Mumford & Sons – Mit If I Say gehört das Stadion ihnen

Und sie schaffen es immer und immer wieder. Mumford & Sons haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Hatte sich ihr unverkennbarer Folk Ende der 00er Jahre zu einem großen Phänomen entwickelt, ging ihr letztes Album Wilder Mind mit elektronischeren Rocksounds in eine deutlich größere Richtung. Nun haben sie nach Guiding Light mit If I Say die zweite Single ihres vierten Studioalbums Delta – das für Mitte November angekündigt ist – veröffentlicht und zeigen, dass sie diesen Weg konsequent fortführen. Hier kommt zum ersten Mal in der Geschichte der Londoner Band ein Stimmverzerrer zum Einsatz und fügt so, im Intro, Marcus Mumfords Gesang eine ganz besondere Note der Verletzbarkeit hinzu. Darauf folgend setzen immer häufiger Streicher ein und geben dem ganzen eine Opulenz, die im letzten Drittel auszubrechen scheint und doch nach tiefen Emotionen klingt. Zum Schluß fügen sich alle Elemente zusammen – und so wird If I Say zu einem Bombastsong, der zeigt, dass Stillstand ein Wort ist, welches die Band nicht zu kennen scheint. Damit begeistern Mumford & Sons abermals mit einem Song, der den epischen Moment – in einem Stadion aufgeführt zu werden – der Gesamtheit beinhaltet und damit so intim wird und jeden anspricht und doch immer auch die große Weite einfängt.

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Mumford & Sons – Folk für die ganz große Bühne

Mit ihrem dritten Album Wilder Mind hatte das Londoner Folk-Quartett eine neue Ära eingeläutet. Mit einem Sound, der deutlich elektronischer war, eckte die Band 2015 zuerst bei den Fans der ersten Stunde an. Wurden sie doch wegen ihres herzlichen Folk-Rocks geliebt und hatten somit auf Wilder Mind eine ganze Menge ihrer Identität verändert. Doch, dass dies ihre bandinternen Laufbahn voran brachte, indem sich die Band aus ihrer Komfortzone entfernt hatte, zeigte der Zuspruch, der auf die Veröffentlichung des Albums folgte und der sich in einer ausverkauften Tour widerspiegelte. Nur ein Jahr später folgte mit der Johannesburg EP ein weiterer Schritt zur Öffnung des Sounds. Hier spielten sie zusammen mit Baaba Maal und Beatenberg Songs ein, die das afrikanische Gefühl präsentierten. Nun sind sie mit der neuen Single Guiding Light zurück und kündigen mit dieser Single auch ihr viertes Studioalbum Delta für Mitte November an. Dabei kehren Mumford & Sons etwas mehr zu ihren Wurzeln zurück und klingen wieder nach mehr Folk. Die elektronische Begleitung dabei nicht außen vor gelassen, benutzen sie diese – nur stark reduziert – im Hintergrund. Typisch für die vier Jungs hat auch Guiding Light die euphorische Wirkung eines Mumford & Sons Songs, jedoch wird dies hier ungewohnt hinausgezögert und setzt erst nach etwas mehr als zwei Minuten ein. Guiding Light bietet die perfekte Brücke zwischen all den Klangausflügen des letzten Albums, sowie der letzten EP und verbindet nicht nur ihre Musik, sondern auch wieder tausende von Menschen.

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 1

Lollapalooza Berlin Festival 2017

Ein Festival, das auch im dritten Jahr keine Konstante entwickelt hat – wo fängt man da an? Es war bereits am Sonntagmorgen viel über den ersten Tag des Lollapalooza Festivals zu lesen – eigentlich nicht über den Tag selbst, sondern eher über die Nacht zum Sonntag. Denn an diesem, versuchten Tausende Besucher des Festivals durch einen eingleisigen S-Bahnhof wieder in die Innenstadt und somit nach Hause zu kommen.

Anfangs geht es an dieser Stelle allerdings um das Festivalgelände, die Acts und das Lebensgefühl – denn davon gab es reichlich.

Betrat man am Samstag das Festivalgelände, stand man in Mitten eines riesigen weiterlesen

Mumford & Sons – Konzertkritik

Vor einigen Tagen war es soweit. Mumford & Sons gaben zwei spontane Club-Gigs im Berliner Magnet Club. Passen hier bei Konzerten maximal 350 Fans rein war Intimität vorprogrammiert. Da nahm man auch in Kauf, sein Handy am Einlass abgeben zu müssen um der Band zu garantieren, kein Bild- und Tonmaterial für die sozialen Medien zu erzeugen. So wahren selbst Fotografen bei diesem Gig nicht zugegen.
Was sich im Vorfeld dieser Kritik herausstellte war, dass es bei diesem Konzert doch recht schwierig war, über die einzelnen Songs zu schreiben, da bis jetzt keiner der Tracks, bis auf ‚Believe‘ veröffentlicht wurden. Doch um halb neun war es dann schließlich soweit und die Jungs um Marcus Mumford kamen auf die Bühne um direkt mit dem ersten Song zu beginnen. Dieser startete dann auch mit einem ruhigen Gesang Marcus Mumfords und einer eher zurückhaltenden Band. Hier wusste man sofort, warum es sich gelohnt hatte so lange auf das dritte Album zu warten. Denn nach ungefähr anderthalb Minuten explodierte die Band und der Saal wurde von 18 hell leuchtenden Bühnenstrahlern beleuchtet. Was den Fans hier entgegenkam war alles andere als das, was sie erwartet hatten. Weshalb um einen herum ein Lachen der Ungläubigkeit einsetzte. Doch war dies nicht etwa einem Witz während des Auftrittes geschuldet, vielmehr war es eine Reaktion der völligen Überwältigung. Denn mit Ausbrüchen wie Diesem haben Mumford & Sons sich in den Rockolymp katapultiert. Ist ihr Sound doch so viel größer geworden und funktioniert dennoch ebenso wie in den Stadien, auch auf der kleinen Bühne.

Marcus blutet bei ‚Believe‘

Immer wieder kam es bei den Songs zu ruhigen Momenten, in denen man sich vor einem Geschichtenerzähler stehen sieht – bis es zu der Performance von ‚Believe‘ kam. Was Frontman Marcus Mumford hier abllieferte, glich einem emotionalen Ausbruch. Hatte man ihn anfangs nur mit geschlossenen Augen ruhig singend auf der Bühne gesehen, steigerte er sich während des Songs zu einem regelrechten Streitgespräch zwischen ihm und einer imaginären Person. So kam man nicht drum herum, diesen Song mit einer perönlichen Erfahrung Markus‘ in Verbindung zu bringen. Und es schien fast schon, als würde er emotional ausbluten und bis aufs Letzte um etwas kämpfen, das schier verloren zu sein schien. Diese Darbietung war zutiefst beeindruckend und kannte man in dieser Form noch nicht von der Band. Da war es dann auch kein Wunder, dass es ohne einen Zwischenkommentar zum nächsten Song ging.

Where is the Banjo?!

Apropos Kommentare. Mit denen sparten die Jungs dann auch nicht und machten so den Abend zu einer, über die Songs hinaus, unterhaltsamen Show. Da wurden selbst Bemerkungen aus dem Publikum wie „Where is the Banjo?!“ und „Fuck Coldplay“, sympatisch witzelnd mit den Worten „Get out of here“ oder „Last warming my friend“ beantwortet.
Nach kurzzeitig ruhigeren Songs kamen sie schließlich für einen letzten Song zurück auf die Bühne. Dieser wurde mit dem Namen ‚The Wolf‘ angekündigt und wird wohl ihr Meisterwerk auf dem kommenden Album sein. War doch der Bombast und das Zusammenspiel aus Schlagzeug, Gitarre und Bassgitarre sowie Marcus Mumfords Gesang so groß, dass es den Raum zu sprengen schien. Es war fantastisch zu sehen, wie sich diese Band musikalisch weiterentwickelt hat und so ließen sie die Fans mit noch größerer Vorfreude auf das kommende Album im Saal zurück.
Als kleine Überraschung, um die Zeit bis zum 4. Mai zu überstehen, gab es beim Abholen des eigenem Handys eine kleine Mumford & Sons Jute geschenkt, in der das Mobiltelefon steckte.
Eine tolle Idee um diesen wunderbaren und so überraschenden Abend in Erinnerung zu behalten.