Coldplay - Orphans/Arabesque

Coldplay – Wenn Abwechslung die Konstante ist

In den letzten Jahren schien es für die britische Alternative-Rockband absolut keinen Halt mehr zu geben. Da sprudeln die Songs nur so und hat haben Coldplay mit Ghost Stories (2014) und A Head Full Of Dreams (2015) binnen kürzester Zeit gleich zwei Alben veröffentlicht, die so Abwechslungsreich, wie frisch waren. Das alles kam zu einer Zeit, in der man drei Jahre lang nichts von der Band hörte und die Gerüchte, um eine Pausierung der Band immer dichter wurden. Nun sind Chris Martin und Co. wieder zurück und haben gleich ganz früh mit einer ungewöhnlichen  Aktion auf ihr Album aufmerksam gemacht. Nicht nur, dass sie mit Orphans und Arabesque gleich zwei Songs als Leadsingles veröffentlichten, haben die Briten ihr achtes Studioalbum Everyday Life als Anzeigen in Tageszeitungen und per Post an ihre treuesten Fans verkündet. Mit einer solchen Marketingstrategie, kommt die Mund-zu-Mund-Propaganda ganz von selbst und beflügelt den Run auf die Band nur noch mehr. Um die Energie der Band weiter hochzuhalten, veröffentlichen sie Everyday Life als Doppelalbum mit den Seiten Sunset und Sunrise und lassen dabei die Spannung noch höher steigen.

Bear's Den - Only Son Of The Falling Snow

Bear’s Den – Der wunderbare Klang des Winters

Es ist wie ein nach Hause kommen. Bereits mit Berlin hatten Bear’s Den im Winter 2016 einen Song veröffentlicht, der fernab der regulären Alben für ein so vertrautes und warmes Gefühl sorgte und obendrein eine ganz besondere Nacht der Band im kalten Berliner Winter beschrieb. Dabei ist es mit dem neuen Song Only Son Of The Falling Snow genau diese Stimmung, die Andrew Davie und Kevin Jones einzufangen versuchten. So stellten sie sich vor, dass Jemand, nach sehr langer Zeit, das erste Mal wieder in seine Vergangenheit schaut. Hinein, in das Haus mit der ersten Wohnung, auf den Schulhof oder der vertrauten Familienumgebung. Doch zeigt die Zeit auch, wie es weiterging und genau dieses Wandeln entspricht so oft dem Gefühl des Winters. Bear’s Den veröffentlichen damit am 6. Dezember die gleichnamige EP Only Son Of The Falling Snow und bringen uns so, über die Ohren wärmend, durch den Winter.

Fink - Bloom Innocent

Fink – Unschuldige Liebe

Fink ist ein Reisender in seiner eigenen Musik. Wohin die Reise geht, scheint oft am Anfang des Songs noch gar nicht festzustehen. Es ist der Aufbau und das entstehende Gefühl beim Hören, welches diesen Moment erst entstehen lässt, wenn man sich in ihm befindet. So hat bereits die Leadsingle Looking Too Closely aus dem 2015er Album Hard Believer gezeigt, wo es Fin Greenall hinführt, wenn die Musik die Gefühle bewegt und die Gefühle die Musik unterstützen. Auf seinem neuen Album Bloom Innocent haben sich Fink diesem Aufbau der Songs regelrecht hingegeben. So erzählt die gleichnamige Leadsingle Bloom Innocent von der Zeit in der Fin mit seiner Partnerin zusammenkam und der Alltag noch keine Rolle gespielt hatte. Von Momenten, die den Tag immer wieder aufs Neue haben anders ausgehen lassen. Diese Leidenschaft zeigt sich in dem – im Original knapp sieben Minuten langen – Stück, das von ruhiger Betrachtung zu entbrannter Liebe aufsteigt und aus einer Ballade eine treibende Hymne an die frische Liebe werden lässt, die gänzlich ruhig und eindrucksvoll wirkt.

 

Mumford & Sons - Blind Leading The Blind

Mumford & Sons – Lang gehegtes Geheimnis gelüftet

Mit Delta veröffentlichten Mumford & Sons 2018 ihr viertes Studioalbum und entfernten sich immer mehr vom Folksound der Anfangszeit. Nun haben die Londoner Jungs mit Blind Leading The Blind einen neuen Song veröffentlicht, den der Ein oder Andere auch schon auf den letzten Konzerten der Band gehört haben könnte. Denn Blind Leading The Blind schlummert bereits seit vier Jahren in der Schublade der Band. Einst für Delta geschrieben, reichte es letztlich nicht, um auf die Platte zu kommen. Doch verworfen haben ihn Marcus Mumford und der Rest der Band nie. So arbeiteten sie in den vergangenen Jahren immer wieder mal an dem Song und sind nun glücklich, ihn fertig zu haben und zu veröffentlichen. Auf Blind Leading The Blind erhält nun auch das Banjo wieder eine größere Bedeutung und zieht sich prominent durch den gesamten Song. Dabei kommen aber auch die neuen Sounds, die den Stadionsound auf Delta und dem 2015er Wilder Minds prägten, vor und sorgen für einen Energie, die für Mumford & Sons so typisch ist. Blind Leading The Blind ist das perfekte Bindeglied zwischen den von Folk geprägten Alben Sigh No More und Babel und dem Alternative- und Elektro-Rock Alben Wilder Mind und Delta und füllt eine Lücke, bei der wir vorher nicht wussten, dass es sie gibt, sie aber nun unsere Mumford & Sons Diskografie vervollständigt.

Låpsley - My Love Was Like The Rain

Låpsley – Singt verletzbar und offen

Ebenso, wie Michael Kiwanuka – den Ihr erst gestern hier finden konntet – hat auch die britische Sängerin Låpsley zu sich selbst gefunden und damit einen Reinigungsprozess gestartet, der die schlechten Kommentare, Gefühle und die große Erwartunshaltung an sie, bei ihr abprallen lassen soll. Während diese Phase noch anhält, die auch als Gradmesser – auf sich selbst zu hören – zu werten ist, veröffentlicht Låpsley mit My Love Was Like The Rain die erste Single aus ihrer kommenden EP These Elements. Diese erscheint am 22. November und wird drei weitere Songs enthalten, welche die letzten vier Jahre der Sängerin widerspiegeln. Dabei hat Holly Lapsley Fletcher, wie die aus Southport kommende Sängerin mit bürgerlichem Namen heißt, die Tracks jeweils bestimmten Gefühlszuständen zugeordneten. Von emotionaler Liebe, über körperliches Verlangen und Depressionen, bis hin zum Selbstwertgefühl hat Låpsley ihre Gefühlswelt verarbeitet und gibt einmal mehr ihre warme Persönlichkeit preis. Mit My Love Was Like The Rain zeigt Låpsley, wie verletzend die Worte in einer zu Ende gehenden Partnerschaft sein können. In sich selbst gekehrt klingt My Love Was Like The Rain nach dem traurigen Moment, nachdem der Partner durch die Tür gegangen ist und man weiß, dass es das letzte Mal sein würde, ihn gesehen zu haben. Intim, völlig offen und dadurch unglaublich verletzlich, zeigt uns Låpsley ihre Gefühle und Gedanken und schafft damit gleichzeitig einen Raum der Wärme und Geborgenheit.

Seafret - Fall

Seafret – Erwachsen und berührend

Das britische Duo Seafret hat sich, seitdem es ihr Debütalbum Tell Me It’s Real (2016) veröffentlicht wurde, nicht ausgeruht. Mit EP’s und neuen Songs haben sich Harry Draper und Jack Sedman immer wieder ins Gedächtnis gerufen und dabei klammheimlich am Sound gearbeitet. Waren ihre ersten Veröffentlichungen allesamt noch deutlich vom Rhythmus eines Popsongs dominiert, schwimmen sich die Beiden nach und nach frei von Erwartungshaltungen und Druck. Dies hört man vor allem, wenn man die früheren Songs, wie WildfireBlank You Out oder Loving You mit der neuen Single Fall vergleicht. Entgegen ihres Hangs zu Balladen ist Fall ein großartiger Powerpopsong, der mit viel Energie und starker Stimme des Sängers Jack Sedman überrascht. Denn eigentlich ist Sedman eher in den hohen Tönen zu Hause. Sicherlich wäre es falsch Fall als tief gesungen Song zu bezeichnen, doch hat sich die Stimme des Sängers auf der neuen Single deutlich mehr Raum genommen und klingt weniger kopflastig. Fall ist eine Hymne, die dem Aufbau von Songs der Killers oder Coldplay ähnelt. Dies wird vor allem im Refrain deutlich, der durch Gitarren und ein voluminöses Schlagzeug an Stärke gewinnt und das komplette Gegenteil zu ihrer hochgelobten Single Wildfire darstellt. Fall ist die Leadsingle ihres, im Februar erscheinenden, zweiten Albums Most Of Us Are Strangers und kann im Februar und März 2020 auf der Europatour live erlebt werden.

Fickle Friends - Amateurs

Fickle Friends – Frischer Wind im Sound der Brightoner Band

Mit ihrem Debütalbum You Are Someone Else hatte die britische Band Fickle Friends ein Pflichtwerk abgeliefert. Denn bereits mit den Singles SwimCry BabyBrooklynSay No More und The Moment hatten sie ordentlich Material veröffentlicht. So wunderte es schließlich auch nicht, als auf dem Debütalbum eine Tracklist von satten 16 Songs bekanntgegeben wurde. Was alle gemein hatten, waren die großen Popmomente, die beeinflusst von den 80er Jahren mit Synthies und einer catchy Stimme, von Frontsängerin Natassja Shiner, begeisterten. Doch der Erfolg des Albums – mit einem Einstieg in die britischen Top-10 der Albumcharts – bedeutete auch Erwartungen. Erwartungen, die der Band schließlich zusetzten und dazu führte, dass die weitere Arbeit an neuer Musik den Ausstieg des Lead-Gitarristen Christopher Hall zu Folge hatte. Nun haben die Fickle Friends mit Amateurs die erste neue Single seit knapp zwei Jahren veröffentlicht und überraschen mit einem ungewöhnlich verkopften Song. Denn Amateurs klingt nun weniger verspielt, sondern deutlich erwachsener und drängender. Dabei bleibt er vom Sound nach wie vor eine großartige Popnummer, die frisch und auf Zack ist. Mit Amateurs sind die Brigthoner wieder unterwegs und holen uns im Dezember mit ein paar Terminen zu Konzerten direkt auf die Tanzfläche zurück, wo sie uns vor knapp einem Jahr alleine stehen lassen haben.

The Big Moon - Your Light

The Big Moon – Renommiert und trotzdem Newcomer

Es ist ein kleiner Widerspruch in sich – hat doch die vierköpfige, Londoner Frauenband The Big Moon 2017 bereits ihr Debütalbum veröffentlicht – wurden sie in dieser Zeit mit ihrem Debüt Love In The 4th Dimension für den renommierten Mercury Prize nominiert und schafften es mit ihren Singles sogar bis in die Shortlist von Annie Mac bei der BBC. Nun sind sie mit der Ankündigung zu ihrem zweiten Album zurück, das den Namen Walking Like We Do trägt und am 10. Januar 2020 veröffentlicht wird. Frontsängerin Juliette Jackson erklärt dabei, dass die Idee zur neuen Single Your Light daher kam, dass sie das Gefühl hatte, dass gerade der schlimmste Moment von allen sei, um auf der Welt zu sein. Dass es gar nicht mehr schlechter gehen könnte. Und dann guckt man zurück und stellt fest, dass anscheinend jede Generation schon einmal an diesem Punkt war, dass sie dachten, sie werden die letzte Generation auf der Erde sein. Der Song soll einen aus diesem Gedanken holen und für einen Moment die Sonne in das Leben lassen und die dunklen Gedanken wegfegen. Mit dieser Erklärung klingt die neue Single Your Light gleich noch einmal deutlich frischer und bringt uns tatsächlich die gute Laune und neuen Schwung in den Alltag. Dabei ist vor allem das Musikvideo zu der Single äußerst sehenswert und lässt den Wunsch wachsen, auch einmal so ein kuscheliges kleines Monster rumzufahren. Mit ihrem kommenden Album im Gepäck stehen Jackson, Soph Nathann, Celia Archer und Fern Ford Anfang des kommenden Jahres, als Support-Act von Bombay Bicycle Club, in Großbritannien auf der Bühne und werden uns mit ihrem frischen Sound begeistern.

Gengahr – Musikalische Weiterbildung

Der Guardian beschrieb sie einst als Psychopop mit starker Betonung des Pops. Der NME wiederum als eine seltsam beruhigende Mischung aus dunkler Romantik und sanfter Psychedelik. Wer damals nicht neugierig geworden ist, bekommt jetzt eine neue Chance. Denn tatsächlich hatte die Londoner Band Gengahr 2015 mit She’s A Witch und dem 2017er Mallory schnell eine Gemeinschaft gefunden, die sich in diesen 70er Jahre Psychedelic Rock verliebte. Dabei klingen John Victor, Hugh Schulte, Danny Ward und Frontsänger Felix Bushe so Retro, dass man sich fast an einen Drive-In in die 70er versetzt fühlt. Mit starken Synthieelementen, wilden Gitarren und atmosphärischen Gesängen haben sich die Briten so, schnell auch bei Kritikern einen Namen gemacht. Nun kommen sie mit ihrem dritten Album Sanctuary Ende Januar 2020 zurück und veröffentlichten daraus gerade die erste Single Everything & More. Produziert wurde das ganze vom Bombay Bicycle Club Frontsänger und Produzenten Jack Steadman, der mit seiner Band wiederum nur zwei Wochen vorher ein neues Album veröfentlicht. Auf Everything & More hört man die deutlichen Einflüsse des Bombay Bicycle Club Sängers heraus und findet sich in einem flirrenden Sturm aus Instrumenten, Beats und Gesang wieder, der so sehr nach Bombay Bicycle Club klingt, dass man in dem mehr als viereinhalb Minuten langen Song fast vergisst, dass es eben nicht die Band um Jack Steadman ist. Everything & More ist ein großartiger Opener für das kommende Album und weist eine neue musikalische Richtung des Londoner Quartetts auf, den wir gerne weiter verfolgen werden.

Sea Girls - Violet

Sea Girls – Sie greifen nach der Krone

Die Kaiser Chiefs waren dort, ebenso, wie die Arctic Monkeys oder The Kooks. Sie alle waren einmal ganz oben auf dem Brit-Rock-Olymp ehe sie die Normalität des Rockbusinesses erreicht hat. Den Sea Girls steht dies alles noch bevor und mit dem Plattendeal bei Polydor/Universal Music könnten ihre Vermarktungschancen nicht besser stehen. Mit einem so großen Plattenlabel im Rücken, kommt einer Band mit starken Rocksound, deutlich schneller an den Punkt, gehypt zu werden. So stehen dann auch bereits die ersten Konzerttermine im Oktober in Großbritannien, in Hallen die um die 2.000 Besucher fassen, fest und sind restlos ausverkauft. Mit ihrer neuesten Single Violet bringen sie dabei einen weiteren verheißungsvollen Teaser raus, der vollends positiv gemeint ist. Son beschreibt Frontsänger und Gitarrist Henry Camamile den Song mit den Worten Wenn andere Songs der Schatten sind, dann ist Violet definitiv das Licht. […] Halt dein Gesicht in ein Waschbecken voller eiskaltem Wasser und dann weißt du, wie der Song sich für mich anfühlt. So treffend diese Beschreibung ist, so großartig klingt Violet auch nach Brit-Rock mit typischen Indie-Elementen. Sea Girls haben alles, was es benötigt, um auf den Brit-Rock-Olymp zu kommen, nun muss das ganz große Feuerwerk nur noch zünden.