Freyr - Nicotine Bunker

Freyr – Erfrischend klar

Bisher kennen wir den schwedisch/isländischen Musiker Freyr durch melancholisch, introvertierte Folkballaden, die sich so intim anhören, dass wir uns wünschten, mit ihm einen Abend verbringen und seinen Geschichten lauschen zu können. Doch schon mit der letzten Veröffentlichung American Poster zeigte sich der Singer/Songwriter mit einem helleren Sound und ließ einen Aufbruch erkennen. Nun ist der Musiker mit einer weiteren Single zurück und lässt diese Helligkeit weiter wachsen. Auf Nicotine Bunker singt der Singer/Songwriter von neuen Eindrücken und der Herausforderung, sich zu finden und gleichzeitig offen für Neues zu sein. So nimmt er das Beispiel einer Kommune, in der Tarotkarten gelegt werden, viel geraucht wird und sich alle glückselig übereinander freuen. Auch wenn Freyr selbst Nichtraucher ist und nicht all zu viel mit dem Tarotkartenlegen zu tun hat, kam er mit der Offenheit der Kommune, ihn willkommen zu heißen, in Berührung. Dieses natürliche Vertrauen in den Menschen hat den Musiker tief beeindruckt. Gleichzeitig kündigt Freyr mit Nicotine Bunker auch sein gleichnamiges Debütalbum an, das am 28. Mai erscheinen wird.

Freyr
Freyr

Darauf enthalten, sind neben American Poster auch Avalon, You Want Love und vier weitere Songs. Freyr selbst hat erst heute auf Twitter geschrieben, dass sich seine neun bisher veröffentlichten Songs schon wie ein Album anfühlen. Daher war der Schritt hin, zu seinem Debüt, nur noch ein Katzensprung. Mit der Mischung aus Folk, Singer/Songwriter und einfließenden Elementen des Pop hat Freyr eine starke Richtung in seiner Diskografie vorgegeben. Doch mit nicht einem einzigen Song, der enttäuscht, können wir sicher sein, dass uns sein Debütalbum vom ersten bis zum letzten Track packen, berühren, aufbauen und beruhigen wird. Erstmals hat Freyr mit der Single Nicotine Bunker auch ein offizielles Musikvideo veröffentlicht, das ihn bei einem Pärchen in einem Wohnmobil zeigt, welches ihn am Straßenrand aufgegriffen hat. Mit Nicotine Bunker hat Freyr einmal mehr den gelassenen, warmen Sound seiner Musik und Stimme eingefangen, um ihn uns zu präsentieren.

Alex Somers

Alex Somers – Ein Mastermind wird sichtbar

Er zeigt sich in vielen Gestalten. Mal ist der US-Amerikanische Musiker Alex Somers als Produzent tätig und ist unter anderem verantwortlich für die Sigur Rós-Songs Varúð, Ekki Múkk, Valtari oder die gesamten Songs der Soloplatte Go des Sigur Rós-Frontsängers Jónsi – mit dem er auch das 2009er Album Riceboy Sleep veröffentlichte. Mal zeichnet er sich als Visual Artist für die Alben der isländischen Band verantwortlich. Zusätzlich tritt er noch als Tontechniker, Produzent und Mixer in Erscheinung. Dass die Zusammenarbeit mit der isländischen Band allerdings so üppig ausfällt ist kein Zufall – lebt Alex Somers doch mittlerweile fest in Reykjavík und ist mit Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi – seit nunmehr 18 Jahren leiert. Entstanden sind daraus immer wieder aufregende Projekte und noch viel aufregendere Songs. Nun hat Somers – nachdem er Soundtracks unter anderem für Black Mirror, Captain Fantastic oder Manhattan geschrieben hat – mit Siblings One & Siblings Two sein Debütalbum angekündigt das damit gleichzeitig auch ein Doppelalbum sein wird. Debütalbum deshalb, da Somers erstmals eine Platte unter seinem bürgerlichen Namen rausbringt.

Während ein Großteil der Songs des Doppelalbums zwischen 2014 – 2016 entstanden, verfolgt Somers auf den beiden Platten unterschiedliche Stimmungen. Gleichzeitig zur Ankündigung von Siblings One & Siblings Two veröffentlicht Somers mit Deathbed und Sooner auch jeweils einen ersten Song von jeder Platte. Bereits hier kann man erkennen, dass mit Deathbed deutlich düstere Stimmungen eingefangen werden. Dabei hält sich Somers an das Unperfekte und nimmt einzelne Sounds immer wieder auf, bis so nichts mehr von ihrem sauberen Sound vorweisen können. Gleichzeitig hören wir hier aber auch die starke Nähe zu Sigur Rós heraus, welche durch die wabernden Sounds und einem verschleierten Gesang an die Band erinnert. Mit der zweiten Auskopplung Sooner könnte man fast meinen, einen Song aus der Sigur Rós-Zeit von () (Untitled) zu hören zu bekommen. Mit einem prägnanten Klavierspiel und vertrakteten Stimmelementen kommt eine Stimmung auf, die an das Erwachen von Leben erinnert. Stark kinematographisch beschreibt Somers hier eine akustische Auferstehung, die schließlich wieder in sich zusammenfällt und leise verschwindet. Alex Somers hat damit ein Doppelalbum angekündigt, welches viel Zuspruch erhält und als eine Art Brücke, zwischen Sigur Rós und seinem eigenen Schaffen gesehen werden kann.

Freyr - You Want Love

Freyr – Ein Song, der das Bergpanorama absucht

Es ist ein Song, wie für die Untermalung eines Panoramas gemacht. Da hören wir, wie die sanften Gitarrensaiten ihre Töne vibrierend verbreiten und lauschen entspannt zu Freyr Flodgrens warmer Stimme. Hier kommt unweigerlich ein Bild vor Augen, das von Einsamkeit, Wärme und Ferne geprägt ist. Dass das nicht von ungefähr kommt, zeigt sich in einem Interview Flodgrens, der hier sagt, dass er den Song während eines Aufenthaltes in Vancouver aufgenommen und das Panorama der hohen Berge genossen hat. Mit You Want Love schauen wir also auf ein Bild, in dem sich unzählige Details verstecken. Beeindruckt von den schieren Ausmaßen der Berge, finden wir mal eine Straße, in der aus der Ferne immer wieder Scheinwerfer – wie kleine Glühwürmchen – entlang des Hanges ziehen, mal sind es Wolken, die sich im Berg verhangen zu haben scheinen und jeden Moment einen Schneeschauer auslösen könnten. Die Augen ziehen mit wenigen Bewegungen ihre Kreise auf einer Fläche, die so groß scheint, dass man sich vor Ort darin verlieren würde.

Freyr Flodgren
Freyr Flodgren

Freyr schafft es in seinem neuen Song, genau dieses Gefühl von Neugier, Faszination, Ruhe und Wärme zu verbinden und sorgt für eine Atmosphäre, die sich an uns anzuschmiegen scheint. Hier finden wir Geborgenheit und Gemütlichkeit und hören einen der wohl passendsten Songs für die aktuelle Jahreszeit – in der man sich Abends gerne in eine Decke einkuschelt, die Kerzen anmacht und draußen, auf der anderen Seite des Fensters, das raue Wetter vorbeiziehen sieht. You Want Love ist ein Song, um sich darin zu verlieren und strahlt mit einer Wärme, die von innen heraus kommt. Mit You Want Love veröffentlicht de Schwede mit isländischen Wurzeln – nach Avalon – den zweiten Song aus seinem, für Mai 2021 angekündigten Album, welches uns bereits jetzt das Herz höher schlagen lässt. Freyrs Musik ist ein Schatz, der so pur und authentisch ist, dass man sich ihm und seiner Stimme nur ergeben kann.

Axel Flóvent - You Stay By The Sea

Axel Flóvent – Eine Stimme, wie ein Streichen der Seele

Was tragen die Bewohner skandinarvischer Länder in sich, dass von ihnen so viel tiefgründige, berührende Musik ausgeht. Ob Ásgeir, Sigur Rós, Freyr oder Albert af Ekenstam – nur um einige zu nennen. Alle liefern uns einen Sound, der so tiefgreifend ist und uns emotional einfach enorm berührt. Hier hören wir gebrochene Seelen, wieder auferstehende Persönlichkeiten, die Weite der dünn besiedelten Länder und etwas zurückgezogenes. Auch bei dem Isländer Axel Flóvent erkennen wir all diese Attribute in seiner Musik wieder. Dabei ist der Singer/Songwriter lange gereist, um seinen Lebensmittelpunkt zu finden. Aus dem isländischen Húsavik kommend, das gerade einmal knapp 2.300 Einwohner zählt, zog es in in die Niederländische Hauptstadt Amsterdam. Hat er hier zwar einen Plattenvertrag unterzeichnen können, war ihm die Stadt zu groß. So zog er auf die andere Seite des Ärmelkanals, ins Südenglische Brighton und musste schließlich auch hier feststellen, dass es für ihn keinen emotional reicheren Ort gibt, als seine Heimatstadt. So zog es ihn also wieder nach Húsavik zurück, wo er die Ruhe, die Einsamkeit und die Melancholie wiederfand, um sich an sein Debütalbum zu setzen.

Axel Flóvent - Photo by Magnus Andersen
Axel Flóvent – Photo by Magnus Andersen

Herausgekommen ist You Stay By The Sea, das am 15. Januar 2021 erscheinen wird. Dieses ist mit zwölf eindrucksvollen Songs versehen, die alle unsere innersten Gefühle wachrütteln. Plötzlich sehen wir auf eine kalte See, stehen am Strand im Winter und fühlen den eisig, frischen Wind auf unserer Haut – der mal wie Nadeln sticht, mal erfrischen belebend wirkt. Dabei ist gar nicht wichtig, was wir sehen, wenn wir die Musik Flóvents hören. Vielmehr ist es das, was wir vor unserem inneren Auge sehen und was sich in unserem Kopf abspielt, welches die Musik des jungen Isländers ausmacht. Allesamt bedeuten die Songs einen wertvollen und emotionalen Reichtum an Wahrhaftigkeit, die wir viel zu oft in der Musik suchen. Axel Flóvent öffnet bei uns mit seinen Songs eine Tür zur Reflexion, zum Austausch zwischen unserem äußeren und inneren Ich und transportiert so wunderbar pur die Gefühle, der er gehabt haben muss, als er die Songs schrieb. Hier gibt es nicht einen der zwölf Songs, der auch nur in die Nähe eines mittelmäßigen Songs oder gar darunter kommen würde und verspricht nicht weniger, als eines der angesehensten Folk- und Singer/Songwriter-Alben zu werden, die der Winter 2020/2021 zu bieten hat.

Jónsi feat. Robyn - Salt Licorice

Jónsi feat. Robyn – Sound aus einer Parallelwelt

Es überrascht und ist gleichzeitig wenig überraschend, was Sigur Rós Frontmann Jón ‚Jónsi‘ Þór Birgisson nun, so kurz vor der Veröffentlichung seines zweiten Soloalbums Shiver hier veröffentlicht. Denn war die erste Singleauskopplung Exhale dem Soundmuster Sigur Rós‘ noch sehr nahe, folgte mit Swill bereits ein erster Vorgeschmack auf den Sound, der noch kommen sollte. Hier bekommen wir durch das Zusammenspiel aus Autotune und überfrachteten Soundebenen ein Gefühl davon, wie sehr Jónsi von seiner interdisziplinären Arbeitsweise getrieben ist. Wurde mit Cannibal – eine Zusammenarbeit mit Elizabeth Fraser – Mitte August die dritte Single veröffentlicht, folgt nun, nur zwei Tage vor der Albumveröffentlichungen mit Salt Licorice die vierte Single. Darauf zu finden ist auch die Stimme der schwedischen Königin des Dancefloors – Robyn. Hier kommen zwei Künstler zusammen, die so viel eint und die eigentlich doch so weit auseinander liegen. Beide sind in ihren Bereichen Ikonen im Musikbusiness, arbeiten mit verschiedensten Genres und setzen ihrer Kreativität keine Grenzen. So gilt auch für Robyn das Siegel der interdisziplinären Musik und weist sie damit erstaunliche Parallelen zu dem Isländer auf.

Robyn & Jónsi Robyn & Jónsi

Nun haben die beiden mit Salt Licorice einen Song veröffentlicht, über den Robyn sagt: it is such a cute and perfect pop song. Über die Zusammenarbeit und den Song fügt sie dann noch hinzu, dass sie der Song heftig zum Tanzen, aber auch zum Rummachen animiert. Es brauchte gar keine Überlegung, um zuzusagen, mit Jónsi einen Track zu machen. Zu hören ist abermals ein vertrakteter Song mit verschiedenen Ebenen voller Synthies, Bässen, frickeligen Elektrosounds und den beiden Stimmen von Robyn und Jónsi. Dabei ist der progressive Verlauf des Songs eine Annäherung beider Sounds. Würde der Gesang ohne das Soundbett fast schon in einer Popballade aufgehen, federt er gleichzeitig den rauen Charme der Produktion ab und lässt einen Song entstehen, bei dem man begeistert und verstört zugleich ist. Und genau hier schließt sich der Kreis zum Sigur Rós geprägten Sound des isländischen Masterminds. Erscheint am Freitag – nach zehn Jahren – mit Shiver das zweite Soloalbum des Sängers, wird es die Position Jónsis als einen der großartigsten Künstler unserer Zeit weiter untermauern.

Of Monsters And Men - Visitor

Of Monsters And Men – Schneller, Größer, Weiter

Der Drang nach neuer Musik schien bei der isländischen Folk-Band Of Monsters And Men groß gewesen zu sein. Nachdem ihr drittes Album Fever Dream und die Single Wars gerade erst vor 13 Monaten veröffentlicht wurden, kamen die fünf in Reykjavík lebenden Musiker im August mit einer Coverversion des Post Malone-Songs Circles wieder auf die Bildfläche zurück. Nun haben Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, Ragnar Þórhallsson, Brynjar Leifsson, Kristján Páll Kristjánsson und Arnar Rósenkranz Hilmarsson mit Visitor eine komplett neue Single veröffentlicht und damit den Startschuss für eine ganze Reihe neuer Songs und anderer Inhalte gegeben. Damit wollen Of Monsters And Men das zehnjährige Bandjubiläum feiern und kündigen für das Jahr 2021 noch weitaus mehr Musik an. Visitor ist damit die erste große Veröffentlichung, die ihren einst so reduzierten Folksound weiter in Richtung Stadionsound bringt und gleichzeitig nichts vom sympathischen Gerüst der Musik der Isländer verloren hat.

Of Monsters And Men

Of Monsters And Men

Darin geht es darum, sich von der Welt, wie sie jetzt ist, loszulösen und zu sehen, wie die alte Welt immer weiter verschwindet, sich dabei aber plötzlich als Besucher dieser neuen Welt wahrzunehmen. Geschrieben wurde der Song lange vor der Pandemie und doch passt der Song, als hätte die Band geahnt, was kommen würde. Haben sie das Musikvideo noch vor dem großen Ausbruch im Februar in Island aufgenommen, präsentiert die Band ihren Fans nun diesen so erschreckend passenden, wie großartigen Song. Mit großen Gesten, einem schnellen Schlagzeug und voluminösen Synthies ist Visitor ein Song für die ganz große Bühne. Nach ihrem Kritikerliebling Fever Dream, sowie dem Debütalbum My Head Is An Animal (2011) und dem zweiten Album Beneath The Skin (2015) – von dem die starken Singles Crystals, I Of The Storm und Wolves Without Teeth kamen – könnte sich 2021 damit anstelle eines neuen Albums ein erstes Best-Of-Album ankündigen. Mit Visitor holen uns Of Monsters And Men – auch wenn es kein neues Studioalbum geben sollte – zumindest akustisch mit einem frischen Sound ab und lassen uns im kommende Jahr auf spannendes, neues Material hoffen.

Jónsi - Swill

Jónsi – Progressiv, futuristischer Sound

Mit seiner ersten Singleauskopplung Exhale hat Jónsi uns im April überrascht und gleichzeitig auf einen neuen Sound vorbereitet. Denn hier präsentierte uns der isländische Künstler eine moderne und frische Hymne, die hier und da in den Pop zu rutschen schien. Nun hat der Musiker – nach seiner Kollaboration mit Julianna Barwick auf In Light – eine zweite Single seines kommenden Soloalbums Shiver veröffentlicht und setzt abermals auf einen ungewöhnlichen Sound. Mit einem progressiven Anfangsbeat singt sich Jónsi auf Swill mit Hilfe von Autotune-Elementen durch einen auffällig hellen Song. Dabei ist auch der Hintergrund des Songs eher auf eine lockere Art zu sehen. Hat sich Jónsi doch auf Swill damit auseinandergesetzt, wie es ist, wenn man einen Abend zu viel getrunken hat, etwas Dummes tut und sich damit zum Narren macht. Mit dem futuristischen Sound des britischen Produzenten A. G. Cook – der sich unter anderem für die letzten beiden Alben und letzten beiden Mixtapes von Charli XCX verantwortlich zeichnet – hat Jónsi es geschafft, dem Song eine freundliche Stimmung zu verleihen. Damit einhergehend, hat der Sigur Rós-Sänger nun auch das Veröffentlichungsdatum seines zweiten Soloalbums angekündigt. Shiver wird am 2. Oktober erscheinen und damit zehn Jahre nach seinem Solodebüt Go veröffentlicht. Die Songs des Albums sind hauptsächlich während der vergangenen zehn Jahre entstanden, wenngleich auch Songs auf dem Album enthalten sein werden, die bereits vor 15 Jahren – und damit in der Hochzeit seiner Band Sigur Rós – entstanden sind. Während der Musiker in den vergangenen zehn Jahren zwei Alben mit seiner isländischen Band veröffentlicht hat, kamen in den vergangenen Jahren auch immer häufiger Nebenprojekte dazu. So hat der Musiker zusammen mit dem Schweden Carl Michael von Hausswolff das Projekt Dark Morph gestartet und zwei Alben veröffentlicht. Gleichzeitig tritt Jónsi aber auch immer öfter als Visual Artist auf und hatte in Los Angeles bereits Ausstellungen mit seinen Installationen. Das alles gibt dem Musiker die Möglichkeit, Inspirationen zu sammeln, die er in seiner Musik verarbeitet. Auf Swill hört man diese Einflüsse wunderbar heraus und lässt der Track auf ein Album hoffen, bei dem man mit Acts, wie Robyn und Liz Fraser zusätzliche aufhorchen kann.

Julianna Barwick feat. Jónsi - In Light

Julianna Barwick feat. Jónsi – Wie ein Papierschiff im reißenden Bergbach

Die Magie geht weiter. So könnte man diesen Beitrag nach dem gestrigen von Markéta Irglová und Emiliana Torrini mit ihrem Song Quintessence betiteln. Denn auch heute präsentiert SOML eine Kollaboration von zwei so großartigen Musizierenden, dass man schon jetzt förmlich ins Schwärmen kommt. Auf In Light treffen sich keine Geringeren, als die amerikanische Musikerin Julianna Barwick und der isländische Kopf der Band Sigur Rós – Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi. Barwick ist über die vergangenen zehn Jahre durch ihren Sound immer bekannter geworden. Dieser setzt sich aus losen Gesangsfetzen und einer Musikkomposition zusammen, die durch den Einsatz einer Loop-Station umrahmt wird. Dabei nutzt Barwick die Loop-Station so gekonnt, dass sich fast schon eine Art musikalischer Sturm entfaltet und im Surroundsound erst so richtig aufgeht. Nach ihren Alben The Magic Place (2011), Nepenthe (2013) und Will (2016) steht nun für den 10. Juli ihr viertes Studioalbum Healing Is A Miracle an. Inspiriert vom Heilungsprozess, in den der Mensch sich selbst versetzen kann, kommt es auf den Songs zu großen cineastischen Momenten voller Gefühl und lebendigen Bildern. Auf ihrer neuen Single In Light wird Barwick von Jónsi begleitet, der gerade selbst vor der Veröffentlichung eines neuen Soloalbums steht und mit seinem zarten, introvertierten und zerbrechlichen Gesang für eine Stimmung sorgt, die immer wieder aufs Neue berührt.

Auf Healing Is A Miracle arbeitete Barwick mit dem Produzenten und Jónsis Lebenspartner Alex Somers zusammen, der ihr für dieses Album Monitorboxen schenkte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Ambient-Musikerin all ihre Songs ausschließlich mit Kopfhörern aufgezeichnet. Mit der neuen Erfahrung, ihre Musik auf Lautsprechern – und damit den Raum füllend – zu hören, kam es bei der Sängerin zu einem ganz neuen Erlebnis ihrer Musik. Hinzu kommt, dass für Barwick ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen ist, mit Jónsi zusammen einen Song einzuspielen. Herausgekommen ist ein sechsminütiger Track, in dem sich nicht nur die verschiedenen Einflüsse der beiden Musizierenden widerspiegelt, sondern auch das einzigartige Gefühl, welches die Beiden immer wieder so wunderbar transportieren können. Mit langsamen Perkussions, wiederholenden Gesangsfetzen und einem aufbauenden, allumfassenden Sound, ist In Light so warm, groß und zugleich klein, dass man sich ergriffen und gleichermaßen bestärkt fühlt. Als würde ein Papierschiff in den reißenden Fluten eines Bergbachs die Oberhand behalten, fließt In Light förmlich durch enge Passagen voller Geröll um anschließend sanft durch weite, ruhige Bachläufe zu gleiten. Mit ihrem, am 10. Juli erscheinenden, neuem Album werden wir hoffentlich noch weitere solcher großartigen Songs hören.

Markéta Irglová feat. Emiliana Torrini & Aukai - Quintessence

Markéta Irglová feat. Emiliana Torrini & Aukai – Ein Lied von einer Kurzgeschichte voller Gefühle

Es gibt nicht viele Künstlerinnen und Künstler, die eine Magie ausstrahlen, die alles und jeden mit sich zieht. Markéta Irglová ist so eine Künstlerin. Sie ist nicht nur eine begnadete Pianistin, sondern besitzt auch eine Aura, die von Unabhängigkeit, Sanftmütigkeit und Reinheit geprägt ist. Von Glen Hansard – dem irischen Frontsänger von The Frames – 2001 in Tschechien entdeckt, baute er die damals 13-jährige Musikerin immer weiter auf und nahm sie mit nach Irland. Als Irglová 18 Jahre alt war, veröffentlichten sie zusammen mit Hansard unter dem Bandnamen The Swell Season das gleichnamige Debütalbum. Nur ein Jahr später folgte mit dem Film Once ein packendes Drama darüber, wie die beiden Musizierenden sich versuchen über Wasser zu halten. Diese Zusammenarbeit mündete schließlich in eine Oscar-Prämierung für den besten Titelsong eines Films. Es folgte mit Strict Joy 2009 noch eine weitere Veröffentlichung unter dem Bandnamen The Swell Seasons, ehe Irglová 2011 nach New York zog und nur ein Jahr später nach Island. Seit ihrer Entdeckung durch Hansard hat die Musikerin – die man durchaus als Autodidaktin bezeichnen kann – viel gelernt. Neben den Sprachen Englisch und Isländisch – die sie jeweils fließend beherrscht – kam auch das Spielen unterschiedlichster Instrumente hinzu. In Island angekommen, ist sie mittlerweile verheiratet, hat drei Kinder und macht weiterhin Musik, die sich an Künstlern, wie Sigur Rós und Emiliana Torrini orientiert.

Mit Letzterer hat Irglová nun einen gemeinsamen Song aufgenommen der sich mit einem mächtigen Gefühl von Hilflosigkeit und Besinnung zu unserer Natur beschäftigt. Torrini ist bereits vor einigen Jahren eine gute Freundin Irglovás geworden und besitzt eine ganz ähnliche Magie, wie Irglová. Mit ihrer sanften Stimme, dem organischen Sound in ihrer Musik und dem unglaublich warmen Gefühl ihrer Lieder, war für Irglová klar, dass nur Torrini als Hauptstimme des Songs Quintessence in Frage kommen kann. Hier begleitet Irglová die isländische Sängerin ausschließlich im Chorus und möchte damit ein Gefühl von Verbündung in den Song bringen. Markus Sieber – der als Aukai für eine Ambient-Soundstimmung steht und bereits mehrfach als Fusion aus Gustavo Santaollala und Ludovica Einaudi betitelt wurde – steuert schließlich die Atmosphäre bei. Herausgekommen ist ein fast zehnminütiger Song, der sich mit einer leisen Gewalt in unser Herz arbeitet. Durch ihn können wir heraushören, was Irglová in den vergangenen Monaten – als die Menschheit durch die größte Gesundheitskrise der Neuzeit gegangen ist – durch den Kopf ging. Von Angst und Panik, bis hin zu Erinnerungen an ihre Kindheit – bei der sie sich vor der Pandemie das letzte Mal so ruhig und machtlos gefühlt hat – lässt uns die Sängerin an einem Stück Musik teilhaben, welches weitaus mehr ist, als nur ein Lied. Irglová schafft es tiefe Gefühle zu wecken, gibt ihnen einen Raum sich zu entfalten, ehe sie gleichermaßen angemessen den Rückzug antritt. Quintessence ist eine Kurzgeschichte unseres eigenen Gefühls und zeigt eindrucksvoll, warum von Irglová und Torrini so eine Magie ausgeht.

Freyr - I'm Sorry (EP)

Freyr – Deine Geschichten in seiner Musik

Es beginnt mit einem simplen Hi, wenn man auf auf die Seite des isländisch/schwedischen Sängers Freyr Flodgren geht. Ein Hi und einem tiefen, sympathischen Gesicht mit stahlblauen Augen. Unter diesem Hi fängt Flodgren an, seine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die sich von seinem sechsten Lebensjahr an mit Musik beschäftigt. Vom Erlernen des ersten Musikinstrumentes – einer Flöte, über den Besuch der Umeå Music Classes, die als Schulform den normalen Schulbetrieb plus einem ausgeprägten musikalischen Gewicht besitzt. Hier lernen die Schülern vom Songwriting über das Spielen von Instrumenten, bis hin zum Vernetzung mit anderen Musikern alles, um sich kreativ komplett ausleben zu können. Flodgren lebte, bis zu seinem 16. Geburtstag, mit seinen Eltern in Umeå – einer Stadt im Norden Schwedens, in der es im Sommer nur dreieinhalb Stunden der Dämmerung verfällt und im Winter nur viereinhalb Stunden Sonnenlicht gibt.

Als sich seine Eltern entschieden, nach London zu ziehen, blieb Flodgren. Die Eltern vermieteten ihr Haus an ihren Sohn und weitere Studenten, aus dem schließlich ein Kollektiv entstand. Im Kopf einen Schritt weiterzugehen und das Elternhaus – mit all seinen Erinnerungen – nun mit anderen, jungen Menschen zu teilen, bedeutet auch viele der ganz persönlichen Erinnerungen mit Neuen vermischen zu sehen. Oftmals geht damit eine melancholisch, motivierende Stimmung einher, die sich nun in Flodgrens Debüt-EP I’m Sorry wiederfindet. So beschreibt Flodgren seine sanfte, warme und melancholische Musik mit den Worten Ich habe eine Leidenschaft für Musik die atmet – die unabhängig vom Genre ist – und bevorzuge akustische Musik, die von erfahrenen Musikern auf echten Instrumenten gespielt wird. Ich mag es, wenn meine Musik den Hörer nachhaltig beeinflusst und nicht nur ein Ohrwurm ist. Entweder indem man ein Gefühl für die Harmonien hervorruft, eine Atmosphäre mit den Texten schafft oder versucht, dem Publikum eine Reflexion über die Dinge zu vermitteln, die im Leben wichtig sind. Ich schreibe Musik für andere. Über seine Debüt-EP sagte er noch Musik soll einfach, unterhaltsam und zugänglich sein. Es geht nicht darum, einen Charakter zu spielen. Es geht darum, einfach nur man selbst zu sein und sich über seine Gefühle bewusst zu werden. Das versuche ich zu tun. Das gelingt dem Musiker so wunderbar, dass mit den ersten Harmonien der EP ein Gefühl, von Intimität, Gefühl und Wärme aufkommt, die einem sofort in eine Art sicheren Raum einschließt, aus dem Emotionen ungeniert erwachen können.

Es sind die verschiedenen Instrumente – im Zusammenspiel mit Flodgrens Stimme (die an Künstler, wie José González oder Ben Howard erinnert) – die den einzelnen Songs Over My HeadI’m SorryNeighbour Boy, Ride The Stream und I’m Here diese ganz besondere Stimmung verleihen. Irgendwo zwischen einer verletzten Seele – die selbst schon das dunkelste Licht gesehen hat – bis zu einem friedlich, harmonischen Lagerfeuer Moment, besitzt die EP eine großartige Weite an Emotionen und erzeugt ganz von selbst Geschichten, die unser ganz persönliches Leben bereits geschrieben hat und wir nun daraus erzählen können. Zurück auf Freyr Flodgrens Homepage – der seine Musik einfach unter dem Namen Freyr veröffentlicht – schauen uns diese blauen Augen und das warme Gesicht eindringlich an und bedeuten mit einem simplen Hi so viel mehr, als nur das Oberflächliche. Freyr macht Musik, die berührt und beruhigt und eine enorme Wärme schafft. Seine Debüt-EP I’m Sorry erscheint am 3. Juli.