Apparat - Hum Of Maybe

Apparat – Eine musikalische Klanglandschaft

Ein leises Summen liegt in der Luft, kaum greifbar, eher gespürt als gehört. Genau dort beginnt Hum Of Maybe. Keine klare Ansage, kein rhythmischer Impuls, der sofort eine Richtung vorgibt – vielmehr ist es ein Schwebezustand. Etwas Unentschiedenes, ein Raum zwischen zwei Gedanken. Dieses Vielleicht, das der Titel trägt, ist keine Unsicherheit im klassischen Sinn, sondern ein Zustand des Offenseins.

Hinter dem Namen Apparat steht Sascha Ring, geboren in Berlin und seit über zwei Jahrzehnten eine prägende Figur elektronischer Musik aus Deutschland. Bekannt geworden ist er zunächst in der experimentellen Techno-Szene, später mit seinem Projekt Moderat und mit zunehmend cineastischen Soloarbeiten. Seine Musik hat sich über die Jahre vom Clubkontext gelöst und ist in weite, emotionale Klanglandschaften gewachsen. Alben wie Walls oder The Devil’s Walk haben gezeigt, wie selbstverständlich er elektronische Strukturen mit organischer Melancholie verbinden kann. Und dann war da noch der Netflix-Überhit Dark, zu dem Ring mit seinem Projekt Apparat den Titelsong Goodbye beisteuerte.

Hum Of Maybe fügt sich in diese Entwicklung ein. Der Song lebt von seiner Zurückhaltung. Sanfte Flächen legen sich übereinander, ein reduzierter Beat pulsiert im Hintergrund, als würde er nur andeuten, dass Zeit vergeht. Darüber liegt Rings Stimme – brüchig, direkt, ohne Pathos. Die Worte wirken wie Gedankensplitter, die nachts auftauchen, wenn die Stadt zur Ruhe gekommen ist. Es geht um dieses Dazwischen: um Zweifel, um vorsichtige Hoffnung, um das Zulassen eines Gefühls, das noch keinen Namen trägt.

Apparat Pic: Ben Levi Suhling
Apparat Pic: Ben Levi Suhling

Aus dem Text entstehen Bilder von leeren Straßen im Morgengrauen, von Fenstern, hinter denen noch Licht brennt. Man sieht Atem in kalter Luft, hört entfernte Geräusche, die sich im Raum verlieren. Das Summen wird zu einer Metapher für all die unausgesprochenen Möglichkeiten, die im Raum stehen. Keine klare Entscheidung, kein finales Bekenntnis – sondern das Aushalten eines Moments.

Musikalisch bleibt alles kontrolliert. Kein überladener Aufbau, kein dramatischer Ausbruch. Stattdessen eine stetige Intensität, die sich langsam entfaltet. Synthesizerflächen ziehen sich wie Nebel über die Szenerie, während einzelne rhythmische Elemente Struktur geben. Apparat gelingt es, eine Spannung aufzubauen, die nicht laut werden muss, um präsent zu sein.

Hum Of Maybe wirkt wie ein innerer Monolog, vertont in gedämpften Farben. Ein Song für Stunden, in denen Gedanken lauter sind als Gespräche. Für Wege durch nächtliche Städte oder für das stille Sitzen am Fenster, wenn draußen nur noch vereinzelte Lichter glimmen.

Apparat bleibt damit seiner Handschrift treu: elektronische Musik, die nicht nur bewegt, sondern berührt. Und dieses leise Summen hallt noch lange nach, selbst wenn der letzte Ton verklungen ist. Sein sechstes Album A Hum Of Maybe erscheint am 20. Februar 2026 und wird damit eine siebenjährige Pause beenden.

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