The Best Of 2020 Vol.: 11

The Best Of 2020 Vol.: 11

01. Sylvan Esso – Ferris Wheel (zum Artikel)

02. Jack Garratt – Better (zum Artikel)

03. Aluna – Body Pump (zum Artikel)

04. Kylie Minogue – Say Something (zum Artikel)

05. Møme & Ricky Ducati – Got It Made (zum Artikel)

06. James Blake – Are You Even Real? (zum Artikel)

07. Washed Out – Time To Walk Away (zum Artikel)

08. Julia Stone – Break (zum Artikel)

09. Michael Kiwanuka – Final Days (Bonobo Remix) (zum Artikel)

10. San Cisco – On The Line (zum Artikel)

11. Maya Jane Coles feat. Claudia Kane – Run To You (zum Artikel)

12. Ela Minus – They Told Us It Was Hard, But They Were Wrong (zum Artikel)

13. Mando Diao – All The People (zum Artikel)

14. Alanis Morissette – Reckoning (zum Artikel)

15. Flecks – Cinematic Heartbreak (zum Artikel)

16. Sarah Walk – Unravel (zum Artikel)

17. Katie Melua – A Love Like That (zum Artikel)

18. Tash Sultana – Greed (zum Artikel)

19. Two Door Cinema Club – Tiptoes (zum Artikel)

20. Cläng – Berlin, Berlin
Julia Stone - Break

Julia Stone – Ein Hauch von Weltmusik

In den letzten Monaten war Julia Stone so umtriebig, wie zuletzt vor acht Jahren. Denn genau so lange ist es her, dass die australische Sängerin mit ihrem Soloalbum By The Horns Musik als Solokünstlerin veröffentlichte. Dabei war es damals der Zeitraum, in dem sich Fans des erfolgreichen Geschwister-Duos Angus & Julia Stone ernsthaft Sorgen darum machen mussten, jemals wieder Musik des Duos zu hören. Heute wissen, wir, dass das Duo einfach Abstand zueinander brauchte, um sich mit eigener Musik freizuspielen. Zu Beginn dieses Jahres trat Stone schließlich – nachdem sie mit ihrem Bruder und den beiden Alben Angus & Julia Stone (2014) und Snow (2017) wieder als Duo in Erscheinung trat – abermals als Solokünstlerin ins Rampenlicht und war auf der Single Breathe It In des US-Amerikaners Garrett Kato zu hören. Als die verheerendsten Waldbrände der australischen Geschichte – die von September 2019 bis März 2020 andauerten – über eine Milliarde Säugetiere, wie Kängurus, Koalas, Krokodile und Pferde tötete, rief Stone die Initiative Songs For Australia ins Leben. Hier veröffentlichte die Sängerin zusammen mit anderen Künstlern ein Compilation-Album, auf dem große australische Songs neu interpretiert wurden.

Julia Stone - Photo by Brooke Ashley Barone

Julia Stone – Photo by Brooke Ashley Barone

Dabei hatte Stone selbst mit der ergreifenden Version des Midnight Oil Klassikers Beds Are Burning für Furore gesorgt – ist er nicht nur hervorragend geworden, sondern zählt er mit dem dazugehörigen Musikvideo auch gleichzeitig zu einem der packendsten Songs des Jahres. Was folgte war ein weiterer Song Stones für den Soundtrack des Science-Fiction-Films Only. Nun hat Stone mit dem Song Break tatsächlich ein wenig mit so vielem gebrochen, dass man sich fast schon verwundert fragt, ob dieser Song denn tatsächlich von der Sängerin kommen kann. Denn entgegen ihres zumeist auf Folk basierenden Sounds, hat die Australierin mit Break einen frohen, frischen Weltsound veröffentlicht, der an Sängerinnen, wie Jain erinnert. Produziert wurde der Song von der mehrmaligen Grammy-Gewinnerin und US-Amerikanischen Musiktausendsasserin St. Vincent. Break ist Pop pur und zeigt textlich gleichzeitig auch, wie sehr sich die Chemie in einem selbst verändert, wenn man auf einem Menschen trifft, bei dem die Gefühle plötzlich verrücktspielen – wie Stone ihn selbst beschreibt. Mit einem großartigen Musikvideo ist Julia Stone mit ihrer ersten neuen Single eines – hoffentlich bald erscheinenden – neuen Soloalbums zurück und begeistert gleich zu Beginn mit einer großartigen Produktion.

BRONSON feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs - Dawn

BRONSON – Sound von Meistern ihres Genres

Sie klingt wie eine endlose Nacht auf einem der hiesigen Elektrofestivals – die Musik, die das Trio BRONSON veröffentlicht. Sie ist so treibend, dass wir uns kaum zurückhalten können das Projekt – das auch gerne als Supergroup bezeichnet werden kann – zu loben. Denn hinter BRONSON steckt zum einen der australische House-DJ Thomas George Stell – alias Golden Features – der mit Songs wie Tell Me (mit Nicole Millar), No One (mit Thelma Plum) oder Wolfie (mit Julia Stone) und seinem 2018er Debütalbum Sect einen fantastischen Start in die Szene hinlegen konnte. Zum anderen sind keine Geringeren, als die US-Amerikaner Harrison Mills und Clayton Knight – alias ODESZA – mit dabei. Diese sind mit ihrem Mix aus Breakbeat, House und Indietronic und Songs, wie Say My NameLine of Sight und Late Night und ihren bisher veröffentlichten drei Alben zu absoluten Festival-Giganten avanciert. Nun haben diese beiden Acts das Projekt BRONSON ins Leben gerufen und mit Vaults und Heart Attack bereits zwei Songs mit absoluten Statementcharakter veröffentlicht.

Auf ihrer dritten und finalen Singleauskopplung Dawn – welche auf dem am 7. August erscheinenden gleichnamigen Debütalbum BRONSON den letzten Titel darstellen wird – haben sie sich keinen Geringeren als den britischen Soundtüftler Totally Enormous Extinct Dinosaurs dazugeholt. Hier liefert die Supergroup sogar noch einen Supergroupsong ab, der mit Totally Enormous Extinct Dinosaurs nochmals alles toppt. Dabei besitzt der Sound von Dawn eine Dramaturgie, die sich durch den mehr als sieben minütigen Song schlängelt und so Platz bietet, für verschiedenste Emotionen. Zwischen House, treibenden Synthies und Elemente, die an Trance erinnern, lässt sich Dawn nur schwer in ein Gerüst stecken. Dabei bieten die verschiedenen Einflüsse von ODESZA, Golden Features und Totally Enormous Extinct Dinosaurs eine Soundkulisse, die zu begeistern weiss und gleichzeitig auch den Horizont weiter in die Ferne setzt. Denn als Idee hinter Dawn hatte BRONSON, einen Song zu produzieren, den man mit auf eine Reise nehmen kann. Ob über Bergpässe und dem damit verbundenen weiten Blick, einer Fahrt durch Täler voller satter, grüner Wiesen oder einfach als Open Air-Moment an einem Strand irgendwo auf dieser Welt – Dawn weiss diese Momente musikalisch zu untermalen und setzt die Messlatte für das Debütalbum der drei Musiker enorm hoch.

The Best Of 2020 Vol.: 04

The Best Of 2020 Vol.: 04

01. Flecks – You Bet I Would (zum Artikel)

02. Provinz – Wenn die Party vorbei ist (zum Artikel)

03. OTR feat. Vancouver Sleep Clinic – Moon (zum Artikel)

04. Christian Löffler – Noah (zum Artikel)

05. Celeste – Stop This Flame (zum Artikel)

06. Róisín Murphy – Murphy’s Law (zum Artikel)

07. Polaroyds – Water Falls (zum Artikel)

08. Sam Smith – To Die For (zum Artikel)

09. Balthazar – Halfway (zum Artikel)

10. Meduza feat. SHELL – Born To Love (zum Artikel)

11. Bloodhype – Violent Heart (zum Artikel)

12. Kalthauser – Erlöse Mich (zum Artikel)

13. Fickle Friends – Eats Me Up (zum Artikel)

14. Garrett Kato feat. Julia Stone – Breathe It In (zum Artikel)

15. Vonheim – Moving On (zum Artikel)

16. LAIKKA – Undertow (zum Artikel)

17. The Strokes – Bad Decisions (zum Artikel)

18. Das Moped – Niemand Sonst (zum Artikel)

19. San Cisco – Reasons (zum Artikel)

20. Alanis Morissette – Smiling (zum Artikel)

21. June Cocó – Heavy Heart (zum Artikel)

22. Jon Bryant – Bad Happens (zum Artikel)
Garrett Kato feat. Julia Stone - Breathe It In

Garrett Kato feat. Julia Stone – Wenn ein Song einschlägt

Er ist so etwas, wie eine emotionale Explosion – der neue Song Breathe It In des US-Amerikaners Garrett Kato. Ist Kato vor einiger Zeit nach Australien gezogen, hat er sich für Breathe It In mit Julia Stone zusammengesetzt und einen Song geschrieben, der so tief und reich an emotionaler Interpretation ist, dass dieser sehr viele Menschen ansprechen wird. So universell, wie einzigartig, singt Kato mit einem Timbre, den man in Deutschland einmal Mitte der 2000 vom britischen Sänger Ben Hamilton zu hören bekam. Mit einer wunderbaren Tiefe und Wärme singen Kato und Stone darüber, wie es ist im Moment der Selbstfindung eine neue Person in sein Leben zu lassen. Diese Momente, die uns als unglaublich verletzlich und pur auszeichnen, sind oftmals der Beginn einer aufrichtigen Beziehung. Genau diese aufrichtige Ehrlichkeit ist es, die dem Song Breathe It In diese Tiefe gibt und in den letzten kalten Nächten des abziehenden Winters für Wärme sorgt. Breathe It In ist auf Katos neuester EP S. Hemisphere enthalten, die am 6. März veröffentlicht wird.

Julia Stone - Beds Are Burning

Julia Stone – Ergreifende Coverversion

Es ist eine der größten Katastrophen, die nicht nur Australien in den vergangenen Monaten erlebt hat, sondern auch sinnbildlich für die Veränderung der Natur auf unserer Erde steht. Bei den größten und schlimmsten Wald- und Buschbränden, die die Welt je erlebt hat, sind über eine Milliarde Tiere umgekommen. Hierbei betrug die Fläche der Brände 180.000 km² was ziemlich genau die Hälfte Deutschlands ausmacht. Während sich in Australien viele Freiwillige meldeten, um Tiere zu retten und Feuer zu bekämpfen, haben sich zahlreiche australische Musiker zusammengeschlossen und mehrere Benefizkonzerte ins Leben gerufen. Mit dabei waren Künstler und Bands, wie Tash Sultana, Briggs und Gang of Youths. Auch Angus und Julia Stone waren dabei und sorgte dafür, dass das Benefizkonzert binnen 30 Minuten ausverkauft war. Um noch mehr Geld für die Hilfe der – von den Bränden zerstörten – Gebiete zu sammeln, nahmen schließlich einige Künstler Songs von bekannten australischen Künstlern neu auf. Mit dabei sind Damien Rice, Petit Biscuit, Dermot Kennedy, The Nationals und eben auch Julia Stone, die mit ihrer Version des Midnight Oil Klassikers Beds Are Burning für absolute Gänsehaut sorgt. Mit ihrer intimen und zerbrechlichen Interpretation des 1987er Songs schafft Julia Stone eine Betroffenheit, die durch die schrecklichen Bilder – über das Ausmaß der Brände – noch verstärkt wird. Gleichzeitig zeigt das Musikvideo, wohin wir steuern, wenn nicht jeder Einzelne anfängt, seine Gewohnheiten und Taten zu ändern. Julia Stone hat mit ihrer Version des Klassikers Beds Are Burning einen Stand-Alone Track geschaffen, der sinnbildlich für die Tragödie steht, die Australien in den vergangenen Monaten zu erleiden hatte.

Dope Lemon - Hey You

Dope Lemon – Angus Stone auf Abwegen

Es schwingt immer mit – die Angst, Angus & Julia Stone würden keine Musik mehr zusammen machen. Hatten sie von 2010 bis 2014 davon gesprochen, nicht mehr zusammen musizieren zu wollen, folgte bei beiden mit Broken Brights (2012, Angus Stone) und By The Horns (2012, Julia Stone) ein Soloalbum. War 2014 die Welt, nach der Veröffentlichung von dem selbstbetitelten Album Angus & Julia Stone wieder in Ordnung, kam 2017 mit Snow das vierte Studioalbum raus. Nun hat Angus Stone jedoch sein Nebenprojekt Dope Lemon reaktiviert und streut damit abermals Angst bei den Angus & Julia Stone Fans. Dass dies völlig unbegründet ist, zeigt der Musikstil der neuen Dope Lemon Single Hey You. Diese ist nämlich, wie auch schon bei Angus & Julia Stone zu 100 Prozent im Folk beheimatet und besticht durch eine verträumte Folkrock-Nummer aus Bass, Gitarre und der Weite des Australischen Outbacks. Solche Musik könnte man keinem anderen besser abnehmen, als Angus Stone. Dabei singt er lässig zu den fließenden Beats und zeigt mit dem dazugehörigen Musikvideo, wer die Smooth Big Cat seines neuen Dope Lemon Albums sein soll. So ist die neue Veröffentlichung außerhalb des Angus & Julia Stone Universums nur ein Ableger des entspannten Sounds der Geschwister und veröffentlicht Dope Lemon mit Smooth Big Cats am 12. Juli sein zweites Album.

Angus & Julia Stone - Snow

Angus & Julia Stone – Voller Wärme zurück

Es ist bestätigt, Angus & Julia Stones drittes, selbst betiteltes Album war keine Ausnahme. Dies hätte man durchaus vermuten können, hat das Geschwisterpaar schließlich nach seinem zweiten Album Down The Way eine, gar nicht so kurze, Zeit lang nicht miteinander gesprochen. Neues wollten sie damals ausprobieren, sich fordern und Soloalben veröffentlichen. Dies schafften sie dann auch recht erfolgreich und landeten die Alben auf Platz 2 (Angus Broken Brights) und auf Position 11 (Julia – By The Horns) der australischen Albumcharts. Nach vier Jahren ohne gemeinsame Songs zu veröffentlichen, kamen die Geschwister wieder zusammen und nahmen das Angus & Julia Stone, dritte Studioalbum, auf. Dieses wirkte deutlich frischer und hatte einen größeren Pop-Anteil als es noch die beiden Vorgänger besaßen. Hatte man hier noch vermutet, dass die Fans weitere lange Jahre auf ein neues Album warten müssen, haben die Stone-Geschwister nun mit der Single Snow deutlich gemacht, was man von ihnen erwarten kann. Da kommt eine sanfte Gitarre mit eingängigem Schlagzeug, sowie Julias und Angus‘ warmen Stimmen zum Tragen und weht uns eine friedvolle und gänzlich unaufgeregte Melodie entgegen. Im Duell singen sich die beiden durch den Song und spielen hier und da mit ihren Stimmen. Angus & Julia Stone sind fast schon ein Phänomen – entziehen sie sich doch jeglicher Diskussion ob Belanglosigkeit und sorgen weiterhin, nach jeder Veröffentlichung, für kollektive Genugtuung. Man könnte sie somit fast als Balsam für die Seele beschreiben.

Selma & Gustaf – Nordischer Folk der Erinnerungen weckt

Selma & Gustaf feat. The Unmarried Queen – Where We Once Belonged

Ein Duo, welches aus einer Sängerin und einem Sänger besteht, Folksongs schreibt und mit klarer aber auch bittersüßer Stimme singt – das alles kann nur auf die australischen Geschwister Angus & Julia Stone zutreffen? Falsch! Denn auch das schwedische Duo Selma & Gustaf beherrschen diese Kunst des reinen Folkpops. Mit ihrer klaren und leicht nasal-klingenden Stimme singt uns Selma Edenståhl die Geschichte von zwei Personen, die einmal zusammen gehörten, vor. Dabei untermalt Gustaf Johnssons Hintergrundgesang die Weite, die Where We Once Belonged durch die Gitarren und den Sound der Begleitband „The Unmarried Queen“ erhält. Auch wenn Selma & Gustaf stark an die Anfangszeit von Angus & Julia Stone erinnern, verliebt man sich sofort in ihre Songs – macht das Duo doch gerade diesen Sound, den Angus & Julia Stone zuletzt verlassen hatten. Mit der nun veröffentlichten EP Just Before The Night und den darauf enthaltenen vier Songs lassen sich Selma & Gustaf nicht von der Musikindustrie einnehmen und veröffentlichen weiterhin alles in Eigenregie. Dass dies wunderbar funktioniert, zeigen ausverkaufte US-Touren und hochwertige Musikvideos. Allerdings ist es letztlich der Sound, wie bei Where We Once Belonged, der die Band wohl schnell populär werden lässt.

The Majority Says - Silly Ghost

The Majority Says – Schweden ist zu beneiden

Haben die Schweden eines mit Sicherheit, dann ist es muikalischen Geschmack. Kommt doch aus diesem Land so unfassbar viel gute Musik, dass man Angst haben müsste auch nur einen Act davon zu verpassen. Nun sind The Majority Says an der Reihe berühmt zu werden. Kommen sie doch aus der siebtgrößten Stadt Schwedens, Linköping, muss diese Ortschaft dafür nur rund 100.000 Einwohner haben. Nun bereiten The Majority Says um Frontsängerin Hanna Antonsson die Veröffentlichung ihres zweiten Albums The Majority Says vor. Die Single Silly Ghost ist eine perfekte Folk-Indie-Ballade die stimmlich an Julia Stone erinnert. Startet der Song mit Anderssons Stimme schwillt er zu einem hymnenhaften Höhepunkt an und treibt den Hörer die Tanzwut in die Beine als wäre man alleine auf einem Dach im Regen.