Satte zehn Jahre ist es her, dass die isländische Alternativeband Sigur Rós um Frontsänger Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi – ihr letztes Album Kveikur veröffentlichte. Bis zu diesem Zeitpunkt stiegen sie zu einer der größten Alternativebands dieser Zeit auf. Was man hier allerdings hinzufügen muss – Sigur Rós sind keine gewöhnliche Alternativeband. Mit ihrem sphärischen Sound, der Mischung aus isländischen Lyrics – gemischt mit einer Fantasiesprache, welche die Band als Vonlenksa bezeichnet – und unglaublichen Musikvideos arbeitete sich die 1994 gegründete Band, seit ihrem 1997er Debütalbum Von stetig weiter hoch in der Beliebtheit. Dabei war vor allem mit dem dritten Studioalbum ( ) der Durchbruch gelungen. Sang Jonsi auf diesem Album alles Songs in Vonlenksa gilt es heute als ein Meisterwerk der Band und des Alternative Genres. Vor allem das dazugehörigen Musikvideo der Single untitled #1 war 2003 schockierend und endzeitlich. Hier sieht man Kinder in einer Kindertagesstätte, wie sie sich zum spielen im Freien warm anziehen, bis man schließlich draußen erkennt, dass nichts mehr von der Welt übrig geblieben ist, die wir heute kennen. Hier ist weit und breit nur Asche, Staub und Zerstörung zu sehen. Mit diesem Musikvideo schaffte es die Band, ein breites Publikum zu erreichen – wurde der Clip doch – trotz seiner Radio- und Musik TV-untauglichen 6:43 Minuten – auf allen Musiksendern gespielt. Es folgten mit Takk… (2005), Með suð í eyrum við spilum endalaust (2008), Valtari (2012) und Kveikur (2013) vier weitere Alben, ehe die Band sich eine Auszeit nahm. Auszeit, da die Bandmitglieder hier andere Projekte verfolgen wollten. So stieg 2013 der Keyboarder Kjartan Sveinsson aus der Band aus und wandte sich Jonsi nach der Zusammenarbeit mit Alex Somers auf Riceboy Sleeps 2009 und seinem 2010er Debütalbum Go neuen Projekten zu. Was nie ganz verschwand, war die Nähe zu den Sigur Rós Fans, so baute die Band eine Social Media-Plattform auf und promotete hierüber immer wieder Neuauflagen und Special Releases.

Im Frühjahr kündigten Sigur Rós schließlich die Rückkehr von Kjartan Sveinsson an, die sich auch auf die Musik niederschlagen sollte. Nachdem der Soundtrack Odin’s Raven Magic 2020 in Zusammenarbeit mit anderen Acts veröffentlicht wurde, steht nun mit Blóðberg die erste neue Single seit sieben Jahren auf allen Plattformen zur Verfügung. Dabei klingt Blóðberg wie zu Zeiten des Albums ( ) und ist mit einen langen Aufbau und warmen, sphärische Instrumentierungen – vorrangig in Form von Streichern – versehen. Hierauf singt Jonsi mal mit tiefer, mal mit Kopfstimme und baut sich bei den Hörenden damit sofort eine Welt im Kopf auf, die wir zehn Jahre vermisst hatten. Mit einem wahren Gefühlsfeuerwerk aus Melancholie, depressiven Stimmungen und Hoffnung sieht man sich machtlos dem entgegen, was uns alle ganz individuell beängstigt oder aufbaut. Ja nach Stimmungslage erreicht der Song die Fans auf einer anderen Art und ist Blóðberg dabei unverkennbar Sigur Rós. Die Welt hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Doch Sigur Rós schaffen es, uns, mit einem Song, in eine Art Safe Space zu holen, der zeitlos und behütet erscheint – auch, wenn das dazugehörige Musikvideo, das Johan Renck zu verantworten hat, etwas Anderes erzählt. Gibt es diese Woche in ausgewählten Metropolen weltweit Pre-Listening Events um in das kommende achte Album reinzuhören, wird eine in Kürze bevorstehende Veröffentlichung von ÁTTA – wie das neue Studioalbum heißen soll – bereits erwartet. Damit sind die Isländer ganz offiziell zurück und treffen auf eine ausgezehrte Fangemeinde, die jeden neuen Song dankend annimmt.