Die Südlondonerin Lola Young entstammt einer Schule, die für namhafte Personen steht. Dabei handelt es sich bei der 23-Jährigen nicht etwa um ein wohlhabendes Familienhaus oder einer Eliteschule – vielmehr ist es das Musikstudium, das Lola Young absolviert hat – präzieser, wo sie es absolviert hat. Denn Young studierte an der London School for Performing Arts & Technology die Vielen nur als BRIT School bekannt sein dürfte und an der Acts, wie Leona Lewis, Adele, Amy Winehouse, Imogen Heap, Katie Melua oder Kate Nash studiert haben. Der Erfolg dieser Acts spricht für sich und dürfte auch für Lola Young so einige Türen geöffnet haben. So bsteht das Management der Sängerin aus Nick Huggett und Nick Shymansky, die bereits Adele und Amy Winehouse betreut und zu Ruhm geführt haben. Doch nach all diesen großen Namen, bedeutungsschweren Meilensteinen und großen Playern hinter ihr, bleibt eine Künstlerin, die auch ohne diese vielen Lorbeeren Bestand hat. Denn Lola Young zeichnet eine gewaltige Stimmfarbe aus. Mal kratzig, mal soulig, mal frech und direkt, mal weich und fließend lässt Young in ihren Songs eine große Vielfalt an Emotionen frei. Klingt sie auf dem einen Song trotzig, ist der nächste verträumt, ehe sich ein weiterer Song wiederum verkopft und rough zeigt.

Doch genau der trotzige Song macht seit einigen Wochen die Runde und damit von sich Reden. Denn mit Messy, aus Lola Youngs zweiten Album This Wasn’t Meant For You Anyway scheint die Sängerin den perfekten Opener für einen Einblick in ihr Leben veröffentlicht zu haben. Hier singt die Sängerin davon, nicht perfekt genug zu sein, um eine erfolgreiche Sängerin zu werden. Da folgen die Textzeilen; ‚Cause I’m too messy and then. I’m too fucking clean. You told me get a job then you ask where the hell I’ve been. And I’m too perfect ‚til I open my big mouth. I want to be me, is that not allowed? und zeigen den Widerspruch auf, der von ihr gefordert wird. Wann ist man genug? Dass selbst nach Veröffentlichung dieses Songs die Musikindustrie nicht daran arbeitet, Menschen mit all ihren Facetten zuzulassen, zeigen Instagram-Kommentare, die Lola Young nach Veröffentlichung von Messy erhalten hat. So empfehlen Musiker – die nach eigenen Angaben Jahrzehnte im Geschäft sind – der Sängerin, an ihrem Styling zu arbeiten, um gefälliger rüberzukommen. Dass Young damit einen großen Teil ihrer Authentizität einbüßen würde, zeigt Messy. Musikalisch trägt sich Messy durch einen Country-Sound, der sich an Fleetwood Mac anlehnt und gleichzeitig durch den Gesang der Sängerin damit bricht. Denn Young lebt dabei eine Emotionalität aus, die sich durch eine rauchig, brechende Stimme, starke Tiefen und präsente Höhen auszeichnet. Damit erschafft sie gleich mit den ersten Textzeilen eine Vorstellung von Weite, von Einsamkeit und Wärme. Ist Messy gleichzeitig eher langsam, bäumt sich der Song im zweiten Teil auf und lässt Young gesanglich nochmals an Weite gewinnen. Messy ist ein Song, der zum sich-darin-verlieren einlädt. Dem Alltag entfliehen, den Herausforderungen – die eigentlich auch nur redegewandt aufgehübschte Probleme sind – ausblenden und einen Moment lang Zufriedenheit fühlen. Das schafft Lola Young mit Messy obwohl oder gerade weil es in dem Song um all diese Unvollkommenheit geht.