Black Coffee & Diplo feat. Elderbrook - Never Gonna Forget

Black Coffee & Diplo feat. Elderbrook – Wie drei Dance Produzenten so verträumt klingen können

Allesamt sind sie in der elektronischen Musik zu Hause. Mal ist es mehr Soul und R&B, mal sind es fette Beats oder wiederum auch nur der ruhige chillige House-Sound, welche die drei Produzenten und DJs voneinander unterscheiden. Als Hauptact des Songs Never Gonna Forget zeichnet sich der Südafrikanische Produzent Black Coffee verantwortlich, der erst vor wenigen Wochen mit seinem Song Ready For You und der Zusammenarbeit mit der britischen Soulsängerin Celeste durch die Decke ging. Bei der Entstehung des neuen Songs Never Gonna Forget erzählt sich die Entstehungsgeschichte allerdings anders. Denn hier war es der US-Amerikanische Star-Produzent Diplo und der britische Newcomer Elderbrook, die diesen Song zusammen geschrieben hatten. War Diplo allerdings schon seit längerem von Black Coffees Arbeit begeistert, wollte er unbedingt mit ihm zusammenarbeiten. So schickte er dem Südafrikaner den Song und ließ Black Coffee die Freiheit den Sound darunterzulegen. Schließlich fügte Diplo noch einige seiner Nuancen hinzu. So kam ein äußerst entspannter EDM-Song heraus, der sich, wie zuvor schon Ready For You in einer ungemein ruhigen Atmosphäre präsentiert.

Black Coffee, Elderbrook, Diplo
Black Coffee, Elderbrook, Diplo

Dabei haben Black Coffee und Diplo den Gesang des britischen Produzenten und Sängers Elderbrook so wunderbar herausgearbeitet, dass man von den einzelnen Lyrics förmlich eingesogen wird. Elderbrook, der erst letzten Herbst mit Why Do We Shake In The Cold? sein Debütalbum veröffentlichte, zeigt dabei einmal mehr eine Anpassung seiner Stimme an die verschiedenen Tempi im Song. Damit ist mit Never Gonna Forget ein so wunderschön verträumter Housetrack erschienen, der drei absolute Superstars zusammenbringt, die Awards, wie den Grammy oder BET-Award, gewonnen haben oder dafür nominiert wurden. Never Gonna Forget ist hierbei bereits die siebte Singleauskopplung aus dem, am 5. Februar erscheinenden Album Subconsciously, welches neben Celeste, Diplo und Elderbrook auch Kollaborationen mit Pharrell Williams, RY X, David Guetta, Usher oder Cassie enthält. Alle Songs eint der unaufgeregt, entspannte House-Sound, der deutlicher zur Stimmung einer Strandbar passt, als auf die Tanzflächen der großen Clubs. Black Coffee berührt, lädt zum Träumen ein und hat ein wahnsinniges Gespür für die richtigen Stimmen.

Oliver Heldens & Party Pupils feat. Max - Set Me Free

Oliver Heldens & Party Pupils feat. MAX – Es ist Zeit für die Tanzfläche

Der niederländische Produzent und DJ lebt den Traum eines international, gefeierten DJs. Mit seinen 25 Jahren ist er bereits seit sieben Jahren im Musikgeschäft, aktuell auf Platz 8 der Top 100 DJs laut DJ Magazine und unterschrieb mit gerade einmal 18 Jahren beim bekannten Elektro-Label Spinnin‘ Records einen Vertrag. Ob Avicii, Tiësto, Calvin Harris, Moby, Felix Jaehn, Eric Prydz, Duke Dumont, Möwe oder Odesza – alle waren oder sind bei dem niederländischen Label unter Vertrag. Mit einer geschickten Marketingabteilung lanciert das Label immer wieder neue Songs und Künstler, indem sie als erstes nur den Song veröffentlichen, den Künstler dazu aber nicht benennen. So entsteht ein Hype um den Song, der oftmals schließlich in hohen Chartpositionen endet. Mit Oliver Heldens unter dem Dach von Spinnin‘ folgte nach nur einem Jahr mit Gecko (Overdrive) der erste Nummer-1 Hit in Großbritannien. Hier konnte man gleichzeitig auch die damalige Newcomerin Becky Hill hören. Mit Last All Night (Koala) – das er zusammen KStewart veröffentlichte – konnte Heldens noch im selben Jahr einen weiteren Top-5 Hit in Großbritannien einstreichen.

Oliver Heldens
Oliver Heldens

2019 machte sich der, aus Rotterdam kommende, DJ schließlich an eine Coverversion, die einen noch viel größeren Erfolg für ihn bedeuten sollte. Denn auf Turn Me On verarbeitete Heldens zusammen mit dem britischen DJ Riton und der Sängerin Vula den 80er Jahre Yazoo-Klassiker Don’t Go und nutzten zusätzlich Lyrics des First Choice Hits Doctor Love den sie 1977 veröffentlichten. Oliver Heldens schaffte es mit Turn Me On in 21 Ländern in die Charts und verkaufte den Song über 1 Million Mal. Auf seinem neuen Song Set Me Free verbindet der Niederländer nun Disco, French House und modernen EDM zu einem grandiosen Dancehit. Heldens hat diesen zusammen mit dem US-Amerikanischen Elektro-Duo Party Pupils produziert, das aus Ryan Siegel und Max Schneider besteht. Letzterer ist zusätzlich auch noch as MAX aufgeführt und singt die Lyrics. Veröffentlicht wird die ungewöhnlich poppige Nummer unter Heldens neuem Sublabel OH2, das über sein Hauptlabel Heldeep erscheint. Dieses hat er extra für die poppigeren Dancetracks geschaffen und zeigt damit, wie vielseitig seine Musik und Sounds sind. Set Me Free ist ein absoluter Banger, der gerade erst so richtig durchstartet.

Poolside with DRAMA - I Feel High

Poolside with DRAMA – Im Club der unbegrenzten Möglichkeiten

Vor einem Jahr ist das aus Chicago kommende Duo DRAMA durch ihre Zusammenarbeit mit Gorgon City auf deren Track Nobody erstmals einer größeren Hörerschaft bekannt geworden. Damals wie heute zeichnen sich die beiden US-Amerikaner durch Produktionen von Songs aus, die sich zwischen R&B, Soul und Elektro bewegen und zumeist einen melancholischen Touch haben. Dabei haben DRAMA neben Gorgon City bereits mit Moglii und Pional zusammengearbeitet. Nun haben sich Via Rosa und Na’el Shehade von DRAMA abermals in eine Kollaboration begeben und mit Jeffrey Paradise und seinem Projekt Poolside den Song I Feel High veröffentlicht. Poolside ist dabei kein Unbekannter und hat bereits 2019 mit Panama zusammen den Song Can’t Stop Your Lovin‘ released. Eingeordnet wird Poolside als Daytime Disco, die sich entspannt präsentiert. Auf I Feel High haben Poolside und DRAMA nun eine Atmosphäre geschaffen, bei der man das Gefühl bekommt, so muss es sich anfühlen, die komplette Nacht in einem Club durchzufeiern und dabei, durch unterschiedlichste Hilfsmittel, unvergessliche Impressionen zu erleben.

Poolside & DRAMA
Poolside & DRAMA

So sieht man sich im Refrain fast schon in Trance durch die dunklen Gänge eines Clubs ziehen und immer wieder nach links und rechts in den Durchgängen zum nächsten Raum vorbeischauend die ganze Welt der Freizügigkeit erleben. Da tanzen in einem Raum unter einer riesigen Discokugel die Menschen so ausgelassen und freudig, wie auf einer Abschlussparty, nur um im nächsten Raum den ekstatischen Tanz der nackten Körper zu beobachten. I Feel High ist eine treibende Dancenummer, die uns zum Bewegen animiert und uns mit dem Gesang Via Rosas förmlich hypnotisiert. Und so sind wir auch im dritten Raum des Clubs angekommen, in dem eine Gruppe von Menschen um einen Perkussionspieler tanzt, der von der Menge – wie ein Schlangenbeschwörer – bestaunt wird. Poolside und DRAMA haben einen extrem vielschichtigen Song veröffentlicht, der sich im Verlaufe der etwas weniger als drei Minuten zu einem wahren Kopfkino entwickelt und unseren Körper nicht stillstehen lässt.

Biig Piig - Feels Right

Biig Piig – Wenn die Party nicht zu mir kommt…

…dann werde ich zur Party. So oder so ähnlich muss es sich Jessica Smyth gedacht haben, als sie den Song Feels Right aufnahm. mit einer kindlichen Naivität in der Stimme und brodelnden Bässen ist Feels Right genau das Richtige, für eine Runde Partystimmung für zu Hause. Damit ist die irische Sängerin, die seit einiger Zeit in London lebt, seit der Veröffentlichung von Feels Right in aller Munde. Ob Mainstream- oder Indieradios, Streamingplattformen oder Playlisten der Bloggercommunity – überhall ploppt die Newcomerin auf. Hat die Sängerin innerhalb von wenigen Wochen bereits die dritte Single veröffentlicht, waren es vorher zumeist ruhigere Songs. Feels Right ist eine vibrierende Dance-Pop-Nummer, die in die Richtung von Künstlerinnen, wie Georgia geht. Mit einer Mischung aus verspielten Clap-Elementen, den pulsierenden Beats, einigen poppigen Momenten und dem unschuldigen Chorgesang im Refrain spricht Biig Piig von allen Genreliebhabern jemanden an.

Biig Piig
Biig Piig

Inhaltlich handelt Feels Right von den Momenten, nach denen sich viele von uns sehen. Durch enge Clubs schweifen, mit hedonistische Partygängern feiern und für den einen Moment – in dem man drauf und dran ist, für einen One-Night-Stand den Club zu verlassen – bereit ist. An diesem Moment lässt uns Biig Piig teilhaben und fragt sich im Refrain laut ‚Cause it feels right. And if I follow you, I know that I should hesitate, but it feels right. And just the thought of you gives me the taste I know I’ll crave. But it feels right. Hierbei fügt Biig Piig zur Entstehung des Songs hinzu, dass sie es so sehr vermisst auszugehen. Das Naheliegendste, was wir also machen konnten, um dieses Gefühl zu bekommen, war es, einen Song darüber zu schreiben. Biig Piig liefert damit einen der heißesten Tracks des Winter ab und lässt uns nach fünf veröffentlichten Songs in diesem Jahr wissen, dass sie aktuell an ihrem Debütalbum arbeitet und wir uns auf ein großes Album freuen können.

Sia - Hey Boy

Sia – Kehrt zu ihren Ursprüngen zurück

Zusammen mit dem französischen Star-DJ David Guetta hatte die australische Sängerin Sia Anfang der 2010er Jahre ihren internationalen Durchbruch gefeiert. Mit Songs, wie Titanium, She Wolf (Falling In Pieces), Wild One Two, Bang My Head oder Flames schaffte es die eigenwillige Sängerin an die Spitze der Charts weltweit. Dabei geht fast unter, dass die Singer/Songwriterin auch mit Acts, wie Kendrick Lamar, Sean Paul, The Weeknd, Flo Rida, Giorgio Moroder oder Zayn zusammengearbeitet hat. Zumeist eint alle Songs ein elektropoppiger Beat, der durch seine Eingängigkeit direkt ins Ohr geht. Dass dieser Weg eine lange Vorgeschichte hat, zeigt sich erst, wenn man sich die Diskografie der Sängerin anschaut. Denn bereits vor 23 Jahren veröffentlichte Sia Kate Isobelle Furler – wie Sia vollständig heißt – mit OnlySee (1997) – ihr Debütalbum. Nach einem 2-Step orientierten zweiten Album Healing Is Difficult (2001) folgte mit Colour The Small One (2004) nicht nur das dritte Album, sondern auch ein Wechsel der Musikrichtung – hin zu Folk und Jazz, gepaart mit elektronischen Elementen. Auf diesem Album war auch die Single Breathe Me zu finden, die als musikalische Untermalung des Serienfinales der erfolgreichen HBO-Serie Six Feet Under für einen enormen Bekanntheitsschub sorgte und der Sängerin weltweite Chartplatzierungen einbrachte.

Sia
Sia

Mit dem Song Clap Your Hands – aus dem fünften Album We Are Born – kam schließlich eine unerwartet poppige Dance-Rock-Nummer raus, die nach vorne ging und für guter Laune sorgte. Nun knüpft Sia genau an diesen Sound an und hat mit Hey Boy einen Song veröffentlicht, der quietschiger und fröhlicher nicht klingen könnte. Mit gerade einmal zweieinhalb Minuten ist Hey Boy die dritte Singleauskopplung aus dem Soundtrack, des Films Music, der höchstwahrscheinlich Mitte Februar 2021 veröffentlicht wird. Hierbei ist Sia Furler nicht nur die Sängerin des Original Soundtracks, sondern gleichzeitig auch die Autorin und Regisseurin des kommenden Films mit Kate Hudson und Maddie Ziegler. Letztere hatte bereits durch die Tanzperformances in Sias Musikvideos zu Chandelier und Elastic Heart für Staunen gesorgt. Hey Boy ist eine großartige Popnummer, die mit Schalk und Spaß überzeugt und Sia nach langer Zeit nun erstmals wieder zurück zum catchigen Pop bringt, der sie einst einen Schritt weiter in Richtung Erfolg gebracht hat.

L'aupaire feat. Martin Rott - Bubbles

L’aupaire – Musikalisch neu aufstellen

Mit Rollercoaster Girl gelang dem Gießener Musiker L’aupaire 2014 ein sensationeller Erfolg. Mit einer Mischung aus rauer und gefühlvoller Stimme und treibenden Sounds wurde er schnell vom Geheimtipp zum gefragten Act in Radioshows, auf Festivals und auf der Konzertbühne. Das dazugehörige Album Flowers landete schließlich 2016 auf Platz 51 der deutschen Albumcharts. Mit den darauf enthalten Songs wurde die Nachfrage nach dem – mittlerweile in Berlin lebenden – Musiker schließlich so groß, dass er die Reißleine ziehen musste und sich eine Auszeit nahm. Der Druck und das ständige Touren führten bei Robert Laupert zu einem Überdenken seiner Arbeit. Nach einigen Monaten ohne jegliche Gedanken an die Musik schlossen sich plötzlich Türen und öffneten sich woanders, wie der Musiker dem Gießener Anzeiger in einem Interview erzählte. Dabei kam wieder neuer Elan auf und plötzlich sprudelten die Ideen für neue Songs. Hier schloß sich auch die Tür bei dem Plattenlabel Virgin Records – bei dem L’aupaire noch sein Debütalbum veröffentlichte – und öffnete sich eine andere bei Vertigo Music. Mit Reframing folgte im August 2019 L’aupaires zweites Album für das es auch eine kleine Deutschlandtour geben sollte. Doch nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung des neuen Albums teilte L’aupaire über seine sozialen Kanäle mit, dass er auf unbestimmte Zeit keine Konzerte mehr geben kann. Dies zahnt in den Reaktionen seines Körpers, der ihm genug Zeichen gesendet habe, diesen Schritt zu gehen – so der Musiker. Wer die Songs L’aupaires kennt, wird wissen, dass alle gemein einer Intimität und Gefühlswelt entstammen, die nicht auf Hektik, hartem Abliefern und Dauer-Druck-empfinden fußen, sondern durchzogen sind, von weichen, emotionalen Gefühlen und Erlebnissen.

L'aupaire
L’aupaire

Während sich L’aupaire über die vergangenen zwölf Monate somit immer wieder freischwamm und durch Erlebnisse – wie die Geburt seines zweiten Kindes oder die Eindrücke eines Roadtrips mit seiner jungen Familie – neue Kraft fand, entstand daraus auch wieder neue Musik. Die dabei veröffentlichten Songs bilden die Vielfältigkeit des Musikers ab, wie wir es bisher kaum zu hören bekamen. Ob mit dem körperlichen Flamenco, dass von den unzähligen ersten Malen handelt, die man im Leben erlebt, oder dem unglaublich warmen Ocean Girl bei dem wir ganz persönliche Einblicke in L’Aupairs Familienleben bekommen und bei dem er über die Verantwortung für seine kleinen Kinder singt und ebenso darüber, diese Verantwortung auch wieder abgeben zu können, um sie auf ihren eigenen Weg zu schicken. Nun hat L’aupaire mit Bubbles die dritte Singles dieses Jahres veröffentlicht und einen gänzlich neuen Sound eingeschlagen. Gänzlich neu ist dabei, dass die Erstversion der Veröffentlichung ein grooviger Dancesong ist, der mit 80er-Jahre Synthies aufwartet und von Martin Rott – der bereits mit Wallis Bird, Alexa Faser, Max Giesinger und Stephanie Neigel zusammenarbeitete – einen neuen Mix erhielt. Rott hat dabei gerade erst Ende August seine Debüt-EP Circles veröffentlicht und aus L’aupaires Folk- und Blues-Sound eine tanzbare, lebensbejahende Dancepopnummer gemacht. Hierbei kommt ein Retrogefühl auf, welches uns Bilder in den Kopf setzt, wie man in den 80er-Jahren, zusammen mit seinen Freunden, zum nächsten Kiosk gegangen ist, um sich für ein paar Pfennige Süßigkeiten und Kaugummis kaufen zu können. Mit Bubbles gibt uns L’aupaire einen Eindruck von der Vielfalt, die noch in ihm schlummert und macht gleichzeitig Lust auf die kommenden Veröffentlichungen. Alles braucht seine Zeit – auch für Künstler gilt dies, um ganz bei sich selbst zu bleiben.

The Best Of 2020 Vol. 16

The Best Of 2020 Vol.: 16

01. Billie Eilish – Therefore I Am (zum Artikel)

02. Nora En Pure feat. Tim Morrison – Come Away (zum Artikel)

03. Julia Stone – Dance (zum Artikel)

04. Jeremias – hdl (zum Artikel)

05. Clueso – Aber Ohne Dich (zum Artikel)

06. Anna Of The North – Believe (zum Artikel)

07. Axel Flóvent – Tonight (zum Artikel)

08. Chet Faker – Low (zum Artikel)

09. Emma McGrath – Mad About You (zum Artikel)

10. Kristofer Åström – In The Daylight (zum Artikel)

11. Hot Chip feat. Jarvis Cocker – Straight To The Morning (zum Artikel)

12. Lastlings & RÜFÜS DU SOL – No Time (RÜFÜS DU SOL Remix) (zum Artikel)

13. Lea Porcelain – Choirs To Heaven (zum Artikel)

14. NEØV – Burnt My Fingers (zum Artikel)

15. Lui Hill – Creatures (zum Artikel)

16. Monolink – Sinner

17. Simen Mitlid – While Heaven Is On Fire

18. Sukie – Sober (zum Artikel)

19. Tia Gostelow feat. Holy Holy – Always (zum Artikel)

20. Sean Christopher – In Circles (zum Artikel)

21. John Summit & Guz – Thin Line (zum Artikel)

Nathan Ball - All Comes Back To You

Nathan Ball – Wo gehör ich hin?

Es erstaunt fast ein wenig, dass wir von Nathan Ball neues Material zu hören bekommen, welches keinen elektronischen Beat unterlegt hat. Mit den letzten beiden Kollaboration auf Faithless‘ This Feeling und Icarus‘ Meet Me There hat sich der, aus Südwestengland kommende, Singer/Songwriter auf ungewohntes Terrain begeben. Weg war sein ruhiger Folksound und gaben plötzlich Dancebeats den Ton an. Dabei kennen wir Ball durch seine Songs Call It Love, Right Place und Echo eher aus dem Folk-Bereich. Nun hat der Brite mit seinem neuen Song All Comes Back To You einem Gefühl Bilder verliehen und zeigt uns eindrucksvoll seine Momentaufnahme des ersten Lockdowns. Geschrieben in seiner Heimat Cornwall, hat der Song die Einsamkeit und Verlorenheit als Ursprung. Denn während sich im Lockdown Paare und Familien gegenseitig stützen können, hatte man es als Single äußerst schwer.

Nathan Ball
Nathan Ball

Die daraus resultierende Einsamkeit baute sich in Ball immer mehr zu einem verloren fühlen auf. Dabei ist All Comes Back To You eine reduzierte Ballade, die sich ganz auf die Gitarre und den Gesang Balls konzentriert. Hier kommt eine Stimmung auf, die sich von dem Wunsch eine Neupositionierung speist. Das Gefühl des verloren seins ist dabei allgegenwärtig und gibt uns ein Gefühl von Trauer, Abschiedsgedanken und rohen Gefühlsausbrücken. Und es zeugt von einem Sänger, der seine durcheinander geratenen Gefühle aufgrund der ganzen Geschehnisse um ihn herum nicht mehr einordnen kann. Im Stile des zweiten Ben Howard Albums I Forget Where We Were ist Nathan Balls neue Single noch reduzierter und spricht eine musikalisch ästhetische Sprache, die sich über die sanften Nuances in Balls Stimme zu transportieren wissen.

Julia Stone - Dance

Julia Stone – Mystisch vertraut und verträumt

Es klingt, wie eine cineastische Version einer morbiden Geschichte. Da tauchen hauchende Gesänge, erzählerische Elemente und Kirchenglocken auf, wo man sie nun wahrlich nicht erwartet hätte – im neuen Song Dance von Julia Stone. Dazu kommen hypnotische Thereminklänge, welche die Atmosphäre zusätzlich verzaubern. Wie schon bei Break zeichnet sich auch auf Stones neuester Single wieder die US-Amerikanische Musikerin St. Vincent für die Produktion verantwortlich. Stone sagt über den Song, dass Dance geschrieben wurde, als ich über diese seltenen aber besonderen Momente nachdachte, wenn Menschen ohne Worte miteinander kommunizieren. Ich wollte diesen Moment teilen, an dem zwei Menschen feststellen, dass Worte überflüssig sind und die Verbindung zwischen den beiden so stark und tief ist, dass es nichts weiter zu sprechen bedarf. Und so kamen mir die Zeilen „So why don’t we dance….“ in den Kopf.

Julia Stone Credit Brooke Ashley-Barone
Julia Stone Credit Brooke Ashley-Barone

Es ist ein Song, der wie gemacht für die aktuelle Situation erscheint, in der wir größtenteils separiert voneinander sind und so sehr die Nähe zu anderen suchen aber diesem Wunsch nicht nachkommen können. In einem großartigen Musikvideo hat Stone die beiden Hollywood-Legenden Susan Sarandon und Danny Glover dazu bekommen, sich für das Video in einem Moment zu zeigen, der in Zeiten der Isolation andeutet, dass sich die beiden für ein Date fertigmachen. Dabei strahlen Sarandon und Glover so viel Liebe aus, das man ihnen fasziniert beim auf der Straße tanzen zusieht. Es ist ein Moment, der innigsten Zufriedenheit und dem Vertrauen an die Liebe den Regisseurin Jessie Hill hier abbildet und lässt damit die Song von Stone so weich, warm und ausgeglichen klingen. Mit der Veröffentlichung von Dance als dritte Single, hat Stone nun auch bekanntgegeben, dass am 19. Februar 2021 ihr drittes Studioalbum Sixty Summers erscheinen wird, was gleichzeitig das erste Album seit neun Jahren für die australische Sängerin bedeutet. Dance ist darauf eine verträumte Version von Stones tanzbaren Song Break und wird nicht zuletzt durch das Musikvideo zu einer Seelenkur.

John Summit feat. Guz - Thin Line

John Summit & Guz – Neuer Clubhit wird zum Hit

Mit Deep End hatte der Chicagoer DJ und Produzent John Summit dieses Jahr den erfolgreichsten Dance-Hit 2020 veröffentlicht. Noch heute spielt der Track in den Party-Playlisten eine große Rolle und ist bei Beatport der Song, der sich am längsten auf Nummer 1 in diesem Jahr halten konnte. Während der DJ den Sommer in den USA nutzen konnte und einige wenige Auftritte streamte, arbeitete der Produzent sich durch die vergangenen 40 Jahre der Chicagoer House-Musik. Großgeworden in einer Stadt wie Chicago bedeutet auch, einen regen Austausch mit der hiesigen Elektroszene zu haben. Schließlich kommen aus Chicago House-Acts, wie Felix Da Housecat, Paul Johnson und Green Velvet. Gleichzeitig gibt es Künstler aus anderen Gegenden der USA und Europa, wie Tensnake, Todd Terry, Julio Bashmore oder Inner City, die den Chicago House Sound ins Heute transportieren und so am Leben halten. Mit John Summit kommt nun ein weiterer Act hinzu, der sich alleine durch das derbe Deep End einen Namen machen konnte.

John Summit
John Summit

Nun ist mit Thin Line ein neuer Song veröffentlicht worden, der Summit in ein noch strahlenderes Licht rückt. Denn Thin Line ist deutlich frischer, als das dunkle Deep End und versprüht den positiven Vibe der großen Chicago-House Klassiker. Zusammen mit dem niederländischen DJ und Produzenten Guz, der – wie Summit – gerade noch am Anfang seiner Karriere steht, hat sich der US-Amerikaner den britischen Klassiker People Hold On von Coldcut und Lisa Stansfield vorgenommen, der vor über 31 Jahren veröffentlicht wurde. Herausgekommen sind etwas mehr als 3 Minuten voller Discofieber. Hier erklingen Stansfields Textzeilen: Give a little light, give a little love. Maybe there’s enough for everyone. Give a little hope and a little drugs. Maybe thеre’s enough for evеryone. We’re all dancing on a, dancing on a thin line, so schillernd und in bester Chicago House Manier, dass wir uns an die Hochzeit der Szene in den 80er Jahren erinnert fühlen. John Summit hat mit Thin Line einen weiteren Überhit produziert, der die kommenden Monate wohl nicht mehr von der Spitze der Beatport-Charts wegzudenken sein wird.