Tycho - Easy

Tycho – Brücke in die Zukunft

Manche Bands gehen an einem jahrelang vorbei und tauchen in einem Moment auf, der so zufällig wie überraschend ist. Bei Tycho ist es der aktuelle Song Easy der eine Zäsur in Scott Hansens musikalischem Leben darstellt. Denn hat er das Projekt Tycho bereits vor 17 Jahren – im Jahr 2002 – gegründet und seitdem, mit Past Is PrologueDiveAwake und Epoche, vier Alben veröffentlicht, konnte der Kalifornier für das letzte Album sogar eine GRAMMY-Nominierung einsammeln. Mit Easy zeigt sich Tycho jedoch reflektierter und gibt sich selbst eine Auszeit von der Arbeit. Mit einer sanften Frauenstimme besetzt, wirkt Easy beruhigend, sphärisch, elektronisch und wie der Hauch eines warmen Atems am Ohr. Der Sound klingt cineastisch und passt zu Filmszenen mit dunklen, verregneten Straßenzügen durch die ein einsamer Charakter läuft. Easy ist dabei der Vorbote für ein neues Album und stimmt uns nicht nur wunderbar auf das Wochenende ein, sondern ist gleich noch eine perfekte Untermalung für den nahenden Sommer.

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Fisher – Es braucht nur einen Song

Was macht man, wenn man einen Song produziert hat, den auf Festivals spielt und irgendwann merkt, dass er eine eigene Dynamik entwickelt hat und von vielen DJ’s als Bootleg aufgegriffen wird? Richtig – man veröffentlicht ihn selbst. So ist die Geschichte des Hits Losing It des australischen DJ’s und Produzenten Paul Nicholas Fisher – alias Fisher – in Kurzform zusammengefasst. Dabei erstaunt, dass es Losing It schon seit fast zwei Jahren gibt und erst im Sommer 2018 so richtig zündete. So war Losing It auf jedem Festival zu hören und schaffte es schließlich sogar in die offiziellen Singlecharts in Großbritannien, Schottland, Australien, Irland, Belgien, Ungarn und Neuseeland. Dass der Track nun auch den Mainstream erreicht hat, zeigen die Airplaycharts, in denen Losing It stetig nach oben steigt. Losing It folgt dabei einem so einfachen wie effektiven Muster eines typischen Ohrwurms. Denn wird die Textzeile I’m Losing It… gefühlt ununterbrochen wiederholt, legt sich ein derber Housebeat über die Stimme und lässt den Track düster und brachial klingen. Für Fisher ist Losing It die erste Chartnotierung überhaupt und darf sich darüber hinaus auch gleich, durch die Nominierung des Grammy Gremiums auf einen Grammy in der Kategorie Best Dance Recording freuen. Wir drücken Fisher dafür die Daumen!

James Morrison feat. Joss Stone – Zwei britische Stars sind zurück

Es liesst sich, wie eine Erfolgsgeschichte – waren Joss Stone und James Morrison doch in den 2000ern zwei der erfolgreichsten britischen Künstler. Hat Stone mit ihren Alben The Soul SessionsMind Body & SoulIntroducing Joss Stone und  Colour Me Free! knapp 9 Millionen Platten verkauft, fanden auch so renommierten Preisen wie ein Grammy und zwei BRIT Awards den Weg in Stones heimisches Regal. Morrison, der erst seit Mitte der 2000er Musik veröffentlichte, kann auf 4,5 Millionen Alben in dieser Dekade zurückblicken und ist ebenfalls Preisträger eines BRIT Awards. Liegt die letzte Albumveröffentlichung bei beiden Künstlern nun schon vier Jahre zurück, konnten sie zuletzt nicht mehr an den Erfolg ihrer Glanzzeiten herankommen. So gehen Beide nun für James Morrisons neue Platte You’re Stronger Than You Know ein Duett ein und veröffentlichen mit My Love Goes On eine soulvolle Popnummer, die von Energie nur so strotzt. Dabei gehen Morrison und Stone ein Studio-Battle ein, welches beide – starken und markanten – Stimmen verschmelzen lässt. Morrison und Stone haben es seit jeher verstanden, Musik zu machen, die ein breites Spektrum an Menschen anspricht und zeigen auf My Love Goes On einmal mehr, wie universal Pop wirken kann.

Kara Marni – 90er R&B

Mit ihrer wunderbar, trägen Single Curve hatte die britische Sängerin Kara Marni Mitte April ein sattes Ausrufezeichen gesetzt. War sie damals bereit für einen heißen Sommer, sollte sich nun – am Ende der warmen Jahreszeit – zeigen, dass Marni keine Gelegenheit ausgelassen hat, ihre Musik unter die Leute zu bringen. So war ein Stop auf ihrer Tour, das Hamburger Reeperbahn-Festival Mitte September. Hier präsentierte sie neben Curve auch einige neue Songs sowie unter anderem ihre nun veröffentlichte Single Move. Dabei orientiert sich die Sängerin am R&B, Soul und Hip-Hop der 90er-Jahre und hat uns mit ihrem tanzbaren und eingängigen Beat sofort in ihrem Bann gezogen. Dadurch erinnert Kara Marni an Lauryn Hills – mit Grammys überhäuften – Album The Miseducation of Lauryn Hill. Hier werden Sounds von, auf der Straße spielenden, Kindern mit basslastigen Beats gemischt und singt Marni dazu wie einst Lauryn Hill es tat. Mit seiner – fast schon spielerischen – Melodie, ist Move eine perfekte Nummer für moderne Modenschauen. Und so verwundert es auch nicht, dass Marni bei Magazinen wie VOGUE, HUNGER und NYLON ganz oben auf der Liste steht, wenn es um Auftritte während der Schauen geht. Move ist ein klebrig, grooviger Neo-Soul Song, der die Brücke zwischen 90er-Jahre Soul und heutiger elektronisch unterstützter R&B-Produktionen spannt. Für 2019 wurde damit zaghaft auch Marnis Debütalbum angekündigt und lässt durch Move auf ein spannendes Paket hoffen.

Jain – Verdreht uns den Kopf

Mit ihrem Debütalbum Zanaka hatte die französische Sängerin Jain 2015 für eine absolute Begeisterungswelle gesorgt. Verkaufte sich das Album in Frankreich über 300.000 Mal, erhielt sie dafür Dreifach-Platin. Dabei begeisterte Zanaka mit so vielfältigen Songs, wie ComeMakeba und Dynabeat. Nun ist Jain mit der neuen Single Alright zurück, die gleichzeitig auch ein baldiges, zweites Album ankündigt. Dabei präsentiert Jain einmal mehr ihre Mischung aus Afrobeats und französischem Pop, der uns so den Kopf verdreht und in die Beine geht, dass man einfach nur mitgehen kann. Darüber hinaus klingt Alright wunderbar positiv und lässt die Lust nach Jain steigen. Die 26-jährige Sängerin, die mit Makeba sogar für einen Grammy nominiert war und als Best French Act den European Border Brechers Award gewann, geht damit weiter unaufhaltsamen ihren Weg des Erfolgs.

Lenny Kravitz – Zeitreise ins Jahr 1998

Es war sein bisher größter Erfolg – das 1998 veröffentlichte Album 5 welches ihm 6 Millionen verkaufte Platten und zwei Grammys als Best Male Rock Vocal Performance für Fly Away und American Woman einbrachte. Seiner Zeit weit voraus verband 5 die Musikstile Rock, Pop, Funk und Soul und brachte sie in den Mainstream. 20 Jahre später und sechs Alben weiter veröffentlicht Lenny Kravitz im September mit Raise Vibration sein mittlerweile elftes Studioalbum. Darauf zu finden ist auch, die nun veröffentlichte Single Low. Hier klingt Kravitz, als hätte er die Zeit angehalten. So viel Funk, Coolness und Soul, wie auf Low hat es seit dem Album 5 nicht mehr von ihm zu hören gegeben. Dabei holt er sich eine Stimme dazu, die eigentlich seit Jahren nicht mehr verfügbar ist – Michael Jackson. Denn noch zu Lebzeiten hatte Kravitz an dem Song gearbeitet und Jackson die typischen Schreie aufnehmen lassen. Herausgekommen ist ein Song voller Sexappeal, Soul und Wärme und ein Lenny Kravitz, der zu seiner absoluten Höchstform aufläuft.

Au/Ra & CamelPhat – Und alles kommt zusammen

Mit Cola konnte das britische DJ-Duo CamelPhat Ende 2017 einen der größten Clubhits des Jahres landen. Der hypnotisierende Beat und der derbe Housesound brachten ihnen damit sogar eine Grammy-Nominierung als Best Dance Recording ein. Nun haben sich CamelPhat mit der – in Spanien aufgewachsenen – Sängerin Au/Ra zusammengetan und den Song Panic Room veröffentlicht. Dabei besticht Au/Ras Stimme durch eine gewisse Erhabenheit und zeigt, dass die gerade einmal 16 jährige Sängerin offen für verschiedene Einflüsse ist. Schwingt ihr eigener Sound zwischen Pop und Elektro und erinnert an Lana Del Rey oder Lorde, geht sie mit CamelPhat einen Schritt weiter und taucht in die Tiefen der Clubs ein. Dabei singt sich Au/Ra in den letzten Monaten in immer mehr Herzen und erreicht zunehmend mehr Menschen. In London bereits in ausverkauften Hallen spielend, gelangen ihre Songs mittlerweile auch in die Radios. Dabei dürfte die Zusammenarbeit mit CamelPhat nur förderlich sein. Ist der tiefe Housebeat doch ein Garant für die Clubnacht. Mit Au/Ra und CamelPhat treffen sich zwei der spannendsten Newcomer-Acts, die wir 2018 ganz genau im Auge behalten werden.

Flume – Der globale Sound in Perfektion

Flume feat. KUČKA – Hyperreal

Es braucht einen wallenden Beat, einen Gesangspart – möglichst weiblich und einen guten Rhythmus – und fertig ist der internationale Hit?! Sicherlich – mit dieser Rezeptur gibt es nicht wenige erfolgreiche Künstler, allerdings passt in diese Kerbe ein Künstler wie der Australier Flume bestimmt nicht. Besitzen seine Songs doch eine Tiefe, die durch schwere Bässe und einen tiefen elektronischen Beat erzeugt werden, den man auf den Instant-Hits vergeblich sucht. Mit seinen ersten beiden Alben Flume und Skin hat er in den letzten Jahren so ziemlich alle Kritiker begeistert und für Skin gar eine Grammy-Auszeichnung für das Best Dance/Electronic Album 2017 erhalten. Zusätzlich war die darauf enthaltene Single Never Be Like You (feat. Kai) als Best Dance Recording nominiert. Nun ist Flume mit einem neuen Song zurück und zeigt, wie weit er der elektronischen Musik voraus ist. Mit modernen Elementen, die ihren Weg aus den House-Clubs der Welt schaffen und einer markanten Stimme der australischen Sängerin Laura Jane Lowther alias KUČKA, hebt sich Flume ein weiteres mal von seiner Zunft ab. Hyperreal erinnert dabei ein wenig an Songs vom britischen Duo AlunaGeorge, ist dabei allerdings ausgefeilter und weniger verspielt. Flumes kontinuierlicher Output an Musik und Remixen ist schier unendlich und tut den eigenen Songs hierbei überhaupt keinen Abbruch – was nicht selten bei anderen Künstlern der Fall ist. Damit ist Hyperreal der nächste große Wurf Flumes und wird ab sofort die Clubs weltweit beherrschen – und heute auch unsere Freitag Nacht.

Lea Porcelain – Rau und bedrückend

Lea Porcelain – Streets Of Philadelphia

Es ist einer der Momente, in der Musikwelt, bei dem man in eine Art Flashback verfällt. Ein Song, der so groß ist und so sehr für sich selbst steht, dass man ihn auch nach bald 25 Jahren noch eins zu eins im Ohr hat, sobald man auch nur den Titel hört. Mit einem Oscar und vier Grammys ausgezeichnet, war Bruce Springsteens Song Streets Of Philadelphia 1993 ein absoluter Welthit und stieg bis auf Platz eins der deutschen Singlecharts. Besticht Streets Of Philadelphia durch eine sanfte und melancholische Stimmung, kann man sich nicht vorstellen, dass genau dieser Song auch rau und bedrückend klingen kann. Genau so präsentiert ihn nämlich das Duo Lea Porcelain. Zuletzt noch live im Auster Club Berlin, präsentierte sich das Duo in Lagerhallenatmosphäre. Ihr Sound ist eigen, industriell und sensibel zugleich. Und so wundert es nicht, dass Streets Of Philadelphia hier geradezu auf die Band zugeschnitten wirkt. Ist der Song doch durch das neue Klangkostüm sowohl rau und bedrückend, als auch sensibel und isoliert zugleich. Lea Porcelain haben ein Gespür für den ganz besonderen Klang und wissen ganz genau, wie sie ihn erzeugen und zu einem Alleinstellungsmerkmal machen können, so, dass selbst ein großer Hit wie Springsteens Streets Of Philadelphia neu, frisch und nach Lea Porcelain klingt.

Alt-J – Western, Melancholie und Nostalgie

Alt-J – 3WW

Mit An Awesome Wave und This Is All Yours hat die britische Indie- und Alternativeband Alt-J in den vergangenen Jahren zwei erfolgreiche Alben veröffentlicht. Dafür den Mercury Prize und einen Grammy erhalten und wurden für drei BRIT Awards nominiert. Nach zwei Jahren auf Tour, hatte sich das Trio mehr Zeit für ihr drittes Studioalbum genommen. Dieses wird auf den Namen Relaxer hören und am 9. Juni 2017 veröffentlicht. Darauf enthalten ist die spannende, erste Single 3WW. Diese startet mit einem Westernsound und tiefen Bass. Die dadurch entstehende Akustik klingt nach 80er Jahre-Roadmovie und Bedrohung. Ist die Single knapp 5 Minuten lang, gibt es einen  1:40 Minute langen Instrumentalbeginn. Erst dann kommt die Stimme von Frontsänger Joe Newmans dazu, kippt diese bedrohliche Stimmung auf und verwischt sie. Klingt Newman doch verletzlich, zart und müde, bricht der Bass immer wieder mit den Versen. Ein zweiter Bruch wird durch die Stimme von Wolf Alice Frontsängerin Ellie Rowsell erzeugt. Zusammen setzen sie immer wieder zu einzelnen Höhepunkten an, die aufbrausend und wieder in sich zusammenfallend klingen. 3WW ist dadurch vielschichtig und lässt Alt-J einmal mehr als Ausnahmeband in Erscheinung treten.