Meadows - Empty Windows

Meadows – Sanft, wie eine Gutenachtgeschichte

Am Anfang steht ein warmes Gitarrenspiel. Schließlich kommt eine ebenso warme Stimme hinzu, welche die Worte so beruhigend singt, dass man in jedem Wort das warme Feuer eines Kamins knistern hören kann. Hinter einem so imposanten Song verbirgt sich der Künstler Meadows, der bürgerlich Christoffer Wadensten heißt und aus der schwedischen Provinz kommt. Ob der Provinz scheint es gleichzeitig so reichhaltig an Eindrücken, die Emotionen auslösen, zu sein, dass Meadows hiermit besonders auffällt. Mit seiner tiefen Stimme, die an den wunderbaren Ben Hamilton erinnert, singt sich Meadows durch so wunderschöne Textzeilen, wie I know you never lie but this whole you and I. Who thought that this would fly? I turn my eyes down low and I see the stars below. I know I have to go. And break through the glass of empty windows. Hierbei ist es fast so, als würde er uns eine Gutenachtgeschichte erzählen, während uns – von der Wärme des Kamins – die Schläfrigkeit überkommt. Geprägt vom Lyriker Frank O’Hara, der die wunderbare Fähigkeit hatte, Gefühlszustände – die in Notfällen aufkommen – einzufangen, hat sich Meadows durch das neue Album The Emergency Album gearbeitet. Herausgekommen ist mit den ersten Veröffentlichungen Emergency Song und Empty Windows eine sympathisch heimelige Stimmung, die sich so vertraut und geborgen anfühlt, dass wir uns gar nicht die Frage stellen, dass dieser Musiker noch größtenteils unbekannt ist. Meadows schafft es mit seinen Songs eine Wärme um uns herum zu legen, die sich förmlich an uns anzuschmiegen scheint. Für alle, die diese Kaminfeuerakustik auch einmal live sehen wollen, gibt es ab Mitte Mai auf 13 Konzerte in Deutschland Gelegenheit dazu. Für alle anderen gibt es ab dem 27. März das Album The Emergency Album zu kaufen.

Blaue Blume - Vanilla

Blaue Blume – Die Eiszeit gibt es nicht

Eine blaue Blume wirkt kalt, faszinierend und sonderbar zugleich. Dass sich das Dänische Quartett um Frontsänger Jonas Smith so genant hat, zeugt von dem Ort, in dem alle Bandmitglieder aufgewachsen sind. Nahe der Deutsch-Dänische Grenze haben Blaue Blume stehts auch den Austausch mit der deutschen Sprache gehabt. Mit ihrem 2016er Debütalbum sorgten sie zuerst in der Alternative-Szene Dänemarks und schließlich auch über die Landesgrenzen hinaus für aufsehen. Ist ihr Sound doch geprägt von einer großen Weite, die sich schickt uns ins Träumen geraten zu lassen. Mit Songs, die sich stilistisch in die New Romantic Zeit der britischen Inseln einordnen, haben Blaue Blume nun mit Bell Of Wool ihr zweites Album veröffentlicht. Mit Someday und Vanilla gibt es bereits zwei Singleauskopplungen aus diesem Album bereits und speziell Vanilla zeugt von einer Tiefe, welche die Band in ihre Musik steckt, die wir erst nach mehrmaligem Hören vollends greifen können. Dabei klingt Vanilla verträumt, positiv und melancholisch. Es ist ein Song zum darin verlieren. Oder auch der perfekte Soundtrack für eine Zugfahrt durch die kalte Jahreszeit, bei der die Landschaft mit leeren Feldern, grauen Dörfern und leuchtenden Großstädten an einem vorbeiziehen und wir unsere Gedanken voll auf uns selbst richten. Mit einem dramatischen Finale setzt Vanilla schlussendlich zum Endspurt an und lässt uns nach 3 Minuten und 19 Sekunden auf Repeat drücken. Nur, um uns tiefer in unseren Gedanken zu verlieren. Wer die Jungs einmal live sehen will, hat am 11. März im Berliner Badehaus und am 12. März im Hamburger Hafenklang Gelegenheit dazu.

Georgia - Started Out

Georgia – Hypnotisierender Dancebeat

In zwei Wochen ist es soweit und das zweite Album Seeking Thrills der britischen Sängerin Georgia steht zum Download, Streaming und Kauf bereit. Darauf enthalten sind die beiden Nummern About Work The Dancefloor und Never Let You Go die jeweils eine ganz eigen Welt der elektronischen Musik regieren. Ist About Work The Dancefloor ein absoluter Partysong, klingt Never Let You Go deutlich kratziger und schneller. Nun ist, kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums, mit Started Out eine weitere Single erschienen, die wiederum eine ganz andere Ecke der Dancemusik füllt. Denn mit Started Out singt sich die Londoner Sängerin mit einem hypnotisierenden Beat durch den fast vier Minuten langen Song und mischt dabei Synthies mit afrikanischen Trommelsounds und schweren Bässen. Hinzu kommen verschwommene Backingvocals und ein Beat, der dazu einlädt, sich auf der Tanzfläche zu verlieren. Seeking Thrills verspricht damit, ein erfrischend abwechslungsreiches Album zu werden und gleichzeitig so tanzbar zu sein, wie es Georgia vorher noch nicht war.

Harry Styles - Watermelon Sugar

Harry Styles – Vom Boygroupimage freigegesungen

Es wirkt wie eine Metarmorphose. Die Wandlung, die der britische Sänger Harry Styles in den vergangenen Jahren vollzogen hat. Als Teil der Boygroup OneDirection bestimmte er von 2010 bis 2015 das Musikbusiness maßgeblich und veröffentlichte mit der Band jedes Jahr ein Album, welches sich jeweils 3,5 bis 4,5 Millionen mal verkaufte. Als sich die Band 2016 in eine Bandpause begab, zündete Styles erst richtig durch und begeisterte mit seinem 2017er Debütalbum Harry Styles sowohl Fans als auch Kitiker. Mit einer Mischung aus Britpop und Rock – und vor allem durch die epische Debütsingle Sign Of The Time – vollzog er seine Tansformation vom Boygroupmitglied hin zum britischen Dandy der Popkultur. Nun hat Styles mit Fine Line sein zweites Studioalbum veröffentlicht und klingt deutlich losgelöster, als noch auf seinem Debüt. Dabei geht Styles den Weg des Dandys konsequent weiter und gibt sich keinem Label oder Image hin. Mit Watermelon Sugar zeigt er gleichzeitig, wie  nostalgisch frischer Pop klingen kann. Denn mit einer Mischung aus Gitarren, Soul und Pop ist Watermelon Sugar eine zeitlose Popnummer, die nach einem deutlich älteren Sänger klingt, als Styles‘ es ist. Harry Styles begeistert durch seine Kreativität und einem Wesen, welches es nicht möglich macht, den Sänger in eine Schublade zu stecken.

 

Lea Porcelain - Sink Into The Night

Lea Porcelain – Der Klang nach Vergangenem

Es ist dieser Sound im Hintergrund, der uns bei Lea Porcelains neuem Song Sink Into The Night an etwas erinnert und in uns etwas weckt, das wir noch nicht greifen können. Mal erinnert es an HÆLOS‘ End Of World Party, mal entfernt an den Beat von Underwolds Born Slippy, den man im Hintergrund hört – doch immer wieder auch ganz sicher an Lea Porcelain. Und das, obwohl das Duo seit seinen ersten Veröffentlichungen mit den Genres spielt und sich nicht auf eine Richtung festlegen mag. Ausufernd bleiben sie dennoch immer wieder und zeigen nun auf Sink Into The Night, wie sie die Nacht erleben. Ausschweifend, auf der Überholspur befindend, stark und vor allem – einsam. Dies mag eine Momentaufnahme der beiden Jungs sein, die in den letzten Jahren so viel erlebt und erreicht haben, dass die Einflüsse schier unendliches Material hervorbringen werden. Lea Porcelain stehen mit diesem Song und der Erwartung auf ihr zweites Album an einem Punkt, an dem sie sich bereits vor der Veröffentlichung ihres Debüts befunden hatten. Den Erwartungen gegenüberzustehen, welche die Fans und Kritiker haben und die Veröffentlichung zu einem erneuten Adrenalinkick anwachsen zu sehen.

Seafret - Fall

Seafret – Erwachsen und berührend

Das britische Duo Seafret hat sich, seitdem es ihr Debütalbum Tell Me It’s Real (2016) veröffentlicht wurde, nicht ausgeruht. Mit EP’s und neuen Songs haben sich Harry Draper und Jack Sedman immer wieder ins Gedächtnis gerufen und dabei klammheimlich am Sound gearbeitet. Waren ihre ersten Veröffentlichungen allesamt noch deutlich vom Rhythmus eines Popsongs dominiert, schwimmen sich die Beiden nach und nach frei von Erwartungshaltungen und Druck. Dies hört man vor allem, wenn man die früheren Songs, wie WildfireBlank You Out oder Loving You mit der neuen Single Fall vergleicht. Entgegen ihres Hangs zu Balladen ist Fall ein großartiger Powerpopsong, der mit viel Energie und starker Stimme des Sängers Jack Sedman überrascht. Denn eigentlich ist Sedman eher in den hohen Tönen zu Hause. Sicherlich wäre es falsch Fall als tief gesungen Song zu bezeichnen, doch hat sich die Stimme des Sängers auf der neuen Single deutlich mehr Raum genommen und klingt weniger kopflastig. Fall ist eine Hymne, die dem Aufbau von Songs der Killers oder Coldplay ähnelt. Dies wird vor allem im Refrain deutlich, der durch Gitarren und ein voluminöses Schlagzeug an Stärke gewinnt und das komplette Gegenteil zu ihrer hochgelobten Single Wildfire darstellt. Fall ist die Leadsingle ihres, im Februar erscheinenden, zweiten Albums Most Of Us Are Strangers und kann im Februar und März 2020 auf der Europatour live erlebt werden.

Bag Raiders feat. Panama – Australischer Geniestreich

Die Bag Raiders hatten vor genau zehn Jahren ihren absoluten Höhepunkt. Als mit der Vodafone-Werbung ihr Song Way Back Home in Europa und vor allem in Deutschland zum absoluten Hit geworden ist. Mit ihm kamen sie bis in die Top-20 der deutschen Singlecharts und platzierten ihr Album Bag Raiders in den Top-40. Seit dem ist viel Zeit vergangen, in der Jack Glass und Chris Stracey weitere EP’s veröffentlicht haben. Nun haben die beiden allerdings mit Horizons ihr zweites Album veröffentlicht. Darauf einhalten sind einmal mehr wunderbare Dancesongs, die nach vorne gehen. Mit ihrer aktuellen Single How Long haben sie sich Verstärkung geholt und keinen Geringeren, als Jarrah McCleary – alias Panama – dazugeholt. Dieser gibt dem sprudelnden Dancetrack eine wunderbar entspannte Note und sorgt für ein Chill-Out Gefühl. How Long entstand in L.A. und soll die sehnsüchtige Suche nach der Liebe darstellen. Dabei lief die Zusammenarbeit zwischen den Bag Raiders und Panama so fruchtbar ab, dass selbst das Produzenten-Duo von Panama wachgekitzelt wurde und McCleary dem Duo ganz neue Ansätze und Freiräume lieferte. Die Freiräume kann man auf How Long hören und sich dabei im Sound des Songs verlieren.

The Big Moon - Your Light

The Big Moon – Renommiert und trotzdem Newcomer

Es ist ein kleiner Widerspruch in sich – hat doch die vierköpfige, Londoner Frauenband The Big Moon 2017 bereits ihr Debütalbum veröffentlicht – wurden sie in dieser Zeit mit ihrem Debüt Love In The 4th Dimension für den renommierten Mercury Prize nominiert und schafften es mit ihren Singles sogar bis in die Shortlist von Annie Mac bei der BBC. Nun sind sie mit der Ankündigung zu ihrem zweiten Album zurück, das den Namen Walking Like We Do trägt und am 10. Januar 2020 veröffentlicht wird. Frontsängerin Juliette Jackson erklärt dabei, dass die Idee zur neuen Single Your Light daher kam, dass sie das Gefühl hatte, dass gerade der schlimmste Moment von allen sei, um auf der Welt zu sein. Dass es gar nicht mehr schlechter gehen könnte. Und dann guckt man zurück und stellt fest, dass anscheinend jede Generation schon einmal an diesem Punkt war, dass sie dachten, sie werden die letzte Generation auf der Erde sein. Der Song soll einen aus diesem Gedanken holen und für einen Moment die Sonne in das Leben lassen und die dunklen Gedanken wegfegen. Mit dieser Erklärung klingt die neue Single Your Light gleich noch einmal deutlich frischer und bringt uns tatsächlich die gute Laune und neuen Schwung in den Alltag. Dabei ist vor allem das Musikvideo zu der Single äußerst sehenswert und lässt den Wunsch wachsen, auch einmal so ein kuscheliges kleines Monster rumzufahren. Mit ihrem kommenden Album im Gepäck stehen Jackson, Soph Nathann, Celia Archer und Fern Ford Anfang des kommenden Jahres, als Support-Act von Bombay Bicycle Club, in Großbritannien auf der Bühne und werden uns mit ihrem frischen Sound begeistern.

Georgia – Flirrender Synthiekracher

Georgia Barnes aus Großbritannien ist geradewegs auf dem Weg, ihr zweites Album zu veröffentlichen. Dieses erscheint am 20. Januar 2020 und wird Seeking Thrills heissen. Bereits Anfang Juni konntet Ihr hier die Single About Work The Dancefloor kennenlernen und dazu tanzen. Nun hat Georgia mit Never Let You Go eine flirrende Synthiedancenummer veröffentlicht, die rau, krachend und auffallend klingt. Dabei singt sich Georgia mit hoher Stimme durch schnelle Beats und kreiert Momente, die von 80er Jahre Tanzfilmen bis in die – in den 2010er aufkommenden schnellen und quirligen – Elektrosongs von Chvrches, La Roux und Icona Pop übergeht. Damit hebt sich die Londonerin deutlich von ihrem Debütalbum Georgia (2015), das aus experimentellen Crossover-Sounds bestand, ab und tauscht diesen Sound gegen die tanzbaren Beats der 80er Jahre ein. Mit diesem Stilwechsel kommen – zu den äußerst positiven Kritiken des Debütalbums – bereits einige Lobeshymnen von Pitchfork und dem NME hinzu, die ihr Album einen Erfolg schon fast garantieren lassen. Für die Monate bis dahin können wir mit Never Let You Go allerdings noch ordentlich den Dancefloor bearbeiten.

Lane 8 feat. Poliça – Sie haben es wieder getan

Seitdem der US-Amerikanische Produzent und Musiker Daniel Goldstein 2018 sein vielbeachtetes zweites Studioalbum Little By Little als Lane 8 veröffentlichte, hat sich viel im Leben des – in der Zwischenzeit zum Vater gewordene – Musikers verändert. Den Blickpunkt den, der momentan in Denver lebende, Goldstein durch einschneidende Erlebnisse – wie Vater zu werden oder ein eigenes Label zu gründen – in den vergangenen Jahren hatte, veränderte seine Arbeit immer wieder und zeigt heute einen Musiker, der sehr stark mit der Gegenwart verbunden ist und diese in seine Musik einfließen lässt. Noch 2017 erklärte er auf die Frage, warum er denn in Zeiten von Streaming und Sets noch an einem Album arbeite mit den Worten, dass ein Album eine ganz andere Sprache spreche. Und so heisst es auch 2020 wieder, dass wir mit einem Album des Produzenten verwöhnt werden. Mit dabei ist – wie auch schon auf Little By Little – die US-Amerikanischen Band Poliça, deren Song Brightest Lights nun sogar erneut, nach No Captain auf Little By Little, als Leadsingle des gleichnamigen neuen Albums veröffentlicht wurde. Dabei fängt Goldstein die Harmonien so großartig ein und möchte damit einen Raum der Reflexion schaffen. Von Höhen und Tiefen zehrend gibt es auch immer einen Weg, das Leben und in der heutigen, herausfordernden und mitunter düsteren Welt, etwas Positives zu sehen. Genau diese Energie versprüht Brightest Lights durch einen schnellen, beatlastigen Sound, der von Poliças-Frontfrau Channy Leaneagh durch so sanften und treibenden Gesang bereichert wird, dass man sich in dem Sound verlieren kann.