Einst hatten die beiden Brüder Guy und Howard Lawrence aus dem Londoner Vorort Reigate mit ihrem frischen Elektrosound die Charts aufgemischt. Gründeten die Brüder das Duo Disclosure 2010 im Alter von 16 und 19 Jahren, kam im selben Jahr mit der Doppelauskopplung Offline Dexterity / Street Light Chronicle bereits erste Musik raus. Zwei Jahre später folgten 2012 Songs, wie Latch (feat. Sam Smith), White Noise (mit Aluna George), You & Me (mit Eliza Doolittle), When a Fire Starts to Burn, F For You und Help Me Lose My Mind (mit London Grammar) und sorgten damit für eine wahre Omnipräsenz des Duos. Ihr Debütalbum Settle wurde zum absoluten Erfolg und verkaufte sich in Großbritannien über 600.000 Mal. Damit zementierten sie den typischen Disclosure-Sound, der sich durch einen Mix aus House, Deep House UK Garage und 2-Step auszeichnet und vor 15 Jahren komplett neu war. Mit dem zweiten Album Caracal folgten 2015 mit Holding On (mit Gregory Porter), Omen (mit Sam Smith) und Magnets (mit Lorde) drei weitere Hits ehe die Blase des Disclosure-Hypes erstmals zu platzen schien. Das dritte Album Energy folgte erst nach 5 Jahren 2020 und konnte erstmals nicht mehr Platz 1 der britischen Albumcharts erreichen. Die zwischendurch veröffentlichten EPs Moog For Love (2016), Moonlight (2018) und Ecstasy (2020) und die nach der Veröffentlichung des dritten Albums herausgebrachte EP Never Enough (2021) schafften es allesamt nicht mehr, einen veritablen Hit hervorzubringen. Gleichzeitig spielten sich die Brüder in der Zeit weltweit von Festivalbühne zu Festivalbühne und wurden zu gefeierten Live-Acts. Egal ob auf der Mainstage, wie beim Melt!-Festival oder kleinen Gigs, wie solchen im Arena Club in Berlin 2016 – Disclosure bedienen jede Bühne.

In der früheren Vergangenheit wollte jedoch weder das Radio noch die Hörerschaft so richtig mitspielen. So erreichte das rein digital veröffentlichte vierte Album Alchemy (2023) weder in Europa, noch in ihrem Heimatland Großbritannien die Charts und bleibt damit Disclosures bisher einziges Album, dass keine Chartnotierung einfahren konnte. Doch was bei den Briten gesetzt ist, ist die Verlässlichkeit, britische Originale hochleben zu lassen. So haben Disclosure seit 2022 immer wieder Songs veröffentlicht und mit Acts, wie Zedd, RAYE, Chris Lake, Anderson Paak oder Levin Kali zusammengearbeitet. Die meisten der Songs schafften es auf Rotation der BBC Radiostationen. Mit ihrer aktuellen Veröffentlichung Deeper – zusammen mit dem US-Amerikanischen Sänger Leon Thomas – haben Guy und Howard Lawrence nun einen Song rausgehauen, der sich an dem offenen und frischen Sound ihrer Anfangszeit anlehnt. Startet es Anfangs fast ein wenig sphärisch und nach Trance der 90er-Jahre, kommt nach knapp 40 Sekunden der unverkennbare Garage-House zum Vorschein und lässt uns unverzüglich mit dem Kopf mitwippen. Hier kommt zusammen, was in den letzten Jahren seltener geworden ist – eine starke und warme Stimme, die sich wunderbar über eine Breakbeats- und 2-Step-Produktion legt und damit die Fans der ersten Stunde zurückholt. Während Leon Thomas gleich sechs mal für einen Grammy Award 2026 – und dabei auch in den großen Kategorien Artist of the Year und Album of the Year – nominiert ist, sind Disclosure mit ihrem Song No Cap zusammen mit Anderson Paak für Best Dance/Electronic Recordings nominiert. Damit dürfte Deeper zu einem der aktuell Grammy renommiertesten Songs des Jahres 2026 zählen.