Es könnte groß werden – nach der vor zwei Wochen veröffentlichten Promosingle I Feel So Free ist nun mit Bring Your Love die erste offizielle Singleauskopplung von Madonnas neuem Album Confessions II erschienen – und hat mit Sabrina Carpenter keine Geringere als Feature an Bord.
Schon mit den ersten Tönen ihrer neuen Single erzeugt Madonna einen Vibe, der so glasklar an das 2005 erschienene Album Confessions on a Dance Floor erinnert, dass man sich fast automatisch in die Zeit von vor 20 Jahren zurückversetzt fühlt. Während der Sound von Stuart Price erneut kompromisslose Clubtauglichkeit zelebriert, ist mit Sabrina Carpenter eine Sängerin beteiligt, die aktuell zu den erfolgreichsten Popstars unserer Zeit zählt.
Gleichzeitig ist Madonna längst kein Selbstläufer mehr, wenn es um weltweite Hitsingles geht. Liegt ihr letzter global wirklich erfolgreicher Solo-Hit mit Give Me All Your Luvin’ bereits 14 Jahre zurück, war es zuletzt vor allem die Kollaboration mit The Weeknd auf Popular, die weltweit hoch in die Charts stieg. Songs wie Vulgar zusammen mit Sam Smith verfehlten trotz prominenter Unterstützung hingegen in vielen Ländern die Charts.
Die Frage ist daher berechtigt, ob Madonna nach Hits in fünf verschiedenen Jahrzehnten und unzähligen popkulturellen Wegmarken heute überhaupt noch an Singlechart-Platzierungen gemessen werden kann. Vielmehr ist sie inzwischen stärker zur Albumkünstlerin geworden, bei der deutlich mehr in Albumformaten funktioniert als im schnelllebigen Streaminggeschäft. Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass Songs, die nicht auf Plattformen wie TikTok oder Instagram viral gehen, es zunehmend schwer haben, wirklich weit oben in den Charts zu landen.

Mit Bring Your Love liefert Madonna nun aber einen Song ab, der ihre Club-Ära hörbar weiterträgt. Besonders spannend ist dabei das Sample von Good Life der Detroiter Electro-Gruppe Inner City, das dem Song seinen rhythmischen Kern verleiht. Dieser Rückgriff auf einen House-Klassiker passt perfekt zur Idee hinter Confessions II und schlägt eine direkte Brücke zu Madonnas musikalischer DNA.
Das Zusammenspiel von Carpenter und Madonna funktioniert dabei überraschend gut. Beide Stimmen ergänzen sich, ohne sich gegenseitig zu überlagern. Beim Hören entstehen Bilder von langen Nächten in dunklen, leicht vernebelten Clubräumen, von Neonreflexionen auf spiegelnden Oberflächen und kurzen Gesprächen zwischen Tracks, bevor der nächste Beat einsetzt. Keine große Inszenierung, sondern eher das Gefühl, Teil eines Moments zu sein, der sich ganz natürlich entfaltet.
Madonna hat mit Confessions II eine Fortsetzung ihres Millionensellers Confessions on a Dance Floor versprochen und zeigt mit Bring Your Love, dass sie das musikalische Gefühl von damals noch immer abrufen kann. So scheint Madonna bereit, auf diese Bühne zurückzukehren. Die spannendere Frage ist: Ist es das Publikum auch?