Nachdem die Alabama Shakes um Frontsängerin Brittany Howard letztes Jahr im August mit Another Life ihren ersten neuen Song seit zehn Jahren veröffentlichten, folgt nun mit American Dream ein weiterer Song, der alles andere als normal für das Südstaaten-Trio ist und ein Bild von Amerika zeichnet, das von Waffengewalt der Staatsorgane gegen die eigene Bevölkerung, von Anti-Abtreibungsgesetzen und Trumps Fantasien rund um Umbaumaßnahmen am Weißen Haus erzählt.
Das eigentlich Spannende ist, dass die Band, die aus Athens in Alabama am Golf von Mexiko kommt, damit einen Protestsong gegen die aktuelle Regierung veröffentlicht und selbst aus einem Bundesstaat stammt, in dem die große Mehrheit eben diese Regierung gewählt hat. Auf großer Bühne hatten das zuletzt die Dixie Chicks und Madonna zum Irakkrieg getan und wurden danach angefeindet; wurden ihre Tonträger zu Tausenden vor Radiostationen verbrannt.
American Dream ist eine Momentaufnahme dessen, was wir im Jahr 2026 durchleben. Ich schaue mich um und frage mich, wie wir an einen Punkt gekommen sind, an dem es so viel Belastung und so wenig Unterstützung gibt. Ich meine, es sollte nicht unmöglich sein, sich frei zu nehmen, um sein Kind zum Arzt zu bringen – das ist eigentlich verrückt. Meine Hoffnung ist, dass die Leute dieses Lied eines Tages hören und sagen: „Ja, damals war alles ziemlich heftig, aber wir haben es geschafft.“, so Howard über den Song.

Musikalisch ist American Dream dabei von rohem Soul, Garage Rock und psychedelischen Elementen geprägt und lässt Howards Stimme unglaublich präsent wirken. Während der Song durch raue, verzerrte Gitarren fast schon ein wenig bedrohlich erscheint, klingt Howard kraftvoll und explosiv.
Mit American Dream haben die Alabama Shakes damit einen Protestsong abgeliefert, der in den USA sicherlich nicht ungehört bleiben wird und einmal mehr die Zerrissenheit der Gesellschaft aufzeigt. Musikalisch bleibt der Song im Vergleich zu den sonst bekannten Songs des Trios zurückhaltender und ernster und zeigt, dass die Band ihre Reichweite nutzt, um klarzumachen, wo sie steht.