Vonheim – Wenn ein Sonnensturm aus Musik bestehen würde

Wenn ein Song drei Jahren braucht, um auf einer Platte zu landen, dann zeugt das von einem unablässigen Glauben der Band, an den Song. Im Falle der norwegischen Band Vonheim wurde In The Deep sogar von einer Ballade zu einem epischen, satten Instrumentensturm. Mit seiner unglaublichen Energie und Wucht schmettert uns In The Deep einen wahren Sonnensturm um die Ohren und lässt uns in einer futuristischen Landschaft ohne jegliches Leben zurück. Als musikalischer Ausbruch dient aber nicht nur die Instrumentierung, sondern auch der Gesang des Frontsänger Erlend Vesteraas. Erinnert In The Deep an Songs der frühen Werke von Thirty Seconds To Mars, geht die nun veröffentlichte Single Moving On in die komplett entgegengesetzte Richtung. Mit einem leichten Gitarrenspiel und dem sanft, verträumten Gesang Vesteraas kommen Erinnerungen an Radiohead auf und kann Moving On sogar einen starken Bezug zu Summer Moved On von der ebenfalls aus Norwegen kommenden Band a-ha aufnehmen. Dabei behandeln Vonheim das Ende und daraus resultierend den Neuanfang und sehen Moving On somit als Motivation wieder einen neuen Schritt zu wagen. Am 8. Mai erscheint mit In The Deep das zweite Studioalbum der Norweger und wird natürlich auch diese beiden Songs enthalten.

June Cocó - Heavy Heart

June Cocó – Das warme Herz einer Pianistin

Es beginnt mit warmen Tönen eines Pianos, die Töne kommen uns vertraut vor. Sie erinnern an Songs von Agnes Obel, die von so viel Wandlungsfähigkeit geprägt sind, dass man jedes Mal eine neue Gefühlswelt aufkommen spürt. Die Leipziger Sängerin und Pianistin June Cocó schafft dieses Gefühl auf ihrem neuen Song Heavy Heart so spielerisch zu erreichen, dass man sich bereits bei den ersten Tönen geborgen und herzlich empfangen fühlt. Dabei hört man in jeder Sekunde, wie sehr die klassisch ausgebildete Stimme Cocós mit dem Piano harmoniert. Überhaupt ist das Piano Cocós größte Liebe, denn dieses spielt sie seit ihrer Kindheit und gibt dem Instrument auf ihren Songs eine gleichwertige Bedeutung zu ihrer Stimme. Heavy Heart ist dabei das akustische Bild, welches sie daraus formt und lässt uns durch ein Fenster eines Hauses am Meer auf die unzähmbare See gucken. Während im Hintergrund das Holz im Kamin knistert peitscht draussen der Regen an die Scheiben und wird alle paar Sekunden vom nahen Leuchtturm zum funkeln gebracht. Diese Ruhe und Wärme und das bei einem selbst sein stellt den Gegenpol zum Chaos und zügigen Geschehen auf der anderen Seite des Fensters dar. June Cocó veröffentlicht Heavy Heart als Stand-Alone Song, der ihrem vielbeachteten, zweiten Album Fantasies & Fine Lines folgt und auf den kommenden Konzerten in Deutschland, Polen, Tschechien und Großbritannien einen weiteren Beitrag leisten wird, in sich selbst hineinzuhören und zur Ruhe zu kommen.

Låpsley - Womxn

Låpsley – Von der Stille zum Popsong

Sie wirkt, wie ausgetauscht. Hatte Låpsley Ende November letzten Jahres mit ihrer EP These Elements noch die ganz intime und verletzliche Seite gezeigt und ließ uns Teil haben – an den vergangenen drei Jahren, in denen die 23-jährige Sängerin so einige persönliche Höhen und Tiefen durchlaufen hatte – zeigte sie bereits auf ihrer Clubtour Ende Januar, dass sie gestärkt aus dieser Situation herausgegangen ist. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Womxn, die Låpsley erstmals auf ihrem Berliner Konzert am 27. Januar spielte, präsentiert sie ihre neugefundenen Weiblichkeit. Dabei beschrieb Låpsley auf dem Konzert ihren Werdegang dorthin als schwer aber ausflussreich. Daraus hervorgegangen ist sie als gewachsene Frau, die mit Niederschlägen gelernt hat umzugehen und eine alte Liebe davongejagt hat. Musikalisch würde man fast behaupten, sie betrete Neuland, wenn da nicht der alles überragende Discohit Operator gewesen wäre. Mit Womxn hat sich Låpsley dennoch für eine unglaublich eingängige und poppige Note entschieden und wirkt losgelöst und glücklich. Mit der Veröffentlichung von Womxn kam schließlich auch die Mitteilung, dass Låpsleys zweites Album Through Water am 20. März erscheinen und zehn Tracks umfassen wird. Womxn ist locker und stimmt uns wunderbar auf den nahenden Frühling ein und mit Låpsleys neuem Album dürfen wir gespannt sein, in welche Richtung das Album gehen wird.

Christine And The Queen - People, I've Been Sad

Christine And The Queens – Musikalisches Ausnahmetalent

Mit ihren bisher veröffentlichten Alben Chaleur humaine/Christine and the Queens (2014) und Chris (2018) hat es die französische Sängerin Christine And The Queen geschafft, den modernen Chanson und cleveren French-Pop in die Welt hinauszustrahlen und damit eine wahre Erfolgsgeschichte geschrieben. Passiert es doch nicht gerade häufig, dass eine französisch-singende Künstlerin in Märkten wie Großbritannien und Irland erfolgreich wird – muss zugegeben werden, dass ihr Debütalbum später sowohl auf Französisch, als auch auf Englisch erschien und das zweite Album bereits von vornherein Bilingual eingesungen wurde. Dieses Rezept des zweisprachigen Gesanges hat sich Letissier mittlerweile zum Wiedererkennungswert gemacht und war damit letztes Jahr sogar auf der Single Gone von Charli XCX zu hören. Nun hat Christine And The Queen mit People, I’ve Been Sad einen neuen Song veröffentlicht und behandelt darin ihre Kindheit und den Wunsch, sich gerne auch mal zurückzuziehen. Mit einem punktierten Gesang und den so akkurat gesungenen Textzeilen, macht Letissier deutlich, worauf sie die Aufmerksamkeit lenken möchte – auf das Gefühl, welches die Sängerin einerseits als starke und schöne Frau darstellt und andererseits verletzlich und zurückgezogen zeigt. Ob People, I’ve Been Sad das erste Anzeichen für eine  EP sein wird oder gar ein neues Album ankündigt, bleibt vorerst offen. Doch die Emotionalität des Songs, kann man eindrucksvoll in Letissiers Gesicht lesen, schaut man sich das passende Musikvideo zum Song an.

People Museum - Whole Heart

People Museum – Hatten etwas Größeres im Kopf

Spannend wird es immer wieder dann, wenn Musiker und Bands sich gründen und im Popbusiness ankommen, die eigentlich aus ganz anderen musikalischen Welten kommen. So geschehen bei dem aus New Orleans kommenden Duo People Museum. Dieses hat sich 2016 gegründet und begeistert mit einem Mix aus Dreampop, Trompeten und schwelgerischem Gesang. Dabei kommt Claire Givens – die Tochter eines Baptisten ist der als Chor- und Opernsänger arbeitet –  aus dem klassischen Gesangsbereich, der eher in Richtung Opernsängerin geht und mit dem sie nach wie vor in Kirchen auftritt. Jeremy Phipps wiederum ist Produzent und Posaunist und kommt aus dem klassischen Jazzbereich, in dem er auch mehrere Bands gründete. beide zusammen vereinen all ihre musikalische Vielfalt zu einem Dreampopsound, der durch Claires Stimme stark vom 80er-Jahre Sound inspiriert ist. Nach ihrem 2018er Debütalbum I Dreamt You In Technicolor haben People Museum nun vor wenigen Wochen die aussagekräftige EP I Made A Madman Out Of Me And You Laughed veröffentlicht, auf der mit Whole Heart eine wunderbare Dreampopnummer ist, die den jazzigen Anteil inklusive Posaunen von Phipps beinhaltet, wie auch den klaren, hohen Gesang Givens. Whole Heart lädt zum Träumen ein und lässt einen in diesen Träumen abheben. So gucken wir mit Spannung dem kommenden, zweiten Album entgegen, für das es allerdings noch keine näheren Informationen gibt.

Mura Masa feat. Georgia - Live Like We're Dancing

Mura Masa feat. Georgia – Zwei britische Durchstarter in einem Song

Georgia Barnes ist gerade eine der angesagtesten Acts der britischen Musikszene. Mit ihrem soeben veröffentlichten, zweiten Album Seeking Thrills vereint die Londoner Musikerin, die nur unter ihrem Vornamen auftritt, euphorischer Dancepop á lá Robyn und bringt die Stimmung einer Partynacht auf den Punkt. Alex Crossan hingegen, steht als Mura Masa auf der Bühne und hat mit seinem Debütalbum Mura Masa (2017) künstlerisch fast alles erreicht, was man schaffen kann, denn mit Mura Masa schaffte es der britische Musiker sogar, zwei Nominierungen für die Grammys einzusacken. Während sich Mura Masa in den letzten Monaten intensiv auf die Fertigstellung seines Folgealbums R.Y.C. konzentrierte, hat er die Londonger Sängerin Georgia kennengelernt. Zusammen haben sie einen Song aufgenommen, den Mura Masa nun, nach der Veröffentlichung des neuen Albums ins Netzt gestellt hat. Hierbei mixt der Musiker und Produzent drei große Elemente zu einer Soundwolke zusammen. Zum einen sind hier Mura Masas typische Sounds, wie Tropical House, Dupstep und Hip-Hop zu hören, hinzu kommt Georgias wunderbar leichte Art zu singen und dem Beat stimmlich völlig zu vertrauen. Darüber hinaus hat Mura Masa am französischen House gefallen gefunden und unterlegt den Song Live Like We’re Dancing mit einer Elektrolinie, die an Daft Punks Hitalbum Discovery (2001) erinnert. Zusammengemischt klingt Live Like We’re Dancing so organisch gewachsen, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dieser Song würde nicht aus einer Hand kommen. Mura Masa zeigt mit seinem neuen Album, wie abwechslungsreich ein Musiker klingen kann und begeistert auch mit dem – oftmals so schwierigen – zweiten Album vollends.

Kytes – Sie lassen deutschen Indie groß klingen

Mit ihrem 2016er Debütalbum Heads and Tales, sowie der 2019er EP Frisbee, haben sich die Münchener Jungs von Kytes in den letzten Jahren eine enorme Fangemeinde erspielt. Ihr direkter, nach vorne gehender Sound begeistert ab der ersten Sekunde und lässt die Kytes zum verlässlichen Anspielhit in jedem Indieclub werden. Nun sind die Kytes mit neuem Material und neuen Tourdaten zurück und stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres zweiten Albums Good Luck, das am 28. Februar erscheinen wird. Darauf enthalten ist die erste Singleauskopplung Go Out, die sich so wunderbar leichtfüßig auf der Tanzfläche bewegt, dass man sich bei den ersten 5 Sekunden bereits wieder bestens vorstellen kann, dazu zu tanzen. Dabei rufen die Kytes gerade dieses Gefühl auf, welches die Leichtigkeit der Kindheit beschreibt. Hier wünschen sich die Jungs genau diese Zeit zurück, in der sie einfach nur bis Sonnenuntergang unterwegs waren und von Social-Media noch keine Rede war. Mit der Veröffentlichung von Go Out und dem bevorstehenden Album geht die Band auch wieder auf Tour und versorgt uns in hier mit 13 Liveterminen.

Meadows - Empty Windows

Meadows – Sanft, wie eine Gutenachtgeschichte

Am Anfang steht ein warmes Gitarrenspiel. Schließlich kommt eine ebenso warme Stimme hinzu, welche die Worte so beruhigend singt, dass man in jedem Wort das warme Feuer eines Kamins knistern hören kann. Hinter einem so imposanten Song verbirgt sich der Künstler Meadows, der bürgerlich Christoffer Wadensten heißt und aus der schwedischen Provinz kommt. Ob der Provinz scheint es gleichzeitig so reichhaltig an Eindrücken, die Emotionen auslösen, zu sein, dass Meadows hiermit besonders auffällt. Mit seiner tiefen Stimme, die an den wunderbaren Ben Hamilton erinnert, singt sich Meadows durch so wunderschöne Textzeilen, wie I know you never lie but this whole you and I. Who thought that this would fly? I turn my eyes down low and I see the stars below. I know I have to go. And break through the glass of empty windows. Hierbei ist es fast so, als würde er uns eine Gutenachtgeschichte erzählen, während uns – von der Wärme des Kamins – die Schläfrigkeit überkommt. Geprägt vom Lyriker Frank O’Hara, der die wunderbare Fähigkeit hatte, Gefühlszustände – die in Notfällen aufkommen – einzufangen, hat sich Meadows durch das neue Album The Emergency Album gearbeitet. Herausgekommen ist mit den ersten Veröffentlichungen Emergency Song und Empty Windows eine sympathisch heimelige Stimmung, die sich so vertraut und geborgen anfühlt, dass wir uns gar nicht die Frage stellen, dass dieser Musiker noch größtenteils unbekannt ist. Meadows schafft es mit seinen Songs eine Wärme um uns herum zu legen, die sich förmlich an uns anzuschmiegen scheint. Für alle, die diese Kaminfeuerakustik auch einmal live sehen wollen, gibt es ab Mitte Mai auf 13 Konzerte in Deutschland Gelegenheit dazu. Für alle anderen gibt es ab dem 27. März das Album The Emergency Album zu kaufen.

Blaue Blume - Vanilla

Blaue Blume – Die Eiszeit gibt es nicht

Eine blaue Blume wirkt kalt, faszinierend und sonderbar zugleich. Dass sich das Dänische Quartett um Frontsänger Jonas Smith so genant hat, zeugt von dem Ort, in dem alle Bandmitglieder aufgewachsen sind. Nahe der Deutsch-Dänische Grenze haben Blaue Blume stehts auch den Austausch mit der deutschen Sprache gehabt. Mit ihrem 2016er Debütalbum sorgten sie zuerst in der Alternative-Szene Dänemarks und schließlich auch über die Landesgrenzen hinaus für aufsehen. Ist ihr Sound doch geprägt von einer großen Weite, die sich schickt uns ins Träumen geraten zu lassen. Mit Songs, die sich stilistisch in die New Romantic Zeit der britischen Inseln einordnen, haben Blaue Blume nun mit Bell Of Wool ihr zweites Album veröffentlicht. Mit Someday und Vanilla gibt es bereits zwei Singleauskopplungen aus diesem Album bereits und speziell Vanilla zeugt von einer Tiefe, welche die Band in ihre Musik steckt, die wir erst nach mehrmaligem Hören vollends greifen können. Dabei klingt Vanilla verträumt, positiv und melancholisch. Es ist ein Song zum darin verlieren. Oder auch der perfekte Soundtrack für eine Zugfahrt durch die kalte Jahreszeit, bei der die Landschaft mit leeren Feldern, grauen Dörfern und leuchtenden Großstädten an einem vorbeiziehen und wir unsere Gedanken voll auf uns selbst richten. Mit einem dramatischen Finale setzt Vanilla schlussendlich zum Endspurt an und lässt uns nach 3 Minuten und 19 Sekunden auf Repeat drücken. Nur, um uns tiefer in unseren Gedanken zu verlieren. Wer die Jungs einmal live sehen will, hat am 11. März im Berliner Badehaus und am 12. März im Hamburger Hafenklang Gelegenheit dazu.

Anna Of The North - What We Do

Anna Of The North – Beim eigenen Stil angekommen

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Anna Lotterud und Brady Daniell-Smith als Anna Of The North das Debütalbum Lovers veröffentlichten. Bedeutete es für Lotterud zum damaligen Zeitpunkt einen Einstieg in die Musikwelt und gab ihr Danniell-Smith eine erste Orientierung, folgte kurz danach die Trennung der beiden – denn Anna sah nicht die Möglichkeit, 100% sie selbst zu sein. So hat sie in den letzten zweieinhalb Jahren an ihrem neuen Album Dream Girl gearbeitet und sich neue Wege erschlossen, ihrer Musik den Ausdruck zu verleihen, mit dem sie sich wohl fühlt. Bereits Ende August konnten wir auf Playing Games hören, wie sich diese Veränderung musikalisch anhören sollte. Nun hat Anna Of The North mit What We Do eine weitere Single veröffentlicht, die in die Dreampop-Richtung geht und fast wie aus einer Märchenwelt zu entstammen scheint. Mit einem eingängigen Beat und zuckersüßer Stimme baut Anna Of The North What We Do auf und entfaltet schließlich im Refrain die volle Kraft des sonst so zarten Songs. What We Do ist kein reißerischer Hit, sondern eher für den ruhigen Moment gedacht. Ihr dazugehöriges Album ist bereits Ende Oktober erschienen und überzeugt mit einer großen Auswahl an poppigen Rhythmen und starken Ohrwürmern.