The Best Of 2020 Vol. 14

The Best Of 2020 Vol.: 14

01. Roosevelt – Echoes (zum Artikel)

02. Aluna – Envious (zum Artikel)

03. SG Lewis feat. Robyn & Channel Tres – Impact (zum Artikel)

04. Amy MacDonald – The Hudson (zum Artikel)

05. Blu DeTiger – In My Head

06. Romy – Lifetime (zum Artikel)

07. London Grammar – Californian Soil (zum Artikel)

08. Bicep – Apricots (zum Artikel)

09. Polo & Pan – Feel Good (zum Artikel)

10. Hugo Barriol – Stay

11. James Vincent McMorrow with Kenny Beats – I Should Go (zum Artikel)

12. Jono McCleery – Call Me (zum Artikel)

13. Freyr – Avalon (zum Artikel)

14. SYML – I Wanted To Leave (zum Artikel)

15. Novaa – The Futurist (zum Artikel)

16. Mallrat – Rockstar (zum Artikel)

17. The Japanese House feat. Justin Vernon – Dionne (zum Artikel)

18. Maxïmo Park – Child Of The Flatlands

19. Spoon And The Forkestra – Pirates (zum Artikel)

20. Jónsi feat. Robyn – Salt Licorice (zum Artikel)

Jónsi feat. Robyn - Salt Licorice

Jónsi feat. Robyn – Sound aus einer Parallelwelt

Es überrascht und ist gleichzeitig wenig überraschend, was Sigur Rós Frontmann Jón ‚Jónsi‘ Þór Birgisson nun, so kurz vor der Veröffentlichung seines zweiten Soloalbums Shiver hier veröffentlicht. Denn war die erste Singleauskopplung Exhale dem Soundmuster Sigur Rós‘ noch sehr nahe, folgte mit Swill bereits ein erster Vorgeschmack auf den Sound, der noch kommen sollte. Hier bekommen wir durch das Zusammenspiel aus Autotune und überfrachteten Soundebenen ein Gefühl davon, wie sehr Jónsi von seiner interdisziplinären Arbeitsweise getrieben ist. Wurde mit Cannibal – eine Zusammenarbeit mit Elizabeth Fraser – Mitte August die dritte Single veröffentlicht, folgt nun, nur zwei Tage vor der Albumveröffentlichungen mit Salt Licorice die vierte Single. Darauf zu finden ist auch die Stimme der schwedischen Königin des Dancefloors – Robyn. Hier kommen zwei Künstler zusammen, die so viel eint und die eigentlich doch so weit auseinander liegen. Beide sind in ihren Bereichen Ikonen im Musikbusiness, arbeiten mit verschiedensten Genres und setzen ihrer Kreativität keine Grenzen. So gilt auch für Robyn das Siegel der interdisziplinären Musik und weist sie damit erstaunliche Parallelen zu dem Isländer auf.

Robyn & Jónsi Robyn & Jónsi

Nun haben die beiden mit Salt Licorice einen Song veröffentlicht, über den Robyn sagt: it is such a cute and perfect pop song. Über die Zusammenarbeit und den Song fügt sie dann noch hinzu, dass sie der Song heftig zum Tanzen, aber auch zum Rummachen animiert. Es brauchte gar keine Überlegung, um zuzusagen, mit Jónsi einen Track zu machen. Zu hören ist abermals ein vertrakteter Song mit verschiedenen Ebenen voller Synthies, Bässen, frickeligen Elektrosounds und den beiden Stimmen von Robyn und Jónsi. Dabei ist der progressive Verlauf des Songs eine Annäherung beider Sounds. Würde der Gesang ohne das Soundbett fast schon in einer Popballade aufgehen, federt er gleichzeitig den rauen Charme der Produktion ab und lässt einen Song entstehen, bei dem man begeistert und verstört zugleich ist. Und genau hier schließt sich der Kreis zum Sigur Rós geprägten Sound des isländischen Masterminds. Erscheint am Freitag – nach zehn Jahren – mit Shiver das zweite Soloalbum des Sängers, wird es die Position Jónsis als einen der großartigsten Künstler unserer Zeit weiter untermauern.

Japonica - Hygge

Japonica – Musik für sich selbst

Es klingt wie das gleichmäßige Plätschern eines Baches. Wenn der Strom aus Wasser – der kleine Äste und Blätter mit sich trägt – bei Engstellen aus Steinen plötzlich das Plätschern hörbar macht. Aufgesaugt von der umgebenen Geräuschkulisse stellt sich so ein Gefühl von Ruhe und Ausgeglichenheit ein, die uns immer wieder an diesen Ort zurückkommen lässt. Doch was ist, wenn wir diesen Moment durch Musik erzeugen könnten? Bands, wie Sigur Rós, schaffen es solche Gefühle zu wecken. Doch während von den Isländern, um Frontmann Jónsi, seit ihrem letzten Album Kveikur (2013) keine neue Musik mehr erschienen ist, schaffen es Bands, wie Japonica, in deren Fußstapfen zu treten. Dabei gibt es nicht viele Informationen über die Band selbst zu berichten – sind doch die Angaben auf ein Kollektiv aus London begrenzt. Wer dahinter steckt, ist unbekannt. Doch dafür ist es die Musik, die so viel mehr erzählt. Bereits vor knapp zehn Monaten ist ihr Debütalbum Into The Kaleidoscope in digitaler Form erschienen, im Mai sollte schließlich die Vinylveröffentlichung folgen. Nun hat sich alles etwas nach hinten verschoben und wurden die Platten jetzt erst rausgeschickt. Das Warten hat sich gelohnt!

Japonica - Into The Kaleidoscope
Japonica – Into The Kaleidoscope

Mit sanft, sphärischen Tönen, naturnahen Sounds und einem homogenen Gesang begeistern Japonica gleich zu Beginn ihrer Platte. Mit der Single Hygge und dem damit verbundenen dänischen Wort für Glück, Zufriedenheit und Gemütlichkeit schaffen Japonica Raum für genau diese Attribute. Ihr Sound klingt voll, warm und streichelt die Seele mit jeder weiteren Minute ihres Albums. Ob an kalten Herbst- oder Wintertagen, in der auflebenden Frühlingszeit oder dem satten Sommer – Into The Kaleidoscope ist das musikalische Gefühl, das wir alle suchen, wenn wir in uns selbst Schutz suchen. Japonica schaffen es uns zu wärmen und stehen den Isländer von Sigur Rós bereits auf ihrem Debütalbum in nichts nach. Während die physischen Tonträger ihres Debütalbums ausschließlich über die Website der Band vertrieben werden, kann Into The Kaleidsocope digital überall dort gekauft und gehört werden, wo wir es gewohnt sind.

The Best Of 2020 Vol.: 10

The Best of 2020 Vol.: 10

01. Alok & Bruno Martini feat. Zeeba – Hear Me Now

02. Amtrac feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Radical (zum Artikel)

03. Bronson feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Dawn (zum Artikel)

04. Caro Emerald – Wake Up Romeo (zum Artikel)

05. Kraak & Smaak feat. Imugi- Sommeron (Satin Jackets Remix) (zum Artikel)

06. Dream Wife – Temporary (zum Artikel)

07. Hollow Coves – Evermore (zum Artikel)

08. Melanie C – Blame It On Me (zum Artikel)

09. Howling – Healing (zum Artikel)

10. Julianna Barwick feat. Jónsi – In Light (zum Artikel)

11. Myd – Together We Stand (zum Artikel)

12. Parov Stelar – Brass Devil (zum Artikel)

13. Kodaline – Sometimes (zum Artikel)

14. Markéta Irglová feat. Emiliana Torrini & Aukai – Quintessence (zum Artikel)

15. Alex The Astronaut – Banksia (zum Artikel)

16. Fatboy Slim – Praise You (Purple Disco Machine Extended Remix)
Jónsi - Swill

Jónsi – Progressiv, futuristischer Sound

Mit seiner ersten Singleauskopplung Exhale hat Jónsi uns im April überrascht und gleichzeitig auf einen neuen Sound vorbereitet. Denn hier präsentierte uns der isländische Künstler eine moderne und frische Hymne, die hier und da in den Pop zu rutschen schien. Nun hat der Musiker – nach seiner Kollaboration mit Julianna Barwick auf In Light – eine zweite Single seines kommenden Soloalbums Shiver veröffentlicht und setzt abermals auf einen ungewöhnlichen Sound. Mit einem progressiven Anfangsbeat singt sich Jónsi auf Swill mit Hilfe von Autotune-Elementen durch einen auffällig hellen Song. Dabei ist auch der Hintergrund des Songs eher auf eine lockere Art zu sehen. Hat sich Jónsi doch auf Swill damit auseinandergesetzt, wie es ist, wenn man einen Abend zu viel getrunken hat, etwas Dummes tut und sich damit zum Narren macht. Mit dem futuristischen Sound des britischen Produzenten A. G. Cook – der sich unter anderem für die letzten beiden Alben und letzten beiden Mixtapes von Charli XCX verantwortlich zeichnet – hat Jónsi es geschafft, dem Song eine freundliche Stimmung zu verleihen. Damit einhergehend, hat der Sigur Rós-Sänger nun auch das Veröffentlichungsdatum seines zweiten Soloalbums angekündigt. Shiver wird am 2. Oktober erscheinen und damit zehn Jahre nach seinem Solodebüt Go veröffentlicht. Die Songs des Albums sind hauptsächlich während der vergangenen zehn Jahre entstanden, wenngleich auch Songs auf dem Album enthalten sein werden, die bereits vor 15 Jahren – und damit in der Hochzeit seiner Band Sigur Rós – entstanden sind. Während der Musiker in den vergangenen zehn Jahren zwei Alben mit seiner isländischen Band veröffentlicht hat, kamen in den vergangenen Jahren auch immer häufiger Nebenprojekte dazu. So hat der Musiker zusammen mit dem Schweden Carl Michael von Hausswolff das Projekt Dark Morph gestartet und zwei Alben veröffentlicht. Gleichzeitig tritt Jónsi aber auch immer öfter als Visual Artist auf und hatte in Los Angeles bereits Ausstellungen mit seinen Installationen. Das alles gibt dem Musiker die Möglichkeit, Inspirationen zu sammeln, die er in seiner Musik verarbeitet. Auf Swill hört man diese Einflüsse wunderbar heraus und lässt der Track auf ein Album hoffen, bei dem man mit Acts, wie Robyn und Liz Fraser zusätzliche aufhorchen kann.

Julianna Barwick feat. Jónsi - In Light

Julianna Barwick feat. Jónsi – Wie ein Papierschiff im reißenden Bergbach

Die Magie geht weiter. So könnte man diesen Beitrag nach dem gestrigen von Markéta Irglová und Emiliana Torrini mit ihrem Song Quintessence betiteln. Denn auch heute präsentiert SOML eine Kollaboration von zwei so großartigen Musizierenden, dass man schon jetzt förmlich ins Schwärmen kommt. Auf In Light treffen sich keine Geringeren, als die amerikanische Musikerin Julianna Barwick und der isländische Kopf der Band Sigur Rós – Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi. Barwick ist über die vergangenen zehn Jahre durch ihren Sound immer bekannter geworden. Dieser setzt sich aus losen Gesangsfetzen und einer Musikkomposition zusammen, die durch den Einsatz einer Loop-Station umrahmt wird. Dabei nutzt Barwick die Loop-Station so gekonnt, dass sich fast schon eine Art musikalischer Sturm entfaltet und im Surroundsound erst so richtig aufgeht. Nach ihren Alben The Magic Place (2011), Nepenthe (2013) und Will (2016) steht nun für den 10. Juli ihr viertes Studioalbum Healing Is A Miracle an. Inspiriert vom Heilungsprozess, in den der Mensch sich selbst versetzen kann, kommt es auf den Songs zu großen cineastischen Momenten voller Gefühl und lebendigen Bildern. Auf ihrer neuen Single In Light wird Barwick von Jónsi begleitet, der gerade selbst vor der Veröffentlichung eines neuen Soloalbums steht und mit seinem zarten, introvertierten und zerbrechlichen Gesang für eine Stimmung sorgt, die immer wieder aufs Neue berührt.

Auf Healing Is A Miracle arbeitete Barwick mit dem Produzenten und Jónsis Lebenspartner Alex Somers zusammen, der ihr für dieses Album Monitorboxen schenkte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Ambient-Musikerin all ihre Songs ausschließlich mit Kopfhörern aufgezeichnet. Mit der neuen Erfahrung, ihre Musik auf Lautsprechern – und damit den Raum füllend – zu hören, kam es bei der Sängerin zu einem ganz neuen Erlebnis ihrer Musik. Hinzu kommt, dass für Barwick ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen ist, mit Jónsi zusammen einen Song einzuspielen. Herausgekommen ist ein sechsminütiger Track, in dem sich nicht nur die verschiedenen Einflüsse der beiden Musizierenden widerspiegelt, sondern auch das einzigartige Gefühl, welches die Beiden immer wieder so wunderbar transportieren können. Mit langsamen Perkussions, wiederholenden Gesangsfetzen und einem aufbauenden, allumfassenden Sound, ist In Light so warm, groß und zugleich klein, dass man sich ergriffen und gleichermaßen bestärkt fühlt. Als würde ein Papierschiff in den reißenden Fluten eines Bergbachs die Oberhand behalten, fließt In Light förmlich durch enge Passagen voller Geröll um anschließend sanft durch weite, ruhige Bachläufe zu gleiten. Mit ihrem, am 10. Juli erscheinenden, neuem Album werden wir hoffentlich noch weitere solcher großartigen Songs hören.

The Best Of 2020 Vol.: 07

The Best Of 2020 Vol.: 07

01. Aquilo – Sober (zum Artikel)

02. Ten Kills The Pack – Barcelona (zum Artikel)

03. Spoon And The Forkestra – Mosquitoes (zum Artikel)

04. Girl In Red – Midnight Love (zum Artikel)

05. Lie Ning – Tonight (zum Artikel)

06. Jónsi – Exhale (zum Artikel)

07. Howling – Bind (zum Artikel)

08. Woodkid – Goliath (zum Artikel)

09. Clueso – Tanzen (zum Artikel)

10. Washed Out – Too Late (zum Artikel)

11. Sébastien Tellier – Domestic Tasks (zum Artikel)

12. Duke Dumont & Say Lou Lou – Nightcrawler (zum Artikel)

13. Alfie Templeman – Happiness In Liquid Form (zum Artikel)

14. Angels & Airwaves – All That’s Left Is Love (zum Artikel)

15. Everything Everything – In Birdsong (zum Artikel)

16. Sea Girls – Ready For More

17. Florence + The Machine – Light Of Love (zum Artikel)

18. Sultans Court – Good Enough (zum Artikel)

19. The Streets & Tame Impala – Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better (zum Artikel)

20. Armand van Helden – My My My

Jónsi – Exhale

Jónsi – Neue Musik abseits von Sigur Rós

Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi ist der Frontsänger der legendären isländischen Post-Rockband Sigur Rós. Mit ihr hat der 45-jährige Sänger und Komponist in den vergangenen 26 Jahren für so wundervolle Songs, wie Svefn-g-englar (1999), Untitled #1 (2003), Hoppípolla (2005), Sæglópur (2006) oder Gobbledigook (2008) gesorgt. Dass Sigur Rós ihre Hochzeit in den 2000ern hatte, zeigt sich deutlich an den Veröffentlichungsrhythmen, den Chartplatzierungen und welche Songs die Musikgeschichte beeinflusst haben. Selbst ein Auftritt bei den Simpsons war 2013 drin. Gibt es seit 2013 – abgesehen von Remix-Alben – mit Óveður und Á nur zwei einzelne Songveröffentlichungen, ist es zunehmend ruhiger um die Band geworden. So tritt Frontsänger Jónsi nun, nach Riceboy Sleeps (2009) und Go (2010), ein weiteres Mal solo in Erscheinung und veröffentlicht mit Exhale einen neuen Song. Anders, als bei Sigur Rós singt Jónsi hier nicht auf isländisch oder gar in der eigens erfundenen Sprache Hopelandic, sondern nutzt Englisch als Sprache des Ausdrucks. Hierbei zeigt Jónsi sich musikalisch deutlich offener und verbindet den typischen Ambient und Post-Rock Sound mit einem schnelleren Beat, der einen Höhepunkt andeutet, jedoch nur zögerlich zum diesem führt. Schließlich geht Exhale in einem elektronischen Beat mit großer Instrumentierung auf und wird damit zu einer modernen Hymne, die durchaus überraschend und frisch klingt. Exhale führt den Sound Jónsis Solomusik wie auch dem seiner Band Sigur Rós fort und lässt diese in einem fast schon poppig klingenden Gewand aufgehen. Diese Kreativität lässt – abseits all seinen Nebenprojekte – auf ein großartiges neues Album hoffen.