James Blake - Are You Even Real?

James Blake – Das Bindeglied zwischen damals und heute

Nach dem Ausflug in den R&B, Hip-Hop und Pop mit seinem vierten Studioalbum Assume Form, bietet uns der Brite James Blake nun mit seiner neuesten Single wieder einen Sound an, der sich wieder mehr auf den Künstler Blake zu fokussieren scheint. Dabei haben alle seine bisherigen Albumveröffentlichungen eine unterschiedliche Musikrichtung eingeschlagen. War es erst das Debütalbum James Blake, welches zum weltweiten Kritikerliebling wurde und mit einem modern-nostalgischen Mix aus Post-Dubstep und experimenteller Elektro begeisterte, machte sein Zweitling Overgrown bereits zaghafte Gehversuche im R&B. Auf seinem dritten Album The Colour In Anything, welches von Rick Rubin, Justin Vernon (Bon Iver) und Blake produziert wurde, ging es wieder deutlich zurückhaltender zu und wirkte mit Singles, wie Modern Soul und My Willing Heart fast schon ausschließend. Jedoch verband alle Alben eine Intimität, die Blake durch seinen fragilen Gesang bestimmte. Auf seinem letzte Album Assume Form waren jedoch zuletzt eher die Stimmen von Gast-Acts, wie RZA, Travis Scott, Rosalía, André 3000 oder Moses Sumney zu hören.

James Blake

James Blake

Knapp ein Jahr, nach diesem Album veröffentlicht Blake nun mit Are You Even Real? bereits seine zweite neue Single, die aktuell als Stand-Alone-Song veröffentlicht wird. Dabei hat sich der Musiker und Produzent zwei der aktuell renommiertesten Songwriterinnen dazugeholt. Starrah – die bürgerlich Brittany Talia Hazzard heisst und in Los Angeles lebt – hat die Nummer 1 Hits Havana von Camila Cabello und Girls Like You von Maroon 5 geschrieben. Aber auch Acts, wie Rihanna, Madonna, Major Lazer, Calvin Harris, Beyoncé, The Weeknd, Katy Perry oder Drake haben Songs der 30-Jährigen veröffentlicht. Doch Starrah ist nicht nur als Songwriterin beliebt, sondern auch als Featuring-Act, wie bei The Weeknd, Big Sean, G-Eazy oder Halsey. Als zweite Songwriterin ist die ebenfalls 30-jährige Künstlerin Alexandra Tamposi dabei, die sich musikalisch deutlich breiter aufstellt. Denn mit Songwritings für Kelly Clarkson, One Direction, Avicii, Nickelback, BTS, Jake Bugg, Ozzy Osbourne oder Blink-182 gibt es so gut wie kein Genre, welches die in Florida lebende Songwriterin nicht bedient. Zusammen haben Tamposi, Starrah und Blake eine Song veröffentlicht, der sich wie ein Traum anfühlt. Sanfte Synthies, warme Bässe und ein roher Gesang Blakes, der sich immer wieder in Wiederholungen zu verlieren scheint. Dabei leuchtet Blake mit einem R&B-lastigen Gesamtsound auf, der sich mit Geigen ins Melodramatische absetzt. Mit Are You Even Real? ist Blake wieder deutlich mehr zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, ohne den soulig, modernen Weg der vergangenen Jahre auszublenden. Damit funktioniert Are You Even Real? sowohl als Liebessong, als auch an stickig heißen Sommertagen auf einer Decke am Wasser liegend.

James Blake - My Willing Heart

James Blake – Der ewig Einsame

Dass James Blake mittlerweile der Liebling der großen Stars ist, dürfte keinen verwundern. Dafür ist seine Musik auch viel zu sehr Anti-Pop. Genau dieser Anti-Pop ist es allerdings, der so viele Menschen anzieht. Schaut man sich an, woraus Blakes Songs zusammengesetzt sind, spricht das normalerweise für Nerds und Aussenseiter. Doch schafft es ein Künstler, Klavier, träge Bässe und falcettartigen Gesang zu einer angesagten Mischung zu vereinen, kann es nur James Blake sein. Dessen Mix schaffte es bereits Dub-Step, Soul, R&B und Singer/Songwriter in eine Wolke zu packen, die von allen anderen fernab zu schweben scheint. Bei My Willing Heart singt Blake mit „The first time your name was used. It was beauty and I knew“ über eine Liebe? Über einen gerade neu geborenes Leben? Beides passt und Blake bleibt dabei so sanft und verborgen, dass man ihm keinen bösen Willen zurechnen möchte. Irgendwo zwischen anklagend und bemitleident, zwischen Traurigkeit und Resignation gibt uns Blake eine weiche Welt der Emotionen Preis. Im dazugehörigen Video sehen wir die hochschwangere, im Wasser schwimmende, Natalie Portman, mit leichten Bewegungen alle Aufmerksamkeit auf ihren Bauch lenkend. Dieser Bauch, der Leben und Vitalität ausstrahlt und Portmans ungeborenes Kind dabei zeigt, wie sich durch die Bewegungen die Bauchdecke wölbt. Dies geschieht in einer so intimen Art, dass man sich mit dabei wähnt. My Willing Heart ist Blakes dritte Singleauskopplung vom letztjährig, veröffentlichten Album The Colour In Anything. Das einstige Wunderkind des britischen Elektros bleibt ein Ausnahmetalent und hört nicht auf, fragil, robuste und mitunter brutal ehrliche Songs zu machen. James Blake begeistert und bleibt trotzdem im Hintergrund – ganz so, wie es sein muss, wenn nur die Musik zählt.

James Blake - Modern Soul

James Blake – Das Wunderkind kehrt zurück

Mit seinen ersten beiden Alben hatte der Brite James Blake für einen regelrechten Begeisterungssturm der Kritiker gesorgt. Waren doch Songs wie das Feist Cover Limit To Your Love, The Wilhelm Scream und Retrograde Songs, die für sich alleine standen. Was als Singleveröffentlichungen auf die Massen wirkte, ließ auf ganzer Albumlänge kaum Wünsche offen. So vereint Blake Dubstep und klassische Instrumente, wie das Klavier, mit einem einfühlsamen Gesang, der Gänsehaut garantiert. Nun hat Blake mit Modern Soul den ersten Song seinem – noch in 2016 erscheinendem – dritten Album The Colour Of Anything veröffentlicht. Ging es auf dem zweiten Album Overgrown mehr um ausgefeilten Dubstep und einer gewissen Prise Experimentierfreudigkeit, klingt Modern Soul wieder deutlich hörbarer nach klassischen Einflüssen. Hier sind die Dubstep-Elemente auf das nötigste reduziert und wurde dafür Blakes Gesang in den Vordergrund gerückt. Blake, der seit Anfang an als britisches Wunderkind betitelt wird, macht diesem Namen auch auf Modern Soul wieder alle Ehre.