Jónsi - Swill

Jónsi – Progressiv, futuristischer Sound

Mit seiner ersten Singleauskopplung Exhale hat Jónsi uns im April überrascht und gleichzeitig auf einen neuen Sound vorbereitet. Denn hier präsentierte uns der isländische Künstler eine moderne und frische Hymne, die hier und da in den Pop zu rutschen schien. Nun hat der Musiker – nach seiner Kollaboration mit Julianna Barwick auf In Light – eine zweite Single seines kommenden Soloalbums Shiver veröffentlicht und setzt abermals auf einen ungewöhnlichen Sound. Mit einem progressiven Anfangsbeat singt sich Jónsi auf Swill mit Hilfe von Autotune-Elementen durch einen auffällig hellen Song. Dabei ist auch der Hintergrund des Songs eher auf eine lockere Art zu sehen. Hat sich Jónsi doch auf Swill damit auseinandergesetzt, wie es ist, wenn man einen Abend zu viel getrunken hat, etwas Dummes tut und sich damit zum Narren macht. Mit dem futuristischen Sound des britischen Produzenten A. G. Cook – der sich unter anderem für die letzten beiden Alben und letzten beiden Mixtapes von Charli XCX verantwortlich zeichnet – hat Jónsi es geschafft, dem Song eine freundliche Stimmung zu verleihen. Damit einhergehend, hat der Sigur Rós-Sänger nun auch das Veröffentlichungsdatum seines zweiten Soloalbums angekündigt. Shiver wird am 2. Oktober erscheinen und damit zehn Jahre nach seinem Solodebüt Go veröffentlicht. Die Songs des Albums sind hauptsächlich während der vergangenen zehn Jahre entstanden, wenngleich auch Songs auf dem Album enthalten sein werden, die bereits vor 15 Jahren – und damit in der Hochzeit seiner Band Sigur Rós – entstanden sind. Während der Musiker in den vergangenen zehn Jahren zwei Alben mit seiner isländischen Band veröffentlicht hat, kamen in den vergangenen Jahren auch immer häufiger Nebenprojekte dazu. So hat der Musiker zusammen mit dem Schweden Carl Michael von Hausswolff das Projekt Dark Morph gestartet und zwei Alben veröffentlicht. Gleichzeitig tritt Jónsi aber auch immer öfter als Visual Artist auf und hatte in Los Angeles bereits Ausstellungen mit seinen Installationen. Das alles gibt dem Musiker die Möglichkeit, Inspirationen zu sammeln, die er in seiner Musik verarbeitet. Auf Swill hört man diese Einflüsse wunderbar heraus und lässt der Track auf ein Album hoffen, bei dem man mit Acts, wie Robyn und Liz Fraser zusätzliche aufhorchen kann.

Dream Wife - Temporary

Dream Wife – Für eine neue Kultur der Musik

Braucht es im Jahr 2020 noch die Riot grrrl Bewegung? Klar ist, dass auch heute noch ein großes Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern existiert. Doch mit unserer zunehmenden Politisierung des Lebens durch soziale Medien und großen Bewegungen, wie zuletzt mit #metoo oder #blacklivesmatter zeigt sich ein immer stärkerer Druck, Stellung zu beziehen. In der Musikbranche ist dies nicht anders. Mit großen Entscheidungen, wie der Ehe für Alle oder der Einführung eines dritten Geschlechts haben sich auch viele Musik-Acts klar positioniert. Im Zusammenhang mit dieser neuen Art sich für Gleichberechtigung einzusetzen, gibt es immer mehr erfolgreiche Musikerinnen und Musiker sowie Bands, die sich dafür einsetzen oder dafür stehen. So gibt es mit Alex The Astronaut und Tash Sultana zwei großartige Acts, die für Gleichberechtigung und Akzeptanz von LGBTQ-Menschen stehen. Aber auch Bands, wie Dream Wife setzen sich ganz bewusst dafür ein, Frauen in der Musikbranche in die erste Reihe zu bringen und unterstützen dies dadurch, dass sie in alle Produktionsschritte und -positionen Frauen wählen – ob als Produzentin ihrer Alben, als Toningenieurin oder Mastering-Engineer. Für ihr neues Album So When You Gonna… haben sich Dream Wife für Themen, wie Abtreibungen, Geschlechtergleichstellung und Fehlgeburten entschieden und thematisieren. Letzteres auf ihrer aktuellen Single Temporary. Hier geht es darum, dass die Band für eine Freundin da war, als diese durch mehrere Fehlgeburten ging und Unterstützung brauchte. Dabei sind die Textzeilen How is it to love and live temporary. If the heartbeat fails. (Wie ist es, vorübergehend zu lieben und zu leben? Wenn das Herz aufhört zu schlagen). Dieses Gefühl können nur wenige nachempfinden und war es der Band wichtig – die aus Alice Go, Rakel Mjöll und Bella Podpadec besteht – dieser Thematik eine Plattform zu geben, da sie selbst finden, dass dieses Thema viel zu wenig in der Öffentlichkeit besprochen wird. Gleichzeitig hört sich Temporary deutlich melodischer an, als man es von der Indie-Band – mit ihren Punksongs – gewohnt ist. Mit einem lockeren Gitarrenspiel und sanften Gesang schaffen Dream Wife mit Temporary eine Umgebung, die sich dem Thema anpasst und es gleichzeitig progressiv an die Oberfläche bringt. Ihr dazugehöriges, zweites Album So When You Gonna… wird am 3. Juli veröffentlicht und enthält eine spannende Mischung aus Punk, Rock, Indie und Pop.

Netta - Cuckoo

Netta – Vom verrückten Huhn zur verträumten Pop-Ballade

Spätestens seit ihrem 2018er Auftritt beim Eurovision Song Contest und dem Siegersong Toy kennt die ganze Welt die israelische Sängerin Netta. Mit ihrem quietschbunten Outfits und Videos und einem Pop, den sie selber als Quirk-Pop bezeichnet, hatte sich die Sängerin eine Nische in der Musikindustrie erkämpft, von der vorher keiner wusste, dass es sie überhaupt gibt. Bereits früh wusste die 27-Jährige, dass sie professionell etwas mit Musik machen wollte und studierte an der Rimon School of Jazz and Contemporary Music elektronische Musik, schloss das Studium allerdings nie ab. Was nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest folgte, waren die ebenfalls ausnahmslos originellen Songs Bassa Sababa, Nana Banana und BEG mit Omer Adam (alle 2019), sowie Rickie Lake die es allesamt auf Platz 1 der israelischen Charts schafften. Mit ihrer nun veröffentlichten Single Cuckoo läutet Netta Barzulai – wie die Sängerin mit vollem Namen heißt – eine neue Ära ein und überrascht mit einer großartigen und tiefen Pop-Ballade, bei der man durch die elektronischen Elementen fast schon ins Schwelgen kommen kann. Hierbei singt Netta davon, eine Chance im Leben vor sich zu haben, die eine erhoffte Veränderung einläutet, diese aber nicht zu nutzen und weiterzumachen, wie bisher. Netta sagt über das dazugehörige Musikvideo: die Menschen in dem Video stecken in einer immer wiederkehrenden Schleife fest. […] Jeder kann sich Gedanken über sein Leben und das machen, was er oder sie liebt. Was wohl passiert, wenn sie eines Tages die Kraft finden, aus ihren Gewohnheiten auszubrechen? Hierbei klingt nicht nur der Song deutlich reifer und erwachsener, sondern zeigt auch das Video eine deutlich weniger pompöse Sängerin und überzeugt mit einem ernsthafteren Gesang. Cuckoo wird auf der kommenden EP Goody Bag enthalten sein, die für den 25. Juni angekündigt ist und alle ihrer bisher veröffentlichten Songs enthalten wird.

Sion Hill - Speak Up

Sion Hill – Die irische Tradition im Popsong tragen

Nach wie vor übt Berlin eine enorme Anziehungskraft auf Musikacts weltweit aus, um den Einstieg in das Business zu schaffen. Ob die Parcels oder Yates aus Australien, Travis‚ Frontsänger Fran Healy aus Großbritannien oder RY X – der einige Zeit in Berlin lebte – für viele Künstler gehört es mittlerweile dazu, sich für eine Zeit lang in der kulturellen Hauptstadt Europas aufzuhalten. Auch der Ire Sion Hill – der bürgerlich Nathan Johnston heißt – hat diesen Schritt vor einigen Jahren gewagt, ist in der Stadt geblieben und sollte dafür belohnt werden. Mit seiner 2017er Single Elephant konntet ihr hier auf SOML bereits früh über den Singer/Songwriter lesen. Damals noch im Pop zu Hause – der mit Gitarre angereichert sogar Pete Dorherty überzeugte, ihn als Support mit auf seine Tour zu nehmen – schaffte der Sänger es auch, die ersten Radioplays zu erhalten. Nun ist der 25-Jährige mit seiner neuesten Single Speak Up zurück und  bezieht sich noch stärker auf seine irischen Wurzeln. Nicht nur, dass sein Künstlername Sion Hill auf deutsch in etwas Himmel auf dem Hügel bedeutet, hat der Ire auf Speak Up nun auch traditionelle irische Folkmusik im Einsatz. Dabei dürfte der aktuelle Einfluss der irischen Musik international gerade in den letzten Jahren stetig gestiegen sein und bringt neben Dermot Kennedy, Hozier und Walking On Cars auch Songs, wie Galway Girl von so großen Künstlern, wie Ed Sheeran hervor. Mit einem wunderbaren Mix aus Pop, Folk und Tradition, streut der Sänger auch eine leichte Note elektronischer Musik unter die starke Instrumentierung. Ob die knapp 21.000 Einwohner große Stadt Mullingar – aus der Sion Hill kommt – weiss, wie großartig der Sänger in Deutschland ankommt, kann nur vermutet werden, seine irische Herkunft präsentiert der Singer/Songwriter mit seinem neuesten Song auf alle Fälle mit Stolz. Mit Speak Up hat der Ire es geschafft, einen Song zu veröffentlichen, der die traditionelle irische Musik mit Instrumenten, wie der Fidel, dem Dudelsack, dem Akkordeon oder der Flöte modern präsentiert, und damit für frischen Wind im Radio sorgt.

Alex The Astronaut - Banksia

Alex The Astronaut – Im Banksia-Blütenregen auf dem Friedhof

In etwas mehr als zwei Monaten ist es endlich soweit und wir können das Debütalbum der großartigen Singer/Songwriterin Alex The Astronaut in unseren Händen halten. Mit ihrer ganz eigenen und direkten Art über Themen zu singen, die uns alle das ein oder andere Mal im Leben begegnen könnten, hat sie sich über die vergangenen Jahre direkt in unser Herz gesungen. Dabei kommen Themen, wie Homophobie (Not Worth Hiding), häusliche Gewalt (I Like To Dance), Wertschätzung (I Think You’re Great) oder der Wunsch unlösbare Probleme zu lösen (Lost) hervor und zeigen, dass Alexandra Lynn kein Blatt vor den Mund nimmt. Gleichzeitig hat die Australierin eine so sympathische Art sich mitzuteilen und ihre Songs zu vertonen, dass man immer denkt, man habe den besten Kumpel neben sich sitzend. Nun hat sich Alex im Zuge der bevorstehenden Albumveröffentlichung von The Theory of Absolutely Nothing am 21. August mit einer weiteren Singleauskopplung zurückgemeldet und überrascht mit der schwelgerischen Popballade Banksia, die gleichwohl hymnisch, melancholisch und energisch klingt. Hierbei verabschiedet sie sich von einem Freund und scheint auf den Moment der Beerdigung anzuspielen, bei der sie vom Blütenregen des Silberbaumgewächses Banksia umhüllt wurde. Bereits nach dieser Information sprudeln einem die Bilder wieder nur so durch den Kopf und bilden eine lebhafte Szenerie. Dass sich Alex in ihrem letzten offiziellen Musikvideo zu Lost mit komplett abrasierten Haaren zeigte, schockte im ersten Moment. Nun können wir aber gespannt sein, wie sie sich im kommenden Video präsentiert und werden spätestens bei der Albumveröffentlichung sehen, wie sehr sich diese Veränderung auch auf das Album ausgewirkt hat. Mit Banksia hat uns Alex The Astronaut auf jeden Fall einen neuen Song beschert, der dazu einlädt, sich auch mal an die Schulter eines guten Freundes zu lehnen und darüber zu sinnieren, wie großartig und wichtig eine echte Freundschaft ist und wie tiefgreifend ein solcher Verlust sein kann. Alex The Astronaut lässt uns auf Banksia genau daran teilhaben und erreicht uns einmal mehr direkt.

Petit Biscuit with Shallou - I Leave Again

Petit Biscuit feat. Shallou – Nostalgisch, romantisierende Weichzeichnung eines Beziehungsendes

Diese Kollaboration gleicht einem Traum – die zwei Dream-Dance Produzenten Petit Biscuit und Shallou veröffentlichen einen gemeinsamen Song. Dabei haben beide auf unterschiedlichen Kontinenten einen äußerst ähnlichen Werdegang zurückgelegt. Petit Biscuit, der bürgerlich Mehdi Benjelloun heißt und aus Rouen in Nordfrankreich kommt, hatte bereits im Alter von 15 Jahren mit dem Song Sunset Lover einen zeitlosen Song veröffentlicht, der sich bis heute durch alle Instagram-Stories und Momentaufnahmen von Menschen zieht, die sich für einen Augenblick, dem entspannten, sommerlichen Moment hingeben möchten. Sunset Lover konnte sich in 15 Ländern in den Charts platzieren und verkaufte sich in Frankreich über 200.000 mal. Es folgte die Debüt-EP Petit Biscuit (2016), das Debütalbum Presence (2017) und ein Coachella-Auftritt 2018. Shallou, der bürgerlich Joe Boston heißt und aus Los Angeles kommt, hatte 2014 angefangen Musik zu produzieren. Ebenso – wie Petit Biscuit – ist Shallou im sphärischen Dream-Dance beheimatet, der mit dem Genre der 90er Jahre nicht viel gemein hat. Denn der Dream-Dance, den die beiden Musiker hier machen, setzt sich aus Tropical-House, Indietronic, Alternative Dance, Future Bass und einer Note Singer/Songwriting zusammen und erzeugt durch eine unglaubliche Tiefe, die berührt und gleichzeitig zu begeistern weiß. Shallou hat bisher mit Souls (2018)eine EP und Magical Thinking (2020) sein Debütalben veröffentlicht und konnte ebenfalls 2019 einen Coachella-Auftritt zu seiner Performance-Erfahrung hinzufügen. Nun sind die beiden Bedroom-Produzenten erstmals auf dem Song I Leave Again vereint und bestechen mit einem treibenden House-Beat, der durch Pop-affine Elemente bereichert wird und mit einen wunderbar warmen Gesang besticht. I Leave Again ist Ende und Aufbruch zugleich, den hierbei geht es um das Ende einer Beziehung mit all seinen nostalgisch, romantisierenden Weichzeichnungen, sowie dem Drang, daraus einen Neustart zu initiieren. Herausgekommen ist ein wunderbarer Song, der die sommerlichen Höhepunkt mit ruhigen Abendvibes verbindet und so zu einem wunderbaren Wegbegleiter werden lässt.

Dagny - Somebody

Dagny – Großartiger Scandinavian-Pop

Es klang 2017 alles so vielversprechend – da war die Single Wearing Nothing, die europaweit promoted wurde und Dagny in die Charts katapultieren sollte. Auch hier auf SOML war ich mir sicher, dass die 29-jährige Norwegerin damit die Charts im Sturm erobern würde. Doch am Ende reichte es nicht ganz für den europaweiten Ruhm und schaffte es die 2018er Kollaboration Drink About mit dem Norwegischen House-Duo Seeb immerhin bis auf Platz 2 der norwegischen Singlecharts. Nachdem 2016 mit Ultraviolet eine erste EP veröffentlicht wurde, steht Dagny nun bereit, für den großen Durchbruch, der sich mit einem Debütalbum auszeichnen soll. Denn obwohl bisher nur feststeht, dass ihr Debüt im September dieses Jahres erscheinen soll, werden nach und nach immer mehr Songs veröffentlicht. Fest steht bisher, dass sowohl die erste Auskopplung Come Over als auch die nun veröffentlichte Single Somebody mit den vier weiteren Tracks Paris, Let Me CryCoulda Shoulda WouldaTension am 22. Mai als erster Teil des Albums unter dem Titel Side A veröffentlicht werden soll. Somebody reisst uns dabei mit einem euphorischen Dancebeat mit und erinnert an die flirrenden Beats einer Robyn oder Sigrid, die ebenfalls mit hymnenhaften Songs für absolute Partymomente sorgen. Dagny steht dem in nichts nach und hat auf Somebody die ganz großen Popmomente zusammengetragen, lässt uns unter der Diskokugel im blitzenden Scheinwerferlicht den Moment aller Momente erleben und dabei alles um uns herum vergessen. Somebody ist großer Pop, der sofort begeistert und zum tanzen aufruft.

Howling - Colure

Howling – Zweites Album von RY X und Frank Wiedemann

Mit dem Debütalbum Sacred Ground hatte das Elektroduo Howling 2015 einen wahren Hype ausgelöst. Grund dieses Hypes war das Zusammenspiel aus drei Komponenten. Zum einen war es Frank Wiedemann, der als eine Hälfte des deutschen House-Duos Âme seit 2001 weit über Deutschland hinaus zur absoluten Nummer für House-Musik wurde. Neben Wiedemann ist aber auch RY X Teil des Projektes Howling. Dieser machte sich seit Anfang der 2010er vor allem mit seiner Musik aus Ambient-Pop, Folk und Singer/Songwriter einen Namen. Mit der EP Berlin (2013) und den beiden Alben Dawn (2016) und Unfurl (2019)erreichte der Australier – der lange Zeit in Berlin lebte und nun in Los Angeles wohnt – immer mehr Fans. 2012 fand schließlich die Telefonnummer von Wiedemann den Weg zum in L.A. wohnenden RY X – der bürgerlich Ry Cuming heißt. Kurze Zeit später tauschten sie bereits Songskizzen aus und fanden die aufkeimende Zusammenarbeit so interessant, dass sie mit Howling einen ersten Track zusammen veröffentlichten. Im folgenden Festivalsommer sorgte Howling dafür, dass die Nachfrage nach dem Act hinter diesem Song immer größer wurde und sich Wiedemann und RY X schließlich nach dem Song benannten. Was folgte, war mit Sacred Ground (2015) ein erstes Album. 2017 veröffentlichte das Duo dann mit Phases einen über acht Minuten langen Song, der als großartiger Stand-Alone Track mit dem Mix aus Ambient-House und Folk einmal mehr die Position des Projektes Howling unterstrich. Mit dem nun veröffentlichten Song Bind läuten Howling das nächste Kapitel des Projektes ein und zeigen wieder, wie unabhängig von Clubs und Radios ein Sound entstehen kann, der nur durch die Idee getrieben ist. Dabei treffen sich die treibenden House-Elemente Wiedemanns mit dem folklastigen Gesang RY X‘. Wie das Berliner Projekt Moderat – das sich ebenfalls im musikalisch Umfeld des Duos aufhält – kommen auch Howling aus dem Kosmos des introvertierten Berliner House-Sounds und begeistern Song um Song mit einer Tiefe, die einen ergreift und zum bewegen animiert. Mit Bind kündigen Howling ihr zweites Album Colure an – das am 24. Juli veröffentlicht und auch den Track Phases enthalten wird.

Clueso - Tanzen

Clueso – Auf den Spuren der Beats

Mit seiner Single Sag Mir Was Du Willst machte der Erfurter Musiker Clueso bereits zu Beginn des Jahres den Anfang. Ein neuer Sound, mit neuen Beats und einem lockerer wirkenden Thomas Hübner überraschte etwas. Doch nach seinem letzten Album Handgepäck I deutete sich bereits an, dass sich Clueso in eine unbefangenere Richtung entwickeln würde. Mit deutlich positiveren Vibes lässt der Musiker auf die Tanzfläche bitten. Wer das bis heute noch nicht so ganz verstanden hat, dem macht Clueso nun auf seiner Single Tanzen unmissverständlich klar, dass der Beat lockt. Dabei mischt Clueso genau diesen eingängigen Beat mit orientalischen Flöten und täuscht fast darüber hinweg, dass der Song inhaltlich eher auf das Ende einer Beziehung hinsteuert. Denn auf Tanzen geht es Clueso um die Momente in einer Beziehung, in der beide merken, dass es Redebedarf gibt, einer der beiden aber in den Verdrängungsmodus wechselt und den ernsten Gesprächen aus dem Weg geht. So singt Clueso im Refrain Nein, es ist gar nichts okay. Für mich ist es sitzen bis spät. Für dich Disko-Realität. Ich warte, dass du mal was sagst, doch du musst tanzen. Du musst tanzen.
Tanzen lässt Clueso frischer wirken und lehnt den Sänger mehr am aktuellen Popgeschehen an, als man es von ihm bisher gewohnt ist. Somit dürften die Zeichen für eine Veröffentlichung – eines womöglich zweiten Parts – von Handgepäck immer deutlicher und vielleicht ja noch 2020 Wirklichkeit werden.

Biffy Clyro - Instant History

Biffy Clyro – Veröffentlichen das Abwegigste

Es ist ein bewusster Bruch, den die Schotten von Biffy Clyro auf der Leadsingle Instant History begehen. Denn mit dem Wissen um die ebenfalls veröffentlichte, zweite Single End Of hört sich Instant History so weich und poppig an, wie man es von den Rockern sonst nicht gewohnt ist. Doch gleichwohl klingt auch End Of deutlich rauer, als das, was man sonst an Veröffentlichungen der Band kennt. Zeitweise erinnert dieser Song viel mehr an die Kanadier von Billy Talent. Doch zurück zu Instant History – das sich durch ein verträumtes Intro, bis hin zu Simon Neils kräftige Stimme aufbaut und schließlich im choralen Refrain aufgeht. Es ist der Song, der sich musikalisch am weitesten entfernt vom kommenden Album befindet und wurde gerade deshalb zur Leadsingle. Denn hier haben Biffy Clyro den größten und knalligsten Pop-Moment ihrer musikalischen Laufbahn veröffentlicht, wie Neil hinzufügt. Für die Veröffentlichung ihres achtes Studioalbum A Celebration of Endings war ursprünglich der 15. Mai angesetzt. Doch auch hier greift die weltweite Pandemie um das Corona-Virus immer weiter in den Alltag ein. So hat die Band gestern entschieden, die Veröffentlichung auf den 14. August zu verschieben, da sie hier eine größere Chance sieht, das Album mit der dazugehörigen Tour zu unterstreichen und auf Promo-Tour gehen können. Als Kommentar fügt Neil schließlich hinzu, dass es in dem Song darum geht, aus Fehlern zu lernen. Doch vielmehr passt ein Randsatz zu der allgegenwärtigen Situation und lässt Instant History damit noch viel deutlicher hervorstechen: Lasst uns ohne Angst an die Sache herangehen.