Moonlight Breakfast – Dreamdance im Breitwandformat

Beim Hören von Look Up wird man das Gefühl nicht los, dass einem der Song irgendwie schon mal begegnet ist. Hört man sich die Stimme von Frontsängerin Christie an, verstärkt sich dieses Gefühl sogar noch einmal. Dabei sind Moonlight Breakfast aus Bukarest dies trotz ihres Newcomer Status überhaupt nicht mehr. Schließlich gibt es die rumänische Band bereits seit 214 und konnten sie als Support von Jamiroquai, Hurts und Macy Gray spielen und sind bei der Abschlusskundgebung der Olympischen Spiele in Sotschi aufgetreten. Noch dazu haben sie mit ihren 2014er und 2016er Alben Shout und Time einen Soundmix aus Dreampop, Elektro mit Anleihen von Swing und Jazz kreiert. In den letzten beiden Jahren folgten dann mit Go Get It und Bonjour zwei neue Singles. Diese werden jetzt durch die dritte Auskopplung Look Up verstärkt und bauen damit ein ganz neues Soundgerüst für das kommende Album auf. Mit einer deutlichen Annäherung zu Elektro- und Dreampop haben Moonlight Breakfast mit Look Up eine wunderbare Easy Listening Single veröffentlicht, die sich mal opulent und episch, mal heimelig und ganz Indie anhört. Dabei erinnert die Musik immer auch ein wenig an Claire, Cosby oder dem schwedischen Jazz-Duo Koop. So lädt Look Up zum schwelgen fallen lassen ein.

Advertisements

Mallrat – Durch den Supermarkt rauschen

Mallrat ist 19 Jahre alt und hat bereits mit den Singles Better und Uninvited für viel Furore gesorgt. Mit ihrem sonnig, leichten Elektropop begeistert die Australierin immer wieder und sorgt nun mit ihrer neuesten Single Groceries einmal mehr dafür, dass man sich wünscht, mit der Sängerin auf dem Supermarktparkplatz abzuhängen. Mit einer Gitarre beginnend, kommt auf Groceries Mallrats Gesang dazu und baut sich in den nächsten dreieinhalb Minuten zu einer positiven Indie-Pop-Hymne auf. Dabei schafft es Mallrat locker und unbeschwert zu klingen und wird in ihrem Heimatland gerade auch wegen ihres eigenwilligen Gesangsstils als rappende Sängerin gehandelt. Seit Jahren nur noch in ihre Musik vertieft, reiste sie bereits seit drei Jahren nicht mehr durch die Welt. Nun ist ihr nächster Schritt, nach Los Angeles zu ziehen, um ihre Musikkarriere voranzutreiben. Mit Uninvited, Better und Groceries im Gepäck dürfte ihr das nicht all zu schwer fallen. SOML ist bereits Fan und freut sich auf alles was kommen mag.

Years & Years – Sie heiligen die neue Single

2015 waren sie plötzlich da – die britische Band Years & Years. Mit großen Popsongs wie Desire, King, Shine oder der Kollaboration mit The Magician auf Sunlight hatten die Jungs um Frontmann Olly Alexander es bis auf Platz 1 der britischen und europaweiten Charts geschafft. Hat Alexander von Beginn an keinen Hehl um seine sexuelle Orientierung gemacht, flossen diese Einflüsse direkt in die Musik und Videos der Band ein. Dabei sieht sich die Band als Vermittler der LGBT-Community. Nicht übertrieben aber immer hartnäckig lassen Years & Years dabei Tabus fallen. Auf ihrer, gestern veröffentlichten, neuen Single Sanctify klingen sie daher noch etwas extrovertierter und nutzen die Aufmerksamkeit, um Alexanders Erfahrungen mit Männern zu thematisieren. Weniger aus der Ich-Perspektive, denn viel mehr als erzählender Beobachter singt Alexander darüber, wie es ist Männer zu treffen, die sich selbst als heterosexuell beschreiben aber sich in der Gegenwart eines anziehenden Mannes nicht so verhalten und so mit ihrer eigenen Sexualität hadern. Dabei bedienen sich Years & Years auf Sanctify des Synthiepops, Elektro- und Dancepops. All das vermischt sich auf Sanctify zu einem energetischen Popsong, der so eingängig wie mitreißend ist und im Kopf bleibt. Years & Years wollen Spaß haben und klingen, trotz der hohen Erwartungshaltung an ihr neues Album, so gelassen und frisch, dass auch das Nachfolgealbum, des Millionensellers Communion, eine Hitgarantie besitzt.

Fever Ray – Ein Alias der Kreativität

Es gibt viele Wege, diese Stimme vorzustellen. Karin Dreijer Andersson, Fever Ray, eine Hälfte von The Knife oder Karin Elisabeth Dreijer. Alle führen zur selben Person – denn die schwedische Sängerin ist unter all diesen Namen aktiv. Und selbst hier könnte man die Liste noch verlängern, so hat Dreijer unter anderem bei Songs von Röyksopp und Deus mitgewirkt. Immer gleich bliebt allerdings Dreijers markante, einzigartige Stimme. Diese changiert irgendwo zwischen fernöstlichem Klang und südenglischem Akzent. Mit Fever Ray hatte Dreijer bereits Anfang 2009 ein Album veröffentlicht, das durch dunklen Elektro-Pop auffiel. Dies sollte für Jahre das einzige Album unter diesem Namen bleiben. Doch als sich die Geschwister Dreijer – das Duo The Knife bestand aus Karin und ihrem Bruder Olof Dreijer – schließlich 2014 für eine Auflösung der Band entschieden, wurde wieder Platz für längst vergangene Projekte. Und so gab es vor einigen Tagen die überraschende Veröffentlichung eines zweiten Albums unter dem Alias Fever Ray. Die Zeit zwischen beiden Alben sollte nicht unbemerkt am Sound Fever Rays vorbeigehen. So ist ihr nun veröffentlichtes Album Plunge deutlich mehr von Synthesizern geprägt und hat mehr verfrickelte Nuancen zu bieten. Auch klingt Dreijer stimmlich weicher und präsenter denn je. Die erste Singleauskopplung To The Moon And Back hört sich daher deutlich poppiger und froher an, als man es von Fever Ray bisher gewohnt war. Wagt sich Dreijer musikalisch eh stets mehr als andere Künstler, wird auf To The Moon And Back deutlich, wie weit sich die Sängerin zwischen Pop, Indie und Elektro austobt. Dabei klingt To the Moon And Back modern, schnell und immer auch mit einem Hang nach einem Überhitzen der Synthesizer an – und somit wiederum typisch nach Karin Dreier Andersson.

Ruelle – Zelebriert epische Momente ganz allein

Ruelle – The Other Side

Ein Jahr ist es her, dass Ihr hier den Listenbee Remix von Ruelles Until We Go Down finden konntet. Nun ist Ruelle – alias Maggie Eckford – mit einem neuen Song zurück und öffnet damit ein Buch, das vorher nur den wenigsten vorlag – denn Ruelle ist keine Newcomerin. Hat sie mit For What It’s Worth (2010) und Show and Tell (2012) bereits zwei Alben unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht, folgte Up in Flames (2015) und Madness (2016) unter dem Namen Ruelle. Auch musikalisch veränderte sich ihr Sound vom Indie Pop, hin zu einem elektronisch, mystischen Pop, der episch und melancholisch klingt. Ruelle fährt damit so gut, dass ihre Songs zur Untermalung von Werbeclips und Serien verwendet werden. Auf ihrer neuen Single The Other Side zeigt sie einmal mehr, wie sehr sich ihre Melancholie auf den Hörer überträgt. Beginnend mit einem Klavier und Ruelles zarten Gesang, baut sich The Other Side während der folgenden 4 Minuten stetig auf und treibt die Dramatik so weit, dass eine Träne die Wange hinunter zu rollen scheint. Kraftvoll singt sich Ruelle durch die Zeilen, bei denen nicht klar wird, ob es sich um eine gescheiterte Beziehung handelt oder das Ableben eines wichtigen Menschen behandelt. Eines bleibt allerdings bei beiden gleich – das schwere, tragende Gefühl, das The Other Side transportiert. Ruelle klingt mit ihrem Sound, als wäre sie der perfekte Soundtrack gebrochener Herzen- Und The Other Side ist ein Kapitel daraus.

Blanche – Düsterer Elektropop

Blanche – City Lights

Mit ihren 17 Jahren hat die belgische Sängerin Ellie Blanche Delvaux oder einfach Blanche bereits viel erreicht. Nahm sie in Belgien bereits bei The Voice teil und wurde so dem belgischen Publikum vorgestellt, schaffte sie es schließlich sich für den Eurovision Song Contest zu qualifizieren. Mit ‚City Lights‚ – einem Song der mystisch, dunkel und tief klingt – legte die Sängerin eine Performance ab, die fern des ganzen Bling Bling war und nur durch die außergewöhnliche Stimme Blanches überzeugte. Hört man diese zum ersten Mal, kommt nicht selten die Frage auf, ob es sich hier um eine Frauen- oder Männerstimme handelt. Mit einem dazugehörigen Elektropop-Mix, der sich an Melancholie und Einsamkeit bedient, klingt Blanche so interessant und aufregend, dass man sich ihrer gar nicht verwehren kann. Entfernt an Lenas ‚Taken By A Strangererinnernd, hat Blanche mit ‚City Lightsalles, was ein Newcomer benötigt um den Durchbruch zu feiern.

Miley Cyrus – Geläutert zurück?

Miley Cyrus – Malibu

Ist es die selbe Miley Cyrus die wir da in dem Musikvideo zu ihrer neuen Single ‚Malibu‚ sehen?! Denn mit ‚Malibu‚ überrascht Cyrus gleich doppelt. Bestand ihr letztes Album ‚Bangerz‚ aus provokativen aber auch sehr vielfältigen Songs, veröffentlicht sie nun eine entspannte Elektropop-Nummer, die fern der ganzen Skandale der letzten Jahre ist. Auf ‚Malibu‚ singt Cyrus von einer schönen Erfahrung am Strand von Malibu. Dies macht sie unaufgeregt und mit fester Stimme. Mit einsetzen des Refrains erklingen dann noch Gitarren und erzeugen den perfekten Moment der Weite. ‚Malibu‚ ist eine überraschend bodenständige Nummer, die Cyrus aus dem Sumpf der Skandale rauszieht und mit der Unbeschwertheit dieser ersten neuen Single zeigt, dass Cyrus zurück ist und weit mehr kann, als nur provozieren.

MIA. & Balbina – Retrospektive und Alles Neu

MIA & Balbina – Alles Neu 2017

Wir schreiben das Jahr 2017 – somit ist die Gründung von MIA genau 20 Jahre her. Fast ebensolange, nämlich 15 Jahre, ist die es her, dass die Berliner Punk-Band MIA. mit ihrer zweiten Single Alles Neu die Aufmerksamkeit der Berliner Musikszene erregte. Seitdem ist viel passiert und aus der schreienden Mieze und ihrer Band MIA ist eine satte Elektropop-Band geworden. Dies gefiel nicht immer jedem und so eckten MIA oft an. Sei es mit ihrem Text zum Song Was es ist, der von Erich Fried geschrieben und mit Textzeilen wie; „… betreten neues deutsches Land“ ergänzt wurde. Und gerade durch diese Textzeilen schließlich dafür sorgte, dass die Band von einigen Medien in die rechte Ecke geschoben wurde. Dass sie allerdings darauf aufmerksam machten, dass Deutschland wieder ein eigenes Gefühl für Stolz, Zugehörigkeit und Mut entwickeln sollte und sie so schließlich Vorreiter einer ganz neuen musikalischen Bewegung wurden, blieb zumeist unerwähnt. So kämpften sich die Band mit jedem weiteren Album in die Herzen der Fans und platzierte sich auf immer höheren Charträngen. Schließlich schaffte es das Album Zirkus bis auf Platz 2 der Albumcharts und verkaufte mehr als 100.000 Einheiten. Die bewegte Geschichte der Band sollte damit jedoch nicht enden, denn als Mieze 2014 in der Jury der Castingshow Deutschland Sucht Den Superstar Platz nahm, entlud sich ein Shitstorm, der seines gleichen suchte. Aktuell können MIA auf drei Top-5 Alben und zwei weiteren Alben in den Top-15 zurückblicken – ein guter Schnitt bei sechs Alben. Dies rechtfertigt nun eine erste Zäsur und so bringen MIA dieses Jahr ein Best-Of Album raus, welches die Hits der letzten 20 Jahre präsentiert. Als erste Veröffentlichung daraus haben sich MIA den punkigsten Song ihrer Laufbahn vorgenommen und Alles Neu 2017 mit der Berliner Sängerin Balbina neu interpretiert. Und wieder einmal zeigen MIA, dass sie keine Scheu haben anzuecken – ist der Gesang Balbinas doch nicht gerade dem Pop der heutigen Radiolandschaft zuzuordnen und lässt die Fans dadurch in manchen Momenten über den Gesang stolpern. Bablina ist eine Künstlerin, auf die man sich einlassen muss – MIA ebenso. Und so passt die Band, durch diese Gemeinsamkeit, wunderbar mit Balbina zusammen. Alles Neu 2017 präsentiert sich hierbei als etwas sanftere Version, vergleicht man sie mit dem Original aus dem Jahr 2002. Da erklingen deutlich elektronischere Töne und rücken die Gitarren und das Geschrammel des Originals etwas in den Hintergrund. Allerdings ist die Wahl Alles Neu 2017 als erste Single zu veröffentlichen wohl emotional als auch chronologisch gewählt, erhielt sie doch 2002 deutlich zu wenig Aufmerksamkeit. Alles Neu 2017 lässt uns ausflippen, tanzen, springen und an die Zeit erinnern, als MIA noch in ihren Kinderschuhen steckten – und wir sie damals schon liebten.

2raumwohnung – Flashback anno 2002

2raumwohnung - Somebody Lonely And Me

2raumwohnung – Somebody Lonely And Me

2raumwohng sind entstanden aus einem Zufall. Ging es doch ursprünglich nur um die musikalische Untermalung einer Zigarettenmarke, entstand daraus ein Projekt, das bis heute besteht. Inga Humpe und Tommi Eckart, beide ein Paar seit den 90ern, haben so als Duo 2raumwohnung mittlerweile sieben Studioalben veröffentlicht und nicht viel weniger Remixplatten. Auch wenn sich 2raumwohnung nicht immer im Vordergrund abspielen, kommt man selten um das Duo herum. Heißt es doch zu jeder Hitzewelle wieder 36 Grad und es wird noch heißer, mach den Beat nie wieder leiser… oder wird die Warteschleife der AOK Nordost Hotline mit Besser Gehts Nicht untermalt. Auch in der Werbung ist neben Wir trafen uns in einem Garten der Song 2 Von Millionen Von Sternen bereits verwendet worden. War ihr Debütalbum Kommt Zusammen noch ein lupenreines Popalbum, entwickelte sich die Band danach stark in Richtung Elektro, um einige Jahre später wieder zur Popmusik zu wechseln. Nun schwingt das Pendel wieder in Richtung Elektro und hört sich die erste Single Somebody Lonely And Me dunkel und elektronisch an, als würde es aus dem 2002er Album In wirklich stammen. Singt Inga Humpe so weich und unschuldig und erinnert an dunkle Fahrten auf schlecht beleuchteten Landstraßen im Winter. Der schwere Beat und Humpes Wechsel zwischen deutschen und englischen Texten lässt 2raumwohnung deutlich stärker zurückkommen, als sie zuletzt verschwanden. Ihr neues Album Nacht und Tag wird so wohl eines der spannendsten Alben des Jahres werden.

Linkin Park feat. Kiiara – Trendwende

Linkin Park feat. Kiiara - Heavy

Linkin Park feat. Kiiara – Heavy

Sie waren eine der erfolgreichsten Nu-Metal Bands in den 2000ern. Linkin Park haben mit Songs wie Crawling, In The End, Numb oder What I’ve Done Welthits gelandet und ihre Alben verkauften sich bis zu 30 Millionen mal. Doch auch eine Band ihres Formats muss sich einmal die Frage stellen, wie lange das Schema F noch funktionieren kann. Ganz besonders im Falle des Frontsängers Chester Bennigtons, der 2003, nach vielen Konzerten, Probleme mit seinen Stimmbändern bekam. So wandelte sich die Musikrichtung von Linkin Park in den letzten fünfzehn Jahren immer wieder und hatte zwischen Nu-Metal, Alternative, Hip-Hop und Elektro immer wieder für Überraschungen gesorgt. Nun haben sich Linkin Park für die erste Single ihres siebten Studioalbums One More Light, die amerikanische Sängerin Kiiara mit dazu geholt. Mit ihrem experimentellen Popsong Gold, hatte sie 2015 einen Überraschungserfolg gefeiert und erreichte sogar die amerikanischen Top-20 Singlecharts. Auf der nun veröffentlichten Single Heavy trifft dieser Mix verschiedenster Genres zusammen und zeigt wie wandelbar Linkin Park sind. So ist Heavy ein reiner Elektropop-Song und überrascht mit einer ungewöhnlichen Stimmfarbe Chester Benningtons. Hört sie sich doch weich und warm an und lässt damit wohl einige Linkin Park Fans dran knabbern. Doch genau das hatten Linkin Park auch vor. So gaben sie 2016, in einem Interview an, dass die Songs auf ihrem neuen Album die Fans herausfordern werden, sie sich aber freuen, mit den ihnen diesen Weg zu beschreiten. Heavy ist darüber hinaus als Hymne angelegt, zeigt es doch im Refrain deutliche Emotionsexplosionen und ist der Sound hier auf Größe aus, die man im Stadion perfekt umsetzen kann. Heavy ist die erste Singleauskopplung ihres neuen Albums und wird mit Sicherheit die Charts weltweit stürmen.