The Knocks feat. Foster The People - All About You

The Knocks feat. Foster The People – Ein Song für die Nacht

Es klopft nachts immer wieder an ihrer Tür. Der Nachbar beschwert sich, dass die Musik zu laut sei. Einige Jahre später sollte dieser wiederkehrende Moment der Namensgeber für das New Yorker Elektro-Duo sein. Denn heute kennen wir die, 2010 gegründete, Band unter dem Namen The Knocks. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichten The Knocks mit 55 (2016) und New York Narcotic (2018) zwei Alben, fünf EPs und über 40 Singles. Auf diesen 40 Tracks vereinen The Knocks Künstler, wie St. Lucia, X Ambassadors, Alex Newell, Wyclef Jean, Carly Rae Jepsen, Crystal Fighters oder Foster The People. Mit Letzteren haben sie sich nun erneut zusammengetan und nach ihrer 2018er Kollaboration Ride Or Die – die sich mit so markanten Textzeilen wie I know I’m getting older but that don’t mean it’s over oder I know we’re getting sober, but that’s not on my mind! in unser Gedächtnis bohrte – einen Song eingespielt. War der Sound der beiden Acts auf Ride Or Die noch äußerst verspielt, kommen sie auf All About You nun größer und schwelgender zurück.

The Knocks feat. Foster The People - All About You (Video)
The Knocks feat. Foster The People – All About You (Video)

Mit einem verträumten Elektrosound sorgen The Knocks hier dafür, dass wir einen der besten Songs für einen einsamen Spaziergang durch die Großstadt zu hören bekommen. Während Mark Foster von Foster The People völlig unaufgeregt singt, schieben The Knocks ein Sample des 1972 veröffentlichten Songs Like A Ship…(Without A Sail) von Pastor T.L. Barrett and the Youth for Christ Choir unter seinen Gesang. Herausgekommen ist ein Song, der wie Schlafwandeln klingt. Samtige Elektropop-Beats verbinden sich mit dem Kinderchor des Samples und lassen uns einsam durch die Straßen der Stadt streunen. Immer etwas Melancholie mit dabei, ist All About You gleichzeitig erfrischend clean strukturiert und lässt uns dabei eine warme Freude fühlen. Mit spacigen Parts wird All About You zum Begleiter durch die frühlingshafte Nacht der aktuellen Februartage und lässt uns sehnsüchtig auf den tatsächlichen Frühling hoffen. All About You ist die zweite Singleauskopplung aus The Knocks drittem Studioalbum, das noch keinen Namen und kein Veröffentlichungsdatum hat.

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks - Fireworks

Purple Disco Machine feat. Moss Kena & The Knocks – Die Disco geht weiter

Noch immer hallt und schallt der Song Hypnotized aus allen Boxen und Playlisten. Dass dieser Song nun bereits seit über einem halben Jahr nicht mehr aus den Streaming- und Downloadcharts wegzudenken ist, hat einen einfachen Grund. Denn mit Hypnotized hat der Dresdner Produzent Purple Disco Machine einen Disco-Klassiker erschaffen, der sich modern anhört, allerdings ausreichend Referenzen an die große Zeit des Disco-Sounds in den 70er und 80 Jahren beinhaltet. Damit so perfekt von der Zeit losgelöst, kann man sich einfach nicht an der Kollaboration mit Sophie And The Giants satthören. Dabei folgte doch bereits Ende November 2020 mit Exotica eine weitere neue Single. Diese ging jedoch im Fahrtwind des großen Hypnotized völlig unter und dürfte daher nur den eingefleischten Fans als Folgesingle bekannt sein. Nun hat sich Tino Piontek mit gleich zwei weiteren Acts zusammengetan und die neue Single Fireworks veröffentlicht. Hierauf finden wir neben Purple Disco Machine auch den Londoner Newcomer Moss Kena – der mit einer Mischung aus Singer/Songwriter, Soul und Hip-Hop seit gut drei Jahren von sich Reden macht.

Purple Disco Machine
Purple Disco Machine

Arbeitet Moss Kena doch vor allem mit seiner hohen Stimme und springt galant zwischen den verschiedenen Genres umher. Mit The Knocks tauchen zusätzlich noch zwei alte Bekannte auf, die bereits 2018 mit Sofi Tukker zusammen an Best Friend gearbeitet haben. Hier hatte das New Yorker House-Duo bereits viel Beachtung erhalten. Nun haben sich diese drei Acts auf Fireworks zusammengetan und eine orhwurmträchtige Nu-Disco-Bombe geschrieben, die mit Tropical-Beats, Xylophonklängen, choralem Kindergesang und ganz viel guter Laune um die Ecke kommt, die uns direkt umhaut. Mit Fireworks schreibt Purple Disco Machine seine ganz eigene Geschichte weiter und begeistert uns mit richtig viel Discosound. Nach Hypnotized und Exotica ist Fireworks die dritte Singleauskopplung aus seinem – für Sommer 2021 angekündigten – neuen Album. Dieses würde auf das 2017er Soulmatic folgen und dürfte nicht weniger, als die erneute randvoll gefüllte Ladung Disco enthalten.

Alex Somers

Alex Somers – Ein Mastermind wird sichtbar

Er zeigt sich in vielen Gestalten. Mal ist der US-Amerikanische Musiker Alex Somers als Produzent tätig und ist unter anderem verantwortlich für die Sigur Rós-Songs Varúð, Ekki Múkk, Valtari oder die gesamten Songs der Soloplatte Go des Sigur Rós-Frontsängers Jónsi – mit dem er auch das 2009er Album Riceboy Sleep veröffentlichte. Mal zeichnet er sich als Visual Artist für die Alben der isländischen Band verantwortlich. Zusätzlich tritt er noch als Tontechniker, Produzent und Mixer in Erscheinung. Dass die Zusammenarbeit mit der isländischen Band allerdings so üppig ausfällt ist kein Zufall – lebt Alex Somers doch mittlerweile fest in Reykjavík und ist mit Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi – seit nunmehr 18 Jahren leiert. Entstanden sind daraus immer wieder aufregende Projekte und noch viel aufregendere Songs. Nun hat Somers – nachdem er Soundtracks unter anderem für Black Mirror, Captain Fantastic oder Manhattan geschrieben hat – mit Siblings One & Siblings Two sein Debütalbum angekündigt das damit gleichzeitig auch ein Doppelalbum sein wird. Debütalbum deshalb, da Somers erstmals eine Platte unter seinem bürgerlichen Namen rausbringt.

Während ein Großteil der Songs des Doppelalbums zwischen 2014 – 2016 entstanden, verfolgt Somers auf den beiden Platten unterschiedliche Stimmungen. Gleichzeitig zur Ankündigung von Siblings One & Siblings Two veröffentlicht Somers mit Deathbed und Sooner auch jeweils einen ersten Song von jeder Platte. Bereits hier kann man erkennen, dass mit Deathbed deutlich düstere Stimmungen eingefangen werden. Dabei hält sich Somers an das Unperfekte und nimmt einzelne Sounds immer wieder auf, bis so nichts mehr von ihrem sauberen Sound vorweisen können. Gleichzeitig hören wir hier aber auch die starke Nähe zu Sigur Rós heraus, welche durch die wabernden Sounds und einem verschleierten Gesang an die Band erinnert. Mit der zweiten Auskopplung Sooner könnte man fast meinen, einen Song aus der Sigur Rós-Zeit von () (Untitled) zu hören zu bekommen. Mit einem prägnanten Klavierspiel und vertrakteten Stimmelementen kommt eine Stimmung auf, die an das Erwachen von Leben erinnert. Stark kinematographisch beschreibt Somers hier eine akustische Auferstehung, die schließlich wieder in sich zusammenfällt und leise verschwindet. Alex Somers hat damit ein Doppelalbum angekündigt, welches viel Zuspruch erhält und als eine Art Brücke, zwischen Sigur Rós und seinem eigenen Schaffen gesehen werden kann.

Dayglow - Close To You

Dayglow – Party mit sich selbst

Was macht man in der Pandemie, wenn man an einem Abend alleine zu Hause ist, keinen Bock darauf hat, mit der nächsten Serie das Zeitkonto der Streamingdienste weiter auszureizen und alle anderen Aktivitäten nicht möglich sind?! Man tanzt! Ganz so, wie es der US-Amerikanische Indie-Held Sloan Struble unter dem Alias Dayglow in seinem neuesten Musikvideo zu Close To You macht. Dabei ist der aus Austin in Texas kommende Musiker so unterhaltsam anzusehen, dass man sich das Schmunzeln über das 3:15 Minuten lange Video nicht verkneifen kann. Mit farbenfrohen Aufbauten, ein paar absurd lustigen Tanzbewegungen und 80er-Jahre Topfschnittfrisur bewegt sich der 21-jährige Musiker zu einer satten 80er-Jahre Pop-Nummer, die ebenso charmant, wie eingängig ist. Mit klebrigen Synthiebeats, Lyrics, die einen Ohrwurm garantieren und dem hippen Musikvideo kann sich Dayglow unserer Aufmerksamkeit gewiss sein. Und eine Menge Aufmerksamkeit hat der US-Amerikaner bereit vor knapp drei Jahren erhalten. Damals veröffentlichte er mit Fuzzybrain sein Debütalbum und ging mit der dazugehörigen Single Can I Call You Tonight? durch die Decke.

Dayglow ©Pooneh Ghana
Dayglow ©Pooneh Ghana

Heute zählen die verschiedenen Musikvideos dieses Hits auf YouTube über 70 Millionen Views. Dabei geht es in seinem neuen Song darum, eine überzogene Erwartungshaltung an eine andere, ganz konkrete Person zu überdenken. So stellt sich Dayglow im Song vor, dass er auf eine Party geht, und dort einer Person begegnet, die er nicht begrüßt und mit ihr kein Wort wechselt, in seinem Kopf aber so viele Reize verrücktspielen, dass er sich eine Idee davon aufbaut, wie die Person sein könnte – vom Reden, Denken und Handeln. Nur, um schließlich feststellen zu müssen, dass die Person doch ganz anders ist, als in seiner Vorstellung. Dies hat der Musiker in ein so leichtes Popgewand gesteckt, dass man ihm gerne von der anderen Seite des Raumes – in dem die Party steigt – zugucken möchte und gespannt ist, wie dieser Plot sich schließlich entwickelt. Mit Close To You vom nerdig-sympathischen Dayglow ist die gute Laune vorprogrammiert und die Tatsache, dass wir gerade alleine zu Hause um den Tisch tanzen eine willkommene Abwechslung. Und mit seinem, für dieses Jahr angekündigten, zweiten Album, dürfen wir uns auf weitere spaßige Nummern freuen.

Gorgon City feat. DRAMA - You've Done Enough

Gorgon City feat. DRAMA – Die Zweite ist härter

Vor knapp einem Jahr konnten wir die beiden Acts bereits zusammen auf einem Track hören. Da war auf der einen Seite das britische Duo Gorgon City und auf der anderen das Chicagoer Duo DRAMA, das sich für den Dancetrack Nobody zusammenfand und verträumten Deep-House produzierte. Nun sind sie abermals zusammengekommen und veröffentlichen mit You’ve Done Enough einen Track, der deutlich dunkler und härter klingt, als es ihre erste Zusammenarbeit tat. Denn hier überwiegt der bekannte britische House, der aus einer Mischung aus hallenden Deep-Housebeats, schnellen Taktfolgen und tanzbaren Lyrics besteht, bei denen man sich einfach treiben lassen möchte. Hinzu kommt, dass sich DRAMA-Sängerin Via Rose dieses Mal stimmlich deutlich weiter raus wagt und sich durch einen, mal gepressten, mal glasklaren Gesang eine Präsenz erarbeitet, die wir bisher nicht von dem Duo – das sich vornehmlich im Soul, R&B und Dance aufhält – gewohnt waren.

Gorgon City & DRAMA
Gorgon City & DRAMA

Auf You’ve Done Enough kommt so ein massiver Deep-Housesound zum tragen, der durch DRAMAs Gesang eine weitere Gewichtung erhält und sich somit nicht mehr nur für den Mainstream hergibt. Gorgon City haben dabei wieder einmal das beste Händchen bewiesen, für eine ihrer Produktionen die perfekte Stimme auszuwählen. Überhaupt haben Gorgon City in den vergangenen zwei Jahren eine hohe Anzahl an Songs veröffentlicht, die mit namhaften Kollaborationen aufwarten konnten. Mit dabei waren unter Anderem Künstler, wie MK, Kaskade, Roméo, AlunaGeorge oder Sofi Tukker. Mit letzteren hatten sie auf ihrer Kollaboration zu House Arrest sogar einen wahren Pandemie-Hit gelandet, der millionenfache Streaming-Abrufe generierte. Mit You’ve Done Enough laden uns Gorgon City und DRAMA wieder einmal dazu ein, zu Hause laut aufzudrehen und die Party unserer Zeit zu feiern. Alleine, Augen geschlossen und sich vorstellend, dass man sich in Mitten von dutzenden Tanzenden befindet, wird der Song zur wahren Freude und lässt uns darauf hoffen, endlich auch wieder über ein neues Album spekulieren zu können.

SYML - Stay Close

SYML – Für ein paar Minuten auf Kur gehen

SYML veröffentlicht fast schon im Monatsrhythmus neue Songs. Dabei übertrifft er sich mit jedem seiner Songs aufs Neue und berührt uns – wie bei True, bringt uns gute Laune oder auch zum tanzen. Mit seiner neuesten Veröffentlichung hat SYML einmal mehr alle Herzen auf seiner Seite und berührt uns mit einer ungemein privaten und emotionalen Geschichte. Im dazugehörigen Musikvideo von Stay Close sehen wir SYML – alias Brian Fennell – schließlich auch endlich wieder in Persona. Dies ist bei der Anzahl an Veröffentlichungen nicht gesetzt und kam in den letzten Jahren nur bei den Songs Wildfire, Clean Eyes und WDWGILY vor. Auf Stay Close hat SYML einen Song veröffentlicht, der geerdet, pur und leichtfüßig klingt. Dabei ist der Hintergrund des Songs alles andere als leichtfüßig – singt sich SYML hier doch durch die vergangenen zwei Jahre. Denn so lange ist es her, dass sein Vater die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhielt. Mit puren Gefühlen beschreibt SYML auf seinen Social-Media-Seiten die Beziehung zu seinem Vater, spricht von Liebe, Dankbarkeit, Stolz und Kraft. Aber auch von Strenge und stoischem Verhalten.

SYML Photo by Jesse Morrow
SYML Photo by Jesse Morrow

Mit Stay Close hat Fennell die letzten zwei Jahre verarbeitet und so einen therapeutischen Prozess vollzogen. Mit Klavier, zurückhaltenden Synthies und einer gefühlvollen Stimme lässt SYML auf Stay Close erneut einen Einblick in seine Gefühlswelt zu. Der Song klingt vertraut, warm, entschleunigend, verträumt und fordert uns musikalisch dazu auf, einmal anzuhalten und durchzuatmen. Gleichzeitig zu der Veröffentlichung von Stay Close kündigt SYML mit DIM eine neue EP an, die am 16. April erscheinen wird. Wir können uns dabei erneut auf ein paar Songs freuen, die – sowohl musikalisch, als auch textlich – eine so hohe Qualität haben werden, dass er uns mit jedem einzelnen Song packen wird. Über Stay Close schreibt SYML noch, dass er dankbar über so viele Dinge bezüglich meines Vaters ist, jedoch am dankbarsten bin ich darüber, dass zwischen uns nichts unausgesprochen geblieben ist. Schließlich fügte Fennell dem Post hinzu, dass sein Vater letzte Woche verstorben sei. Umso großer wird der Song, dem er ihn gewidmet hat.

Tash Sultana - Sweet & Dandy

Tash Sultana – Bei sich selbst angekommen

Die Musik hat etwas, von einem schönen, gemütlichen Abend unter Freunden. Man sitzt auf er Couch, lacht, erzählt sich Geschichten und stößt mit Gläsern auf einen schönen Abend an. Ein Gefühl, das Tash Sultana auf den neuesten Songs so wunderbar verbreitet. Schon mit Beyond The Pine, Greed, Pretty Lady und Willow Tree ging es in diese Richtung. Dabei hat Sultana eine Verwandlung zu mehr Soul und weniger Gitarrensolos vollzogen. Mit der neuesten Veröffentlichung Sweet & Dandy wird diese Stilrichtung nun fortgeführt und geht es in dem Song darum, sich von der ganzen Flut an negativen Informationen loszureissen und sich bewusst zu werden, dass man im Hier und Jetzt lebt und sich selbst genügt, so Sultana. Du mit dir allein, das reicht. Du brauchst nicht die ganze Welt um dich herum um zu entscheiden, wie Dein Leben verlaufen soll. Auf dem neuen Album Terra Firma, das am 19. Februar erscheinen wird, hören wir Sultana zuversichtlicher, dynamischer und erfahrener. Die letzten Jahre haben Sultana geprägt.

Tash Sultana Photo by Giulia Giannini McGauran
Tash Sultana Photo by Giulia Giannini McGauran

Noch 2012 war Sultana drogenabhängig und durchlief eine Psychose, die nur mit einer Therapie behandelt werden konnte. Vier Jahre später folgte, mit der Unterzeichnung eines Plattenvertrags, die zweite EP Notion, die es direkt in die Top-10 der australischen Albumcharts schaffte. Nur zwei Jahre später schloß sich das Debütalbum Flow State an, das bis auf Platz 2 stieg und selbst in den USA und Europa Chartnotierungen verzeichnete. Auf Sweet & Dandy hören wir von dieser Zerrissenheit nichts mehr. Hier überwiegen die melodisch, warmen Klänge und ist die Experimentierfreudigkeit zugunsten einer Gradlinigkeit in den Hintergrund geraten. Mit so einem Hintergrund blieb Sultana auch der internationalen Presse nicht verborgen und schafft es nun sogar auf das März-Cover des australischen Rolling Stone Magazins. Mit Sweet & Dandy gibt uns Sultana die benötigte Dosis Hoffnung, Wärme und Kraft, die wir aktuell so sehr benötigen und weisst uns den Weg, zu uns selbst.

Jon Batiste - I Need You

Jon Batiste – Ein Song für die gute Laune

Er ist ein Allrounder im wahrsten Sinne des Wortes. Als Musiker trat er in den vergangenen 22 Jahren in den verschiedensten Rollen in Erscheinung – und das, obwohl der US-Amerikaner erst 34 Jahre alt ist. Dabei kommt Batiste aus einer wahren Musikerdynastie. Denn bereits die Familienmitglieder Lionel Batiste, Milton Batiste, Harold Battiste und Russell Batiste Jr. spielen im Südstaatensoul und Jazz eine große Rolle. So hat Harold Battiste einst mit Sonny & Cher und Sam Cooke zusammengearbeitet. Für Jon Batiste ging es daher bereits mit 8 Jahren in der Familienband Batiste Brothers Band los. Hier arbeitete er über Jahre an seinem Profil und fokussierte so den Einstieg, in eine Solokarriere, die er mit seinem 2005er Debütalbum Times in New Orleans schließlich begann. In den folgenden Jahren absolvierte Batiste an der New Yorker Privatschule Juilliard School seinen Bachelor und Master für Musik. Von hier kommen auch so berühmte Absolvierende, wie Nina Simone, Miles Davis, John Williams, David Garrett und Philip Glass.

Jon Batiste - We Are
Jon Batiste – We Are

Seit 2015 fungiert Batiste mit seiner Band Stay Human als Hausband in der US-Amerikanischen Late Night Talkshow The Late Show with Stephen Colbert und erreicht damit allabendlich zwischen 4 und 6 Millionen Zuschauer. Als bisheriger musikalischer Höhepunkt können definitiv die Grammy-Nominierungen 2018 als Best American Roots Performance und 2020 für Best Contemporary Instrumental Album und Best New Age Album genannt werden. Seit diesen Winter können wir ihn auch auf dem Soundtrack des Disney-Films Soul hören, zu dem er über ein dutzend Songs beigesteuert hat. Nun hat Batiste mit I Need You den ersten Song aus seinem kommenden Soloalbum We Are veröffentlicht, das am 19. März scheinen wird. Dieser Song sprüht nur so vor Spaß, Energie und Lebensfreude und begeistert mit einer Mischung aus Jazz, Soul und R&B und einem Musikvideo, das diese Mischung perfekt widerspiegelt. I Need You ist eine wahre Bombe und lässt uns keine Sekunde Zeit, darüber nachzudenken, ob uns der Song gefällt, sondern reisst uns direkt, rein, in eine Welt, voller Euphorie und Freude an der Musik.

William Fitzsimmons - Down With Another One

William Fitzsimmons – Wo kommt der Beat her?

Mitte der 2010er noch, war William Fitzsimmons Musik und seine Songs, wie Ghosts Of Penn Hills (2015) oder Hear Your Heart (2016) nur durch seine Stimme und eine Gitarre geprägt. Doch mit dem letzten Album Mission Bell aus dem Jahr 2018 betrat Fitzsimmons ein Feld aus deutlich offenerem Sound. Da war das betroffene Angela, das sich mit sphärischer Gitarre und sanften Drums so verträumt und berührend zeigte und Fitzsimmons Erlebnisse aus seinem Privatleben und seiner vergangenen Beziehung verarbeitete. Auf Wait For Me schwang schließlich sogar ein Hauch von Freude mit. Dass sich Fitzsimmons hauptsächlich in den Abgründen und dunklen Teilen unserer Seele aufhält, ist kein Zufall. Er selbst sagt; ich persönlich denke, dass meine Jobbeschreibung am Anfang, aus irgendeinem Grund war: schreibe über die Sachen, die weh tun. So fühle ich mich dazu verpflichtet. Es mag ein wenig egoistisch klingen aber so ist es gar nicht gemeint – es ist das, was ich tue und ich tue dies verdammt gut. Also schreibe ich ‚traurige Lieder‘. Will mich jemand in diese Kategorie einordnen?! Kann er gerne machen. Aber wenn du dich nur ein wenig stärker mit meiner Musik auseinandersetzen würdest, würdest du eine Menge mehr finden als nur das.

William Fitzsimmons - Photo Credit Erin Brown 2020
William Fitzsimmons – Photo Credit Erin Brown 2020

Auf Down With Another One besingt Fitzsimmons eine Person, die sich damit abgefunden hat, unfähig zu sein, jemals eine vertrauensvolle und erfüllte Liebe zu finden. Und so klingt Down With Another One plötzlich auch schroffer als all das, was wir von dem US-Amerikaner aus Pittsburgh bisher gewohnt sind. Auffallend hierbei ist der träge Sound von Gitarren, Drums und Synthies, die eine morbide Atmosphäre verleihen und Fitzsimmons klaren Folksound fast zu übertönen zu scheinen. Down With Another One ist die erste Singleauskopplung aus dem kommenden, achten Studioalbum, das Ready The Astronaut heißen wird und diesen Sommer scheinen soll. Mit Down With Another One überrascht der Singer/Songwriter durch einen neuen, gewagteren Sound, verliert aber kein bisschen an Tiefe und Emotionalität.

Lane 8 feat. Julia Church - Oh, Miles

Lane 8 feat. Julia Church – Mit neuem Song in die Tiefe eintauchend

Es ist eine ganz eigene Generation der Musizierenden herangewachsen, die sich im elektronischen Bereich aufhält. Da sind zum Beispiel Petit Biscuit und OTR , die mit ihren Songs auch auf SOML schon mehrmals mit Songneuvorstellungen vertreten waren. Allen voran geht aber der Kalifornier Lane 8 aus San Francisco, der bereits 2015 mit seinem Debütalbum Rise und anschließend mit den Folgealben Little By Little (2018) und Brightest Lights (2020) immer wieder durch seine instinktiven Songs aus organischen Sounds und treibenden Beats begeistert. Seine Alben sind Geschichten, die man erst in voller Gänze versteht, wenn man sich seine Alben von Anfang bis Ende anhört. Vor einigen Jahren schon startete der US-Amerikaner auch mit seinem eigenen Label This Never Happened so richtig durch. Nun hat Daniel Goldstein mit seinem Projekt Lane 8 einen ersten, neuen Song – seit dem dritten Album – veröffentlicht und präsentiert sich wieder einmal in Höchstform. Zusammen mit Julia Church aus Südafrika, die 2020 mit ihrer Single don’t really care what we call it für einen kleinen Hit im südlichsten Land des afrikanischen Kontinents sorgte, veröffentlicht Lane 8 mit Oh, Miles eine starke Dancehymne, die wie für ein Augenschließen und mit den Gedanken abschweifen gemacht ist.

Lane 8 Photo by Jason Siegel
Lane 8 Photo by Jason Siegel

Hier kommen die bekannt starken Synthie-Elemente zusammen und lassen den Song zu einem Gefühl der Einkehr heranwachsen. Läuft der Song, hören wir in uns hinein und lassen Bilder vor unserem inneren Auge ablaufen – ob auf dem Boden liegend mit weit ausgebreiteten Armen und tief atmend oder an einen Moment erinnernd, in dem wir die größtmögliche Geborgenheit fühlten. Doch auch an einem heißen Tag im Frühjahr, bei dem wir alle Fenster weit aufgerissen, die Frühlingsluft unsere Wohnung fluten lassen, oder auch für den melancholischen Moment der Erhabenheit passt Oh, Miles perfekt. Denn genau darin liegt die großartige Kunst von Lane 8. Mit starken Beats und einem melancholischen Gesang veröffentlicht der Produzenten immer wieder elektronische Songs, die eine unglaubliche Tiefe besitzen. Diese Tiefe kann man besonders gut an seinen letzten Veröffentlichungen sehen, die mit der Sängerin Channy Leaneagh von Poliça auf No Captain (2017) und Brightest Lights, sowie einer Sängerin – die unbekannt bleiben möchte – auf Stir Me Up glänzt. Doch auch männliche Stimmen entwickeln einen ganz eigenen Charme im Soundkostüm von Lane 8 – wie Yard Two Stone zeigt. Mit Oh, Miles zeigt uns Lane 8, dass er mit neuer Musik auf ein viertes Album hinarbeitet. Mit dem Wissen, dass erst im vergangenen Jahr sein drittes Album rauskam, dürften wir dieses Jahr wohl nicht mit einer weiteren Albumveröffentlichung rechnen – doch kann uns die Songveröffentlichung darüber hinwegtrösten.