Charlotte Cardin - Meaningless

Charlotte Cardin – Ist der Sturm unserer Lautsprecher

In den YouTube-Kommentaren können wir Sätze, wie Sie ist eine Legende, Sie hat es verdient, richtig bekannt zu werden oder Sie sollte den nächsten James Bond Song singen lesen – all das, obwohl die Musikerin und Model erst 26 Jahre alt ist. Von ihrer Stimme und dem ganz besonderen Gefühl, den die kanadische Sängerin Charlotte Cardin in ihre Songs packt, konnten wir uns bereits auf Fous N’importe Où überzeugen. Damals hatte sie zusammen mit dem kanadischen Produzenten CRi eine eigene Interpretation des – im Original 2001 von Daniel Bélanger veröffentlichten – Songs rausgebracht. Nachdem sie mit Big Boy 2016 ihre Debüt-EP veröffentlichte, folgte nur ein Jahr später mit Main Girl die zweite EP. Dabei ist ihr Wechsel zwischen Jazz, Elektro und Pop bemerkenswert und lässt sie, je nach Genre komplett anders wirken. Nachdem sie mit Passive Agressive im vergangenen Herbst eine erste neue Single veröffentlichte, folgte im Januar mit Daddy eine zweite Single. Nun hat Cardin mit Meaningless einen weiteren Song veröffentlicht und damit auch die Info, dass wir uns im April auf ihr lang erwartetes Debütalbum Phoenix freuen können, auf dem alle drei Songs zu finden sind. Dieses hat Cardin in den vergangenen zwei Jahren abgeschottet aufgenommen und dabei in sich selbst reingeguckt. Denn seitdem die Kanadierin mit 15 das erste Mal auch als Model tätig war, bereits mehrmals auf dem Cover des Modemagazins ELLE stand und für CHANEL als Markenbotschafterin tätig ist, versteckt sie ihre eigene Identität, um in der Öffentlichkeit so zu wirken, wie man es von ihr erwartet.

Charlotte Cardin - Phoenix
Charlotte Cardin – Phoenix

Dies wollte und musste die – aus Montreal kommende – Sängerin ändern, entstand dadurch doch bei ihr eine zunehmende Leere. Auf Meaningless singt Cardin darüber, sich von den Erwartungen der Aussenwelt zu befreien und wieder zu sich selbst zurückzufinden. Sich nicht zu verkaufen, sich nicht selbst zu verlieren und einfach sich selbst zu vertrauen. Herausgekommen ist ein Song, der so unterschiedlich ist, dass wir hier regelrecht erkennen können, welche Zerrissenheit in ihr herrschte. Da beginnt es gleich in den ersten Sekunden mit einem ruhigen Einstieg aus Cardins Gesang und einer Gitarre, ehe plötzlich ein drückender Aufschrei den Moment zerreisst und in einem treibenden Elektrosound übergeht – niemals erdrückend aber immer bedrückend. Hier kommt man unweigerlich zu dem Moment, bei dem man sich nicht sicher ist, ob der Aufschrei sich trägt, ehe mit dem Einsetzen des Elektrobeats ein WOW aufkommt und alle vorherigen Gedanken förmlich wegfegt. Charlotte Cardin hat mit Meaningless eine sehr starke Single veröffentlicht, die wunderbar die Vielfalt ihrer Stimme zeigt, durch die Produktion aber das Augenmerk auf das Gefühl der Sängerin lenkt.

Freyr - Nicotine Bunker

Freyr – Erfrischend klar

Bisher kennen wir den schwedisch/isländischen Musiker Freyr durch melancholisch, introvertierte Folkballaden, die sich so intim anhören, dass wir uns wünschten, mit ihm einen Abend verbringen und seinen Geschichten lauschen zu können. Doch schon mit der letzten Veröffentlichung American Poster zeigte sich der Singer/Songwriter mit einem helleren Sound und ließ einen Aufbruch erkennen. Nun ist der Musiker mit einer weiteren Single zurück und lässt diese Helligkeit weiter wachsen. Auf Nicotine Bunker singt der Singer/Songwriter von neuen Eindrücken und der Herausforderung, sich zu finden und gleichzeitig offen für Neues zu sein. So nimmt er das Beispiel einer Kommune, in der Tarotkarten gelegt werden, viel geraucht wird und sich alle glückselig übereinander freuen. Auch wenn Freyr selbst Nichtraucher ist und nicht all zu viel mit dem Tarotkartenlegen zu tun hat, kam er mit der Offenheit der Kommune, ihn willkommen zu heißen, in Berührung. Dieses natürliche Vertrauen in den Menschen hat den Musiker tief beeindruckt. Gleichzeitig kündigt Freyr mit Nicotine Bunker auch sein gleichnamiges Debütalbum an, das am 28. Mai erscheinen wird.

Freyr
Freyr

Darauf enthalten, sind neben American Poster auch Avalon, You Want Love und vier weitere Songs. Freyr selbst hat erst heute auf Twitter geschrieben, dass sich seine neun bisher veröffentlichten Songs schon wie ein Album anfühlen. Daher war der Schritt hin, zu seinem Debüt, nur noch ein Katzensprung. Mit der Mischung aus Folk, Singer/Songwriter und einfließenden Elementen des Pop hat Freyr eine starke Richtung in seiner Diskografie vorgegeben. Doch mit nicht einem einzigen Song, der enttäuscht, können wir sicher sein, dass uns sein Debütalbum vom ersten bis zum letzten Track packen, berühren, aufbauen und beruhigen wird. Erstmals hat Freyr mit der Single Nicotine Bunker auch ein offizielles Musikvideo veröffentlicht, das ihn bei einem Pärchen in einem Wohnmobil zeigt, welches ihn am Straßenrand aufgegriffen hat. Mit Nicotine Bunker hat Freyr einmal mehr den gelassenen, warmen Sound seiner Musik und Stimme eingefangen, um ihn uns zu präsentieren.

Ben Böhmer & Panama - Weightless

Ben Böhmer & Panama – In neue Sphären treiben

Es braucht keine 20 Sekunden, da entstehen in unserem Kopf Bilder von fernen Landschaften – von Urwald bewachsenen Bergen, malerischen Inseln und menschenleeren Weiten. Keine Überfrachtung, keine leuchtenden Lichter von Zivilisation und doch irgendwie urban. So klingt der neueste Song des deutschen Produzenten Ben Böhmer aus Göttingen. Mit seinem Deep House hat es der Göttinger binnen kürzester Zeit von nur sechs Jahren zum renommierten Houselabel Anjunadeep geschafft. Dabei ist die Musik des 26-jährigen Produzenten sphärisch und euphorisch zugleich. 2019 veröffentlichte Böhmer mit Breathing sein Debütalbum, welches er nur ein Jahr später als Remix-Album erneut rausbrachte. Mit Live From Printworks London hatte er im vergangenem Jahr sogar ein erstes Live-Album veröffentlicht. Vor wenigen Wochen kam mit Run Away eine erste neue Single Böhmers raus, die zusammen mit Felix Raphael und Tinlicker produziert wurde. Nun folgt bereits die zweite Single und hat den umtriebigen Panama mit dabei. Auf Weightless passt alles so wunderbar zusammen, dass man sich regelrecht verlieren kann. Schließt man die Augen, fühlt sich der Körper an, wie in einem endlosen Fall, bei dem wir uns immer wieder im Kreis drehen und das prickelnde Gefühl des freien Falls genießen.

Ben Böhmer & Panama - Weightless (Video)
Ben Böhmer & Panama – Weightless (Video)

Böhmer, der in jungen Jahren Klavier und Trompete zu spielen gelernt hat, arbeitet sich durch wunderbare Harmonien aus schwebenden Synthies und tiefen Bässen, die sich nach dem Moment unseres Lebens anfühlen. Durch Panamas warme Vocals entsteht gleichzeitig eine melancholische Stimmung, die uns an die ganzen verpassten Gelegenheiten erinnert, die wir in den vergangenen zwölf Monaten mit unseren Freunden hätten haben können. Weightless liegt schwer auf dem Herzen, lässt unsere Gedanken fliegen und Gefühle aufkommen, die von Zerrissenheit, Wärme, Melancholie und Zufriedenheit getrieben sind. Gleichzeitig bringt uns der Song aber auch zum tanzen. Mit geschlossenen Augen, die Arme in die Luft gestreckt sehen wir uns dann plötzlich wieder in den fernen Landschaften, die eingangs bereits die perfekten Bilder geliefert haben. Böhmer ist damit auf dem besten Weg, sich in die vorderste Reihe der Deep House Produzenten in Deutschland zu arbeiten.

Provinz - Hymne gegen euch

Provinz Was heisst hier „werden“?

Es ist in fast jedem Artikel zu lesen – nun werden sie politisch. Gleichzeitig wird auf das neue Musikvideo der Band Provinz hingewiesen. Selbst die eigen Plattenfirma nutzt dieses Schlagzeile. Dabei hat die Band schon in früheren Songs mit gesellschaftskritischen Themen eine Jugend skizziert, die fernab von unreflektiertem Verhalten ist. Mit ihrer neuen Single Hymne gegen euch sprechen sie das aus, was diese Generation immer öfter umtreibt. Denn unpolitisch ist die Generation Z bei weitem nicht. Sie stehen auf, gehen auf die Barrikaden, zeigen Probleme auf und stellen Forderungen. Die Bandmitglieder von Provinz sind Teil dieser Generation, der viel zu oft die hochnäsige Haltung entgegengebracht wird, sich für nichts einzusetzen und doch nur an Partys interessiert zu sein. Ob mit Organisationen wie Fridays For Future, Extinction Rebellion, Sunrise Movement, Greenpeace oder den Bewegungen Black Lives Matter, #MeToo und der Abschaffung des Abtreibungsparagraphen § 219a – alle werden von der Jugend im großen Stile getragen, unterstützt und werden Veränderungen gefordert. Somit ist klar, dass junge Erwachsene und Jugendliche politisch sind und es nicht erst werden, wenn sie es das erste mal aussprechen. Ähnlich findet dies gerade bei Provinz statt, die mit ihrem Debütalbum Wir Bauten Uns Amerika und Singles, wie Wenn Die Party Vorbei Ist, Nur Freunde oder Tanz Für Mich im vergangenen Jahr auf Platz 4 der deutschen Albumcharts einstiegen.

Provinz Photo: Mike Kipper
Provinz Photo: Mike Kipper

Denn mit ihrer neuen Single Hymne gegen euch möchten sie klar machen, dass die Jugend es selbst in die Hand nimmt, wie ihre Zukunft auszusehen hat. Dabei sagte schon der Titel des Debütalbums mit Wir bauten uns Amerika aus, dass die Do-it-yourself-Haltung schon damals fest verankert war. Mit drängendem Sound aus Schlagzeug und Klavier singt sich Frontmann Vincent mit aufbrausender Kraft gegen die Haltung des stumm bleibens. Er [Der Song Hymne gegen Euch] soll die Leute aufwecken, die denken, sie hätten kein Recht dazu, sich jetzt zu äußern, weil sie sich vielleicht nicht hundertprozentig auskennen. Die derselben Meinung sind, aber kein Ventil finden und nicht so richtig wissen: Was mache ich jetzt? Wie soll ich mich verhalten? Denen will ich damit eine Stimme geben. Auf Hymne gegen euch ist es nicht der tanzbare Sound, der die Stimmung anheizt, sondern der Druck, den die Jungs nicht zuletzt mit den Worten und der Musik aufbauen. Produziert wurde der Song – wie auch die dazugehörige EP Zu spät um umzudrehen die am 11. Juni erscheinen wird – von Tim Tautorat, der sich auch schon für den Sound von AnnenMayKantereit verantwortlich zeichnet. Geschrieben hat Vincent die Texte dieses Mal jedoch nicht mehr alleine – wie sonst üblich – sondern hat sich mit dem Hamburger Singer/Songwriter Fayzen zusammengesetzt. Wir dürfen daher gespannt sein, was sich auf der kommenden EP noch alles befindet und können schon mit Hymne gegen euch sagen, dass Provinz einfach nicht aufhören uns mit starken Songs zu begeistern.

Alex Somers

Alex Somers – Ein Mastermind wird sichtbar

Er zeigt sich in vielen Gestalten. Mal ist der US-Amerikanische Musiker Alex Somers als Produzent tätig und ist unter anderem verantwortlich für die Sigur Rós-Songs Varúð, Ekki Múkk, Valtari oder die gesamten Songs der Soloplatte Go des Sigur Rós-Frontsängers Jónsi – mit dem er auch das 2009er Album Riceboy Sleep veröffentlichte. Mal zeichnet er sich als Visual Artist für die Alben der isländischen Band verantwortlich. Zusätzlich tritt er noch als Tontechniker, Produzent und Mixer in Erscheinung. Dass die Zusammenarbeit mit der isländischen Band allerdings so üppig ausfällt ist kein Zufall – lebt Alex Somers doch mittlerweile fest in Reykjavík und ist mit Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi – seit nunmehr 18 Jahren leiert. Entstanden sind daraus immer wieder aufregende Projekte und noch viel aufregendere Songs. Nun hat Somers – nachdem er Soundtracks unter anderem für Black Mirror, Captain Fantastic oder Manhattan geschrieben hat – mit Siblings One & Siblings Two sein Debütalbum angekündigt das damit gleichzeitig auch ein Doppelalbum sein wird. Debütalbum deshalb, da Somers erstmals eine Platte unter seinem bürgerlichen Namen rausbringt.

Während ein Großteil der Songs des Doppelalbums zwischen 2014 – 2016 entstanden, verfolgt Somers auf den beiden Platten unterschiedliche Stimmungen. Gleichzeitig zur Ankündigung von Siblings One & Siblings Two veröffentlicht Somers mit Deathbed und Sooner auch jeweils einen ersten Song von jeder Platte. Bereits hier kann man erkennen, dass mit Deathbed deutlich düstere Stimmungen eingefangen werden. Dabei hält sich Somers an das Unperfekte und nimmt einzelne Sounds immer wieder auf, bis so nichts mehr von ihrem sauberen Sound vorweisen können. Gleichzeitig hören wir hier aber auch die starke Nähe zu Sigur Rós heraus, welche durch die wabernden Sounds und einem verschleierten Gesang an die Band erinnert. Mit der zweiten Auskopplung Sooner könnte man fast meinen, einen Song aus der Sigur Rós-Zeit von () (Untitled) zu hören zu bekommen. Mit einem prägnanten Klavierspiel und vertrakteten Stimmelementen kommt eine Stimmung auf, die an das Erwachen von Leben erinnert. Stark kinematographisch beschreibt Somers hier eine akustische Auferstehung, die schließlich wieder in sich zusammenfällt und leise verschwindet. Alex Somers hat damit ein Doppelalbum angekündigt, welches viel Zuspruch erhält und als eine Art Brücke, zwischen Sigur Rós und seinem eigenen Schaffen gesehen werden kann.

Arlo Parks - Hope

Arlo Parks – Die Hoffnung in uns

Sie ist eine der aufstrebendsten Acts, die es zur Zeit gibt. Die Britin Arlo Parks verbindet so viele einzelne Teile miteinander, dass zusammengenommen ein großartiges Gesamtbild entsteht. Mit gerade einmal 20 Jahren hat es die Britin geschafft, sich Gehör bei so vielen Menschen zu verschaffen und gleichzeitig ein Sprachrohr der heutigen Generation von jungen Heranwachsenden zu werden. Denn auch bei Parks hat die Pandemie nicht halt gemacht. Mit ihrem sehnsuchtsvollen und melancholischen Sound und der Zerrissenheit der heutigen Jugend hat uns Parks mit ihrer Musik zu einer Zeit in eine Traumwelt mitgenommen, in der wir uns alle nach einer Realitätsflucht sehnen. Doch was es mit den Menschen macht, wenn sie auf Distanz gehen müssen, wurde in den vergangenen Monaten nur all zu oft besprochen. Wie ist es aber für eben diese Generation von jungen Menschen, einen Teil ihrer Charakterfindung in diese Zeit fallen zu sehen? Ihr neuer Song Hope behandelt daher das Gefühl, dass einem nur Negatives passiert, man aber realisieren sollte, dass es da draußen so viele Menschen gibt, denen genau das gleiche Gefühl zu schaffen macht. Gemeinsam entsteht dadurch eine Hoffnung und die Stärke, sich gegenseitig in den Arm nehmen zu können.

Arlo Parks Photo by Tamiym Cader
Arlo Parks Photo by Tamiym Cader

Arlo Parks ist eine faszinierende Musikerin, die mit ihrer Tiefe und einer – von gesellschaftlichen Normen losgerissenen – Selbstständigkeit begeistert und mit ihrem Debütalbum Collapsed in Sunbeams eines der wichtigsten Album 2021 veröffentlicht hat. Dieses ist heute auf Platz 3 der britischen und Platz 10 der deutschen Albumcharts eingestiegen und untermauert das Verlangen nach zeitlosem, gefühlvollen und aufrichtigen Sounds. Das britische Musikmagazin NME schreibt nicht ohne Grund über das Album; Arlo Parks mag die Stimme der Generation Z sein. Doch gibt es keinen Zweifel daran, dass dieses Album eine universelle Sammlung von Geschichten ist, die Hörern aller Altersgruppen und Hintergründe in den kommenden Jahrzehnten Trost spenden wird. Mit darauf enthalten sind die bereits veröffentlichten Songs Eugene, Black Dog, Hurt, Green Eyes und Caroline der bereits Mitte Dezember hier auf SOML zu finden war. Hope ist dabei die sechste Songauskopplung und untermauert die Aussage des NME nochmals deutlich.

Tash Sultana - Sweet & Dandy

Tash Sultana – Bei sich selbst angekommen

Die Musik hat etwas, von einem schönen, gemütlichen Abend unter Freunden. Man sitzt auf er Couch, lacht, erzählt sich Geschichten und stößt mit Gläsern auf einen schönen Abend an. Ein Gefühl, das Tash Sultana auf den neuesten Songs so wunderbar verbreitet. Schon mit Beyond The Pine, Greed, Pretty Lady und Willow Tree ging es in diese Richtung. Dabei hat Sultana eine Verwandlung zu mehr Soul und weniger Gitarrensolos vollzogen. Mit der neuesten Veröffentlichung Sweet & Dandy wird diese Stilrichtung nun fortgeführt und geht es in dem Song darum, sich von der ganzen Flut an negativen Informationen loszureissen und sich bewusst zu werden, dass man im Hier und Jetzt lebt und sich selbst genügt, so Sultana. Du mit dir allein, das reicht. Du brauchst nicht die ganze Welt um dich herum um zu entscheiden, wie Dein Leben verlaufen soll. Auf dem neuen Album Terra Firma, das am 19. Februar erscheinen wird, hören wir Sultana zuversichtlicher, dynamischer und erfahrener. Die letzten Jahre haben Sultana geprägt.

Tash Sultana Photo by Giulia Giannini McGauran
Tash Sultana Photo by Giulia Giannini McGauran

Noch 2012 war Sultana drogenabhängig und durchlief eine Psychose, die nur mit einer Therapie behandelt werden konnte. Vier Jahre später folgte, mit der Unterzeichnung eines Plattenvertrags, die zweite EP Notion, die es direkt in die Top-10 der australischen Albumcharts schaffte. Nur zwei Jahre später schloß sich das Debütalbum Flow State an, das bis auf Platz 2 stieg und selbst in den USA und Europa Chartnotierungen verzeichnete. Auf Sweet & Dandy hören wir von dieser Zerrissenheit nichts mehr. Hier überwiegen die melodisch, warmen Klänge und ist die Experimentierfreudigkeit zugunsten einer Gradlinigkeit in den Hintergrund geraten. Mit so einem Hintergrund blieb Sultana auch der internationalen Presse nicht verborgen und schafft es nun sogar auf das März-Cover des australischen Rolling Stone Magazins. Mit Sweet & Dandy gibt uns Sultana die benötigte Dosis Hoffnung, Wärme und Kraft, die wir aktuell so sehr benötigen und weisst uns den Weg, zu uns selbst.

Jon Batiste - I Need You

Jon Batiste – Ein Song für die gute Laune

Er ist ein Allrounder im wahrsten Sinne des Wortes. Als Musiker trat er in den vergangenen 22 Jahren in den verschiedensten Rollen in Erscheinung – und das, obwohl der US-Amerikaner erst 34 Jahre alt ist. Dabei kommt Batiste aus einer wahren Musikerdynastie. Denn bereits die Familienmitglieder Lionel Batiste, Milton Batiste, Harold Battiste und Russell Batiste Jr. spielen im Südstaatensoul und Jazz eine große Rolle. So hat Harold Battiste einst mit Sonny & Cher und Sam Cooke zusammengearbeitet. Für Jon Batiste ging es daher bereits mit 8 Jahren in der Familienband Batiste Brothers Band los. Hier arbeitete er über Jahre an seinem Profil und fokussierte so den Einstieg, in eine Solokarriere, die er mit seinem 2005er Debütalbum Times in New Orleans schließlich begann. In den folgenden Jahren absolvierte Batiste an der New Yorker Privatschule Juilliard School seinen Bachelor und Master für Musik. Von hier kommen auch so berühmte Absolvierende, wie Nina Simone, Miles Davis, John Williams, David Garrett und Philip Glass.

Jon Batiste - We Are
Jon Batiste – We Are

Seit 2015 fungiert Batiste mit seiner Band Stay Human als Hausband in der US-Amerikanischen Late Night Talkshow The Late Show with Stephen Colbert und erreicht damit allabendlich zwischen 4 und 6 Millionen Zuschauer. Als bisheriger musikalischer Höhepunkt können definitiv die Grammy-Nominierungen 2018 als Best American Roots Performance und 2020 für Best Contemporary Instrumental Album und Best New Age Album genannt werden. Seit diesen Winter können wir ihn auch auf dem Soundtrack des Disney-Films Soul hören, zu dem er über ein dutzend Songs beigesteuert hat. Nun hat Batiste mit I Need You den ersten Song aus seinem kommenden Soloalbum We Are veröffentlicht, das am 19. März scheinen wird. Dieser Song sprüht nur so vor Spaß, Energie und Lebensfreude und begeistert mit einer Mischung aus Jazz, Soul und R&B und einem Musikvideo, das diese Mischung perfekt widerspiegelt. I Need You ist eine wahre Bombe und lässt uns keine Sekunde Zeit, darüber nachzudenken, ob uns der Song gefällt, sondern reisst uns direkt, rein, in eine Welt, voller Euphorie und Freude an der Musik.

Black Coffee & Diplo feat. Elderbrook - Never Gonna Forget

Black Coffee & Diplo feat. Elderbrook – Wie drei Dance Produzenten so verträumt klingen können

Allesamt sind sie in der elektronischen Musik zu Hause. Mal ist es mehr Soul und R&B, mal sind es fette Beats oder wiederum auch nur der ruhige chillige House-Sound, welche die drei Produzenten und DJs voneinander unterscheiden. Als Hauptact des Songs Never Gonna Forget zeichnet sich der Südafrikanische Produzent Black Coffee verantwortlich, der erst vor wenigen Wochen mit seinem Song Ready For You und der Zusammenarbeit mit der britischen Soulsängerin Celeste durch die Decke ging. Bei der Entstehung des neuen Songs Never Gonna Forget erzählt sich die Entstehungsgeschichte allerdings anders. Denn hier war es der US-Amerikanische Star-Produzent Diplo und der britische Newcomer Elderbrook, die diesen Song zusammen geschrieben hatten. War Diplo allerdings schon seit längerem von Black Coffees Arbeit begeistert, wollte er unbedingt mit ihm zusammenarbeiten. So schickte er dem Südafrikaner den Song und ließ Black Coffee die Freiheit den Sound darunterzulegen. Schließlich fügte Diplo noch einige seiner Nuancen hinzu. So kam ein äußerst entspannter EDM-Song heraus, der sich, wie zuvor schon Ready For You in einer ungemein ruhigen Atmosphäre präsentiert.

Black Coffee, Elderbrook, Diplo
Black Coffee, Elderbrook, Diplo

Dabei haben Black Coffee und Diplo den Gesang des britischen Produzenten und Sängers Elderbrook so wunderbar herausgearbeitet, dass man von den einzelnen Lyrics förmlich eingesogen wird. Elderbrook, der erst letzten Herbst mit Why Do We Shake In The Cold? sein Debütalbum veröffentlichte, zeigt dabei einmal mehr eine Anpassung seiner Stimme an die verschiedenen Tempi im Song. Damit ist mit Never Gonna Forget ein so wunderschön verträumter Housetrack erschienen, der drei absolute Superstars zusammenbringt, die Awards, wie den Grammy oder BET-Award, gewonnen haben oder dafür nominiert wurden. Never Gonna Forget ist hierbei bereits die siebte Singleauskopplung aus dem, am 5. Februar erscheinenden Album Subconsciously, welches neben Celeste, Diplo und Elderbrook auch Kollaborationen mit Pharrell Williams, RY X, David Guetta, Usher oder Cassie enthält. Alle Songs eint der unaufgeregt, entspannte House-Sound, der deutlicher zur Stimmung einer Strandbar passt, als auf die Tanzflächen der großen Clubs. Black Coffee berührt, lädt zum Träumen ein und hat ein wahnsinniges Gespür für die richtigen Stimmen.

Birdy

Birdy – Tiefe Gefühle in einer Stimme

Bereits im vergangenen September begeisterte die britische Sängerin Birdy mit neuer Musik. Damals war es der Song Open Your Heart und die EP Piano Sketches, mit der die Sängerin nach vier langen Jahren der Stille wieder ein Lebenszeichen von sich gab. Dabei erfreute die Fans, dass ihr Sound wieder zurück zu den Pianoballaden des Debütalbums gingen. Gleichzeitig nutzte Birdy aber auch die EP, um so viele Songs, wie möglich, aus ihren vergangenen fünf Jahren abseits der Öffentlichkeit zu veröffentlichen. Denn bereits da stand fest, dass ihr viertes Album im Frühjahr 2021 erscheinen sollte. Nun hat die 24-Jährige mit Surrender nicht nur die erste Single aus ihrem kommenden Album veröffentlicht, sondern mit Young Heart auch ihr neues Album für den 30. April angekündigt. Hier bringt Birdy all die Eindrücke zusammen, die sie während ihres Aufenthaltes in Nashville und Los Angeles erlebte. Es war die Zeit, die sie brauchte, um Abstand von all dem Trubel um ihre Person, ihre Musik und ihre Erfolge zu bekommen. Dabei ist Surrender zu einer Kur geworden, die sich mit all ihrer emotionalen Kraft in uns breitmacht.

Birdy - Surrender
Birdy – Surrender

Hier hören wir Birdys glasklare Stimme so bedächtig und langsam singen, dass jeder einzelne Ton wie eine akzentuierte Tastenauswahl auf einem Klavier erscheint. Hinzu kommt dann auch noch, dass Birdy wieder zurück zu ihrem großartigen Klavier gefunden und alle anderen Beiwerke konsequent weggelassen hat. So sagt Birdy über ihr neues Album, dass es keine Dekoration gibt. Dieses Album fühlt sich einfach sehr persönlich an. Ich bin in den vergangenen fünf Jahren sehr gewachsen und habe neue Dinge erlebt, die mein Verständnis der Welt geprägt haben, zugleich aber auch, wer ich als Künstlerin bin. Dieses Album bedeutet mir viel – ich will es beschützen. Gleichzeitig kapituliert Birdy vor ihrer eigenen Vergangenheit, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Surrender ist eine faszinierende Pianoballade, in der wir uns gerne verlieren und unseren Emotionen freien Lauf lassen. Denn eines schafft Birdy mit ihren Balladen immer wieder – die Hörerenden nicht in Trauer zurückzulassen, sondern vielmehr ihnen eine Stärke an die Hand zu geben, neuen Mut zu fassen.