Buntspecht – Traumwandelnd pragmatisch

Das Wiener Sextett Buntspecht überrascht gerade mit einem ganz neuen Sound – so der Tenor vieler Stimmen. Wer mit den österreichischen Jungs allerdings noch gar nicht in Berührung kam, dem kann die neue Leadsingle Unter den Masken aus ihrem für Mitte Mai angekündigten, zweiten Album Draußen im Kopf ans Herz gelegt werden. Denn diese Single beweist eine ganz eigene Energie mit verschiedenen Gefühlsebenen umzugehen. Bringt die Instrumentierung mit einem Klavier und Schlagzeug eine Melancholie zu Tage, ist der Gesang von Frontsänger Lukas Klein von Resignation, Bitterkeit und Abrechnung geprägt. Dazu kommen Textzeilen, wie Du bist verrückt genug, um dich in dieser Welt zu verlieben. Aber die Welt ist viel verrückter als Du und fast wär etwas von uns geblieben. Damit ist Unter Den Masken der passende Song zu unseren täglichen Routinen. Dem Weg zur und von der Arbeit, Monotonie und der Sehnsucht aus diesen auszubrechen. Mit Unter Den Masken setzen Buntspecht ein Ausrufezeichen und machen Lust auf ihr neues Album.

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Filous – Mit einem Trick sommerlich in den Winter

Er ist so bekannt wie unbekannt. Der österreichische Produzent Filous – alias Matthias Oldofredi – ist in Elektrokreisen weltweit eine Hausnummer. Dabei hat er bereits den ein oder anderen Hit auch in den Mainstream gebracht. Denken wir nur an die Zusammenarbeit mit James Hersey auf How Hard I Try. Doch ebenfalls hat Filous bereits Remixe zu Song von Kodaline, Selina Gomez, Troye Sivan oder James Bay produziert und ist in den letzten Jahren dadurch immer bekannter geworden. Nun hat Filous mit der ebenfalls aus Österreich kommenden klei den Song Bicycle und damit einen wunderbar, verzaubernden Dance-Song veröffentlicht. Mit chilligen Gitarren, kleis zarter Stimme und einem sanft einsetzenden Housebeat wird Bicycle von Sekunde zu Sekunde größer und mündet schließlich in einem satten Dancetrack, zu dem man sich an einem See auf einer hoch bewachsenen Wiese liegen sieht und um einen die Bienen und anderes Getier schwelgerisch wahrnimmt. Bicycle ist eine satte Popnummer, die mit den Elementen aus House, Akustik und Indie einen sehr gelungen Song für den Winter schafft. Und so trickst uns Filous damit aus und lässt uns noch einmal eine sommerlich warme Brise auf der Haut spüren.

Giant Rooks – Groß, Größer, Riesig

Ihr Output an neuer Musik ist atemberaubend. 2014 gegründet, veröffentlichte die Nordrhein-Westfälische Band Giant Rooks bereits ein Jahr später mit The Times Are Bursting the Lines EP die erste Musik. Wiederum nur knapp 13 Monate später folgte mit der New Estate EP der Durchbruch. Songs wie New EstateBright Lies und Mia & Keira (Days To Come) wurden über 2017 bis ins Jahr 2018 zu Publikums- und Kritikerlieblingen. Ist doch der kompromisslose Indie, den die Band um Frontsänger Frederik Rabe präsentiert, ein regelrechter Aufschrei nach guter und international klingender Musik dieses Genres. Stand das ablaufende Jahr 2018 ganz im Zeichen der großen Konzerte, mit einer ausverkauften Headlinertour durch die DACH-Region und Großbritannien, haben es die Jungs nicht ohne neue Musik zu veröffentlichen ausgehalten. Und so kommt kurz vor Torschluss 2018 mit Wild Stare tatsächlich die Überraschung. Ist die Single nicht nur abermals ein großartiges Ausrufezeichen, präsentieren sie uns für 2019 die nächste Tournee mit 22 Konzerten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien. Steht das Quintett beim Berliner Musiklabel IRRSINN Tonträger – bei dem auch AnnenMayKantereit, Faber und die Leoniden beheimatet sind – unter Vertrag, dürfte es wohl nicht mehr lange dauern, bis wir das Debütalbum angekündigt bekommen. Mit Wild Stare haben Giant Rooks eine große Indie-Nummer produziert, die durch Rabes kratzig, markante Stimme und griffigen Gitarrenriffs so gut funktioniert, dass man sich nach dem nächsten Indie-Club umsehen und sofort auf die Tanzfläche springen möchte.

HVOB – Tiefe elektronische Melancholie

HVOB – das ist das österreichische Produzenten-Duo um Anna Müller und Paul Wallner. Haben sie sich 2012 zu HVOB zusammengetan, wurde ihnen schon 2013 mit der melancholisch treibenden Coverversion Always Like This, der britischen Band Bombay Bicycle Club, eine große Aufmerksamkeit zu Teil. Über die nachfolgenden Jahre schaffte es das Duo mit Songs wie MoonCool Melt oder Clap Eyes enormes Interesse auf sich zu lenken. So listete selbst das Billboard Magazin aus den USA das Wiener Duo in seiner Rubrik Next Big Sound unter den Top-15 für 2013. Dass die beiden zu Recht dafür nominiert wurden, zeigt der neue Song 2nd World eindrucksvoll. Dieser ist eine herrlich reduzierte Elektronik-Ballade. Geizt 2nd World zwar mit Lyrics und großen Gesten – lässt der Song aber gerade durch diese minimalistische Produktion eine wunderbar Dreampop angehauchte Stimmung aufkeimen und ehe man sich versieht, ist man im Strudel der Musik gefangen und bricht der Song auf. HVOB machen eine völlig eigenständige Musik und überlassen das Genre einordnen anderen.

AVEC – Mit warmer Stimme gegen die Stille

Im September hatte die Österreicherin AVEC – mit Heaven/Hell ihr zweites Studioalbum veröffentlicht. Nun kam sie am vergangenen Donnerstag zu einem Konzert in den Berliner Club Gretchen und präsentierte uns das Album in einer warmen und knisternd stillen Atmosphäre.

Als Support traten, die ebenfalls aus Österreich kommenden, We Love Silence auf. Mit ihrer Mischung aus selig, ruhigen Arrangements, Cello, sanften Synthies und Lukas Staudingers weicher Stimme, wurde das, über die letzten Jahre zum Trio angewachsene, Gespann zum perfekten Support-Act für die 23-jährige Sängerin. Hierbei schafften es We Love Silence eine Mischung aus Pop, klassischen Elementen und modernen elektronischen Einflüssen zu verarbeiten.

Schließlich kam AVEC mit ihren drei Jungs auf die Bühne und spielte mit ihrer Akustikgitarre sofort los. Gleich in den ersten Songs gab uns die Sängerin mit Love eine ihrer aktuellen Singles zum Besten und begeisterte mit Natürlichkeit und einer charmanten Art. Anfangs noch mit Jacke bekleidet, präsentierte sie sich im Laufe der Show mit einem schwarzen Oberteil, das ihre Tattoos an den Armen wie Marienkäferflecke hervorstechen ließ. Mit so wunderbaren Songs wie Over Now BreatheYours und Alone stimmte AVEC den Abend fast gänzlich in eine heimelige Atmosphäre. Immer wieder auch zum Publikum sprechend, bedankte sich AVEC für die Aufmerksamkeit, die hier so hoch war, dass selbst in den hintersten Reihen nicht gesprochen wurde. Die daraus entstandene Stille, ließ selbst die Sängerin staunen und so scherzte sie, dass man dann ja auch jeden Fehler hören würde. Natürlich gab es aber keine Fehler, die es zu hören möglich gewesen wäre. Bei Under Water und Close kam es dann zu einem schönen Sternenhimmel, der durch die überdimensionale Discokugel des Gretchens, die Decke zum Leuchten brachte. Schließlich kamen auch noch Ida Leidl mit ihrem Cello und Lukas Staudinger von We Love Silence auf die Bühne, um AVEC zu begleiten. Dabei begeisterte AVEC mit einer Stimme, die so warm, wie das Knistern eines Kaminfeuers war.

AVEC zeigte an diesem Donnerstagabend sehr viel von sich. Sinnlich, bestimmt, fragil, verletzlich und stark waren die vorherrschenden Emotionen, die hier auf der Bühne zum Vorschein kamen. Und immer mit dabei – ein Soundteppich, der vom Träumen und Sehnsucht geprägt war. Mit einer mal verführerisch tiefen, mal drängend klaren Stimme ließ uns AVEC an ihren Emotionen teilhaben und hatte damit den Abend im Gretchen in einen Moment der Geborgenheit verwandelt.

Eine so sympathische, bodenständige, wie starke Künstlerin live auf der Bühne zu sehen gehört auf jede Liste eines Konzertgängers und kann im Falle der österreichischen Sängerin nur wärmstens empfohlen werden.

Josh. – Der Sommerhit des Herbstes

Es ist diese raue Stimme, der liebenswerte Text und ein sympathischer Name, der seit Monaten schon in Österreich sein Unwesen treibt. Dabei singt der Österreicher Johann Sumpich – der sich für den Song Cordula Grün schlicht Josh. nennt, über eine Frau, die ihm in einer Tanzbar ins Auge fiel und er nicht mehr von ihr lassen konnte. Sie verdrehte ihm den Kopf und so landeten sie in ihrem Bett – ehe er herausfand, dass das doch weit komplizierter war. Mit diesem sympathisch, menschlichen Blick auf solch einen Moment und einem leichtgängigen Text, schafft es Josh. zu erst in Österreich aus dem Nichts bis auf Platz 5 und nimmt nun Anlauf die deutschen Top-10 der Singlecharts zu erklimmen. Dabei ist Sumpich kein Newcomer im eigentlichen Sinne, hatte er bereits 2016 eine eigene EP namens Wie Im Kino veröffentlicht. Cordula Grün ist dabei Zweierlei – ein Glückstreffer und professionell erarbeiteter Erfolg. Denn neben Josh. als Musiker, standen ihm die Produzenten und Musiker wie Martin Kromar und Florian Cojocaru vom Wiener Musikstudio Echopilot zur Seite. Und so ist Cordula Grün der Sommerhit des Jahres 2018, der uns nun den Herbst versüßen wird.

James Hersey – Locker, gefühlvoll, rockig

Im ersten Moment klingt der Name James Hersey nicht gerade, als würde derjenige aus Österreich kommen. Und dennoch passt es zum Sänger, wie seine komplette Geschichte. Denn hat er nicht nur amerikanische Wurzeln, ist auch seine Musik ein Crossover aus immer wieder wechselnden Genres. So ist Hersey mal mit dem österreichischen Produzenten Filous auf How Hard I Try zu hören, oder singt als Gastsänger auf der Single Coming Over von Dillon Francis und Kygo. Dabei mischt er Pop mit House, typischen Singer/Songwriter Elementen und spielt – wie auf seiner neuesten Single Real For You – auch auf der Gitarre. Real For You besticht durch einen poppigen Gitarrensound, der mit Herseys markantem Gesangsstil überzeugt. Dabei ist der Song unaufgeregt und hat dennoch Ohrwurmqualität. Hersey, der mittlerweile in Berlin lebt, zeigt, dass er dieses Crossover konsequent fortsetzt und steht aktuell mit Künstlern wie den Milky Chance, Sigrid und HONNE auf der Bühne. Wer ihn also erleben möchte, sollte sich schnellstens ein Konzertticket besorgen.

AVEC – Österreich mit Tiefgang

2015 gilt als Schlüsseljahr für die 23 jährige Sängerin AVEC, die mit dem Song Granny so viel Emotionen ausdrückte, dass sie bei Spotify millionenfach gestreamt wurde. Ihr Debütalbum What If We Never Forget schaffte durch den Erfolg der Single dann sogar den Einstieg in die österreichischen Albumcharts. Nun ist sie mit ihrem neuen Album Heaven/Hell zurück – welches am 14. September veröffentlicht wird – und gibt uns bereits jetzt einen Einblick in ihre Gefühlswelt. Mit Songs, wie Still der treibend und rastlos wirkt, dabei aber auch durch die Gitarre und viel Hall, Ruhe ausstrahlt, oder der Klavierballade Alone, hört sich AVEC deutlich reifer an, als noch vor zwei Jahren. Ganz viel Gefühl findet sich auch in der Singleauskopplung Love wieder. Hier singt sie über den Moment, zu schüchtern zu sein um Liebe zu benennen und vor allem, um den ersten Schritt zu wagen. Dabei klingt AVEC rein, authentisch und spielt sich mit einem prägnanten Klavier- und Gitarrenmix direkt in unser Herz.

Like Elephants – M83 oder doch Indie 2.0?!

Bereits vor zwei Jahren hatten Like Elephants aus Österreich mit ihrem Debütalbum Oneironaut alle Liebhaber von 80er Jahre Synthies und M83 aufhorchen lassen. Mit ihrer neuen Platte Kaleidoscope, die Mitte September erscheinen wird, haben Frontsänger Viktor Koch, Gitarrist Martin Wührer, Bassist Roland Gugerbauer und Schlagzeuger Christian Luger ein Stück Musik produziert, bei welchem man sich fragt, woher die Band dieses Gefühl von Weite entwickeln konnte. Bietet ihr Heimatort Grieskirchen doch gerade einmal 5.000 Einwohner und haben Like Elephants somit bereits mehr als den halben Ort dazu bekommen, sie auf Facebook zu liken. Mit der Single Video Game setzen die Jungs nun auch zum Sprung an, in Europa Fans zu gewinnen. Dabei dürfte ihnen die Ähnlichkeit zur französischen Band M83, rund um Anthony Gonzalez, deutlich behilflich sein und ihnen einen ordentlichen Popularitätsschub geben. Lässt man diesen Aspekt einmal beiseite, besticht Video Game durch viel Synthie, einem Gesang, der in Dream-Pop abdriftet und jeder Menge Euphorie und präsentiert sich so als heißer Anwärter für eine Genieße-das-Leben Hymne.

Little Hours – Folk trifft Remix

Über zwei Jahre begleitete SOML das irische Duo Little Hours und hatten uns vom ersten Song an in die handgemachte Musik der beiden Jungs verliebt. Zuletzt hatten sie im März 2017 mit Water, aus der Too Much Patience EP, einen so gefühlvollen Song veröffentlicht, dass die Gänsehaut vorprogrammiert war. Auf dieser EP enthalten, ist auch der Mitte November veröffentlichte Song Later On, der deutlich mehr nach vorne geht. Hier sorgt ein treibendes Gitarrenspiel und das, im Refrain im Vordergrund stehende, Schlagzeug für einen wunderbar vollen Sound. Um diese Zeit der Veröffentlichung herum, passierte allerdings mit dem Duo eine Menge. Persönliche Wünsche nach neuen Projekten führten schließlich dazu, dass sich das Duo im Herbst dazu entschloss, getrennte Wege zu gehen. Somit verließ Ryan McCloskey die Band im freundschaftlichen und macht John Doherty nunmehr als Solokünstler hinter Little Hours weiter. Klingt Little Hours auch weiterhin natürlich und roh, gab es anscheinend von Doherty den Wunsch, nach einer Zäsur. Diese sah so aus, dass – ihr noch gemeinsam geschriebener Song Later On – als Remix veröffentlicht werden sollte. Und so hat das österreichische Produzenten-Duo MÖWE den Song geremixt und dafür gesorgt, dass sich Later On dem Tropical House hin gibt, den MÖWE so gut beherrschen. Dabei haben sich MÖWE mit etwas Ehrfurcht an den Song gewagt – denn hier bleibt der treibende Sound und Gesang Dohertys klar im Vordergrund, wird allerdings von einem prägnanten House-Beat unterstützt. Wir dürfen gespannt sein, wie sich Doherty als Solokünstler mit Little Hours weiterentwickeln wird, sind uns aber sicher, dass uns der Singer/Songwriter Sound noch lange begleiten wird. Live sehen könnt Ihr Little Hours übrigens am 2. Februar im Berliner Privatclub und am 3. Februar im Hamburger Molotow als Support des Singer/Songwriter und Geschwister-Duo’s Hudson Taylor. Hier könnt Ihr jetzt beide Versionen hören und selbst entscheiden, welcher Euch besser gefällt.