Bloodhype – Großer Gitarrensound mit Referenz

Sie wohnen in Berlin und haben nach Jahren des Roadielebens und anderen freigeistigen Tätigkeiten nun zusammengefunden, um Musik zu machen. Als die Berliner Indierockband Bloodhype vor einigen Monaten mit dem Song Wolves an die Oberfläche trat, wurden viele hellhörig. Denn ihr Mix aus Rock, Alternative und Indie holt in Zeiten mangelnder Präsenz dieser Genres viele Musikliebhaber des Gitarrensounds ab. Dabei kommt der Sound dem, der Bands wie AFI und Thirty Seconds To Mars sehr nahe und begeistern mit großen Hymnen und intensivem Gesang. Die aktuelle Single Romeos setzt dabei aktuell die Messlatte des eigenen Anspruches nochmals höher. Beginnend mit einer Synthiewolke von Sound, welches an die Titelmelodie von Stranger Things erinnert, wird Romeo mit Schlagzeug, Gitarren und Elmar Weylands intensiver Stimme zu einem wahren Brett und erinnert nicht nur an die oben genannten Bands, sondern lehnt sich mit einem epischen Gefühl auch an die White Lies oder Editors an. Bloodhype setzen damit den neuen deutschen Rocksound fort, der auch schon Giant Rooks und Razz haben erfolgreich werden lassen. Dabei ist Bloodhype, trotz der erst kurzen Lebensdauer, keine Band, die sich hinter den großen internationalen Bands verstecken muss und sollte. Und mit Romeos haben sie allemal das Zeug auch auf das internationale Parkett zu treten.

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James Hersey – Locker, gefühlvoll, rockig

Im ersten Moment klingt der Name James Hersey nicht gerade, als würde derjenige aus Österreich kommen. Und dennoch passt es zum Sänger, wie seine komplette Geschichte. Denn hat er nicht nur amerikanische Wurzeln, ist auch seine Musik ein Crossover aus immer wieder wechselnden Genres. So ist Hersey mal mit dem französischen Produzenten Filou auf How Hard I Try zu hören, oder singt als Gastsänger auf der Single Coming Over von Dillon Francis und Kygo. Dabei mischt er Pop mit House, typischen Singer/Songwriter Elementen und spielt – wie auf seiner neuesten Single Real For You – auch auf der Gitarre. Real For You besticht durch einen poppigen Gitarrensound, der mit Herseys markantem Gesangsstil überzeugt. Dabei ist der Song unaufgeregt und hat dennoch Ohrwurmqualität. Hersey, der mittlerweile in Berlin lebt, zeigt, dass er dieses Crossover konsequent fortsetzt und steht aktuell mit Künstlern wie den Milky Chance, Sigrid und HONNE auf der Bühne. Wer ihn also erleben möchte, sollte sich schnellstens ein Konzertticket besorgen.

Bosse – Euphorisch und Sentimental

Wenn Bosse etwas ganz sicher beherrscht, dann ist es euphorische Popsongs mit Sentimentalität zu verbinden. Ob bei 3 Millionen, Yipi, Dein Hurra oder Frankfurt/Oder – mit dem Bosse, durch die Coverversionen Zoutelande der Niederländischen Band Bløf übrigens Chartrekorde in den Niederlanden und Belgien gebrochen hat – überall schwebt dieses Gefühl von Trauer, begleitet von Freude, mit. Nun hat Bosse sein siebtes Album Alles Ist Jetzt angekündigt und die gleichnamige Single daraus veröffentlicht. Darauf klingt Bosse poppiger, schneller und energiegeladen. Mit Textzeilen Was du träumst das musst du machen. All die besten super Sachen. Einfach machen, einfach machen hat er uns sofort und löst ein Gefühl der Sehnsucht nach genau diesem Gefühl aus. Und genau das ist es, was Bosse immer und immer wieder schafft und damit auch eine Schar an musikalischen Freunden um sich vereint. Da ist es nicht verwunderlich, dass im dazugehörigen Video unter anderem Romano, Anna Maria Mühe, die Mighty Oaks oder Madsen mitmachen wollten. Ein Hoch auf Aki. Ein Hoch auf Bosse!

Rudimental – Mit der vollen Ladung Diversität

Das britische Kollektiv Rudimental steht seit jeher für Diversität. Stets suchen die vier Kernmitglieder Piers Egget, Amir Amor, Kess Dryden und Leon Rolle neue Künstler, um ihnen eine Plattform zu geben. Dabei haben sie bereits mit Acts, wie MNEK, John Newman, Alex Clare, Emeli Sandé, Ed Sheeran oder James Arthur zusammengearbeitet. Auch politisch setzen Rudimental immer wieder bewusst ihre Bekanntheit ein, um auf Schieflagen aufmerksam zu machen. So haben sie ihr, am 7. September erscheinendes, Album Toast to Our Differences benannt und mit der gleichnamigen Single gerade Acts wie Hak Baker und Shungudzo mit ins Boot geholt. Als Gegenpol zum Protektionismus der heutigen Zeit, singen sie von Diversität, vom zelebrieren der Individualität und hochhalten von verschiedenen Ansichten. Dass dies mehr denn je gilt, zeigen nicht zuletzt die vielen politischen Strömungen und der immer größer werdende Schwall an Information aus immer geringer werdenden Quellen. Rudimental haben diese Gefühle zu einem Post-Soul-Elektro-Song verarbeitet, der absolut entspannt klingt. Unterschiede entstehen in unseren Köpfen, nicht in unseren Herzen. Und genau da setzen Rudimental an und arbeiten mit ihrem Song an einem Aufbau von Gemeinsamkeiten. Fast schon nebenbei haben die Briten dabei auch gleich einen satten Sommerhit abgeliefert.

Flight Facilities – Dem Traum entsprungen

Das australische Duo Flight Facilities dürfte den ein oder anderen aufhorchen lassen. Denn vor fast genau vier Jahren konntet Ihr hier über ihren Ohrwurm Stand Still lesen, auf dem Mickey Green so entzückend lieblich sang und die pfeifende Melodie im Ohr blieb. War Stand Still auf ihrem 2014er Debütalbum Down To Earth enthalten, ließen sich die beiden satte vier Jahre Zeit, um neues Material zu veröffentlichen und damit die Vermutung zu nähren, dass bald ein zweites Album folgen könnte. Mit All Your Love kommen Flight Facilities dann aber doch erfrischend voluminös zurück. Besteht der Song aus einem satten Elektrosound, hat sich das Duo als Stimme den, ebenfalls aus Australien kommenden, Sänger Dustin Tebbutt geschnappt, der gerade erst am Anfang seiner Karriere steht aber mit seinem melancholischen Gesang bereits Millionen Hörer erreicht hat. Diese Mischung aus modernen, nach vorne gehenden, Elektro und zurückgezogenem Gesang, lässt All Your Love zu einer kleinen Perle werden und schnappt Dich, um zu träumen.

Marteria & Casper – Hip-Hop mit ganz viel Hip

Jahrelang dürfte sich Casper anhören, seine Musik sei nicht Hip-Hop genug, zu Indie, zu viel Skinny-Jeans und zu wenig Arschloch. Das letztere versucht er auch heute nicht zu sein, dafür hat er nun mit Marteria einen absoluten Coup gelandet. Denn beide arbeiten derzeit an einem gemeinsamen Album, welches sie am 31. August veröffentlichen werden. Mit der ersten Singleauskopplung Champion Sound klingen die beiden dabei gleich einmal unverschämt Südstaaten-Amerikanisch. Hier drücken sich Marterias und Caspers unverwechselbare Stimmen gegenseitig die Rhymes zu und bleiben dabei immer dicht am Sprung zum Pop. Dass die beiden mehr gemeinsam haben, als man sich zu erst hätte denken können, zeigt ein Blick auf ihre Vergangenheit. Beide sind Wahlberliner, haben mit nur zweimonatigem Abstand 2015/2016 geheiratet und sind im Jahr 1982 geboren. Und so heißt dann auch ihr gemeinsames Album 1982 und dürfte noch so einiges ans Überraschungen beinhalten. Wir vergnügen uns nun erst einmal mit Champion Sound und gehen mit den Jungs ab!

Roosevelt – So frisch als wäre es sein Debüt

Es ging durch die Musikredaktionen, wie ein Lauffeuer. Ob Stereogum, Intro, Tonspion oder auch internationale Blätter wie das niederländische Onlinemagazin Nieuweplaat – alle hatten kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Songs ihre Beiträge parat. Denn mit seinem selbstbetitelten 2016er Debütalbum Roosevelt wurde er nicht nur in Deutschland zum gefeierten Act, sondern zog auch im Ausland die Aufmerksamkeit auf sich. Doch ist der Hype um Roosevelt gerechtfertigt!? Hört man sich die frühen Lieder des Wahlberliners an und vergleicht diese mit denen des Debütalbums, ist schon ein Unterschied zu erkennen. Waren Lieder wie Soleil, Montreal und Elliot von hallendem Gesang und fast schon Delirium empfindenden, elektronischen Klangbetten geprägt, fanden sich auf Roosevelt vermehrt klare Klangstrukturen, die einem Muster folgten, welches Marius Lauber sortierter zeigte. Nun ist mit der Ankündigung seines zweiten Albums Young Romance auch die erste Single daraus erschienen und zeigt abermals, wie sich Roosevelt weiterentwickelt hat. Dabei klingt er auf der Single Under The Sun noch ein wenig sauberer hat jedoch wieder deutlich mehr Euphorie im Sound. Auch singt er auf Under The Sun so viel, wie man es von ihm bisher noch nicht gehört hatte. Hier gibt es einen kompletten Songtext und eine Geschichte, die Roosevelt vorher stehts zu Gunsten des Sounds einen Schritt zurückgestellt hatte. Under The Sun klingt nach den frühen Songs von Empire Of The Sun, Gypsy & The Cat oder Bag Raiders. Mehr Pop, größere Gesten und deutlich mehr Songtext lassen Roosevelts Ursprung als Songwriter noch mehr aufblühen. Dabei hat Roosevelt ganz nebenbei einen Sommerhit geschaffen, der bei richtiger Platzierung gar zum Charthit avancieren könnte.

Rüfüs Du Sol – Ein Name für Alle

Acht Jahre haben sie es durchgehalten, doch am Ende hat ein Name alles vereinfacht. Und so wird aus Rüfüs, Rüfüs Du Sol. Wurde der längere Name seit der Gründung 2010 ausschließlich für den US-Amerikanischen Markt verwendet, wird das australische Trio mit seinem dritten Studioalbum nun unter diesem Namen weltweit auftreten. Mit dieser Ankündigung einher, geht die Veröffentlichung des ersten Songs No Place, aus dem kommenden Album. War ihr Sound auf dem 2016er Album Bloom noch von Weite geprägt, klingt No Place nun deutlicher nach Club-Atmosphäre. Dabei greifen Rüfüs Du Sol in den ersten 40 Sekunden die Basis des Welthits Insomnia auf, welcher die britische Band Faithless über Nacht zu weltweiten Stars machte. Mit melodischen Bässen und mehrfachen Breaks geben Rüfüs Du Sol einmal mehr das, was wir von ihnen verlangen – treibende Beats und große, elektronische Emotionen.

Lily Allen – Von der Rotzgöre zum Kritikerliebling

Für Lily Allen waren die letzten Jahre alles andere als leicht. Hatte sie fünf Jahre lang mit einen Stalker zu kämpfen, der sogar, während sie schlief, in ihr Schlafzimmer einstieg, kamen auch noch die beiden Geburten ihrer Kinder hinzu. Darüber hinaus wurde ihr 2014 veröffentlichtes Album Sheezus von allen Seiten kritisiert. Sicherlich nicht die beste Ausgangssituation, um neue Musik zu produzieren. Und doch waren gerade diese Erfahrungen die Quelle ihres nun veröffentlichten Albums No Shame, welches letzte Woche veröffentlicht wurde. Ist es bei vielen Künstlern wohl eine Phrase, trifft die Beschreibung, dass es wohl ihr persönlichstes Album sei, bei No Shame voll und ganz zu. Hier singt sie über Drogenprobleme, den Stalker und andere Tiefschläge aus ihrem Leben. Auf der nun veröffentlichten Single Lost My Mind verarbeitet Allen die gescheiterte Beziehung und anschließende Scheidung von ihrem Ehemann Sam Cooper. Mit einem Gefühl, das man von Allen sonst nur selten zu hören bekommt, singt sie sich durch den absichtlich naiv klingen Song und zeigt damit, dass auch sie in der Situation war, sich so wohl zu fühlen und den Uns-kann-nichts-trennen-Gedanken zu pflegen. Mit dabei sind Vocoder und tropische Klänge. Wobei der Vocoder so zurückhaltend eingesetzt wurde, dass man ihn nur hier und da heraushören kann. Lost My Mind ist eine ungewöhnlich erwachsene Single einer Künstlerin, die eigentlich nicht erwachsen sein möchte und gerade dieser Widerspruch macht sie auf dem Song so authentisch.

The Best Of 2018 Vol.: 03

01. She & Him – She Gives Her Love To Me

02. Ryan O’Shaughnessy – Together

03. Madsen – Rückenwind

04. Sennek – A Matter Of Time

05. Kovacs – Black Spider

06. Tom Grennan – Sober

07. Vance Joy – We’re Going Home

08. Snow Patrol – Don’t Give In

09. Deadmau5 – Jaded (Original Mix)

10. Paul Kalkbrenner – Part Eight

11. Ben Khan – 2000 Angels

12. Felix Räuber – Wall

13. Sam Fender – Start Again

14. Shallou – You And Me

15. HONNE – Day 1

16. Florence + The Machine – Sky Full Of Song

17. Au/Ra feat. CamelPhat – Panic Room

18. Calvin Harris feat. Dua Lipa – One Kiss

19. Aurora – Queendom

20. Kara Marni – Curve