Es ist ein sattes Ausrufezeichen, dass die britische Folk- und Rockband Mumford & Sons nun mit ihrem neuesten Song setzt. Aber dazu später mehr. Angefangen mit mitreißenden Folk, dem typischen Banjo-Spiel und Marcus Mumfords Gesang stieg das Londoner Quartett innerhalb von nur zwei Alben zu einer der führenden und erfolgreichsten Folk-Bands der Welt auf. Mit 5,5 Mio. verkauften Alben ist Mumford & Sons 2009er Debütalbum Sigh No More eines der erfolgreichsten Folkalben aller Zeiten. Mit ihrem 2012er Nachfolger Babel gelang ihnen weltweit eine Platzierung auf den ersten beiden Plätzen der Albumcharts und verkaufte sich dieses Album ebenfalls über 5 Mio. mal. Es folgte ein regelrechter Awardregen – vom ECHO über den Australischen ARIA Music Awards, von den BRIT Awards und den Juni Award bis zu den GAFFA Awards und schließlich den Grammy Awards räumten Mumford & Sons mit den ersten beiden Alben sämtliche Preise ab. Mit dem dritten Studioalbum Wilder Mind (2015) wurde schließlich die Abkehr vom Folk-Sound eingeleitet und war die Band zunehmend im Rock und Stadion-Rock anzusiedeln. Das 2018er Album Delta war schließlich ein sattes Popalbum, bei dem nicht mehr viel vom ursprünglich so markanten und wegweisenden Folk übrig geblieben ist. Einst hatten Mumford & Sons eine wahre Folkbewegung ausgelöst und entscheidend dazu beigetragen, dass dieses Genre wieder in den Mainstream kommt. Nun war von dieser Bewegung 2018 nicht mehr viel geblieben. Auch um die Band wurde es schließlich still. Kamen mit Delta Acoustic Sessions: Live from Electric Lady und Sigh No More Sessions (beide 2019) und Delta Tour (2020) noch ingesamt drei Live-EPs raus, kam die Band nun gänzlich zur Ruhe. Marcus Mumford veröffentlichte sein (self-titled) Solo-Debütalbum und wurden mit Blind Leading The Blind und Forever (Garage Version) noch zwei Stand-alone-Songs veröffentlicht.

Vier Jahre später, folgte schließlich genau vor einem Jahr am 16. Januar 2024 die Veröffentlichung von Good People zusammen mit Pharrell Williams. Als Track zu einer Modenschau produziert, war er sowohl musikalisch als auch kommerziell einer der schwächsten Songs von Mumford & Sons. So war nichts mehr vom einstigen Glanz der Band zu hören und folgte auf stampfende Beats – die typisch für viele von Pharrell Williams produzierte Songs sind – ein Gesang, der eher als Sprechgesang und Reim gesehen werden konnte, denn als Gesang. Hier fehlte eine Dramaturgie und konnte der Song die Fans mit seinem Einheitssound einfach nicht fesseln. Seit 2021 zum Trio geschrumpft haben Mumford & Suns nun mit Rushmere nicht nur ihr fünftes Studioalbum für den 28. März 2025 angekündigt, sondern gleich auch die namensgebende Leadsingle Rushmere veröffentlicht. Diese macht eine 180-Grad Drehung und besinnt sich auf ihre Herkunft. So hören wir nach fast zehn langen Jahren endlich wieder das Banjo als eines der federführenden Instrumente. Es folgen auf präsente Drums eine schnelle Gitarren und singt sich Marcus Mumford über ebenso schnelle Lyrics in die Herzen der Fans der ersten Stunde. Damit besticht die Band mit einer Energie, die sich wie neu aufgeladene Batterien anfühlt. Mumford & Sons sind zurück, so richtig. Laut, mit dem Folk-Klang, der sie nicht nur einst berühmt gemacht hat, sondern den sie auch so gut beherrschen, wie kaum eine andere Band. Lasst uns Folk feiern und vielleicht lösen Mumford & Sons auch wieder ein kleines Folk-Revival aus. Wünschenswert wäre es.