Jónsi feat. Robyn - Salt Licorice

Jónsi feat. Robyn – Sound aus einer Parallelwelt

Es überrascht und ist gleichzeitig wenig überraschend, was Sigur Rós Frontmann Jón ‚Jónsi‘ Þór Birgisson nun, so kurz vor der Veröffentlichung seines zweiten Soloalbums Shiver hier veröffentlicht. Denn war die erste Singleauskopplung Exhale dem Soundmuster Sigur Rós‘ noch sehr nahe, folgte mit Swill bereits ein erster Vorgeschmack auf den Sound, der noch kommen sollte. Hier bekommen wir durch das Zusammenspiel aus Autotune und überfrachteten Soundebenen ein Gefühl davon, wie sehr Jónsi von seiner interdisziplinären Arbeitsweise getrieben ist. Wurde mit Cannibal – eine Zusammenarbeit mit Elizabeth Fraser – Mitte August die dritte Single veröffentlicht, folgt nun, nur zwei Tage vor der Albumveröffentlichungen mit Salt Licorice die vierte Single. Darauf zu finden ist auch die Stimme der schwedischen Königin des Dancefloors – Robyn. Hier kommen zwei Künstler zusammen, die so viel eint und die eigentlich doch so weit auseinander liegen. Beide sind in ihren Bereichen Ikonen im Musikbusiness, arbeiten mit verschiedensten Genres und setzen ihrer Kreativität keine Grenzen. So gilt auch für Robyn das Siegel der interdisziplinären Musik und weist sie damit erstaunliche Parallelen zu dem Isländer auf.

Robyn & Jónsi Robyn & Jónsi

Nun haben die beiden mit Salt Licorice einen Song veröffentlicht, über den Robyn sagt: it is such a cute and perfect pop song. Über die Zusammenarbeit und den Song fügt sie dann noch hinzu, dass sie der Song heftig zum Tanzen, aber auch zum Rummachen animiert. Es brauchte gar keine Überlegung, um zuzusagen, mit Jónsi einen Track zu machen. Zu hören ist abermals ein vertrakteter Song mit verschiedenen Ebenen voller Synthies, Bässen, frickeligen Elektrosounds und den beiden Stimmen von Robyn und Jónsi. Dabei ist der progressive Verlauf des Songs eine Annäherung beider Sounds. Würde der Gesang ohne das Soundbett fast schon in einer Popballade aufgehen, federt er gleichzeitig den rauen Charme der Produktion ab und lässt einen Song entstehen, bei dem man begeistert und verstört zugleich ist. Und genau hier schließt sich der Kreis zum Sigur Rós geprägten Sound des isländischen Masterminds. Erscheint am Freitag – nach zehn Jahren – mit Shiver das zweite Soloalbum des Sängers, wird es die Position Jónsis als einen der großartigsten Künstler unserer Zeit weiter untermauern.

The Best Of 2020 Vol. 13

The Best Of 2020 Vol.: 13

01. Ace Marino – Communication (zum Artikel)

02. Tash Sultana – Beyond The Pine (zum Artikel)

03. HÆLOS – Hold On (zum Artikel)

04. London Grammar – Baby It’s You (zum Artikel)

05. Declan J Donovan – Perfectly Imperfect (zum Artikel)

06. Janelle Monáe – Turntables (zum Artikel)

07. SIND – Bataillon d’Amour (zum Artikel)

08. Birdy – Open Your Heart (zum Artikel)

09. Of Monsters And Men – Visitor (zum Artikel)

10. Paul Woolford & Diplo feat. Kareen Lomax – Looking For Me (Extended Mix) (zum Artikel)

11. Miley Cyrus – Midnight Sky (zum Artikel)

12. Melanie C – In And Out Of Love (zum Artikel)

13. Glasvegas – Keep Me A Space (zum Artikel)

14. Hayden Calnin – Mountain Steeps (zum Artikel)

15. Hugo Barriol – Stay (zum Artikel)

16. The Whitest Boy Alive – Serious (zum Artikel)

17. GASHI feat. Sting – Mama (zum Artikel)

18. Jamie Cullum – Don’t Give Up On Me (zum Artikel)

19. Master KG feat. Nomcebo – Jerusalema (zum Artikel)

20. H.O.S.H. feat. Ost & Kjex – Woohoo (Original Mix)
Tash Sultana - Beyond The Pine

Tash Sultana – Liebe gehört Dir

Es war ein fulminanter Start – von der Straßenmusik, bis in die Albumcharts weltweit. Das Debütalbum Flow State mit Songs, wie Murder To The Mind, MystikSalvation und Harvest Love schaffte es in 14 Ländern in die Charts und das, ohne große Promotion zu betreiben. Tash Sultana überzeugt durch die Musik, die Videos und sich selbst. Nachdem bereits mit Can’t Buy HappinessGreed und Pretty Lady, sowie die Kollaboration mit Matt Corby auf Talk It Out und die Zusammenarbeit auf Milky Chances Single Daydreaming, veröffentlicht wurden, rückt der Releasetermin des zweiten Albums immer näher. Zwar steht der genaue Veröffentlichungstermin von Terra Firma noch immer nicht fest, wird zumindest davon gesprochen. es noch in diesem Jahr zu veröffentlichen. Mit Beyond The Pine hat Sultana nun den fünften Song veröffentlicht und einen deutlich ruhigeren Vibe angeschlagen. Hier singt Sultana über einen smoothen Beat aus Loops und lässt die so großartig beherrschende Gitarre nur hier und da musikalisch aufleuchten. Im dazugehören Musikvideo sehen wir die beiden professionellen australischen Tänzer Timothy Spring und Chris Haines die verschiedenen Phasen einer Partnerschaft körperlich umsetzen.

Tash Sultana

Tash Sultana

Durch ihre Bewegungen sehen wir Liebe, Wut, Trauer und Versöhnung in nur vier Minuten. Die Idee hinter dem Song und dessen Musikvideo ist es, Trost in der Natur zu finden und zu erkennen, wenn man die richtige Person im Leben gefunden hat – so Sultana. Dass Sultana gerade davon schreibt, wundert nicht – verfolgt man den Instagram-Account Sultanas. Denn hier präsentiert Sultana seit einiger Zeit eine Partnerin an der Seite, mit der Sultana alles teilt und uns daran teilhaben lässt. War Sultana in der Zeit vor Flow State eher zurückhaltend und introvertiert, wirkt Sultana nun immer öfter gelassen und entspannt. Gleichwohl die Intention hinter Beyond The Pine eine wichtige Message vertritt: Liebe gehört dir, egal welche Farbe, Rasse, Geschlecht, Religion, Sexualität oder Identität du hast – so Sultana selbst über den neuen Song. Auch wenn die einst so prägende Gitarre auf Beyond The Pine deutlich in den Hintergrund geraten ist, zeigt sich Sultana reifer und klingt durch die Arbeit mit der Loop-Station dennoch äußerst frisch.

HÆLOS - Hold On

HÆLOS – Die Dunkelheit des Dancefloors

Es wird poppiger im Hause des britischen Trip-Hop Quartetts HÆLOS. Mit ihren ersten beiden Alben hatte die Band um Frontsängerin Lotti Benardout eine Weiterentwicklung vollzogen, die von dunklen Trip-Hip-Sounds zu einem noch dunkleren aber flirrenden Indie-Sound mutierte. Ob Singles, wie Separate Lives von ihrem Debütalbum Full Circle oder den herausragenden Singles Kyoto und End Of World Party ihres fulminanten Zweitlings Any Random Kindness – alle eint ein schneller Sound, der gleichzeitig durch Synthieelemente eine irritierende Art von Slow-Motion-Gefühl auslösten. Nun haben HÆLOS in den vergangenen drei Monaten gleich drei neue Songs veröffentlicht, die eine Entwicklung vollziehen, die sich als eine Öffnung zum Hörer erweist. Dabei sind vor allem Unknown Melody und Perfectly Broken zu nennen. Hier haben sich HÆLOS in eine Zwischenwelt aus ihrem introvertierten Elektrosound und der poppigen Welt ausserhalb ihres Kosmos gewagt und mit wunderbaren Melodien eine Heimat des sicheren Sounds gewählt. Dieser sichere Sound bedeutet nicht etwa Stillstand, sondern ist vielmehr wagemutig, frisch und bleibt dennoch immer HÆLOS-typisch.

HÆLOS (Credit: Jeff Hahn)

HÆLOS (Credit: Jeff Hahn)

Jetzt ist mit Hold On die dritte neue Single veröffentlicht worden und bildet dabei eine andere Richtung ab, als es die beiden Vorgängersingles taten. Denn hier geben sich die Briten wieder dem düster, dystopischen Soundmuster ihrer vorangegangenen Alben hin, werden sphärisch und lassen ihren Sound fliessen. Hier überlappen die Sounds von tiefen Bässen, über trompetenartigen Synthies, bis hin zu ruhigeren Momenten, die an ein Orgelspiel erinnern. Ehe man fast schon an ein Zusammenspiel aus Violinen und vertrackteten Soundelementen zum Endspurt ansetzt und dabei ein Outro erzeugt, dass sich in einer Liveperformance bis ins unendlich, ekstatische verlängern lässt. HÆLOS haben alle drei Songs über ihr selbstgegründetes Plattenlabel Æ imprint veröffentlicht und halten das extrem hohen Niveau von Kreativität, die in der Musik nochmals eine eigene Kunstform entwickelt. Bereits für 2021 angekündigt, ist das dritte – noch unbetitelte – Studioalbum der Londoner, die in den letzten Monaten so einiges an neuem Material geschrieben haben. Wir dürfen daher auf ein weiteres, herausragendes Album hoffen, das sich durch die introvertierte Art des Sounds fragil und stark zugleich präsentiert.

Janelle Monáe - Turntables

Janelle Monáe – Der ewige Kampf als Sound

Sie war schon immer politisch und sang über gesellschaftskritische Themen. Doch was die US-Amerikanische Sängerin Janelle Monáe nun veröffentlicht hat, bezieht mehr und offener denn je Stellung. So wird Monáe in der US-Amerikanischen Musikszene immer mehr zu dem weiblichen Freigeist, deren männliches Pendant in Childish Gambino aufgeht. Monáe – die ebenso wie Gambino als Schauspielerin, Musikproduzentin und Songwriterin tätig ist – hat mit ihrem dritten Album Dirty Computer (2018) und der Singleveröffentlichungen Make Me Feel gezeigt, wo ihre Schmerzgrenze des Erträglichen an tagtäglichen Diskussionen um die Diskriminierung von Frauen, Farbigen und Menschen der LGBTQ-Gemeinschaft liegt. Mit diesem Album konnte Monáe sogar eine Grammy-Nominierung für das Album des Jahres 2018 einsacken. Auf ihrer neuen Single Turntables ist nun der Songname Programm. Hier singt Monáe gleich zu Beginn die Zeilen the table bout to turn, the table bout to turn – was gleichzusetzen ist, mit der Aufforderung, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Gleichzeitig sehen wir im Musikvideo – neben Monáe, die durch ein großzügiges Einfamilienhaus läuft – immer wieder auch Einspieler und Straßenszenen, auf denen die Black Lives Matter-Bewegung zu sehen ist.

Turntables (Video) Turntables (Video)

Der Kampf auf der Straße um Gleichbehandlung und -berechtigung so vieler unterdrückter Menschen ist dabei ein zentrales Thema Monáes. Musikalisch greift die Sängerin dabei nochmals den Sound des dritten Albums auf und mischt funkige Sounds mit Hip-Hop und Soul. Monáe, die sich selbst als Kämpferin dieser Menschen sieht, präsentiert uns mit Turntables einen starken Song, der vielleicht als einer der wichtigsten Songs über die aktuelle Lage in den USA eingehen könnte. Monáe ist dabei Rebellin, Kämpferin und Anführerin einer Generation, die politisiert ist und sich für Freiheit in jeglicher Form und für jeden Menschen in diesem Land einsetzt. My city cryin’ out heisst es schliesslich an einer anderen Stelle im Song und zeigt ebenfalls auf, wie zerrissen die USA und Monáes Heimat ist. Turntables ist dabei einer der anspruchsvollsten und wichtigsten Statements, das wir zur Zeit haben können und bildet nach Childish Gambinos This Is America erneut Potential für Diskussionen. In einer kleinen Cameorolle im Musikvideo zu Turntables können wir sogar des Öfteren Childish Gambino erkennen, der damit die Verbundenheit zu Monáe und ihren Intentionen darstellt. Wenn Monáe mit ihrer kommenden Musik in eine ähnliche Richtung geht, dürften wir ein großes Album erwarten.

Birdy - Open Your Heart

Birdy – Die große Rückkehr zum Klavier

Eine Stimme und ein Klavier reichten 2011 aus, um das immense Talent einer britischen Sängerin in die Welt zu tragen. Mit Coversongs von Phoenix, The XX, Bon Iver oder Cherry Ghost hatte sie eine emotionale Power in die Songs gebracht, die in den Originalen immer nur situativ erlebbar waren. Auch wenn die Originale heute allesamt zu den großen Klassikern zählen, hat vor allem Birdys Interpretation mit dem Klavier dafür gesorgt, die ganz großen Gefühle aufkommen zu lassen. Auch heute, neun Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums Birdy, haben die Songs nichts an ihrer Wirkung verloren. Bemerkenswert an Birdy war die großartige Auswahl an herausragenden Künstlern, deren Songs die damals 14-jährige Sängerin coverte und damit einen erstaunlichen Musikgeschmack bewies. 2013 folgte mit Fire Within ihr zweites Album, ehe 2016 mit Beautiful Lies ihr bislang letztes Album erschien. Mit Songs, wie Not About Angels (2014), Keeping Your Head Up oder der Zusammenarbeit mit Sigma auf Find Me (beide 2016) konnte sie schließlich immer wieder aufs Neue begeistern. Nach fünf Jahren als absoluter Überflieger brauchte die damals gerade 20 gewordene Britin 2016 eine Pause und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seitdem schreibt sie an neuen Songs und hat weit mehr Songskizzen angefertigt, als auf ein Album passen würden. Da der Britin die Songs allerdings wichtig sind, fand sie einen Weg, so viele, wie möglich, zu veröffentlichen. So kommt – bevor 2021 ein neues Album von der Sängerin erscheinen wird – Anfang November die EP Piano Sketches auf den Markt, von der nun eine erste Single ausgekoppelt wurde.

Birdy - Piano Sketches

Birdy – Piano Sketches

Nachdem sich Birdy auf dem zweiten und dritten Album vielen neuen Elementen öffnete und auch mal schneller und poppiger klang, findet sie auf Open Your Heart wieder zurück zu ihrem Klaviersound der Anfangszeit. Hierbei wird – gleich beim Ertönen des ersten Klavieranschlages – klar, dass die Sängerin diese große Gabe, Gefühle so natürlich und direkt zu transportieren, immer noch besitzt und so authentisch und sanft klingt, wie auf ihren Coverversionen vor fast zehn Jahren. Birdy selbst sagt über die Musik ihrer neuen EP – Ich habe eine Menge Musik geschrieben, auf die ich so stolz bin, die aber womöglich normalerweise nicht das Licht der Welt erblicken würde – ich werde diese reduzierten Tracks über die kommenden Monate vor dem Album veröffentlichen. Zusammen geschrieben und aufgenommen hat sie den Song in Los Angeles mit Rick Nowles – der unter anderem an The Power Of Good-Bye für Madonna, White Flag für Dido oder Loud Places für Jamie XX mitgeschrieben hat. Hier ist es Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den Bogaerdes – wie Birdy bürgerlich heisst – Wunsch, diese Songs einer breiten Masse zugänglich zu machen. Mit der EP Piano Sketches kommt sie ihrem eigenen Wunsch nach und präsentiert uns eine erwachsene Sängerin, die mit ihrer klaren Stimme, zehn Jahren nach ihrem großen Durchbruch noch immer direkt ins Herz geht.

Of Monsters And Men - Visitor

Of Monsters And Men – Schneller, Größer, Weiter

Der Drang nach neuer Musik schien bei der isländischen Folk-Band Of Monsters And Men groß gewesen zu sein. Nachdem ihr drittes Album Fever Dream und die Single Wars gerade erst vor 13 Monaten veröffentlicht wurden, kamen die fünf in Reykjavík lebenden Musiker im August mit einer Coverversion des Post Malone-Songs Circles wieder auf die Bildfläche zurück. Nun haben Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, Ragnar Þórhallsson, Brynjar Leifsson, Kristján Páll Kristjánsson und Arnar Rósenkranz Hilmarsson mit Visitor eine komplett neue Single veröffentlicht und damit den Startschuss für eine ganze Reihe neuer Songs und anderer Inhalte gegeben. Damit wollen Of Monsters And Men das zehnjährige Bandjubiläum feiern und kündigen für das Jahr 2021 noch weitaus mehr Musik an. Visitor ist damit die erste große Veröffentlichung, die ihren einst so reduzierten Folksound weiter in Richtung Stadionsound bringt und gleichzeitig nichts vom sympathischen Gerüst der Musik der Isländer verloren hat.

Of Monsters And Men

Of Monsters And Men

Darin geht es darum, sich von der Welt, wie sie jetzt ist, loszulösen und zu sehen, wie die alte Welt immer weiter verschwindet, sich dabei aber plötzlich als Besucher dieser neuen Welt wahrzunehmen. Geschrieben wurde der Song lange vor der Pandemie und doch passt der Song, als hätte die Band geahnt, was kommen würde. Haben sie das Musikvideo noch vor dem großen Ausbruch im Februar in Island aufgenommen, präsentiert die Band ihren Fans nun diesen so erschreckend passenden, wie großartigen Song. Mit großen Gesten, einem schnellen Schlagzeug und voluminösen Synthies ist Visitor ein Song für die ganz große Bühne. Nach ihrem Kritikerliebling Fever Dream, sowie dem Debütalbum My Head Is An Animal (2011) und dem zweiten Album Beneath The Skin (2015) – von dem die starken Singles Crystals, I Of The Storm und Wolves Without Teeth kamen – könnte sich 2021 damit anstelle eines neuen Albums ein erstes Best-Of-Album ankündigen. Mit Visitor holen uns Of Monsters And Men – auch wenn es kein neues Studioalbum geben sollte – zumindest akustisch mit einem frischen Sound ab und lassen uns im kommende Jahr auf spannendes, neues Material hoffen.

Sylvan Esso - Frequency

Sylvan Esso – Der leise Sound des Positiven

Die Schlagzahl erhöht sich. Hatten Sylvan Esso vor knapp acht Wochen mit Ferris Wheel die erste Single aus ihrem dritten Album Free Love veröffentlicht, folgte knapp vier Wochen später mit Rooftop Dancing bereits die zweite Auskopplung. Nun, gerade einmal vier Wochen nach ihrer zweiten Single und zwei Wochen vor der Veröffentlichung von Free Love, bringt das aus North Carolina kommende Duo, mit Frequency die dritte Single auf den Markt und orientiert sich im Sound dabei an Rooftop Dancing. Beide haben – im Gegensatz zur Leadsingle Ferris Wheel einen charmant, zurückhaltenden Sound und überzeugen durch die positiven Beats, die Nick Sanborn hier produziert hat. Dabei singt Amelia Meath bezaubernd über einen minimalistischen Folk-Dance-Beat, der immer wieder durch massive Bassblasen verstärkt wird. Im Video sehen wir Meath auf einer Golfanlage völlig schräge Tanzbewegungen vollziehen, bis sich, nach und nach, immer mehr Menschen um sie herum versammeln und ihre Bewegungen mitmachen. Hier hat Singer/Songwriter Moses Sumney – der auch bei seinen eigenen Musikvideos Regie führt und mit James Blake zusammenarbeitete – die Regie von Frequency übernommen und eine wunderbare Symbiose aus Verbundenheit und Abstand geschaffen.

Sylvan Esso - Free Love

Sylvan Esso – Free Love

Mit Bewegungen, die an die Netflix-Mysterieserie The OA erinnern und dem zugänglichen Sound zeigen Sylvan Esso, dass sie auch abseits der großen elektronischen Beats überzeugen können. Gleichwohl sehen wir aber auch das wunderbare Zusammenspiel aus zwei ihrer früheren Projekte. Ist Meath nach wie vor Teil des American-Folk orientierten Trios Mountain Man, kommt Sanborn aus der Psychedelic-Folk Ecke und ist der Produzent und Bassist der Band Megafaun, sie sich seit 2012 in einer Bandpause befindet. Mit Free Love bringen Sylvan Esso nun am 25. September ihr drittes Studioalbum auf den Markt und zeigen uns mit den bereits veröffentlichten Songs einen guten Querschnitt des kommenden Albums – bestehend aus dem Intro-Song What If, dem unglaublich tanzbaren Ferris Wheel und den beiden sympathischen Folknummern Rooftop Dancing und Frequency. Sylvan Esso sind mit ihrer Musik präsenter denn je und haben es sich redlich verdient ein größeres Publikum zu erreichen.

Elderbrook - Why Do We Shake In The Cold?

Elderbrook – Fünf Jahre Warten haben ein Ende

Kaum ein anderer britischer Künstler hat in den vergangenen fünf Jahren im Melancholic-Electronic-Bereich für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, wie der Londoner Alexander Kotz. Unter seinem Künstlernamen Elderbrook hat er 2015 zusammen mit Andhim auf How Many Times zusammengearbeitet. 2017 folgte eine Kollaboration auf der Durchbruchs-Single Cola vom britischen Produzenten-Duo CamelPhat und letztes Jahr schließlich mit dem Song Something About You eine Zusammenarbeit mit Rudimental. Daneben hat Elderbrook allerdings auch immer wieder eigene Songs veröffentlicht, die sich durch tiefgründige Texte, melancholische Sounds und tiefe elektronische Beats auszeichneten. Nun hat der Brite sein Debütalbum Why Do We Shake in the Cold? fertig und veröffentlicht dieses am 18. September. Darauf enthalten sind neben der Kollaboration mit Rudimental auch die bereits veröffentlichten Songs My House und der das äußerst starke Numb. Vor wenigen Tagen hat Elderbrook mit Why Do We Shake in the Cold? eine weitere Single ausgekoppelt und überzeugt abermals mit großen elektronischen Beats.

Why Do We Shake In The Cold?

Why Do We Shake In The Cold?

Hier treffen tiefe House-Bässe auf den fragilen Gesang Elderbrooks und werden durch ein sphärisches Soundgerüst eingerahmt. Dabei passt Why Do We Shake in the Cold? so wunderbar in den Kontext eines Open Air Festivals, dass wir uns vor dem inneren Auge vor der Bühne tanzen sehen, den Sand zwischen den Zehen spüren und kurz vor dem Drop die Hände in die Höhe recken. Diese Gefühle sind ganz bewusst vom Briten gewollte. So soll sein Debütalbum die Menschen zusammenbringen und ihnen Geborgenheit vermitteln. In einem Statement von Warner Music sagt der Produzent dann auch über seine Musik, dass das gesamte Konzept von Why Wo We Shake In The Cold ist, darüber nachzudenken, wie Menschen miteinander interagieren. Rein wissenschaftlich betrachtet zittern wir in der Kälte natürlich, um durch die Reibung unseren Körper aufzuwärmen. Was ich mir jedoch vorstelle ist, dass Menschen vielleicht deshalb zittern, um anderen zu zeigen, dass sie sie brauchen. Diese mächtige Sehnsucht nach Nähe zieht sich durch das gesamte Album und zeigt die Tiefe des Künstlers und seiner Gefühle. Why Wo We Shake In The Cold kommt am Feitag in einer Woche raus und zeigt jetzt schon mit seiner Leadsingle, dass hier kaum etwas schief gehen kann.

Miley Cyrus - Midnight Sky

Miley Cyrus – Flashback in die 80er

Sie ist eine der schillerndsten Acts, den wir im aktuellen Popbusiness weltweit finden können. Dabei gleichzeitig erfolgreich und kontrovers zu sein, gilt für Miley Cyrus als gesetzt. War sie mit ihrer Figur Hannah Montana schon früh erfolgreich, mochte die Tochter der US-Amerikanischen Country-Legende Billy Ray Cyrus ebenso früh ausbrechen. Nach unglaublich erfolgreichen Veröffentlichungen rund um die Hannah Montana Zeit, folgte 2013 der internationale Durchbruch mit dem Album Bangerz und den Singles We Can’t Stop und Wrecking Ball – bei dem sie nackt auf einer Abrissbirne posierte. Es folgten zwei weitere Albumveröffentlichungen und ein Mitwirken in der Netflix-Serie Black Mirror, in der sie den Star Ashley O spielte. Nun ist Cyrus mit ihrer neuen Single Midnight Sky zurück und beantsprucht die 80er Jahre für sich. Konnten wir gestern noch vom New Yorker GASHI hören, wie dies klingen kann, konzentriert sich Cyrus auf das Gesamtbild. Mit blondierter Vokuhila-Mähne, ganz viel Glitzer und übergroßen Jackets setzt Cyrus den Fokus nicht nur auf das Hörbare, sondern vielmehr auch auf ihr Auftreten und erinnert dabei an die Dance-Ikone Róisín Murphy.

Miley Cyrus - Midnight Sky (Musikvideo)

Miley Cyrus – Midnight Sky (Musikvideo)

Natürlich ist aber auch musikalisch alles, bis ins kleinste Detail, auf die 80er Jahre abgestimmt und lässt Cyrus in einer, von Synthiebeats umgebenen, Soundwolke förmlich aufsteigen. Produziert von Andrew Watt und Louis Bell – die bereits Songs für Lana Del Rey, Taylor Swift, Justin Bieber oder Post Malone produzierten – hat sich Cyrus eine wunderbar, schillernde Popnummer geschaffen, die mit Stärke glänzt und Cyrus‘ kräftige Stimme bestens präsentiert. Inhaltlich möchte die Sängerin mit Midnight Sky auf den Druck eingehen, der vor allem bei Frauen herrscht, eine Beziehung für immer führen zu müssen und dabei oftmals der Fehler nur bei der Frau gesehen wird, wenn diese Beziehungen zerbrechen. Damit einhergehend sind Enttäuschungen vorprogrammiert und lasten auf den Frauen, so Cyrus. Mit dem Disco- und Dance-Popsong Midnight Sky wird es darüber hinaus auch wieder konkreter, was die Veröffentlichung von Cyrus‘ siebten Studioalbums She Is Miley Cyrus angeht. So dürfte es nicht mehr all zu lange dauern, bis ein Veröffentlichungstermin feststeht und die US-Amerikanische Sängerin, nach ihrer fulminanten MTV VMA-Performance von Midnight Sky den nächsten Hit in Albumlänge veröffentlicht.