Schorl3 - Sprudelpop

Schorl3 – Sprudelpop

Es gibt ein Wort, das einem zu Schorle3s Debüt-EP in den Sinn kommt – Trash. Obwohl dieses Wort mit so viel negativ, Herabsetzendem verknüpft ist, dass man eigentlich versucht, das Wort lieber zu umgehen, haben die drei Hamburger von Schorl3 mit ihrer kommenden Debüt-EP Sprudelpop ein wunderbares Synonym dafür gefunden. Denn während Trash mit den Worten primitiv, trivial, banal und billig beschrieben wird, ist es eigentlich der humoristische Teil, der sich daraus ziehen lässt. Mit hervorragend, sommerlichem Elektropop – irgendwo zwischen Funk, Disco und Indie – bringen uns die Hamburger nicht nur zum Tanzen, sondern durch ihre wunderbaren Texte auch zum Schmunzeln – und das auf jedem einzelnen Track. Hinter Schorl3 stecken die Songwriter Anton Krogmann, Johannes Ellerbrock und Elias Ehoulan, die gerade einmal vor knapp einem Jahr die Band gründeten. Während Krogmann und Ellerbrock als Produzenten in Erscheinung treten, ist Ehoulan die Stimme der Band. Als Vorbilder nenne sie neben den Neptunes auch Jamiroquai und Daft Punk. Mussten wir uns von letzterer Band erst vor wenigen Tagen verabschieden, bilden Schorl3 eine kleine Kompensation dieser Musik.

Schorl3 @ Felix Zimmer
Schorl3 @ Felix Zimmer

Gleichzeitig vereinen sie auf ihrer EP neben ihrer Debütsingle Pia – die mit wunderbaren Synthiepop zur wahren Schulterpolster-Party einlädt – sechs weitere Tracks, die nach absoluter guter Laune klingen. Gleich eingangs erinnert uns das Intro des ersten Songs auf Sprudelpop, Gib Mir Mehr an Bootsy Collins und seinen verschmitzten Funk. Auf Gegenverkehr werden sie dann zur astreinen Indie-Band und lassen Erinnerungen an Peter, Björn & Johns Young Folks aufkommen, ehe sie über Pia zu Zu Arm kommen und in den R&B eintauchen. Natürlich auch hier wieder mit funkigen Elementen bestückt, lassen Schorl3 keinen Zweifel daran, sich nicht nur in der Hipsterszene feiern zu lassen. Zurück zu Pia entlässt uns der Song schließlich mit einer großartigen Saxophoneinlage und geht damit nochmal auf Nummer sicher, uns einen ganz großen Ohrwurm in den Kopf gesetzt zu haben. Schorl3 Trash zu nennen, passt dabei nicht im Ansatz und lässt die wunderbar absurden Elemente völlig außer Acht, welche die Band in ihre Songs eingebaut hat. Clever, leichtfüßig und unglaublich tanzbar sind Schorl3 bereit, uns durch den Sommer 2021 zu begleiten.

FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me

FKA Twigs, Headie One & Fred Again… – Nicht greifbares Meisterwerk

Was FKA Twigs anfasst, ist in der Regel wahre Kunst. Ob mit den Songs Two Weeks und Video Girl von ihrer Debütplatte LP1, mit Good To Love als musikalische Untermalung für einen Werbespot von Calvin Klein oder der Kollaboration mit TY DOLLA $IGN, Kanye West und Diplo auf Ego Death – der Anspruch steht bei der britischen Sängerin Tahliah Debrett Barnett immer ganz oben. Hierbei ist es das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente das ganz besondere an FKA Twigs. Zum einen sorgt ihre sensible Stimme – die immer fragil, feminin und sanft klingt – für eine warme Note, ehe der Beat einsetzt, der sich futuristisch, kalt und oftmals kaum greifbar zeigt. Diese Mischung fasziniert und irritiert gleichzeitig und macht die Magie der Sängerin aus. Doch nicht nur als Sängerin ist FKA Twigs bekannt, sonder seit ihrer Jugend auch als Tänzerin. Seit einiger Zeit kann sich Twigs nun auch Produzentin, Schauspielerin und Regisseurin nennen. Auf ihrer neuen Single Don’t Judge Me vereint sie dabei gleich mehrere ihrer Talente. Während der britische Produzent Fred Again.. zusammen mit dem Londoner Newcomer, Songwriter und Rapper Headie One die Lyrics geschrieben und am Sound gearbeitet hat, kümmerte sich Twigs um die Visuals und fügte ihren Gesang, sowie einige Beats hinzu.

FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. - Don't Judge Me (Photo by Creativedisc.com)
FKA Twigs, Headie One & Fred Again.. – Don’t Judge Me (Photo by Creativedisc.com)

Dabei hat vor allem das Musikvideo Kurzfilm-Qualität und begeistert mit einem verstörenden Kampf gegen das Unsichtbare. Dieses Unsichtbare möchten FKA Twigs und Headie One als den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft verstanden sehen. Denn Anhand des Aussehens einer Person können wir nicht beurteilen, ob diese Person über Farbe, Geschlecht, Religion oder der Identität des Geschlechts diskriminiert. Die Unterdrücker in der Gesellschaft, die uns umgeben, bleiben meistens unsichtbar, bis ihr Missbrauch gegen andere aufgedeckt wird. Dies ist einer der Gründe, warum Diskriminierung seit Generationen so schwer zu bekämpfen ist. Gegen wen muss das Opfer kämpfen, wenn es den Täter nicht identifizieren kann? sagte Headie One über den Text des Songs. Don’t Judge Me ist mehr, als nur ein R&B/Elektropop-Song, wieder einmal hat FKA Twigs, nun zusammen mit Headie One und Fred Again.., einen Avantgard-Popsong veröffentlicht, der beklemmend, faszinierend und eindringlich ist und ebnet den Weg für FKA Twigs drittes Studioalbum, das noch dieses Jahr erscheinen könnte.

The Knocks feat. Foster The People - All About You

The Knocks feat. Foster The People – Ein Song für die Nacht

Es klopft nachts immer wieder an ihrer Tür. Der Nachbar beschwert sich, dass die Musik zu laut sei. Einige Jahre später sollte dieser wiederkehrende Moment der Namensgeber für das New Yorker Elektro-Duo sein. Denn heute kennen wir die, 2010 gegründete, Band unter dem Namen The Knocks. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichten The Knocks mit 55 (2016) und New York Narcotic (2018) zwei Alben, fünf EPs und über 40 Singles. Auf diesen 40 Tracks vereinen The Knocks Künstler, wie St. Lucia, X Ambassadors, Alex Newell, Wyclef Jean, Carly Rae Jepsen, Crystal Fighters oder Foster The People. Mit Letzteren haben sie sich nun erneut zusammengetan und nach ihrer 2018er Kollaboration Ride Or Die – die sich mit so markanten Textzeilen wie I know I’m getting older but that don’t mean it’s over oder I know we’re getting sober, but that’s not on my mind! in unser Gedächtnis bohrte – einen Song eingespielt. War der Sound der beiden Acts auf Ride Or Die noch äußerst verspielt, kommen sie auf All About You nun größer und schwelgender zurück.

The Knocks feat. Foster The People - All About You (Video)
The Knocks feat. Foster The People – All About You (Video)

Mit einem verträumten Elektrosound sorgen The Knocks hier dafür, dass wir einen der besten Songs für einen einsamen Spaziergang durch die Großstadt zu hören bekommen. Während Mark Foster von Foster The People völlig unaufgeregt singt, schieben The Knocks ein Sample des 1972 veröffentlichten Songs Like A Ship…(Without A Sail) von Pastor T.L. Barrett and the Youth for Christ Choir unter seinen Gesang. Herausgekommen ist ein Song, der wie Schlafwandeln klingt. Samtige Elektropop-Beats verbinden sich mit dem Kinderchor des Samples und lassen uns einsam durch die Straßen der Stadt streunen. Immer etwas Melancholie mit dabei, ist All About You gleichzeitig erfrischend clean strukturiert und lässt uns dabei eine warme Freude fühlen. Mit spacigen Parts wird All About You zum Begleiter durch die frühlingshafte Nacht der aktuellen Februartage und lässt uns sehnsüchtig auf den tatsächlichen Frühling hoffen. All About You ist die zweite Singleauskopplung aus The Knocks drittem Studioalbum, das noch keinen Namen und kein Veröffentlichungsdatum hat.

Charlotte Cardin - Meaningless

Charlotte Cardin – Ist der Sturm unserer Lautsprecher

In den YouTube-Kommentaren können wir Sätze, wie Sie ist eine Legende, Sie hat es verdient, richtig bekannt zu werden oder Sie sollte den nächsten James Bond Song singen lesen – all das, obwohl die Musikerin und Model erst 26 Jahre alt ist. Von ihrer Stimme und dem ganz besonderen Gefühl, den die kanadische Sängerin Charlotte Cardin in ihre Songs packt, konnten wir uns bereits auf Fous N’importe Où überzeugen. Damals hatte sie zusammen mit dem kanadischen Produzenten CRi eine eigene Interpretation des – im Original 2001 von Daniel Bélanger veröffentlichten – Songs rausgebracht. Nachdem sie mit Big Boy 2016 ihre Debüt-EP veröffentlichte, folgte nur ein Jahr später mit Main Girl die zweite EP. Dabei ist ihr Wechsel zwischen Jazz, Elektro und Pop bemerkenswert und lässt sie, je nach Genre komplett anders wirken. Nachdem sie mit Passive Agressive im vergangenen Herbst eine erste neue Single veröffentlichte, folgte im Januar mit Daddy eine zweite Single. Nun hat Cardin mit Meaningless einen weiteren Song veröffentlicht und damit auch die Info, dass wir uns im April auf ihr lang erwartetes Debütalbum Phoenix freuen können, auf dem alle drei Songs zu finden sind. Dieses hat Cardin in den vergangenen zwei Jahren abgeschottet aufgenommen und dabei in sich selbst reingeguckt. Denn seitdem die Kanadierin mit 15 das erste Mal auch als Model tätig war, bereits mehrmals auf dem Cover des Modemagazins ELLE stand und für CHANEL als Markenbotschafterin tätig ist, versteckt sie ihre eigene Identität, um in der Öffentlichkeit so zu wirken, wie man es von ihr erwartet.

Charlotte Cardin - Phoenix
Charlotte Cardin – Phoenix

Dies wollte und musste die – aus Montreal kommende – Sängerin ändern, entstand dadurch doch bei ihr eine zunehmende Leere. Auf Meaningless singt Cardin darüber, sich von den Erwartungen der Aussenwelt zu befreien und wieder zu sich selbst zurückzufinden. Sich nicht zu verkaufen, sich nicht selbst zu verlieren und einfach sich selbst zu vertrauen. Herausgekommen ist ein Song, der so unterschiedlich ist, dass wir hier regelrecht erkennen können, welche Zerrissenheit in ihr herrschte. Da beginnt es gleich in den ersten Sekunden mit einem ruhigen Einstieg aus Cardins Gesang und einer Gitarre, ehe plötzlich ein drückender Aufschrei den Moment zerreisst und in einem treibenden Elektrosound übergeht – niemals erdrückend aber immer bedrückend. Hier kommt man unweigerlich zu dem Moment, bei dem man sich nicht sicher ist, ob der Aufschrei sich trägt, ehe mit dem Einsetzen des Elektrobeats ein WOW aufkommt und alle vorherigen Gedanken förmlich wegfegt. Charlotte Cardin hat mit Meaningless eine sehr starke Single veröffentlicht, die wunderbar die Vielfalt ihrer Stimme zeigt, durch die Produktion aber das Augenmerk auf das Gefühl der Sängerin lenkt.

Freyr - Nicotine Bunker

Freyr – Erfrischend klar

Bisher kennen wir den schwedisch/isländischen Musiker Freyr durch melancholisch, introvertierte Folkballaden, die sich so intim anhören, dass wir uns wünschten, mit ihm einen Abend verbringen und seinen Geschichten lauschen zu können. Doch schon mit der letzten Veröffentlichung American Poster zeigte sich der Singer/Songwriter mit einem helleren Sound und ließ einen Aufbruch erkennen. Nun ist der Musiker mit einer weiteren Single zurück und lässt diese Helligkeit weiter wachsen. Auf Nicotine Bunker singt der Singer/Songwriter von neuen Eindrücken und der Herausforderung, sich zu finden und gleichzeitig offen für Neues zu sein. So nimmt er das Beispiel einer Kommune, in der Tarotkarten gelegt werden, viel geraucht wird und sich alle glückselig übereinander freuen. Auch wenn Freyr selbst Nichtraucher ist und nicht all zu viel mit dem Tarotkartenlegen zu tun hat, kam er mit der Offenheit der Kommune, ihn willkommen zu heißen, in Berührung. Dieses natürliche Vertrauen in den Menschen hat den Musiker tief beeindruckt. Gleichzeitig kündigt Freyr mit Nicotine Bunker auch sein gleichnamiges Debütalbum an, das am 28. Mai erscheinen wird.

Freyr
Freyr

Darauf enthalten, sind neben American Poster auch Avalon, You Want Love und vier weitere Songs. Freyr selbst hat erst heute auf Twitter geschrieben, dass sich seine neun bisher veröffentlichten Songs schon wie ein Album anfühlen. Daher war der Schritt hin, zu seinem Debüt, nur noch ein Katzensprung. Mit der Mischung aus Folk, Singer/Songwriter und einfließenden Elementen des Pop hat Freyr eine starke Richtung in seiner Diskografie vorgegeben. Doch mit nicht einem einzigen Song, der enttäuscht, können wir sicher sein, dass uns sein Debütalbum vom ersten bis zum letzten Track packen, berühren, aufbauen und beruhigen wird. Erstmals hat Freyr mit der Single Nicotine Bunker auch ein offizielles Musikvideo veröffentlicht, das ihn bei einem Pärchen in einem Wohnmobil zeigt, welches ihn am Straßenrand aufgegriffen hat. Mit Nicotine Bunker hat Freyr einmal mehr den gelassenen, warmen Sound seiner Musik und Stimme eingefangen, um ihn uns zu präsentieren.

Blanks - What You Do To Me

Blanks – Last uns die gute Laune feiern

Blanks ist ein absoluter Sonnenschein. Nicht etwa im verniedlichenden Sinne, sondern ganz so, wie es klingt. Denn mit seinen Songs sorgt der 23-jährige Niederländer ausnahmslos für gute Laune. Ob auf Don’t Stop, Let’s Get Lost oder Sweaters – Simon de Wit macht alles mit so viel Spaß, dass schon beim Zusehen bei uns gute Laune aufkommt. Angefangen hat der Youtuber bereits vor acht Jahren. Heute zählt er mehr als 1,25 Million Follower zu seinem Kosmos und wird immer professioneller in der Produktion seiner Songs. Waren es Anfangs noch Coverversionen, die über den Kanal Music By Blanks veröffentlicht wurden und als lustige Unterhaltung konzipiert waren, kommt Blanks heute durchaus breit gefächerter und profilierter rüber. Seiner Lust und dem Spaß, den er versprüht, tut dies aber keinen Abbruch. Nun hat der Niederländer mit What You Do To Me einen riesigen Discosong veröffentlicht, der mit einem großen Synthiebett aufwartet und mit schmissigen, wie eingängigen Lyrics seinen ganzen Zauber entfaltet.

Blanks
Blanks

Blanks wollte dieses mal etwas ganz besonderes schaffen: Ich wollte einen Song schreiben, der sich wie nach einer Explosion von Serotonin anfühlt. ‘What You Do To Me’ fühlt sich genau danach an. Große Synthies, schnelle Drums und ein nostalgischer Vibe. Ich liebe den Song, ich hoffe, ihr auch! Dass bei diesem Hit Serotonin – auch als Glückshormon bekannt – freigesetzt wird, kann nicht bestreiten bestritten werden. Darüber hinaus lässt uns Blanks aber springen, tanzen, die warmen Sonnenstrahlen vor der Tür genießen und macht vor allem Lust auf die Zeit außerhalb der eigenen vier Wände. Mit Freunden auf Abstand an der frischen Luft sein, einen Moment lang die aktuelle Situation beiseite schieben und vor überbordenden Spaß alles vergessen – das schafft Blanks mit What You Do To Me. Aber auch mit seinen anderen Songs, die allesamt den Vibe der 80er Jahre versprühen und uns gedanklich die Nacht der Nächte feiern lässt, wird es nie langweilig.

AVEC - I Don't Pray

AVEC – Ein Song mit besonderer Stärke

Immer wieder bin ich fasziniert von der österreichischen Musikerin AVEC, die mit ihren Songs so unglaublich viele Emotionen vereint und dabei zwischen Sehnsucht, Melancholie und Stärke wandelt. Auf ihrem neuen Song I Don’t Pray spielt aber vor allem die Geschichte hinter dem Track eine wichtige Rolle. Denn hier geht es um den Verlust eines wichtigen Menschen. Für AVEC wohl der wichtigste Mensch überhaupt, im Bezug auf ihre musikalische Karriere. Es war ihr Onkel, der sie Mitte der 2010er dazu motivierte, stark zu sein und am Traum des Musik machens festzuhalten – als erste Person überhaupt in ihrem Umfeld, wie die Sängerin in einem Behind The Scenes Video sagt. Doch 2020 sollte sich diese Beziehung dann nochmals deutlich verstärken, hatte sie doch erfahren, dass er unheilbar erkrankt sei. So fing AVEC an, den Song I Don’t Pray zu schreiben, der sich um das Fortgehen ihre Onkels dreht. Packend dabei ist der Prozess des Songs, der sich sowohl mit Fragen vor dem Ableben, als auch mit den Gefühlen nach dem Tod beschäftigt. So singt AVEC im ersten Teil des Songs darüber, dass sie nicht weiss, wie sie damit umgehen soll, dass er nicht mehr da sein wird, nur, um etwas später mit der Tatsache des Ablebens zu arbeiten und sich zu sagen, dass es nun ok ist, dass er nicht mehr bei ihr sei.

AVEC Photo by Martin Morscher
AVEC Photo by Martin Morscher

Ebenso gilt dieser Twist dem Refrain, in dem sie singt No I don’t pray. But tonight I do, this time I do. Im Verlaufe des Songs wandelt sich die leise Ballade in eine kraftvolle Hymne der Heilung. Hier hören wir die Gefühle im Wandel, so klar und roh, wie man sie nur über den Verlust eines wichtigen Menschen finden kann. Mit einer warmen und emotionalen Stimme singt AVEC die Gefühle heraus und wird durch einen anschwellenden Sound unterstützt, der die Gewichtung wunderbar aufbaut. I Don’t Pray ist ein Gewitter an Gefühlen und Gedanken, welches die Sängerin im persönlichsten Song ihrer bisherigen Karriere mit uns teilt. Erst nicht zur Veröffentlichung gedacht, hat AVEC mit dem Abstand eines Jahres nun eine neue Sicht auf diese ganz persönliche Erfahrung erlangt und möchte ihren Onkel mit I Don’t Pray für die ganzen Erinnerungen, den Zuspruch und den festen Glauben an die Sängerin ehren und ihm danken. Mit I Don’t Pray hat AVEC einen Song geschrieben, der einmal mehr warm, emotional, stark und gleichzeitig so besonders durch die Erfahrung ist, dass man selbst fünf Minuten nach dem Song noch immer Gänsehaut hat und das Gefühl in ihrer Stimme nachhallt.

Fickle Friends - Weird Years (Season 1)

Fickle Friends – Quitschbunter Pop gegen den Lockdownblues

Zugegeben, manchmal kann man schon in den Moment verfallen, an dem man sich fragt, ob das quietschbunte Auftreten der Brightoner Band Fickle Friends nicht ein wenig zu viel ist. Doch gleichzeitig pustet auch der kindlich, frische Sound diese Gedanken sofort wieder weg. Denn Fickle Friends können es einfach – gute Laune mit ihren Songs verbreiten. Voller Energie springen sie auf der Bühne rum, jagen nach Festival-Auftritten durch die Menge und nehmen jeden Moment so mit, wie er kommt. Denn diese Momente sind es, die uns alle wieder verbinden und nach denen wir uns aktuell mehr denn je sehnen. Da passt es wunderbar, dass die vier Südengländer vor zwei Wochen mit Weird Years (Season 1) eine EP veröffentlicht haben, die das verrückte Jahr 2020 musikalisch zusammenfasst. Mit Season 1 in Klammern stehend, deuten die Briten dann auch die potentielle Möglichkeit einer Season 2 an, die uns Angst macht – wollen wir doch nicht noch ein volles Jahr mit Pandemie, Lockdown und Social-Distancing verbringen. Gleichzeitig weckt es aber auch die Vorfreude auf eine weitere Platte voller gut gelaunter Tracks. Auf ihrer aktuellen Single IRL singt sich Frontsängerin Nat Shiner über die Tücken des Datings in Zeiten von Social-Distancing. Da wischt man nach rechts und links, vergibt Herzchen, chattet mit einem interessanten Menschen und telefoniert oder videochattet zusammen.

Fickle Friends - IRL
Fickle Friends – IRL

Doch wie kann man herausfinden, ob die Chemie auch im echten Leben – in real life – stimmt? Denn dafür steht die Abkürzung IRL. Im dazugehörigen Video sehen sich die Bandmitglieder nach den ersten Lockerungen des harten Lockdowns im Sommer erstmals wieder und wollten ein Musikvideo machen, das die angestaute Energie der vergangenen Monate komplett rauslässt. Nach so einem Song und Video finden wir uns schlussendlich dann – wie schon bei Songs, wie Swim, Could Be Wrong, Say No More, Cry Baby, The Moment, Amateurs oder Eats Me Up – wieder in einem Moment der kindlichen Freude um einen Song, der es ganz locker schafft, uns um den Finger zu wickeln und den unbekümmerten Partygänger in uns zu wecken. Gleichzeitig steht für dieses Jahr auch das zweite Album der Band an, das den Titel Weird Years tragen und in Form einer Serie veröffentlicht wird. So planen Fickle Friends gerade, dass sie über die kommenden Monate mit mehreren EPs – wie bei einer Serie – einzelne Seasons veröffentlichen werden und am Ende daraus eine Art Box-Set, in der vielleicht bis zu 20 Songs landen können, entsteht. Doch ob es soweit kommt oder noch viel weiter geht, hält sich die Band offen und lässt es einfach auf sich zukommen. Wir können gespannt sein, womit uns die Briten dieses Jahr noch so überraschen werden.

OK KID - Frühling Winter

OK KID – Was ist das was ich tu‘ eigentlich noch wert?

2019 noch mit ihrer Audioserie Woodkids und Songs wie E05 Im Westen auf Tour gewesen, wurde das Trio OK KID von dem Jahr 2020 ebenso, wie viele andere in der Kulturbranche aus der Bahn geworfen. Wie alle Künstler*innen, musste die Band sich der Situation stellen, keine Liveauftritte vor Publikum zu spielen und bleibt ihnen dies bis heute immer noch verwehrt. Die Kulturszene ist eine der am stärksten betroffenen Bereiche, die von der Pandemie in die Knie gezwungen wurde. Dabei ist sie zeitgleich auch der größte Faktor für unsere Gesellschaft an kreativer und emotionaler Weiterbildung und bedeutet eine Pause vom Stress unseres Alltags. Nun haben Jonas Schubert, Moritz Rech und Rafael Kühle einen neuen Song veröffentlicht, der für Gänsehaut sorgt. Denn das, was OK KID mit Songs – wie Grundlos – immer wieder schaffen, ist beeindruckend. In ihren Songs verbinden sie großen Pop mit Elementen der Indiemusik und sorgen mit ihren Texten wahlweise für Staunen, Betroffenheit oder Ermutigung. Auf Frühling Winter ist nun aber der lockere Popsound zugunsten der eindrücklichen Rap- und Sprechgesangsparts Jonas Schuberts gewichen. Dabei ist Frühling Winter eine Abrechnung mit der Situation – und ganz ausdrücklich erwähnt, nicht mit den Entscheidungen über die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie. Hier geht es um Terror, Unterdrückung, Hass und um das Vergessen. So fliegen plötzlich Sätze durch die Luft, die durch die Ereignisse 2020 eine Gewichtung erlangten, den man sich nicht entziehen kann.

OK KID
OK KID

Da heißt es, es ist Frühling in der Stadt und die Welt steht still, um auf den Pandemie-Ausbruch anzuspielen. Oder Chiasamen wischen den Zähnen und über Klimaschutz erzähl’n steht uns gut. Dafür machen wir uns stark. Aber nicht die Finger schmutzig, nachher bricht da noch was ab – und meint damit die Pseudodebatten über einen Klimaschutz, der mehr als Nettikette, als dass er als Notwendig erscheint, gilt. Und auch mit Hanau – keine Einzeltat. Hanau lang noch nicht verdaut […] Brauner Herbst in diesem Jahr. Braunes Laub vor deinem Haus. Großvater nicht geglaubt, als er sagte „Pass mal auf, weiß noch genau, wie’s damals war“ Warum seid ihr jetzt nicht laut zeigt die Dringlichkeit, unserer Gesellschaft in den Dialog zu gehen, Menschen nicht abdriften zu lassen und damit Hass zu verhindern. OK KID haben mit Frühling Winter eine Abrechnung des Jahres 2020 veröffentlicht, die selbst vor ihrer eigenen Arbeit nicht halt macht. So fragt sich die Band am Ende des Songs in einem bedrohlichen Anschwellen der Musik Dachte du lügst wenn du sagst, die Welt steht still. Es ist Winter in der Stadt und die Welt steht still. Was wär‘, wenn Musik nicht mehr wär? Was ist das, was ich tu‘ eigentlich wert? Damit möchten OK KID ein Zeichen gegen das Vergessen setzen. Im Video dazu sehen wir verschiedene Kulturbranchen repräsentiert, die alle aktuell ums Überleben kämpfen. So haben sich OK KID dann auch dazu entschlossen, alle Einnahmen zu dem Song an das Bündnis Alarmstufe Rot zu spenden, das sich für den Erhalt von Kultureinrichtungen unterschiedlichster Bereiche einsetzt. Seit jeher sind OK KID für ihre politischen und gesellschaftskritischen Texte bekannt. Mit Frühling Winter heben die drei ihren eigenen – schon davor hohen – Anspruch allerdings noch einmal deutlich an und lassen die Frage Was wär‘, wenn Musik nicht mehr wär? noch sehr lange nachhallen.

Über die Bandhomepage okkidmusik.de oder alarmstuferot.org könnt Ihr die Branche unterstützen. Hier findet Ihr weitere Infos und Angaben.

Ro Bergman - Animal

Ro Bergman – Nordischer Sound aus der Mitte Europas

Seine Musik passt viel besser in den Skandinavischen Norden Europas, wo kalte, dunkle Winter oder aber auch lange Sommertage den Sound der dünn besiedelten Gebiete wiedergibt. Hier bekommen wir wechselwirkend die Wärme, Einsamkeit, Ruhe, Reinheit, Melancholie oder Natürlichkeit zu spüren. All diese typisch nordischen Merkmale spüren wir in jeder Sekunde, wenn wir uns durch Ro Bergmans Songs, wie Clouds oder All We Are hören. Mit seiner 2019er Debüt-EP New Horizon verpackte er diesen Sound dann in eine 5-Track-EP, die auch mal etwas rauer und von Gitarren getrieben daherkam. Nun hat Bergman mit Animal einen neuen Song veröffentlicht, der den positiven Aspekt eines Perfektionisten wunderbar präsentiert. Denn während sich Bergman auf Animal locker und leicht hauchend in Fahrt singt, kommen zu der Gitarre, langsam auch ein Klavierspiel und weitere orchestrale Arrangements hinzu. Für wenige Momente gleitet Bergman hier in eine Kopfstimme ab, ehe er mit gedrückt intensiver Stimme die Zeilen I was a lion a rat and a thief. I was a killerwhale diving too deep. I see people laughing – I envy their tears singt.

Ro Bergman
Ro Bergman

Schließlich bricht der Song in ein großes Orchesterfeuerwerk aus, um nur wenig später mit einer einsamen Trompete dem Finale entgegenzutreten. Auf Animal kommt der sehnlichste Wunsch zu Tage, der Natur wieder ihren Abstand von der Menschheit zu geben. Mit imposanten Bildern, die das Kalkkögelmassiv südlich von Innsbruck zeigen, hat der Österreicher mit Tänzern der Wiener Staatsoper eine atemberaubende Performance aus menschlicher, non-verbaler Interaktion unter dem Eindruck der Naturgewalten um sie herum geschaffen und mit der emotionalen Gewalt seines Songs untermauert. Ro Bergman schafft es einmal mehr, sich von modernen Strömungen in der Musikszene fernzuhalten und seine ganz eigene Handschrift zu präsentieren. Diese Handschrift setzt starke Akzente, die mit leichter Feder immer wieder in gewaltigen emotionalen Ausbrüchen enden. Animal ist mit seinem Alternative-Pop, Folk und leichten Rockanleihen die erste Single aus seiner – für dieses Frühjahr angekündigte – zweite EP Hi Lo.