Er flimmert vor sich hin, bleibt intim, bedrohlich und schwer zugleich und ist dennoch so leicht, dass man ihn als Feder im Wind bezeichnen könnte, die immer wieder aufs Neue in die Höhe geweht und damit so weit getragen wird, dass er irgendwann aus unserem Blickfeld zu verschwinden scheint. Die Rede ist vom Song The Flood der Wahlberlinerin KOSCHKA. Auf opulenten sieben Minuten singt Edita Karkoschka davon, dem Wind zuzuhören und an Chancen vorbeigekommen zu sein, ohne sie ergriffen zu haben. Hört man The Flood umgibt einen sofort eine Decke aus musikalischer Wärme. Aber ebenfalls ist da auch diese Trauer, die in jedem Tastenschlag des Klaviers zustimmend ertönt und KOSCHKAs Stimme so erhaben und verletzlich zeigt. Es ist ein wenig, als würde man Nachts schlaftrunken durch die langen Gänge eines nur spärlich beleuchteten Hotelflures wandeln. Hier verbindet sich das Gefühl von Ferne und Nähe, wie kaum an einem anderen Ort.

In einer Umgebung zu sein, die man nicht kennt und dennoch für wenige Tage als sein Zuhause – mit wärmender Decke – auswählt, ist immer auch der Auftakt für ganz besondere Emotionen. Hier setzt man sich mit sich auseinander – ohne, dass man dies forciert. Und auch wenn KOSCHKA dieses Bild gar nicht Zeichnet, bleiben unweigerlich die Eindrücke eines solchen Momentes haften. Das war nicht immer so – denn Edita Karkoschka war bis zum Sommer 2021 die Frontfrau der Band Nausica, die mit ihrem flirrenden Popsound einen starken Kontrast zu KOSCHKAs heutiger Musik darstellt. Manchmal muss man in die entgegengesetzte Richtung gehen, um ans Ziel zu kommen. Was das Ziel ist, ist vielleicht noch nicht ganz definiert, doch KOSCHKA steht nicht nur als Sängerin, sondern auch als Produzentin und Komponistin hinter ihrer Musik und bereitet sich so gerade auf die Veröffentlichung ihres Debütalbums vor, dass im Frühjahr 2024 erscheinen soll. KOSCHKA baut sich so eine ganz eigene Bühne, auf der sie die vielversprechendste Künstlerin ist. Mit The Flood schafft es KOSCHKA auf jeden Fall, uns in der dunklen Jahreszeit mit auf eine Fahrt voller emotionaler Wechsel zu nehmen und dabei einen sieben minütigen Song klingen zu lassen, als wäre er eine halbe Welt und dennoch viel zu kurz.