Flight To Moonlight - Midnight

Flight To Moonlight – Wunderbar lockerer Sommerhit

Flight To Moonlight hat einen direkten Weg gefunden, um seine Musik abseits der großen Promotion-Firmen zu bewerben. Adam Baring – der sich hinter Flight To Moonlight verbirgt – durchforstet Blogs, guckt, zu welchen Seiten seine Musik passen würde und schreibt diese an, was einer Art Kaltakquise gleich kommt. Allerdings dürfen sich viele Blogs auch freuen, Anlaufpunkt zu sein, hört man sich die beiden bisher veröffentlichten Songs des Musikers einmal an. Mit seiner 2018er Debütsingle Sticky Hearts begeisterte er sofort durch einen verspielt, fröhlichen Elektronica-Sound. Nun hat Baring mit Midnight einen neuen Track veröffentlicht und verbindet seinen Elektronica-Sound mit Tropical-House-Elementen. Hinzu kommt ein treibender Synthiebeat, der durch den Gesang des East-Londoner Sängers Priz an Temperament gewonnen hat. Beide zeigen als Newcomer – durch die Kollaboration auf Midnight – dass ihnen die Zusammenarbeit gut steht und wecken sie die Lust auf weitere Songs als Duo. Während Priz bereits angekündigt hat, an seinem Debütalbum zu arbeiten, sind bei Flight To Moonlight die Weichen noch nicht gestellt und lässt es uns hoffen, dass Adam Baring keine weiteren zwei Jahre benötigt, um einen nächsten Song zu veröffentlichen. Midnight besitzt einen ansteckenden Sound, der hier und da lose an Künstler, wie Roosevelt oder Duke Dumont erinnert, lässt aber auch immer klar einen Singer/Songwriter-Hauch erkennen. Dabei hat sich Baring mit sehr viel Humor an den Song gesetzt, denn geschrieben hate er ihn – eigenen Aussagen zufolge – mit der Absicht etwas zu produzieren, dass ihn stolz macht und womit er prahlen kann, aber auch beim Hörer den Moment auslösen soll, den man hat, wenn man sich einen Bee Gees Song anhört. Wer noch auf der Suche nach einem passenden Frühlings- oder Sommerohrwurm ist, hat ihn mit Midnight gefunden und kann ihn getrost auf seine Summer-Playlist setzen.

Purple Disco Machine feat. Sophie And The Giants – Große Beats treffen auf große Stimme

Es ist eine Kollaboration, die so frisch, wie großartig klingt. Der deutsche Produzent Tino Piontek mixt als Purple Disco Machine zwar schon mehr als zehn Jahr seine enorm tanzbaren Discosounds und wird damit auch zunehmend erfolgreicher, doch fehlt bis heute – wie auch schon im September letzten Jahres, als er seine Single Emotion veröffentlichte – der große Hit um im Mainstream durchzustarten. Ganz ähnlich und doch völlig anders geht es da dem britischen Quartett von Sophie And The Giants, die ebenfalls im September letzten Jahres mit ihrer Single The Light – und als komplette Newcomer – mit einem Song begeisterten, der viele Parallelen mit Florence & The Machine aufweist.
Nach der 2-Track-EP Emotion hat sich Purple Disco Machine nun an die Arbeit für ein neues Album gesetzt und bereits mit der – im Februar veröffentlichten – Single In My Arms einen weiteren modernen Discoklassiker veröffentlicht. Nun folgt darauf der Song Hypnotized, den er zusammen mit Sophie And The Giants aufgenommen hat. Dabei ist es genau das Zusammenspiel dieser beiden vielversprechenden Acts, der so interessant ist. Denn mit der Stimme von Sophie Scott und dem luftig flirrenden Synthesizern von Purple Disco Machine wird aus Hypnotized eine wahre Hymne, die so perfekt zu der erwachenden Natur und den ersten warmen Tagen des Frühlings passen und uns mit Sicherheit auch durch den Sommer begleiten wird.

Lie Ning - Tonight

Lie Ning – Mit großer und so vertraute Stimme aus Berlin

Man muss sicherlich zwei Mal hinschauen, guckt man sich die Person hinter dieser großartig, souligen Stimme des Songs Tonight an. Denn eigentlich ist man sicher ANOHNI und Hercules And Love Affair hinter dieser Stimme wiederzufinden – doch weit gefehlt. Hinter Tonight steckt der Berliner Musiker Lie Ning, der mit seinem wunderbar, sanften Sound sowohl im Elektrobereich, als auch im Art-Pop zu Hause ist. Dabei mischt er Neo-Soul mit R&B-Elementen und lässt einen so schönen Sound entstehen, dass man sich förmlich vom Song umschmeichelt fühlt. Lie Nings Stimme wechselt dabei immer wieder zwischen hohen und tief, brummenden Tönen und klingt fragil, vertraut und gebrochen zugleich. Handelt der Song davon, sich bei einer Person seines uneingeschränkten Vertrauens fallen zu lassen, wird einem schnell bewusst, was man vermisst hatte. Dieses Gefühl, das Lie Ning auf Tonight so wunderbar transportiert, streichelt deine Wange, wenn du traurig auf der Couch liegst, befeuert dich, wenn du Kraft brauchst und lässt Bilder im Kopf entstehen, von innigen Momenten zu zweit. Tonight ist bereits im vergangenen Sommer erschienen und gehört auf die – Mitte Oktober veröffentlichte – EP Traffic Songs For The Inbetweens. Doch während die Folgesingles Secret Island und Alright zwar zeigten, dass Lie Nings Sound kein Zufall war, ist es Tonight der sich auch weiterhin durch das Internet frisst und von Blogs entdeckt wird. Lie Ning ist ein Allrounder – mit extravaganten Outfits, Tanzperformances oder tiefen Songs erreicht er immer wieder Menschen, die ihn noch nicht kannten, und spricht damit auf so vielen Wegen zu den Hörern, dass man sich sicher sein kann, dass Lie Ning absolut in seinem Element ist.

Kalthauser - Erlöse Mich

Kalthauser – Pop, der erstarren lässt

Wenn wir die Top-100 der Singlecharts mit dem Finger hoch- und runterswipen und uns die Musikhitlisten der großen Streamingdienste ansehen, finden wir viel Musik, die unterhält und für gute Laune sorgt. Gleichzeitig ist die Halbwertzeit eines Songs heute nur noch auf einige Wochen begrenzt und lässt es so nur schwer zu, sich wirklich mit dem Künstler und seiner Idee von Musik auseinanderzusetzen. Bei dem Chemnitzer Quartett Kalthauser funktioniert alles ein wenig anders. Mit einem Debütalbum als allererste Veröffentlichung wagen sie den Schritt – ohne durch eine EP ein vorheriges Abtasten eine Hörerschaft zu generieren – und zeigen damit, wie wichtig ihnen ist, ehrliche Musik zu machen und den Fokus auf eben Diese zu legen. Mit ihrem zweiten Song Erlöse Mich setzen Kalthauser dann auch gleich ein schweres Thema um, dass allerdings ein wichtiger Teil ihrer Musik ist. Denn hier thematisiert Frontsänger Benjamin Panikattacken und was sie nicht nur in einem auslösen, sondern auch hinterlassen. Denn nicht zuletzt der Aufbau von Panikattacken ist es, der die Spirale vorantreibt und einen Menschen in immer kleinere Räume drängt, aus die es nur noch mit professioneller Hilfe herauszukommen möglich ist. Erlöse Mich ist dabei als waschechter Popsong nicht etwa klischeebehaftet, sondern nutzt diese starken Elemente des Genres, um die Worte und Bilder des Musikvideos eindrücklich in den Vordergrund zu stellen. Dabei klingt Erlöse Mich groß und gewaltig, zeigt allerdings auch eine Zerrissenheit auf, die dem Song dadurch Tiefe verleiht. Kalthauser veröffentlichen am 8. Mai ihr Debütalbum Kalthauser und sind Ende März für zwei Termine in Brandenburg an der Havel und Berlin zu sehen.

LAIKKA - Undertow

LAIKKA – Wenn Auflösen die Freiheit bedeutet

Sie stehen gerade erst am Anfang ihrer musikalischen Laufbahn als Band und klingen dennoch bereits nach verlässlichen Garanten für emotionale Elektromusik. Guckt man sich allerdings einmal die musikalischen Aktivitäten des Frontsängers Moritz Wunderwald an, ist hier schon Einiges zu finden. Er selbst ist unter dem Namen Wunderwald als Produzent aktiv, bildet daneben beim Duo Polaroyds die zweite Hälfte und mischt nun auch mit LAIKKA mit. Bei Polaroyds mehr auf Elektropop konzentriert, steht LAIKKA für deutlich sphärischere Synthiesounds. Auf ihrer gerade neu veröffentlichten, zweiten Single Undertow verliert man sich dann auch gleich in den ersten Synthieklängen und bekommt gleichermaßen ein Gefühl von Enge und Freiheit. Steht der melancholisch, schwelgerische Gesang für die Enge, stößt man mit ausbrechenden Elektrobeats förmlich in die Freiheit auf. Dies wird nicht zuletzt von den Einflüssen der beiden Musiker geprägt – hatte Wunderwald doch in einem Interview zur Entstehung des Duos einmal gesagt, dass er bis dahin eine regelrechte Schreibblockade hatte und sehr verkopft war. Erst durch Alex gewann er neue Freiheit in der Herangehensweise neuer Songs und lösten sich die Blockaden auf. Undertow ist ein Song zum darin verlieren, der sich an die schweren Momente im Leben heftet und diese leichter erscheinen lässt – aber auch eine voluminöse Soundästhetik hat, die für kalte Abende in warmer Umgebung wie gemacht ist.

Celeste - Stop This Flame

Celeste – Vom versehentlichen schreiben eines Hits

Celeste Epiphany Waite ist 25 Jahre alt und hat eine musikalische Entwicklung hinter sich, die sich so natürlich, wie sympathisch ließt. Aufgewachsen in der Nähe von Brighton in Südengland entdeckte sie mit zehn Jahren, dass sie für Musik brennt. Mit den Einflüssen aus ihrem Elternhaus, die aus Soulgrößen, wie Aretha Franklin und Ella Fitzgerald bestanden, entdeckte sie schnell die Liebe zu dieser Musik. Schließlich schrieb sie mit 16 Jahren „aus Versehen“ – wie sie sie sagt – den Song Sirens und stellte ihn auf Youtube. Dieser weckte erst die Aufmerksamkeit eines Managers  beim Plattenlabel von Lily Allens und später auch die Michael Kiwanukas. Mittlerweile bei Polydor unter Vertrag, hat sie in den letzten beiden Jahren mit ihren EP’s The Milk & The Honey (2017) und Lately (2018) für ordentlich Furore gesorgt. Dabei mischt die Sängerin Soul und R&B mit einer Prise Blues und sorgt mit ihrer stimmlichen Range für eine Weite im Refrain, der allumfassend klingt und an die ganz Großen im Soul anknüpft. Auf ihrer aktuellen Single Stop This Flame verbindet sie diesen Gesang mit einem treibenden Pianospiel und tanzbaren Beats. Dabei schafft es Celeste den Hörer in eine Art Aufbruch zu versetzen und sich stark zu fühlen. Stop This Flame wird auf ihrem Debütalbum Celeste sein, welches am 4. September 2020 veröffentlicht wird. Nimmt Celeste weiterhin an Fahrt auf, werden die BBC und der NME recht behalten, als die die Sängerin 2019 als eine der Künstlerinnen betitelte, die es 2020 schaffen würden, ihren Durchbruch zu feiern.

Chela - Delivery

Chela – Musik, als wäre es der Abschlussball 1987

Chela ist momentan eine der flirrendsten Newcomerinnen Australiens. Mit ihrer – im Herbst 2019 veröffentlichten – EP Delivery hat die philippinisch-australisch-stämmige Musikerin Chelsea Wheatley – wie Chela bürgerlich heißt –  eine Platte veröffentlicht, die so schimmernd und lebensbejahend klingt, dass man sich einfach in sie verlieben muss. Mit der aktuellen Single Delivery überzeugt sie schließlich auch genau in diesem Feld und veröffentlicht eine Retro-Hymne, die nicht passender klinge könnte. Mit 80er-Jahre Beats, hitzigen Synthesizern und ihrer hohen Stimme, hat Chela mit Delivery, eine Partyhymne produziert, die so direkt vom Abschlussball 1987 kommen könnte. Einen dieser Abende, den man in der Aula oder der Turnhalle der Schule mit unzähligen Luftballons, Diskokugel und lauter Menschen, die scheu, aufgeregten und unsicher sind, verbringt. In Chelas Vorstellung war es allerdings weniger der Abschlussball, als vielmehr eine Welt, die dem Science-Fiction aus Filmen wie Das 5. Element oder Blade Runner entstammt. So spielt das Musikvideo zu Delivery in einem futuristischen Club, bei dem sich Chelo als Hologramm auf die Bühne projiziert und mit zwei Tänzerinnen den Song präsentiert. Delivery ist eine mitreissende, poppige Nummer, die keinen kalt lässt und mindestens ein dutzend Momente bereithält, um dazu zu tanzen, als würde man auf seinem Abschlussball selbst gerade den Moment feiern.

Millie Turner – Resetbutton mit vollem Schub voraus

Mit ihrem relaxten Indie-Sommer-Hit Swimming Pool hatte die britische Sängerin Millie Turner letzten Sommer eine wahre Perle an Song veröffentlicht. In den Folgemonaten arbeitete die Britin an weiteren Songs und veröffentlichte am 15. November ihre EP Hide+Seek. Darauf enthalten ist die aktuelle Single January, auf der sich Turner einem Reboot verpflichtet, ohne sich dabei zu sehr verändern zu wollen. Vielmehr geht es bei ihr darum in den Januar zu kommen und dem Leben einen Neustart zu geben, ohne dabei auszuschließen, dass gleiche Fehler auch ein zweites Mal gemacht werden. Mit den ganzen Vorsätzen, im neuen Jahr alles anders zu machen, hat Turner nicht viel gemein und tritt dabei gleich zu Beginn des Jahres 2020 mit January einen weiteren Schritt ins Rampenlicht der britischen Musikwelt. So gilt sie als eine der vielversprechendsten Newcomerinnen und zeigt mit January, dass sie wunderbare Laissez-faire-Hymnen beherrscht. Denn January kommt komplett unaufgeregt rüber und ist so relaxt, dass der Song wunderbar als Soundtrack eines Sonntags auf der Couch, zum Filmeschauen passt. Turner wird unterdessen ihren aktuellen Drive nicht verlangsamen und uns mit Sicherheit auch 2020 mit neuem Material versorgen.

Das Ding Ausm Sumpf - Genau Du

Das Ding Ausm Sumpf – Monsterrap auf Dancebeats

Kein bisschen bescheidener könnte man es beschreiben, was der Münchener Musiker Stefan Mühlbauer da unter dem Pseudonym Das Ding Ausm Sumpf raushaut. Mit einer Mischung aus Rap und derben elektronischen Beats erinnert Das Ding Ausm Sumpf auf seiner aktuellen Single Genau Du stark an Deichkind. Neben diesen Elementen kommt aber auch eine Portion Balkanbeats hinzu und erinnert der Song hier und da sogar ein klein wenig an den Sound, den Fettes Brot auf ihrem Überhit Schwule Mädchen hatten. Das Ding Ausm Sumpf behandelt dabei Themen, die bewusst provozierend sind und anecken – denn dem Druck der Leistungsgesellschaft erteilt der Musiker einen fetten Mittelfinger. Mit kränk wird der Münchener am 6. März sein Debütalbum veröffentlichen und gleichzeitig auf eine ausgedehnte Konzerttour gehen, die sagenhafte 38 Städte ansteuert.

Declan J Donovan - Homesick

Declan J Donovan – Wann zündet die Rakete?

Vor fast genau zwei Jahren konntet Ihr hier auf SOML eine Songreview über den britischen Newcomer Declan J Donovan und seine Single Better lesen. In der Zwischenzeit ist mit Pieces ein veritabler Radiohit hinzugekommen. Doch so richtig zünden wollte die Rakete mit Donovan bisher noch nicht. Dabei macht der junge Sänger aus Essex immer noch die ersten Schritte. Mit gerade einmal 3.500 likes auf Facebook bekommt man eine Ahnung davon, was da alles noch kommen mag. Bei der nun veröffentlichten Single Homesick taucht Donovan in eine Welt der Vielfalt ein und springt zwischen leisem Akustikfolk und euphorischem Chorgesang und klingt so, nach Aufbruch und Stärke. Mit Donovans zarter Stimme – die oftmals im Kontrast zu seiner amüsanten Art sich auf Facebook zu präsentieren steht – und einem Video, welches der Brite in seiner Heimatstadt gedreht hat, rundet Donovan das Gefühl eines Sehnsuchts-Songs ab und lässt den Homesick einfach laufen. Nun ist es nur eine Frage der Zeit, bis Homesick auch von unseren Radiosendern entdeckt wird und wir den sympathischen Briten öfter hören werden.

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