Alex Vargas – Konzertkritik

Oftmals fliegen einem die Artikel und Sätze nur so zu, um sie zu posten. Doch ab und zu gibt es diese Musiker, bei denen man sich die Zähne ausbeißt, weil man einfach nicht die passenden Worte findet, um zu beschreiben, was für einen Eindruck sie hinterlassen haben. Genau in diesem Dilemma steckt man, hat man den Dänen Alex Vargas das erste Mal live gesehen. Sind seine Texte und Sounds doch so eindrucksvoll und dunkel. Gleichzeitig aber auch voller Energie und zerbrechlich. Doch bevor hier in der Einleitung schon das ganze Pulver verschossen wird, setzen wir alles auf Anfang.

Kiah Victoria @Prince Charles Berlin

Kiah Victoria @Prince Charles Berlin

Als Support stand gleich zu Beginn des Abends ein Stimmwunder auf der Bühne. Sang die New Yorkerin Kiah Victoria, die in Berlin geboren wurde, doch Songs wie I Ain’t Goin Nowhere, Cold War und Hollow und klang dabei wahlweise wie Beyoncé, Mary J. Blige oder, speziell bei Cold War, wie Alicia Keys. Diese Stimme drang bis ins Mark und ließ die sympathische New Yorkerin aller Aufmerksamkeit zu Teil werden. Kiah Victoria verarbeitet Urban, R&B und Soul zu einer frischen Mischung und präsentiert stimmgewaltige Songs. Nach nur fünf Songs verabschiedete sie sich dann von der Bühne, doch sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend dort gewesen sein.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Wenn Ben Howard Däne wäre

Schließlich kam mit Alex Vargas ein recht extrovertierter und durchgestylter Sänger auf die Bühne des ausverkauften Prince Charles und startet in mit einem zutiefst zerbrechlichen Lasting Song in den Abend. Hier führte Vargas‘ Stimme im Zusammenspiel mit dem musikalisch, spärlich unterlegten Song für eine Blase, in der man anfing zu schwelgen, zu träumen – einfach zu versinken. Dies setzte sich auch mit dem nahtlos folgenden Cohere fort. Bei dem er ruhig aber anklagend sang und parallel zum Anschwellen des Songs auch stimmlich aus sich raus kam. Mit der Gitarre als Hintergrund konnte man deutlich erkennen, wie Musiker wie Ben Howard den Dänen beeinflusst haben müssen. Schließlich sollte mit dem dritten Song Giving Up The Ghost das Eis gebrochen werden und der Sound regelrecht explodieren. Was bis dahin der Vermutung, einen guten Singer/Songwriter zu sehen, nahe kam, änderte sich mit einsetzen der elektronischen Beats. Und davon sollten an diesem Abend noch so einige Songs folgen.

Die Besonderheit der Location zeigte sich bei Oh Love, How You Break Me Up. Ist das Prince Charles doch aus einem ehemaligen Mitarbeiterschwimmbad des Klavierherstellers Bechstein entstanden und hat an der Decke hunderte Glühbirnen, die wabernd an und aus gehen und so den Club wirken lassen, als würde der Pulsschlag dadurch sichtbar werden. Zu Oh Love, How You Break Me Up flammten die Glühbirnen dann zeitweise hektisch auf, um in einem sanften dimmen zu erlöschen. Dies verstärkte den ohnehin schon intensiven Song noch extra.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Nicht auf den Mund gefallen

Die ersten Worte sprach Vargas dann auch erst jetzt und bedankte sich und sagte, dass er sich über den ausverkauften Club freue, da es früher oft sehr langweilig war, in leeren Clubs zu spielen. Mit Solid Ground folgte ein weiterer, sehr dunkler Song ehe mit Till Forever Runs Out ein Song abermals ganz in Manier Ben Howards den Club durchdrang. Nur mit einer Gitarre und seiner Stimme sang Vargas so emotional, dass sich durch die Reihen des Publikums fast hörbar die Gänsehaut aufstellte. Mit Howl folgte schließlich ein vier Jahre alter Song, dem man anhörte, dass er aus einer Zeit stammt, in der Vargas noch tendenziell ohne elektronisches Equipment produzierte.

Higher Love läutete dann allmählich das Ende des Konzertes ein und Vargas scherzte mit dem Publikum, ob im Publikum eine Nurse sei, nur um zu zeigen, dass er das deutsche Wort Krankenschwester beherrsche und, dass es doch absurd sei, diesen Zugabe-Quatsch zu machen. So begründete er es damit, dass er eh noch gar nicht so viele Songs hätte und es in einer Zeit, in der eh jede Band eine obligatorische Zugabe spielte, es kaum noch als unvorbereitet und überraschend rüberkommt. Doch eine Überraschung sollte es dann doch noch geben. Hatte Vargas mit Warning doch einen komplett neuen Song auf der Liste, der vor wenigen Tagen auf einem Konzert in den Niederlanden erstmals präsentiert wurde. Dazu, holte er sich Kiah Victoria, die ihn unterstützte.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Wenn ein Ausfall zur Stärke wird

Direkt danach kündigte Vargas mit Shackled Up einen Song an, der unplanmäßig zum letzten an diesem Abend werden sollte. Hatte er doch Wear Your Demons Out noch im Repertoire, gab der Amplifier kurz vorher seinen Geist auf und zwang Vargas so, diesen Song auszulassen. Einmal erwähnt, begann eine amüsante Gesprächsrunde mit vielen aus dem Publikum und Vargas‘ Antworten, in denen er immer wieder beteuerte, dass er sich selbst ärgere, dass er diesen Song nicht spielen könne. Dies machte ihn so sympathisch und präsentierte ihn amüsant und sich nicht all zu ernst nehmend, dass man sich vorstellen konnte, mit ihm auf ein Bier in die Bar nebenan zu gehen. Mit einem Danke verabschiedete er sich dann ohne zu verschweigen, dass er gleich noch am Merchandise Stand anzutreffen wäre.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas hat sich mit einem Sound präsentiert, der zwischen Ben Howard und Thomas Azier hängt und deutliche an elektronischen Elementen zunimmt. Im Frühjahr 2017 schaut er wieder in Berlin vorbei, also haltet die Augen offen und seid schnell beim Ticketkauf!

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