Lylit - Let Go (Pic: Helena Wimmer)

Lylit – Loslassen wider Willens

Als Singer/Songwriter einen perfekten Popsong zu schreiben, der sich am Ende auch so anhört, ist wohl die größte Aufgabe, der sich alle Musikschaffende stellen. Mal sitzt ein unbekannter Indieact irgendwo in Norwegen in seinem Wohnzimmer und spielt mit den Melodien, mal sind es große Produktionen, die auf der Welt verteilte Songwriter, Producer, Engineers und Bands zusammenbringen, um den perfekten Popsong zu schmieden. Am Ende bleibt es für die meisten eine Glücksache, ob ihr Song zum perfekten Popsong wird.


Die österreichische Musikerin Eva Klampfer steht dabei mit ihren erst 41 Jahren bereits seit rund 35 Jahren mit der Musik in Verbindung. So begann sie schon im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspielen. Es kam die Geige hinzu und mit zwölf Jahren schließlich ihr erster Gospelchor. Da war es nur folgerichtig, ein Studium mit Musik zu absolvieren. Herausgekommen ist ein Studium für klassisches Klavier und später Jazzgesang. Ende der 2000er war sie schließlich auf einigen Songs von Parov Stelar zu hören und spielte live neben Parov Stelar auch zusammen mit Acts wie dem britischen Rapper Ty oder Blumentopf.


Nur kurze Zeit später folgte ein Signing beim US-amerikanischen Label Kedar Massenburg und erste Erfolge in den USA. Nach der Pleite des Labels steckte die Österreicherin in einem satten Rechtsstreit, bei dem ihr verboten war, neue Musik zu veröffentlichen – so in etwa die Kurzfassung jener Zeit, die Klampfer als dunklen Abschnitt und Phase einer künstlerischen Entfremdung beschreibt. 2019 kamen schließlich erstmals wieder neue Songs auf der EP Aurora heraus. Heute ist die Musikerin als Songwriterin für Conchita Wurst und natürlich für ihre eigenen Songs bekannt.

Lylit Pic: Victoria Nazarova (instagram.com/victorianazarova)
Lylit Pic: Victoria Nazarova (instagram.com/victorianazarova)


Ist 2019 mit Inward Outward schließlich ihr Debütalbum erschienen, folgte nun am 30. Januar mit her ihr zweites Album. Darauf enthalten sind Songs, die reduziert und dennoch intensiv klingen. Hier hat Klampfer viel mit dem Klavier und ihrer klaren Stimme gearbeitet. Dabei setzen sich die Songs aus warmen Nuancen zusammen, die sich immer auch als Untermalung intimer Momente anbieten.


Auf ihrer aktuellen Songveröffentlichung Let Go zeigt Klampfer diesen eingangs beschriebenen perfekten Popsong. Mit einem klaren, hellen Klavierspiel beginnt der Song fast wie ein Agnes-Obel-Stück, schließlich setzt Klampfers Stimme ein und erzählt von einer Welt, in der man öfter loslassen sollte, obwohl einem das zuwider scheint. Hier ergibt sich ein Bild von Aufrichtigkeit, das sich sanft und unaufgeregt präsentiert. Klampfers Album her zeigt eine Musikerin, die den Wandel der vergangenen 20 Jahre in sich trägt – die wahrscheinlich oft vor der Frage des Scheiterns stand und daraus eine Welt aus Lyrics geschaffen hat. Let Go ist dabei vielleicht das bewussteste Stück, das sich in die Verarbeitung all dieser Jahre eingearbeitet hat. Lylit ist damit eine Bestärkung – auch nach den schwierigsten Zeiten noch einen Fuß vor den anderen zu setzen.

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