Parov Stelar - Gringo

Parov Stelar – Mehr Beat, mehr Trompeten

Parov Stelar hat sich über die letzten 20 Jahren ein Denkmal gesetzt. Denn mit einem Mix aus elektronischen Beats, Trompeten, Balkansound und 20er Jahre Swing hat der Österreicher es geschafft ein komplett neues Genre zu kreieren. Man kann fast sagen, Stelar ist der Vater des Elektroswings. Mit unzähligen Alben und Songs wie All Night kann der 45-Jährige Produzent auf eine riesige Diskografie schauen und wird dennoch nicht müde, neues Material zu veröffentlichen. Denn gerade in den letzten Jahren ist sein Sound zunehmend populärer geworden und Stelar daher ein gefragter Act auf Festivals. Nun hat Stelar mit Gringo einen fast schon untypischen Song veröffentlicht, der seinen gewohnten Sound erst zur Mitte hin erkennen lässt. Mit derben Beats und einem Kinderchor beginnt Gringo fast schon wie ein elektronischer Hip-Hop-Track aus den USA. Doch wenn schließlich die Trompeten und das Klavier einsetzen ist klar, das ist Stelar. Die schnellen Trompeten prägen einmal mehr den Balkanbeat des Künstlers und lassen ein nahendes, neues Album erwarten, welches lose für den Sommer angekündigt ist. Gringo ist abermals ein satter Partyhit, der in Clubs genauso gut funktioniert, wie in Kneipen, Homepartys oder Open-Airs. Und dafür liebt die ganze Welt den Österreicher Stelar.

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Lizzo - Juice

Lizzo – Der Discobanger 2019

Die amerikanische Hip-Hopperin und Sängerin Melissa Viviane Jefferson – alias Lizzo – zählt zweifellos zu den Anwärtern, auf den ganz großen Durchbruch in 2019. Doch, steht sie nicht einfach nur für eine Musikerin, die gerade am Aufblühen ist, sondern prescht Lizzo mit ihrer Musik und allem was sie ausmacht in die erste Reihe. Dabei ist die aus Houston, USA, kommende Sängerin gar keine Newcomerin mehr. Ist ihr, am vergangenen Freitag, veröffentlichtes Album Cuz I Love You doch bereits ihr drittes Studioalbum und verbindet sie hierauf Genres, wie Hip-Hop, Soul, R&B und Funk so gekonnt miteinander, dass man einfach nur weggeblasen wird. Thematisch behandelt die Sängerin auf dem Album alles rund ums Bodyshaming – oder vielmehr – Bodyloving. Mit Songs über die Körperfülle, Sexualität und die Farbe ihrer Haut hat Lizzo ein Album produziert, welches in 2019 bisher seines Gleichen sucht. Auf der aktuellen Single Juice hat sie dabei den Funk von Pharrell Williams übernommen und ihn tatsächlich noch verfeinert, so, dass sie Williams mit diesem Song schon fast alt aussehen lässt und hat eine ähnlich einzigartige Stimmlage wie Bruno Mars. Mit einem Mix aus Authentizität, Sexiness, nostalgischen Hauch, Ästhetik und einer ordentlichen Menge Augenzwinkern ist Juice ein absoluter Überhit, der keinen still stehen lässt. Wer Lizzo bisher noch nicht auf dem Radar hatte, sollte dies schleunigst nachholen, denn wenn nicht, wird Lizzo ihn überrollen und mit in ihren Bann ziehen.

Jade Bird - Love Has All Been Done Before

Jade Bird – Rasierklingen scharfer Rocksound

Jade Bird ist mit ihren 21 Jahren, als Britin, durchaus schon viel rumgekommen. Hatte sie doch mit ihrem Vater, der beim Militär arbeitete, immer wieder Umzüge erlebt. Mal nach Deutschland, mal in die USA und dann wieder zurück nach England. So begann sie diese Einflüsse zu verarbeiten und schrieb an ihren ersten Songtexten. Mit 12 Gitarre gelernt, studierte sie mit 16 darstellende Künste an der BRIT School in Croydon. Nach einem fulminanten Einstand mit ihrer 2017 veröffentlichten EP Something American und ihrem kleinen Hit Lottery steht sie nun kurz davor, ihren großen Durchbruch zu feiern. Bereits von der VOGUE und dem Rolling Stone als eine der Künstlerinnen betitelt, auf die es ein Auge zu haben gilt, hat Bird mit ihrer aktuellen Single Love Has All Been Done Before ein wahres Brett abgeliefert. Mit Einflüssen aus Rock & Roll, Indie, Blues und Country klingt Love Has All Been Done Before nach einer frischen Courtney Love und zählt als Einflüsse von Avril Lavigne über Bruce Springsteen auch Dolly Parton zu ihrer bisherigen Singer/Songwriter-Laufbahn. Nun steht mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum Jade Bird die Veröffentlichung für kommenden Freitag kurz bevor und zeigt bereits die Schlagzahl der Interviews und Berichte, dass dieses Album wohl sehr weit oben in den britischen Charts einsteigen wird. Das alles wäre mehr als gerechtfertigt – gab es doch so eine Rockröhre, wie Jade Bird es ist, seit mindestens 15 Jahren nicht mehr im Mainstream zu hören.

The Lumineers – neue Single, neues Album, neue Welttournee

Dass The Lumineers einen Hang dazu haben, ihren Songs Frauennamen zu geben, hat man in den letzten Jahren schon erfahren dürfen, wie man bei OpheliaCleopatra und Angela sieht. Nun haben sie mit Gloria einen weiteren Song veröffentlicht, der in dieses Raster fällt und verstecken gleichzeitig hinter diesem Song die Geschichte einer Abhängigen Person zu ihrer Familie. Von was diese Person abhängig ist, wird nicht thematisiert, allerdings zeigen The Lumineers, dass solche Themen auch in einem positiv klingenden Kontext präsentiert werden können. Denn klingt Gloria nicht nur nach einem gewohnt folkigen Lumineers-Song, kommentiert Jeremiah Caleb Fraites die Produktion der Songs auch als einen ordentlichen Schritt nach vorne gemacht und ein Bündel an wirklich guten Songs geschrieben zu haben. Diese Information präsentieren The Lumineers gleichzeitig, mit der Ankündigung des dritten Albums III – für den 13. September 2019 – sowie die Tourdaten mit 30 Terminen in den USA und Europa. Somit ist The Lumineers ein glatter Rundumschlag gelungen und ist ihrer Rückkehr mehr als gelungen.

Billie Eilish – Rolemodel Generation Z

Sie steht für die Generation Z, wie kaum eine andere Künstlerin aktuell. Billie Eilish ist mit ihren gerade einmal 17 Jahren der Inbegriff einer neuen Generation von Heranwachsenden geworden, die sowohl zu den Digital Natives gehören, als auch willensstark, fokussiert und laut ihre Vorstellungen von Werten verkünden. Dabei ist markant, dass sich die Werte meist um soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und ein Umweltbewusstsein auf globaler Ebene drehen. Mit den alten Konventionen brechen – das zeigt auch Eilish mit ihren Songs immer wieder. Seit sie im Oktober 2015 mit Ocean Eyes ihre Debütsingle veröffentlichte, sind nicht nur dreieinhalb Jahre vergangen, sondern auch eine Flut von 16 weiteren Songveröffentlichungen, darunter When the Party‘s Over. Erst am vergangenen Freitag wurde schließlich mit When We All Fall Asleep, Where Do We Go? ihr lang erwartetes Debütalbum veröffentlicht und zeichnet sich bereits jetzt ein weltweiter Hit ab. Daraus nun veröffentlicht, hat Eilish die Single Bad Guy, die mit einer Mischung aus Pop, Trap und einem extrem tanzbaren Beat einmal mehr die Kreativität der Sängerin unterstreicht. Gleichzeitig ist das dazugehörige Musikvideo so abgefahren und unterhaltsam, dass man Eilish nur zujubeln kann. Das Rolemodel der Generation Z zeigt uns dabei aber auch, dass wir Angst haben sollten – das allerdings nur im positivsten Sinne.

Hazey Eyes feat. Panama – EDM = Emotional Dance Music

Auch mit gerade einmal 22 Jahren kann man schon auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Im Falle des US-amerikanischen Künstlers Thomas Michel – alias Hazey Eyes – zeigt sich, wie sich ein Fokus ändern kann. Hat er zu College-Zeiten in einer Metalband gespielt, änderte sich kurz darauf sein musikalisches Genre immer mehr zu EDM. Doch auch hier waren es nicht die großen Sounds von Avicii, Swedish House Mafia oder David Guetta, die Hazey Eyes inspirierten, sondern folgte er seinem inneren Verlangen und produziert seitdem Emotional Dance Music. Mit seiner nun veröffentlichten Single Emotion, die zu der gestern veröffentlichten EP Love Lost gehört, hat Hazey Eyes sich nach Some Reason abermals einen australischen Künstler für die Gesangsparts gesucht und in Panamas weicher Stimme gefunden. Panama ist hierbei einmal mehr so umtriebig, wo schon lange nicht mehr. Hatte er doch in der näheren Vergangenheit mit Petit Biscuit und Satin Jackets bereits zwei erfolgreiche Kollaborationen veröffentlicht. Emotion ist dabei eine warme, verträumte und treibende Housenummer, die der in Philadelphia lebende Produzent mit seiner Genrebeschreibung nicht besser treffen konnte. Emotion ist der Übergang von Winter in den Frühling und passt zu den letzten kalten Tagen genauso gut, wie zu den ersten wärmenden Sonnenstrahlen.

J.S. Ondara – Eine Stimme als wahrhaftiges Seelenstreicheln

Passt eine Lebensgeschichte auf die Startseite eines Musikers? Bei J.S. Ondara ist dies so. Zugegeben sind es satte 149 Zeilen, in die der heute 26-Jährige sein bisheriges Leben packt. Vom Aufwachsen in Nairobi und seiner damit verbundenen Armut – seine Mutter und seine Geschwister hatten in Ondaras Kindheit nur das Nötigste und musten immer hart arbeiten um überhaupt etwas zu essen zu haben – über die gesellschaftlichen Regeln – gehörst du nicht zur Mittel- oder Oberschicht, wirst Du auch nicht dorthin aufschließen können – bis hin zu seiner Emigration in die USA und dem wahr werden seines Traumes, Musiker zu werden. All das finden wir in den 149 Zeilen des Musikers und bekommen ein umfassendes Bild des Musikers und Lebenskünstlers. Nun ist mit Tales Of America sein Debütalbum erschienen und präsentiert einen Longplayer mit so viel Soul, Geschichten, Emotionen und Erlebnissen, dass man sich als Hörer kaum verwehren kann sich in der Musik zu verlieren. Ondaras Stimme ist dabei die größte Gabe, die der Sänger haben kann. So klar, so direkt und präsent singt er über Liebe, Sehnsucht und Trauer und wird immer nur von einfachen Instrumenten begleitet, die wahlweise als Gitarre, mal als Cello oder einem ruhigen Schlagzeug auftreten. J.S. Ondara ist diese Art Künstler, der uns inspiriert weiter zu denken, uns zu öffnen, Gefühle zuzulassen und uns einer Entwicklung auszusetzen, indem er durch seine Musik spricht. Ondara ist zeitlos, modern und wichtig – Musik, die Freude in uns auslöst.

LPX – MS von MR machts solo

Hinter der kryptischen Abkürzung LPX und MS MR wird für den ein oder anderen Musikfan schnell die Lösung auf der Hand gelegen haben. Für alle Anderen ist LPX das Alter Ego der amerikanischen Musikerin Lizzy Plapinger, die seit 2011 Teil der – aktuell in einer Pause befindlichen – Band MS MR ist und mit dem Song Hurricane auch in Deutschland einen Hit notieren konnte. Darüber hinaus fungiert sie auch als Mitbegründerin des Plattenlabels Neon Gold Records, welches sie 2008 ins Leben gerufen hat. Nun kommt ein drittes Standbein hinzu, denn macht Plapinger seit 2018 auch vermehrt mit Soloveröffentlichungen unter eben der Abkürzung LPX von sich reden. Mit der nun veröffentlichten Single Give Up The Ghost zeigt sie uns eindrucksvoll, wie der Sound ihrer Band MS MR ohne den deutlichen Anteil an elektronischer Musik klingt und holt gleichzeitig alle Fans von großartigen Indiehymnen ab. Plapinger selbst beschreibt dabei Give Up The Ghost mit den Worten, dass es um die Aktion, Bestätigung und Reflexion des Loslassens und des Vorwärtskommens geht. Denn etwas Frisches beginnt aus einem verbrannten Ende. Dabei steht sie vor der Zielgeraden ihrer zweiten EP Junk of the Heart welche im März erscheinen wird. Hier klingt sie mit den ersten beiden veröffentlichten Songs Might Not Make it Home und Give Up the Ghost wieder deutlich größer und legt damit den kratzigen Rockgörensound der Debüt-EP Bolt in the Blue ab. Mit Give Up The Ghost vereint Lizzy Plapinger/LPX die Musik von MS MR und ihrer eigenen Debüt-LP und formt daraus spannende neue Musik die frisch und nach einem Statement klingt.

Excort – Zurück in die 70er!

Zugegeben – wenn man bei Google die Schlagwörter Escort und Josephine eingibt, bekommt man alles – sogar unmoralische Angebote – nur sehr schwer etwas über die Single des New Yorker Trios Eugene Cho, JKriv, und Adeline angezeigt. Dabei hat die 2006 gegründete Band mit Josephine einen ganz hervorragenden Discotrack veröffentlicht. Ganz im Zeichen der großen Josephine Baker haben sich die Partygaranten an einen satten 70er Jahre Sound gewagt, der selbst für Escort noch einen oben drauf setzt. Mit Adeline als Sängerin steht auch die Stimme ganz im Zeichen der großen Studio-54-Hymnen. Heute spielt sich die elektronische Musik vornehmlich in dunklen Clubs ab – fernab der Masse. Das wollten Escort bewusst mit ihrer Musik ändern und haben sich deshalb am populären Sound der Disco orientiert. Sind Escorts bisher veröffentlichten Alben Escort (2011) und Animal Nature (2015) bereits ein paar Jahre draußen, gibt es nun seit Ende letzten Jahres mit Slide und eben Josephine ein neues Lebenszeichen. Mit Josephine haben Escort der großen Josephine Baker ein Denkmal gesetzt, um das selbst Baker noch herumtanzen würde, wenn sie könnte.

Sofi Tukker & ZHU – Derbe Beats und schräger Sound

Sofi Tukker leben in ihrer ganz eigenen Welt. Sind die Songs von Sophie Hawley-Weld und Tucker Halpern wahnsinnige Partybanger, stehen sie vor allem für genreübergreifende Vielfalt und singen einige ihre Songs neben Englisch auch noch auf Portugiesisch. Ihr bis heute größter Hit ist Best Friend der nur so vor Lebensfreude und Energie zu explodieren scheint. Nach ihrem 2018er Debütalbum Treehouse haben Sofi Tukker nun mit Mi Rumba eine neue Single veröffentlicht, bei der sie mit dem US-Amerikanischen Produzenten ZHU zusammengearbeitet haben. Verlief der Entstehungsprozess unglaublich natürlich, fügt Sängerin Hawley-Weld hinzu, dass der dreckige und frivole Sound ganz bewusst gewählt wurde und den Song – durch die massiven Bassbeats – zu einer enorm wuchtigen Produktion machen. Sofi Tukker und ZHU sind ein Zusammenspiel, welches es gut zu koordinieren gilt, da beide Acts so viel Energie besitzen, dass man von so einem Song regelrecht weggefegt werden könnte.