SIND - Alles wird gut

SIND – Wenn Phrasen schließlich eine Bedeutung bekommen

Es gibt wohl nicht allzu viele Bands, die in ihren Songtexten so viel Wahrhaftigkeit verarbeiten, wie es die Berliner Band SIND Song für Song tut. Hier singt Sänger Hannes Husten über die alte Schulzeit und die Frage, was wohl die ehemaligen Schulkameraden heute machen. Er singt von Menschen, die weggezogen sind – in noch kleinere Orte –, wodurch die Verbindung zueinander verloren gegangen ist. Oder von Menschen, die mit ihrer eigenen Art mitunter im Kampf stehen: Soll man sich zuliebe Anderen öffnen oder sich doch zurückziehen – aus der Angst heraus, nicht genug zu sein?

Die Songs von SIND sind voller Sehnsucht, Melancholie und Rückblicke auf die aufrichtigsten Gefühle, die wir alle nur zu gut kennen. Dabei unterscheiden sich ihre bisher veröffentlichten Alben, die zwischen einem Gefühl von Heimat, Lebenslauf und Zukunftsaussichten pendeln – wie Kino Kosmos oder einen eher nach vorne gehenden Sound, wie auf Erstmal für immer – mitunter deutlich.

Seit Ende letzten Jahres haben SIND mit Sorry for the DelayLiebe Fatal und Wohin ist die Zeit wieder neue Songs herausgebracht, die bereits ein baldiges Album hätten ankündigen können – was bisher allerdings ausblieb. Mit der nun veröffentlichten vierten Single Alles wird gut erklärte Hannes Husten nun auch, warum es momentan so lange dauert, bis das neue, bereits fertige Album erscheint.

SIND Pic: Sascha Bystrova (instagram.com/saschabystrova)
SIND Pic: Sascha Bystrova (instagram.com/saschabystrova)

Hört man in Alles wird gut hinein, wird schnell klar, dass es hier um den Verlust eines nahestehenden Menschen geht. Dabei sagt Husten in einem Post, dass die Band im vergangenen Jahr eine sehr enge Bezugsperson verloren habe, die einen so großen Einfluss auf das Trio gehabt hatte, dass sogar die Frage im Raum stand, ob es überhaupt Sinn mache, weiterzumachen. Mit der Veröffentlichung des neuen Songs wissen wir, wie die Entscheidung ausgefallen ist – und doch hat dieser Verlust zu einem Umdenken geführt und den Schreibprozess für Alles wird gut nachhaltig beeinflusst.

Dabei kleben wir an Hustens Lyrics, als wäre uns die besungene Person selbst bekannt und als hätten wir eine eigene Verbindung zu ihr gehabt. Da geht es um einen von Grund auf positiven Menschen, der immer für alle einen aufmunternden und motivierenden Satz parat hatte. SIND bewegen sich hier musikalisch zwischen einer einfachen Schlagzeugbegleitung und einem verträumten Synthesizerbett, das an große Powerballaden der 1980er-Jahre erinnert.

Damit dürfte auch Album Nummer fünf wieder aus emotionalen, treibenden Popsongs bestehen, die uns packen, mitreißen und textlich mitten ins Herz treffen. Denn am Ende hält auch hier der Satz eine Bedeutung bereit, die tiefer geht, als nur die Phrase – Alles wird gut.

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