KLAN – Zwei Brüder, eine Entscheidung

KLAN gibt es bereits seit Ende der 80er Jahre. Und doch haben sie erst jetzt, am 12. Oktober, ihr Debütalbum Wann Hast Du Zeit veröffentlicht. Ihr fragt Euch, was eine Band bitte von 1988 bis 2018 an Zeit benötigt, um ihr Debütalbum fertigzustellen?! Das Aufwachsen! Denn KLAN besteht aus den beiden Leipziger Brüdern Michael und Stefan Heinrich. Nach Jahren des brüderlichen Zusammenlebens im Elternhaus folgte der Weg in bürgerliche Jobs. Blieb Stefan in Leipzig um Medienpädagogik zu studieren, zog es Michael nach Berlin für ein Medizinstudium. Doch damit nicht glücklich werdend, folgte Stefan seinem Bruder einige Zeit später nach Berlin und beide entschlossen, ihre Berufe vorerst ruhen zu lassen, um sich der Musik zu widmen. Denn die hatten sie bereits seit der Jugend für sich entdeckt. Somit stand im Jahr 2016 der Eintrag in das Grundbuch deutscher Bandfindungen an und KLAN kam zur Welt. Nun haben sie mit der aktuellen Single Mama das Thema der Findung und Abnabelung behandelt und, wie sie mit den Erwartungshaltungen der Familie umgegangen sind. Dabei klingen sie so angenehm ruhig besonnen und singen reflektieren die Befürchtungen der Eltern, vom Weg abzukommen, sollten sie ihre Jobs für die Musik an den Nagel hängen. KLAN klingen frisch und doch irgendwie nach einem gewohnten Begleiter. Auf alle Fälle sind sie damit eine der heißesten Anwärter auf einen nächsten, großen Hit.

Advertisements

Kytes – Indiehit erster Klasse

Wenn schon die Briten aktuell keinen Indie mehr hervorbringen, tut sich in den letzten Jahren so einiges in Deutschland. Mit Razz, den Giant Rooks und Kytes auf der Überholspur, werden auch ihre Songs immer öfter von den Radiostationen gespielt. Dabei kommt letztere Band aus München und stellt nun mit Remedy die neueste Single der im Januar erscheinenden EP Frisbee vor. Hierauf klingen Kytes so unfassbar locker und haben mit dem zugehörigen Musikvideo eine amüsante Indoor-Sommeratmosphäre geschaffen. Mit digitalem Pool, Bildeinstellungen irgendwo zwischen – von amerikanischen Hip-Hop Videos inspirierten – Nahaufnahmen Eis essender Badenixen und weiteren weirden Aktionen begeistern Kytes nicht nur durch das Video, sondern natürlich auch mit einem satten Indieohrwurm. Mit groovigen Gitarrenriffs und einer eingängigen Beatfolge ist Remedy ein absoluter Hit und lässt Michael Spieler, Timothy Lush, Kerim Öke und Thomas Sedlacek – alias Kytes – ins Rampenlicht der deutschen Indieszene treten. Die nächste Indiedisco-Nacht kann also kommen!

Pool – Back to the 80’s!

Mit Lorbeeren überschüttet und selbst vom britischen The Guardian gefeiert, ging es in den letzten Jahren für das Hamburger Trio Pool auf und ab. Haben sie 2012 mit dem Song Don’t Call My Name Aufmerksamkeit auf sich gezogen, veröffentlichten sie 2015, nach einigen EP’s, Ihr Debütalbum Snacks & Suppliers. 2016 noch zwei Songs veröffentlicht, wurde es in den letzten beiden Jahren ruhig um die Jungs. Dabei standen Frontsänger Nils Hansen, Daniel Husten und David Stoltzenberg keinesfalls still. So haben sie in der Zeit etliche Songs aufgenommen, die nie das Licht der Welt erblickten. Und dennoch war diese Phase für die Band sehr wichtig, fanden sie doch immer mehr gefallen am Produzieren und veröffentlichen nun mit Moving On ihren ersten selbst geschriebenen, produzierten und gemixten Song, der als funky Indiepop-Song mit klebrigen 80er-Jahre-Synthies aufwartet und uns den Sommer noch bis weit in den Oktober hinein sichert. Und so gibt es das Trio bereits seit bald acht Jahren. So gesellen sich heute Bands wie Parcels zu ihrem Sound dazu und lassen die Hamburger damit zu Vorreitern des Genres werden.

Parcels – Vom Finger wund spielen

Im Frühjahr konntet Ihr hier auf SOML die Parcels entdecken und zu ihrem Song Tieduprightnow in den Sommer tanzen. Seitdem ist so einiges passiert und die australischen Jungs dürften unter anderem auf der Main Stage des MELT Festivals auftreten und haben für Mitte Oktober ihr Debütalbum Parcels angekündigt. Damit nicht genug, haben sie am vergangenen Freitag die Single Lightenup veröffentlicht und geben der Tanzfläche somit neuen Stoff zum tanzen. Mit ihrem Mix aus Pop, Indie und French House mischen die fünf Jungs, die aktuell von Berlin aus die Welt erobern, die Indieszene auf und wer die Parcels auf dem MELT Festival live gesehen hat, wird wissen, wie viel Spaß die Jungs auf er Bühne und beim Spielen ihrer Songs haben. Denn alle bisher bekannten Songs sind dabei durchweg Vertreter der Guten-Laune-Musik und erinnern an einen großen Welthit des französischen House-Duos Daft Punk und Pharell Williams.

AnnenMayKantereit – Konventionslos ehrlich

AnnenMayKantereit sind schon eine außergewöhnliche Band. Hat die Band ganz Deutschland im Jahr 2014 im Sturm erobert, basiert ihr Erfolg einzig und allein darauf, dass sie sich ins Zeug legen, Straßengigs – und später in Konzerthallen – spielten und stets und ständig präsent waren. Ihre Spielwut schien schier unerschöpflich. So wurden die Songs Barfuß am Klavier, Oft Gefragt und Pocahontas zu Hymnen einer noch jungen Generation. Das alles liegt erst 3/4 Jahre zurück und doch haben AnnenMayKantereit es geschafft, sich im kollektiven Bewusstsein derart festzusetzen, das sie wohl auch ein Werbeprospekt singen könnten und es würde ihnen Ansehen bringen. Tun sie aber nicht – statt sich endlos lang auf den Songs des zweiten Albums Alles nix Konkretes auszuruhen, haben die Kölner Jungs an ihrem Nachfolgealbum Schlagschatten gearbeitet. Mit der ersten Singleauskopplung Marie präsentieren sie einmal mehr, dass ihre Musik geprägt ist, vom live spielen. Denn hier kommt das Gefühl aus der Performance und allen Facetten, die AnnenMayKantereit so einwandfrei beherrschen. Wenn andere Künstler zu erst ins Studio gehen, einen Song aufnehmen und dann an einer Live-Spielbarkeit arbeiten, haben AnnenMayKantereit schon längst alle begeistert. Marie ist eine Abrechnung mit so viele Themen, die den jungen Sänger Henning May beschäftigen. Von dem Verlust eines Freundes, dem frühen Tod seiner Mutter und dem Gefühl (un-?)glücklich verliebt zu sein. Dabei spielen sie ihre Instrumente gewohnt entspannt und lassen der rauen Stimme Hennings viel Raum zum wirken. So klingt Marie direkter und hat keine polierte Soundästhetik, sondern lädt mit einem Sound für eine Momentaufnahme zum verlieben ein.

Tom Odell & Alice Merton – Das warten auf einen ungemütlichen Herbst

Alice Merton hat gerade erst letzte Woche mit ihrer neuen Leadsingle Why So Serious die Vorfreude auf ihr bald erscheinendes, Debütalbum eingeläutet. Nun steht sie mit einem weiteren Song im Rampenlicht. Dieses Mal allerdings mit dem britischen Pop-Sänger Tom Odell. Dieser hat mit Jubilee Road sein drittes Studioalbum angekündigt und zusammen mit Merton die Single Half As Good As You veröffentlicht. Diese, als Promosingle angedachte, Veröffentlichung passt zum aufkommenden Herbst. Auch wenn dieses Jahr die Temperaturen bis weit in den September einfach nicht runtergehen wollen, sind die Nächte bereits frisch bis kalt. Mischt sich hier noch etwas Regen dazu, gibt Half As Good As You den perfekten Soundtrack dazu ab. Mit einem einfachen Klavier leitet der Brite hier zu einer wunderbar warmen Ballade ein und lässt dann durch Mertons klare Stimme ein Gewitter entstehen, bei dem sich beide Künstler fantastisch ergänzen. Half As Good As You passt in die Jahreszeit und bringt einen dazu die Decke bis zum Hals zu ziehen und mit einem Tee im Warmen zu sitzend, das ungemütliche Wetter vor den Fenstern zu genießen.

Bloodhype – Großer Gitarrensound mit Referenz

Sie wohnen in Berlin und haben nach Jahren des Roadielebens und anderen freigeistigen Tätigkeiten nun zusammengefunden, um Musik zu machen. Als die Berliner Indierockband Bloodhype vor einigen Monaten mit dem Song Wolves an die Oberfläche trat, wurden viele hellhörig. Denn ihr Mix aus Rock, Alternative und Indie holt in Zeiten mangelnder Präsenz dieser Genres viele Musikliebhaber des Gitarrensounds ab. Dabei kommt der Sound dem, der Bands wie AFI und Thirty Seconds To Mars sehr nahe und begeistern mit großen Hymnen und intensivem Gesang. Die aktuelle Single Romeos setzt dabei aktuell die Messlatte des eigenen Anspruches nochmals höher. Beginnend mit einer Synthiewolke von Sound, welches an die Titelmelodie von Stranger Things erinnert, wird Romeo mit Schlagzeug, Gitarren und Elmar Weylands intensiver Stimme zu einem wahren Brett und erinnert nicht nur an die oben genannten Bands, sondern lehnt sich mit einem epischen Gefühl auch an die White Lies oder Editors an. Bloodhype setzen damit den neuen deutschen Rocksound fort, der auch schon Giant Rooks und Razz haben erfolgreich werden lassen. Dabei ist Bloodhype, trotz der erst kurzen Lebensdauer, keine Band, die sich hinter den großen internationalen Bands verstecken muss und sollte. Und mit Romeos haben sie allemal das Zeug auch auf das internationale Parkett zu treten.

Alice Merton – Warum eigentlich immer so ernst?

Ich könnte jetzt vom großen Erfolg der Debütsingle No Roots sprechen. Davon, dass sie weltweite Erfolge damit gefeiert hat. Doch das würde Alice Merton nur auf diesen Song reduzieren. Sie selbst hat nun die beste Antwort auf die Frage geliefert; was ihr nächster großer Hit wird: Why So Serious? So heißt ihre neue Single, die gleichzeitig die Ankündigung ihres Debütalbums MINT für Mitte Januar 2019 im Gepäck hat. Dabei ist Why So Serious eine wunderbare Popnummer, die sich im Video für allerlei alberner Momente hergibt. Alice Merton lässt hierbei gar keinen Zweifel daran, dass auch diese Single ein Erfolg wird. Doch allen Fragen, über die Erwartungshaltung an sie, zum Trotz, macht Merton einfach das, was sie selbst für gut befindet und genießt einfach ihre Zeit als erfolgreiche Sängerin. Und mit einer Nummer wie Why So Serious wird dieser noch eine ganze Weile andauern.

Alt-J feat. Kontra K – Eine ungleiche Überraschung

Sie sind die britischen Kritikerlieblinge – modern, elektronisch, experimentell und trotzdem immer melodisch. Er ist aktuell einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands und hat seine drei letzten Alben jeweils auf Platz 1 der deutschen Albumcharts platzieren können. Nun ist für das Remixalbum Reduxer, der britischen Band Alt-J, eine Zusammenarbeit entstanden, die so auch nur selten zu finden ist. Hierbei hat Kontra K den Alt-J Song In Cold Blood überarbeitet und neuinterpretiert. Dabei fügte Kontra K sogar deutsche Songtexte hinzu und sorgt so, auf dem kommenden Alben Alt-J’s für eine wahre Überraschung und das, obwohl In Cold Blood die bekanntesten Singles des dritten Studioalbums Relaxer ist. Dabei haben sich die Band und der Rapper wohl letztes Jahr auf dem Hurricane Festival kennengelernt und fanden es so spannend, dass sie etwas zusammen umsetzen mussten. So ist auch die Neuinterpretation der Relaxer-Songs entstanden und konnte Alt-J damit sogar ein komplettes Album füllen. Die Zusammenarbeit mit Kontra K stellt sich hierbei als befruchtend, frische Art und Weise dar, einen vormalig indielastigen Song, mit Rap zu versehen und damit ein neues Musikgenre, das man dann wohl Indierap nenne würde, zu kreieren. Hervorragend frisch und deutlich verändert ist diese Version von In Cold Blood eine Neuauflage, die sich sehen lassen kann.

Yates – In Berlin gewinnt man an Kompliziertheit

Als Kind hatten wir wohl alle dieses Gefühl, alles machen zu können, ohne darüber nachzudenken, wohin uns dies bringt. So wollten wir Piloten, Tierärzte, Astronauten oder Fussballer werden. Benjamin Jacob Yates aus Australien ging es da nicht anders. Nur wollte er gerne sein Heimatland bei den Olympischen Spielen vertreten. Am Ende ist daraus zwar nichts geworden, doch hat er tatsächlich an den Junioren-Triathlon-Weltmeisterschaften im Jahr 2005 teilgenommen. Anschließend führte ihn dies bis nach Europa, wo er immer wieder Deutschland besuchte. Irgendwann – die sportlichen Ambitionen beiseite gelegt – zog es ihn dauerhaft nach Berlin. Die Musik, mit der er während seiner ersten Besuche in Deutschland in Berührung kam, prägten ihn so sehr, dass ihn in Australien nichts mehr hielt und er der Musik wegen, Berlin wählte. Hier hat ihm die Stadt gefressen und wieder ausgespuckt. Dabei hat er sich über die letzten Jahre ein Netzwerk aufgebaut, um an seiner Musik zu arbeiten. Mit der nun veröffentlichten Single Under A Bridge zeigt Yates, wie er sich als Künstler schlicht nennt, dass er Singer/Songwriting mit dancelastiger Popmusik mischt und daraus einen hypnotisierenden Sound entstehen lässt. Dabei klingt Under A Bridge so berauschend, dass man sich mit Loafers bewaffnet, in eine Kreuzberger Kellerbar beamen möchte, um auf den Tischen zu tanzen.