MIA. - LOS

MIA. – Es geht wieder los!

Sechs lange Jahre sind vergangen, seitdem die Berliner Band MIA. mit Limbo 2020 ihr letztes Album veröffentlicht hat. Dabei stand Limbo 2020 unter keinem guten Stern. Hatten Sängerin Mieze Katz, Gitarrist Andy Penn, Schlagzeuger Gunnar Spies und Bassist Robert Schütze für Ende März 2020 ihr siebtes Studioalbum angekündigt, schlug die Coronapandemie voll zu und ließ alles erstarren. Ohne Promotion und Tour folgte mit Platz 49 dann auch die bisher schlechteste Platzierung der Berliner in den deutschen Albumcharts.

Gleichzeitig sind MIA. als eine der prägendsten deutschen Pop- und Rockbands der vergangenen 25 Jahre unmöglich aus der deutschen Popkultur wegzudenken. Ob durch klare Statements für Vielfalt, Humanität, Gleichberechtigung und Solidarität oder Teilnahmen in der DSDS-Jury, falsch interpretierte Songzeilen und die Berliner Schnauze – MIA. sind Mode und vor allem Gesprächsthema. Heute hat sich die Band nach den Überfliegerjahren der 2000er in einem Sound gefunden, der nichts von seiner treibenden Kraft eingebüßt hat und dennoch deutlich reifer und pointierter klingt. Waren es in den Anfangsjahren eher die rotzfrechen Parolen, gelten MIA. heute mit cleveren Texten und klaren Standpunkten als eine der festen Größen im Pop.

Heute – auf den Tag genau sechs Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung – haben MIA. mit LOS einen ersten neuen Song veröffentlicht, der eine neue Motivation darstellt. LOS klingt fast wie eine Zäsur zwischen der Vergangenheit und einem Neuanfang. Ein neuer Anlauf, ein neuer Start. Vielleicht hatten MIA. den nötig.

MIA. Pic: instagram.com/mia.official
MIA. Pic: instagram.com/mia.official

War Mieze Katz 2025 mit ihrer ersten Soloplatte Dafür oder dagegen nicht nur in den Charts erfolgreich, bedeutete das Album auch eine Freisetzung ihrer ganz eigenen Position. Gespickt mit Kollaborationen starker deutscher Frauenstimmen wie Hildegard Knef, Eva Briegel von Juli, Madeline Juno, Wilhelmine, Miss Platnum oder Annett Louisan kam ein Album voller starker, sensibler und geradliniger Popsongs heraus. Für MIA. hätte es aber auch eine noch viel längere Pause bedeuten können. Umso schöner ist es, dass MIA. nun nicht nur mit neuer Musik zurück sind, sondern diese auch erstmals über ihr eigenes Label EENEMEENE Records veröffentlichen, das über Sony vertrieben wird. Damit haben MIA. fast 30 Jahre nach Bandgründung die wohl größtmögliche Unabhängigkeit für Musikschaffende erreicht. 

LOS steht dabei auf soliden Synth-Pop-Füßen und ruft zum Starten auf. Einfach machen, aufraffen, das letzte Mal zurücklassen – und so kickt die Songzeile Wer aufhört, wenn’s am schönsten ist, hat sein Leben nicht im Griff auch noch einmal besonders stark. Mit einer verzückenden Verkopftheit beschreiben MIA. ihren Song dann auch so: LOS ist ein Song über den Moment, in dem sich Vorfreude, Sehnsucht und Übermut zu einem unordentlichen Glück verbinden. Das ist ’ne Art Wellness. Wir lassen uns mal kurz von Hochgefühlen überrumpeln und baden in der unwiderstehlichen Gewissheit, dass wir auf keinen Fall aufhören, wenn’s am schönsten ist. Und dann ist da noch dieser „Euphorie & Alltag Remix“ von LOS, diese B-Seite, die auch eine A-Seite sein kann. Denn wir werden nicht nur von Hochgefühlen, sondern regelmäßig auch von Widersprüchen überrumpelt und stellen uns komplizierte Fragen: zum Beispiel, ob wir wollen können, dass etwas losgeht – sogar, dass es wieder losgeht – und gleichzeitig aber nicht wollen, dass etwas anderes losgeht, das schon beim letzten Mal, als es losging, nicht hätte losgehen sollen …

MIA. sind zurück – und das ist wichtig. Denn die Berliner Direktheit scheint eine erfrischende Ausnahme im heute kommerziell erfolgreichen Popbusiness zu sein. Für MIA. geht es damit wieder los, und wir begleiten sie gerne.

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