hätte jemand den Strom abgestellt, war die Band plötzlich nicht mehr da. 2015 gab es kurzeitig mit dem Cover-Album Hello Again einen Hoffnungsschimmer, welches zeigte, dass die Band weiterhin besteht, ehe es weitere sechs Jahre brauchte, bis wir neues Material von den Kölnern hören durften.

Klee - Trotzalledem
Klee – Trotzalledem

In einem Interview mit n-tv sagte Servaes nun über die lange Pause Wir mussten ein paar Brocken aus dem Weg räumen. Und ruckzuck waren ein paar Jahre um. Kerstgens fügt hinzu: Eine kreative Pause war das eigentlich nicht. Uns ist einfach das Leben dazwischen gekommen. Unausweichliche Ereignisse. Schönes wie Schreckliches. Trennungen, Trauer, Tod, Krankheiten, Liebe, neue Leben. Klee besangen schon immer das, was sie beschäftigte. Niemals beschönigend aber immer melodiös und voller Leichtigkeit. Auf ihrer neuen Single Danke Nein geht es deshalb auch um den Drang des Optimierens in unserer heutigen Gesellschaft. Ob im Job, mit unserem Körper oder dem Außenbild – alle optimieren sich (ich nicht), alle retuschieren sich (ich nicht), alle reduzieren sich (ich nicht) oder reproduzieren sich (ich nicht) – singt Kerstgens in Danke Nein und singt einen euphorischen Abgesang auf den Zwang stets perfekt zu sein. Schließlich kommen im Refrain immer wieder die Textzeilen Danke, ich bleib‘ so wie ich bin. I don’t regret a thing. Alle so: „Yeah! Yeah! Yeah!“ Ich so: „No! No! No!“ Zehn Jahre nach ihrem letzten Album zeigen Klee, warum sie so sehr in der deutschen Poplandschaft gefehlt haben und begeistern, wie von jeher mit ihrem wunderbaren Popsound, der ehrlich, euphorisch und energiegeladen ist. Am 30. April folgt dann mit Trotzalledem Klees sechstes Studioalbum und lässt uns Danke für die Rückkehr sagen.

Super-Hi & Neeka - Following The Sun

Super-Hi & Neeka – Wenn der Sommer ruft

Bereits im Herbst 2020 veröffentlichten die beiden Duos Super-Hi und Neeka ihre Debütsingle Following The Sun, die uns mit einem guten Gefühl durch die dunkle Jahreszeit bringen sollte. Nun, vier Monate später, scheint der Song erst richtig anzukommen. Dabei ist Following The Sun die Debütsingle dieser beiden Acts. Doch wer nun denkt, wir haben es mit Newcomern zu tun, liegt falsch. Denn verstecken sich hinter Super-Hi die beiden britischen Produzenten Rick Parkhouse und George Tizzard, sind bei Neeka, die ebenfalls aus Großbritannien kommenden Negin Djafari und Katy Tizzard mit von der Partie. Dabei fällt dem aufmerksamen Leser auf, dass George von Super-Hi und Katy von Neeka den selben Familiennamen tragen – was kein Zufall ist – sind sie doch Geschwister und haben in der Vergangenheit bereits an mehreren Projekten zusammengearbeitet. Während Rick Parkhouse und George Tizzard unter ihrem Produzenten-Alias Red Triangle bereits mit namhafte Acts, wie James Arthur, David Guetta, Little Mix, Scouting For Girls, Alex Newell oder Take That zusammengeharbeitet haben und mehr als 80 Produktionen bei Major Labels unterbringen konnten, hat die Singer/Songwriterin Negin Djafari bereits Songs für Drake und Fifth Harmony geschrieben.

Super-Hi & Neeka - Following The Sun (Music video)
Super-Hi & Neeka – Following The Sun (Music video)

Nun haben sie sich für Following The Sun jeweils zu ganz neuen Bands zusammengeschlossen und mit ihrer Debütsingle gleich einmal den Sommer ausgerufen. Dabei klingt Following The Sun locker, luftig und immer nach der warmen Brise Sommerluft im Nacken. Mit etwas schwelgender Melancholie und treibenden, tanz-animierenden Beats wird Following The Sun zu einem ganz neuen Erlebnis, das wir in diesem Frühjahr mehr denn je gebrauchen können. Das dazugehörige Musikvideo gibt uns bereits jetzt einen Vorgeschmack auf den Sommer und die unendlichen Möglichkeiten, auch in unserer Heimat den Sommer unseres Lebens zu haben. Mit einem neuen Mindest können wir die italienischen Küstenstraßen auch durch deutsche Bergstraßen und die sommerlichen Küstenmomente an der Nord- und Ostsee erleben. Following The Sun gibt uns den Sommer, den wir brauchen und dürfte als erster Anwärter des Sommerhits 2021ins Rennen gehen.

Big Scary - Stay

Big Scary – Pfiffiger Indie-Pop

Mit ihren 2010 veröffentlichten Jahreszeiten-EPs Autumn, Winter, Spring und Summer begeisterte das Australische Duo Big Scary nicht nur Musikliebhaber im eigenen Land sondern sorgte auch weltweit für Aufsehen. Die darauf enthaltenen Songs Winter, Autumn, Thinking About You und The Deep Freeze waren solche Schmachtsongs, dass man sich fast wünschte, die kalte Jahreszeit würde nie vorübergehen. Hierbei haben Joanna Syme und Tom Iansek – die hinter Big Scary stehen – ihre ganze Kraft in die Macht der Melodien gepackt. Hinzu kommt, dass Iansek mit seiner warmen Stimme für eine wohlig, melancholische Atmosphäre sorgte, dass man sich nur in die Band verlieben kann. Das die Band aber auch anders klingen kann, zeigte sie auf ihrer Debüt-EP The Mini EP 2009. Hier waren es noch die satten Indie-Gitarren, die federführend waren und einen schnellen Sound befeuerten. Nachdem Big Scary mit The Big Scary Four Seasons alle vier EPs nochmals zusammengefasst veröffentlichten, folgten die Alben Vacation 2011 und Not Art (2013). Auf letzterem wurde der Sound dann plötzlich progressiver. Mit irritierenden Soundkostümen – über die der emotionale Gesang Ianseks gelegt wurde – entstand ein ganz neues Gefühl der Band.

Big Scary - Daisy
Big Scary – Daisy

Mit ihrem 2016er Album Animal veröffentlichten Big Scary ihre bisher letzte Platte, auf der die Singles Organism und Over Matter enthalten waren, die wahlweise an Blur und treibenden Indiepop erinnerten. Nun haben Big Scary mit Stay die erste neue Single seit fünf Jahren veröffentlicht und gleichzeitig mit Daisy ihr viertes Studioalbum angekündigt, welches am 30. April rauskommt und neun Songs beinhalten wird. Auf Stay dreht sich alles um die Angst, die Du manchmal fühlst, wenn du von jemanden eingeladen wirst, dein Haus und deine sichere Umgebung zu verlassen, aber dankbar bist, dass es Freunde gibt, die dir dieses Angebot anbieten – so die Band im Newsletter zur Ankündigung. Gleichzeitig kommen Big Scary mit Stay äußerst verspielt zurück und bieten uns mit dumpfen Synthies, Claps und Perkussions eine wohlige Abwechslung an, die sich schnell steigert und schließlich in einem Höhepunkt aufgeht, der sich nach einem satten Indiesong anhört und gleichzeitig fast schon der nerdige Aussenseiter der Indiehits sein könnte. Big Scary haben sich mit ihrem neuen Album vorgenommen ihre bisher verspielteste Sammlung von Tracks zu veröffentlichen, die voller Dramen, Grusel und Albernheit ist. Mit Stay bekommen wir nun einen ersten Eindruck, wie sie dies umgesetzt haben und freuen uns auf ein abwechslungsreiches neues Album.

FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me

FKA Twigs, Headie One & Fred Again… – Nicht greifbares Meisterwerk

Was FKA Twigs anfasst, ist in der Regel wahre Kunst. Ob mit den Songs Two Weeks und Video Girl von ihrer Debütplatte LP1, mit Good To Love als musikalische Untermalung für einen Werbespot von Calvin Klein oder der Kollaboration mit TY DOLLA $IGN, Kanye West und Diplo auf Ego Death – der Anspruch steht bei der britischen Sängerin Tahliah Debrett Barnett immer ganz oben. Hierbei ist es das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente das ganz besondere an FKA Twigs. Zum einen sorgt ihre sensible Stimme – die immer fragil, feminin und sanft klingt – für eine warme Note, ehe der Beat einsetzt, der sich futuristisch, kalt und oftmals kaum greifbar zeigt. Diese Mischung fasziniert und irritiert gleichzeitig und macht die Magie der Sängerin aus. Doch nicht nur als Sängerin ist FKA Twigs bekannt, sonder seit ihrer Jugend auch als Tänzerin. Seit einiger Zeit kann sich Twigs nun auch Produzentin, Schauspielerin und Regisseurin nennen. Auf ihrer neuen Single Don’t Judge Me vereint sie dabei gleich mehrere ihrer Talente. Während der britische Produzent Fred Again.. zusammen mit dem Londoner Newcomer, Songwriter und Rapper Headie One die Lyrics geschrieben und am Sound gearbeitet hat, kümmerte sich Twigs um die Visuals und fügte ihren Gesang, sowie einige Beats hinzu.

FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me (Photo by Creativedisc.com)
FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. – Don’t Judge Me (Photo by Creativedisc.com)

Dabei hat vor allem das Musikvideo Kurzfilm-Qualität und begeistert mit einem verstörenden Kampf gegen das Unsichtbare. Dieses Unsichtbare möchten FKA Twigs und Headie One als den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft verstanden sehen. Denn Anhand des Aussehens einer Person können wir nicht beurteilen, ob diese Person über Farbe, Geschlecht, Religion oder der Identität des Geschlechts diskriminiert. Die Unterdrücker in der Gesellschaft, die uns umgeben, bleiben meistens unsichtbar, bis ihr Missbrauch gegen andere aufgedeckt wird. Dies ist einer der Gründe, warum Diskriminierung seit Generationen so schwer zu bekämpfen ist. Gegen wen muss das Opfer kämpfen, wenn es den Täter nicht identifizieren kann? sagte Headie One über den Text des Songs. Don’t Judge Me ist mehr, als nur ein R&B/Elektropop-Song, wieder einmal hat FKA Twigs, nun zusammen mit Headie One und Fred Again.., einen Avantgard-Popsong veröffentlicht, der beklemmend, faszinierend und eindringlich ist und ebnet den Weg für FKA Twigs drittes Studioalbum, das noch dieses Jahr erscheinen könnte.

The Knocks feat. Foster The People - All About You

The Knocks feat. Foster The People – Ein Song für die Nacht

Es klopft nachts immer wieder an ihrer Tür. Der Nachbar beschwert sich, dass die Musik zu laut sei. Einige Jahre später sollte dieser wiederkehrende Moment der Namensgeber für das New Yorker Elektro-Duo sein. Denn heute kennen wir die, 2010 gegründete, Band unter dem Namen The Knocks. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichten The Knocks mit 55 (2016) und New York Narcotic (2018) zwei Alben, fünf EPs und über 40 Singles. Auf diesen 40 Tracks vereinen The Knocks Künstler, wie St. Lucia, X Ambassadors, Alex Newell, Wyclef Jean, Carly Rae Jepsen, Crystal Fighters oder Foster The People. Mit Letzteren haben sie sich nun erneut zusammengetan und nach ihrer 2018er Kollaboration Ride Or Die – die sich mit so markanten Textzeilen wie I know I’m getting older but that don’t mean it’s over oder I know we’re getting sober, but that’s not on my mind! in unser Gedächtnis bohrte – einen Song eingespielt. War der Sound der beiden Acts auf Ride Or Die noch äußerst verspielt, kommen sie auf All About You nun größer und schwelgender zurück.

The Knocks feat. Foster The People - All About You (Video)
The Knocks feat. Foster The People – All About You (Video)

Mit einem verträumten Elektrosound sorgen The Knocks hier dafür, dass wir einen der besten Songs für einen einsamen Spaziergang durch die Großstadt zu hören bekommen. Während Mark Foster von Foster The People völlig unaufgeregt singt, schieben The Knocks ein Sample des 1972 veröffentlichten Songs Like A Ship…(Without A Sail) von Pastor T.L. Barrett and the Youth for Christ Choir unter seinen Gesang. Herausgekommen ist ein Song, der wie Schlafwandeln klingt. Samtige Elektropop-Beats verbinden sich mit dem Kinderchor des Samples und lassen uns einsam durch die Straßen der Stadt streunen. Immer etwas Melancholie mit dabei, ist All About You gleichzeitig erfrischend clean strukturiert und lässt uns dabei eine warme Freude fühlen. Mit spacigen Parts wird All About You zum Begleiter durch die frühlingshafte Nacht der aktuellen Februartage und lässt uns sehnsüchtig auf den tatsächlichen Frühling hoffen. All About You ist die zweite Singleauskopplung aus The Knocks drittem Studioalbum, das noch keinen Namen und kein Veröffentlichungsdatum hat.

Daft Punk - Epilogue

Daft Punk – Goodbye, Au revoir, Tschüss

Die Nachricht schlug ein! Daft Punk haben heute mitgeteilt, dass sie sich getrennt haben. Dabei ist die Geschichte um das französische Elektro-Duo so erfolgsverwöhnt und futuristisch, dass es einen wahren Verlust für die Musikszene weltweit bedeutet. Vor 28 Jahren haben Guillaume Emmanuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter in Paris das Duo Daft Punk zum Leben erweckt und mit einer Mischung aus futuristischen French-House-Sounds die Welt im Sturm erobert. Direkt mit ihrer Debütplatte Homework, die Anfang 1997 erschien, vereinten sie die Menschen auf den Tanzflächen der Clubs und hatten mit Da Funk und vor allem mit Around The World zwei so erfolgreiche Songs produziert, dass ihr Name zum Sinnbild für den French-House wurde. Als Seitenprojekte von Bangalter war auch Stardust mit dem Song Music Sounds Better With You ein voller Erfolg. Doch Daft Punk wollten sich dem Popzirkus und -rhythmen des Album Schreibens, Produzierens, Veröffentlichens, Tourens und von vorne Beginnens, nicht hingeben. So ließen sie sich vier Jahre Zeit, bis ihr zweites Album Discovery erscheinen sollte. Als Leadsingle wurde One More Time zum globalen Ohrwurm. Erstmals bekleideten Daft Punkt damit Spitzenpositionen in den Singlecharts Frankreichs, Portugals, Irlands und Kanadas. Waren Daft Punk spätestens hiernach weltweit ein Begriff, baute sich der Song Harder, Faster, Better, Stronger in den Folgejahren zu einem satten Partyhit auf, der mit einem weiteren Song aus dem dritten Album Human After All bis heute als fester Bestandteil einer jeden Homeparty gilt.

Daft Punk
Daft Punk

Technologic, das 2005 als zweite Single des Albums Human After All veröffentlicht wurde gilt in den USA bis heute als einer DER Partysongs überhaupt. Doch dann wurde es still um das Duo. Zwar veröffentlichten sei mit Alive: 2007 die Fortsetzung des Livealbums Alive: 1997 und produzierten zum Blockbuster TRON: Legacy 2010 den gleichnamigen Soundtrack – doch sollte es insgesamt acht Jahre dauern, bis die Franzosen wieder ein Studioalbum veröffentlichen würden. Und dieses Mal saß alles. Am 19. April 2013 veröffentlichten Daft Punk zusammen mit Pharrell Williams den Song Get Lucky. In Folge sollte er es in 32 Ländern weltweit auf Platz 1 schaffen und sich insgesamt fast 10 Millionen Mal über alle Kanäle verkaufen. Nur vier Wochen später kam am 17. Mai Daft Punks viertes Studioalbum Random Access Memories raus, das es in 23 Ländern an die Chartspitze schaffte, mit über 3,5 Millionen verkauften Einheiten zu ihrem erfolgreichsten Album wurde und das dritterfolgreichste Album des Jahres weltweit wurde. Neben Pharrell Williams waren auch Nile Rodgers und Julian Casablancas von The Strokes auf dem Album zu hören, das dem Duo fünf Grammy Awards einbrachte. Nach endlosen Auftritten in Folge wurde es wieder ruhig um die Jungs und traten Daft Punk nur noch ein paar Mal als Produzenten der The Weeknd Hits Starboy und I Feel It Coming, sowie Overnight von der Berliner Band Parcels in Erscheinung. Nun wissen wir, dass es zu ruhig wurde. Denn mit dem Clip Epilogue, welchen die Band heute auf YouTube veröffentlicht hat, gaben sie nach 28 Jahren das Ende der Band bekannt. In einem gewohnt non-verbalen Video sehen wir, wie de Homem-Christo bei Bangalter den Selbstzerstörungsmechanismus auslöst und er nach einer Minute explodiert. Was bleibt, sind mehr als zwei Dutzend absoluter Überhits, die nicht nur ihre Zeit überlebt haben, sondern auch Wegweiser für die House-Musik unserer Gegenwart und Bands, wie Justice, Phoenix, The Weeknd oder Parcels sind. Damit werden viele ihren Hut ziehen und Danke für 28 Jahre voller wegweisender Musik sagen.